Hallo - und vielen Dank an euch drei für die netten Glückwünsche! Ich werde meinen Weg konsequent weitergehen und hoffe dabei weiterhin auf eure Begleitung hier.
Viele Grüße und einen weiterhin geruhsamen und schönen Sonntag von
Blizzard
Hallo - und vielen Dank an euch drei für die netten Glückwünsche! Ich werde meinen Weg konsequent weitergehen und hoffe dabei weiterhin auf eure Begleitung hier.
Viele Grüße und einen weiterhin geruhsamen und schönen Sonntag von
Blizzard
1 Jahr trocken!
Hallo liebe Forumsgemeinde,
anlässlich des bevorstehenden ersten Jahrestages meiner bewussten Entscheidung (18.3.2007), fortan ein Leben ohne Alkohol zu verbringen, möchte ich – da ich ja dazu nun auch offiziell legitimiert bin – hier einen Beitrag ins Unterforum schreiben und diese 12 Monate für mich zu reflektieren, zusammenzufassen und alles niederzuschreiben, was mich – meiner Meinung nach – bisher erfolgreich hat sein lassen und warum ich die tiefe Hoffnung und den Glauben daran trage, dass es auch so bleiben wird.
Als ich vor einem Jahr meinen Entschluss fasste, stand ich ein paar Tage nach den bittersten Momenten meines Lebens. Ich war geistig völlig durch den Wind, des Lebens müde und überdrüsig, verzweifelt, und quälte mich von Momement zu Moment, von Tag zu Tag durch ein ziemlich frustriertes Dasein. Meine äußeren Rahmenbedingungen waren gar nicht die schlechtesten. Ich war mit einer tollen Frau verlobt (mittlerweile haben wir ja geheiratet), hatte bis vor kurzem einen Job (zwar nicht in meiner „Branche“ als Sozialarbeiter, aber immerhin….), ich hatte keine Schulden und war körperlich gesund. Meine Seele aber war krank und ich war wirklich verzweifelt – eigentlich zutiefst depressiv. Der Gedanke, dass das ganze Dasein, mein ganzes Dasein, ein sinnloses Unterfangen ist, eine nicht zu durchblickende und nicht zu verstehende ewige Wiederkehr des gleichen, sinnlosen, mühsamen Ablaufes, der ja sowieso mit dem Tod endet und meine Existenz irgendwann höchstwahrscheinlich zu den Milliarden von Vergessenen gehören wird, - das machte mich krank.
Dazu kam dann noch die Erkenntnis (bzw. zum damaligen Zeitpunkt war es für mich eher eine traurige Gewissheit), dass ich ohne den Alkohol überhaupt nicht mehr so was wie eine (natürlich nur vorübergehende) „Lebensfreude“ empfinden konnte – dass ich offenbar einfach nicht in der Lage war, mir ein Leben ohne Alkohol aufzubauen (zumindest nicht mit den bis dahin ausprobierten „Methoden“), was durch zahlreiche, letztlich ziemlich jämmerlich verbrachte Trinkpausen bestätigt wurde.
Es stand also fest: Entweder ohne Alkohol ein neues Leben beginnen – oder mit Alkohol früher oder später in der Klapse oder in der Kiste zu landen. Vor allem von ersterem war ich wohl nicht mehr allzu weit entfernt, wenn da an meine Panikattacken nach manchem Saufgelage zurückdenke – später aber auch während meiner Trinkpausen.
Ich suchte mir also Hilfe und begann meinen Weg zu gehen: Nachdem ich mich schon im Januar 2007 hier im Forum angemeldet hatte (damals während meiner letzten Trinkpause), suchte ich den Kontakt zu einer Suchtberatungsstelle, offenbarte mich meiner Hausärztin und ging fortan die ersten Wochen erstmal in eine „Tagesgruppe“ in der Suchtberatungsstelle. Da ich damals nichts weiter zu tun hatte, beschäftigte ich mich fast den ganzen Tag mit meiner Krankheit. Hier im Forum las ich ebenso stundenlang, wie auf anderen Internetseiten. Fachliteratur genauso wie Betroffenenberichte – in erster Linie waren es natürlich Berichte von Langzeittrockenen, die es „geschafft“ hatten, und ihr Leben wieder in den Griff bekamen.
Durch die vielen Recherchen erhielt mein Mosaik vom Alkoholismus und von meiner persönlichen Alkoholkrankheit (damit meine ich von meinem persönlichen Gang und eventuellen Ursachen meiner Erkrankung) immer mehr kleine Steinchen und ergaben ein immer deutlicheres Bild – eine Tatsache, die mir natürlich dabei half, weitere Schritte in Angriff zu nehmen.
