Beiträge von Ette

    Hallo Nexia,

    solch tränenüberströmte Gespräche kenne ich aus der Anfangszeit mit "meinem Alki" auch. Nach solchen Gesprächen hab ich dann immer wieder gehofft, dass alles gut wird. Irgendwann wurde es auch gut, allerdings musste ich da dann deutlich härtere Geschütze auffahren.

    Achte gut auf dich. Du hast schon so viel geschafft. Und erinnere dich. Wenn dich jemand auf deine Art zu essen angesprochen hat, hast du dann ehrlich erzählt, was du isst? Meine Erfahrung mit Suchtkranken hat mir immer wieder gezeigt, dass das, was zugegeben wird, nur die Spitze des Eisberges ist. Das Trinken verbergen lässt sich ja offensichtlich nicht. Das ganze Ausmaß zuzugeben, würde aber einem Eingeständnis der Sucht gleichkommen.

    Du kennst durch deine eigene Krankheit eine Menge über Sucht. Ich denke, es könnte gut sein, wenn du dich an dein eigenes Verhalten zu dieser Zeit erinnerst. Dann wirst du sicherlich sein Verhalten besser einschätzen können.

    Du fragst, wie du ihm glauben kannst, dass er nichts trinkt. Ich habe lange Zeit "seinen" Worten geglaubt, obwohl ich anderes empfunden hatte. Zum Schluss fühlte ich mich fast wie verrückt, weil alle Zeichen für ein Trinken sprachen und er mir hoch und heilig versicherte, es wäre nicht so. Dank Wodka war auch wenig Geruch vorhanden. Und so fühlte ich mich ständig unsicher. Im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass meine Empfindungen richtig waren und seine Worte nicht. Seither habe ich eine ganz andere Art, mit meinem "Bauchgefühl" umzugehen.

    Nexia, ich kann dich gut verstehen und finde es gut, das du Konsequenzen im Falle eines Weitertrinken androhst. Es erfordert dann aber auch deine Konsequenz, dies durchzuhalten. Aber das hast du ja hier sicherlich schon mehrfach gelesen.

    Ich wünsch dir Kraft, für dich den richtigen Weg zu finden.

    LG
    Ette

    Mein Glück ist ganz unspektakulär. Manchmal ist es ein Blick, der Verständnis ohne Worte zeigt. Manchmal ein Duft, der mich Lächeln lässt. Oder ein Lächeln, das mich unverhofft streift.

    Und gleich ist es mein Bett, in das ich mich einkuscheln und einem neuen Tag entgegenträumen kann.

    Gute N8

    Ette

    Heut ist mir immer wieder der 11.9.2001 in den Kopf gekommen. Ich wusste noch genau, wo ich mich befand, als ich das erst Mal von den Geschehnissen erfuhr. Und ich seh mich voller Angst vor dem Fernseher sitzen und hätte gerne die zwei Menschen, die mir am wichtigsten sind, in meiner Nähe gehabt.

    Die grauenvollen Bilder haben mir vor Augen geführt, wie schnell all das, was wir jeden Tag als selbstverständlich hinnehmen, ausgelöscht sein kann. Unser Leben, das so endlich ist und durch so viele Dinge von einem Moment auf den anderen vorbei sein kann.

    Demütig und dankbar werde ich dafür, dass ich lebe. Und mir des Wertes dieses Lebens bewusst, das so schnell vorbei sein kann. Das mir inzwischen so viel mehr wert ist als früher und das ich inzwischen ein ganzes Teil anders gestalte als in meiner tiefsten Co-Phase, als ich es fast aufgegeben hatte zugunsten eines anderen Menschen.

    Inzwischen kann ich zufrieden sein, wenn jemand da ist. Und wenn jemand weg ist. Ich habe mir ein gutes Leben "erarbeitet", auch wenn die Wege nicht immer gerade sind und manchmal holperig oder steinig. Es ist mein Leben. An dem ich andere teilhaben lasse, das ich aber nicht mehr anderen überlasse.

    Eine nachdenkliche
    Ette

    Na, das wird wohl seine Feinstofflichkeit sein *frotzel*

    Kaltlbütiger,

    ich kann gut nachvollziehen, wie es dir geht bezüglich deiner Entwicklung. Wir hatten heute in der realen Gruppe ein Gespräch, bei dem man sehr genau feststellen konnte, wie sich Verhaltensstrukturen verändern können. Oder auch, trotz aller nach außen gezeigten Gesundung, heimlich von hinten wieder einschleichen.

