Beiträge von Blizzard

    Hallo Andi,

    auch von mir alles Gute und herzlichen Glückwunsch. Ich freue mich immer wieder dich und deine reflektierten Kommentare und Postings zu lesen und hoffe, das du dem Forum noch lange erhalten bleibst.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Leute,

    ich bin auch ziemlich stolz auf mich und ich finde auch, dass es völlig in Ordnung ist, dass zu sagen. Allerdings gebe ich auch Paolo Recht: Stolz ist so lange in Ordnung, solange er nicht in Überheblichkeit und Leichtsinn ausartet. Und das kann immer mal geschehen - auch ich ertappe mich zwischendurch immer mal dabei, wenn ich es übertreibe. Glücklicherweise bin ich soweit reflektiert, dass ich mich dann selber wieder zurechtstutze. :D

    Ich bin stolz darauf,

    - dass ich fast 2 Jahre trocken bin
    - dass ich gelernt habe offen und ehrlich mit meiner Krankheit umzugehen (mit erhobenem Kopf)
    - dass ich mir die Arbeitsstelle erarbeitet habe, die ich schon lange gerne gehabt hätte und dass ich dort jetzt eine sehr gute Probezeitbeurteilung erhalten habe
    - dass ich seit Weihnachten 6 kg Übergewicht abgebaut habe
    - dass ich meine Pläne nicht nur plane, sondern auch in die Tat umsetze und so z.B. im April ein Promotionsstudium beginnen werde.
    - dass ich trotz Vollzeitarbeit 5 mal pro Woche zum Training gehe
    - dass ich mit meiner Frau seit 7 Jahren glücklich zusammen bin und noch nicht mal den kleinsten Gedanken hatte, fremdzugehen o.ä.

    ....und das beste kommt noch....

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Andi,

    ja, dann will ich das mal tun!

    Also, mein Probezeitgespräch lief sehr gut. Ich wusste zwar, dass man ganz zufrieden mit mir sein würde, aber dass man mich so überschwenglich bewerten würde, hätte ich auch wieder nicht gedacht. Nun ja - bei aller Bescheidenheit - konnte ich mir dann doch ein Lächeln nicht verkneifen - und verlor damit sozusagen mein "Pokerface" gegen Ende des Gesprächs, weil ich schon teilweise echt gerührt war.

    Jedenfalls bin ich sehr zufrieden und weiß nun, wie sehr man meine Arbeit schätzt und dass ich für ein erstes, halbes Jahr schon verdammt viel dort erreicht habe. Das spornt natürlich an: Sich weiter in die Materie zu vertiefen, die Konzepte zu verfeinern, die Arbeit mit meinen drogenabhängigen Klienten weiter voranzutreiben. Insgesamt weiß ich meinen Job sehr zu schätzen und bin sehr dankbar, dass man mir diese Chance gegeben hat. Und nochmal: Ich kann nicht oft genug betonen, wie richtig meine Entscheidung war, von Anfang an offen mit meiner Krankheit umzugehen - gerade in diesem sensiblen Bereich der Suchthilfe. Denn wie sollte ich für Offenheit und Ehrlichkeit als ersten Schritt in eine stabile Abstinenz predigen, wenn ich es nicht selber "leben" würde?

    In diesem Sinne - euch allen schon mal ein schönes Wochenende. Ich bin ab morgen auf Selbsterfahrungs-Wochenende im Rahmen meiner Ausbildung und schon sehr gespannt was mich da im Kloster erwartet...

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Leute,

    wieder mal Zeit, mich zu melden.

    Nachdem ich Anfang Februar ja gewissermaßen einen kleinen stimmungsmäßigen Durchhänger hatte, geht es seit Anfang letzter Woche wieder bergauf. Obwohl...Donnerstag und Freitag gings mir ganz schön schlecht - das hatte aber rein physische Gründe: Ich hatte nämlich einen kurzen, aber sehr heftigen Magen-Darm-Virus. Ohne auf die Details einzugehen: Ich habe an einem Tag (Donnerstag) ungefähr 2 1/2 Liter Flüssigkeit verloren...

