Beiträge von Ette

    Zitat von Junge_Mutti18

    Hallo alle zusammen,
    ich bin Mutti von einer 11 monatigen Tochter. Und bei mir geht es darum dass mein Ex-Freund also der Vater von meiner Tochter Alkohliker ist (ist meine meinung) und ich möchte ihm helfen, weil er mir sehr wichtig ist. ich weiss das er es selber einsehen muss, das er ziemlich viel und sehr oft trinkt, aber man muss doch irgendwas machen können. ich kann es doch nicht so einfach hinnehmen...
    kann man ihm nicht irgendwie die augen öffnen???
    ich hab mein bestes getan wie zum beispiel das er für unsere tochter aufhören soll, aber er ist der meinung das er nicht viel trinkt.

    würde mich über Ratschläge sehr freuen...

    Hallo Mutti,

    herzlich willkommen hier im Forum. Du fragst, wie du dem Vater deines Kindes die Augen öffnen kannst. Ich frage dich, was sich für dich ändern würde, wenn er nicht mehr trinkt. Warum kannst du nicht hinnehmen, dass er ist, wie er ist? Sehen das Problem "Alkoholiker" andere Menschen genauso wie du? Was genau stört dich an der Tatsache, dass er zu viel trinkt?

    Das sind nur so ein paar Fragen, die mir bei deinem Posting eingefallen sind. Vielleicht helfen sie dir.

    LG
    Ette

    Mitunter ist es alles andere als leicht, zufrieden zu leben. Vor allem wenn ich für meine Unzufriedenheit äußere Umstände verantwortlich mache nach dem Motto: ich bin o.k., aber die Welt ist schlecht. Solche Empfindungen können mir in einer Beziehung begegnen, im Beruf oder in jedem Kontext, in dem ich eingebunden bin. Für mich ist es teilweise sehr schwer, dann die Verantwortung dafür zu tragen, dass es mir gut geht. Schließlich kann ich weder einen Partner noch einen Chef oder doofe Nachbarn ändern und schon gar nicht die Welt.

    Gerade aus meiner Co-Abhängigkeit heraus habe ich oftmals den Anspruch, dass Dinge so funktionieren sollen wie ich es mir vorstelle. Pustekuchen! Das ist ein Ansinnen, gegen das ich immer wieder anarbeiten muss. Auch wenn ich schon lange nicht mehr mit einem abhängig trinkenden Menschen lebe, zeigen sich diese Strukturen immer wieder und machen mich richtiggehend krank. Obwohl ich „meinen Alki“ inzwischen losgelassen habe, setze ich immer wieder viel Energie in Dinge, von denen ich meine, sie müssten so funktionieren, wie ich es möchte. Mir hat heute ein schlauer Mensch gesagt, dass das davon kommt, weil ich die sachliche Tatsache nicht akzeptieren kann. Stattdessen versuche ich, auf der Beziehungsebene zu agieren. Das geht aber in vielen Bereich gar nicht. Trotzdem bilde ich mir ein, dass es so funktionieren muss. Im Zusammenhang mit „meinem Alki“ habe ich meine co-abhängigen – sprich beziehungsabhängigen Teile akzeptiert und kann deshalb halbwegs gesund agieren. In anderen Bereich halte ich noch daran fest und reibe mich auf im aussichtslosen Agieren.

    Das ist dann also mein nächster Schritt. So viel als möglich loszulassen, damit ich nicht weiter gegen Windmühlenflügel kämpfe.

    LG
    Ette

    Zitat von Kathrin1985

    hallo zusammen, mein letzter besuch hier ist sehr lange her, mein Freund war alkoholiker und ich total co-abhängig.. er hat sich umgebraucht letztes jahr... jetzt habe ich einen neuen freund, der ist kein alkoholiker aber hat viele probleme und ich habe das gefühl noch co-abhängiger bei ihm zu sein als bei meinem vorherigen freud... kann man auch co-abhängig sein ohne abhängigkeit und wie kommt man da raus bzw. was kann man da machen??

    Hallo Katrin,

    willkommen zurück.

    Wenn du hier im Forum liest, findest du immer wieder Hinweise darauf, dass eine Co-Abhängigkeit nicht vorbei ist, wenn der Betroffene nicht mehr trinkt. Das bedeutet, dass deine co-abhängigen Strukturen auch nicht einfach vorbei sind, wenn du nicht mehr mit einem Abhängigen lebst. Also ist es in deiner Situation normal, wenn du wieder einen hilfsbedürftigen Partner hast.