Die ersten Monate (März 07 – ca. Juli 07) waren mit Sicherheit die schwierigsten, denn ich musste mich – neben meiner Beschäftigung mit der jungen Abstinenz – noch um die Belange des täglichen Bedarfs kümmern und v.a. um die Frage, was ich nun beruflich in Zukunft machen sollte, nachdem ich jetzt an einem Null-Punkt angelangt war. Ich hatte in dieser Zeit zwar keinen Saufdruck, aber die allgemeine Verzweiflung – v.a. über die ungelöste Frage nach dem Sinn des Lebens – war nur geringfügig weniger geworden, gleichwohl war die Verzweiflung „ertragbarer“, da berechenbarer. Denn auch wenn ich mich von Zeit zu Zeit extrem beschissen fühlte, so ging es mir doch nie mehr während meiner Abstinenz so schlecht, wie in den letzten Tagen meiner „nassen“ Zeit, wo ich zeitweise das Gefühl hatte, den Verstand zu verlieren. Wichtigen Halt gab mir in dieser Zeit – neben meiner Frau natürlich – mein Sport, die Leichtathletik. Ich trainierte 5-6 mal die Woche und powerte mich dabei richtig aus. Das tat immer wieder gut. Ende Mai hatte ich dann einen Leberultraschall und ein Blutbild machen lassen – beides mit extrem verbesserten Werten! Die drückenden Bauchschmerzen (rechtsseitig), die mich während meiner nassen Zeit immer wieder quälten waren verschwunden. Darüber war ich natürlich erleichtert.
Im Juli 2007 heiratete ich meine geliebte Frau. Diese Hochzeit und die daran anschließenden Flitterwochen waren von Entspannung, Abwechslung, geselligem (alkoholfreiem) Beisammensein im Kreise meiner Familie und Freunde geprägt und stellten sicherlich einen vorläufigen Höhepunkt dar in meiner Zeit als trockener Alkoholiker. Danach verbrachte ich noch einen recht angenehmen Juli und August, wenngleich ein richtiger „Aufschwung“ von meinem psychischem Befinden sich immer noch nicht einstellen wollte. Zu sehr lag meine Zukunft noch im Unklaren, zu wenig wusste ich immer noch was ich will und was ich tun soll.
Gleichzeitig stellte sich die Frage nach meinem zukünftigen finanziellen Auskommen immer dringlicher. Die Zeit lief – Arbeitslosengeld lief nur noch bis Mitte November und meine Familie und Schwiegerfamilie (und natürlich auch meine Frau) wollten mich endlich wieder arbeiten sehen. Also bemühte ich mich schon in den Sommermonaten – allerdings ziemlich halbherzig und unentschlossen – um einen neuen Job als Sozialarbeiter. Eigentlich war ich über die folgenden Absagen froh, da ich mich noch gar nicht in der Lage fühlte einer geregelten Arbeit nachzugehen. Also machte ich mit mir selbst einen Kompromiss: Ich entschloss mich, erstmal eine ganz einfache Arbeit ohne viel Verbindlichkeit und Verantwortung anzunehmen, einfach nur um wieder in einen gewissen Arbeitsprozess reinzukommen. Gesagt – getan: Ich bekam ein Angebot als Verteiler von Werbematerial in verschiedenen Berliner Bezirken. Vor meinem ersten Arbeitstag bekam ich die Panik, fühlte mich richtig schlecht und hatte mehr Zweifel denn je. Es war schlimm. Erst ein Telefonat mit meiner Frau (die damals gerade bei ihren Eltern ein paar Tage verbrachte) konnte mich wieder beruhigen. Ich ging also am nächsten Tag um 8 Uhr zum verabredeten Zeitpunkt, stieg bei 2 Frauen in einen Lieferwagen (waren Mutter und Tochter – letztere wurde übrigens „Miss Ostdeutschland“ und 3. bei der Miss Germany Konkurrenz) und ließ mich zu meinem Verteilerbezirk fahren. Ich war ruhig und hatte mithilfe eines Schlafmittels auch ganz gut die Nacht davor schlafen können. Die Arbeit verlief komplikationslos, wenn man von ein paar Blasen an den Füssen absieht. Die folgenden Tage verliefen dann schon einfacher, fast routinierter – und das gab meinem angeschlagenen Selbstwertgefühl richtig Aufschwung. Ich war ja doch in der Lage mich zu konzentrieren, zu arbeiten, tun was man von mir verlangt. Und ich machte dabei eine ganz wichtige Entdeckung: Arbeiten lenkt ab. Die eigenen Gedanken hören auf, sich dauernd um das eigene Selbst und die eigene Befindlichkeit zu drehen. Man gewinnt Abstand zu sich selber – eine gesunde Form der Selbstdistanzierung. Ungefähr damals begann ich auch mit der Einnahme eines leichten Anti-Depressivums. Seit August befand ich mich übrigens auch in ambulanter Alkoholentwöhnungstherapie mit 2 wöchentlichen Terminen.
