Beiträge von Ette

    Zitat von morgan

    ....aber mein Alltag sieht so aus: um 5 Uhr aufstehen, 7 Uhr Kind zum Kiga, um 8 Uhr Arbeit bis 16 Uhr, losdüsen, 17 Uhr Kind holen, das dann um 21 Uhr erst schläft. Wenn man dann noch 8 Stunden hat bis der Wecker wieder klingelt, hat man einfach keinen Freiraum, auch keine Energie mehr, sondern muss weiter funktionieren. Das führt dann wieder zu Selbstmitleid und Zweifeln "ich muss alles alleine schaffen - schaffe ich das?" und der neidischen Wut "er hat seine Freiheit und keinen Stress", weil er nicht der Gestrafte ist, obwohl er die Familie ruiniert hat. Ein Dilemma.

    Hallo morgan,

    mein Sohn ist längst erwachsen. Aber ich kann mich an die Zeit gut erinnern, als er noch Kleinkind und noch nicht einmal in Kindergarten war. Die Tage von allein erziehenden Müttern gleichen sich schließlich. Trotzdem habe ich mich nie als bestraft gesehen, denn ich hatte mich ganz bewusst für mein Kind entschieden und ebenso dazu, mich von seinem Vater zu trennen. Es waren also beides meine eigenen Entscheidungen, deren Konsequenzen ich zu tragen hatte. Die Zeit, dass jemand anderer für mich die Konsequenzen und auch die Verantwortung trug, sind schon sehr, sehr lange vorbei. Wir alle sind erwachsene Menschen und keine Opfer anderer Menschen, egal ob Alki oder nicht. Es nützt nichts, den Fokus darauf zu richten, was wir alles nicht tun können, wenn wir Kind und Haushalt zu versorgen haben und auch noch berufstätig sind. Viel hilfreicher war es für mich immer, das Hauptaugenmerk darauf zu richten, was in meinem Leben positiv ist. Und das ist, gerade mit einem Kind, ziemlich viel.

    LG
    Ette

    Hallo desperateS,

    herzlich willkommen hier im Forum. Es ist ein gutes Medium, um sich mit sich selbst und der Co-Abhängigkeit auseinander zu setzen. Meine Vorschreiberinnen haben dir schon ein paar ihrer Erfahrungen geschrieben.

    Du schreibst zu Anfang, dass du deinen Partner in der Psychiatrie kennen gelernt hast, wo du wegen Depressionen in Behandlung warst. Ich leide selbst immer wieder unter depressiven Episoden und weiß, dass ich mich in diesen Phasen oftmals allein und verlassen fühle. Ich kann also nachvollziehen, dass du dich mit jemanden zusammen getan hast. Wenn du jetzt schreibst, du liebst diesen Menschen, weiß ich aus eigener Erfahrung, dass ich so manches als Liebe bezeichnetet, was mir meine Einsamkeit nehmen sollte. Ich will nicht deine Gefühle in Frage stellen, weiß aber aus meiner eigenen Situation, dass ich mir oft die Liebe eines anderen Menschen wünschte, weil ich selbst alleine nicht so gut klarkam.