    Nun ist aber alles wieder in Ordnung. Schon am Wochenende ging es mir richtig gut und ich habe die 2 Tage Krankenstand irgendwie auch genoßen...lag den ganzen Tag faul vor dem Fernseher und habe Wintersport geguckt. Jetzt hat mich die Arbeit wieder. Morgen habe ich mein 6-Monatsgespräch mit meinem Chef, das jeder Mitarbeiter am Ende seiner Probezeit führt. Ich fühle mich in dem Laden ja echt wohl und bin froh, dort gelandet zu sein.

    Im März habe ich eine Woche Urlaub, wo ich zu meinen Eltern nach Österreich fahren werde. Ab April arbeite ich ja nur noch 30 Stunden, weil ich dann wieder nebenbei studieren werde. Sportlich wird die Form langsam auch wieder besser - im Mai und im Juli habe ich 2 wichtige Wettkämpfe. Außerdem plane ich gerade mit meiner Frau unseren Urlaub Ende Juli am Bodensee.

    So, das wars erstmal in Kürze - wünsche allseits eine schöne Woche! :D

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Elli,

    dein Weg erinnert mich sehr stark an meine eigenen ersten Schritte. :wink:

    Ich war auch in einer Beratungsstelle angebunden, habe dort eine "Orientierungsgruppe" besucht und anschließend eine ambulante Therapie gemacht.

    Auch wenn ich heute - knapp 2 Jahre später - eher der Meinung bin, dass mir andere Veränderungen und Dinge in meinem Leben geholfen haben, trocken zu werden, so möchte ich doch diese Zeit damals nicht vermissen. Ich habe auch dort einiges erfahren und einen brauchbaren Austausch mit den anderen Teilnehmern und den Suchttherapeuten gehabt. Da ich damals arbeitslos war, waren die beiden wöchentlichen Termine (Einzel und Gruppe) für mich die einzigen festen Termine neben meinen sportlichen Aktivitäten, die meinem wöchentlichen Ablauf ein wenig Struktur gegeben haben.

    Insofern kann ich dir nur raten: Versuche möglichst offen an die Sache heranzugehen und zieh für dich raus, was dir als brauchbar erscheint. Erwarte nicht zuviel von der Therapie, aber versuche dich einzubringen - insbesondere in den Gruppen. Und denk immer daran, dass man die - positiven - Auswirkungen dessen, was eine Therapie bringt, oft erst sehr viel später an sich bemerkt.

    In diesem Sinne: Viel Erfolg und alles Gute!

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Manfred,

    ich bin da anderer Meinung als Du. Für mich gehört ein alkoholfreies Umfeld in meiner Wohnung zu den schönsten Errungenschaften meiner - nun bald 2-jährigen - Trockenheit. Meine Frau leidet darunter kein bisschen. Warum auch? Sie hat früher selbst kaum mal was getrunken (und wenn, dann fast immer nur deswegen, weil ich sie dazu animiert habe). Ich frage mich deswegen bei solchen Diskussionen wie hier immer wieder: Wie sehr muss der Partner selber dem Alkohol verfallen sein, wenn es für ihn/sie so ein dermaßen inakzeptables Opfer darstellt, in der Wohnung nichts mehr zu trinken?

    Meine Frau jedenfalls versteht, warum ich darauf Wert lege, dass bei uns zu Hause nichts getrunken wird - und wie gesagt: Sie empfindet das nicht im geringsten als "Verzicht", wegen dem man jetzt gar einen Konflikt oder eine Diskussion anzetteln müsste. Der Alkohol hat diese Bedeutung bei uns nicht.

    Übrigens hat das Bestehen auf ein alkoholfreies Umfeld mit "Schwäche" oder "Labilität" meiner Meinung nach nun gar nichts zu tun. Umgekehrt wird schon eher ein Schuh drauß. Sich ein alkoholfreies Umfeld zu schaffen, ist einfach der geradlinige, kompromisslose Weg und ein regelrechter Meilenstein (ja fast schon eine kleine Revolution) für den Trocken-Werden-Wollenden, währenddessen derjenige, der sich weiterhin mit Alkoholika verschiedener Art in seinen 4 Wänden abgibt eine ziemliche Ambivalenz zeigt - vielleicht um sich unbewusst ein Hintertürchen offen zu lassen??