Die wichtigste Veränderung aber in diesem ereignisreichen „September des Wechsels“ war aber eine andere: Ich entdeckte Viktor Emil Frankl für mich. Dieser Wiener Psychiater, Begründer der „3. Wiener Schule der Psychotherapie“ – der Logotherapie, gab mir endlich Antworten auf die Fragen, die mich sosehr beschäftigten, bisweilen auch quälten. Er gab mir in seinen Büchern zu verstehen, dass man nicht krank ist, wenn man am Sinn des Lebens zweifelt, sondern das dieses Fragen sogar eine zutiefst menschliche Eigenschaft ist. Er gab mir Antworten, wie man im Leben Sinn finden kann – das man aber erstmal auch selber danach suchen muss! Seine Bücher und die seiner wichtigsten Schülerin, Elisabeth Lukas, brachten mir ein Verständnis vom Menschen näher, wie ich es suchte und wie ich es benötigte. Ich begriff auch, dass ich nicht der einzige war, der sich diese Fragen stellte – alleine dass war schon beruhigend. Und ich begriff, was ich bisher falsch machte: Das Hyperreflektieren zum Beispiel. Gemeint ist damit das permanente „Kreisen“ der Gedanken um sich selbst: „Geht’s mir gerade gut oder schlecht?“, „werde ich jemals gesund?“ „oh, oh, mir geht’s nicht gut, wie wird der heutige Tag da wohl werden“, „wie wird’s mir in 10 Minuten gehen? Wie in 10 Jahren?“ usw. usf. Statt dauernd an mich selbst zu denken, musste ich lernen, mich der Welt zu öffnen, mir da draußen Ziele zu suchen, Werte deren Verwirklichung für mich Sinn machen – dann bekommt man eine „gute Befindlichkeit“ quasi per Effekt gleich mitgeliefert. Und so war es dann auch.
Ich begann nun ernsthaft zu suchen: Was konnte ich tun, was soll aus mir beruflich werden? Wo kann ich mein Wissen, meine Talente und Erfahrungen, gepaart mit meiner Ausbildung am Besten einbringen? Ich bin Sozialarbeiter und eine Fachrichtung in unserem Metier ist die Suchthilfe. Ich interessierte mich für die Suchtproblematik – an jedem Tag, an der ich mich damit beschäftigte, wuchs dieses Interesse weiter. Was lag also näher, als als Betroffener mit entsprechender Grundausbildung mich hier fortzubilden? Gesagt, getan: Ich nahm eine Zusatzausbildung zum Suchtberater auf, die ich übrigens in ca. 2 Monaten abschließen werde. Daneben wuchs mein Interesse am logotherapeutischen Gedankengut weiter und weiter. Ich sah auch hier ein mögliches Verwirklichungsgebiet für mich und meine berufliche Zukunft. Die Begeisterung trieb immer erstaunlichere Blüten: Ich, nicht gerade als Leseratte bekannt in meinem bisherigen Leben, las innerhalb weniger Monate dutzende Bücher zum Thema Logotherapie, darunter nahezu alle Werke des KZ-Überlebenden Viktor Frankl.
Beruflich musste ich aber trotzdem auch was tun – den durch die Weiterbildungen und Zukunftsvisionen alleine kann man sich ja nicht ernähren oder die Miete bezahlen. Mittlerweile war ich aber deutlich motivierter, ja ich war richtiggehend enthusiastisch, endlich wieder eine Arbeit aufzunehmen. Gesagt, getan: Nach einigen Absagen bekam ich dann Anfang November eine Zusage für eine Stelle als Sozialarbeiter bei einem Bildungsträger, bei dem ich seitdem arbeite. Die Arbeit bereitet mir große Freude und ich hatte mich auch schnell an die frühen Arbeitszeiten (7-16 Uhr) gewöhnt. Viel Zuspruch und positive Rückmeldungen seitens der von mir betreuten Jugendlichen gaben mir weiteres Selbstvertrauen. Bis heute fehlte ich an keinem Arbeitstag, habe also auch gelernt, verlässlich zu sein und nicht bei etwas „Unbehagen“ liegen zu bleiben, oder mich gar krank zu melden.
Logische Konsequenz meiner Faszination für das Lebenswerk Frankls war, dass ich auch in diesem Bereich eine Weiterbildung annahm, um später mal psychotherapeutisch tätig zu werden. Gesagt, getan. Diese Ausbildung beginnt im April und dauert insgesamt (berufsbegleitend) 4 Jahre.
Was machte jetzt zusammenfassend meinen bisherigen Erfolg aus?
1. Die Einsicht, Alkoholiker zu sein – und es, egal was passiert, auch zu bleiben. „Ich habe eine Krankheit die nicht geheilt werden kann, die man aber stoppen kann – wenn man es selber will“.
2. Die Bereitschaft, sich zu offenbaren und Hilfe von Aussen anzunehmen.
3. Eine intensive Beschäftigung mit der Alkoholkrankheit, ihren Ursachen, Folgen, Wirkungen, Schicksalen (positiven wie negativen) von Betroffenen. Zu dieser intensiven Beschäftigung zähle ich zuallererst natürlich dieses Forum, in dem ich mich – trotz gelegentlicher Meinungsunterschiede – sehr wohl fühle.
4. Intensive sportliche Betätigung: Zur Ablenkung, für die Gesundheit, für das Selbstvertrauen und und und…
5. Intensive Suche nach einer neuen Beschäftigungsmöglichkeit und einer langfristigen beruflichen und familiären Zukunftsperspektive.
6. Sich nicht dafür zu schämen, auch ein leichtes Anti-Depressivum einzunehmen, um psychosomatische Folgen des jahrelangen Alkoholmissbrauchs abzufedern.
7. Beschäftigung mit der Philosophie und der Lehre der Logotherapie und verwirklichen der damit verbundenen Gedanken und Einstellungen.
