Ups - in der Zeit, in der ich schrieb, hat das Thema einen anderen Platz bekommen, wie mir scheint. Oder aber ich bin noch nicht ganz wach.
Ette
Ups - in der Zeit, in der ich schrieb, hat das Thema einen anderen Platz bekommen, wie mir scheint. Oder aber ich bin noch nicht ganz wach.
Ette
Guten Morgen Ihrs,
Wut – ein tolles Thema. Mir fällt dabei auf, dass sich hier bisher noch kein Mann zu Wort gemeldet hat. Sind die nicht wütend? Oder macht ihnen die Wut keine Probleme?
Ich habe grad so beim Lesen für mich festgestellt, dass ich Wut zum einen als Energiefresser betrachte und zum Anderen als Vehikel für andere Gefühle. Wenn ich wütend werde, versuche ich zu gucken, was dahintersteckt. Machtlosigkeit, Abwertung durch Andere, Angst, Trauer, Ungerechtigkeit, Handlungsunfähigkeit sind die Gefühle, die ich bisher hinter meiner Wut gefunden habe. Früher konnte ich richtig wütend werden. Mit Geschirr schmeißen, vor Schienbeine treten, sämtliche Passwörter für die Postfächer des Anderen verändern, keifend und schreiend mit meinen Mitmenschen umgehen. Geändert hat das nie etwas. Besonders in der Zeit mit „meinem Alki“ war ich oft wütend. Aber auch schon vorher. Ich kann mich an Situationen als Kind erinnern, dass ich so wütend wurde, dass es mir den Atem verschlug und mir schwarz vor Augen wurde. Mit der Zeit habe ich aber gelernt, hinter die Wut zu gucken. Dabei habe ich gemerkt, dass auch oft die Wut auf mich selbst eine Rolle spielt. Wut darüber, dass ich das, was sich hinter der Wut versteckt, nicht leben kann oder meine, nicht leben zu dürfen. Oder aber ganz einfach auch nicht spüren will. Meine eigene Hilflosigkeit, meine Machtlosigkeit, die Tatsache, dass mich Abwertung durch andere Menschen so anpackt. Inzwischen kann ich mir anschauen, was mich die Wut empfinden lässt, sie quasi gelassen analysieren. Das lässt mich handlungsfähig bleiben. Manchmal kann ich im Außen etwas verändern und manchmal muss ich dann an meiner Einstellung zu den Dingen um mich herum etwas ändern. Ich will damit nicht sagen, dass ich die Wut ignoriere. Ganz im Gegenteil. Ich nehme sie an als eine Art Signal, dass etwas nicht stimmt. Das, was nicht stimmt, kann ich aber nur sehen, wenn mir die Wut die Sicht versperrt. Als lege ich sie an die Seite, wie einen Schlüssel, der mir eine Tür aufschloss, damit ich sie nun öffnen kann.
Inzwischen merke ich auch, dass ich die Gefühle, die sonst durch die Wut verfälscht waren, besser empfinden kann, was jedoch nicht immer ohne Schmerzen geht. Trauer über einen Verlust oder das Gefühl der Unsicherheit kann ich dann spüren ohne den Umweg über die Wut zu nehmen. Und ich nehme mir inzwischen wirklich die Zeit, darüber nachzudenken, woraus eine wütendes Gefühl resultiert, das mir vielleicht aufsteigt.
Ich weiß jedoch nicht, wie ich dir, Caro, helfen kann, Wut zu empfinden. Vielleicht verkleidet sich deine Wut, wenn du als Kind „gedeckelt“ aufgewachsen bist. Wut und Aggression kann sich meines Erachtens auch hinter dem Bemühen der Kontrolle verstecken. Sie kann ganz subtil daherkommen. Übernimmt die Herrschaft durch Leiden. Wird versteckt hinter: Ihr Bösen, guckt, was ihr mit mir gemacht habt. Jetzt geht es mir schlecht und ihr seid schuld.
Liebe Grüße und einen schönen Sonntag
Ette
P.S. Wut unter dem Oberthema Freizeitgestaltung - auch nett. Also ich finde bessere, als wütend zu sein. Schokoladenkuchen backen beispielsweise. Der ist gut für die Seele und beugt der Wut vor.
