Beiträge von Ette

    Guten Morgen ihr beiden,

    ja, in „seinem Sinne handeln“, das können Co´s gut. Wenn ich dann von mir ausgehe, würde ich es mir verbitten, dass jemand so mit mir umgeht, wie ich mit ihm umgegangen bin. Ihn bevormunden, ihm sagen, wo es lang geht, alles in MEINEM Sinne regeln, ohne zu beachten, dass dies nicht unbedingt auch in SEINEM Sinne ist. Irgendwer hat geschrieben, Alkis wären zwar krank, aber weder blöd noch kleine Kinder. Allzu oft verhalten wir Co´s uns aber so.

    Maus, wenn du deinem Freund sagst, wie und wann er zum Abendbrot zu erscheinen hat, erinnert mich das sehr an die Zeit als mein Sohn klein war. Da war die Ansage: 19 Uhr, mit gewaschenen Händen..... So ähnlich empfinde ich, wenn ich lese, was du schreibst.

    Nicht den Tagesablauf nach seinem Besten gestalten, sondern nach UNSEREM Besten. Wer von euch würde sich den gefallen lassen, dass ihm jemand vorschreibt wie einem unmündigen Kind, wie er seinen Tag gestalten soll?

    Es bringt uns auch nicht weiter, wenn wir uns gegenseitig bemitleiden für all das Schlimme, was die Alkis uns antun oder angetan haben. WIR SELBST haben es doch in der Hand, uns das gefallen zu lassen oder uns aus dem System lösen. Wir wissen anscheinend genau, was für unsere trinkenden Partner das Beste ist – und für uns selber? Da suhlen wir uns allzu gerne in der Opferrolle. Wir armen Frauchen, die so einen bösen trinkenden Mann haben. Wenn der nicht trinkt und einen eigenen Willen entwickelt, was ist dann anders für uns? Dann müssen wir uns mit uns selbst beschäftigen! Vielleicht ist das ein Grund für unsere Trauer, wenn sie sich von uns trennen?

    Wir Co´s sind, weiß Gott, nicht ganz unbeteiligt daran, Schein und Trug aufzubauen und zu erhalten.

    Eine nachdenkliche Ette

    Guten Morgen secrets,

    das ist eine ganz, ganz wichtige Erkenntnis - die Tatsache zu sehen, dass die Co-Abhängigkeit schon seit Jahren besteht. Und sie wird auch noch bestehen, wenn "dein Alki" aufhört zu trinken. Deshalb ist hier der Ansatzpunkt, für dich etwas zu verändern. Frage dich, warum du dich so verhältst. Was der Vorteil hinter dem Leiden für dich ist. Denn du hast auch Vorteile daraus, ansonsten würdest du nicht bleiben, denn niemand leidet ohne Motivation dahinter. Es ist nur schwer für uns, diese zu erkennen, denn es ist ja so offensichtlich, dass alles nur vom Trinken "unseres Alkis" abhängt. Dem ist allerdings nicht so.... wir müssen für uns gucken, warum wir sind, wie wir sind. Erst dann können wir wirksam verändern. Das braucht Zeit und vorallem die Überwindung der Angst.

    LG
    Ette

    Hallo Maus,

    wahrscheinlich ist weder er noch du so weit, WIRKLICH etwas verändern zu wollen. Alles braucht seine Zeit, auch das sich lösen aus der Abhängigkeit. Wir alle drehen oftmals mehrere Runden, bis es vorwärts geht.

    Also - auf ein Neues! Wenn du willst, schaffst du es, für dich ein zufriedenes Leben zu erreichen. Wenn das dein Wille ist, kannst du ihn und auch die Hoffnung, dass er aufhört zu trinken, loslassen. Ich wünsche dir die Kraft und, vor allem, den Mut dazu.

    LG
    Ette

    Hallo Dagmar,

    ich hab in all deinen unterschiedlichen Threads gelesen und auch dort, wo du bei anderen geschrieben hast. Ich habe das Gefühl, dass du dich noch sehr in deiner Opferrolle bewegst und deshalb all die schlechten Verhaltensweisen deines Ex oder Noch aufzählst. Die Einzige jedoch, die für deine Opferrolle verantwortlich ist, das bist du selbst. Niemand hat dich gezwungen, bei einem Alki auszuhalten. Dieser ist krank und wenn du ihm seine nassen Verhaltensweisen zum Vorwurf machst, ist das für mich ungefähr so, als wenn du einem an Masern erkrankten Kind seine roten Flecken vorwirfst. Ohne die Akzeptanz seiner Krankheit wirst du den Groll nicht loslassen können und deine Energie in sinnlosem Aufzählen all seiner „Schandtaten“ binden.

