Beiträge von Ette

    Guten Morgen allerseits!

    Genuss – Freitagnachmittage sind ein Genuss! Der Schreibtisch aufgeräumt, PC herunter gefahren und raus in die gestern erstaunlich milde Januarluft. Ein ganzes Wochenende liegt vor mir. Zeit für mich, für Menschen, die ich mag. Für Musestunden oder Arbeit, die erledigt sein will, aber auch nicht wegläuft, wenn ich sie nicht gleich tue. Zeit, die ich ganz nach Gutdünken verbringen, verplanen oder vertändeln kann. Nach meinen eigenen Bedürfnissen strukturieren oder auch nicht. Ein Genuss, nach einer Arbeitswoche, in denen der „Terminator“ und „Graf Zahl“ das Regiment führen.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Sternderl,

    ja, die Situation ist verfahren, ich kenne das. Oft waren die Tränen mein Ventil, um mit allem klarzukommen. Hin- und hergerissen war ich, weil ich ihn gern hatte und auch noch habe, und weil ich andererseits so nicht mehr leben wollte. Ich konnte mir ganz schlecht vorstellen, wie es ohne ihn gehen sollte. Nicht wirtschaftlich, aber emotional. Keiner abends da, der sich mit mir über den Tag unterhält, der sich mit mir freut. Aber auch Keiner da, der mich nach anstrengenden Tagen in Therapiegespräche verwickelt. Gespräche, in denen ich mir das selbstmitleidige Gerede eines „Nassen“ anhören musste und in meinem Willen, dass alles gut werden sollte, stundenlang versuchte, ihn aufzubauen. Versuchte, ihm Suizidgedanken auszureden, ihm Lebensmut zu geben, ihn auf seine positiven Seiten hinwies, die er selbst für sich scheinbar nicht mehr wahrnahm. Das Alles, weil ich Angst davor hatte, den Schritt zu gehen, der mich von seiner Krankheit wegbringen konnte.

    Dann hab ich angefangen, mir zu überlegen, was alles zu verändern wäre. Viele Dinge waren es, wie mir schien. Ein unüberwindbarer Berg. Aber in kleinen Häppchen habe ich ihn gemeistert. Und heute bin ich über diesen Berg, fühle mich wohl. Nicht jeden Tag gleich, aber ich denke, das ist normal. Niemand ist jeden Tag gut drauf und zuversichtlich. Ich kann die schwere Zeit ohne Groll sehen, denn ich weiß, er hat nur so gehandelt, wie er zu diesem Zeitpunkt konnte. Ich habe mich all die Zeit viel um mich gekümmert. Und ich habe gelernt, ihn mit seinen Ecken und Kanten zu akzeptieren, versuche nicht mehr, ihn zu verbiegen, damit er so ist, wie ich ihn gesehen habe. Ich lasse ihn, wie er ist. Er ist nun über zwei Jahre trocken, wir verstehen uns gut, sind allerdings kein Paar mehr.

    Vielleicht hilft es dir, zu überlegen, was du alles verändern müsstest, vielleicht eine Liste zu machen. Oftmals sind die Veränderungen nur so schlimm, weil wir uns nur das Schlimmste ausmalen. Schritt für Schritt gegangen, ist der Weg jedoch machbar. Gestern zum Beispiel, ging mir abends durch den Kopf, dass ich zufrieden bin. Ohne Reichtümer, ohne dicke Urlaubsreisen, aber mit dem Gefühl, mein Leben zu meistern. Dinge zu tun, die mir gut tun und die zu lassen, bei denen ich ein schlechtes Gefühl habe. Wenn es mir nicht so gut geht, mache ich es wie die AA´s. Versuche über die nächsten 24 Stunden zu kommen, weil ich weiß, dass auch wieder andere Tage kommen.

    Dein Weg hat angefangen. Die Tatsache, dass du dich im täglichen Zusammenleben distanzierst und ihn nicht mehr auf sein Trinken ansprichst, ist ein guter Anfang. Vielleicht reicht es schon aus, dass er über sich und seine Krankheit nachdenkt. Vielleicht aber musst du weitere Maßnahmen ergreifen. Mir hat es mein Leben lang geholfen, wenn ich mir vorgestellt habe, was das Schlimmste ist, was passieren kann und mich darauf eingestellt habe. Mach dich schlau, wo du Unterstützung bekommen kannst. Guck dir Stellenanzeigen an und bewirb dich, dann kannst du feststellen, ob du die Möglichkeit hast, Arbeit zu finden. Wer jahrelang eine Pension geführt hat, hat Fähigkeiten, die auch andernorts gefragt sind. Trau dich einfach....