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Vera,

    ich kann mich noch dunkel an dich erinnern und freue mich nun sehr zu hören, wie gut es dir ergangen ist. Das klingt jedenfalls alles sehr vielversprechend - zumal du auch weiter in der Online-Selbsthilfe tätig bist. Wo - das ist ja völlig egal, hauptsache es wirkt und man merkt, dass man vorankommt.

    Ich freue mich für dich und wünsche dir weiterhin alles Gute!

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Leute,

    erstmal danke für eure netten und positiven Rückmeldungen zu meinem Weg - auf den bin ich übrigens sehr selber sehr stolz. Manchmal vielleicht sogar ein bisschen zu sehr. Ja, ich gehe sogar soweit, zu behaupten, dass ich gelegentlich zur Arroganz neige.

    @Rote Lampe

    Danke auch für deinen Kommentar. In mir wächst langsam das Bewusstsein, dass bei mir in Sachen Spiritualität und Meditation noch eine gewisse Lücke klafft. Einerseits bin ich ja philosophisch und auch spirituell (nicht esoterisch) sehr interessiert, habe aber selber noch nicht den richtigen Zugang zur inneren geistigen Dimension gefunden. Ich bin da noch ein Suchender. Von Yoga halte ich z.B. sehr viel. Durch meinen Bruder (einen Meister des Archaya-Yoga und Ausbildungsleiter für Yogalehrer) bin ich da schon einigermaßen beeinflusst. Doch so richtig "klick" hat es da auch noch nicht gemacht. Insbesondere Meditation interessiert mich sehr. Ich weiß, dass in einem ganzheitlichen Lebensansatz die geistige Dimension auch Beachtung finden will und werde daher weiter suchen.

    Gruß,

    Blizzard

    Hallo Koli,

    ja, über soetwas wie einen Notfallplan habe ich auch schon nachgedacht.

    Am letzten Wochenende habe ich mich zum ersten Mal seit langer, langer zeit wieder ein wenig depressiv gefühlt. Dabei kamen natürlich auch wieder Erinnerungen an längst vergangene Zeiten in mir hoch. Ich merkte plötzlich wieder wie es sich anfühlt, wenn man depressiv ist, aber eigentlich keinen Grund dazu hat. Wie die Grübel-Neigung wieder zunimmt usw.

    Was mich zuversichtlich stimmt, ist die Tatsache, das ich mich recht schnell wieder von dieser Stimmungslage befreien konnte. Nach den zurückliegenden, aufregenden (und sehr beglückenden) Monaten war es auch vielleicht mal wieder notwendig, die Seele zur Ruhe kommen zu lassen. Ich habe daher am Samstag - ganz untypisch für mich - meine Fortbildung saußen lassen und bin nur am Sonntag hingegangen. Ich merke, dass das die richtige Entscheidung war. Ich musste einfach mal nichts tun.

    Die letzten Monate war ich ständig in Bewegung - eilte von einem Projekt zum anderen, spulte eine Trainingseinheit nach der anderen herunter und las ein Fachbuch nach dem anderen, meistens sogar 2-4 Stück parallel.

    Jetzt merke ich, dass ich dabei im Begriff war (oder bin?) meine Mitte zu verlieren. Ich verlor mich in zuvielen, kraftraubenden Details. Das wird sich nun ändern. Da bin ich nun dabei....

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Leute,

    ich habe mir in dieser Woche viele Gedanken gemacht und auch einige interessante Gespräche geführt bezüglich Rückfallgefahren nach vielen Jahren der Abstinenz. Dieser Austausch war sehr intensiv und hat mir durchaus auch zu denken gegeben.

    Worum ging es genau?