    Ich denke aber, dass sich dein Groll auch zum Teil gegen dich selbst richtet, du dir dafür aber einfach ihn als Ventil aussuchst. Schließlich kannst du dir nicht selbst vorwerfen, dass du nicht genug geliebt hast, um ihn von der Flasche wegzubekommen. Auch der Vorwurf, dass du dir zu viel hast gefallen lassen, wird bei dir selbst nicht wirklich ankommen. Also – immer munter drauf auf den Alki, der hat ja schließlich mit seiner Sauferei alles den Bach hinunter gejagt....

    LG
    Ette

    Hallo Ayki,

    stimmt, Kinder sind immer verquer, wenn sie von ihrem Besuch beim anderen Elternteil kommen. Als mein Sohn klein war und bei seinen Vater besuchte, kam er jedes Mal ganz verdreht wieder. Da er meist längere Zeit weg war (2 Wochen), habe ich mich immer tierisch gefreut, wenn er wiederkam. Aber nach zwei Stunden zu hause hätte ich ihn am liebsten postwendend wieder zurückgeschickt. Es hat sich meist erst nach einigen Tagen wieder reguliert.

    Ich denke, dass dies eine relativ normale Verhaltensweise ist, zumal die nicht erziehenden Elternteile schließlich über manches hinwegsehen, was unsereins im Alltag nicht durchgehen lassen kann.

    Trag es einfach mit Fassung. Irgendwann sind die Kiddies schlau genug, zu sehen, dass es nicht unbedingt toll ist, immer machen zu können, was sie wollen.

    LG
    Ette

    Guten Morgen MUC,

    willkommen hier im Forum. Gut, dass du dich auf den Weg gemacht hast, das Sucht-System aufzubrechen.

    Mich hat es ziemlich sprachlos gemacht, dass du schon so lange ausgehalten hast und nun deinen Kindern Ähnliches zumutest. Der Ansatz, ihnen die Mutter nicht nehmen zu wollen, ist zwar lobenswert, in Anbetracht ihrer Sucht jedoch in meinen Augen nicht der richtige. Stell dir vor, was das Zusammenleben mit einer Mutter, die so junge Kinder nicht richtig versorgen kann aufgrund ihrer Trinkerei in den kleinen Seelen hinterlässt. Dies wird vielleicht weitaus schwerwiegender sein als die Tatsache, dass sie erst einmal von ihr getrennt sein werden. Wenn du hier bei den erwachsen Kindern alkoholkranker Eltern liest, wirst du sicherlich einen Eindruck davon bekommen, was mit deinen Kindern passiert, wenn sie in dieser Familienkonstellation bleiben.

    Die Ratschläge, die du bekommen hast von wegen Beweise sammeln, Jugendamt einschalten, halte ich für realistisch. Allerdings sind sie nicht nach der allgemein populären Meinung, die da lautet, Kinder gehören zur Mutter. Können sie auch gar nicht, denn eine Mutter, die aufgrund ihrer Sucht nicht in der Lage ist, ihre Kinder verantwortungsvoll zu versorgen und zu erziehen, halte ich persönlich eher gefährlich für Kinder als hilfreich.

    Ich denke, du hast nicht nur für dich die Verantwortung, dich aus dieser Beziehung soweit zurück zu ziehen, dass ihr als Paar gesund werden könnt. Du hast auch noch die Verantwortung für die Kinder, die sich nicht wehren und aus der Familie lösen können. Diese Verantwortung kannst du mit deiner Frau nicht teilen, weil diese krank ist. Nach meiner Meinung sollte nicht das Bemühen im Vordergrund stehen, den Kindern nicht die Mutter zu nehmen, sondern ihnen eine halbwegs gesundes Aufwachsen zu ermöglichen.

