Beiträge von Blizzard

    Zitat von Arach

    Vieleicht habt ihr ja ein paar Anregungen dazu, würde mich freuen...
    Ich hab den festen Willen mit dem Mist aufzuhören, nur alleine geht das nicht wie ich leider feststellen musste....

    Hallo Arach,

    alleine gehts tatsächlich nicht - vor fast einem Jahr nun habe ich mir das auch eingestehen müssen. Müssen? Eigentlich war ich froh, dass ich endlich "soweit" war, mich frei zu meinem Problem zu äußern und Stellung zu beziehen. Denn "nicht alleine" bedeutet mehr als nur, sich Hilfe von Spezialisten oder in einer Selbsthilfegruppe zu holen. Es bedeutet auch, sich zu seinem Problem zu bekennen - und damit sein direktes Umfeld "ins Boot zu holen" und etwaige Hintertürchen zu verrammeln.

    Der wichtigste Schritt, die Alkoholkrankheit zu stoppen, war zumindest für mich, der Sache den Namen zu geben, den es verdient, nämlich "ich bin Alkoholiker" und nicht "ich habe Alkohol Probleme" zu sagen. Letzteres ist schon wieder eine Relativierung und ein Hintertürchen.

    Sich die Krankheit einzugestehen und sich dazu auch offen zu bekennen (wo dies nicht direkt mit massiven finanziellen Nachteilen verbunden wäre).

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Joe,

    das mit dem Suchtdruck ist offensichtlich bei jedem etwas anders. Ich hatte - seit ich trocken bin auch noch bis heute (10 Monate und ein paar zerquetschte) keinen Suchtdruck. Aber trotzdem kenne ich das Gefühl ganz gut - und zwar aus meiner nassen Zeit, wenn ich sehnsüchtig dem ersten Bier am Abend entgegenfieberte. Die Gier wahr da immer unwahrscheinlich groß - und das fing schon in der Jugend an.

    Vorletzte Nacht hatte ich einen Traum und in diesem Traum ebenfalls den Suchtdruck. Bei vollem Bewusstsein hatte ich also in meiner trockenen Zeit noch nie Suchtdruck - aber mein Unterbewusstsein (das im Schlaf die Oberhand hat) kennt das Gefühl anscheinend noch sehr gut.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Leute,

    jetzt möchte ich mich kurzfristig doch schon wieder melden. Hatte heute nacht ziemlich derbe Träume. Ich war darin rückfällig geworden, trank ziemlich viel Bier und hatte am nächsten Tag (im Traum) enormen Suchtdruck. Es war fürchterlich realistisch, sodass ich mir im Bett selber (wankend zwischen Traum und Realität) selber nicht klar war, ob ich es nun getan habe oder nicht.

    Ich schreibe das hier auf, weil ich (wie schon an anderer Stelle mal beschrieben) denke, dass solche Träume Warnung sein sollen, die Krankheit nicht zu vergessen. Mein Leben drehte sich in letzter Zeit immer schneller (in eine durchaus positive Richtung), sodass die Beschäftigung mit der Alkoholkrankheit für mich in den Hintergrund trat. Der Traum von heute nacht sollte mir wohl eine Lehre sein, die Dinge nicht "schleifen" zu lassen.

    Ich bin jetzt über 10 Monate trocken und lebe sehr zufrieden - so zufrieden, dass ich mich zeitweise nicht mehr um meine Krankheit besonders kümmere. Ich will aber keinesfalls in eine der vielen Fallen tappen, in die andere in meiner Situation getreten sind. Wie verhindert man eine solche Entwicklung?

    Herzlichst (und nachdenklich),

    Blizzard

    Hallo Leute,

    ich wollte mich auch mal wieder melden.

    Mir geht es weiterhin sehr gut, d.h. eigentlich war ich die letzten beiden Tage ein bisschen krank. Fieber, Husten und Kopfschmerzen machten mir zu schaffen. Hatte eine anstrengende, stressige Woche hinter mir, wobei das Stresslevel aber weiterhin "eustress" anzeigt - also positiver Stress! Ich fühle mich halt immer stärker, souveräner und gelassener, sodass ich wohl auch dazu neige übers Ziel hinauszuschiessen. Jeden Tag um 5 Uhr aufstehen, 9 Stunden arbeiten und danach noch 2-3 Stunden trainieren...da hat jetzt mein Körper wohl gesagt "Stopp, bitte 2 Gänge zurückschalten". Naja, habe dann den ganzen Samstag im Bett gelegen, 2 mal heiß gebadet und viel Wasser und Tee getrunken, bin früh schlafen gegangen und habe viel Obst gegessen. Heute fühle ich mich wieder prima, aber habe mich weiterhin geschont.