    Ihr habt beide gesundheitliche Probleme. Wie soll dann euere Beziehung gesund sein? Wie kannst du dich auf deine eigene Genesung konzentrieren, wenn du dich um deinen ebenfalls kranken Partner sorgst, er zum großen Teil deine Gedanken und deinen Tagesablauf bestimmt? Du schreibst, du willst dich nicht verlieren? Wie weit hast du dich denn bereits gefunden? Du fragst, ob es sich lohnt, ihm Wege aufzuzeigen, damit er aus seiner Sucht kommt. Hast du für dich Wege gefunden, wie du mit deiner Krankheit umgehen und ein halbwegs gesundes Leben führen kannst? Ich für mich brauche noch immer viel Kraft, für mich selbst zu sorgen. Das war mir, in der Zeit als ich mit „meinem Alki“ lebte, gar nicht so bewusst. Es fiel mir leichter, für ihn zu sorgen als für mich. Hab hinter der Sorge für ihn mein eigenes Unwohlsein versteckt. Erst seitdem ich nicht mehr mit ihm zusammen bin, kann ich achtsam mit mir umgehen. Und das ist alles andere als einfach. In der Rückschau waren die Schmerzen und Enttäuschungen, die ich mit ihm erlebte, relativ leicht zu ertragen. Schließlich hatte ich damals immer jemanden, den ich dafür verantwortlich machen konnte, dass es mir schlecht ging. Wenn es mir jetzt schlecht geht, muss ich bei mir selbst gucken und auch für mich selbst sorgen, selbst für mich die Verantwortung tragen. Dabei fällt mir immer wieder auf, dass mir das unbequemer und schwerer ist, als damals, als ich ihm die „Schuld“ für meine Situation zusprechen konnte.

    Ich weiß nicht, wie genau du auf dich guckst, wenn es deine Lebenssituation betrifft. Mir wurde von einem Therapeuten gesagt, dass wir als Paar wie zwei hungrige Kinder wären, die versuchen, einander zu nähren, obwohl sie nicht in der Lage sind, sich selbst satt zu bekommen. Solange wir beide nicht gesund wären, würden wir uns gegenseitig mehr schaden als nützen und würden es als „lieben“ bezeichnen, obwohl es Abhängigkeit ist.

    Du siehst, ich habe mich sehr wenig auf deinen Partner bezogen. Denn ich gehe davon aus, dass du hier schreibst, um für DICH Hilfe zu finden. Deine Situation zu verbessern, ist das, was DU tun kannst. Sein Leben, seine Situation, das ist SEIN Ding. Dein Thread heißt „schon verloren?“. Nun, wenn du den Fokus weiterhin mehr auf ihn als auf dich richtest, hast du eins mit Sicherheit verloren – dein selbstbestimmtes, eigenverantwortliches Leben.

    LG
    Ette

    Zitat von babsiline


    Also , wenn ich jetzt wirklich einen Schlußstrich in unserer Beziehung ziehe , denke ich vielleicht in einem Jahr ,über diese Beziehung genauso wie über das rauchen. Warum war ich so lange so blöd mir das anzutun. Weiß , das ist ein komischer Vergleich.

    Hallo babsi,

    so ähnlich wie du habe ich anfangs auch gedacht. Inzwischen, nach 3 Jahren Co-Bewältigung, kann ich für mich sagen, dass es auch sein Gutes hatte, dass ich mit einem abhängigen Menschen lebte. Wäre dies nicht der Fall gewesen, hätte ich Vieles bei mir selbst nie in Angriff genommen. Letztendlich habe ich selbst dadurch gewonnen, dass ich in einer solchen Situation war, weil ich gestärkt, gewachsen und gelassener daraus hervorging als ich es vorher war. Allerdings hat es nicht ausgereicht, mich von meinem damals noch trinkenden Partner zu trennen, denn allein dadurch hätte sich für mich nichts verändert. Garantiert wäre ich danach in eine ähnliche Beziehung geschliddert, so wie es auch in meiner Vergangenheit gewesen ist.

    LG
    Ette

    Hallo Oiseau,

    ja, ich kann nachvollziehen, dass dir so mancher Ratschlag hilfreich war. Allerdings ist eben der Ansatz einer SHG der, dass sich mit Ratschlägen zurück gehalten wird. Wenn du hier aufmerksam liest, wirst du immer wieder Ratschläge finden, die dem Anderen genau das empfehlen, was der ein oder Andere selbst für sich noch gar nicht umgesetzt hat, ergo auch keine eigene Erfahrung damit besitzt.