    Es ist aber nur mein ureigenstes Empfinden, wenn ich lese, was du schreibst. Es ist ganz alleine deine Entscheidung, wie du weiter leben möchtest und deine Kinder leben lassen willst. Wobei ich nachvollziehen kann, dass es Angst macht, etwas zu verändern, denn es würde eine Menge Aufwand und Unannehmlichkeiten bedeuten, alleine mit den Kindern klarkommen zu müssen. Vielleicht ist diese Angst vor der Ungewissheit auch der Gedanke hinter deiner Aussage „ich will ihnen nicht die Mutter nehmen“.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Karotte,

    wenn ich so manche Dinge bei dir lese, fühle ich mich sehr an meine heftigste Co-Zeit erinnert. Mein Ex ist auch einer von der Sorte „Rühr mich nicht an“, weil er wohl in früheren Zeiten zuviel Betütteln und Nähe abbekommen hat. Und ich hatte immer den Ansatz, ihn davon zu überzeugen, dass meine Art, Beziehung zu leben, die richtige ist. Das ist es vielleicht auch, aber nur für MICH. Für ihn ist es zu nah, zu beklemmend, zu einengend. Ich hoffte und hoffte, dass er irgendwann so sein würde, wie ich ihn am liebsten hätte. Es hat lange gedauert, bis ich ihn so lassen konnte, wie er ist, ihn so akzeptiert habe. Mit SEINER Art, mit Beziehung und Nähe umzugehen. Ich kann ihn nicht verändern.

    Stell dir vor, er würde von dir verlangen, dass du dich so veränderst, dass du nicht mehr du bist, sondern so, wie er dich haben will. Wahrscheinlich würdest du dich genauso sträuben wie er.

    Guck mal in deiner Kindheit, ob du vielleicht irgend welche Parallelen findest, wo du dich bemühen musstest um Zuneigung und Nähe. Bestimmt hast du ähnliche Situationen schon erlebt und lebst sie nun wieder, weil du sie kennst.

    Was du über euer Miteinander schreibst, liest sich für mich eher nach Freundschaft oder einer Art Mutter-Sohn-Beziehung. Kälte seinerseits will ich es noch nicht einmal nennen, eher Unvermögen. Jeder kann nur soviel geben, wie er dazu in der Lage ist. Es ist deine Entscheidung, in dieser Beziehung bleiben zu wollen, jedoch meine ich, dass du genau hinschauen solltest, warum du darin verharrst. Bei mir war es Angst davor, alleine zu sein. Lieber nur ein bisschen Beziehung als gar keine. VIELLEICHT ändert er sich ja irgendwann und ist dann so, wie ich ihn mir wünsche und gibt mir das, was ich brauche. Falscher Ansatz, weiß ich inzwischen. Ich weiß auch, dass ich alleine nicht untergehe, nicht sterbe, also alleine leben und bestehen kann. Sehr gut sogar und sehr befreit und autonom. Somit kann ich ihn lassen, wie er ist und seine guten Seiten annehmen ohne immer mehr und mehr zu fordern und dort, wo er anders ist als ich, dies als positiven Gegensatz zu sehen. Das hat uns beiden ein harmonisches, freundschaftliches Miteinander beschert, in dem wir nur das zusammen machen, was uns gut tut. Und ich muss nicht mehr ständig in einer Beziehung das suchen, was mir alleine scheinbar fehlte, denn inzwischen habe ich gelernt, mir alleine etwas wert zu sein. Ich glaube zudem, dass es für einen Partner auch nicht gerade das Gelbe vom Ei ist, wenn er ständig gedrängt wird, etwas zu geben oder zu tun, was ihm gegen den Strich geht.

    LG
    Ette

    Moin, Lütze,

    ich freu mich immer, dich zu lesen. Ich finde es toll, wie du deinen Weg gehst und auch deine Empfindungen hier formulierst. Ich weiß nicht, ob es Sinn machen würde, deine Frau zu fragen, wie sie für dich fühlt, da ich mir vorstellen kann, dass sie es selbst nicht so genau weiß. Bei mir damals war es so, dass ich den Trinker nicht wollte, den Nüchternen jedoch liebte. Sein Therapeut sagt mir damals, dass er aber eben beide ist und ich den einen nicht ohne den anderen bekommen kann. Es war für mich selbst ein hartes Stück Arbeit, mich in einen Gefühlszustand zu bekommen, dass ich seine Krankheit ohne Vorwurf akzeptieren konnte. Meine Gefühle für ihn sind jedoch immer da gewesen. Allerdings brauchte ich den Abstand, um wieder ein eigenes Leben zu entwickeln, in dem ich ihn aber immer noch gerne um mich habe.