    Heute hat mich einer von "Frischlingen" gefragt, warum ich mich verändern will. Das wäre doch nur Manipulation meiner Selbst. Ich weiß nicht, ob er verstanden hat, was ich ihm erklären wollte. Nämlich das die Veränderung sehr, sehr viel zu meiner Lebensqualität und meiner Zufriedenheit beiträgt. Vielleicht versuch ichs das nächste Mal mit deiner Rosettenmetapher.

    Schlaf gut - irgendwann.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Amy,

    hast du schon einmal über eine Art Kontaktsperre nachgedacht? Wenn du schreibst, dass du mit ihm chattest und dich das annervt - warum tust du es dann? Solange du dich immer wieder mit deinem "Suchtmittel" befasst, wie soll sich dann für dich etwas verändern? Stell dir vor, ein Alki möchte trocken werden und nimmt jeden Tag eine, zwar kleinere, aber eine Dosis seines "Stoffes" zu sich. Wie soll er da trocken werden? Wie willst du dich aus DEINER Abhängigkeit befreien, wenn du deine tägliche Dosis "Alki" nicht absetzt?

    LG
    Ette

    TaLu,
    Entschuldigen für den trinkenden Partner zu suchen, ist nicht der einzige Punkt, an dem Co-Abhängigkeit festzumachen ist. Inwieweit hast du dich über deine eigene Krankheit, die Co-Abängigkeit, denn schon informiert? Dein Partner ist, wie er ist. Und wenn du von seinen Fehlverhalten sprichst, dann ist das deine Empfindung. Du empfindest sein Verhalten als nicht angemessen. Du wolltest etwas verändern. Du wolltest IHN verändern. Ein Ansinnen, das von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Denn ändern kannst nur du dich selbst. Und er sich. Er braucht Zeit dafür. Nutze diese Zeit, dich mit deinen eigenen Anteilen, die bisher die Beziehung genauso beeinflusst haben wie sein Trinken, auseinander setzt. Das ist der einzige Punkt, an dem du für dich etwas verändern kannst.

    Sich beklagen, sich als Opfer zu fühlen, ist dabei der uneffektivste Weg. Nimm dein eigenes Leben in die Hand. Er wird, wenn er soweit ist, das auch mit seinem tun.

    LG
    Ette

    Guten Morgen frenzy,

    ich würde mich auch freuen, von dir zu lesen.

    Dass dein Mann sich während der Entgiftung mit Möglichkeiten der Therapie auseinander gesetzt hat, ist doch gut. Wie eine LZT aussieht, kann dabei ganz unterschiedlich sein. Es gibt hierfür Tageskliniken und teilstationäre Behandlungen, und, was du vielleicht unter LZT verstanden hast, die stationäre Therapie. Es ist sehr individuell, welche Therapieform der Betroffene für sich als die richtige empfindet. Die Wahl muss er selbst treffen und, wenn er eine ambulante Therapie anfängt, kann auch während dieser Zeit noch gewechselt werden, sollte sich herausstellen, dass er damit nicht klarkommt.

    Viel wichtiger ist aber, dass du dich in dieser Zeit auch mit deiner eigenen Rolle im Beziehungssystem auseinandersetzt. Denn auch unsere Rolle, unsere Abhängigkeit, müssen wir grundlegend überdenken und unsere Verhaltensstrukturen verändern. Es ist nicht nur der Alki krank. Eine Tatsache, die leicht übersehen wird.

    LG
    Ette

    Guten Morgen TaLu,

    hast du denn deinem Partner deine Gefühle und Empfindungen selbst mitgeteilt? Hast du ihm gesagt, dass du gern in den Arm genommen werden möchtest? Ich habe das Gefühl, dass du das, was dir wichtig ist, ihm gegenüber gar nicht klar formulierst.
    Ich habe eher den Eindruck, dass du darauf wartest, dass er dir erfüllt, was du dir wünschst, ohne dass du es sagen musst. Ich getraute mich auch nicht, zu sagen, was mich bewegte. Es war da eine ständige Angst, ihn zu verärgern und damit vielleicht wieder zum Trinken zu bringen. Aber ich habe Briefe geschrieben. Auf dem Papier alles aufgeschrieben, was mir am Herzen lag. Trotzdem hat "er" mit mir damals nicht gesprochen. Ich weiß aber inzwischen, dass er vieles von dem, was ich ihm geschrieben habe, nie vergessen hat. Jetzt, nach drei Jahren Trockenheit, merke ich immer wieder, dass er genau weiß, was mir wichtig ist. Nicht alles, was ich gerne hätte, kann er mir erfüllen. Aber das ist auch in Ordnung.