Ich bin froh, glücklich und dankbar, dass es mir heute so gut geht und das ich trocken sein darf. Ich liebe das Leben mittlerweile und freue mich auf die Zukunft. Und ich wünsche jedem anderen hier, dem es momentan noch schlecht geht, oder der sich vielleicht gar nicht vorstellen kann, dass das Leben ohne Alkohol lebenswert sein kann, diesen Duft des Glückes früher oder später selber genießen zu können, wie ich es gerade tue. Mit 0,0 Promille – hoffentlich ein Leben lang.
Viele Grüße an euch alle!
Johannes aka „Blizzard“
P.S. Ich möchte nicht vergessen, mich bei dieser Gelegenheit hier auch noch mal ausdrücklich beim Forenbetreiber Karsten, bei allen Moderatoren und bei meinen Mit-Diskutanten zu bedanken. Dieses Forum war mir in den vergangenen Monaten ein tagtäglicher Begleiter – und wird es sicher auch bleiben!
Hallo Frank,
na also, du hast doch Hobbys. Zumindest Joggen würde ich als ein solches bezeichnen. Warum machst du hier nicht auch "Nägel mit Köpfen". Ich habe die Erfahrung gemacht (an mir selber und an vielen, vielen Menschen in meiner Umgebung), dass man mit sportlichen Hobbys dann am besten fährt und sie am längsten beibehält, wenn man mit ihnen Ziele in Verbindung bringt.
Deine Ziel (neben Gewichtsreduktion von 10 kg - damit steigt alleine das Lebensgefühl schon sehr viel an!) könnte z.B. sein, eine gewisse Distanz (5 km, 10 km o.ä.) in einer gewissen Zeit zu schaffen. Wenn du noch ambitionierter bist (und den Vergleich mit anderen nicht scheust), könntest du aus dem larifari Joggen eine Marathon- oder Halbmarathonvorbereitung machen.
Keep on running! ...und sportliche Grüße vom Jedermann-Zehnkämpfer Blizzard!
Zitat von Frank2008Servus Zusammen,
gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen einem Therapeuten und einem Psychologen? Mein letzter Arzt wollte das ich zu einem Therapeuten gehe. Meine jetzige Ärztin hat mir eine Überweisung zum Psychologen gegeben mit dem Hinweis auf eine Verhaltenstherapie.
Verschreiben Psychologen eher Medikamente? Mein alter Hausarzt hielt nämlich nicht sonderlich viel von Psychopharmaka.
Grüße
Frank
Hallo Frank,
meines Wissens nach darf ein einfacher Psychologe keine Medikamente verschreiben, sondern nur ein psychologischer Psychotherapeut bzw. ein Psychiater.
Wenn dir deine Ärztin eine Überweisung zu einem Psychologen gegeben hat, mit Hinweis auf eine Verhaltenstherapie, dann ist dieser Psychologe offensichtlich berechtigt, Therapien durchzuführen. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass er auch Psychopharmaka verschreiben darf.
Ich war in ambulanter Therapie bei einer Suchtberatungssstelle bei 2 ausgebildeten Suchttherapeuten. Für eine begleitende medikamentöse Unterstützung musste ich mich aber speziell an die mit der Suchtberatung zusammenarbeitende Fachärztin für Psychiatrie wenden.
Ansonsten kann ich nur zu dir sagen: Weiter so! Du nimmst offenbar deine Krankheit an und gehst die Sache mit dem entsprechenden Ernst und der notwendigen Offenheit an.
Viele Grüße aus Berlin!
Herzlichst,
Blizzard
Hallo liebe Streitende,
ich möchte mich an dieser Stelle auch mal kurz einschalten.
Was Spedi anspricht, und was ihm am Herzen liegt, ist in vielerlei Hinsicht richtig. Immerhin ist er schon ein paar Jahre trocken und weiß, wovon er spricht. Leider hat er etwas in seiner Art, was der gute Friedrich Nietzsche "Philosophieren mit dem Hammer" nannte. Das kommt oft nicht gut an - zumal nicht bei empfindlichen nassen, oder gerade erst seit kurzem abstinent-lebenden Alkoholikern. Und manchmal schießt er eben übers Ziel hinaus: Denn wenn Kelli enttäuscht ist von ihrem Mann, dass er sie nicht abholt, ist das natürlich keine "nasse Denke". Jeder Mensch ist ab und zu von seinen Mitmenschen enttäuscht - darin liegt keine Verhaltensauffälligkeit, schon gar keine pathogene.
Grundsätzlich ist es aber tatsächlich so - auch ich habe das bei näherer Betrachtung - während meiner Trinkpausen immer wieder festgestellt, dass man sich oft auf Nebenkriegsschauplätzen aufhält am Anfang seiner Trockenheit. Jede erfolgreiche Selbsthilfe hat irgendwo den Grundsatz, "erst mal bei sich" zu bleiben. Das drückt sich hier im Forum genauso aus, wie z.B. bei den AA's und ihrem 12-Schritte-Programm, indem es da unter anderem heißt "Wir machen eine furchtlose Inventur in uns selbst".
Also: Ruhig darüber nachdenken und sich nicht sofort pikiert fühlen. Schließlich soll dieses Forum mehr als nur ein lockeres Geplauder bringen. Für letzteres gibts nämlich tausend andere Foren.