    Ich habe mich dann einfach an den Situationen gefreut, ohne allzu viel zu hinterfragen. Nicht, was daraus wird, war wichtig, sondern das, was in diesem Moment war. Und ich habe mir angewöhnt, nicht ständig an ihn zu denken, was er wohl macht, ob er trinkt oder nicht. Es hat eine Zeit gedauert, dass ich nicht mehr misstrauisch war ihm gegenüber. Vielleicht geht es ihr genauso. Sie muss erst eine längere Zeit erleben, dass du trocken bist.

    Ich wünsche dir einen guten Wochenanfang.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Kim,

    es tut mir leid, was mit deinem Hund passiert ist. Ich kann mir vorstellen, dass das ein ganz schöner Schock ist. Auch dass du dich dann deinem Ex wieder näher gefühlt hast, kann ich nachempfinden. Schließlich sind im Laufe der Zeit Gemeinsamkeiten entstanden, die dann nicht auf einmal weg sind. Mir geht es heute noch so, dass ich „ihn“ anrufe, wenn es irgendwie brennt, weil ich weiß, dass er für mich da ist, wenn es erforderlich ist. Wobei er inzwischen mehr als zwei Jahre trocken ist, wir jedoch, wie bereits an anderer Stelle erwähnt, nicht mehr als Paar zusammen sind.

    Dass es immer wieder kribbelt im Bauch, wenn du ihn siehst, kann ich gut nachvollziehen. Mir geht es immer wieder so, musste jedoch akzeptieren, dass wir zwei nicht unbedingt auf Dauer zusammen können. Unsere Abhängigkeiten haben sich wohl gegenseitig bedingt. Deshalb ist der Abstand für uns beide notwendig.

    Lass noch ein wenig Zeit ins Land gehen. Wenn er irgendwann wirklich trocken werden und sein will, muss ja nicht alles vorbei sein. Es kann sich etwas Neues entwickeln. Für mich war es dabei ganz wichtig, mich nicht gleich in eine neue Beziehung zu stürzen. Ich hatte natürlich solche Anwandlungen, hatte aber dabei immer das Gefühl, dass im Großen und Ganzen ihm keiner das Wasser reichen kann, solange er trocken ist. Dann ist er so, wie ich mir den Menschen vorstelle, mit dem ich alt werden möchte. Also lebe ich seit einer ganzen Weile allein und fühle mich recht wohl dabei. Nichtsdestotrotz habe ich aber immer noch Gefühle für ihn. Es ist aber inzwischen ein angenehmes Gefühl der Verbundenheit, da ich mich auf ihn verlassen kann, was früher nicht immer der Fall war. Es ist nicht mehr diese „Liebe“, in der ich mich verloren hattee, dass von mir selbst kaum mehr etwas übrig blieb.

    Ich wünsche dir gute Besserung und dass du bald wieder deinen Arm gebrauchen kannst.

    LG
    Ette

    Hallo,

    Zitat von speedy53


    Co-Abhängigkeit bedeutet für mich, immer um den Partner rumzuwuseln, ihm Dinge abzunehmen, die eigentlich er machen müsste, ihn zu kontrollieren und für ihn zu lügen.

    Heisst, meine Gedanken und mein ganzes Handeln gilt nur dem Partner und ich vergesse mich dabei.


    Das, was speedy hier schreibt, trifft auf ganz, ganz viele Menschen, vorwiegend Frauen, zu. Guckt euch in euerer Umgebung um und ihr werdet jede Menge Co-Strukturen finden. Sie werden nur nicht Co-Abhängigkeit genannt, weil kein Alkoholiker involviert ist. Trotzdem sind die Verhaltensweisen die gleichen. Das Helfen und die Kontrolle über das Verhalten der Mitmenschen wird zum Zweck für den eigenen Wert gebraucht. Helfende Berufe, Mütter, die ihre Kinder bis ins Erwachsenenalter wie Kinder behandeln, im Beruf diejenigen, die immer alles organisieren und wissen, wo es langgeht und Menschen, die auf Plattformen wie dieser für alle einen guten Rat und einen schlauen Tipp haben.

