Beiträge von Ette

    Empfindlich kühl ist es nun bereits morgens und mir fehlt schon etwas die Helligkeit des Sommers. Das Aufstehen wird anstrengender in der morgendlichen Dunkelheit. Der Abendspaziergang gestern war recht herbstlich und die Tage werden deutlich kürzer. Auch ändern sich die abendlichen Getränke. Als ich mir den duftend heißen Tee aufgoss, fiel mir auf, dass ich dies schon länger nicht mehr getan hatte. Ich hatte ihn im Sommer nicht vermisst, freute mich nun aber, in kleinen Schlucken die wohlige Wärme die Kehle hinabrinnen zu spüren. Der Tagesablauf wird sich auch der neuen Jahreszeit anpassen. Mehr lesen, handarbeiten oder mit Freunden spielen. Dabei fiel mir auf, dass ich mich das erste Mal bewusst auf die dunkle Jahreszeit freue, weil sie auch etwas gemütliches hat. Ich habe den Sommer sehr genossen. Bisher war es immer so, dass ich dann im Herbst wehmütig, ja fast schwermütig wurde. Heute sehe ich einfach die neuen Möglichkeiten der dunklen Jahreszeit. Das macht mich zufrieden.

    LG
    Ette

    Zitat von kaltblut

    Wo ich einen ernsthaften Gewissenkonflikt habe ist, wenn ich mit einer SHG Gruppe, wie das Forum gesunder werde, also selbst was tue, den gewaltigen Gesundheitsapparat nicht ausschöpfe, nicht mal in Anspruch nehme, mache ich mich dann unbeliebt oder gar strafbar, belangbar, weil ich ja meine eigene Energie da rein stecke, meine Arbeitskraft mindere und nicht leistungsorientiert arbeite?

    Lieber Karl,

    ja, das ist ein Denkansatz, der sicherlich interessant genug wäre, weiter verfolgt zu werden. Hast du eigentlich schon einmal darüber nachgedacht, deine Krankenversicherung anzuschreiben und einen Bonus einzufordern? Schließlich hast du ihr ja jede Menge Aufwendungen mit deiner Art von Gesundwerden erspart.

    Obwohl - wenn du nun zum Sportoholik mutierst, besteht natürlich wieder erhöhtes Verletzungs- und Leistungsrisiko. Spocht is Mord, das weißte doch sicher. Pass gut auf ihn auf, auf den der nun nicht mehr wirklich da ist. ;)

    LG
    Ette

    Zitat von Tanja105


    Aber ab wann kann man sich freuen?

    Liebe Tanja,

    hmmm, das ist eine Frage, auf die es nicht EINE Antwort gibt. Ich versuchs einfach mal.

    Jetzt und heute kannst du dich freuen, dass dein Freund den Schritt getan hat, eine Therapie zu beginnen. Vielleicht kannst du dich auch darüber freuen, dass du die Tage verbringen kannst, ohne dir Gedanken darüber zu machen, wie er "drauf" ist, wenn du nach hause kommst oder ihn triffst. Ich fühlte mich damals sehr erleichtert, als "mein Alki" in Therapie war.

    Vielleicht magst du auch einfach mal gucken, was dir in diesen Tagen, in denen du ihn "sicher" weißt, für dich ganz alleine für Freuden wieder wahrnehmen kannst. Ich weiß von mir, dass ich mich über nichts mehr richtig freuen konnte, wenn er trank. So lange wir Co´s aber das Freuen nur davon abhängig machen ob "unser Alki" trinkt oder nicht, vergessen wir selber zu leben und lassen uns von ihm und der Sucht leben.

    Ich glaube, dass es jeden Tag einen Grund zur Freude gibt für mich, wenn ich es zulasse und sehen will. Dafür musste ich aber erst lernen, dass ich mich auch an Dingen freuen kann, wenn "er" wieder oder weiter trinkt. Zumal auch dein Freund sicher Zeit braucht, in ein trockenes Leben zu finden und nicht gleich alles eitel Freude und Sonnenschein ist, wenn er nicht mehr trinkt.

    Es tut mir leid, dass ich deine Frage nicht besser beantworten konnte.

    LG
    Ette

    Hallo Pandora,

    drei Wochen Abstand sind schon ein guter Anfang. Irgendwann wird sich auch das Gedankenkarussell beruhigen. Zumal du ja auch deine Kinder hast, die dich fordern und dich auf andere Gedanken bringen. Es dauert seine Zeit und wird mit jedem Tag besser - wenn du es zulässt.

    LG
    Ette

    Zitat von gudi1234

    Ich glaube er findet es gut, dass ich nicht mehr da bin.

    Gudi,
    das kann durchaus sein, denn nun kann er ja ungestört trinken.

