Guten Morgen....
...wieder einmal ist ein kleines up date fällig, denke ich.
Immer noch lese ich öfter hier. Manchmal schreibe ich auch etwas in einem Thread. Aber vor allem ist es das Lesen, das für mich selbst angesagt ist. Immer wieder neu wird hier die Problematik einer Beziehung zu einem alkoholkranken Menschen formuliert. Für mich ist es eine wichtige Hilfe zum Hinterfragen meines eigenen Verhaltens. Ein Schlüsselsatz war gestern einer von Habibi.
Zitat von habibi
ich schaue , durch die erfahrung der alkoholischen beziehung mehr hin , wie es bei meinen "nachbarn "ist ...denn oft ist mehr "schein als sein "und vielleicht braucht jemand meine hilfe, wartet nur darauf , angesprochen zu werden ?oder sendet signale !ich meine, wer geht mit der situation "hausieren "?
Ja, als ich noch so richtig schön fest in meiner Co-Abhängigkeit verwurzelt war, habe ich auch Dinge gespürt, die keiner sagte. Dabei sind solche „Signale“ womöglich nichts anderes als mein eigenes Bedürfnis, das ich in einer Situation empfinden würde. Oder aber das Bedürfnis, mich durch helfen „Liebkind“ zu machen. Inzwischen kann ich mir solche Empfindungen ansehen und mir sagen, dass es mich nichts angeht, wie der Andere mit seinem Leben umgeht. Werde ich jedoch um Hilfe gebeten, kann ich entscheiden zu helfen. Das tue ich auch, aber nicht mehr, so wie früher, weil ICH denke, Hilfe ist erforderlich. Ich kann warten, bis ich um Hilfe gefragt werde. Kleinen Kindern helfe ich ungefragt, weil sie noch nicht selbstverantwortlich handeln können. Erwachsene Menschen aber haben vielleicht eine ganz andere Vorstellung von ihrem Leben als ich von meinem. Und Situationen, in denen ich Hilfe für erforderlich halte, können für eine andere Person durchaus noch in deren Toleranzbereich fallen. Solange ich nicht um Hilfe gebeten werde, gehe ich davon aus, dass der Andere sein Leben selbst auf die Reihe bekommt. Das ist eine der wichtigsten Tatsachen, die aus meiner Genesung von der Co-Abhängigkeit mitgenommen habe.
Und etwas anderes habe ich gestern abend vor dem Einschlafen festgestellt. Nämlich dass es immer öfter Situationen gibt, in denen ich es richtig genieße, alleine zu sein. Sicher gibt es auch immer wieder sehnsüchtige Momente, in denen ich mit jemanden leben möchte. Aber gestern war eben nicht so einer. Ich genoss einfach die Stille eines Sommerabends und freute mich, dass ich auf niemanden Rücksicht nehmen muss. Bis nachts um ein Uhr lesen, alle Fenster weit geöffnet, den Geruch nach Erde, der hereinzog. Mich auf einer Lichtinsel unter einer kuscheligen Decke in das Afrika des beginnenden letzten Jahrhunderts lesen und das Licht löschen, wann es MIR gut tut. Ich habe mich einfach gefreut, dass ich diese stillen Alleinmomente genießen konnte. Etwas, was ich früher nie und nimmer geschafft hätte.
LG
Ette