    Jenny, dein Thread müsste eigentlich „Co-Abhängigkeit und ihre Vorläufer“ heißen, damit er in meinen Augen hilfreich sein könnte, denn die Strukturen sind in der Regel schon lange vor einem involvierten Alki da und auch noch lange danach. Du schreibst zwar oft, dass du in deiner Familie loslässt, hier jedoch habe ich das Empfinden, dass du dein Co-Sein auslebst unter dem Fähnchen „Erfahrungen weitergeben“. Wie hat sich denn dein Leben verändert in der Zeit deiner Genesung? Wo sind deine Prioritäten außerhalb dieses Forums? Was machst du, wenn du hier nicht schreibst? Wo findest du Zufriedenheit, die nichts mit dem hier zu tun hat?

    Ich hatte hier eine Weile nicht gelesen. Wenn ich dann wieder hier reingucke, aus ein wenig mehr Abstand, fallen mir Dinge ins Auge, die ich, näher dran, nicht so wahrnehme. Manchmal ist es gut, zwei, drei Schritte wegzugehen, um wieder klarer zu sehen.

    LG
    Ette

    Hallo Urmel,

    willkommen hier im Forum. Du schreibst, dass du Angst davor hast, in die Co-Abhängigkeit zu rutschen. Ich glaube, du ist schon mittendrin, denn warum würdest du sonst, nach so kurzer Zeit, sein Problem zu deinem machen und dir den Kopf darüber zerbrechen, ob er aufhört mit dem Trinken oder nicht? Das ist ganz alleine seine Entscheidung. Du kannst nur entscheiden, ob du dich damit reinziehen lässt oder nicht. Ich kann verstehen, dass du dich engagierst. Schließlich kann ich mich noch allzu gut an meinen ersten Besuch einer Angehörigengruppe erinnern, bei der mir eine Frau sagte, warum ich mich so anstrengen würde, mit meinem Alki klarzukommen. Sie würde sein 10 Jahren versuchen ihren loszuwerden. Damals hielt ich das für sehr kaltschnäuzig und herzlos. Inzwischen weiß ich, was sie meinte. Unsere Anstrengungen sind vergeblich. Wer trinkt, muss selber davon loswollen und ich habe gelernt, dass ich dabei nichts, aber auch garnichts, drehen und machen kann. Ich kann nur zusehen, dass ich für MICH klarkomme und dazu brauchte ich den Abstand von "ihm".

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    eine Woche purer Genuss liegt hinter mir. Salz auf den Lippen, Wind in den Haaren, Weite, Helligkeit und zwei Farben Blau hinter einem strahlenden Weiß. Möwengeschrei und Kiefernduft, Wiesen, gelb von Löwenzahn und staksige Fohlen, die sich nah an ihren Müttern halten. Süß duftende Rapsfelder, die sich bis zum Horitzont erstrecken. Sonne, die orangerot im Meer versinkt und einen violett leuchtenden Himmel hinterlässt, der sich im Wasser spiegelt, das blinkende Diamantsplitter zu enthalten scheint. Bunte Drachen, die im Azur Schleifen und Schwünge vollführen wie in einem lautlosen Ballett. Seele, die mit den Schmetterlingen in der lauen Luft gaukelt und Augen, die sich in der Unendlichkeit ausruhen. Träges Dösen in der Sonne an einem windgeschützten Plätzchen in den Dünen, wo nur das leise Rauschen des Windes und das Gezwitscher der Vögel zu hören ist und mein Atem, der im Einklang mit der Ruhe fließt. Morgens früh vor die Tür treten, wenn der Tau noch funkelnd die Gräser überzieht. Sonnenstrahlen und Vogelsingen sind an die Stelle des unbarmherzigen Weckergeklingels getreten und machen das Aufstehen zum Genuss und natürlich der Kaffeeduft, der schon durchs Haus zieht.....

    Bali, Karibik, Seychellen? Never! Nordsee.....

    LG
    Ette

    Zitat von Mistmaus


    Es wäre schön auch mal eine Geschichte zu lesen, die gut verläuft. Es würde einfach Mut machen.
    Maus

    Maus, hier gibt es ein ganzes Teil Geschichten, die gut ausgehen. Vielleicht nicht so, wie sich "Klein-Co-linchen" das vorstellt. Aber ich habe hier schon einige gute Wege gelesen, die von den Schreiberinnen und Schreibern gegangen wurden.

    Ginster, auch von mir ein herzliches Willkommen hier. Ich wünsche dir, dass deine Geschichte so weitergeht, dass sie dir gut tut.

    LG
    Ette

    Na Kalli, dann ist er nun also da gewesen, der große Tag des Auswanderns. Herzlichen Glückwunsch!