    Wie du aus deinen abhängigen Strukturen kommst, fragst du. Nun, ein Patentrezept gibt es dafür nicht. Ich kann deshalb nur von mir sprechen. Ich habe in einer psychosomatischen Klinik eine Therapie gemacht vor drei Jahren. Inzwischen eine zweite ambulante und habe das Gefühl, auf einem guten Weg zu sein.

    Ich finde es gut, dass du merkst, dass du weiter deine Co-Strukturen lebst. Du kannst daran arbeiten, wenn du es willst. Auch mit professioneller Hilfe. Der erste Schritt dazu wäre ein Besuch bei einem Arzt deines Vertrauens, mit dem du die Problematik besprechen kannst. Ich hatte diesbezüglich Glück, da ich einen sehr verständnisvollen Hausarzt habe. Trotzdem bin ich noch bei einem Facharzt für Abhängigkeitskrankheiten sporadisch in Behandlung. Ich glaube, alleine hätte ich die Schritte aus der Abhängigkeit nicht geschafft.

    LG und einen schönen Sonntag

    Ette

    Hallo pandora,

    als ich noch sehr nah an „meinem Alki“ war und an meinem Schmerz, dachte ich auch, dass ich nie verzeihen könnte. Inzwischen ist „er“, wie er sagt, mehr als drei Jahre trocken und ist mir ein sehr guter Freund. Er ist immer für mich da, wenn ich Hilfe oder einen Menschen zum Reden brauche. Er ist fürsorglich, hilfsbereit und verständnisvoll. Und er hat seine Ecken und Kanten, die er sich nun zu leben traut und nicht mehr mit Alkohol zuschüttet.

    Als er „nass“ war, hat er mich mit vielen Dingen verletzt. Diese Verletzungen waren aber auch möglich, weil ich aufgrund meiner eigenen Abhängigkeit zuließ, dass sie geschahen. Ich habe diese Dinge nicht vergessen, aber inzwischen akzeptiert, dass sie geschahen, weil er in seiner Sucht kein „normales“ Maß im Umgang mit mir hatte. Deshalb kann ich sie inzwischen auch verzeihen. Wenn ich mir ein ganz plattes Bild zur Bewältigung meiner damaligen Wut und auch zum Verzeihen vorstelle, dann gehe ich einfach von einer Krankheit aus. Mein Sohn hat mir irgendwann durch Erbrechen meinen besten Mantel ruiniert. Das werde ich nie vergessen, verziehen hab ich ihm längst. Schließlich hatte er eine Magenverstimmung und konnte nicht anders. So ähnlich sehe ich die Handlungsweisen meines Freundes in der Nachschau. Ich werde nicht vergessen, was er mir Negatives veranstaltet hat. Aber verziehen hab ich ihm. Seine Sucht war der Motor für sein Handeln. Inzwischen handelt er anders, „gesünder“. Warum sollte ich meinen Groll und meine Verletzungen weiter am Kochen halten? Was bringt mir das, wenn ich mein Leben zufrieden führen will?

    LG
    Ette

    Hallo Dippche,

    der Weg hierher war schon der erste Schritt, etwas für dich zu verändern. Herzlich willkommen!

    Ich kann verstehen, dass du nicht alles einfach hinschmeißen willst und dich trennst. Was dich selbst betrifft, kann ich mich den Vorschreiberinnen nur anschließen. Versuche, bei einem Arzt für dich selbst Hilfe zu bekommen.

    Was das Trennen betrifft - ich muss dir sagen, dass ich zwei Frauen in deinem Alter kenne, die sich nach Jahrzehnten doch noch von ihrem Mann trennten. Und was soll ich sagen? Sie waren vollkommen andere Menschen, nachdem ich sie wieder traf. Aber das war deren Weg. Hier hast du die Möglichkeit, dir beim Finden deines eigenen Weges Unterstützuung zu holen.