    Wir (ich und einige Kollegen) sprachen über einen jungen Mann, der momentan sehr stabil abstinent lebt, seinen Job 100 % ernst nimmt und mit viel Freude erfüllt und in seiner Wohnung und seinem Leben insgesamt aber auch eine absolute Ordnung und Genauigkeit verfolgt. Er ist nämlich der Ansicht, dass man - wenn man erstmal auch nur die kleinste Unordentlichkeit einreissen lässt - als Süchtiger den ersten Schritt Richtung Rückfall geht. Und vor diesem hat er eine irre Angst. Wir stellten übereinstimmend fest, dass er bei dieser Art Leben irgendwann ausgebrannt sein wird - und das er (trotz der derzeitigen stabilen Abstinenz) hochgradig rückfallgefährdet sei. Vielleicht nicht jetzt, aber in ein paar Jahren - falls er nicht weiter an sich arbeitet.

    Warum erzähle ich jetzt diese Geschichte? Nun, ich selber möchte mich zwar nicht mit diesem jungen Mann vergleichen, aber trotzdem stimmte mich die Diskussion nachdenklich.

    Ich merke seit einigen Monaten, dass ich mich momentan mit gefühlten 250 km/h über den Highway des Lebens bewege: 40-Stunden-Job, 2 Zusatzausbildungen neben dem Beruf, Umzug, 5 mal wöchentliches Training, Bücher schreiben und jetzt demnächst auch noch ein neues Studium inklusive Dissertation. Bis jetzt macht mir dieser Weg noch viel Spaß und ich fühle mich fit und zufrieden. Aber irgendwo in meinem Hinterkopf gibt es da eine Stimme, die mir sagt: "Junge, das kann so nicht ewig gutgehen".

    Und nun möchte ich natürlich keinesfalls riskieren, irgendwann in ein gefährliches Burn-out abzugleiten, habe Angst, dann wieder ganz plötzlich in ein depressives Loch zu stürzen. Ja, ich mache mir da schon so meine Gedanken - Gedanken für die in den letzten 12 Monaten kaum Platz war, weil ich immer höher und höher schaltete und mich einfach nur unbesiegbar fühlte. Jetzt bin ich irgendwie wieder auf dem Weg zu einer realistischeren Einstellung.

    In diesem Sinne werde ich mich in den nächsten Monaten wohl ein wenig genauer beobachten und reflektieren, ob ich wirklich meinen Leistungsanspruch an mich selber so hoch ansetzen muss.

    Jedenfalls merke ich, dass der Weg der Trockenheit weiterhin Arbeit erfordert und dass man sich wirklich - auch wenn man schon ein paar Jahre abstinent lebt (bei mir sind es jetzt demnächst immerin auch schon 2) weiter sein Leben genau hinterfragen und gegebenenfalls rechtzeitig gegensteuern muss.

    Mit diesen Gedanken verabschiede ich mich ins Wochenende - obwohl ich ein solches erst nächste Woche wieder habe: Morgen und Übermorgen ist wieder Fortbildung angesagt. Und noch bin ich da sehr motiviert...

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo zusammen,

    Hartmut ,

    deinen Spruch, den du da angewendet hast ("Wir haben die gleiche Krankheit - ich bin trocken, du bist nass") finde ich sehr gut. Vielleicht werde ich es genauso machen. Das ist auf jeden Fall ein guter Anstoß.

    zerfreila

    Ja, du hast sicher recht. Im Grunde sind es doch genau solche Sprüche, die bei nassen Alkoholikern oft wichtige Denkanstöße setzen. Ein Grund mehr, mich zu überwinden...

    Spanijoggel

    danke für deine netten Worte. Ich freue mich immer darüber, wenn Außenstehende mich bestätigen - v.a. welche, die sich mit der Materie auskennen. In diesem Sinne wünsche ich auch dir weiterhin alles Gute. Eine Promotion ist übrigens eine Doktorarbeit.

    Viele Grüße und einen schönen Sonntag für euch alle!


    Johannes

    Hallo Leute,

    schon wieder ist ein Monat vergangen seit meinem letzten Beitrag. Soweit läuft alles weiterhin sehr gut. Ich nähere mich sozusagen mit rasenden Schritten meinem 2. Trockenheitsgeburtstag. Am 19. März ist es soweit.