Zitat von TrauerklossMich interessiert mal, wie es wäre, wenn der Mann mal verschwindet und das Konto sperrt und kein Geld dalässt?
Was würde man dann zuerst regeln?
Diesen Fall habe ich wo anders gelesen. Es gibt Frauen, denen ist es so ergangen,
könnte mir ja auch jederzeit mal passieren.
Nur dass meine Jungs schon Teenager sind, aber das tut nichts zur Sache, die leben auch noch vom Geld der Eltern, die brauchen sogar noch mehr Geld und Unterstützung wegen Ausbildung und Lehre usw.
Die Zeit wäre evtl. noch schwieriger, als mit Kleinkind, weil man sonst arbeitslose junge Männer zu Hause hat, wenn die nichts finden.
Hallo Trauerkloß,
na ja, wenn du dasitzt und darauf wartest, dass dieser Fall der Kontosperrung vielleicht eintritt, hast du, sollte es so kommen, natürlich ein Problem. Wenn du Bedenken diesbezüglich hast, was hindert dich eigentlich daran, dir ein eigenes Konto einzurichten und dort den ein oder anderen Euro schon mal zu horten? Ehrlich, ich verstehe die Frage nicht ganz, denn schließlich bist du doch erwachsen und kannst agieren. Niemand verlangt von dir, solange abzuwarten bis du nur noch re-agieren kannst.
Gruß
Ette
Guten Morgen,
@Thelma: Ja, es kam von einem Mann – meinem Therapeuten. Er hat ja nicht unrecht. Aber vielleicht ist das Anspruchsdenken auch nur der Schutzwall, hinter dem ich mich verstecke. Wenn ich niemanden finde, der meinen Ansprüchen genügt, besteht auch kein Risiko, dass ich enttäuscht werde, wenn meine Erwartungen nicht erfüllt werden. Der Gedanke kam mir eben als ich noch einmal las, was du schriebst. Was du über den Idealzustand schreibst, kann ich nur unterstreichen. Da wirkt dann wieder unser Illusionsmäntelchen. Die Welt um uns herum ist, wie sie ist. Und wir müssen uns damit arrangieren. Auch wenn sie nicht unserem Idealbild entspricht. Das Mögliche zu akzeptieren, ist die Hürde, die besonders für uns Co´s ausgesprochen hoch ist.
Karotte : mit PMS hab ich schon seit längerer Zeit nix mehr am Hut. Und traurige Tage gehören halt zum Leben dazu, auch wenn sie dann nicht unbedingt leicht zu ertragen sind. Manchmal muss ich sie eben aushalten. Mich vor ihnen hinter wilden Aktivitäten zu verstecken, habe ich schon seit einiger Zeit aufgegeben. Sie würden danach doch wieder auftauchen. Meine schlechte Stimmung als solche anzunehmen und zu akzeptieren, wenn auch nicht klaglos, ist für mich ein sicherer Weg, daraus wieder herauszukommen.
LG
Ette
Moin, moin,
lieber Kaltblütiger bei dir brummseln die Hummeln bald und bei mir bühen dicke Büschel von Schneeglöckchen im Garten. Der Frühling lässt sich also schon ahnen, denn morgens ist es bereits sehr viel früher hell. Bald werden wir alle die dunkle Jahreszeit überstanden haben und zufrieden darüber sein.
LG
Ette
Hallo Karotte,
du fühlst dich nicht wahrgenommen und missverstanden. Ist der Austausch, der trotz deines nicht wahrhaben Wollens stattfindet, vielleicht einfach nicht so, wie du ihn dir vorstellst? Was genau erwartest du denn hier? Denn deine Äußerungen haben ja sicherlich mit enttäuschter Erwartungshaltung zu tun. Ich denke schon, dass du wahrgenommen wirst. Allerdings wohl nicht so, wie du es gerne hättest, sondern so, wie dies jeder aus sich heraus tut. Und sicherlich hast du auch schon einmal die Erfahrung gemacht, dass man am Gegenüber immer viel besser feststellen kann, was nicht richtig läuft, als bei sich selbst. Dieses Phänomen treffe ich oft im Zusammenhang mit Co-Abhängigen. Es kann aber für den Einzelnen sehr hilfreich sein, diese Rückmeldung anzunehmen und für sich selbst zu reflektieren. Schließlich bieten sie die Möglichkeit, unsere „blinden Flecken“ sichtbar zu machen. Auch wenn dies nicht immer das ist, was wir gerne hören oder lesen wollen.