    Du wirst sehen, es kommt eines zum anderen und es macht dich sicherer, wenn du selbst agierst, als wenn du auf den großen Knall wartest. Jedenfalls kenne ich das so von mir.

    LG
    Ette

    Hallo Kaltblütiger,

    ich freu` mich, dass du wieder da bist. Ja, wenn wir "andere Umstände" sehen, wird uns erst bewusst, dass es uns trotz allem gut geht.

    Mir ist im übrigen als erstes das Wort "Lebenskleptomanie" ins Auge gestochen. Ich klaue es mir und denke mal ein wenig darüber nach. So, wie über die Morgenröte. Wenn ich etwas Schönes damit anstellen kann, schenke ich es dir.

    Du schreibst, dass du das Erkennen all deines Fehlverhaltens als schlimm empfandest. Warum? Du hast es nicht besser gewusst! Ich habe es als schmerzhaft empfunden, meine Fehler und blinde Flecken wahrzunehmen. Schlimm nicht, hilfreich. Denn nun, da ich sie kenne, kann und darf ich sie korrigieren, umlernen, mich weiter entwickeln. Also ist im Grunde die Erkenntnis ihres Vorhandenseins mein Glück. Ansonsten wäre ich sicherlich noch lange in den immer gleichen Strukturen und Verhaltensweisen stecken geblieben.

    LG
    Ette

    Guten Morgen!

    Heute morgen gibt es eine wunderschöne...

    M achtvoll und doch sanft
    O kupiert sie den Himmel
    R äkelt sich am Horizont
    G ibt Wolken
    E inen lichten Saum
    N och verschlafen
    R egen sich die Vögel
    Ö ffnet sich langsam die
    T ür eines neuen Tages
    E in Augenschmauß!

    Ich wünsche euch allen einen schönen Tag.

    LG
    Ette

    Guten Morgen karmadorje,

    ich kann gut nachvollziehen, dass sich deine Gedanken ganz, ganz oft um deine Freundin und ihr Problem drehen. Ich kann mich an genau solche Zeiten bei mir erinnern. Inzwischen habe ich gelernt, dass genau wie ein Abhängiger, wir Abstand von unserem „Suchtmittel“ brauchen. Der Abstand muss nicht unbedingt räumlich sein. Du hast weiter oben aber schon die Einsicht gehabt, dass es für dich gesünder wäre, Abstand zu halten. Zu Anfang ist es ein Kampf. In den Gedanken sind wir immer noch sehr oft bei unseren Angehörigen und malen uns aus, was passiert, wenn wir nicht mehr die Kontrolle über ihr Tun haben. Ich denke, das ist ganz einfach eines der Symptome der Co-Abhängigkeit.

    Damit machen wir aber ihr Problem zu unserem, wobei wir hier machtlos sind, das Problem zu lösen. Vor allem war für mich wichtig, „ihn“ aus dem Kopf zu bekommen. Es gab Tage, da konnte ich nicht mehr richtig arbeiten, weil meine Gedanken nur um ihn kreisten. Wie du, machte ich mir Sorgen, wenn er sich mal einen Tag nicht meldete.

    Nach dem Gespräch, das deine Freundin mit dem Therapeuten führte, bist du natürlich gespannt, wie das Gespräch verlaufen ist und was sie daraus machen wird. Verständlich! Es kann jedoch genauso gut sein, dass sie nun etwas Zeit braucht, um zu reflektieren, was in diesem Gespräch besprochen wurde und dafür allein sein muss. Es kann zig Gründe geben, warum sie sich meldet. Lass ihr Zeit! Es ist ihr Ding, etwas zu bewegen und dies kann durchaus ganz ohne dich geschehen. Für mich war es sehr schwer, das zu akzeptieren, denn ich musste vertrauen, dass „er“ das Richtige tut und mir gleichzeitig meine Machtlosigkeit eingestehen.

    Ich habe in dieser Zeit angefangen, sehr viel für mich selbst zu tun. Mich nach neuen Menschen, neuen Hobbys und – nach einer neuen Wohnung umgesehen. Alles Dinge, die sich in meinem Kopf breit machten und wenig Platz für Anderes ließen. Bis heute habe ich ihn jedoch gern und hasse ihn nicht für seine Krankheit und was er in nassem Zustand getan hat. Er beherrscht nicht mehr mein Leben und Denken, aber er hat einen Platz darin.