    Du schreibst vom Lernen, von den klitzekleinen Schritten – ja, wir Co´s sind gut im Lernen. Wir lernen sogar, Entscheidungen, die wir letztendlich nur mittelbar getroffen haben, als unsere ureigensten anzuerkennen. Wie du schon ganz richtig schreibst, flitschen wir uns immer wieder weg von uns, weil das Gummiband nicht nur gut hält sondern auch gängelt. Und dann flitschen wir genauso wieder zurück, wie der Andere zu uns flitscht.... Aber irgendwann leiert jedes Gummiband mal aus – es ist nur eine Frage der Zeit.

    Fröhliches Flitschen wünsch ich dir

    Ette

    Hallo Margitta,

    du schreibst, dass aus deiner Ehe eine Versorgungsehe geworden ist. Nun, wenn dir das Versorgtsein wichtiger ist als ein zufriedenes Leben, dann ist das DEINE Entscheidung. Ob dein Mann trinkt oder nicht, spielt dabei im Grunde keine Rolle. Du hast dich dafür entschieden, in einer Beziehung zu bleiben, in der letztendlich der Hauptgrund für die Aufrechterhaltung die Versorgung ist. Jeder hat nun mal seine eigenen Gründe in einer Beziehung zu verharren.

    Vielleicht wäre es ganz gut, wenn du einen eigenen Thread eröffnest, da dies der von fish ist.

    LG
    Ette

    Hallo Ihrs,

    ich bin mir nicht sicher, ob ich als Co auch etwas zur Individualität der Sucht sagen darf. Ich tu´s jetzt einfach mal. Also ich meine, Sucht ist Sucht. Aber der Weg hinein ist so individuell, wie die einzelnen Menschen sind. Und ebenso muss auch jeder seinen individuellen Weg finden, wie er heraus kommt und trocken leben kann. Bzw. auf mich bezogen, wie ich ohne eine abhängige Beziehung klarkomme. Wie ich wurde, wie ich bin, habe ich mir immer wieder angesehen und aufgrund der Erkenntnisse versucht, meinen Weg zu finden, um in die Lage zu kommen, un-abhängige Beziehungen einzugehen zu können..

    Abhängigkeit, wenn sie sich erst einmal manifestiert hat, ist jedoch meines Erachtens nicht individuell.

    LG
    Ette

    Moin Lütze,

    als du letztens schriebst, dass dein Therapeut meinte, deine Frau wäre mit ein Grund, dass du getrunken hast, erinnerte ich mich, dass es bei uns ähnlich war. „Sein“ Therapeut hat ihn immer wieder in diese Richtung geschubst und es hat mich tierisch angenervt. Ich hatte bei verschiedenen Gelegenheiten Kontakt mit dem und er läuft mir auch jetzt noch öfter durch meine Arbeit in der Selbsthilfe über den Weg. Ich fühle mich in seiner Nähe unwohl, obwohl ich zwischenzeitlich nachvollziehen kann, was er meinte. Aber damals hätte ich mir von ihm mehr Unterstützung gewünscht, meine Rolle im System zu erkennen. Aber er war ja nun mal der Therapeut meines Ex. Ich musste also selbst sehen, dass ich Hilfe und Erkenntnisse fand.

    Aber er hatte recht. Es gab zwischen uns Dinge, Verhaltensweisen und Interaktionen, die wir beide nicht sehen wollten. Inzwischen grenzen wir uns voneinander viel besser ab, auch wenn wir viel zusammen unternehmen. Und ich habe gelernt, dass ich ihn machen lassen muss. Egal, ob es mir gefällt und ich es richtig finde, was er tut oder nicht. Es ist sein Ding. Wenn es mich selber betrifft, muss ich für mich entscheiden, ob ich Grenzen ziehe oder nicht. Genauso ist es für ihn. Und auch für dich wird es Teil deiner Trockenheitsarbeit sein, für dich und deine Zufriedenheit zu sorgen, egal, ob deine Frau so agiert, wie du es dir wünschst oder nicht. Je mehr Eigenständigkeit und eigenes Leben ihr euch aneignet, desto besser werdet ihr miteinander auskommen, vermute ich. Allerdings ist es eben eine Entwicklung, die beide nehmen müssen. Wenn nur du dich weiterentwickelst, wird es womöglich irgendwann ganz vorbei sein.