Ich habe hier oftmals das Empfinden, dass als gelungener Austausch nur das wahrgenommen wird, was dem jeweiligen Schreiber zuspricht. Andere Ansichten oder Wahrnehmungen der Menschen, die sich die Zeit nehmen, dir zu antworten, werden negiert oder als Missverständnis dargestellt. Jeder Schreiber hat seine eigenen Erfahrungen, von denen du profitieren kannst, wenn du es willst und die Postings frei von Erwartungen liest. Das was dir hilft, kannst du daraus mitnehmen. Manches hilft vielleicht erst, wenn du es nach ein paar Tagen noch einmal liest. Auf jeden Fall habe ich nicht das Empfinden, dass du hier auf Missverständnis stößt. Es ist in meinen Augen sehr viel mehr Verständnis und Nachempfinden da, als du wahrnehmen möchtest.
LG
Ette
Guten Morgen,
gestern und vorgestern waren wieder welche von den „Rückfall-Tagen“. Weiß der Kuckuck, was der Auslöser war, auf jeden Fall waren es Wasser-in-den-Augen- und „unstillbarer-Hunger-Tage“. Akzeptanz der Realität in Frage gestellt bzw. kaum vorhanden. Der Fokus lag auf dem, was ich vermisse, anstatt auf dem, was gut ist. Anspruchsvoll wurde ich genannt, obwohl ich meines Erachtens ein paar ganz „normale“ Wünsche habe, deren Erfüllung nicht in meiner Hand liegt, was mich einfach traurig macht. Verkriechen möchte ich mich in einem Berg von Milchreis mit Zimt und nix mehr hören und nix mehr sehen.
Heute liegt ein „Mördertag“ vor mir. Wahrscheinlich bin ich heut abend so kaputt, dass ich mir überhaupt keine Gedanken mehr darüber machen kann, was fehlt oder nicht. Das, was ich dann brauche, nämlich mein Bett, ist garantiert vorhanden. Na, es wird schon wieder vorwärts gehen. Und vielleicht finde ich, ächzend und aus der Puste geraten, heute Nachmittag meine Zufriedenheit wieder.
LG
Ette
Hallo Amai,
deine Reaktion verwundert mich nun nicht. Weil du dich entschieden hast, bei Krawall in eurem Haus den Mund zu und es auszuhalten, sollen andere Menschen genauso reagieren. Geht nicht. Wenn du für dich entschieden hast, zu schweigen, bleibt es dir trotzdem nicht erspart, dass andere Menschen NICHT schweigen, wenn ihnen etwas nicht passt. Vielleicht sind die in der Lage, ein Konfliktgespräch zu führen. Co´s können das in der Regel sehr schlecht. Wenn sie ihre eigenen Belange, z. B. ungestörte Nachtruhe, vertreten sollen, gehen sie meist den Weg, der am wenigsten Konfliktpotential hat, sprich: sie stellen sich tot = schweigen oder flüchten = umziehen. Mal auf den Tisch hauen und in der Nacht Ruhe einfordern – da könnte ja eine noch so oberflächliche Beziehung, die man zu Nachbarn hat, gestört werden. Deine Nachbarin, die das Gespräch sucht, ist mutig genug, ihre Meinung und ihre Belange dir gegenüber zu vertreten. Vielleicht bringt dich das auf die Palme – sie macht etwas, was du dich nicht getraust.
Bei einer Co-Abhängigkeit reicht es nun einmal nicht aus, sich immer wieder neue Wohlfühllisten zu schreiben. Es ist auch erforderlich, die Realität anzuerkennen. Und dazu gehören auch unsere Defizit, die uns immer dann begegnen, wenn uns etwas am meisten auf die Palme bringt. Das Thema hatten wir doch schon mal, oder?
LG
Ette
Zitat von AmaiSie meinte: Du, Ingrid, können wir uns zusammensetzen, Deine Nachbarinnen sind an mich herangetreten, sie suchen ein Gespräch, vor allem die vis-a-vis Nachbarin, sie fürchtet sich und fühlt sich bedroht, ... von Deinem Sohn.