Herzlichst,
Blizzard
Halllo rollo,
ich frage mich auch, warum du nicht schon längst bei einem Arzt warst. Deine Beschwerden klingen sehr bedenklich, du solltest lieber jetzt als gleich zu einem Arzt, und dann ggf. zu einem Facharzt gehen. Mit seinem Leben spielt man nicht...
Herzlichst,
Blizzard
Hallo Leute,
nach längerer Zeit wieder mal ein Post von mir. Alles läuft weiterhin bestens. Bin mittlerweile mit meinem Leben sehr zufrieden und ausgeglichen. Die Arbeit, Ehe, Sport, Fortbildungen - alles fließt.
Seit heute muss ich hier wegen des Streiks mit dem Fahrrad auf Arbeit fahren - heute noch dazu mitten im Schneegestöber. Naja, schaden wird die zusätzliche Bewegung sicherlich nicht - aber eine Überwindung ist dieser Morgensport irgendwo schon.
Heute ist der 5. März - noch 2 Wochen, dann ist es genau 1 Jahr her, dass ich dem Alkohol ade gesagt habe. Seitdem hat sich ja in meinem Leben sehr viel zum positiven gewendet und ich bin froh, diese Zeit auch hier mit vielen anderen gleichgesinnten im Forum verbracht haben zu dürfen. Hier habe ich viel über mich und die Alkoholkrankheit gelernt und - durch tägliches Lesen - verinnerlicht.
Trotz der erreichten Stabilität möchte ich keinesfalls nachlassen und mich zurücklehnen - und womöglich in eine Falle tappen, in die schon so viele vor mir getappt sind. Ich werde mich daher weiter täglich mit meiner Krankheit auseinandersetzen und freue mich, dies nach Bedarf auch hier in meinem Strang zu tun.
Viele Grüße an alle hier und besonderen Dank an alle Mitglieder, die mir irgendwann im vergangenen Jahr hier geantwortet haben, bzw. dies noch tun werden! ![]()
Herzlichst,
Blizzard
Habe jetzt speedys Mail gelesen und werde mich nun aus dem Strang zurückziehen. Ich musste das jetzt einfach schreiben, weil ich bei diesem Thema sehr empfindlich reagiere.
Zitat von Mohrle2Blizzard!
Das darf doch nicht wahr sein, was du da schreibst! Willst Du die Kelly, die sich sowieso schon so quält, nun ganz fertig machen?!!
Du bist ein Mann, und Deine Gesundheit würden Schwangerschaft und Geburt nicht betreffen, du kannst leicht daher reden. Deine Kinder, falls Du überhaupt welche hast, würden unter einer möglicherweise dadurch bedingten gesundheitlichen Schädigung der Mutter auch nicht leiden.
Also bitte, rede nur bei Dingen mit, die Du auch verstehst.
Ich weiß vovon ich rede, habe selbst drei Kinder großgezogen. Dies bedeutet eine riesengroße Verantwortung, der man nur durch viel Stärke - und dazu gehört Gesundheit und psychische Ausgeglichenheit - gewachsen ist.
Ich weiß sehr genau wovon ich spreche, bin ich doch schließlich selber eine sogenannte "Risikogeburt" gewesen. ![]()
Dass es Kelli momentan sehr schlecht geht, ist völlig klar. Das kommt daher, dass sie sich in einem Gewissenskonflikt befindet. Und der hat seine Ursachen.
Wenn sie dieses Kind abtreibt (das jetzt bereits lebendig in ihr wächst), wird sie damit möglicherweise ein Leben lang unglücklich sein - sie wäre da nicht die erste Frau.
Ich sage als persönlich Betroffener hier meine Meinung - edit.speedy53 xxxxxxxxxxxx
Hallo zusammen,
interessantes und wichtiges Thema was hier diskutiert wird. Wieviel Abstand zum Alkohol braucht ein trockener Alkoholiker?
Ich denke die Antwort lässt sich nur bedingt verallgemeinern. Grundsätzlich gilt sicherlich: Je weiter der Alkohol von einem weg ist, desto besser. Die von er seit kurzem Trockenen oft geäußerte Befürchtung, dass man sich dadurch sozial isolieren könnte, wird meistens heißer gekocht als gegessen. Will sagen: So schlimm kommts schon nicht, wenn man das sowieso entstehende Vakuum durch sinnvolle und abwechslungsreiche Aktivitäten füllen kann, nach denen man sich als gerade Trockener sowieso umsehen muss, will man langfristig trocken werden.
In gewisser Weise kann ich die kontrovers verlaufende Diskussion hier aber verstehen. Es gibt nun mal verschiedene Stadien der Abhängigkeit. Das sagt nicht nur die Wissenschaft, sondern davon sprechen die tausenden Beiträge hier im Forum auch Bände. Und nicht alle haben denselben Punkt erreicht, will sagen: Nicht bei allen ist das Suchtgedächtnis gleich ausgeprägt. Nicht jeder hat bei jedem Konflikt o.ä. sofort die Intention, zur Flasche zu greifen. Deshalb scheinen die extremen Vorsichtsmaßnahmen des Einen hier für einen Anderen befremdlich.