    Das hat auch seinen guten Grund: Die nächsten 2 Wochen werden sehr stressig: Arbeit wie gewohnt. Dazu nächstes Wochenende Samstag und Sonntag Suchtberater-Seminar (jeweils 6 Stunden). Das Wochenende darauf Hallensiebenkampf (Leichtathletik). Klartext: Der nächste freie Tag wird der 23. Februar sein. Hoffe ich kriege das hin und werde nicht krank.

    Psychisch fühle ich mich auf jeden Fall nach wie vor top, und das ist für mich genauso wichtig wie auch beruhigend.

    In diesem Sinne: Viele Grüße an euch alle und weiterhin trockene 24 Stunden!

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Ottony,

    ich kann über dein Verhalten und deinen Leichtsinn auch nur mit dem Kopf schütteln. Ich fürchte du hast noch gar nicht begriffen, wie ernst unsere Krankheit ist und wie man zufrieden trocken werden kann.

    Indem man sich freiwillig wochenlang in eine alkoholgeschwängerte Gesellschaft begibt jedenfalls nicht.... :roll:

    Übrigens will dir hier keiner den Spass verderben, oder dich gar zur freiwilligen gesellschaftlichen Isolation überreden. Wir sind hier keine Miesepeter. Wir wissen nur, wie Alkoholismus funktioniert - aus millionenfacher Selbsterfahrung.

    Du fühlst dich sicherlich persönlich angegriffen, wenn nicht gar "in Rage gebracht" ob unserer herben Kommentare. Aber wie es einige meiner Vorredner schon gesagt haben: Wir waren alle mal "ganz anders". Du bist geradezu ein Musterbeispiel für einen Rückfallkandidaten für mich, weil du offensichtlich klüger und erfahrener bist, als wir alle hier zusammen, die wir an dieser schweren Krankheit (oder wie du es nennst "Problem") leiden.

    In der Hoffnung, das du die inhaltliche Botschaft unserer Postings verstehst, verbleibe ich

    herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Leute,

    die Woche ist sehr gut verlaufen. Es geht mir prächtig. Die Arbeit lief gut und ich war jeden Tag nach dem Dienst trainieren. Ich bestelle momentan en masse Fachbücher (seit September nun schon über 40!) seit ich weiß, wo ich beruflich hinwill. Ja, der Mensch braucht Ziele - wie wahr, wie wahr...

    Insgesamt bin ich also momentan sehr zufrieden und fühle seit langer, langer Zeit sowas wie psychische Stabilität, die nun schon seit Oktober anhält. Am Anfang habe ich dieser Stabilität nicht getraut und fürchtete, dass es sich wieder nur um eine kurze "Hochphase" handelt. Aber mittlerweile merke ich einfach, das ich die Früchte für Arbeit der letzten 10 Monate (die ich heute auf den Tag nun abstinent lebe) ernte.

    Aufgrund meiner sehr zufriedenstellenden Situation werde ich in diesem, meinem Thread nun wohl in Zukunft eher unregelmäßig schreiben - z.B. wenn was aussergewöhnliches passiert ist, oder wenn mich mal was bedrücken sollte. Ansonsten werde ich jetzt mehr in anderen Threads antworten.

    Ich sehe dies in gewisser Weise als einen persönlichen Meilenstein. Über 240 Antworten hat dieser Thread nun seit Mitte April 06 erhalten. Ich konnte mich bisher hier immer gut reflektieren und habe viele gute und inspirierende Antworten und Anregungen erhalten. Dafür an dieser Stelle schon mal vielen Dank!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    Also: Sicherlich werde ich auch in Zukunft hier ab und zu mal was reinschreiben, es könnte aber unregelmäßiger werden.... :wink:

    Herzlichst,

    Blizzard

    Zitat von Jane 39

    Kann mir jemand bitte sagen wie das mit so einer Therapie läuft und wie die Frau das hinkriegen will das ich nicht mehr trinke?