    LG
    Ette

    Hallo Siri,

    ich gratuliere dir nicht zum neuen Freund, denn ich denke, du hast nur die „Droge“ gewechselt. Wenn ich dich lese, habe ich nicht das Empfinden, dass du dich wirklich von deinem alkoholkranken Partner gelöst hast und um den Schmerz nicht mehr zu spüren, hast du dich auf einen neuen Mann eingelassen. Ich kann das gut nachvollziehen, schließlich habe ich selbst diese Strategie einige Zeit verfolgt. So lange, bis ich begriff, dass es für mich nichts verändert, wenn ich nur den Menschen „austausche“, meine eigenen Verhaltensstrukturen aber behalte. Co-Abhängigkeit (sie resultiert in der Regel aus einer massiven Beziehungsabhängigkeit) ist nicht einfach weg, wenn ich mich von dem trinkenden Menschen trenne. Dadurch ist nicht das Empfinden weg, nur existieren zu können, wenn ich mit jemandem lebe.

    Doro : Menschen können ihre Verhaltensweisen und den Umgang mit Suchtmitteln verändern. Jedoch wird bei einer chronischen Krankheit (und das ist die Alkoholabhängigkeit) die Gefahr eines Rückfalls nie vollständig ausgeräumt werden können. Darüber müssen wir Angehörigen uns einfach im Klaren sein. Wenn wir jemanden lieben, der alkoholkrank ist, können wir nicht nur den trockenen Menschen bekommen. Der andere Teil, der, der wieder rückfällig werden kann, der gehört einfach dazu. Wenn du davon ausgehst, einmal trocken, immer trocken, ist es deine eigene Illusion, dein nicht wahrhaben Wollen, die du lebst.

    LG
    Ette

    Zitat von elke71

    Ich würde mich gerne trennen, vom Kopf her weiß ich das auch, nur mein Bauch macht Terror. Ich weiß ja das ich co abhängig bin, aber ich kann einfach nicht glauben, das ich so mit mir umgehen lasse :cry: .

    Hallo und gute Morgen Elke,

    das Wissen um die eigene Co-Abhängigkeit ist der eine Schritt. Der nächste ist es, diese Abhängigkeit zu akzeptieren, sie glauben zu können, denn nur dann kannst du wirkvolle Schritte aus hier heraus initiieren. Hör auf deinen Kopf, auch wenn immer dafür plädiert wird, auf den Bauch zu hören. In der Co-Abhängigkeit täuscht uns der Bauch, weil wir Angst haben. Angst vor der Veränderung, die aus uns selbst kommen muss.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Jazzy,

    ich kann deinen derzeitigen Zustand gut nachempfinden, da es mir ganz ähnlich ging, als ich noch sehr nahe an „meinem Alki“ war. Gut, dass du hierher gefunden hast. Hier hast du die Möglichkeit der Begleitung durch Menschen, die in einer sehr ähnlichen Situation sind oder gewesen sind, wie die deine ist.

    Du schreibst eine lange Auflistung von den Dingen, die er tut und die dich verletzen. Jazzy, tut es dir gut, dies aufzuschreiben? Oder bringt es dir den Schmerz und die Machtlosigkeit wieder voll zu Bewusstsein?

    Es ist gut, dass du dir Hilfe für dich suchst. Das ist auch die „Baustelle“, auf die es gilt, den Fokus zu richten. An dir und deinem Befinden kannst du etwas bewegen und somit dafür sorgen, dass es dir selbst wieder besser geht. Was er in seiner Therapie macht, ist sein Ding. Auf seinen Umgang mit seiner Krankheit hast du keinen Einfluss. Wenn ich lese, dass du dich über sein Verhalten bezüglich Paargespräche aufregst, bekomme ich den Eindruck, dass du schon gerne weiter mit ihm zusammen wärst und du die Paargespräche als Hilfe auf den Weg dorthin siehst. Das kann ich verstehen, da ich seinerzeit ähnlich engagiert war. Die Paargespräche haben mir aber auch eine Menge über mich selbst gesagt. Ich denke, dass ich heute in einer ähnlichen Situation darauf verzichten würde und mich gleich um einen Therapeuten für mich selbst kümmern würde.

    Jazzy, du warst dein Leben lang, so wie du schreibst, eng mit einem „alkoholischen“ Umfeld verbunden. Wie könnte denn dein Leben aussehen, wenn du dich daraus zurückziehst? Sprich, dich auch nach anderen Menschen umsehen würdest, die nicht vom Alkohol betroffen sind? Was sagt dir die Tatsache, dass du immer wieder mit Menschen konfrontiert bist, die trinken?