    Gerade als Co-Abhängige haben wir oft verlernt, eigene Entscheidungen für unser Tun und Handeln zu treffen und zu leben. Deshalb macht es Sinn, sich selbst ein Bild aus den ERFAHRUNGEN der Anderen zu machen. Ratschläge beinhalten nun mal, dass man sei einfach befolgen kann oder nicht. Für mich war es wichtig, zu SPÜREN, wie es für mich weitergehen soll. Also zu lernen, auf mein eigenes Empfinden zu lauschen. Ratschläge wären für mich darum wenig hilfreich gewesen.

    Zudem ist es nun einmal absolute Co-Struktur, immer ganz genau zu wissen, was für den ANDEREN das beste ist und dies natürlich auch zu formulieren. Die eigene Problematik kann man als Co ja dann getrost wieder ein wenig an die Seite schieben. Auch in meiner realen Gruppe achte ich darauf, dass nur von eigenen Erfahrungen gesprochen wird. Wenn jedoch jemand explizit nach einem Rat fragt, bekommt er ihn auch. Allerdings, und das findest du auch hier immer wieder, sind diese Ratschläge oder Empfehlungen nicht unbedingt das, was der oder die Fragende dann auch hören möchte.

    LG
    Ette

    Hallo Caro,

    ja, manchmal hat so eine Ablehnung vielleicht auch ihr Gutes. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mein abgelehnter Kurantrag genehmigt wurde, nachdem ich einen zusätzliche Arztstellungnahme eines Facharztes für Psychiatrie nachgereicht habe. Alleine die Befürwortung des Hausarztes hatte nicht ausgereicht.

    LG
    Ette

    Zitat von morgan


    Was ist, wenn er es nicht merkt, wenn er zu schwach ist seine Freunde (die alle saufen, die treffen sich niemals ohne zu trinken!) aufzugeben, wenn ich / wir ihn an den Alkohol verlieren (was ja an sich schon so ist). Dann ist es doch nichtmal die berühmte Hilfe durchs Fallenlassen, weil die Hilfe nicht ankommt. Da zuzuschauen ist die Hölle!!! Wo wir wieder beim Mitleid wären. Wenn er zB "nur" neben mir trinkt, dann sind es "nur" 4 Bier - wenn ich ihn fallenlasse und er mit den Freunden trinkt, sind es 10 Bier.

    Hallo Morgan,

    willkommen hier im Forum, in dem du sicherlich auch schon ein wenig gelesen hast, bevor du schriebst.

    In deinem Posting lese ich heraus, dass du gern die Verantwortung dafür tragen würdest, dass er (neben dir) weniger trinkt als mit seinen Freunden. Das ist nicht deine Aufgabe. Dein Partner ist erwachsen und somit auch für sein Leben verantwortlich. Wenn du ihn weit genug loslässt, kann er dies auch mehr tun, als wenn du durch deine Anwesenheit als Regulativ für seinen Alk-Konsum fungierst. Damit kannst du unter Umständen sein Verharren in der Sucht verlängern und dir tut dies sicherlich auch nicht gut. Ich weiß, dass es sehr schmerzhaft ist, die eigene Machtlosigkeit gegenüber dieser Krankheit einzugestehen. Aber, wie du hier auch immer wieder lesen kannst, müssen und mussten wir alle schmerzhafte Erfahrungen machen, bevor wir uns auf den Weg zu unserer eigenen Genesung machten. Morgan, deine eigene Gesundheit und dein zufriedenes Leben ist das einzige wofür du verantwortlich bist und wofür du etwas tun kannst. Dein Partner ist ein erwachsener Mensch und wenn er sich dafür entscheidet, zu trinken, ist es einfach seine Entscheidung. Vielleicht, wenn du mehr für dich selbst als für ihn sorgst, findet er den Willen und den Weg, den Alkohol loszulassen. Noch entscheidet er sich für den Alk und seine Saufkumpane statt für den Kindergeburtstag. Wahrscheinlich ist er einfach noch nicht soweit, etwas gegen seine Sucht zu unternehmen. Ich denke auch nicht, dass du ihn durch deine Verhalten schneller dazu bringst, etwas zu unternehmen.