    Vielleicht kann dein Partner auch wirklich im Moment nicht über sein "Innenleben" mit dir sprechen. Mancher kann dies besser mit ebenfalls Betroffenen, weil er sich da besser verstanden fühlt.

    Wir Co´s neigen ja dazu, eine Art Belohnung zu erwarten für all das, was wir ausgehalten haben. Denn das ist mit einer der Gründe unserer Krankheit. Wir wollen mit unserem Helfen Anerkennung und Zuwendung bekommen. Liebe und Hilfe sind aber keine Geschäft, für das wir irgendwann die Belohnung bekommen

    Du hast jedoch jedes Recht, misstrauisch zu sein. Ich kann dies gut verstehen. Der abhängige Partner jedoch nicht unbedingt. Für ihn ist das Vertrauen wichtig. Dass wir ihm zutrauen, dass er es durchhält. Das war für mich eine sehr schwierige Zeit, die ich nur mit Hilfe einer realen SHG geschafft habe.

    Gibt es in deiner Nähe die Möglichkeit, eine reale SHG aufzusuchen? Dort hättest du auch Menschen, mit denen du besprechen kannst, was im Moment mit dir passiert. Und du würdest dich mit deinem Redebedürfnis von ihm unabhängig machen. Wenn er wirklich aufhören will, hat er erst einmal mit sich selbst genug zu tun und auch mit ganz anderen Dingen, als sich um dein Seelenleben zu kümmern.

    Es gibt ganz einfach eine Zeit, in der jeder für sich an seiner Gesundheit arbeiten muss. Ich denke, die ist in deiner Partnerschaft gerade ganz akut. Ich wünsche dir Kraft und Mut, für dich selbst zu sorgen, ohne dich von der Zuwendung deines Partners abhängig zu machen.

    LG
    Ette

    Hallo Ribanna,

    ich freu mich, dass du dich wieder gemeldet hast. Und es ist gut, dass "er" zur Entgiftung geht. Dies ist ein erster, wichtiger Schritt für den Weg aus der Sucht.

    Als ich "meinen Alki" kennelernte (per i-net) war er gerade in der LZT und kam einige Wochen später raus. Nach einem halben Jahr etwa hatte ich das Gefühl, er wäre rückfällig. Völlig aufgelöst versuchte ich bei Gott und der Welt Hilfe für ihn zu finden. Jeder sagte mir, ich müsse etwas für mich tun. Also suchte ich mir eine reale SHG. Als ich dort meine Geschichte erzählte, war eine der ersten Antworten die ich von einer anderen Angehörigen bekam: Ich versuche seit 20 Jahren meinen Alki loszuwerden. Und du suchst dir einen. Ich hielt diese Aussage damals für herzlos und Menschen verachtend. Inzwischen weiß ich, wovon sie sprach. Ich musste jedoch meine eigenen Erfahrungen machen, ihren habe ich nicht geglaubt.

    Wenn es um Alkoholabhängigkeit, Hilfe und Menschlichkeit geht, müssen wir das, was wir bisher für richtig hielten, überdenken, ja teilweise sogar vergessen. Hier sieht soziale Verantwortung anders aus.

    Für das Helfen und Lieben, da gibt es einen Satz aus der Bibel, der es sehr gut trifft: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Wir Co´s haben jedoch die Tendenz, unseren Nächsten mehr als uns zu lieben. Deshalb vergessen wir uns bei all der Helferei.

    Es ist ein Stück Weg, bis wir uns wieder gefunden haben. Ich wünsch dir Kraft und Mut dafür, denn es ist schwieriger Weg, aber ein guter.

    LG
    Ette

    So, heut hab ichs endlich getan! Heut hab ich den ganzen Rotz und Modder rausgelassen, der mich schon seit Monaten belastet. Und zwar genau dort, wo er hergekommen ist, der ganze Mist. Heute war ich in so einer Hopp- oder Top-Stimmung und es stand mir bis Oberkannte Unterlippe, dass alles rauskam nachdem ich die ersten paar Worte gesagt hatte. Nun muss ich gucken, was weiter passiert. Aber ich hab mich so doll erleichtert gefühlt, dass es schon gar nicht mehr zu beschreiben ist. Boaaa, wenn mir das einer vor fünf oder sechs Jahren gesagt hätte, dass ich SO sein kann, ich hätte ihn gefragt, wovon er nachts träumt.

    Heut bin ich zufrieden mit mir.