    Du denkst über eine räumliche Trennung nach. Wenn du dies bewerkstelligen kannst, vielleicht auch erst einmal nur für eine Weile, wäre es eine gute Maßnahme, damit du selbst erst einmal zur Ruhe kommen kannst. Und um dir über eine weitere Vorgehensweise Gedanken zu machen. Es ist allerdings auch eine Entscheidung, die dir niemand abnehmen kann. Jeder hat hier andere Erfahrungen gemacht. Für mich war die Trennung wichtig und richtig. Andere sind geblieben, hatten aber auch das Glück, dass der trinkende Partner auch so einen Weg aus der Sucht gesucht hat.

    Es gibt leider kein allgemein gültiges Rezept.

    LG
    Ette

    Hallo Gudi,

    auch von mir ein herzliches Willkommen hier. Lämmchen hat recht, mit dem, was sie schreibt. Es dauert seine Zeit, so wie es seine Zeit gedauert hat, bis du dich auf den Weg gemacht hast. Ich wünsch dir Kraft und Mut dafür.

    Hier wirst du immer ein offens "Ohr" finden und Menschen, mit denen du dich austauschen kannst. Vielleicht wirst du nicht immer das lesen, was du gerne möchtest. Nimm das mit, was du meinst, gebrauchen zu können und das Restliche lass stehen. Vielleicht hilft es der/dem nächsten.

    LG
    Ette

    Zitat von dagmar007


    Und eines Mädels ist ja auch so eine Frage: Tut es uns selber gut, wenn wir versuchen zu manipulieren und ihn am Rädchen drehen zu lassen. War auch oft mein Wunsch, so ist es nicht ;) aber irgendwie werden wir dann dem Süchtler verflixt ähnlich: der lügt wegen dem Alk und wir weil wir ihn "weichkochen" wollen.

    Hallo Amy,

    das, was Dagmar da schreibt, ist eine ziemlich wichtige Erkenntnis. Manipulation ist eines der Lieblingswerkzeuge von Co´s. Schließlich können wir damit umgehen, klar und deutlich zu sagen, was wir wollen und es auch einzufordern.

    @ Dagmar: Danke für diesen Absatz.

    LG
    Ette

    Hallo Charmenida,

    entschuldige, vielleicht habe ich meine "Zeit-Frage" unglücklich gestellt. Nein, ich bin nicht der Meinung, dass du bei der Beschreibung deines Tagesablaufes zu viel Zeit für dich in Anspruch nimmst. Ganz im Gegenteil. Deine Antwort hätte ich allerdings vor einiger Zeit genauso gegeben. Denn ich hatte auch immer Angst, zu eigennützig zu sein. Wenn ich meine Tage und die Prioritäten darin betrachtete, kam ich oft an letzter Stelle. Das hat sich inzwischen geändert. Ohne dass mir dadurch Zuneigung, Aufmerksamkeit oder Nähe verloren gegangen wären. Respekt bekomme ich mehr. Mir hat einmal jemand gesagt, everbody´s darling ist leicht auch everybody´s Depp. Ich fand den Ausspruch heftig. Aber im Grunde ist es so. Wenn ich immer für andere da bin, niemals nein sage, wird mich im Grunde keiner so recht ernst nehmen. Und dadurch ich mich selbst auch nicht genug, um Grenzen zu setzen.

    LG
    Ette

    Genuss, er kann manchmal so einfach sein. Eine Einladung auf eine Tasse Kaffee in der Mittagspause verbunden mit einem unverhofften Imbiss. Ein klärendes Gespräch und ein paar Stunden ganz für mich alleine.

    Ich werde ihn aber nur erkennen, den Genuss, wenn ich ihn mir bewusst mache. Wenn ich solchen Dingen keine Bedeutung beimesse und ständig das beklage, was ich nicht habe, bleibt mir jeder Genuss versagt. Gedankenarbeit, Bewusstseinsarbeit, die am Anfang ungewohnt und anstrengend ist. Aber zum Ergebnis hat, dass ich zufrieden und gelassen mein Leben leben kann. Und mit Genuss.....;-)

    LG
    Ette

    Ähhhmmm,

    Charlos, wer lesen kann, ist einwandfrei im Vorteil. Ich glaub, der Satz war für mich bestimmt. Wir hatten doch deinen Thread missbraucht.

    Du hast also Gewicht gelassen. Nun, das macht nix, du wiegst trotzdem nicht leicht. Und ich freu mich immer, von dir zu hören.

    LG
    Ette

    Zitat von crevette

    Oh verflixt, nein, es ist nicht SEIN Gefühl, das sich auf mich überträgt, es ist MEIN Gefühl, das auf etwas reagiert. Und in dem Fall reagiert es auf mein Wissen darum, dass jemand traurig ist.
    .........
    Wisst Ihr, wie ich meine?