    Wie gesagt, versuche dein Hauptaugenmerk auf dich selbst zu richten. Du bist auch ein wertvoller Mensch, wenn du dich nicht zu sehr um alkoholkranke Mitmenschen kümmerst. Du hast das Recht dazu, dich selbst in den Mittelpunkt deiner Interessen zu stellen.

    LG
    Ette

    Zitat von Andi

    Hierbei solltest Du für dich abwägen was Du nun unternimmst.
    Niemand kann dir sagen was Du zu tun hast,würdest Du denn zu erfahren bekommen wenn dieses nicht mehr der Fall wäre?

    Leuten die jenes mal von sich gegeben haben die ich auch persönlich kenne,die leben alle noch!

    Lass dich nicht verunsichern!Du bist nicht für Ihn und sein Leben verantwortlich sondern nur für deines-

    Guten Morgen,

    Andi, sorry, aber hier möchte ich widersprechen. NIEMAND sagt uns, dass der Ex-Freund von Renate ebenso agiert. Ich selbst hatte derartige Androhungen mehrmals und habe jedes Mal die Polizei alarmiert und "ihn" suchen lassen. Einmal waren die Vorbereitungen schon SEHR weit gediehen.

    Renate, wenn du ein schlechtes Gefühl bei der Sache hast, sprich mit jemandem, der vielleicht mehr über ihn weiß. Oder aber bitte die Polizei, nach ihm zu sehen. Ich kann dich gut verstehen. Mir ging es ähnlich und für meinen Seelenfrieden war es besser, Gewissheit zu haben, sprich - die Polizei nach dem Rechten sehen zu lassen.

    Egal, wie oft Alkoholabhängige mit Suizid drohen, ich würde mich nicht darauf verlassen, dass es doch nicht geschieht. Laut einem Sucht-Therapeuten, den ich damals kontaktierte, gibt es hier KEINE Garantie, dass alle Abhängigen so agieren, wie Andi es beschreibt.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    zuerst möchte ich mich für die lieben Genesungswünsche danken. Sie haben Wirkung gezeigt, denn ich fühle mich inzwischen wieder ein ganzes Teil besser.

    Wie bereits an anderer Stelle geschrieben, hatte ich ein sehr gutes Wochenende. Es hat mir wieder einmal gezeigt, dass mein Traum nicht illusorisch ist. Dass ich das, von dem ich träume, kann. Jetzt muss ich nur noch den Mut finden, es ins Außen zu bringen, was ich tun möchte.

    Schön war es, nach hause in ruhige vier Wände zu kommen. Mit Menschen ist es auch schön, aber mit mir alleine ist es erholsam. Ich hätte es mir noch vor ein paar Jahren überhaupt nicht vorstellen können, mich auf eine leere Wohnung zu freuen. Ständig waren Menschen um mich gewesen. Erst meine Ursprungsfamilie und von da an gab es immer einen Mann in meinem Leben. Über etliche Jahre natürlich auch noch meinen Sohn. Wie gesagt, ich konnte es mir nicht vorstellen, alleine zu sein. Lange Zeit dachte ich, einen solchen Zustand überhaupt nicht aushalten zu können.

    Hier lese ich manchmal Ähnliches. Lieber eine schlechte Beziehung als gar keine. Für mich selbst habe ich festgestellt, dass dieses Bedürfnis aus „grauer Vorzeit“, sprich aus meiner Kindheit, resultiert. So, wie der Alki seinen Stoff, brauchte ich Menschen um mich. Alleine, ohne meinen „Stoff“, hielt ich mich für nicht lebensfähig. Natürlich hätte ich das so nie formuliert. Aber gelebt habe ich so. Kaum merkte ich, dass die eine Beziehung „ins Rutschen“ kam, suchte ich mir einen neuen Mann. Ich war selten länger als ein, zwei Monate „ohne“. Selbstverständlich hätte ich nie zugegeben, dass dieses „Beziehungshopping“ aus meiner eigenen Bedürftigkeit entsprang. Mit einem Mann an meiner Seite fühlte ich mich vollständig, lebendig, komplett..