    Du wiederum kannst aber für dich entscheiden, ob du dein Leben durch ihn gestalten lässt oder ob du es selbst in die Hand nimmst. Ich weiß, dass es schwer ist, aber hier hast du die Möglichkeit, Verantwortung für dich und dein Kind zu übernehmen. Und auch das kann niemand für dich tun, genauso wenig wie du es für deinen Partner tun kannst.

    LG
    Ette

    Hallo babsi,

    die Frage nach dem Warum verstehe ich. Jedoch - wenn du wüsstest, warum dein Partner zuviel trinkt, würde das irgend etwas an der Tatsache ändern? Wärest du glücklicher, wenn du die Gründe für seinen Alkoholkonsum kennst?

    Ich habe auch eine ganze Weile gebraucht, bis ich mich dazu entschloss, mich aus meiner abhängigen Beziehung zu lösen. Ich hatte mir im Kopf einen Termin gesetzt, bis zu dem ich etwas für mich verändern wollte und habe in dieser Zeit nach einer Wohnung gesucht. Es kam dann zwar etwas anders, aber ich mich eben aufgerafft, FÜR MICH etwas zu verändern und meine Zufriedenheit nicht mehr von der Tatsache abhängig zu machen, ob "er" trinkt oder nicht.

    LG
    Ette

    Zitat von sam23

    Wenn ich mir vorstelle das mein mann nur weil ich unheilbar krank bin mich so einfach hängen lässt.Wäre das für mich das schlimmste was es gibt.
    Und so geht es mir,warum soll ich ihn fallen lassen nur weil er eine für ihn nicht heilbare Krankheit hat?

    Hallo sam,

    die Alkoholkrankheit hat hier ihre ganz eigenen Gesetze. Klar würden keine von uns einen Kranken aufgrund seiner Krankheit verlassen. Das Verhexte ist jedoch, solange wir einen Alkoholkranken unterstützen, sprich das kranke System aufrecht erhalten, tragen wir auch unser Teil dazu bei, dass der Abhängige in seiner Sucht verharrt. Welchen Grund sollte er auch haben, etwas zu verändern? Die Angehörige sorgt dafür, dass er nicht vollends versifft, hält das Bild der heilen Familie aufrecht, meckert zwar, wenn er säuft, aber lässt sich relativ leicht wieder zum Hoffen motivieren. Sam, solange du für dich nichts veränderst, schaffst du einen Rahmen, in dem dein Mann weitertrinken kann.

    LG
    Ette

    Hallo Zoe,

    hier geht es nicht darum, sich wehren zu müssen. Ich habe dich nicht angegriffen, sondern lediglich formuliert, was mich an deiner Art zu posten stört. Und das habe ich in diesem Thread getan, da jeder das Recht hat, dass in seinem Thread nur die auf sein Problem bezogenen Antworten stehen. Mein Antwort bezog sich auf dich - also hab ich sie hier gepostet.

    Dies ist ein virtuelle SHG und da hilft es niemandem weiter, wenn wir hier Allgemeinplätze, Vermutungen und Hörensagen posten. Entweder eigene Erfahrungen oder aber - wenn der jeweilig Schreibende uns darum bittet, vielleicht auch einen Rat oder aber Hilfsmöglichkeiten, die wir selbst genutzt haben.

    LG
    Ette

    Zitat von Zoe42

    ja wo bleibt die Kur der Co Abhängigen ? die muss man sich selber machen, unbezahlt.

    Zoe, dies ist so nicht richtig. Und es ist mir hier zum wiederholten Mal aufgefallen, dass du polemische Halb- oder Unwahrheiten postest. Oder hast du diese Erfahrung gemacht, dass dir eine Therpie nicht bezahlt wurde? Ich kann es mir nicht vorstellen.