    Guten Morgen crevette,

    ja, ich weiß was du meinst. Denn ist nun mal ein Symptom unserer Co-Abhängigkeit, dass wir uns die Gefühle des anderen „anziehen“. Wir wissen, warum er traurig ist und wir meinen zu wissen, dass wir der einzige Mensch sind, der ihn so gut versteht.

    Zitat von crevette


    Also muss ich mich ablenken und mir Gutes tun. Und was mir wirklich gut tun würde liegt nicht mehr drin. Super.

    Diese Worte hätte genauso gut ein Alki schreiben können, der seiner Flasche hinterher trauert. Crevette, unser gutes Gefühl von einem anderen Menschen abhängig zu machen ist doch unser Abhängigkeit. Es gibt tausend Dinge, die uns wirklich gut tun. Aber in unserer Abhängigkeit sind wir darauf fixiert, dass es uns nur mit unserem Alki gut geht. Ich kann es nachvollziehen. Die erste Zeit als „er“ weg war, endeten fast alle meine Lamentos mit dem Satz „ich will einfach meinen xxx wieder haben“. Irgendwann fingen alle Freunde und Bekannten dann nur an, die Augen zu verdrehen. Na ja, irgendwann hab ich es dann auch gerafft und hab mich auf den Weg gemacht, um Zufriedenheit zu finden, die nix mit ihm zu tun hat. Es klappt, aber es dauerte auch ne Weile. Und du selbst musst es wollen. Dazu gehört halt das Loslassen von diesem Gefühl, dass du genau weißt, wie er sich fühlt. Das kannste eh nicht, weil du nicht seine Gedanken denken kannst und seine Gefühle fühlen. Aber einbilden, dass es so ist, das können wir Co´s gut. Ist halt ein Symptom unserer Krankheit.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Ayki,

    ich kann es nachvollziehen, dein Gefühl, dass nach dem Scheidungstermin nix Grundlegendes geändert ist. Schließlich ist die Zeit dahin immer mit Aufregungen und Durcheinander verbunden. Dia hat recht. Den Paukenschlag, um das Ziel zu feiern, kannst du dir nur selbst bescheren. Statt Hochzeitsfeier Scheidungsfete - Menschen einladen, die die Zeit mit dir durchgestanden haben, z. B........

    Auf jeden Fall gratuliere ich dir zur überstandenen Scheidung und zum neuen, offiziellen Single-Dasein.

    LG
    Ette

    Zitat von Karotte

    ... gestern Mittag hast Du das letzte mal was geschrieben. Warst Du seither nicht mehr da? Oder hast Du gelesen? Wolltest Du nicht schreiben? Oder hast Du gar nicht vorbei geschaut?

    Guten Morgen Karotte,

    dies hast du an anderer Stelle geschrieben. Von außen betrachtet, lese ich hier nichts von gewaltfreier Kommunikation. Ich empfinde deine Fragen als kontrollierend, bedrängend. Wenn ich solche Fragen erhalten würde, käme in mir das Empfinden hoch, mich rechtfertigen zu müssen, Ansprüche zu erfüllen. Wie würde es dir selbst mit solchen Fragen gehen? Mir hilft es oft, wenn ich mir überlege, wie ich mich in entsprechenden Situationen fühlen würde, wenn andere so mit mir umgingen, wie ich mit ihnen umgehe. Es gab mal einen schlauen kantigen Mann, der stellte eine These auf. Vereinfacht übersetzt lautet sie: Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu. (Dies ist ein Sprichwort, Volksweisheit, ohne Autor, wegen Copyright mein ich). Wenn wir dies beherzigen, kommunizieren wir gewaltfrei. Denn keiner lässt sich gern in der Kommunikation unter Druck setzten. Und wir Co´s haben nun mal die Eigenart, aus unserem Kontrollbedürfnis heraus, Druck in der Kommunikation auszuüben.

    LG
    Ette

    Zitat von Ettena


    mir macht ein Satz meiner Therapeutin zu schaffen: “Manche trauern sogar ihr ganzes Leben einem Partner hinterher”.
    Diese Vorstellung macht mich fertig!

    Guten Morgen Ettena,

    ja, soche Menschen gibt es. Meine Oma war so einer. Nachdem mein Opa gestorben war, wurde sie nie mehr froh bis sie 12 Jahre später selbst starb. Alle guten Ratschläge, wie sie wieder mehr am Leben um sich herum teilnehmen konnte, blieben ungehört. Sie WOLLTE trauern und sich nicht verändern. Und jemand anderer konnte dies nicht für sie tun.