    Ja, die Zeit vergeht echt sehr schnell momentan. Beruflich bin ich voll eingespannt, verliere dabei aber trotzdem meine anderen Ziele nicht aus den Augen. Im April werde ich meine Arbeitszeit von Vollzeit auf 30 Stunden reduzieren. Grund: Ich werde promovieren! Das wird eine richtig große Herausforderung, doch ich bin sehr zuversichtlich, da ich auch auf umfassende fachliche Unterstützung zurückgreifen werde können. Die nächsten 3 Jahre bin ich damit allerdings so ziemlich ausgebucht. Aber der Wille und der Ehrgeiz sind riesig und ich bin voller Tatendrang.

    Das Fundament bildet natürlich weiterhin mein Selbstverständnis als trockener Alkoholiker, mit dem ich offener denn je umgehe, wenn ein Gespräch auf diesen Aspekt fällt.

    Zum Thema Offenheit möchte ich aber jetzt noch was anderes schreiben. Folgendes beschäftigt mich zur Zeit: Ich besuche 4-5 Mal ein Fitnessstudio in meiner Nähe. Dort trainiert seit einigen Wochen auch ein Mann, den ich ganz eindeutig als nassen Alkoholiker bezeichnen möchte. Er ist so um die fünfzig, körperlich wohl auch ganz gut in Form (jedenfalls was seine Muskulatur und Ausdauer betrifft), jedoch ist seine Ausdünstung eindeutig. Auch seine Gesichtszüge lassen auf langjährigen Alkoholmissbrauch schließen. Ich bin durch ihn irgendwie angewiedert. Dieser Geruch ist einfach ekelhaft. Mehr als einmal habe ich mir schon überlegt, ob ich ihn darauf anspreche, jedoch bin ich dazu dann doch wohl noch nicht "tough" genug. Ich behaupte zwar selber von mir sehr gerne, dass ich ein offener und ehrlicher Mensch bin, aber hier existiert für mich irgendwie eine Hemmschwelle. Nun ja, mal sehen, wie ich damit fortan umgehe.

    Nachdenkliche Grüße,

    Blizzard

    Hallo,

    das Thema halte ich auch nach wie vor für sehr aktuell. Das merke ich nun verstärkt in meiner Arbeit mit süchtigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Die meisten meiner Klienten haben zwar eine stationäre Langzeittherapie hinter sich - und ein durchaus akzeptables Sucht-Know-how, allerdings machen sich meiner Meinung viele noch was vor. Da es bei uns ja nicht nur um Alkohol sondern in erster Linie auch um harte Drogen geht (Cannabis, Amphetamine, Kokain, Heroin), wird gerne von seiten der Klienten die Suchterkrankung als solche nur an der jeweiligen Droge festgemacht. Im Klartext: Viele Heroinabhängige gehen davon aus, dass sie ganz selbstverständlich kiffen oder trinken können, weil das ja nicht "ihre" Droge gewesen war. Alleine: Die Erfahrungen zeichnen halt ein anderes Bild.

    Im umgekehrten Fall geht es hier ja vielleicht auch dem einen oder anderen (vor allem natürlich den noch am Anfang stehenden) so, frei nach dem Motto "ich bin ja Alkoholiker, warum sollte ich aber zb. nicht mal einen Joint rauchen?". Auch hier sehe ich die Gefahr, dass "Individualität in der Suchterkrankung" wieder zum Reizwort wird...

    Sucht ist eine allgemeines Krankheitsbild (siehe ICD 10) mit individuellen Ausprägungen.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Malone,

    da ich ja auch ungefähr im Alter deines Freundes zu sein scheine, möchte ich dir mal meine Gedanken dazu mitteilen.

    Erstmal ist es sehr schwer, aus der Ferne beurteilen zu können, wie ernst es deinem Freund mit seinem Wunsch ist, trocken zu werden, - oder ob er diesen Wunsch nur vorschieben will, um dich zu halten. Letztgenannte Gefahr besteht ja tatsächlich und du wärst nicht die erste, die auf diese Art und Weise in eine jahrelang währende Co-Abhängigkeit rutschen würde.

    Deshalb rate ich dir erstmal zu einer gesunden Distanz - und die scheinst du ja auch einzuhalten.

