Beiträge von Ette

    Guten Morgen shaila,

    ich kenne das Gefühl gut, mir den Kopf zu zerbrechen, über Dinge, die VIELLEICHT passieren könnten. Notorische Schwarzseherin, Bedenkenträgerin war ich aus Angst, nicht alleine mit Alltagssituationen klarzukommen. Eine kluge Frau fragte mich einmal, wie ich denn schwierige Situationen in der Vergangenheit gemeistert hätte. Da erst wurde mir bewusst, dass ich ziemlich viel auf Reihe bekommen habe. Nur leider hatte ich das immer wieder ganz schnell vergessen.

    Wenn man plötzlich alleine für alles verantwortlich ist, scheint sich ein ganz schöner Berg vor einem aufzutürmen. Aber im Moment scheint es bei dir ein Berg von Eventualitäten zu sein. Inzwischen kann ich die Ruhe bewahren und die Zuversicht haben, dass ich, sollte ein Problem auf mich zukommen, dann auch Möglichkeiten finden kann, es zu lösen.

    Was wäre denn in deiner jetzigen Situation das Schlimmste, was passieren könnte?

    LG
    Ette

    Zitat von koketterie


    du hast schon eíne brutale art an dir, aber das ist kein vorwurf.

    Guten Morgen koketterie,

    ich kann nachempfinden, was du meinst, denn ich bin selbst oft innerlich schimpfend und wutschnaubend aus der realen Gruppenstunde nach hause gefahren. Weil mir irgend so eine blöde Kuh Dinge um die Ohren gehauen hatte, die ich absolut nicht sehen wollte. Am nettesten fand ich immer die Gruppenmitglieder, die mir sagten, dass ich wirklich viel mitmachen müsse und dass ich ihnen so leid täte.

    Die Wahrheit über Abhängigkeitserkrankungen, und wir haben ja auch eine, ist immer brutal. Klarheit, ohne Gesäusel, ist hart. Aber Feedback, gespiegelt zu bekommen, wie bestimmte Dinge von außen wahrgenommen werden, ist für mich auch ein hilfreiches Instrument, mich und meine Verhaltensstrukturen zu hinterfragen, auf den Prüfstand zu stellen. Und auch meine Empfindungen. Sind sie das, was ich fühle, oder das, von dem ich meine, dass ich es fühlen sollte?

    Für mich waren die Worte, die ich zuerst am heftigsten negierte, oftmals die hilfreichsten. Warum empfindest meine Art, mich auszudrücken, als brutal?

    LG
    Ette

    Ein Leben ohne Aufregung fand ich immer langweilig. Es musste etwas passieren und zwar ständig, ansonsten fühlte ich mich alt und ungesehen. Tanzen gehen, herumflirten, ausprobieren, ob Männer auf mich reagieren. Mein Exmann, eher ruhig und häuslich, zog zwar mit, hat aber von sich aus nie die Initiative für irgendwelche Unternehmungen ergriffen. Weder wenn es darum ging, einen Urlaubsort auszusuchen, noch sich mit Bekannten zu verabreden. Er hat mir aber im Haushalt geholfen, wenn ich ihm sagte, was zu tun sei. Ein braver Junge eben. Irgendwann trennte ich mich von ihm, weil ich dachte, das kann doch nicht alles gewesen sein. Endlich richtig leben wollte ich, wobei ich mir nicht wirklich klar war, was ich als richtig leben empfinden sollte.

    Nächte durchtanzen, mir den ein oder ONS auftun und, wie bequem, von zu hause am PC aus meine Fühler in die weite, weite Welt ausstrecken. Dort ist es schließlich recht leicht, sich jemanden zu angeln. Einsame Herzen, Existenzen, die im realen Leben nicht unbedingt Glück beim anderen Geschlecht haben, eine Gesellschaft von Suchenden, die da Nacht für Nacht durchs www schwirrt und ich mitten drin. Ich empfand mich als fortschrittlich und aufgeschlossen und es blieb nicht aus, dass ich mich mit dem ein oder anderen traf. In der Realität wurden mir die Cyber-Prinzen recht schnell zum Frosch, aber wahrscheinlich erging es ihnen mit mir nicht anders. Bis, ja bis ich IHN dann das erste Mal traf.