... Jou, die Frauen dürfen gerne eine Gesprächsrunde mit mir haben, ich sagte, am Donnerstag, ... weil bis dahin bin ich wieder "herunten von 3000".
Hab` ich schon erwähnt, dass ich in einem Haus wohne, das Udo Jürgens in einem Song geschreibt? Mit dem Eigenschaftswort "ehrenwert"?
Hallo Amai,
bei dem, was du so ab und an von deinem Sohn schreibst, kann ich gut nachempfinden, dass sich deine Nachbarin nicht ganz wohlfühlt. In der Regel leben wir nun einmal in einer Gemeinschaft, in der es bestimmte Regeln für den Umgang miteinander gibt. Auch in einem "ehrenwerten" Haus haben die Menschen, die einen anderen Lebensstil für sich definieren als du für dich, ihre Grenzen. Wenn sie diese durch Mitmenschen überschritten oder in Gefahr sehen, überschritten zu werden, finde ich es als faire Geste, das Gespräch mit dir zu suchen. Weniger fair würde ich es empfinden, wenn sie gleich das Jugendamt einschalten würden. Oder gibt es so etwas in Österreich nicht?
LG
Ette
Hallo Elo,
ja, riechen kann auch mir richtig guttun. Ich habe zu Weihnachten so ein Duft-Dingens mit Holzstäbchen bekommen, das nun in der Küche einen appetitlichen Zimtduft verströmt. Mir wird immer gleich ganz heimelig, wenn ich nach hause komme. Mein erster Gang nach dem Ablegen des Mantels ist meist die Küche und durch den Duft fühle ich mich willkommen geheißen.
Allerdings..... er macht auch Appetit auf KEKSE!!!! Und das ist ja etwas, was ich zur Zeit scheue wie der Teufel das Weihwasser. Schließlich will ich im Laufe des Jahres mindestens 10 Kilo abnehmen. Gott sei Dank kann auch das genussvoll passieren. Jedenfalls hat mir beim Verlust der ersten 3 Kilo nix gefehlt. Außer vielleicht.....KEKSE!!! ![]()
LG
Ette
Hallo Kaltblütiger,
ich freu mich, wenn du wieder da bist.
LG
Ette
[quote="Amai"
Andere sehen bei mir etwas, das ich nicht sehe. Dabei wäre es hilfreich zu wissen, was.[/quote]
Hallo Amai, du wirst nur das für dich verändern, was DU selbst für dich als nicht stimmig akzeptieren wirst. Keiner von uns kann das für dich übernehmen.
Gruß
Ette
Hallo,
Charmenida , du hast es schon ganz richtig erkannt, es ist unsere Sicht der Dinge, die uns zufrieden leben lässt oder nicht.
Die erste Zeit, als „mein Alki“ ausgezogen war, war ich der Meinung, prima ohne ihn klarzukommen. Mit der Zeit merkte ich aber, dass ich ihn nur ausgetauscht hatte. Genauso, wie ein abhängig Trinkender seine Sucht erst einmal verlagert, vielleicht auf Kaffee oder Süßes. Meine alternative Sucht war „action“. Jeden Abend war ich verabredet, die Wochenenden durchgeplant und ich redete mir ein, dass ich dies für mein Wohlfühlen tue. Klar, ich tat es für mein Wohlfühlen, allerdings unter der Voraussetzung, dass ich mich mit mir selbst nicht beschäftigen muss, solange ich „Wohlfühlwerkzeuge“ außerhalb fand. Ich ging los, um nächtelang abzuhotten, Workshops, Seminare, Gesprächskreis und Hobbies ohne Ende. Denn schließlich musste ich bei all den Aktivitäten aus meine „Wohlfühlkiste“ mich nicht mit mir ganz alleine auseinander setzen. Nichtsdestotrotz blieb auch nach dem ausgefülltesten Wochenende ein Leere zurück. Aktivitäten sind in meine Augen nur die Suchtverlagerung vom Alki zum Allgemeinen. Immer unterwegs, immer im Stress und – immer auf der Flucht vor mir selbst. Irgendwann habe ich angefangen, mich auszuhalten. Auszuhalten in einer Wohnung, in der außer mir keiner ist. Auszuhalten, dass mir niemand sagt, ich wäre toll. Auszuhalten, dass es still und unaufregend um mich herum ist. Denn in meinen Augen war das der Knackpunkt. Ich konnte ohne Aufregung nicht leben. Aufregung ließ mich lebendig fühlen und in der Ruhe kam die