    Ette

    Hallo zoe,

    ich hatte, genau wie du, eine Zeit, in der ich nur mehr funktionierte und dieser Zustand war letztendlich nicht wirklich Leben zu nennen. Und genau wie du, machte ich mir immer viele Gedanken um SEINE Krankheit. Inzwischen habe ich eine ganze Menge für mich getan und mich über die Krankheit informiert. Seine - und vor allem über meine eigene. Du schreibst eingangs, dass du dich 100%ig co-abhängig siehst. Welche Informationen konntest du darüber schon gewinnen?

    An anderer Stelle schreibst du, dass eine Entgiftung ohne Therapie für einen Alkoholabhängigen nicht ausreichend für die Genesung sei. Ich habe hier andere Erfahrungen und hüte mich, derart pauschal über die Genesung anderer Menschen zu schreiben. Zudem kann ich dir sagen, dass in unserer Suchtberatungsstelle allen ANGEHÖRIGEN geraten wird, eine eigene Psychotherapie zu machen. Dein Mann wird, wenn er soweit ist, gesund werden zu wollen, sicherlich die für ihn erforderlichen Schritte gehen. Ich,als Angehörige, konnte nur an meiner eigenen Genesung arbeiten, denn das ist die einzige, bei der ich wirkungsvoll agieren kann. Mein Ex-Partner musste für sein Trockenwerden selber sorgen, natürlich mit fachkundiger Hilfe, aber ohne mein Machen und Tun.

    LG
    Ette

    Hallo sam,

    willkommen zurück. Vielleicht musstest du einfach noch eine Runde drehen, bevor du bereit bist, etwas für dich zu verändern. Denn das ist das Einzige, was du verändern kannst. Es wird dir sicherlich nicht gelingen deinen Partner von der Flasche oder dem Spielen zu bringen. Was muss noch passieren, damit du gut für dich sorgst? Krankenhaus und Reha hast du ja bereits hinter dir. Welche Erkenntnisse konntest du daraus mitnehmen? Welche Hilfe erhoffst du dir hier, die du dort nicht erhalten hast? Wie können wir dir helfen? Und was ist für dich die Alternative, wenn du schreibst, du kannst und willst deinen Mann nicht aufgeben? Gibst du dich dann nicht selber auf?

    LG
    Ette

    Hallo pensamentos,

    herzlich willkommen hier im Forum. Es ist gut, dass du dir Hilfe suchst in deiner Situation. Du fragst, wie man wieder Vertrauen aufbauen kann. Mir fällt noch eine andere Frage ein. Warum gehst du zum dritten Mal eine Beziehung mit einem suchtkranken Menschen ein? Wenn du selbst in psychotherapeutischer Behandlung warst, kam das dann nicht zur Sprache? Ich habe ebenfalls nicht nur eine Beziehung mit einem abhängig trinkenden Mann gehabt, stellte sich in der Rückschau heraus. Nur war ich so blauäugig, das nicht wirklich zu realisieren. Inzwischen habe ich jedoch durch eine eigene Therapie schon die Augen geöffnet bekommen, um mich soweit zu verstehen, warum ich solche Beziehungen einging. Denn es hat immer in erster Linie mit uns selbst zu tun, wenn wir uns auf abhängige Beziehungen einlassen.

    Für mich selbst sieht die Frage nach dem Vertrauen deshalb anders aus. Nämlich: Wie kann ich zu mir selbst genug Vertrauen entwickeln, um eine GESUNDE Beziehung einzugehen?

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    Hilfe beginnt bei mir..... es hat lange gedauert, bis ich das verinnerlich hatte und mich darauf konzentrierte, mein Verhalten ehrlich und ohne Realitätsverlust zu reflektieren. Zu gern hatte ich in meiner schlimmsten Co-Zeit „übersehen“, dass es weder in meiner Macht steht, meinen Ex vom Trinken weg zu bringen, noch dass alles gut wird, wenn das Trinken vorbei ist. Ich hatte immer und überall für alle einen guten Ratschlag und wusste ziemlich genau, wie Andere sich zu verhalten hatten. Es war manchmal ganz schön schmerzhaft, festzustellen, dass ich mich selbst belüge, mir in jede halbwegs positive Geste meines Ex mir die große Liebe träumte und hinter seiner Trinkerei den absoluten Übermenschen sah. Tja, leider war das jedoch nur das Bild, das ich gerne sehen WOLLTE! Für Alles und Jedes machte ich lediglich den Alk verantwortlich und sah nicht, dass Menschen einfach nicht so sind, wie ich sie haben möchte.

