Guten Morgen,
die Gluckenmutterei geht mir schon seit Tagen durch den Kopf. Ich glaube nämlich, dass es da so ähnlich ist wie mit dem Verhalten einem Alki gegenüber. Es gibt, wenn ich mich so umschaue, eine Menge Gluckenmütter. Ich glaube, da gibt es einen Faktor, der wiederum so ähnlich ist wie in der Co-Abhängigkeit. Ein sinnfreies Leben, wenn ich mich nicht auf die Kinder konzentriere. Sie werden anstelle eines eigenen Lebens in den Mittelpunkt gestellt, damit „frau“ etwas wert ist, sie werden benutzt, damit das Mutterleben einen Sinn hat und die Leere ausgefüllt ist.
Zitat von Karotte
Ich kann aus den Erfahrungen herraus die ich so in meinem Umfeld gesammelt habe: JA. Aber nicht nur Co´s auch andere Frauen, speziell welche die sich eigentlich mit sich selber mehr beschäftigen sollten kümmern sich zu sehr um das Kind. Man kann ja viel auf so ein kleines Persönchen projizieren...etc.
Grüße Karotte
Richtig, Karotte! Und wenn wir uns darauf einigen, dass wir Co-Abhängigkeit Beziehungsabhängigkeit nennen, wie es auch oft in der Fachliteratur getan wird, dann verschwimmen nämlich die Grenzen. Es sind nicht nur die Menschen, vor allem natürlich Frauen, die mit Alkis leben, die unter dieser Störung leiden. Nur wird es da noch weniger wahrgenommen als dann, wenn man mit einem Alki lebt. Aber die Strukturen sind die gleichen.
Glucken heißt ja auch, dass ich etwas zu tun habe, nämlich mich um mein Kind zu kümmern, dann muss ich den Fokus nicht auf mich selber richten. Das ist im Kleinkindalter sicherlich angebracht, aber je älter ein Kind wird, desto mehr wird es zum Käfig für einen jungen Menschen. Außerdem heißt glucken ja auch, dass ich die Kontrolle habe. Kontrolle darüber, was passiert, weil ich ja den Ton angebe. Es heißt, wenn Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln und wenn sie älter werden, gib ihnen Flügel. Aber wenn die Mütter ihren Kindern Flügel geben, flattern sie davon und Muttern hat keinen Lebensinhalt mehr und weiß nicht, was passiert. Da ist es schon sicherer, Kinder an sich zu binden. Mit Dienstleistungen, mit Manipulationen (...ich kann nicht einschlafen, bevor du zuhause bist...) und nicht zuletzt auch, so es möglich ist, mit finanzieller Unterstützung.
Am letzten Wochenende ist mir aufgefallen, dass auch diese Strukturen immer wieder hochkommen. Ich habe meinen Sohn besucht. Wie er sich teilweise anzieht und vor die Tür geht, finde ich unmöglich. Aber ich habe hinuntergeschluckt, was ich dazu sagen wollte. Er ist erwachsen und muss sich für sein Auftreten selbst verantworten. Er trank abends ein Bier nach dem anderen. Er weiß, wie ich über Alkohol denke, also sagte ich nichts mehr dazu. Er muss selber den Weg finden, wie er mit dem Zeug umgeht. Ich habe aber eben festgestellt, wie ich „machen“ wollte, beeinflussen, kontrollieren, was er tut.
Unsere Co-Strukturen sitzen tief und sie machen nicht davor Halt, unseren Umgang mit unseren Kindern zu prägen. Von daher sehe ich Parallelen. Für mich habe ich festgestellt, dass sich der Umgang mit meinem Sohn verändert hat, je mehr ich mich mit mir selbst auseinandersetze, je mehr ich mir ein eigenes Leben erarbeitet habe.
LG
Ette