    LG
    Ette

    Hallo Bienchen,

    ich kann deinen Schmerz und die Enttäuschung, dass dein Partner in deiner Gegenwart nichts unternommen gut nachvollziehen. Ich konnte damals auch nicht begreifen, dass das Trinken einen höheren Stelenwert als Beziehung, Arbeit und all das, was in einer ersten Trockenphase bereits wieder halbwegs in die Reihe gebracht worden war. Ich musste irgendwann akzeptieren, dass sich Sucht mit dem Verstand nicht begreifen lässt.

    Für mich war es damals gut, dass ich einige Zeit jeglichen Kontakt unterbunden haben. Neues Handy, Mails gelöscht, ohne sie zu lesen. Und alte Mails, die noch da waren, auch. Nur so ist langsam Ruhe in mein Denken und Fühlen eingekehrt. Nicht auf Dauer, denn die Gefühle kamen immer wieder hoch. Aber doch immer lang genug, damit ich wieder ein, zwei Schritte in die richtige Richtung machen konnte.

    Ich wünsch dir Kraft, bei dir zu bleiben, weil ich denke, dann kann jeder für sich selbst gucken, was für ihn am besten ist. Und jeder hat die Möglichkeit, an seiner Genesung zu arbeiten.Vielleicht stellt ihr ja nach einiger Zeit fest, dass ihr es doch wieder versuchen wollte.

    LG
    Ette

    Hallo Ayki,

    gut, dass du es gelassen nimmst. Ich bin mir gar nicht sicher, ob dein "Noch" überhaupt bei der Scheidungsverhandlung dabei sein muss. Vielleicht reicht ja sein Rechtsanwalt.

    Was den Kindesunterhalt betrifft - hmmm..... da habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein vollstreckbarer Titel hier von Vorteil ist. Denn der Erzeuger meines, inzwischen erwachsenen, Kindes hat sich da immer ziemlich gesträubt, in der angemessenen Höhe zu zahlen. Nachdem ich einmal die Klage durchgezogen hatte, wurde dies etwas einfacher, denn er hatte begriffen, dass ich mich wehre.

    LG
    Ette

    Zitat von kaltblut


    Wenn ich dieses Coische nicht entfernen, nicht bekämpfen, nicht mal dauerhaft einer höheren Macht abgeben kann, dann bleibt nur der Widerspruch an sich: es zu lieben.

    Guten Morgen Karl,

    ja, das halte ich für eine ganz wichtige Erkenntnis. Unsere Co-Strukturen sind in uns und lassen sich nicht einfach entfernen. Wenn wir uns selbst annehmen und lieben lernen, müssen wir als Teil von uns akzeptieren. Was aber nicht heißt, dass wir sie bis an unser Lebensende leben müssen. Wenn wir achtsam mit uns umgehen, können wir auch mit unser Krankheit ein erfülltes, eigenständiges, zufriedenes Leben leben. Ohne uns von der Nähe und Akzeptanz in einer Beziehung abhängig zu machen.

    Ach - und was das Frühstück betrifft - wieso frühstückst du nicht einfach das, worauf du Appetit hast? Die Spannbreite bei mir geht da von Frischkorn-Müsli bis zum Fleischsalatbrötchen. Ich denke, es ist wie bei so Vielem im Leben - die Vielfalt macht es. Ich vertraue meinem Körper, dass er nach dem verlangt, was ihm gerade gut tut. Wobei das natürlich nur meine eigene Erfahrung ist.

    LG
    Ette

    Hallo Elfriede,

    ich freue mich immer, wenn du dich mal wieder meldest.
    Ja, es war schon langer, schwieriger Weg von den Schaf-Läusen bis zum Spanferkel, den du gegangen bist. Ich hab zwischendrin manchmal gedacht, ich hätte das Handtuch geworfen an deiner Stelle. Aber so wie es aussieht, hat das Durchhalten Sinn gemacht.

    Ich zieh meinen Hut vor dir. Und wünsche euch alles, alles Liebe und Gute. Euer Beispiel zeigt auch, dass es viele verschiedene Wege gibt, mit Abhängigkeit umzugehen. Für manchen ist das in Liebe loslassen der Weg zur Trockenheit, für manchen das gemeinsame Durchstehen. Wenn eine Partnerschaft erhalten bleiben soll, ist es aber in der Verantwortung von beiden, sich zu "bewegen", etwas zu verändern. Ihr seid ein gutes, Hoffnung gebendes Beispiel dafür.