    Das kann sie gar nicht. Das kannst nur du selbst. Therapeuten und Suchtberater können dich begleiten, dir Wege und Möglichkeiten aufzeigen, dir Hilfe zu suchen, dir die Stadien und Typen der Alkoholkrankheit erklären, dich ermutigen, dich oder - je nach Gesprächsmethode - auch auffordern dies und jenes zu tun. Aber sie können und werden nicht verhindern, wenn du dir die Flasche zum Munde führen willst.

    Und letztlich ist es doch eine persönliche Entscheidung zu trinken, d.h. die Person selbst trifft die Entscheidung - nicht das Suchtgespenst oder ähnliches.

    Ich glaube, der Grund warum du immer wieder trinken "musst" ist der, das du bezüglich deines Trinkverhaltens noch sehr ambivalent bist. D.h. die Nachteile, die du durch das Trinken erfährst sind offensichtlich noch nicht stark genug um bei dir den unbedingten Wunsch nach Veränderung zu manifestieren. Und genau dass können Therapeuten leisten: Dir auf deinem Wege helfen, die Ambivalenz zu beseitigen - und zwar in jenem Sinne, dass sich in dir mehr und mehr der Wunsch regt, bedingungslos abstinent zu leben - weil es der einzige Weg ist, wieder gesund und glücklich zu werden. Wenn du dann irgendwann tief durchdrungen von dieser Einsicht bist, wird diese "dunkle Kraft" die dich immer wieder zum Sekt-Einkauf verführt, immer schwächer werden - um es mal bildhaft auszudrücken.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Hexe,

    gut gemacht! Lass dich nicht herunterziehen. Wir sind hier auch alles nur Menschen. Und hin und wieder macht auch der eine oder andere hier sehr unbedachte Äußerungen. Lass dich davon nicht von deinem Weg abbringen.

    Du bist nun die ersten Schritte gegangen und ich hoffe für dich, das die nächsten konsequenten Schritte folgen werden. Dass du dich von deinen trinkenden Freunden verabschiedet hast ist auf jeden Fall schon mal ein sehr starker Anfang - ein ungemein wichtiger Schritt, vielleicht der wichtigste überhaupt. Denn in Gegenwart von trinkenden Freunden wird NIEMAND trocken.

    Du wirst jetzt möglicherweise bald in ein gewisses Vakuum fallen - das er Alkohol und die nun verabschiedeten Freunde hinterlassen haben. Wichtig ist es aber deswegen gerade in der ersten Zeit standhaft zu bleiben, sich neue Kontakte zu suchen, wobei eine gute SHG ganz oben für dich stehen sollte.

    Viel Erfolg weiterhin!

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Leute,

    die Woche ist noch sehr gut verlaufen. Die Arbeit hat viel Spass gemacht, Mittwochs und Freitags habe ich noch richtig gut trainiert. Gestern und heute war große Entspannung angesagt. Seit ich arbeite, freue ich mich natürlich auch viel mehr auf die Wochenenden und schaffe es jetzt auch richtig gut zu entspannen und zu genießen. Heute war ich in einer Sauna, in der ich bisher noch nicht war. Die war viel besser, als meine Stammsauna! Ich werde also den fliegenden Wechsel machen. :wink:

    Am Freitag war ausserdem wieder mein Suchtberater-Seminar. Wir sind dieses mal von der Theorie in die Praxis übergegangen - und haben Beratungsgespräche simuliert und im Anschluss daran durchgesprochen. Ich habe als Berater eine Co-Abhängige Klientin gehabt.

    Die Beratungserfahrung aus meinem Beruf kommt mir natürlich auch im Suchtbereich zu Gute. Allerdings muss ich noch inhaltlich einiges lernen. Durch das Forum hier habe ich zwar auch viel über Co-Abhängigkeit gelesen, aber natürlich stecke ich da nicht so tief in der Materie, wie beim Alkoholismus (als Betroffener) selber. :roll:

    Da werde ich wohl noch einiges lernen müssen. Aber es macht Spass und ist genau die richtige Spezialisierung für mich.

    Voller Freude und Zuversicht starte ich daher in die neue Woche und hoffe, dass sie so schön wird wie die nun abgelaufene. :D

    Herzlichst,

    Blizzard

    gemeint war natürlich.....entferne sämtliche Alkoholika aus deiner Wohnung....

    Wobei die räumliche Distanz zu anderen, eventuell vorhandenen Alkoholikern natürlich auch wichtig ist. Ganz allgemein gesprochen.