    Ich kannte seine Geschichte, er hatte sie mir in nächtelangen Telefonaten erzählt und schließlich absolvierte er gerade eine LZT. Und das einzige, was mir bei seiner Krankheit einfiel, dass es dann eben keinen Alkohol mehr geben könne. Blauäugig ging ich davon aus, dass dies die einzige Einschränkung in unserem Leben sein würde. Ich glaubte die Geschichten von der Ungerechtigkeit, von der Ignoranz und von den Schuldzuweisungen seiner Ehefrau, die ihn als krönenden Abschluss auch noch aus dem Haus geschmissen hatte und, natürlich, die Kinder gegen ihn aufhetzte. Danach war er in Therapie gegangen. Voller Mitleid und Verständnis war ich für ihn und vor allem war ich mir sicher, dass ich ihn viel mehr lieben würde, als dies seine Noch tat. Und natürlich viel besser verstand. Seine Sensibilität, seine Intelligenz und seine Redegewandtheit, die seine Noch gar nicht richtig zu würdigen wusste. Mit meiner Liebe würde er BESTIMMT nicht mehr trinken. Wir beide würden der Welt und der Sucht die Stirn bieten. Seelenverwandt wie wir waren, würden wir bestimmt glücklich und gesund bis ans Ende unserer Tage miteinander leben. So träumte ich.... und fand alles wahnsinnig aufregend.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Kathi,

    du schriebst, du möchtest deinen Freund haben, aber natürlich nicht den Alkohol. Das kann ich gut nachvollziehen, da ich diese Wunschvorstellung genauso hatte. Ich weiß nicht, inwieweit du dir der Tragweite einer Alkoholabhängigkeit bewusst bist. Es ist eine chronische Krankheit, die ihn sein Leben lang begleiten wird und die er nur zum Stillstand bringen kann, wenn er konsequent nichts mehr trinkt. Das bedeutet für dich, du kannst nicht nur den nicht trinkenden Freund haben, seine Krankheit wird immer eine Rolle in seinem, in euerem Leben spielen. Und auch wenn er trocken ist, hast du keine Gewähr, dass dies euer Leben lang so bleibt. Darüber musst du dir im Klaren sein, wenn du nun mit allen Mitteln versuchst, mit ihm zusammen zu bleiben.

    Du bist enttäuscht, dass er trotz der Freude über das kommende Baby wieder getrunken hat. Wer alkoholkrank ist, für den ist es keine willentliche Entscheidung mehr, zu trinken oder nicht. Das Wesen der Sucht ist es einfach, dass sie nichts mit Verstand zu hat. Mit dem Willen kann er sich aber entscheiden, sich mit seiner Sucht auseinander zu setzen, eine Therapie zu machen. Manche brauchen 3 oder 4 LZT, damit sie endlich ein trockenes Leben führen können. Und manche schaffen es nie, egal, ob Kinder da sind oder nicht.

    Wenn du nun schwanger bist, würde ich dir empfehlen, ein paar der Geschichten von den erwachsenen Kindern von Alkoholiker zu lesen. Ich könnte mir vorstellen, dass du dann noch einmal überdenkst, ob es gut ist, bei deinem Freund zu bleiben und mit ihm zusammen eine Familie zu gründen. Schließlich setzt du dann nicht mehr nur dich alleine einem alkoholbestimmten Umfeld aus, sondern auch noch dein Kind.

    So, wie ich dich lese, schaffst du gute Voraussetzungen für ihn, dass er all das hat, was er braucht. Für seine Finanzen wird gesorgt, einen Unterschlupf hat er auch und ungestört trinken kann er ebenfalls. Er ist kein unmündiges Kind, für den das Leben geregelt werden muss. Wenn du sauer bist, nun, dann weiß er genau, was er dir sagen muss, damit du wieder „funktionierst“. Nein, für naiv halte ich dich nicht, aber für nicht ausreichend informiert. Lies hier, informiere dich im Netz und bei einer Suchtberatungsstelle. Mach dich schlau, wie Alkoholismus funktioniert und was dein eigener Anteil an dieser Konstellation ist. Sei dir bewusst, dass du NICHTS für ihn verändern kannst. Nur für dich kannst du sorgen und für dein ungeborenes Kind.