    Darüber hinaus spricht aber nichts dagegen, dass du einen vernünftigen Kontakt zu ihm aufrechterhältst, solange du

    a) dabei nicht das Gefühl hast, dass er wieder in alte Verhaltensweisen kippt,
    b) du selber sicher bist, dass er 100 % krankheitseinsichtig ist,
    c) merkst, dass dein Freund bereit ist, sein Leben grundlegend zu ändern, denn - so hat es die Therapeutin in meiner ambulanten Therapie mal ausgedrückt "Trocken werden ist keine Veränderung - sondern Revolution".
    d) den Kontakt selber willst.

    Alles steht und fällt mit der Ernsthaftigkeit und der Krankheitseinsicht deines Freundes.

    Soweit von meiner Seite.

    Viele Grüße,

    Blizzard

    Hallo zusammen,

    wollte mich schnell nochmal melden - und einige Gedanken zum heutigen Silvestertag schreiben.

    "Silvester ist der gefährlichste Tag des Jahres für einen trockenen Alkoholiker" - diesen oder ähnliche Sprüche habe ich etliche Male gehört (oder auch selber gedacht), als ich am Anfang meiner Abstinenz stand. Wie kann man Silvester denn überhaupt genießen, wenn man nicht trinken "darf"?

    Letztes Jahr hatte ich (bevor klar war, wie ich diesen Tag schließlich begehen würde) noch ein bisschen Bammel - weniger vor einem Rückfall, als vor einer Art Beklemmung und vielleicht Einsamkeit, die ich empfinden könnte, wenn ich an diesem Tag an keiner Feier teilnehme und mich mehr oder weniger zurückziehe. Schließlich kam alles anders - ich nahm doch an einer Feier teil, jedoch an keiner Sauf-Feier, wohlgemerkt.

    Dieses Jahr nun ist es soweit. Meine Frau ist derzeit noch bei Ihren Eltern auf Besuch, während ich aus beruflichen Gründen seit 28.12. wieder hier in unserer Wohnung bin. Morgen muss ich auch kurz arbeiten gehen.

    Wie fühle ich mich nun - an diesem "gefährlichen" Tag? Ich muss sagen: Eigentlich ganz wohl! Ich lese viel und esse gut - gleich mach ich ein wohlverdientes Nickerchen. Abends werde ich dann mal hier im Chat vorbeischauen und noch mal gut essen (bevor dann endlich im neuen Jahr das Unternehmen "abnehmen" gestartet wird...). Wahrscheinlich gehe ich schon kurz nach Mitternacht schlafen.

    Und? Vermisse ich jetzt irgendwas? Bin ich traurig, niedergeschlagen, beklemmt, einsam? Kein bischen - es sind alles bloß subjektive Kategorien. Ich fühle mich pudelwohl in meiner Haut und ich bin froh darüber, dass ich mir das ERARBEITEN konnte. Das sind, so meine ich, richtige Fortschritte. Ich vermisse nichts, wenn ich heute abend mir nicht die Birne zudröhnen werde - ich würde vielmehr meine Trockenheit vermissen, wenn ich trinken würde.

    In diesem Sinne freue ich mich auf den nächsten trockenen Jahreswechsel und die vielen weiteren, die noch folgen mögen. Und natürlich wünsche ich bei dieser Gelegenheit allen Usern einen guten, entspannten und schönen Rutsch ins Jahr 2009!

    Viele Grüße,

    Blizzard

    Hallo Leute,

    heute vor einem Jahr, fast um genau die gleiche Uhrzeit, habe ich folgendes gepostet:

    Zitat

    Hallo an alle!

    Wünsche jedem hier ein frohes, besinnliches und trockenes Weihnachtsfest. Mir gehts einfach nur gut und ich bin unendlich dankbar dafür, dass sich in diesem Jahr mein Leben so zum positiven verändert hat!

    Viele weihnachtliche Grüße an euch alle!