    Aber wenn andere Menschen Probleme hatten, jaahaaa, da hatte ich den absoluten Durchblick. Für das, was ich selbst nicht wirklich auf die Reihe bekam, hatte ich bei Anderen den ultimativen Tipp und wusste genau, was sie falsch machen.

    Hier lese ich das oft bei neuen Forenmitgliedern. Sie stecken selbst noch tief in ihren abhängigen Beziehung, haben aber für all die Anderen genau das Patentrezept in der Tasche, das diesen helfen soll. Selbsthilfe heißt aber, dass wir aus den ERFAHRUNGEN der Anderen lernen sollen und dürfen und selbst den richtigen Weg für uns finden sollen. Es heißt nicht, dass wir uns selbst aus den Augen lassen und den Fokus lieber auf die Probleme Anderer richten und ihnen Ratschläge erteilen. Schließlich – wenn wir für Andere immer so genau wissen, was das Beste ist, müssten wir doch längst zufrieden leben können. Dem ist aber, wie es aussieht, nicht so. Im Gegenteil, indem sich mit dem Problem der Anderen befasst und eine Lösung gesucht wird, können wir unser eigenes Problem noch ein wenig hinten anstellen. Und wir können unserem Co-Tier Futter geben, indem wir helfend ratschlägern. Also - bleiben wir schön in unseren Strukturen, die wir schon kennen.

    Diesen Thread hier halte ich für sehr wichtig und würde das Käferchen bitten, ihn vielleicht ganz oben anzutackern. Denn immer und immer wieder lese ich hier, dass Menschen, die selbst noch sehr verstrickt sind in ihre eigenen Probleme die besten Ratschläge geben, um das zu lösen, was sie selbst für sich noch nicht einmal angekratzt haben.

    LG
    Ette

    Hallo Zoe,

    Zitat von Zoe42

    ... obwohl ich versuche viel zu kompensieren, aber das zehrt unheimlich an den Kräften. Ständig auszugleichen, einzuebnen...

    mich würde mal generell interessieren, was der unmittelbare Auslöser war / ist sich vom partner endgültig zu trennen.

    Als ich genug kompensiert, ausgeglichen und eingeebnet hatte und meine Kräfte aufgezehrt waren. Als ICH erkannt habe, wie tief unten ICH bin, dann habe ich ihm seine Sachen gepackt.

    Zitat von Zoe42

    hallo erdling , du triffst die sache auf den Punkt , es musste erst so was schlimmes eintreten bevor mein mann erkannte , wie tief er unten ist. .. bevor ich es erkannte.

    Denn genau wie ein abhängig Trinkender, musste ich selbst meinen ganz persönlichen Tiefpunkt erreichen, damit ich mich endlich ernst und wichtig genug nahm, etwas für mein gesundes Leben zu tun. Als ich selber leben wollte und mich nicht mehr "leben lassen" mochte.

    LG
    Ette

    Zitat von Schokolette

    Nun ist er in der Entgiftung und ich bin ganz erschrocken und verwundert:
    Ich vermisse ihn nicht. auch gestern als ich ihn mit den Kindern besuchte kam dann kein Gefühl von Freude auf.
    Das verwirrt mich jetzt sehr, denn bei mir kommt natürlich die Frage auf ob das jetzt nur ein Gefühl des Moments ist oder ob ich da abgeschlossen habe und ich die Beziehung innerlich schon als beendet erklärt habe.
    Über meinem Kopf schwebt nun ein riesiges Fragezeichen.

