Hallo und guten Morgen,
Rosita und Nicole,
dank euch für die lieben Worte.
Grad, beim Lesen, ist mir mein Apellohr wieder eingefallen. Das war früher ziemlich ausgeprägt. Sobald es hieß „jemand müsste mal dies oder jenes tun“, war ich vorne dran. Auch wenn es um Hilfe jeglicher Art ging, ließ ich lieber meine privaten Belange sausen, um zu helfen. Das hat sich inzwischen geändert. Wenn mich jemand direkt um Hilfe anspricht, überlege ich, ob ich das leisten kann und will und sage dann entsprechen zu oder ab. Vor Jahren schon hatte mir nämlich eine kluge Frau die Hausaufgabe gegeben, mein Apellohr nicht dauernd offen zu halten. Es war manchmal schon schwer, denn schließlich dachte ich, wenn ich nicht tue, was nötig ist, wird es nicht richtig gemacht oder aber ich stehe als eine Person da, die nicht hilfsbereit ist. Ich ließ also im Grunde von außen entscheiden, ob ich etwas tue, egal ob Hilfe oder Dinge, zu denen kein Anderer Lust hatte. Ich konnte es nicht aushalten, wenn sich für eine Aufgabe niemand zur Verfügung stellte und habe mich dann selbst gemeldet.
Inzwischen kann ich gut unterscheiden, ob das, was erforderlich ist, auch „meins“ ist. Und ich habe nur mehr selten Probleme, gegebenenfalls NEIN zu sagen. Es ist für mich ziemlich normal geworden, nicht immer „hier“ zu rufen, wenn Aufgaben verteilt und Hilfestellung gefordert wird. Ich habe meine Grenzziehung dahingehend verbessert, erst für mich zu überprüfen, ob ich Zeit, Ressourcen und Willen habe, mich einzubringen. Aber wie gesagt, es war eine Entwicklung, die sich über Jahre hinzog. Dabei habe ich aber auch festgestellt, dass es durchaus in Ordnung ist, nein zu sagen. Niemand guckt mich deshalb schräg an oder meidet mich aus diesem Grund. Es war alles nur mein eigenes Kopfkino, was mich nicht nein sagen ließ.
Und auch mir selbst gegenüber bin ich diesbezüglich nachsichtiger geworden. Denn ich habe festgestellt, dass etliche Ansprüche, die ich so an mich selbst stelle, gar nicht meine eigenen sind, sondern anerzogen. Ich lebte Vieles so, wie meine Eltern es mir beigebracht hatten, ohne zu überprüfen, ob das auch das ist, was ich selbst will. Ich wurde als Kind und Jugendlich oft als Schlampe bezeichnet, weil ich ein anderes Ordnungsempfinden als meine Mutter hatte. Das saß im Hinterkopf ganz schön tief und hat bis in die Gegenwart gewirkt. Aber auch das bessert sich und es ist für mich deutlich entspannter, meine eigenen Ansprüche an mich nach MEINEM Empfinden zu leben.
LG
Ette