Welche Situationen/Anläße sollte man also meiden? Anfangs grundsätzlich alle - damit man einfach in Ruhe auch Zeit hat, abseits jeden Alkohols, sein Leben neu zu ordnen und zu erkunden, wann und in welcher Situation man eventuell Verzichtsgedanken empfinden könnte (diese können sich sehr subtil äußern und müssen nicht sofort mit "Saufdruck" verbunden sein). Nach einiger Zeit und dem notwendigen Abstand wird man dann ein Gefühl dafür entwickeln, was man sich zumuten kann, und was nicht. Dafür sollte man aber schon einige Monate mindestens trocken sein. Wichtig ist hier: Das Trinken als Ritual darf auf keinen Fall im Vordergrund stehen!!! Auf die Münchner "Wiesn" zu gehen, oder in die Fussballkneipe um die Ecke ist weder Kurzzeit- noch Langzeittrockenen zu raten. ![]()
Andererseits wird es Anlässe geben, wo man selbst weiß, dass die einen nicht in Gefahr bringen, auch wenn Alkohol in räumlicher Nähe ist - und die kann man dann auch früher oder später wieder wahrnehmen. Z.B.: Ich trank in meiner nassen Zeit niemals Rotwein. Wenn jetzt bei einem feinen Abendessen in einem guten Restaurant mir ein Freund oder Verwandter gegenüber sitzt, der ein Glas Rotwein zum Essen trinkt, dann macht mir das nichts aus und gefährdet auch nicht meine Trockenheit. Punkt.
Herzlichst,
Blizzard
Hallo zusammen,
nochmal ein paar Gedanken zum Thema "schlechte Kindheit als Ursache für eine spätere Alkoholabhängigkeit".
Sicherlich kann es traumatische Ereignisse in der Kindheit geben, die eine spätere Alkoholabhängigkeit begünstigen - jedoch nicht mehr. Keinesfalls wirkt eine "schlechte Kindheit" (was immer man darunter verstehen mag) fatalistisch - führt also "zwangsläufig" in eine Abhängigkeit. Sonst wären - zig Millionen Menschen weltweit alkoholabhängig, die eine miserable Kindheit hatten.
Wer die "Schuld" für seine Alkoholabhängigkeit z.B. auf seine Eltern schiebt, weil "sie ihn in die Kita abgeschoben" oder verprügelt haben, der vergisst, dass da draussen Millionen von Kindern sind, denen es nicht besser erging, die aber heute unter keinerlei Abhängigkeit leiden und ein normales Leben führen.
Aus der Zwillingsforschung ist z.B. bekannt, das es sogar eineiige Zwillinge gibt, die als Kinder völlig gleich behandelt wurden - und trotzdem völlig unterschiedliche Wege bei der Bewältigung von Konflikten u.ä. einschlugen. Wenn z.B. beide in der Kindheit mit körperlichen Strafen erzogen wurden, könnte das eine Kind nachher die daraus resultierenden und konservierten Aggressionen auf das eigene Kind übertragen - und es ebenfalls verprügeln. Der andere Zwilling aber entscheidet sich, gerade das nicht zu tun, nicht die Fehler seines Vaters zu begehen und verzichtet ganz bewusst körperliche Strafen bei der Erziehung seiner Kinder.
Wer hat hier "entschieden", so oder so zu verfahren? Der eigene Vater? Wohl kaum. Es ist die Freiheit des menschlichen Geistes und das Wahrnehmen der Verantwortung des Einzelnen.
Der ganze Hype um Kindheitstraumata (und daraus resultierend die Diskussion "schlechte Kindheit" als Ursache von Suchterkrankungen) geht auf die Forschungen Freuds zurück, der sicherlich wichtige Beiträge zur Erforschung der menschlichen Seele geleistet hat, der aber in manch anderer Hinsicht heute längst überholt ist.
Oder habt ihr als Kinder beim Anblick einer Schere an Kastrationsangst gelitten?
Oder glaubt ihr, dass ihr heute noch aggressiv seit, weil ihr als Kinder nicht mit eurer Mutter/Vater schlafen durftet?
Die ganze Diskussion um Kindheitstraumata ist nicht unbegründet. Ich werde den Verdacht aber nicht los, dass sie auch oft nur dazu herhalten soll, die eigene Verantwortung, die sich aus der Entscheidungsfreiheit des indviduellen Geistes und Verstandes ergibt, abzuwälzen - auf Eltern, auf Erzieher, Lehrer, die Gesellschaft, die Politik, den Staat usw. All das sind aber maximal begünstigende Faktoren für eine Suchtkrankheit, keine fatalistischen.
Soweit meine Gedanken zu dem Thema.
Herzlichst,
Blizzard
Hallo,
mein persönlicher Tiefpunkt lief folgendermaßen ab:
Nachdem ich in den Jahren zuvor schon etliche Trinkpausen (mehrere Wochen bis hin zu 5 Monaten) eingelegt hatte und Schritt für Schritt begriff, dass ich nicht kontrolliert trinken kann, nahm ich mir am 2.1.2007 vor, endgültig mit dem Trinken aufzuhören. Es war ernster als bei den bisherigen Trinkpausen gemeint, jedoch zweifelte ich innerlich doch stark, hatte sogar Gedanken, bei der einen oder anderen Gelegenheit wieder zu trinken. Aus heutiger Sicht: Blödsinn hoch 3.