    Es hat inzwischen einige Jahre gedauert, in denen ich mich mit dieser Tatsache befasst habe, um dieses Empfinden zu ändern. Nicht immer klappt es gut, mit mir allein zu leben. Und doch ist es ein gutes Gefühl, wenn ich mir die Tatsache vor Augen halte, dass ich es kann. Nicht beziehungslos, aber ohne aktuelle Beziehung.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    nun will ich es doch auch einmal versuchen, das Gute in und an mir zu formulieren.

    Ich mag....
    ..mein Lachen, meinen Gang, meine Beine, meine Haare, meine Augen, meine Kreativität, meine Fähigkeit, ohne viele Dinge zufrieden zu sein und kleine Glücksmomente zu finden.

    Ich kann...
    Tanzen
    kochen ohne Rezept und aus dem, was im Kühlschrank ist, etwas Leckeres zaubern, auswendig Socken stricken und Pullover ohne Anleitung.
    Aus alten Jeans schicke Bettüberwürfe nähen
    Menschen überzeugen, auf sie zugehen, trösten und zum Lachen bringen.
    Streiten und meine Meinung vertreten
    Grenzen ziehen, nein sagen und akzeptieren, dass der Andere es auch tut.
    Nähe zulassen und Zärtlichkeit geben.
    Verzeihen und loslassen.
    In die Wolken träumen
    Mich selbst hinterfragen und meine Defizite annehmen oder verändern, wenn es für mich gut ist

    Ich bin...
    ...streitbar
    ...tiefgründig und nicht oberflächlich
    ...in der Lage, alleine zu leben, also aus meiner Beziehungsabhängigkeit gewachsen
    ...lebendig und mitreißend
    ...beweglich in Kopf und Körper
    ...phantasievoll und kreativ
    ...entschleunigt
    ...in der Lage, um Hilfe zu bitten und diese annehmen
    ...zufrieden mit mir ohne selbstzufrieden zu sein.


    Und seit diesem Wochenende weiß ich auch, dass ich Menschen begeistern und begleiten, verstehen und sein lassen und zum Nachdenken bringen kann.

    Ich komme gerade zurück von einem 3-Tages-Seminar, das ich zusammen mit einem Freund entwickelt, gestaltet und referiert habe. In der Abschlussrunde bekamen wir so tolle Rückmeldungen, dass ich hätte weinen mögen vor Freude. Es ist ein gutes Gefühl, die Arbeit mit Erfolg gemacht zu haben, die Überzeugung und Freude ist.

    LG
    Ette
    ...

    Zitat von Melinak

    käferchen
    zitat
    obwohl Du manchmal in meinen Augen sehr aggressiv herüberkommst

    wenn mir dinge unterstellt werden, die keinen zusammenhang für mich darstellen und mich angreifen dann werd ich bissig. dann wehre ich mich. ich kann nicht zu allem ja und amen sagen, manches stimmt einfach nicht so wie es rüberkommt. und wenn dan nichtmal zusammenhänge gesehen werden das kann ich nicht haben.da kann es schon sein das mich das wütend macht.und dann kommt etwas aggresiv rüber, doch das ist es nicht sonern vielleicht etwas dominat. aber dann ist klar da hab ich einfach meine meinung die ich äusser.tut mir leid das du es als etwas aggressives siehst. schade.auf der anderen seite kann es gut möglich sein das ich mich so wieder zum rückzug aufmache. in mir arbeitet das schon immer.

    Hallo Melina,

    ich kann beides nachempfinden. Käferchen, die Aggression zwischen den Zeilen liest und dich, die du dich verkannt fühlst und in eine Verteidigungsposition kommst. Dominanz ist im übrigen keine ungewöhnliches Verhalten bei Co´s, obwohl es eigentlich genau entgegengesetzt zu einem aushalten und aushalten steht. Wer dominiert, will die Zügel in der Hand behalten, Kontrolle über Abläufe und Verfahren haben. Dominanz ist der beste Weg, Verletzungen zu vermeiden durch vertrauen. So lange ich dominiere, muss ich mich nicht auf das einlassen, was andere vielleicht initiieren.

    Ich weiß, es liest sich widersprüchlich und vielleicht kann ich es schlecht erklären. Aber Co´s haben den Hang zur Dominanz. Wobei sich diese Dominanz manchmal ganz schön maskieren kann. Sie tritt auch unter dem Pseudonym Schwäche auf und zeigt sich dann ganz manipulativ oder auch als Vorhaltung. Weil du das und das machst, geht es mir schlecht....