    Hallo hexe,

    keine Angst, von mir wirst du keine Schelte für den angeblich kalten Entzug bekommen, denn den machst du nicht. Da haben sich einige wohl nicht ganz genau dein Posting durchgelesen. Du warst beim Arzt, hast deine Trinkgewohnheiten gebeichtet, hast ein Medikament verschrieben bekommen und den Hinweis, das ein stationärer Entzug nicht notwendig sei. Deshalb kann von einem "kalten Entzug" keine Rede sein. :wink: Das weiß auch der Administrator, weswegen er dich ja auch für die offenen Bereiche freigeschaltet hat.

    Es gibt auch die Möglichkeit eine Entgiftung ohne Klinikaufenthalt zu machen. Das wollen aber manche nicht wahrhaben, weshalb sofort der Pawlowsche Reflex einsetzt, wenn sie hören, das jemand vom Arzt nicht in die Klinik geschickt wird.

    Den geraden Weg solltest du natürlich nichts desto trotz gehen, weshalb ich dir, wie schon Scrooge, empfehle, möglichst bald eine Suchtberatungsstelle aufzusuchen und dich professionell über deinen weiteren Weg beraten lassen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten von Therapien, die du unbedingt für dich in Betracht ziehen solltest! Du musst in deinem Leben jede Menge Dinge ändern um ein dauerhaft-abstinentes Leben zu erlernen - und zu führen. Vieles kannst du hier lernen. Die Grundbausteine der Trockenheit sind dabei unentbehrlich. Entferne sämtliche Alkoholiker aus deiner Wohnung. Meide unbedingt alkoholgeschwängerte Veranstaltungen, Feierlichkeiten und allgemein Situationen in denen du früher getrunken hast. Brich eventuelle Kontakte ab mit Leuten, wenn euch hauptsächlich der gemeinsame Alkoholkonsum verbunden haben sollte usw. Du kannst hier viele Informationen dazu finden.

    Viele Grüße,

    Blizzard

    Zitat von Micha

    Das ist vielleicht noch ein Schiene, von der du noch ein wenig runterkommen wirst. Es geht ja nicht darum, dass du das vermittelst indem du an einer plausiblen Außendarstellung bastelst. Wie Andi schon schreibt: es geht nur darum, was du für dich weißt. Dann strahlst du Trockenheit einfach aus, ohne über Wege der Vermittlung nach außen nachzudenken.

    Hallo Micha,

    und alle anderen! Erstmal vielen vielen Dank für eure zahlreichen Antworten. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Stellvertretend für die Tendenz der Meinungen habe ich mal dieses Statement von Micha herausgegriffen und muss eingestehen: Du hast natürlich völlig recht. Die Aussendarstellung ergibt sich durch Ausstrahlung, bzw. wie man auch sagen kann "selbstvergessenes Verhalten" - es gibt keine Gründe für mich jemanden durch mein Verhalten auf eine bestimmte Schiene zu locken, was er von mir denken soll.

    Da habt ihr wohl einen wunden Punkt getroffen.

    Ich werde meinen Weg unbeirrt weitergehen und keinen Tag vergessen wo ich herkomme und wo ich noch hin will.

    Viele Grüße an euch alle!

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Leute,

    ich war gestern das letzte Mal bei der Gruppensitzung im Rahmen der ambulanten Therapie und möchte hier gerne darüber berichten.

    Wir sind insgesamt 9 Alkoholiker in der Gruppe gewesen, wobei gestern neben mir auch noch ein sehr netter, älterer Herr seinen Ausstand mit Kaffee und Kuchen feierte. Bevor es allerdings zu diesem gemütlicheren Teil der Sitzung überging, wurden wir beide erstmal "verabschiedet".

    Dabei durften einem alle nochmal verbal alles Gute wünschen und noch ein paar Worte sagen. Eine ältere Patientin mit etlichen Rückfällen in ihrer Karriere konnte es sich dann nicht verkneifen, zu meinen, das ich irgendwann rückfällig werde. Sie begründete es damit, das es mir zu gut gehe - und das diejenigen, denen es "zu gut" gehe, meistens rückfällig werden.

    Nun ja, dieser Meinung schlossen sich dann noch 2 andere Mitglieder an - die anderen hielten sich bedeckt.