    LG
    Ette

    Zitat von koketterie

    l
    die lieben worte, sie sagen soviel aus, einfach weil sie so untypisch für ihn sind.


    Hallo koketterie,

    sorry, dass ich grad dein Illusions-Kuscheldeckchen wegzerre, aber untypisch finde ich solche Worte für einen Abhängigen keinesfalls. Eher typisch, weil er dir genau das schreibst, was du hören willst. Er drückt einen der Knöpfe, von denen er weiß, dass sie dich anrühren.

    Zitat von koketterie


    es gibt auch heute immer wieder kurze sequenzen der sehnsucht nach ihm aufgrund der message von gestern. aber seit sie hier drin steht, kann ich sie noch besser von außen betrachten und mich selbst fragen, ist dieses zuckerbrot es wert, die peitsche im nachhinein zu ertragen?

    Du siehst, dein limbisches System, dein emotionales Gedächtnis, funktioniert und reagiert mit Sehnsucht auf die lieben Worte. Knopfdruck gelungen. Und du musst dich immer wieder kognitiv, großhirntechnisch, mit dem Verstand, zurückpfeifen.

    Deshalb fragte ich dich, ob du diese Worte wirklich immer wieder vor Augen haben willst.

    LG
    Ette

    Hallo gudi,

    jau, solche schlaflosen Nächte kenne ich zur Genüge. Konnte nicht mehr schlafen, nicht mehr essen, nicht mehr lachen und wollte, wie du auch, immer wissen, wie es denn wohl weitergehen solle. Nachdem seine "Bewegungen" in erster Linie darin bestanden, sich seinen Stoff zu besorgen und in keinster Weise dahingehend, etwas zu verändern, habe ich für MICH ganz allein entschieden. Hab mich wieder mehr nach außen orientiert, denn durch mein Sorgen um ihn, hatte ich ziemlich viele Kontakte schleifen und einschlafen lassen. Ihm ein Ultimatum gestellt, das ich allerdings selbst nicht einhalten konnte, weil es immer unerträglicher für mich wurde.

    Es war eine ziemlich harte Zeit mit Aussprachen noch und nöcher, Suizidankündigungen, Albträumen und vollkommen hilfloser Verzweiflung. Und genau wie du, war ich hin- und hergerissen zwischen Liebe, festhalten, loslassen, rausschmeißen....weinen, jammern, wüten und hoffen, dass ich morgens aufwache und es ist einfach alles gut, die ganze Palette eben. In einem Kraftakt habe ich ihm dann irgendwann seine Sachen vor die Tür gestellt. Ebenso ein Sch.....gefühl, aber danach kehrte Ruhe ein.

    Er konnte sich noch nicht entscheiden, wie es mit uns weitergehen sollte, also habe ich für MICH entschieden, ich es mit MIR weitergehen konnte.

    gudi, es ist DEIN Leben, das DU leben musst und darfst, wie es für dich gut ist. Lass dich nicht von ihm leben.....

    LG
    Ette

    Zitat von Lütze


    Eine Frau eines SHGlers war auch sehr überrascht,als ich ihr gegenüber von Scham,von Selbsthass und Ekel sprach.Den muß man erst mal überwinden auf seinem Weg.

    Guten Morgen Jörg,

    ich bin nicht überrascht, dass die Scham und der Selbsthass ein Thema für dich sind. Wer zuviel trinkt, weiß in der Regel schon sehr lange, bevor er es sich und anderen eingesteht, dass etwas falsch läuft. Er hasst und schämt sich für seine Schwäche, weil er es wieder nicht geschafft hat, den Alk sein zu lassen. Der kleine Prinz begegnet einem Trinker - dort ist ist das sehr anschaulich beschrieben.

    Aber wie Spanijoggel schon schreibt, jetzt ist eine andere Zeit. Und du kannst stolz auf dich sein, was du inzwischen geschafft hast. Verzeih dir die andere Zeit, du hast gehandelt, wie du aufgrund deiner Krankheit handeln konntest.