    Für mich konnte ich feststellen, dass ich das Sagen haben will, weil ich mich dann nicht auf andere einlassen muss und somit nicht vertrauen muss. Ich kontrolliere durch Dominanz die Situation. Aber, wie gesagt, das habe ich für mich aus meinem Verhalten gelernt.

    Genau wie du, konnte ich auch richtig bissig werden, wenn ich mich verkannt fühlte. Jedoch ist eine solche Rückmeldung einfach das Bild, das sich der andere von mir macht. Mein Bild von mir muss bei weitem mit diesem nicht übereinstimmen. Und trotzdem sehen wir beide die selbe Person. Irgendwann habe ich begriffen, dass in solchen Rückmeldungen gute Chancen für mich liegen, mich selbst reflektieren und unter Umständen für mich auch etwas zu verändern.

    LG
    Ette

    Zitat von Jacky19


    MEINE FRAGE:
    Kann man irgendwann verzeihen was Sie einen angetan haben?
    Kann man irgendwann vergessen?
    Hat man irgendwann wieder Vertrauen?
    Hört man irgendwann auf Sie zu kontrollieren?

    Gruß Jacky

    Hallo Jacky,

    herzlich willkommen hier im Forum. Deine Anmeldung hier ist der erste Schritt auf dem Weg in die Unabhängigkeit. Wie die weiteren aussehen, wird DEINE Geschwindigkeit, DEIN Wille und DEINE Verantwortung sein. Hier kannst du Unterstützung und Begleitung auf DEINEM Weg bekommen.

    Bei deinen Fragen, die du oben stellst, fiel mir als erstes ein: WER IST MAN? Und im Grunde kannst du sie dir nur selbst beantworten. Ich weiß nicht, ob du irgendwann vergessen, vertrauen, verzeihen oder aufhören, zu kontrollieren kannst. ICH kann nicht vergessen, aber verzeihen. Vertrauen lernen ist eine WIRKLICH schwere Aufgabe, da ich denke, dass das Vertrauen schon lange vor "unseren" Alkis in uns gepflanzt wurde oder nicht. Und kontrollieren - das tun wir Co´s nicht nur im Zusammenhang mit unseren trinkenden Angehörigen. Nur wird es MIT ihnen so richtig präsent. Wie oft wollen wir die Richtung bestimmen, sagen, wo es lang geht, überall mitreden? All das sind Zeichen unseres Kontrollbedürfnisses und Kontrollbedürfnis ist das Ergebnis eines mangelnden Vertrauens. Wenn wir uns wirklich ehrlich hinterfragen - sind wir denn wirklich erst durch "unseren Alki" so geworden? Ich denke, nein!

    LG
    Ette

    Hallo Ihrs,

    ich glaube, die Wut empfinden wir unbewusst gegen uns selbst. Dass wir uns selber so wenig wert sind und uns so viel gefallen lassen. Weil wir das nicht spüren wollen, suchen wir einen Schuldigen und das ist in der Regel der Alki.

    Ich habe eine ganze Weile gebraucht, bis ich die Wut loslassen konnte und damit auch die Schuldfragendiskussion. Je mehr ich mich mit dem System Alkohol- und Co-Abhängigkeit auseinandergesetzt habe, desto mehr griff die Erkenntnis, dass wir BEIDE unser Teil dazu beigetragen haben, es aufrecht zu erhalten. Es ist wie ein Räderwerk, das ineinander greift. Wenn wir das akzeptieren, hat sich die Schuldfrage sowieso erledigt.

    LG
    Ette

    Hallo,

    so, nach 4 Tagen Bettruhe bin ich heute das erste Mal wieder auf den noch etwas wackeligen Beinen. Hatte mich doch eine richtige fiese Erkältung erwischt, sodass ich weder reden noch denken konnte. Da ist alleine leben dann schon eine Herausforderung. Und zwischendurch hab ich mir auch so richtig schön leid getan mit ins Kissen schluchzen und schniefendem Gejammer. Nur – es hat keiner gehört außer mir. Es merkt auch keiner, wenn ich nicht um Hilfe bitte. Also hab ich heute morgen um Krankenbesuch gebeten und darum, mir ein paar Dinge einzukaufen. Nicht so ein tolles Gefühl, wenn ich ansonsten alles alleine auf die Reihe kriege. Und auch nicht, wenn ich mir wünsche, dass sich einfach mal jemand um mich kümmert. Wie gesagt, da ist dann alleine leben nicht das Gelbe vom Ei.