    Was tut deine Frau für sich? Und wie kommt sie mit ihrem Leben zurecht aus dem sie dich, nachvollziehbar, ausgeschlossen hat? Es reicht nicht, wenn sie sich von dir trennt, denn dann hat sie nur ein Symptom, nicht aber die Ursache ihrer Co-Abhängigkeit aus ihrem Leben verbannt. So, wie es für dich nicht ausreicht, nur nichts mehr zu trinken, wie du ja in den letzten Monaten festgestellt hast.

    Ich freue mich immer, wenn ich dich lese, auch wenn es dir nicht immer gut geht. Ich habe das Empfinden, dass du auf einem guten Weg bist, auch wenn er dir manchmal steinig und unwegsam erscheint. Es kommen auch wieder andere Zeiten, wenn du durchhältst – versprochen.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    euere Diskussion über die Zufriedenheit finde ich spannend. Dieses Posting, von dem ich nun nicht so genau weiß, von wem es ist, finde ich dabei ganz wichtig:

    Zitat von Elocin

    Liebe Feelfree, Du hattest nach Zufriedenheit gefragt und wenn es eine Stunde ist. Für mich hat Zufriedenheit meist damit zu tun mich in einem bestimmten eitabschnitt total auf das einzulassen was ich für meine Zufriedenheit tue. Gestern war das eine Hundeausführung für ne Freundin. Der Hund is zwar ein kleiner Zickerich was andere Hunde angeht...Aber es war wunderbar. Es hat leicht geniesselt. War im Wald. Hab die Tropfen auf den Bläätern gespürt und gehört. Der Geruch wenn es regent auf die trockne Walderde. Das gurggeln des Baches. Das zwitschern der Vögel. Der vertrauensseelige Hund - ganz schmusebedürftig und Freude üder jedes Lob...Wecke alle deine Sinne und nimm das auf was schön ist. Das geht auch beim Eisbecher im Kaffe...oder bei anderen Gelegenheiten.

    Hallo an Alle, was macht Euch Zufrieden und vielleicht auch Glücklich?

    Karotte

    Zufriedenheit ist für mich eine ausgesprochen sinnliche Angelegenheit. Und zwar aller Sinne. Sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen und all diese Sinneseindrücke auch wahrnehmen. Viel zu oft sind wir ja vor lauter Stress und Problemen gar nicht mehr in der Lage, uns an den kleinen Dingen zu freuen. Und natürlich auch aus dem Bestreben heraus, etwas ganz Tolles, Vorzeigbares als Grund unserer Zufriedenheit zu haben.

    Oft jedoch, und da hat vergissmeinnicht recht, findet eine Art Wettbewerb statt um uns herum. Da wird Zufriedenheit mit Konsum gleichgesetzt. Ich kann auch in einem Kostüm von Chic und Adrett zufrieden zur Arbeit stöckeln, das vielleicht 60 € gekostet hat, während andere unbedingt eines für 600 € benötigen, um sich gut angezogen zu fühlen. Möglichst noch mit dem Label irgendwo gut sichtbar angebracht, damit auch jeder sehen kann, was „man“ sich so leisten kann. Dabei müsste doch dann eigentlich eine monatliche Summe aufs Konto kommen, wenn man Reklame läuft. Aber nein, da wird viel Geld ausgegeben, um zu zeigen, dass man erfolgreich ist und viel Geld verdient. Und was passiert, wenn, aus irgendwelchen Gründen, Erfolg und Geld ausbleiben? Wo bleibt dann die Zufriedenheit?

    Urlaub dient nicht mehr vorrangig der Erholung sondern ist zu einer Art Statussymbol mutiert. Je weiter, je besser. Denn schließlich ist es viel toller, von einem Karibikurlaub zu erzählen als davon, dass man sich auf „Balkonien“ in zwei Wochen herrlich erholt und zufrieden die Ruhe genossen hat.