    LG
    Ette

    Dieser Tage ist mir bei einem Kritikgespräch in der Firma aufgefallen, dass im Laufe der Zeit meine Kritikfähigkeit in dem Maße gewachsen ist, in dem ich mich aus meiner Co-Abhängigkeit heraus gearbeitet habe.

    Das war nicht immer so. Ich hatte Probleme damit, die sachliche Ebene wahrzunehmen. Wenn mir gespiegelt wurde, dass etwas nicht gut gelaufen war, konnte ich nicht trennen zwischen der Kritik an meinem TUN und mir als PERSON. Rechtfertigungen, beleidigt sein und oft auch Zorn über den Kritiker, ließen mich das Positive in einem Feedback gar nicht wahrnehmen. Das hat sich inzwischen deutlich verändert.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    pünktlich zum Herbstanfang ist also heute bei uns das Schietwetter angekommen, das sich gestern schon phasenweise angekündigt hatte. Dies ist nicht wirklich ein Genuss. Es heißt aber auch, Zeit für Tee und heißen Kakao, die sich genüsslich in kleinen Schlucken schlürfen lassen. Wenn ich beide Hände um den Becher mit dem heißen Getränk lege und mir die Hände daran wärme, fällt mir immer meine Oma ein, weil sie auch so ihren Tee trank - mit beiden Händen um den Becher. Ich erinnere mich gern an sie.

    Manchmal, wenn ich den Spiegel sehe, merke ich, dass ich ihr immer ähnlicher werde. Überhaupt seitdem ich mir die Haare nicht mehr färbe und nun nach und nach immer mehr „silbermetallic“ mein Haar durchzieht. Sie hat ihr Leben ganz alleine auf die Reihe bekommen, drei Kinder erzogen, ein Haus gebaut und das alles ohne Mann, da dieser im Krieg gefallen war. Sie war eine starke Frau, ohne despotisch zu sein. Die Erinnerung an sie versöhnt mich mit manchem, was in meiner Kindheit nicht so gut gelaufen ist. Vielleicht sollte ich einfach öfter an sie denken.

    LG
    Ette

    Hallo Jörg,

    wahrscheinlich fühlst du dich so ähnlich wie ich mich fühlte, als mein Freund endlich nicht mehr trank, aus der LZT kam und nach ein paar Wochen sagte, er möchte nicht mehr mit mir zusammensein, weil er sonst Angst um seine Trockenheit hat. Ich fühlte mich wie ein alter Fußabtretter - benutzt und weggeworfen. Missverstanden, weil all meine Bemühungen scheinbar ingnoriert wurden und ich nix zurückbekam. Inzwischen kann ich ihn verstehen. Wenn sich nur Einer allein verändert und der Andere so weitermacht wie bisher, geht es zwangsläufig auseinander.

    Inzwischen sehe ich meinen Freund wieder sehr häufig. Es gibt kaum einen Tag, wo sich nicht der Eine oder der Andere nach dem jeweiligen Befinden erkundigt. Wir gehen nach wie vor (seit nunmehr 5 Jahren) in die gleiche SHG. Dort habe ich inzwischen eine monatliche Co-Gruppe ins Leben gerufen, die ich leite und die sich ganz gut etabliert hat. Wir können inzwischen gut miteinander umgehen. Das wäre aber nicht gegangen, wenn nur er mit dem Trinken aufgehört hätte.

    Deine Scham- und Schuldgefühle kann ich verstehen. Schließlich hab ich selbst zu Anfang seiner Trockenheit noch oft genug Anklage im nachhinein geführt. Da es mir aber auch nicht gefallen würde, wenn er mir immer noch ständig meine Fehlverhalten von damals vorhalten würde, kann ich die Vergangenheit stehen lassen. So, wie derjenige, der trinkt, unschöne Dinge tut aus seiner Krankheit heraus, habe ich dies aus meiner Abhängigkeit heraus auch getan. Und ich bin froh, dass mir keine Schuld zugewiesen wird und will dies auch selbst nicht tun, weder ihm noch mir. Das brächte uns beide nicht vorwärts.