    Ich gebe zu, dass mich das geärgert hat - auch wenn es sicherlich nicht persönlich wertend gemeint war. Denn im Grunde gesehen verstand man sich in der Runde ja ganz gut - auch wenn es keine tiefergehenden Kontakte gab.

    Irgendwie macht es mich auch traurig, dass ich offenbar nicht vermitteln konnte, was ich in den letzten Monaten dafür getan habe trocken zu werden und WARUM ich eben mich jetzt mittlerweile ziemlich sicher und stabil fühle.

    Alles, was ich hier,denke ich, schriftlich ganz gut rüberbringen konnte, ist mir dort irgendwie nicht so richtig gelungen. Meistens drehten sich die Sitzungen um die Alltagskisten einzelner, ich konnte meinen Weg nur sehr schwer verständlich machen.

    Naja, jedenfalls hat das jetzt natürlich erst recht meinen Trotzgeist geweckt. Ich habe auch am Schluss etwas spitzig angemerkt, dass ich diese negative Prognose der Gruppe auch in meinem Buch vermerken werde - das ich dann in 20 oder x Jahren (nachdem ich hoffentlich und ich glaube fest daran 20 Jahre abstinent gewesen sein werde) immer noch trocken bin.

    Naja, soweit so gut.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Zitat von kommal

    Ich denke, wer (verständlicherweise) nicht den Nerv hat, sich mit Karussell fahrenden Neuzugängen oder im Kreis schreibenden Forumsmitgliedern auseinanderzusetzen, der soll´s lassen. Da kann ich niemand einen Vorwurf machen.

    Sehe ich auch so. Man kann ja nicht den nassen Alkoholikern zum Vorwurf machen, das wir mit ihrem Herumgeeiere nicht klarkommen. Das ist ja alleine unser Problem mit dem wir klarkommen müssen.

    Deshalb ist es auch meine Meinung, sich beim Durchlesen eines uneinsichtigen Neulings Marke "Alkoholiker light" erstmal die Ruhe zu bewahren und nicht gleich innerlich auf 180 zu schalten. Es ist halt nunmal so, dass die wenigsten nassen Alkoholiker über die Mechanismen und Hintergründe ihrer Krankheit wissen - und daher vor allem eines brauchen: Aufklärung (wozu auch der Raub von Illusionen gehört), Verständnis (dahingehend, das wir alle auch mal geglaubt haben, "anders" zu sein) und nicht zuletzt Respekt (weil sonst jede Form der Beratung ad absurdum führt und zum Scheitern verurteilt ist).

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Leute,

    ich bin im Prinzip völlig eurer Meinung.

    Ich sehe Alkoholismus als eine schwere Krankheit, die man nicht heilen sondern durch Abstinenz nur stoppen kann - und die - wenn man sie nicht stoppt - in irgendeiner Weise tödlich verläuft. So einfach ist das. So einfach?

    Offensichtlich nicht. Ich bin 27 Jahre jung und ich möchte mir selbst zu gute halten, das ich diese Krankheit in ihrem Umfang geistig verarbeitet habe und mir eingestanden habe, das ich an ihr erkrankt bin. Aber das ist in unserer Gesellschaft nicht selbstverständlich. Alkoholismus gilt in weiten Teilen unserer Kultur immer noch nicht als Krankheit, sondern als Willensschwäche, Charakterschwäche, Personen die an ihr Leiden als "Taugenichtse", die sich "gehen lassen" usw. Ihr kennt die Bilder und Klischees die ich meine.

    Gerade lese ich ein interessantes Buch, mit großem statistischem Anteil über die Zahlen rund um Alkoholismus/Therapie usw. Da steht z.B. das der Anteil der unter-30-jährigen von allen Leuten die sich in Suchtberatungsstellen vorstellen bei 1% liegt. Was schließen wir daraus? Das der Anteil der Süchtigen in dieser Altersgruppe bei nur 1 % liegt - das also 99 % der Süchtigen in unserer Gesellschaft über 30 Jahre alt sind? Sicher nicht. Vielmehr scheint es daran zu liegen, das viele in dieser Altersklasse noch zu keiner Krankheitseinsicht gekommen sind. Ist das jetzt verwerflich? Ich glaube nicht.

