Hallo redheart,
ich kann schon nachvollziehen, wie du dich fühlst. Als ich meinen Ex-Partner kennenlernte, war ich der Meinung, es ist ausreichend, einfach keine Alkoholika im Haus zu haben. Ganz schön blauäugig, wie ich nach nicht allzu langer Zeit feststellte. Die erste LZT hat bei ihm nämlich nicht ausgereicht für ein trockenes, zufriedenes Leben. Bevor er sich zur zweiten LZT entschloss, bekam ich hautnah mit, was es heißt, mit einem alkoholkranken Menschen zu leben. Sicherlich gab es auch positive Phasen. Schließlich sollte ich wieder für eine Weile klaglos stillhalten und so für eine Umgebung sorgen, die konsequenzloses Trinken ermöglicht.
Und ich hab gern immer wieder gehofft. Schließlich hatte ich dafür immer einen Menschen um mich, der mich brauchte. Dass er mich immer wieder belog, habe ich erst so nach und nach herausbekommen. Jedem, der mir erklärte, dass ich co-abhängig sein, widersprach ich vehement. Erst als ich selbst am Rande meine physischen und psychischen Kraft war, hab ich ihn vor die Tür gesetzt.
Aber vielleicht musst du auch einfach durch so ein Tal, bevor du die Beziehung zu deinem Freund ohne rosa Illusionsbrille siehst. Mir sagte eine Therapeutin bei der Suchtberatung, dass ich mir darüber im Klaren sein müsse, dass ich in solch einer Beziehung immer die Stelle einer Art Hilfstherapeutin einnehmen würde. Ob ich es will oder nicht.
Inzwischen ist mein Ex fünf Jahre trocken, wir sind nach wie vor befreundet, aber nicht mehr als Paar zusammen. Und das war für uns beide wichtig und hilfreich.
Ette