    Was die Kapitualtion betrifft, nun, wie Dia schon schreibt, wir können unseren Kummer immer wieder aufpolieren, neu hervorkramen, uns im Kreis um ihn drehen und ihm diesen Platz in unserem Leben lassen. Weiter bringt es uns nicht. Lebensfroh macht es uns auch nicht. Anerkennen, dass das, was geschehen ist, nicht mehr änderbar ist. Akzeptieren, dass ein Mensch aufgrund seiner Erkrankung so mit uns umgegangen ist, wie er es tat. Und kapitulieren, sprich den Kampf aufgeben, selbst etwas an diesem Verhalten, an seiner Krankheit verändern zu können. Denn die Kraft, die wir in den aussichtlosen Kampf stecken und in das aufrechterhalten der Trauer und des Kummers, die fehlt uns, wenn es gilt, unser Leben neu zu "sortieren". Wie willst du an einem zufriedenen Leben für dich arbeiten (und Dia: zu anfang ist es Arbeit, weil wir es nicht gewohnt sind), wenn du deine Energie darin erschöpfst, dich in den schlechten Gefühlen aus der Vergangenheit zu drehen?

    LG
    Ette

    Guten Morgen Charmenida,

    ist dir bei diesem Tagesablauf eigentlich aufgefallen, wieviel Zeit du mit Dingen verbringst, die nur DICH betreffen?

    Zu deinen Erfahrungen in der Selbsthilfegruppe habe ich einmal eine Äußerung von einer der "Funktionärinnen" der Organisation bekommen, als ich mich so ähnlich wie du äußerte: Wenn dir in der Gruppe etwas fehlt, liegt es in deiner eigenen Verantwortung es zu bekommen. Also: sollte dir das raumgreifende Verhalten der anderen Frau zuviel werden und du somit dein Problem nicht nicht zur Sprache bringen kannst, ist es an dir, Sprechzeit einzufordern. Wegbleiben ist der Weg, der am wenigsten Aufwand erfordert. Für sich und seine eigenen Interessen einzustehen, ist unbequem, weil ungewohnt. Aber der einzige Weg, um das zu bekommen, was du möchtest.

    LG
    Ette

    Zitat von Amai


    Ich nehme mir jetzt wirklich eine kleine Pause...in beiden Foren. Hier...weil ich darüber nachdenke, wie ich "mich", also meine Person, wirklich authentisch rüberbringen kann, weil ich es gerne möchte (und ich bin bis jetzt authentisch, aber es ist anstrengend...ehrlich... weil ich überlegen muss, wie ich was schreibe, damit keine Missverständnisse aufkommen und damit sich niemand vor mir "fürchtet")

    Hallo Amai,

    ja, eine Pause wird dir sicherlich guttun. Vielleicht magst du diese Pause ja auch nutzen, dich in der realen Welt mit Persönlichkeitsentwicklung auseinander zu setzen. Dann wirst du nämlich feststellen, dass Authentizität alles andere als anstrengend ist. Die kannst du auch nicht "rüberbringen". Entweder ist sie da und für deine Mitmenschen spür- und erlebbar oder aber sie ist anstrengend, weil aufgesetzt. Auch das ist spürbar.

    LG
    Ette

    Hallo Mandy,

    ich verstehe, was du meinst, wenn ich es auch von der Co-Seite her beurteile. Ich war immer der Meinung, dass ich aufgrund kognitiven Wissens nicht co-abhängig bin. Meine Verhaltensstrukturen habe ich als solche nicht erkannt. Wenn mir jemand sagte, ich solle etwas für mich tun, dachte ich immer, dies würde ich bereits tun, da ich mir viel Abwechslung im Außen gesucht habe. Inzwischen weiß ich, dass auch dies Teil meiner Co-Abhängigkeit war. Nur nicht mit mir alleine sein, immer Trubel um mich haben und möglichst oft einen neuen Thrill, damit ich mich nicht spüren muss.

    Mir haben erst DEUTLICHE Worte geholfen, das Ausmaß meiner Coabhängigkeit wahrzunehmen. Dann, wenn ich am wütendsten wurde über eine Äußerung, hat sie mir anschließend am meisten geholfen. Sicherlich müssen wir Hilfe suchende Menschen da abholen, wo sie stehen. Trotzdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass da oftmals noch viel "Eierei" ist. Und die sollte dann schon benannt werden. Angenehm ist das dann nicht, das kann ich nachempfinden.

    Es wird also immer eine Gratwanderung bleiben. Für den einen ist Deutlichkeit von Vorteil, für den Anderen der Grund, weiter zu trinken oder in seiner Co-Abhängigkeit zu verharren. Ich denke, hier gibt es keinen Königsweg.

    Im übrigen finde ich die Hammer-Postings von Spedi oftmals auf Punkt, voll auf die Zwölf, zum Aufwachen oder - weitermachen, je nach dem, wie klar der Wunsch nach Lösung aus der Abhängigkeit ist.

    LG
    Ette