    LG
    Ette

    Zitat von butterweich


    Ich fühle mich so einsam dabei.Gabriele

    Hallo butterweich,

    und dabei bleibst du doch bei ihm, um nicht in einer einsamen Wohnung zu sein, oder? Keiner jedoch kann für dich etwas verändern. Und dein Posting klingt für mich ein wenig wie.... wascht mich, aber macht mich nicht nass.

    Wie können wir dir helfen?

    LG
    Ette

    Hallo,

    mir fällt immer wieder auf, dass wir Co´s schon sehr dazu neigen, unseren eigenen Anteil am "System" nicht wahrhaben zu wollen. Wir wollen die Retter sein, ohne die nix geht. Wir meinen, nur dann anerkannt und wertgeschätzt zu sein, wenn wir etwas schaffen und dazu gehört auch, unseren Alki vom Stoff zu bringen. Nur - das klappt halt nicht. Also ist unsere nächste Aufgabe, die wir mit Bravour meistern wollen, unsere Genesung. Auch da legen wir Wert auf Perfektionismus und vermeiden es dabei zu gern, unsere Schwächen, Schmerzen und Defizite anzuerkennen und zu akzeptieren. Solange wir davor aber die Augen verschließen, wird unsere "Genesung" nur ein Bild sein, das wir vermitteln möchten.

    Unsere Eltern, unser Umfeld haben uns vielleicht irgendwann durch Sozialisation und Vorleben zu dem gemacht, wie wir heute sind. Wir sind aber inzwischen erwachsen genug, die Verantwortung für uns, unser Leben und unseren Selbstwert selber zu übernehmen. Und wir sind auch etwas wert, wenn wir unsere Fehler und Schwächen anerkennen.

    LG
    Ette

    Zitat von Tihaso

    Mensch ette... das ist es...ich weiß... ich hab auch ein schlechtes Gewissen, wenn ich das schreibe.. aber warum sollte ich hier lügen oder unterschlagen???
    er hat ja seine alte Freundin an der seite und nun kiffen die zwei zusammen und wenn er so daher kommt, dann blendet das natürlich alle anderen... es zählt nicht, dass ich ihn vor ein paar wochen nich im Vorbeifahren gesehen hab und wußte, dass er an diesem Tage getrunken hatte... meine Angst geht in die Tiefe, dass er damit Menschen an den relevanten Stellen blenden könnte..

    ich denke, das ganze Ausmaß zeigt, dass ich doch sehr in den Co.Anteilen verwoben bin .. immerhin rede ich mir das nicht merh schön...sondern schreib es offen..auch wenn ich weiß, dasss es auf manch einen hier wie ne kalte Ohrfeige wirken muss...


    Ich sollte schon mal den Rechner runterfahren..sonst steh ich im Chaos, während die ersten Gäste einlaufen... :oops::oops::oops:


    Tihaso,

    die kalten Ohrfeigen machen wach, auch wenn sie schmerzhaft sind. Sie sich einzugestehen, ist ein guter Weg, etwas zu verändern.

    LG
    Ette

    Zitat von Tihaso


    ehrlicherweise nagt auch ein Teil der Angst auf der Ebene, dass er es nun geschafft hat.. wobei mein Verstand flüstert, dass er nix geschafft hat-da er noch kifft....
    sch***Ambivalenz.... :roll::cry:
    ein Teufelkreis..

    Hallo Tihaso,

    die erste Zeit, als ich von meinem Ex getrennt war und er nix trank, hat es mich auch angepackt, dass er es nun wohl schafft. Wenn ich ganz ehrlich mit mir war, hat es mich gewurmt, dass er es OHNE MICH schaffte. Ich nahm doch an, dass ich ihn mit meiner Liebe retten konnte und nun sah es genau nach dem Gegenteil aus. Ich hatte so ein Gefühl von nutzlos sein, obwohl das natürlich absoluter Blödsinn war. Aber so war es halt zu diesem Zeitpunkt. Zugegeben hätte ich das selbstverständlich nie.

    LG
    Ette