    Herzlichst,

    Blizzard


    - ich freue mich, diese Worte nun wiederholen zu können! Frohe Weihnachten euch allen und viele schöne Stunden im Kreise der Familie wünscht euch

    Blizzard

    Hallo Leute,

    nach längerer Abwesenheit melde ich mich mal wieder.

    Es geht mir gut. Die Woche war arbeitsmäßig sehr stressig - aber macht auch viel Freude weiterhin! In den letzten Wochen habe ich - nach 12 Monaten Behandlung - auch mein Anti-Depressivum abgesetzt. Damit habe ich jetzt sozusagen den letzten Schritt meiner direkten Behandlung abgeschlossen. Was nun bleibt, ist die lebenslange Arbeit an mir selbst, im Hintergrund immer das Bewusstsein, dass ich Alkoholiker bin und bleibe.

    Doch das stört mich nicht - im Gegenteil! Ich weiß, was mit mir los ist und wie ich damit leben kann - gut leben kann. Das nüchterne Leben macht mir wahnsinnig viel Spaß und ist ausgefüllt mit vielschichtigen Aktivitäten, Arbeiten und Interessen. Manchmal geht es mir so gut, dass ich z.B. Samstag um 4 Uhr morgens aufwache und mich ärgere, dass es noch nicht Zeit zum Aufstehen ist, weil ich soviel vorhabe, auf das ich mich freue.

    Sportlich läuft auch alles gut - wenngleich ich (wie jetzt schon öfters angemerkt) an Gewicht zugelegt habe. Trotzdem sind die Trainingswerte im Vergleich zum Vorjahr nochmal deutlich gestiegen!

    Weihnachten steht auch bereits mehr oder weniger vor der Tür. Bald wird's wieder Zeit für eine Jahresbilanz. Meine wird da ziemlich positiv ausfallen. Übernächste Woche habe ich für 14 Tage Urlaub.

    Soweit also alles im grünen Bereich. Wünsche euch allen ein gutes Wochenende und eine besinnliche Adventzeit. Viele Grüße,

    Blizzard

    Hallo Spedi,

    ich finde du solltest jemanden, der mit Anfang 20 in Sachen Sucht und Alkoholismus weiter ist, als du es mit 40 warst, nicht so von oben herab behandeln (auch wenn das nicht deine Intention sein mag - es kommt halt so rüber). Etwas mehr Respekt wäre angebracht.

    Ich habe hier jedenfalls in 2 Jahren noch keine zwanzigjährige schreiben gesehen, die sich so gewissenhaft und ehrlich um einen Weg in ein trockenes Leben bemüht hat.

    Gruß,

    Blizzard

    Hallo Dania,

    zum Thema Träume: Die kenne ich natürlich auch nur allzu gut. Ich habe sie selber noch sehr regelmäßig. Im Traum bin ich dann immer völlig enttäuscht von mir und habe ein fürchterlich schlechtes Gewissen. Umso erleichterter bin ich dann, wenn ich aufwache und merke, dass Gott sei Dank nichts passiert ist. Ich habe zu diesen Träumen eine Einstellung gefunden, mit der ich gut leben kann: Ich sage mir nämlich, dass ich diese Träume gelegentlich brauche, um mir immer wieder mal meine Krankheit zu verdeutlichen.

    Träume kommen ja aus dem Unterbewussten - und gerade diese "Rückfallträume" haben ja eine tiefere Bedeutung. Sie drücken - eigentlich sehr naheliegend - eine Urangst aus, die wir trockenen Alkoholiker haben, nämlich rückfällig zu werden. HOFFENTLICH haben wir diese Angst noch irgendwo in uns! Denn wenn man absolut keine Sorgen mehr um sich hat, ist das möglicherweise der erste Schritt, sich wieder in gefährliches Fahrwasser zu begeben. "Trocken sein" - das bedeutet für mich eine lebenslange Arbeit an mir selbst. In diesem Sinne interpretiere ich die Träume als eine Art "Gehilfen", die mich immer wieder mit der Gefühlslage dessen konfrontieren, wo ich keinesfalls wieder hinwill.

    Auf diese Weise kann ich den Träumen einen SINN abgewinnen - und das hilft mir sehr.

    Viele Grüße,

    Blizzard