Depression. Inzwischen kann ich die Ruhe als das annehmen, was sie ist. Zeit, mich auf mich selbst zu besinnen. Zu hinterfragen, was ich will und was ich bekomme. Zu leben ohne den täglichen Thrill. Ich bin auch lebendig, wenn es um mich alles andere als aufregend ist. Aber ich muss akzeptieren, das mein Leben auch unaufregend sein kann und darf. Ich lebe auch ohne Aufregungen und mit mir selbst zufrieden. Das war für mich der größte Schritt. Mein Leben ohne „action“ und ohne Tohowabohu zufrieden leben zu können. Ruhe ist eingekehrt und diese Ruhe macht es mir möglich, mich mich auf mich selbst zu besinnen. Ich brauche dazu keine neue Partnerschaft, keine aufregenden Unternehmungen, keine Menschen, denen ich helfen kann. Einfach nur mit mir selbst zufrieden den Tag zu erleben. Es macht mich unabhängig, denn mich alleine kann ich immer haben. Aufregungen, Männer, Hilfsbedürftige muss ich mir suchen und dafür einen Teil meiner Energie verschwenden, die viel besser dadurch angelegt ist, nit mir selbst zufrieden zu leben. Dazu gehört auch, mit Schmerzen fertig zu werden und dem Gefühl, nicht von jedem akzeptiert zu sein. Es ist nun einmal so, dass mich nicht jeder toll findet und das muss auch nicht sein. Denn wenn mich jeder toll finden sollte, müsste ich einen Teil meiner eigenen Prioritäten verändern. Womöglich genau die, die mir selbst besonders wichtig sind. Vielleicht bin ich die Katze, die kein Rudeltier ist. Vielleicht bin ich ein Solitär, der am besten alleine wirkt. Auf jeden Fall bin ich ziemlich zufrieden, mit dem, was ist.
LG
Ette
@ Käferschen: Du schreibst mir aus der Seele.
@ Amai: Ich denke, dass du noch nicht bereit bist, dein "Illusionskuscheldeckchen" loszulassen. Und weder das Käferchen noch ich können das für dich tun. Nur nehmen wir es von außen leichter wahr als du selbst.
LG
Ette
Hallo Drachenkind,
herzlich willkommen hier im Forum. Deine Frage zu der Klinik kann ich nicht beantworten. Dies kann wohl keiner, denn jeder Mensch empfindet eine Klinik anders und die, die für den einen topp ist, kann für den anderen flopp sein.
Für co-abhängig hältst du dich nicht. Das tun wir zu Anfang alle nicht. Hast du hier die Grundbausteine schon gelesen? Guck mal da, ob du dich nicht doch irgendwo wiederfindest. https://beispiel.rocks/beispiel.rocks…bhaenigkeit.php
mein Beziehung mit „meinem Alki“ fing ähnlich an, wie deine jetzt. Er war in Therapie als ich ihn kennen lernte, Fernbeziehung, zusammenziehen, Friede, Freude, Eierkuchen. Nach der LZT dauerte es genau ein halbes Jahr und ich kam mit der Situation alleine nicht mehr klar. Ich sucht mir also in unserer schönen Stadt eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Alkoholabhängigen. Gleich beim ersten Besuch sagte mir eine andere Frau aus der Gruppe, warum, um Himmelswillen, warum ich unbedingt einen Alki haben wollte. Sie versuche seit mehr als 10 Jahren ihren loszuwerden. Total geschockt fuhr ich nach hause und empfand sie als herzlos. Heute, in der Nachschau, kann ich nur sagen, dass sie recht hatte. Ich musste jedoch erst meine eigenen Erfahrungen machen, damit ich nachvollziehen konnte, was sie meinte.
Ich konnte mir damals nicht vorstellen, welch riesigen Raum eine Abhängigkeitserkrankung im Leben einnehmen kann. Blauäugig ging ich davon aus, dass es ausreicht, ein trockenes Umfeld zu schaffen. Rückfälle, Suiziddrohungen, Lügen und tagelanges Verschwinden nahmen mich im Laufe der Beziehung immer wieder und immer mehr in den Würgegriff. Solange, bis ich irgendwann feststellte, dass ich es nicht mehr aushalten kann und ihm seine Sachen vor die Tür stellte im wahrsten Sinne des Wortes.