    Alkoholismus ist eine schwere Krankheit, deren Eingeständnis innere Bereitschaft und viel Reflexionsvermögen benötigt. Und natürlich noch viel innere Kraft um sich gegen die Widerstände in unserer Gesellschaft, im eigenen sozialen Umfeld zu stellen, die sich mit der Diagnose Alkoholismus automatisch einstellen. Ich bin in gewisser Weise ein sehr provokanter Mensch und komme mir manchmal richtig verwegen vor (und äußerst provokant!) wenn ich meinen Gegenüber damit konfrontiere, das ich Alkoholiker bin. Die meisten glauben mir das sowieso nicht, selbst wenn ich ihnen versuche das zu erklären. Unsere Gesellschaft ist offensichtlich noch nicht reif für Alkoholiker, die jung und gesund sind und zu ihrer Krankheit stehen.

    Wir sprechen hier in diesem Forum nicht umsonst von der eigenen Tiefpunkterfahrung, die jeder Alkoholiker offensichtlich benötigt, um sich die Krankheit einzugestehen. Grundtenor: Erst wenn man alles vergeigt hat und ganz unten ist, ist man oft erst bereit, Hilfe von aussen anzunehmen.

    Auch sprechen wir oft hier darüber, wie wir uns selbst schwer getan haben, uns unsere Krankheit einzugestehen. Lange Zeit haben wir das doch selber geleugnet, oder nicht?

    Ich bin 27 und habe mir meine Krankheit in einem Stadium eingestanden, wo ich noch bei weitem nicht alles vergeigt hatte. Bin ich jetzt stolz darauf? Jein. Es ist gut so, aber manchmal wünschte ich mir, ich wäre schon mit 20 oder 22 zu dieser Einsicht gekommen. Denn da hätte ich es im Prinzip auch schon gewusst - aber eben nicht wahrhaben wollen. Mein Trinkmuster war da das gleiche, teilweise noch schlimmer, als mit 26.

    Aber genau das gehört eben auch zu unserer heimtückischen Krankheit: Die Einsicht an der Krankheit zu leiden dauert eben manchmal jahre- oder gar jahrzehntelang. Nicht umsonst stehen in vielen Alkoholiker-Selbsthilfetests fragen wie diese: "Werden Sie aggressiv wenn Sie jemand auf ihren Alkoholkonsum anspricht" oder "Blocken Sie Gespräche über Alkoholismus grundsätzlich ab?".

    Alkoholismus ist eine lebensgefährliche Krankheit, die einen gewaltigen Teil ihrer Mortalitätsrate daraus bezieht, das die Betroffenen erst sehr spät (oft genug zu spät) bereit sind, sich ihre Krankheit einzugestehen. Und das betrifft doch im Prinzip fast jeden, oder? Oder wieviele User hier im Forum haben nur ein paar Wochen in ungesunder Weise Alkohol konsumiert und dann gesagt: "Ups, ich bin wohl Alkoholiker - werde ich gleich mal allen eingestehen und mir eine Selbsthilfegruppe suchen". Keiner! Wir alle haben doch jahrelang, manche jahrzehntelang gesoffen, ohne jegliche Krankheitseinsicht.

    Wie gesagt, das ist wohl Teil unserer Krankheit.

    Hoffe, ich bin nicht zu weit vom Thema abgekommen.

    Übrigens: Um welchen Beitrag gehts denn hier? Wie heisst denn der User? Hab mir jetzt nicht alle Beiträge angesehen.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Leute,

    habe mir gerade den Film angesehen, der im anderen Unterforum verlinkt ist ("trocken oder tot").

    Ich fand die Aussage des Krankenhausmitarbeiters sehr bezeichnend, der befragt wurde, wie es denn um Herrn S. stehe. Er sagte: "Er ist schon sehr weit fortgeschritten", und wenig später kam die Aussage über die Art von Sterbehilfe, die in seiner Klinik geleistet wird.

    Mir wurde damit wieder deutlich bewusst, welchen Verlauf unsere Krankheit nimmt. Bei wir war es noch lange nicht soweit wie bei Ralf. Aber Anzeichen, bzw. bestimmte Verhaltensweisen waren bei mir ja schon genauso vorhanden und wären im Laufe der nächsten Jahre sicherlich noch deutlicher und schlimmer geworden. So habe auch ich meine damalige Freundin (heute ist sie ja meine Frau) einige Male gebeten, sie möge mir doch bitte Bier einkaufen, wenn ich selber zu faul oder zu verkatert war, um mir selber welches zu holen. Ich habe auch immer mit ihr gefeilscht, was ich denn für sie tun müsste, damit sie z.B. am späten Abend noch für mich zum Döner läuft, um mir Nachschub zu holen. Meistens konnte ich mir diese Leistung "erhandeln" in dem ich anbot, eine Woche den Abwasch zu machen o.ä. Dies tat ich dann sogar auch, aber was heißt das schon?