2 Monate ging das ganze wieder halbwegs gut, jedoch nahmen die Depressionen (die ich immer während der Trinkpausen bekam) schnell zu und entluden sich schließlich in einem Rückfall am 8. März 2007. Schon zuvor - am 12. Februar und die darauffolgenden 3 Tage - konnte man als die finsterste Zeit meines Lebens betrachten. Die Depression, die Verzweiflung über meine Perspektivlosigkeit, das Eingeständnis, mein Gefühlsleben nicht unter Kontrolle haben zu können, ohne Alkohol keine Lebensfreude mehr empfinden zu können - all das brachte mich dem Zustand nahe, den man wohl fast überall auf der Welt mit "Hölle" überschreiben kann.
Am Abend des 8. März ließ ich mich volllaufen und kündigte per E-Mail meine Stelle, die ich erst Mitte Januar angetreten hatte. Nun war mir endgültig klar, das was passieren musste. Doch noch hatte mich die Gier. Ich trank noch 10 Tage munter weiter, bevor ich schließlich am Abend des 18. März 2007 mein letztes Bier öffnete. Ich wusste, das dies ein Abschiedsbier war und das ich jetzt vor einer fundamentalen Wende stehe. Wie fundamental, darüber sollten die nächsten Monate bishin zum heutigen Tag Auskunft geben. ![]()
Herzlichst,
Johannes
Hallo nochmal,
danke nochmal für deine Antwort in meinem Strang. Falls dich das Thema Logotherapie interessieren sollte, empfehle ich zum Einstieg folgende Bücher:
- Das Leiden am Sinnlosen Leben (Viktor Frankl)
- Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn (Viktor Frankl)
- Heute ist der erste Tag vom Rest deines Lebens (Elisabeth Lukas)
- Auch dein Leben hat Sinn (Elisabeth Lukas)
- Sehnsucht nach Sinn (Elisabeth Lukas)
- Sinnvoll leben (Alfried Längle)
Herzlichst,
Johannes
Hallo Almi,
vielen Dank für dein nettes Posting. Ja, ich habe vergangenen Juli geheiratet.
Und ich bin jeden Tag dankbar dafür, so eine tolle Frau gefunden zu haben.
Ich wünsche dir auch weiterhin alles gute, sicher wird man sich noch öfter mal lesen! ![]()
Herzlichst,
Johannes
Hallo Freunde,
noch ein Nachsatz zum Thema "Schokoladen-Fresserei". Das Problem ist für mich weniger, dass es gesundheitsschädlich ist oder sein könnte bzw. das ich jetzt Gefahr laufen sollte, eine richtige Suchtverlagerung zu riskieren. Auch habe ich ja, wie gesagt, durch das viele Schokolade essen bis jetzt nicht zugenommen (wer weiß, was passieren würde, wenn ich mit dem Sport aufhören sollte
)
Was mich wurmt, ist dieser Heißhunger, der mich gelegentlich überkommt und der dann einfach befriedigt werden will. Das nervt mich einfach.
Anderes Thema:
Ich bin sehr stolz auf mich. ![]()
Die letzten 3 Wochen liegen erfolgreich hinter mir. Heute ist der erste freie Tag nach 21 sehr arbeits- und lehrreichen und sportlichen Tagen. Montag bis Freitag jeweils Arbeit von 7-16 Uhr, dazu 3 mal wöchentlich Training (je ca. 2 Stunden). Vorletztes Wochenende Samstag und Sonntag den ganzen Tag Fortbildung. Letztes Wochenende jeweils den ganzen Tag Wettkampf (Leichtathletik).
Da war also jede Menge los, mein Leben ist momentan ganz schön ausgefüllt - und es gefällt mir! ![]()
Wenn mir das einer vor 8 Monaten gesagt hätt....
....da wäre es schon viel gewesen, wenn ich an 2 Tagen pro Woche so ein volles Programm gehabt hätte.
Ich fühle mich gut und habe den heutigen Tag zur ausgiebigen Entspannung genutzt. In der Früh war ich einkaufen und besorgte mir ein paar - etwas teurere - Badezusätze und frischgepressten Orangen-Kiwisaft und frischen Salat. Dann war ich baden, habe nochmal ein Stündchen geschlafen, lecker gegessen, war gut eineinhalb Stunden spazieren und habe danach noch 2 Liter Tee getrunken und mir das Skifliegen angesehen. Jetzt gerade war ich nochmal baden. ![]()
Ich fühle mich frisch und wie aus dem Ei gepellt. So kanns weitergehen! Bald habe ich das erste trockene Jahr hinter mir.
Viele Grüße,
Johannes
Hallo Almi,
ich habe jetzt einige deiner Postings gelesen und kann mich sehr gut in deine Lage hineinversetzen. Die innere Leere, die Sinnlosigkeit, der fehlende Sinn - und dadurch auch eine sich anbahnende Depression - ich hatte nach den ersten Monaten der Trockenheit darunter auch sehr stark zu leiden. Kannst ja gerne mal in meinem Thread "schmökern". ![]()
Die Sinnfrage an und für sich beschäftigt mich immer noch - jedoch kann ich nun anders, positiver damit umgehen und auch Antworten geben, wo vorher nur Fragezeichen in meinem Leben waren. Geholfen hat mir dabei die Beschäftigung mit der Logotherapie nach Viktor Frankl und ein Antidepressivum, welches ich seit September 07 einnehme - und das nach etwa 4 Wochen begann, eine positive Wirkung auf mein Gemüt auszuüben.