    LG
    Ette

    Hallo Nele,

    ja, Ambivalenz ist immer dabei, wenn wir uns entscheiden, etwas zu verändern. Veränderung beinhaltet Risiken, wir wissen nicht, was auf uns zukommt. Die Situation, in der wir stecken, ist uns vertraut, auch wenn sie nicht angenehm ist. Auch wenn wir uns von einem Partner trennen, von dem wir wissen, er tut uns nicht gut, ist es ein Sprung ins kalte Wasser. Denn manchmal empfinden wir eine schlechte Partnerschaft besser als gar keine. Und es dauerte ein ganze Weile, bis wir so wütend, verletzt und ausgebrannt sind, dass wir wirklich unsere Koffer packen und gehen oder seine vor die Tür stellen.

    Du schreibst, dass du mit beiden Beinen fest im Leben stehst. Das Gefühl hatte ich von mir auch. Ich war tough, tüchtig und brauchte nie einen Mann, der mich ernährt. Und doch war meine Stärke zerbrechlich, denn sie war nur äußerlich. Dahinter versteckte sich die kleine Ette, die immer danach suchte, gemocht zu werden. Die meinte, dass sie etwas „schaffen“ muss, um anerkannt zu werden. Im Beruf gut sein, als Mutter gut sein, als Ehefrau und dann, später, noch als Partnerin eines alkoholabhängigen Mannes. Leider hat mir meine Stärke da gar nix genützt. Ich hab ihn nicht davon abbringen können, wieder zu trinken. Also – keine Rettung, keine Liebe, keine Anerkennung – versagt auf der ganzen Linie. Sch...... Gefühl. Und ich hab gedacht, wenn ich nur genug lieben würde und ihm sage, was er tun muss, um trocken zu werden, liebt er mich wieder und wir leben glücklich bis an unser Lebensende. Ich hab nur einfach dabei übersehen, dass ICH wollte, dass er trocken wird. Er wollte es zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht. Deshalb konnte ich mich auf den Kopf stellen und mit den Beinen wackeln – vergeblich. Es hat schon lange gedauert, bis ich es mit dem Kopf verstanden habe und noch länger, bis auch mein Gefühl mitgezogen ist. Mir hat es sehr geholfen, herauszufinden, warum ich bin, wie ich bin, weil ich dann etwas verändern konnte.

    LG
    Ette

    Hallo Pandora,

    schön, dass du wieder einmal "Laut gibst". Ja, die erste Zeit ist schwer. Aber überleg´- alles ist schwer, bevor es leicht wird. Denk bloß ans Rad fahren, ich weiß, ein blöder Vergleich, aber zuerst wars ja wohl ganz schön schwierig, die Ballance zu halten und heute ist es selbstverständlich.

    Vier Wochen ohne Kontakt, klar, damit gibts du ihm die Chance, seinen Weg zu finden. Du hast aber auch selber die Chance, zu gucken, was genau du willst und kannst für dich Wege finden, auch ohne ihn zufrieden zu sein. Du warst es ja auch vor ihm, nehme ich an. Zudem sind wir schon große Mädchen, die nicht wie ein Säugling in Lebensgefahr geraten, wenn sie alleine im Leben stehen.

    LG
    Ette

    Hallo lucky und willkommen an Bord.

    Herzlichen Glückwunsch zu deinen ersten Schritten, die du bereits eingeleitet hast. Ich weiß, dass sie schmerzlich sind. Aber sie bergen die Chance, dass ihr beide die Möglichkeit findet, auf eine gesunde Art und Weise wieder zusammen zu kommen.

    Wie du schon schreibst, gibt es jede Menge ähnlicher Geschichten. Erfahrungen, aus denen du dir Denkanstöße mitnehmen kannst, um auch für dich selbst Zufriedenheit zu finden.