Nächsten Monat sind wir seit drei Jahren als Paar getrennt. Aber wir sind jedoch nach wie vor befreundet. Immer einmal wieder habe ich das Gefühl, dass er etwas getrunken hat in der Nacht, obwohl er das Gegenteil behauptet. Nun kann ich ihm das lassen, ohne dass es mir den Boden unter den Füßen wegzieht. Aber es war ein weiter, schmerzhafter Weg dahin. Das einzig Gute daran ist die Tatsache, dass ich aufgrund seiner Erkrankung massiv gezwungen war, mich mit mir selber auseinander zu setzen. Und diese Auseinandersetzung war für mich persönlich ein großer Gewinn. Ein Leben mit einem abhängigen Menschen steht für mich nun aber ganz, ganz unten auf meinem Lebensplan. Selbst wenn dieser Mensch noch so einen trockenen Eindruck vermittelt.
LG
Ette
@ Kaltblut: Vom Belohnungssystem schreibst du an anderer Stelle... das ist ein interessantes Ding, lieber Kaltblut, weil es uns die angenehmen Gefühl beschert. Und du hast recht, solange das nur durch „Belohnung“ von außen funktioniert, haben wir ein Problem. Sicherlich braucht jeder die Rückmeldung von außen, um sich überhaupt seiner Individualität bewusst zu werden. Jedoch wird es fatal, wenn wir nur DANN das gute Gefühl der Belohnung und des Angenommenseins erleben.
Mir fällt das zur Zeit bei der Reha ganz deutlich auf. Gruppensitzungen sind dafür ein ideales Beobachtungsfeld. Das eine Gruppenmitglied erzählt schon seit 3 Sitzungen, dass es über Probleme grübelt und lässt sich bitten, darüber zu berichten. Allerdings haben wir es bisher noch nicht geschafft. Aber die Person hat erst einmal die ungebrochene Aufmerksamkeit und scheint diese, trotz Ziererei, zu genießen. Ein anderes Gruppenmitglied weiß jede Stunde etwas zu erzählen. Im Grunde immer das Gleiche, holt sich aber jedes Mal ein Therapeutenlob ab, weil eine für diese Person schwierige Situation gut gemeistert wurde. Belohungssystem... wie Kaltblut schon schreibt, tiefe Atemzüge frischer Luft nach einem Tag im Büro können eine Belohung sein oder die Behaglichkeit eines wohltemperierten Raumes, der mich weder frieren noch schwitzen lässt. Die Tatsache, dass ich mich freue, nach hause zu kommen, auch wenn dort überhaupt niemand ist, macht mir ein gutes Gefühl. Ich werde belohnt, für die Arbeit an mir, die mir aus meiner Beziehungs- bzw. Co-Abhängigkeit heraus hilft. Lebensfreude, ohne dass irgend etwas großes passiert, sondern einfach die Tatsache, dass ich meine Muskeln, meinen Körper spüren kann, wie er funktioniert. Auch wie ich annehmen kann, dass manche Dinge nicht mehr so sind, wie zu der Zeit als ich zwanzig war, freut mich. Früher konnte ich mir nicht vorstellen, Fältchen oder Pölsterchen zu bekommen. Inzwischen kann ich mich annehmen, wie ich bin. Auch wenn ich manchmal zu anderen Menschen kritisch bin oder auch mal krätzig. Wie ich meine Grenzen wahrnehmen und verteidigen kann....
All das sind Dinge, die mein Belohnungssystem in Gang setzen, ohne dass ich das Feedback von außen brauche. Eine Zufriedenheit und ein Wohlfühlen, die aus mir selber kommen. Auch wenn nicht alles glatt und rund läuft...
LG
Ette
Zitat von norA50
Mein Resüme: Es gibt keine vollkommene Partnerschaft. Deshalb bin ich mir gar nicht sicher, ob ic h das, wonach ich mich so sehne, auch wirklich will. Vielleicht suche ich mir auch deshalb immer unzulängliche Männer aus. Wer weiß?