    Spedi hat recht. Wir alle sind Teil dieser immer narzisstisch werdenderen Gesellschaft und wenn uns dies stört in unserer Zufriedenheit, ist es unsere Entscheidung, uns aus diesem Konsum-und-immer-mehr-und-nie-genug-Karussell auszuklinken. Sich zurück zu besinnen darauf, was uns gut tut, ohne dass es Geld kostet und immer größer, immer neuer sein muss. Mein Arbeitskollege hat mich gestern angefrotzelt ob meines nicht mehr ganz aktuellen Handys. Als ich ihn fragte, was er denn mit seinem supermodernen Teil außer telefonieren sonst noch anfangen würde, blieb er mir jedoch die Antwort schuldig. Statussymbol halt..... wenn’s ihn zufrieden macht! Aber der ist auch zwanzig Jahre jünger als ich und wird noch lernen, dass Zufriedenheit nicht mit immer neuen Dingen zu erwerben ist, denn die wichtigsten Dinge sind nun mal keine Dinge.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    mir ist dieser Tage wieder einmal sehr bewusst geworden, dass ich weniger Mitteilungsbedürfnis habe, wenn ich einfach so vor mich hinlebe und zufrieden meine mehr oder weniger kleinen Kreise ziehe. Nur im Büro wird mir dabei öfter mal ein Stein in den Weg gelegt und ich muss mich an die Kandarre nehmen, um meine Zufriedenheit zu behalten.

    Über mich selbst sagt mir dann die Unzufriedenheit auch etwas. Wenn ich wieder einmal etwas bewegen will, was nicht in meinen Händen liegt oder mir etwas gegen den Strich geht, weil es nicht so klappt, wie ich mir das vorstelle. Dann muss ich mir wieder den Gelassenheitsspruch ins Gedächtnis rufen. Ich kann und muss nicht alles bewegen und ich darf mir auch gestatten, manche Dinge einfach nicht zu können.

    Jetzt kommen aber erst einmal einige Tage, in denen ich mich nur mit dem beschäftigen kann, was mir gut tut und was ich tun will. Urlaub nämlich und ich hoffe, dass der ansatzweise vorhandene Frühling sich in den nächsten Tagen nicht wieder verflüchtigt. Im Sonnenschein ist so ein Strandsparziergang schließlich viel schöner als im Regen.

    Nun aber auf in den Endspurt – letzter Arbeitstag bis nach Pfingsten!

    LG
    Ette

    Hallo Elo,

    also ich glaube, dass Co-Abhängigkeit noch sehr viel subtiler wirkt als eine stoffliche Abhängigkeit. Unsere Veranlagung dazu setzt sich, jedenfalls hab ich das bei mir gelernt, aus mehreren Komponenten zusammen. Perfektionismus, die Suche nach Anerkennung, Sozialisation zur „Für- und Versorgerin“ der Familie, das „Brave-Mädchen-Syndrom, die Erziehung, die uns Egoismus und einen eigen Willen abgesprochen hat und uns zu der Überzeugung brachte, dass wir nur gut und geliebt sind, wenn wir unsere eigenen Bedürfnissen nach ganz weit hinten stellen. Suchtgedächtnis würde ich es nicht nennen wollen. Anerzogene und angenommene Verhaltensstrukturen sind meines Erachtens am meisten dafür verantwortlich, dass wir co- oder beziehungsabhängig leben. Verhaltensstrukturen können umgelernt werden. Wir können uns also selber zu selbstbewussten Menschen umerziehen und lernen, uns zu lieben mitsamt unseren kleineren oder größeren Defiziten. Was es hier jedoch sehr schwer macht ist, dass unser Verhalten sich in Jahrzehnten entwickelt und manifestiert hat. Aus diesem Grund ist es sehr schwierig, es zu verändern. Es erfordert sehr viel Konsequenz und „Kopfarbeit“, sich aus alten Verhaltensmustern herauszuarbeiten. Zudem ist es nicht gerade bequem, weil wir uns dazu verändern müssen. Deshalb wohl auch immer wieder Rückfälle in altes Verhalten. Veränderung ist nur selten bequem und einfach zu bewerkstelligen. Wie ein Reflex tauchen dann die alten Strukturen wieder auf. Mir geht es vor allem dann so, wenn ich sowieso einen schlechten Tag habe und nicht so viel Energie aufbringen kann, bewusst mein Verhalten zu betrachten.

    Bestimmt macht das dann nach außen auch den Anschein einer Art Suchtgedächtnis. Ich denke aber, dass es anders funktioniert als eine stoffliche Abhängigkeit, die wirkliche Veränderungen der Rezeptoren im Gehirn verursacht. Co- oder Beziehungsabhängigkeit findet, meine ich, eher auf einer emotionalen Ebene statt und nicht wie eine stoffliche Abhängigkeit in der körperlichen Chemie.

    LG
    Ette