    Denn wenn ich mit meinen 27 Jahren die nächsten 15 Jahren so weiter gesoffen hätte, wäre ich mit 42 wohl auch nicht viel anders als Ralf dagestanden.

    Der Film wird mir auf jeden Fall im Gedächtnis bleiben und ich bin froh, ihn gesehen zu haben, auch wenn ich von Ralfs Zustand noch ein Stück weit entfernt gewesen sein mag.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo liebe Freunde,

    danke erstmal für eure Rückmeldungen.

    Ich möchte es nicht verabsäumen, dieses Jahr auch in meinem Strang würdig zu beenden.

    2007 war das bisher wichtigste und einschneidenste Jahr in meinem Leben. Ich habe mir zwar am Jahresanfang schon vorgenommen, dass sich dieses Jahr "viel ändern" muss - aber wieviel es letztendlich geworden ist, davon hatte ich vor einem Jahr NULL Ahnung. Ich möchte an dieser Stelle nicht nochmal alles rekapitulieren, das habe ich schon in den Postings zuvor zur Genüge getan.

    Ich wünsche mir jedenfalls für 2008, das ich die Errungenschaften von 2007 konservieren, stabilisieren und ausbauen kann. Und die höchste und kostbarste Errungenschaft ist - no na - meine Trockenheit.

    Es lebe die Abstinenz!

    Euch allen einen guten Rutsch!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo zusammen,

    bin wieder in Berlin. Wir kamen gestern am späten abend in Tegel an. Um ca. 0:30 Uhr waren wir wieder zu Hause.

    Mir geht es weiterhin sehr gut. Ich hatte wie gesagt die schönsten Weihnachten seit Ewigkeiten hinter mir.

    Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, was ich groß schreiben soll. Ich bin in einer absoluten Hochphase. Vielfach hört man ja, dass gerade dann Vorsicht geboten ist um seine Trockenheit nicht zu gefährden. Ich denke, bei mir ist das Bewusstsein um meine Krankheit mittlerweile sehr gut ausgeprägt - ich mache mir nichts vor. Gedanken wie "naja, jetzt kannste ja mal wieder" o.ä. liegen mir sowas von fern - was mir wiederum Sicherheit gibt.

    Ich jedenfalls habe nicht vor, rückfällig zu werden und fühle mich ziemlich sicher. Werde aber auch weiterhin gut auf mich aufpassen.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Paule,

    herzlich willkommen hier im Forum!

    Hört sich sehr vernünftig an, was du da schreibst. Ich selber blicke auf eine ähnliche Karriere zurück, hatte genau die von dir beschriebenen Zustände, inklusive schlechtestes Gewissen, Komasaufen, Depressionen und halt alles was dazugehört. Auch hatte ich während meines Zivildienstes einen ebenfalls stark ansteigenden Konsum zu verzeichnen gehabt. Soviel zu unseren Paralellen.

    Leider benötigte ich noch einige Jahre um mein Problem völlig zu umreissen und mir einzugestehen, das ich alkoholkrank bin. Aber seitdem geht es aufwärts. Dieses Forum hat mir dabei auch sehr geholfen.

    Ich bin immer neugierig auf junge Leute wie dich, die diesen wichtigen Schritt konsequent und ernsthaft angehen, wie du jetzt. Das soll jetzt ältere Teilnehmer nicht abwerten, aber ich merke - nicht zuletzt an meiner Therapiegruppe in der ich bisher war - das die Ansichten und und Beweggründe der Leute doch recht unterschiedlich sind und in gewisser Weise altersabhängig sind.

    Auch dein Zitat in der Signatur finde ich sehr interessant. Offensichtlich beschäftigst du dich auch sehr mit der Sinnfrage. Für mich war diese Frage - und ihre Lösung - zentral bei der bis heute erfolgreichen Bewältigung meiner Trinkergeschichte.

    Ich freue mich jedenfalls, das du den Weg zu uns gefunden hast und wünsche uns einen guten Erfahrungsaustausch hier.

    Bis demnächst,

    Blizzard