    Ich wünsche dir die Kraft, dich auf dich zu konzentrieren und dich wichtig zu nehmen. DEIN Leben ist für dich vorrangig! Wenn sie sich bei dir meldet, kannst du immer noch entscheiden, inwieweit du ihr Problem an dich heranlässt. Du kannst sicher auch liebe- und verständnisvoll mit ihr umgehen, ohne dich aufzugeben. Jedoch ist Grenzziehung gerade für Co´s schwierig. Aber erlernbar....

    LG
    Ette

    P.S. Alle Wesen können glücklich sein, wenn sie ihr Leben und damit ihr Glück selbst in die Hand nehmen.

    Guten Morgen,

    mit meinem Früh-Genuss sitze ich hier, einem großen Becher heißem, Honig gesüßtem Tee, der angenehm warm in den Magen rinnt und mir hilft, den Kreislauf in Gang zu bringen.

    Gestern hatte ich einen ziemlich anstrengenden Tag und hatte Probleme, irgend etwas Schönes dem Tag abzugewinnen. Es waren nur Stress und Druck und Hektik angesagt. Als ich abends gegen 21 Uhr nach hause ging, recht gemäßigten Schrittes, guckte ich nach oben. Und plötzlich war der harte Tag vergessen. Ein Funkeln und Strahlen, ein Blinken und Leuchten, dass eine Pracht war, da oben am samtig-schwarzblauen Himmel. Wunderschön anzusehen, ohne Wolken, einfach nur ein strahlend schöner Sternenhimmel. Ich blieb einige Minuten stehen, um mich einfach an dem Anblick zu ergötzen – und ging die letzten Meter bis zur Haustür mit einem Lächeln auf den Lippen. Doch noch einen Genuss gefunden....

    LG
    Ette

    Zitat von Ettena

    Besser ist immer Respekt und nie von oben. Es geht auch anders.

    Liebe Ettena,

    wie Spedi an anderer Stelle schreibt, Respekt und Wertschätzung zeigen sich auch darin, wie Erfahrungen, Erlebnisse und die Tatsache, dass sich hier Zeit für dich und dein Anliegen genommen wird, angenommen werden.

    Ich hasse weder "meinen Alki" noch dich, warum sollte ich? Dich kenne ich nicht und er ist mir ein lieber Freund geworden. Das heißt aber nicht, dass ich mich hier auf ein Kuschelniveau einlasse, wenn ich denke, dass ich mit klaren Worten ausdrücken möchte, worauf es bei mir angekommen ist und was mir geholfen hat. Wenn du dies als verbale Backpfeifen empfindest, tut mir das leid. Letztendlich musst du dann aber auch bei dir gucken, warum dies so ist. Ich bin für deine Gefühle nicht verantwortlich. Vielleicht liest du hier nicht immer das, was du lesen möchtest und hast deshalb das "Backpfeifen-Empfinden".

    Und zur Überheblichkeit sage ich nochmal: überheblich war ich zu der Zeit, als ich dachte ich könnte "meinen Alki" retten. Diese Überheblichkeit hege ich dir gegenüber nicht. Wenn du aber Klarheit und Offenheit damit gleichsetzt, werde ich meine Zeit besser anders nutzen.

    LG
    Ette

    Hallo Pitato,

    ich gratuliere dir zu deinem Entschluss, vorwärts zu gehen. Als ich meine Leben in die Hand nahm, das sorgen für "ihn" losließ, mich auf meine Stärke besann und sie für MICH einsetzte, ging es von ganz alleine bergauf. Raus aus der Retter-Opfer-Rolle und rein ins Leben ;)

    Ich wünsche dir Kraft und Durchhaltevermögen.

    Hallo Ettena,

    Currlinger hat recht – lesen, lesen, lesen..... einer der wenigen angebrachten Ratschläge.