    Hallo Erika,

    herzlich willkommen hier im Forum, das dir helfen kann, seine Krankheit und vor allem dich selbst besser zu verstehen.

    Das, was du oben schreibst, kenne ich auch aus der Zeit, als ich mit meinem abhängigen Partner lebte. Ich denke, es ist ganz normal, dass jemand, der in der Familie für Unruhe, Stress und Aufregung sorgt, erst einmal nicht vermisst wird. Zumal du dir ja nun auch keine Sorgen mehr machen musst, ob er trinkt oder sonst irgend etwas anstellt. Für mich stellte sich zu dem Zeitpunkt noch lange nicht die Frage, ob dieses nicht Vermissen auf eine abgeschlossene Beziehung hindeutete. Für mich entsprang dieses Empfinden rein der Ruhe, die plötzlich in mein Leben eingekehrt war.

    LG
    Ette

    Hallo Doro,

    mir ist mein Ex-Partner bis heute nicht egal, ich kann also schon nachvollziehen, was in dir vorgeht. Ich kann auch verstehen, dass du ihn dazu bringen möchtest, aktiv zu werden und etwas gegen seine Sucht zu unternehmen. Auch deine Argumentation, dass es auch dich selbst betrifft, wenn er nicht mehr arbeitet, ist mir nicht fremd. Ich habe auch immer argumentiert, dass ich nur dort Einfluss nehmen will, wo ich auch selbst betroffen bin und - ich fand IMMER etwas, damit ich auch betroffen war. Aber ich konnte mich auf den Kopf stellen und mit den Beinen wackeln - er hat erst etwas verändert, als er selbst dazu bereit war. Ich hatte mich bis dahin schon so weit ausgepowert, dass ich aufgegeben hatte, etwas verändern zu wollen. Vielleicht wollte er es dadurch selber, weil ich eben nicht mehr gedrängelt und gemacht habe. Ich selbst habe es gar nicht so wahrgenommen, dass ich ständig Einfluss nehmen wollte und den Leuten, die mir das gesagt haben, hab ich nicht geglaubt, weil ich ja - aus meinem Empfinden - gute Gründe hatte, ihn verändern zu wollen. Und bei den Gründen kommt wieder Spedis Zitat zum Einsatz: wer nichts für SICH verändern will, findet Gründe, wer will, findet Wege. Es hört sich ziemlich logisch und einfach an, ist aber teuflisch schwer, habe ich im Laufe der Zeit gelernt.

    LG
    Ette

    Hallo Karotte,

    na, so sehr Ex kann dein Alki aber noch nicht sein, wenn dich seine Therapie-Aktivitäten noch so interessieren. Warum tust du dir das an? Warum empfindest du dich im positiven Sinne als lonley star, wenn du doch wartest auf gefühlvolle Mails? Sollte Mr. E-Mail den "Ex"-Alki ersetzen? Karotte - selbst ist die Frau! Nun hast du dir schon so viele Aktivitäten angetan, hast für jeden einen schlauen Tipp, wie er Dinge regeln soll. Welche Ratschläge würdest du dir denn selbst geben, wärest du deine beste Freundin?

    LG
    Ette

    Hallo Doro,

    mir geht es ähnlich wie Dagmar, ich habe das Gefühl, dass du dich ganz schön in sein Leben einmischt. Warum willst du ihn dazu bringen, für seinen Job zu kämpfen, wenn er es von selbst nicht tut? Warum willst du ihn einweisen lassen? Was bringt dir das? Warum empfindest du seine Schuldzuweisung als gemein, wenn du doch weißt, dass sie seiner Krankheit entspringt? Warum weißt du nicht, warum du die Kontaktsperre nicht durchziehst? Warum guckst du nicht hin? Ich weiß - es schmerzt, aber ohne diesen Schmerz wird es nicht machbar sein. Wasch mich, aber mach mich nicht nass, funktioniert nicht.

    LG
    Ette