Guten Morgen Nora,
ich denke, eine Partnerschaft kann nur so vollkommen oder unvollkommen sein wie die Partner, die sie führen. Und die Männer, mit denen wir uns zusammentun sind genauso unzulänglich oder nicht wie wir selbst.
Die Frage, ob du das wirklich willst, wonach du dich sehnst, finde ich gar nicht so unklug. Schließlich müsstest du dich auf einen liebevollen Partner einlassen, ihm vertrauen und das Risiko eingehen, dass er dich irgendwann verlässt. Also suchen sich Co´s in der Regel, und das nicht bewusst, wohlgemerkt, immer wieder Männer, die sie brauchen. Denn dann scheint die Gefahr des Verlassen werdens eher gering. „Ich kann ohne dich nicht leben“, „Ich weiß nicht, was ich ohne dich täte“, dass sind doch des Co´s liebste Sätze. Wer aber ohne mich nicht leben kann, der kann es in der Regel auch nicht MIT mir und wenn ich mich noch so anstrenge. Und genauso geht es ihm mit mir ja auch. Wenn ich denke, ich gehe zugrunde, wenn ER mich verlässt, bin ich keine vollwertige Partnerin sondern ein zu groß geratenes kleines Mädchen, das sich nachdem sie zu erwachsen geworden ist für einen Papa, einen Mann sucht, der genauso für sie da sein soll wie ein Vater und darüber hinaus auch noch mit ihr ins Bett geht. „Große Mädchen“ kriegen ihr Leben auch alleine auf die Reihe, auch gefühlsmäßig. Nur dann können sie Partnerin sein und müssen sich auch keine „unzulänglichen“ (was genau meinst du eigentlich damit?) Männer mehr suchen.
LG
Ette
Hallo Einsam,
nun habe ich mir noch einmal deinen ganzen Thread durchgelesen. Viele Schreiberinnen haben dir Ansatzpunkte für einen Ausstieg aus deinem Dilemma gepostet. Hast du dir schon einige ausgesucht, die du verwirklichen möchtest? Die Überschrift deines Threads ist "wo soll ich bloß anfangen?" Nun, um dich aus deinem Opferdasein zu befreien, kannst auf jeden Fall nur DU anfangen etwas für dich verändern. Weder dein trinkender Partner, noch deine Mutter, noch deine Kinder können das für dich tun.
Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn ich es will und um Hilfe bitte, kann ich eine ganze Menge schaffen. Als ich das erste Mal geschieden wurde, hatte ich ein einjähriges Kind, keine Arbeit und wohnte 600 Kilometer weg von meinen Eltern. Und es ging doch!
Wer stark genug ist, jahrelang in einer derartig schwierigen Situation zu überleben, hat doch erst recht genug Kraft, für SICH alleine zu sorgen. Schließlich bist du kein Baby mehr, das ohne Fürsorge nicht zurecht kommt. Wir sind hier alle erwachsen und können eine Menge bewegen. Nur haben wir dies im Zusammenleben mit einem trinkenden Angehörigen verlernt. Einsam, erinnere dich mal an die Zeit VOR deinem Partner. Hattest du da nicht auch Kraft und Stärke? Solange du jedoch dableibst und darauf wartest, dass sich dein Partner ändert, wird sich für DICH nichts verändern. Das musst du schon selbst initiieren.
Ich kann mich nur wiederholen: handle - ansonsten wirst du weiter be-handelt und das ja nicht gerade mit Samthandschuhen.
LG
Ette
So, die erste Woche ambulante Reha ist vorbei. Sie ist deutlich anstrengender als die stationäre, die ich vor 2 1/2 Jahren machte. Eine ständige Hetzerei zwischen den einzelnen Terminen. Am Nachmittag komme ich vollkommen fertig mit der Welt nach hause und kann mich eigentlich nur noch hinlegen. Und ich muss ziemlich viele Sachen machen, die mir keinen Spaß machen. Ganz schön blöd und nix zum zufrieden sein. Mal gucken, wie es weitergeht.
LG
Ette
Hallo Amai,
ist dir schon einmal aufgefallen, dass es kaum mehr ein Posting gibt, in dem es nicht um Robi und Beziehung geht?
Ich empfinde dich wie einen Alki, der euphorisch behauptet trocken zu sein, um sich in die Kneipe zu setzen und das Ambiente zu genießen.
LG
Ette