Durch die Logotherapie habe ich gelernt, wie man in seinem Leben Sinn erfahren kann, was mich in gewisser Weise heute leitet und mir eine "Lebensphilosophie" geschenkt hat, zu der ich "ja" sagen kann.
Daneben war es für mich sehr hilfreich auch zu erfahren, das die Gemütschwankungen von erst seit kurzem trockenen Alkoholikern ganz pragmatisch durch biochemische Vorgänge im Körper erklärt werden können, wie sie Inhalt in jedem Suchtberater-Seminar sind. Auf den Punkt gebracht: Der oft jahre- oder jahrzehntelange Alkoholabusus schädigt und verändert die Aufnahme und Weitergabe wichtiger Botenstoffe wie Serotonin oder Dopamin zwischen den Nervenzellen. Dies führt oftmals zu Depressionen und anderen psychischen Krankheiten. Dagegen helfen Medikamente. Nachzulesen in jedem biologischem Lexikon.
Ich kann dir einfach nur raten, wieder aktiv zu werden, raus zu gehen, nach sinnvollen Möglichkeiten suchen, deine Freizeit zu gestalten, dir auch längerfristige Ziele zu setzen, die für dich Sinn machen u.v.m. Denn so lange du zu Hause bleibst und dich selbst beobachtest (Stichwort: Hyperreflexion) kommst du keinen Schritt voran und alles wird nur noch schlimmer. Ich spreche da aus Erfahrung.
Herzlichst,
Blizzard
Hallo Leute,
ich möchte heute mal eine Sache ansprechen, die mir etwas zu denken gibt, auch wenn ich es nicht dramatisieren will.
Ich esse seit ich trocken bin immer mehr Schokolade und andere Süßigkeiten. In der Arbeit kaufe ich mir jeden Tag 1-2 Riegel aus dem Automaten, dazu noch meistens nach dem Abendessen eine ganze Tafel Schokolade.
Figurenmäßig wirkt sich das zwar nicht bei mir aus, mein "Kampfgewicht" von 80 kg halte ich (wohl auch durch die regelmäßige sportliche Betätigung) nun schon seit 2 Jahren und mehr als 85 kg habe ich sowieso nie gewogen.
Trotzdem ist mir die Sache irgendwie unangenehm, um nicht zu sagen, unheimlich. Gelegentlich habe ich richtigen Heißhunger auf Süssigkeiten.
Kennt das jemand von euch?
Herzlichst,
Blizzard
Hallo,
ich habe auch eine ambulante Therapie hinter mir. Mir hat man bei meinem Abschied keine so gute Prognose gestellt. Nur die Therapeutin selbst entließ mich mit einem guten Gefühl. Die anderen Gruppenmitglieder - naja.
Ich finde es gut, dass du dich weiter engagierst und der Selbsthilfe erhalten bleibst.
Erzähle doch mal ein bisschen mehr über dich, falls du noch hier rumschwirrst....
Herzlichst,
Blizzard
Hallo Michael,
auch ich denke, dass deine Entscheidung - so wie du sie begründest - sehr richtig ist.
Was die Suchtberatung anbelangt: Nun, überall wird nur mit Wasser gekocht und überall sind nur einfache Menschen am Werk.
Ich bin ja selber gerade auf dem Weg Suchtberater zu werden und hatte diesbezüglich am Wochenende 2 Tage Seminar. U.a. wurde uns auch wieder deutlich gemacht, das unter 100 Suchtberatern mindestens 60 unterschiedliche Stile, Methoden usw. individuell angewandt werden. Ergo: Keine Beratung ist wie die andere. Immer haben ja 2 Menschen miteinander zu tun - und nicht 2 Maschinen. Deswegen kann ein Suchtberater bei einem Klienten großen Erfolg haben, bei anderem überhaupt nicht.
Deshalb solltest du dir keine grauen Haare wachsen lassen - schau was dir die Beratung geben kann - und wenn dies deiner Meinung nach nichts bringt, dann warte erst mal ab, und wenns dann immer noch nichts bringt, fokussiere dich auf die SHG.
Herzlichst,
Blizzard
Hallo Luzy,
ich sage ganz ehrlich - ich teile die Meinung deines Suchtberaters. Du gehst ein irre großes Risiko ein. Solche Partnerschaften gehen statistisch gesehen zu 90 % schief habe ich mal gelesen. Aber auch wenn die Zahl nicht ganz stimmt - jedenfalls ist das Risiko irre und man sollte sich so eine Sache wirklich überlegen.
Zum Überlegen braucht man Zeit - und das ist die nächste Schwierigkeit die ich da sehe: Ihr kennt euch viel zu kurz meiner Meinung nach. Nach gerade mal vier Monaten so einen aufwendigen Umzug - das finde ich schon ziemlich heftig.
Du musst wissen was du tust, ich will dir auch gar nichts ausreden. Aber es ist halt schon ziemlich gewagt - aus der Sicht eines Aussenstehenden.
Herzlichst,
Blizzard