    LG
    Ette

    Sleepless,

    ich weiß, dass es sehr schwierig ist, Alkoholabhängigkeit als Krankheit zu akzeptieren. Denn von außen sehen "unsere Alkis" ja relativ gesund aus. Na ja, ab einem bestimmten Grad der Abhängigkeit nicht mehr. Aber vorher halt schon. Wir erwarten, dass sie ein "normales" Empfinden im zwischenmenschlichen Bereich nachvollziehen und auch leben können. Der Alkohol macht jedoch die Psyche ziemlich durcheinander.

    Mir hat beim Akzeptieren sehr geholfen, dass ich die Suchtfibel gelesen habe. Dort wird die Krankheit und der Umgang damit, sehr gut beschrieben. Als ich begriffen hatte, dass "seine" Verhaltensweisen keine Bosheit gegen mich sind, konnte ich um einiges leichter loslassen. Und zwar so loslassen, dass ich ihn heute immer noch mit liebevollen Augen sehen kann. Denn ohne Alk ist er ein sehr liebevoller, fürsorglicher Mensch. Wenn ich ihn weiterhin nur aufgrund seiner "nassen" Verhaltensweisen be-, ja gar verurteilt hätte, wäre mir ein Teil MEINES Seelenfriedens verloren gegangen.

    LG
    Ette

    Zitat von billi


    Ich werde ihn aber morgen da trotzdem raus holen, weil ich von dem Laden nichts halte und man auch einen Alki nicht zum Entzug zwingen und einsprerren darf, wenn der raus will wenn er wieder nüchtern ist. Sie haben ihn komplett voll gepumpt mit Ersatzdroge auch gegen seinen Willen und so läuft das auch nicht. Er soll sich frei entscheiden, Leben oder Sterben. Das ist sein recht und er kann sich dort nicht wehren. Sorry habe ne Phobie gegen Ärzte.

    Hallo bille,

    als ich dein Posting las, fiel mir ein junger Mann ein, der mehrfach unter Alkohol- und Drogeneinfluss Suizidversuche vorgenommen hatte. Einige Male war er im letzten Moment gefunden worden und von der Polizei in die Psychiatrie eingeliefert worden. Seine Mutter hat ihn immer wieder dabei unterstützt, schnellstmöglich aus der Klinik herauszukommen. Aus der Klinik, in der er hätte fachliche Hilfe bekommen können und bis heute nicht bekommen hat. Wenn ich lange nichts von ihm höre, habe ich immer Angst, dass er es wieder einmal versucht hat und ihn niemand fand.

    Ich glaube nicht, dass wir Außenstehenden in der Lage sind, zu beurteilen, ob es angebracht ist oder nicht, den Kranken aus der Klinik zu holen. Bei allem Verständnis für deine Arztphobie, bin ich der Meinung, dass NIEMAND in einer Klinik gegen seinen Wunsch festgehalten wird. Wenn ihn die Ärzte dabehalten, dann hat dies sicherlich einen Grund. Ich an deiner Stelle hätte Angst, dass etwas Schlimmes passieren könnte, wenn dein Partner vorzeitig aus der Klinik „geholt“ wird.

    Medikamente für entzügige Patienten sind in Kliniken relativ normal. Zum einen, um die Entzugserscheinungen zu reduzieren, zum anderen, um Krämpfen vorzubeugen.

    Du willst ihn vor einem erzwungenen Entzug bewahren. Wolltest du denn nicht, dass er nicht mehr trinkt? Jeder Alkoholiker findet anders seinen Tiefpunkt. Womöglich ist seiner gerade diese Klinikeinweisung und du willst ihn dort herausholen. Sorry, aber da fehlt mir jedes Verständnis.

    LG
    Ette

    Ich stelle mir bei der ganzen Auseinandersetzung vor, dass "mein Alki" mir mein Co-Verhalten spiegeln und wütend und voller Hass über mein Kontrollverhalten, meine Selbstaufgabe und mein ihn verändern wollen, erzählen würde. Bei dieser Vorstellung fühle ich mich gar nicht gut.

    Ich habe aber das Glück, dass er mir sagt, dass er mein Verhalten nachvollziehen kann, weil ich zu diesem Zeitpunkt nicht anders konnte. Meine Krankheit, die ich zu diesem Zeitpunkt selbst noch gar nicht richtig realisiert hatte, ließen mich handeln, wie ich handelte.

    Wut kann ein Motor sein, etwas zu bewegen. Hass dagegen ist ein schlechter Ratgeber, denn er macht uns letztenendes selbst kaputt und nimmt uns die Möglichkeit für ein zufriedenes Leben. Wir können nicht gesund werden, wenn wir Kranken ihre Krankheitssymptome vorwerfen.

    LG
    Ette