    LG
    Ette

    Die Meerfrau

    Versonnen saß die Frau auf einem dieser grauen Steine am Strand, die gerundet ob ihrer Wanderung durch die Ozeane, irgendwann von der Macht der Wogen und des Windes an Land gespült worden waren. Sie ließ ihren Blick über das Wasser schweifen bis zum Horizont, der Linie, an der das Graublau des Wassers in das lichtere Blau des Himmels überging. Das luftige Azur spiegelte sich in diesem Wasser, das ruhig auf und ab wogte im endlosen Kommen und Gehen. Gleichmäßig rauschend schoben sich die Wellen mit ihrem schneeig schäumenden Saum über den Sand, um sich umgehend wieder zurückzuziehen. In neuem Anlauf, wie mit feuchten streichelnden Fingern nach dem Sand greifend, kühlten sie ihn und ließen ihn duften nach Muscheln und Tang.

    In den Haaren der Frau spielte der Wind, der stetig über das Wasser wehte und am Himmel zarte Wolkengespinste dahinreisen ließ. Sie konnte ihn salzig auf ihren Lippen schmecken. In ihren Ohren gellten die Schreie der Möwen, die wie tollende Kinder durch die Luft flogen in der Hoffnung, irgendwo einen Schnabel voll Futter zu erhaschen.

    Die Frau hielt ein Kind auf dem Schoß. Geborgen in ihren Armen, wiegte sie es im Rhythmus der Wellen. Ihr ganzer Körper ein Auf und Ab wie ein Teil des Meeres. Als sie ein leises Wimmern vernahm, senkte sie ihren Blick auf das Kind, das sie mit Augen ansah, in denen alle Weisheit der Welt schimmerte. Augen, die alles zu wissen schienen, was es für ein Leben in dieser Welt zu wissen galt. Sie versenkte ihren Blick in den Augen des Kindes, dieses Kindes, das sie vor vielen Jahren einmal selber gewesen war. Sanft legte sie eine Hand unter den Kopf des kleinen Wesen und barg das Köpfchen an der Stelle, an der ihr Hals in weichem Bogen in die Schulter überging. Schmiegte ihre Wange an das zarte, lockige Kinderhaar und summte beruhigend mit weich geschlossenen Lippen eine kleine Melodie. Das Kind beruhigte sich und schloss verstrauensvoll die Augen. Und das Auf und Ab der Wellen, das Summen und Wiegen ihres Körpers ließen die Frau sich eins fühlen mit allem um sich herum und mit dem Kind. Sie spürte einen großen Frieden in sich aufsteigen, der sie mit Zuversicht und Sicherheit erfüllte.

    Ein tiefer Atemzug entrang sich ihrer Brust, jedoch war es keiner von diesen sorgenbeladenen Seufzern. Eher ein Aufatmen der Erleichterung, wenn etwas Großes, Schwieriges zu einem guten Ende gebracht ist. Sie sah um sich, als ob sie eben aus einem wunderschönen Traum erwacht wäre und fühlte sich doch ganz im Hier und Jetzt. Bemerkte, dass der Bus an der Endstation angelangt war, an der sie aussteigen musste. Als die Tür sich mit einem hydraulisch fauchenden Zischen öffnete, trat sie auf die Straße und ging mit erhobenem Kopf und geraden Schulter, sicher und geschmeidig wie eine Massaifrau unter der Sonne Afrikas, mit schwingenden Hüften durch den Regen, der den Asphalt auf den Straßen der Stadt wie Onyx schimmern ließ. Sie war auf ihrem Weg.


    LG
    Ette

    Ja, es hört sich nicht nur gut, es fühlt sich auch gut an, wenn es auch nicht jeden Tag gleich gut ist. Werkzeuge waren für mich wichtig. Zwei davon sind diese beiden Threads:
    https://beispiel.rocks/beispiel.rocks…pic10562-0.html
    https://beispiel.rocks/beispiel.rocks…opic9541-0.html

    Ein tägliches sich bewusst Machen, dass nicht alles davon abhängt, ob meine Partner trinkt oder nicht. Ob ein Mensch für mich da ist oder nicht. Vom Kopf her war dieses Bewusstsein deutlich früher da als ich es vom Empfinden her wahrnehmen konnte.

    Erst irgendwann im letzten Jahr hatte ich so eine Art Schlüsselerlebnis. Plötzlich konnte ich es fühlen, was ich die ganze Zeit mir immer wieder vorgesagt hatte.

    Genau ausdrücken kann ich es immer noch nicht, aber ich hab es in eine kleine Geschichte gepackt: