Beiträge von Ette

    Hallo und guten Morgen,

    Rosita und Nicole,

    dank euch für die lieben Worte.

    Grad, beim Lesen, ist mir mein Apellohr wieder eingefallen. Das war früher ziemlich ausgeprägt. Sobald es hieß „jemand müsste mal dies oder jenes tun“, war ich vorne dran. Auch wenn es um Hilfe jeglicher Art ging, ließ ich lieber meine privaten Belange sausen, um zu helfen. Das hat sich inzwischen geändert. Wenn mich jemand direkt um Hilfe anspricht, überlege ich, ob ich das leisten kann und will und sage dann entsprechen zu oder ab. Vor Jahren schon hatte mir nämlich eine kluge Frau die Hausaufgabe gegeben, mein Apellohr nicht dauernd offen zu halten. Es war manchmal schon schwer, denn schließlich dachte ich, wenn ich nicht tue, was nötig ist, wird es nicht richtig gemacht oder aber ich stehe als eine Person da, die nicht hilfsbereit ist. Ich ließ also im Grunde von außen entscheiden, ob ich etwas tue, egal ob Hilfe oder Dinge, zu denen kein Anderer Lust hatte. Ich konnte es nicht aushalten, wenn sich für eine Aufgabe niemand zur Verfügung stellte und habe mich dann selbst gemeldet.

    Inzwischen kann ich gut unterscheiden, ob das, was erforderlich ist, auch „meins“ ist. Und ich habe nur mehr selten Probleme, gegebenenfalls NEIN zu sagen. Es ist für mich ziemlich normal geworden, nicht immer „hier“ zu rufen, wenn Aufgaben verteilt und Hilfestellung gefordert wird. Ich habe meine Grenzziehung dahingehend verbessert, erst für mich zu überprüfen, ob ich Zeit, Ressourcen und Willen habe, mich einzubringen. Aber wie gesagt, es war eine Entwicklung, die sich über Jahre hinzog. Dabei habe ich aber auch festgestellt, dass es durchaus in Ordnung ist, nein zu sagen. Niemand guckt mich deshalb schräg an oder meidet mich aus diesem Grund. Es war alles nur mein eigenes Kopfkino, was mich nicht nein sagen ließ.

    Und auch mir selbst gegenüber bin ich diesbezüglich nachsichtiger geworden. Denn ich habe festgestellt, dass etliche Ansprüche, die ich so an mich selbst stelle, gar nicht meine eigenen sind, sondern anerzogen. Ich lebte Vieles so, wie meine Eltern es mir beigebracht hatten, ohne zu überprüfen, ob das auch das ist, was ich selbst will. Ich wurde als Kind und Jugendlich oft als Schlampe bezeichnet, weil ich ein anderes Ordnungsempfinden als meine Mutter hatte. Das saß im Hinterkopf ganz schön tief und hat bis in die Gegenwart gewirkt. Aber auch das bessert sich und es ist für mich deutlich entspannter, meine eigenen Ansprüche an mich nach MEINEM Empfinden zu leben.

    LG
    Ette

    Hallo Nemesis,

    Zitat von Nemesis

    .
    Anerkennungssuchtverlagerung, das wäre für mich ein Rückschritt, denn diese Sucht habe ich vor Längerem bereits abgelegt. Ich benötige diese Form der Selbstaufgabe nicht mehr, ich bin auch so zufrieden.


    Das lese ich aus deinen Postings anders. Und ich denke, dass auch Arroganz ein Zeichen für der Schwäche ist. Es war jedoch deine eigene Entscheidung, dich hier anzumelden und es ist deine Entscheidung, hier etwas für dich mitzunehmen und dich einzulassen oder nicht.

    Wie du ganz richtig schreibst, hast du ein gerüttelt Maß an theoretischem Wissen. Damit bist du nicht allein. Die Kunst ist es jedoch, diese Theorien auch in dein Leben zu integrieren. Ansonsten kannst du dir Wissen anlesen und aneignen bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag und es wird dir nicht wirklich nützlich sein. Natürlich hat alles mit dir zu tun, auch wenn du dir noch so viel Input von außen suchst. Verändern kannst du nur selbst etwas für dich; auch deine Co-Abhängigkeit wird sich nicht durch Einflüsse von außen verändern lassen.

    Ich wünsch dir den Mut, die Dinge zu verändern, die du verändern kannst. Die zu akzeptieren, die du nicht verändern kannst und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. Ich bin sicher, dass du dann auch nicht weiter auf dem hohen Ross sitzen musst ;-).

    Alles Gute für dich.

    Ette

    Zitat von Nemesis


    Die Standpauke kam nicht, weil er Saufen gehen wollte, was er im Übrigen ja nicht tat, wenn auch unter Protest. Von daher, ginge es darum, hätte ich ihn ja noch eher loben müssen. Sondern die Standpauke erfolgte, dass er mich anrief, um mir dann den schwarzen Peter zuschieben zu können, für seinen Verzicht auf das Saufgelage. Ich sagte ihm in erster Linie, dass ich nicht bereit bin, ihm den Rettungsanker zu mimen und mich dann noch für meine Ehrlichkeit bestrafen zu lassen. Wenn er Saufen will, könne ich das eh nicht verhindern, aber dann solle er mich nicht vorher auf doof anrufen um dann beleidigt zu sein, wenn ich nicht begeistert bin von der Idee.

    Guten Morgen Nemesis,

    du schreibst hier genau das auf, wo du ansetzen kannst. Es ist SEINE Entscheidung, trinken zu gehen oder nicht. Wenn du sie ihm abnimmst, bist letztendlich du selbst der Mensch, auf den du sauer sein musst. Es hat nicht wirklich mit ihm zu tun, sondern viel mehr mit dir selbst.

    Wenn ich lese, was du über dein bisheriges Leben schreibst, fällt mir Kaltblut ein, der irgendwann formuliert hat, in einer Suchtbeziehung leben zwei Einbeinige, die sich, wenn sie nicht genug Abstand wahren, beim Gehen gegenseitig ins Straucheln bringen. Ihr habt beide psychische Probleme und erwartet von einander, dass ihr euch gegenseitig stützt. Ich hatte dies ähnlich, wenn auch nicht so extrem und habe gelernt, die Balance zu finden für MICH. Grenzen zu ziehen, bei mir zu bleiben, auch wenn von außen anderes von mir erwartet wird oder in meinem tiefsten Inneren alte Erziehungsmuster mich anders handeln lassen wollen.

    Dazu gehört auch, mich selbst und mein Handeln kritisch zu hinterfragen. Wenn mich etwas stört, versuche ich heraus zu finden, warum es mich stört. In der Regel hat es sehr viel mehr mit mir selbst zu tun als mit dem, was der Andere sagt oder tut. Also kann ich bei MIR ansetzen, um eine Situation, ein Gefühl oder ein Verhalten zu verändern. Das sind die Werkzeuge, die ich aus meinen Therapien mitgenommen habe und die ich auch versuche, immer wieder zu nutzen.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    das Wochenende steht vor der Tür und ich mache eine Entdeckung an mir, über die ich mich richtig freuen kann. Früher hatte ich Freitagmittag das Empfinden, das ganz Wochenende durchschlafen zu können, weil ich mich von der Woche absolut ausgelaugt und aufgebraucht fühlte. Heute freue ich mich einfach auf ein paar Tage, an denen ich nicht unbedingt früh aufstehen muss und die Zeit so verbringen kann, wie es mir Spaß macht. Ich habe andere Sachen vor, als nur zu schlafen. Das zeigt mir, dass meine Entscheidung richtig war, etwas für mich zu verändern.

    Als ich mit meinem trinkenden Partner zusammen war, konnte ich mir nicht vorstellen, überhaupt jemals zur Ruhe zu kommen und ein „normales“ Leben zu führen. Ich wünschte mir nichts mehr als Normalität. Und doch war ich, selbst als er nicht mehr mit mir lebte, zu einer Art Normalität nicht in der Lage. Verabredungen, Termine und jede Menge Unternehmungen, damit ich nicht alleine zu hause sein musste, waren in der Anfangsalleinezeit eine Art Suchtverlagerung um das Loch, das durch seinen Weggang entstanden war, zu füllen. Heute muss ich nicht mehr jede freie Stunde verplanen, Sondern kann auch einmal einfach in meine Sofaecke gekuschelt vor mich hinträumen oder mit ganz offenen Augen durch Felder und Wiesen streunen. Ohne anderen Sinn und Zweck, als mich einfach an dem zu freuen, was mir vor die Augen kommt.

    Mehr und mehr habe ich das Empfinden bei mir angekommen zu sein. Das heißt für mich, dass ich mich auch nicht mehr über so viel aufregen muss, denn ich kann viel besser akzeptieren, dass andere Menschen anders sind und es mir nicht ansteht, sie nach meinem Willen zu verändern. Eine sehr befreiende Erfahrung.....

    LG
    Ette

    Guten Morgen Nemesis

    Und herzlich willkommen hier im Forum. Hier gibt es viele Anregungen und Unterstützung, wenn du etwas für dich verändern willst. Tun musst du es allerdings alleine. Genauso, wie dir Therapeuten nur Wege aufzeigen können, die du dann aber SELBST gehen musst. Was konkret hast du denn aufgrund deiner Therapien für dich verändert?

    Du schreibst, du meidest jede Gelegenheit, bei der Alkohol getrunken wird. Bist du denn Alkoholikerin?

    Wenn ich dich lese, bekomme ich ein Gefühl, als ob eine Mutter über ihr ungezogenes Kind erzählt. Und du fragst:

    Zitat von Nemesis

    Alternativen zu diesem Kindergarten? Ich habe keine Ahnung.

    Ich habe für mich festgestellt, dass ich meinen Ex-Partner eher wie einen zweiten Sohn denn einen erwachsenen Menschen behandelt habe. Vielleicht wäre es auch für dich eine gute Alternative, zu akzeptieren, dass dein Partner erwachsen ist und sich nicht wie ein Schuljunge Standpauken halten lassen muss, wenn er nicht so agiert, wie es dir in den Kram passt.

    Mein Rollenverständnis von Partnerschaft zu überprüfen, war ein schwerer, aber wichtiger und richtiger Schritt, der uns beiden die Möglichkeit eröffnete, EIGENVERANTWORTLICH zu leben. Ein Alkoholiker ist krank, aber nicht infantil oder geistig zurückgeblieben. Wir müssen für unsere Angehörigen folglich nicht die Mutterrolle oder die Betreuerin sein. Das schafft uns Freiräume, unser eigenes Leben in Ordnung zu bringen und dem Partner gibt es ebenfalls die Verantwortung für sich selbst zurück.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    ein paar Gedanken noch zu diesem Thema:

    Zitat von wurzelchen

    Als Rücksichtnahme oder Verniedlichung würde es für mich nicht bezeichnen, denn ich denke, dass jeder auch seine Situation selbst einschätzen muß.

    Als sich für mich die Lage zuspitzte, war ich meines Erachtens zu einer REALISTISCHEN Einschätzung meiner Situation gar nicht mehr in der Lage. Die Aussicht, ohne IHN leben zu „müssen“, kam mir vor wie die Hölle auf Erden. Ich hab mir monatelang etwas vorgemacht über das, was da um mich herum passierte, nur um nichts verändern zu müssen.

    Zitat von Doro

    Andererseits: Die Kinder sind für mich eine ganz wichtige und positive Motivation, mich von ihm zu lösen.
    Wenn ich mein blödes schlechtes Gewissen bekomme, dass ich ihn fallen gelassen habe, dann denke ich kurz drüber nach, dass ich jetzt viel besser für die Kinder sorgen kann und dann gehts mir gleich besser.

    Auch das ist nicht untypisch für Co´s. Doro, warum war es für dich eine größere Motivation, zu gehen, wenn es um dich UND deine Kinder ging als wenn es nur um DICH geht? Für Andere sorgen, ist auch, für die Kinder zu sorgen. Nicht selten bekommen dann die Kinder all die „Fürsorge“ ab, die vorher teilweise an den trinkenden Partner ging. Ein ganz schönes Paket für son Kind, finde ich.

    LG
    Ette

    Hallo Käferchen,

    dieses „nicht so schlimm“ ist für ganz einfach die Legitimation, nichts verändern zu müssen. Wobei es für mich immer schlimm war und ich deshalb auch etwas verändert habe. Aber oft lese ich auch:“.... wenigstens schlägt er mich nicht...“ und denke mir, willst du erst warten, bis du geschlagen wirst, um etwas zu verändern?

    Ich glaube, wir Co´s haben einfach ein unbeschreibliches Talent dafür, uns immer wieder und wieder alles mögliche schönzureden. Wir biegen uns unsere Sicht vom Leben so zurecht, dass wir sie ertragen können. Es ist meiner Meinung keine Abwertung der eigenen Person, die dahintersteckt, sondern die Angst vor der Veränderung. Was ich habe, weiß ich, auch wenn es ein trinkender Partner ist und dadurch eine schlechte, ausbeutende Beziehung. Aber was danach kommt, macht Angst. Ungeübt im alleine leben, u. U. mit Kindern, ohne eigenes Einkommen, ist es schier überlebensnotwendig, sich die Situation erträglich zu reden. Auch die unter uns, die auf den ersten Blick stark und lebenstüchtig erscheinen, verstecken dahinter in der Regel ein kleines Selbstwertgefühl, das es scheinbar für unmöglich hält, das Leben alleine, ohne den Alki zu meistern.

    Mir sind Frauen begegnet, vor denen jeder den Hut ziehen würde darüber, was sie so alleine auf die Reihe bekommen. Wenn sie aber in die Lage versetzt werden, sich aus einer schlechten Beziehung zu verabschieden, mutieren sie zu kleinen Mädchen, die ohne Mann hilflos und nicht wirklich lebensfähig sind. Eine Situation, die dann „eigentlich doch nicht so schlimm ist“, erspart ihnen die Trennung.

    Für mich ist diese quasi „Verniedlichung“ der eigenen Situation ein Selbstschutz, der teilweise bis hin zum Realitätsverlust betrieben wird.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    es ist erstaunlich, wie ruhig und angenehm so ein Leben werden kann, wenn nicht mehr die Sorge um einen trinkenden Angehörigen meine Tage bestimmen. Wenn ich nicht arbeiten muss, stehe ich auf, wann ICH es für richtig halte. Ich gehe aus dem Haus, wann ich will und muss mir keine Sorgen machen, dass zu hause womöglich einer aus Frust, dass ich nicht da bin, trinkt.

    Wenn ich hier lese, finde ich zig Hinweise darauf, wie gut es mir geht, da ich mich mit Dingen, wie sie hier beschrieben werden, nicht mehr auseinandersetzen muss. Ich genieße es im Moment richtig, einfach so vor mich hinzuleben. Will nicht mehr die Perfekte sein, sondern will mich wohlfühlen. Lerne neue Dinge nicht mehr unter dem Fokus, wo kann ich damit punkten, sondern weil sie mich einfach nur interessieren. Ich gehe zur Arbeit und ernte manches Lächeln, weil ich entspannt sein kann und mir keinen Druck mehr antue. Genieße Zusammensein mit Menschen und freue mich genauso darauf, wieder die Wohnungstür hinter mir zuzumachen. Manchmal beschleicht mich ein Art Melancholie und ich nehme sie an, denn ich weiß, sie geht wieder vorbei.

    Ich hätte vor ein paar Jahren, als ich mitten im Chaos mit „meinem Alki“ steckte, nie gedacht, dass ich einmal so entspannt leben könnte. Früher war ich immer am Jagen und Hetzen und meine Tage hätten 48 Stunden haben können. Zufrieden war ich dabei nie, denn kaum war das Eine erreicht, hatte ich den nächsten Plan. Nun ist mein Plan, zufrieden zu sein. Ich finde, es ist ein guter Plan.

    LG
    Ette

    Hallo Mö,

    es ist nett, dass du nach mir fragst. Mir geht es recht gut. Mein Gefühl ist nicht jeden Tag gleich gut, aber das ist, denke ich, normal. Ich weiß, dass ich eine Menge Fortschritte in den letzten Jahren gemacht habe und doch finden sich immer einmal wieder neue "Baustellen", an denen es gilt, genauer hinzugucken. Im Moment gucke ich wieder sehr genau und das erfordert Zeit. Daher kann ich hier nicht so präsent sein, wie ich es vorher war. Das ändert sich sicherlich wieder. Mal sehen....

    LG
    Ette

    Guten Morgen Roselinchen,

    du fragst dich, ob du co-abhängig bist und findest etliche Begründungen, warum du es deiner Meinung nach nicht wirklich bist. Deine Frage erinnert mich an einen Alki, der sagt, ich hab kein Problem mit dem Alk. Ich kann jederzeit aufhören, kann eine Woche nicht trinken und unter der Brücke leb ich auch nicht.

    Für mich war es sehr schwer, mir einzugestehen, dass ich co-abhängig bin, denn dadurch musste ich auch akzeptieren, dass ich nicht die selbstbewusste Coole bin, die alles wuppt. Es war ganz schön hart, festzustellen, dass das ganze „Wuppen“ nur einen einzigen Hintergrund hat, nämlich den, gemocht, anerkannt, gebraucht zu werden. Ohne das fühlte ich mich nix wert. Co-abhängig, auch ganz ohne Alkoholiker an meiner Seite, habe ich mich mein Leben lang verhalten, denn ich bin beziehungs-abhängig. Ich wollte die Kontrolle über alle möglichen Dinge in meinem Leben haben. Ehemann, Kind, Arbeit – immer die Initiative ergreifen, weil ich dann der Meinung war, ich könnte sagen, wo´s lang geht. Meine Abhängigkeit war auch nicht weg, als „mein Alki“ weg war. Sie zeigte sich dann im Beruf oder im Umgang mit anderen Menschen.

    Du schreibst, dass du dich fragst, ob es fair ist, dich nun, da dein Mann nicht mehr trinkt, von ihm zu trennen. Alkoholiker, die trocken werden, können ganz schön unbequem werden. Nass sind sie, bis auf die Tatsache der Trunkenheit, in der Regel recht „pflegeleicht“. Schließlich haben sie ein schlechtes Gewissen wegen ihres Trinkens. Sie wissen normalerweise genau, dass es Mist ist, was sie tun, können aber gegen die Sucht nicht einfach so angehen. Als „mein Alki“ trocken wurde, hat er mir etliche Dinge gesagt, die mir überhaupt nicht gefallen haben. Und er hatte plötzlich einen eigenen Willen, der vorher so gar nicht da gewesen war. Plötzlich hatte ich nicht mehr die Kontrolle über das „Verfahren“. Wer weiß, vielleicht ist dein Mann ungeduldig und krätzig – schon immer gewesen und hat es nur mit dem Alk zugeschüttet. Ich weiß nicht, warum du mit deinem Mann zusammen bist. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass du ihn akzeptierst, wie er ist. Er soll so sein, wie du ihn brauchst, damit du dich mit ihm wohlfühlst. Erst soll er aufhören, zu trinken. Das hat er nun getan, aber das genügt dir immer noch nicht. Er soll so sein, wie DU ihn haben willst. Aber zum Erzogen werden ist er wohl schon etwas zu erwachsen.

    Er ist ein eigenständiger Mensch und nicht dein Kind, um das du dir Sorgen machen musst, in welchen Kindergarten du ihn unterbringst. So liest sich das für mich, wenn du überlegst, ob es Wohngruppen für „solche Menschen“ gibt.

    Ich kann dir nicht sagen, ob du co-abhängig bist. Will ich auch nicht, aber ich lese und mache mir so meine Gedanken dazu.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Ayki,

    es tut mir leid, dass es dir nicht so gut geht. An die Zeit, in der jede Mail mir Kummer machte, kann ich mich noch gut erinnern. Trotzdem hab ich es lange nicht geschafft, die Dinger zu ignorieren. Mir hat „er“ zwar nicht von neuen Freundinnen erzählt, aber mir immer wieder irgendwelche Vorhaltungen gemacht, dass ich ihm Dinge vorenthalten hätte, als ich seine Sachen packte. Aber irgendwann war mir das einfach zu doof und ich hab die Mails einfach gelöscht, ohne sie zu lesen.

    Sicher ist es bei dir noch etwas anderes, da ihr euch sicher über die Termine für die Kinder austauschen müsst. Aber das geht doch auch per Telefon. Da konnte ich meine Grenzen leichter dicht halten als mit den Mails. Ich habe ihm dann einfach gesagt, dass ich keine Mails mehr will und, sollten doch welche auftauchen, diese ungelesen löschen werde. Irgendwann war dann Ruhe. Zuerst war es schon anstrengend, denn so eine Art neugieriger Masochismus hat mich immer wieder mal lesen lassen. Doch irgendwann klappte es und ich fühlte mich fast wie befreit.

    Hoffentlich ist deine dicke Halsentzündung nicht so etwas wie die neue Grippe. Ich wünsch dir auf jeden Fall gute Besserung und immer genug Salbeitee zum Gurgeln ;)

    Liebe Grüße
    Ette

    Guten Morgen,

    grad eben wurde mir bewusst, dass ich das erste Mal sein Monaten keinen Horror davor habe, zur Arbeit zu gehen. Dabei wurde mir ganz leicht ums Herz und das Bewusstsein, den richtigen Schritt getan zu haben, war ganz deutlich. Dabei hatte ich lange gezögert, etwas zu unternehmen, um meine berufliche Situation zu verändern. Wieder einmal stelle ich fest, dass die Strukturen hier sehr ähnlich waren wie in der Zeit, als ich mit mir selber kämpfte, ob ich mit „meinem Alki“ Schluss mache oder nicht. Immer mit dem Bestreben, wir/ich schaffe/n das schon, hab ich mich angestrengt und angestrengt. Jetzt ist auf einmal alles ganz leicht. Die Arbeit beginnt, wenn ich im Büro bin und endet, wenn ich dort rausgehe. Nicht mehr so wie früher, dass der erste Gedanke beim Wachwerden und der letzte vor dem Einschlafen sich um die Probleme dreht, die ich dort habe. Ein schönes Gefühl.

    LG
    Ette

    Hallo mauve,

    der körperliche Entzug ist, laut den "Trockenen" in meiner realen SHG eine Sache von ein paar Tagen. Was mir bei deinen Posting mehr Kummer macht, ist die Frage, ob dein Mann, da er nun entzieht, dies mit Hilfe seines Arztes tut oder aber "kalt", sprich ohne evtl. Medikamte und ärztliche Aufsicht. Das kann unter Umständen ziemlich gefährlich sein.

    Wenn sich bei deinem Mann bereits Nervenschädigungen zeigen, zeigt dies, dass ja wohl schon länger Alkoholmissbrauch stattgefunden hat. Was noch mehr für eine Entgiftung unter ärztlicher Aufsicht spricht. Im Grunde ist es aber seine Verantwortung, hier für sich und seine Gesundheit zu sorgen.

    Kannst du mit ihm darüber sprechen?

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    nun ist das entspannte Pfingstwochenende schon wieder fast eine Woche her und die Tage sind wie im Flug vergangen. Viel zu tun, einige Aufregungen und auch ein paar Situationen, die nicht gerade angenehm waren. Meine Grenzen zu bewahren, war in dieser Woche eine der Hauptaufgaben. Das ist immer wieder mit Auseinandersetzungen verbunden, die manchmal ganz schön kräftezehrend sein können. Nicht immer finden sich Lösungen, die für MICH zufriedenstellend sind. Dann muss ich, manchmal zähneknirschend akzeptieren, dass es ist, wie es ist. So, wie ich irgendwann akzeptieren musste, dass ich meine Vorstellung von Beziehung mit „meinem Alki“ nicht leben konnte.

    Allerdings habe ich nicht nur akzeptiert, dass dies so ist. Inzwischen habe ich auch meine Vorstellung von Beziehung revidiert, weil ich gemerkt habe, dass es mir viele Freiheiten und Entlastungen bringt, wenn ich meine Zufriedenheit nicht davon abhängig mache.

    LG
    Ette

    Zitat von crevette

    Und wenn's dann nicht um Futter oder Sport oder Wohnungen geht, sondern um denjenigen, mit dem man sein Leben verbringen will, dann ist es für mich nicht ok, die Alternative zu akzeptieren. Die gibt's nämlich nicht. Da ist nicht Eisbein statt Pizza, da ist gar nichts statt Pizza.

    Tja, liebe crevette,

    wenn du keine Alternative zu "deinem Alki" akzeptierst, und auch nicht akzeptierst, dass er lieber trinkt als deine Vorstellung von Beziehung zu erfüllen, dann wirst du wohl oder übel weiter lamentieren müssen.

    Zitat von crevette

    Wenn ich hingegen meine Wohnung verlassen muss, weil einer mich mit seinem Lärm dazu zwingt, dann find ich das schon nicht mehr so witzig. Dann schmeckt mir persönlich das zu sehr nach dem, was wir ja vermeiden wollen, nämlich mein Leben nach den anderen ausrichten müssen.

    Genau wie du hier entscheiden kannst, was dir wichtiger ist. Dein ruhiges Leben ohne lärmenden Nachbarn oder aber dem aussichtslosen Bemühen, deinen Nachbarn ruhig zu stellen. Der Nachbar ist, wie er ist. Niemand zwingt dich, das auszuhalten, aber du möchtest es zwingen, dass er nach DEINEN Bedürfnissen lebt.


    Zitat von crevette

    Ich bestell ne Pizza und die bringen mir Eisbein mit Sauerkraut - klar kann ich jetzt sagen oh prima, genau was ich schon immer wollte, welche glückliche Fügung des Schicksals! Und wenn ich nicht Badminton spielen kann, dann mach ich was anderes und das ist noch viel besser. Juhui!

    Schön, wenn's wirklich so ist! Aber eher doof, wenn man sich's bloss einredet. Oder?

    Also mir geht es deutlich besser seit dem „ich mir einrede“, dass manche Dinge sind, wie sie nun mal sind und von MIR nicht verändert werden können. Aber ich kann mich verändern, mir Alternativen suchen, die mich nicht jeden Tag annerven oder mir an die Substanz gehen. Und ich kann natürlich auch das Eisbein einfach zurück geben und das Lokal wechseln. Aber das muss eben jeder für sich selbst entscheiden. Du entscheidest ja augenscheinlich anders als ich oder etliche andere hier. Und das ist dein gutes Recht. Nur verstehe ich dann nicht, weshalb du klagst.

    Ich wünsche dir wenigsten zufriedene Träume, wenn du deinen Traum schon nicht leben kannst.

    LG
    Ette

    Hallo Ayki,

    gut, dass du seiner "Neuen" klare Worte geschrieben hast. Wobei ich ihre Reaktion auch nachvollziehen kann, denn ich war ja selbst mal die Neue. Und ich hatte wahre Gruselgeschichten von der Ex gehört. Zwischendurch hatte ich einige Zeit e-mail-Kontakt mit ihr und konnte mir ein eigenes Bild machen. Es ist und bleibt einfach eine schwierige Situation und du wirst sicherlich immer wieder an deine Grenzen kommen oder sie behaupten müssen. Ich wünsch dir, dass dir der Gelassenheitsspruch ein wenig hilft. Du hast schon so viel so gut auf den Weg gebracht. Dann kommt der Rest auch noch.....

    LG
    Ette

    Zitat von nat27


    Und nun? Ich weiß nicht was los ist...er grübelt und ich habe das Gefühl das er weit weg is von mir.

    Ich weiß nicht wo ich bei IHm stehe. Er sagt es hat nichts mit mir zutun..ich soll mir kein KOpf machen.

    Ach Karlotta...ich leide...ich habe mit seiner trockenheit mir soviel erhofft. Ich habe geglaubt das alles gut wird.

    Aber es ist nichts gut...
    Wenn ich reden möchte über uns, die zukunft.
    Habe ich das Gefühl das er gar nicht will...mir ausweicht. Ich soll kein Drama daraus machen.

    Hallo nat,

    ich weiß, dass jede/r Angehörige die Hoffnung hat, dass alles, alles gut wird, wenn der Partner nur nicht mehr trinkt. Ich weiß aber auch von "meinem Alki" und anderen, die trocken geworden sind, dass es mit ganz vielen Veränderungen des Lebens verbunden ist, zufrieden und somit langfristig abstinent zu leben. Freunde, Verhaltensweisen, Kommunikation, überall gibt es etwas zu verändern, um die Trockenheit zu stabilisieren. Es ist für uns Angehörige unheimlich schwer zu verstehen, aber der Betroffene muss wirklich eine Art Kraftakt vollbringen, weil er sein ganzes Leben neu ordnen muss. Nur mit dem Trinken aufzuhören reicht eben einfach nicht aus. Wenn nun dein Freund wenig Sinn dafür hat, in die Zukunft zu denken und Pläne zu schmieden, hat das sicherlich wirklich nichts mit dir als Person zu tun. Ich nehme an, dass er einfach unheimlich viel mit sich selbst zu tun hat und deshalb die Beziehungsgeschichte erst einmal zweitrangig ist.

    Ich habe damals immer das Gefühl gehabt, dass Alkoholismus eine ätzend egozentrische Krankheit ist. Zuerst komme ich an zweiter oder dritter Stelle, weil der Alkohol alles beherrscht und wenn ER dann aufhört zu trinken, komme ich wieder nur unter ferner liefen. Trockenarbeit, neue Strukturen, Zufriedenheitsarbeit um die Abstinenz zu stabilisieren, wieder alles Dinge, die keinen Platz für mich ließen. Wir haben uns drei Monate nach seiner LZT getrennt. D. h. er hat sich getrennt, weil er sagte, er könne meinen Ansprüchen nicht gerecht werden und hätte Angst, deshalb wieder rückfällig zu werden. Fünf Monate später habe ich eine psychosomatische Reha beantragt und vier Wochen später angetreten. Heute weiß ich, dass er den richtigen Schritt getan hat. Wir sind uns auch wieder näher gekommen und heute die besten Freunde. Kein Paar mehr, aber wir stehen uns sehr nahe und jeder ist für den anderen da, wenn es erforderlich ist. Und jeder kann auch sagen, ich möchte heute alleine sein, ohne dass der andere ihm böse ist.

    Für mich war diese Zeit auch sehr wichtig, denn ohne eine Trennung hätte ich nicht wirklich etwas an MEINER Abhängigkeit geändert. So gesehen war der Schmerz, denn ich damals empfand, auch hilfreich. Er hat mich dazu gebracht, selbst therapeutische Hilfe zu suchen und so Wege aus meiner Abhängigkeit zu finden.

    Ich weiß, dass es nicht sehr tröstlich ist, so etwas zu lesen. Aber ist leider nun mal so, dass nicht alles gut ist, wenn der trinkende Partner aufhört zu trinken. Dann beginnt erst die Arbeit, sich in einem trockenen Leben einzurichten. Für beide....

    LG
    Ette

    Guten Morgen crevette,

    als ich dein Posting las, musste ich schmunzeln. Denn – die Argumentation hätte echt von mir sein können – früher.

    Tennis – bei mir war es Badminton. Kann ich auch nicht alleine spielen. Musste ich mich um einen Partner kümmern. Der hatte manchmal keine Zeit. Sich um den Platz zu kümmern schon gar nicht. Also fiel es öfter aus, das angedachte regelmäßige Spielen. Mir macht aber die Bewegung Spaß. Inzwischen spiele ich gar kein Badminton mehr – leider. Aber ich fahre, wenn es mein Arm wieder erlaubt, viel mit dem Rad und auf jeden Fall gehe ich die meisten Wege zu Fuß oder aber ich gehe bei diesem Wetter schon morgens früh eine größere Runde, die mir dann mindestens so viel Spaß macht wie Badminton zu spielen. Ich habe für meine Bewegung gesorgt auch ohne Partner. Ich hätte natürlich auch grummelnd zu hause sitzen können und den unzuverlässigen Badminton-Partner verteufeln können. Hätte mir aber weder Bewegung gebracht noch Zufriedenheit. ICH habe dafür gesorgt, dass ich trotzdem meine Bewegungseinheiten habe.

    Dein lärmender Nachbar - bitte ihn freundlich, etwas ruhiger zu sein. Beschwer dich beim Vermieter. Und wenn alles nix nützt, wer hindert dich daran, dir eine neue Wohnung zu suchen? Nun kannst du natürlich sagen, das wäre mit finanziellem Aufwand und viel Arbeit verbunden. Ja, ist es. Aber - was ist dir deine Ruhe wert? Wenn sie dir sehr wichtig ist, dann wirst du sicherlich den Aufwand nicht scheuen. Der ist natürlich deutlich unbequemer, als das Aushalten und darüber zu klagen, dass der Nachbar lärmt. Doch es ist DEINE Möglichkeit, deine Situation zu verändern.

    Und so kann ich jedes deiner Beispiele, wo du nach deiner Meinung keinen Einfluss hast, umkehren. Du hast natürlich recht, es gibt Umstände um mich herum, die kann ich nicht verändern und wenn ich mich noch so anstrenge. Ich kann aber meine Sichtweise und den Umgang damit verändern dahin gehend, dass es mir trotz der vermeintlich widrigen Umstände gut gehen kann. Ich muss einfach akzeptieren, dass die Welt nicht so funktioniert, wie ich es mir wünsche. Und auch ein trinkender Partner nicht. Ich kann aber lernen, Dinge, die ich nicht verändern kann, zu akzeptieren. Das ist sehr entlastend, weil es mir Energiereserven erschließt, die ich sonst dafür verpulvern würde, mich über die Dinge aufzuregen.

    Es ist dein gutes Recht, über eine Beziehung, die nicht klappen kann, traurig zu sein. Aber selbst wenn du bis zu deinem letzten Stündlein darüber traurig bist, wird sich die Situation dadurch nicht ändern. Du hast dann einfach ein trauriges Leben hinter dir. Und es ist deine Entscheidung, welchen Raum und welche Zeit du dieser Trauer einräumst.

    Es gibt Dinge, die können wir verändern. Dazu braucht es Mut und Kraft und unseren ganzen Einsatz. Andere Dinge können wir nicht verändern. Mit Gelassenheit und Akzeptanz können wir damit umgehen, dass wir sie nicht verändern können, sie annehmen müssen, wie sie nun einmal sind. Die Einsicht, quasi die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden, das ist die Königsdisziplin, nämlich der Weg zu einem zufriedenen Leben. Ich kann dir schließlich auch nicht sagen, wie du mit deiner Situation umgehen sollst. Ich kann dir zwar Denkanstöße geben, aber nicht deine Gedanken einfach umschalten, dass du all deine Möglichkeiten wahrnehmen kannst. Dinge, Menschen, Umstände sind, wie sie sind. Und es ist in unserer ganz eigenen Verantwortung, wie wir damit umgehen, welchen Einfluss auf unser Leben wir ihnen einräumen.

    LG
    Ette