    Ansonsten kann ich dir nur erzählen, dass ich vor gut 6 Jahren, als ich „meinen Alki“ kennen lernte, kurz danach den Eindruck hatte, dass er rückfällig sei. In meiner Aufregung habe ich alle möglichen Hilfsseiten gesucht, recherchiert, telefoniert und mir eine Gruppe für Angehörige gesucht. Beim ersten Besuch, nachdem ich meine Geschichte erzählt, sagte eine der anderen Frauen zu mir: „Bist du bescheuert? Ich versuche seit 10 Jahren meinen loszuwerden und du suchst dir einen!“ Und als mir daraufhin die Tränen in die Augen schossen, kam: „Wein nur, das werden nicht die letzten Tränen sein, wenn du mit ihm zusammen bleibst.“

    Genau wie du wohl, dachte ich, was das doch für ein herzloser Besen sei. Nun, nach immerhin gut 6 Jahren, weiß ich, dass sie recht hatte. Einen Vorteil hatte die Geschichte für mich jedoch trotzdem. Ich habe mich sehr viel mit mir selber auseinander gesetzt. Dabei habe ich gelernt, dass wir Co´s stark sein können – für Andere. Damit niemand unsere Schwäche und unser kleines Selbstwertgefühl hinter all der zur Schau gestellten Stärke bemerkt. Und ich empfinde es einfach als Masochismus, wenn ich offenen Auges einen Weg gehe, auf dem Schmerzen und Verletzungen vorprogrammiert sind. Zudem bezeichne ich mich im nachhinein als überheblich und arrogant, weil ich annahm, dass ich der Mensch sein kann, der ihn aus seiner Abhängigkeit rettet.

    Hier in diesem Forum stehen zig Geschichten, die zeigen, dass Liebe und Verständnis gar nichts gegen Abhängigkeit ausrichten können. Fakten, die es gilt zu verinnerlichen, können uns helfen, aus UNSERER Abhängigkeit zu kommen und das ist die einzige Abhängigkeit, auf die wir Einfluss nehmen können.

    Ich weiß nicht, wie du als Mensch bist und werde den Teufel tun, mir darüber ein Urteil zu erlauben. Alle Menschen haben ihre liebenswerten Seiten. Verhaltensweisen jedoch, die ich als ungesund empfinde, werde ich aufzeigen. Das ist im übrigen auch etwas, was ich im Verlauf der Beschäftigung mit meiner Co-Abhängigkeit gelernt habe – eine Kritik an meinen Verhaltensweisen loszulösen von meinem Menschsein, meinem Selbstwert.

    Du suchst hier Ratschläge, schreibst du. In einer SHG, und dies ist eine, wenn auch eine virtuelle, ist es verpönt, Ratschläge zu geben, da sie den Fragenden davon entbinden, eigene Entscheidungen zu treffen. Jeder erzählt oder schreibt von seinen Erfahrungen. Dann kann sich der Fragende eine Meinung bilden und sich für einen eigenen Weg entscheiden.

    Ich schreibe hier von meinen Erfahrungen, meinem Erleben. Diese Erfahrungen waren schmerzhaft, und zwar so schmerzhaft und belastend, dass ich irgendwann fachliche Hilfe in Anspruch nahm. Die fachliche Hilfe hat mir für MEINE eigene Entwicklung gut getan. „Mein Alki“ ging erst einen vernünftigen, gesunden Weg, als ich ihn vor die Tür setzte.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    gerade eben ist mir bewusst geworden, dass es auch ein Genuss sein kann, früh aufzuwachen. Lange bevor der Wecker klingelt, ausgeschlafen zu sein und dem Tag ein Stunde stehlen, in der ich machen kann, was ich möchte. Ohne Hetzerei mich fürs Büro fertig machen und Lesen oder Schreiben, was mir gut tut.

    Draußen noch alles dunkel und im gegenüberliegenden Haus nur vereinzelt Licht in den Fenstern. Die Ruhe vor der alltäglichen Hektik spüren. Von weitem von der Straße her schon einige Autos hören. Durch die geöffnete Balkon kommt kalte, frische Winterluft und ich bin gespannt auf den Tag. Was er bringt? Es wird sich zeigen. Ich will ihn mal annehmen, wie er mir begegnet. Lange wird er heute, das weiß ich schon.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    @ anna und angelina: Jau, an Kaltblut hatte ich gedacht, weil ich annahm, dass dies sicher ein Thema ist, was ihn auch annervt. Aber er scheint im Moment nicht im Lande zu sein.

    Was die Alkoholwerbung betrifft - ich habe nicht recherchiert, ob die Steuereinnahmen für Tabak oder die für Alkohol höher sind. Jedoch glaube ich, dass Alkohol immer noch viel mehr mit Lebensqualität gleich gesetzt wird als Rauchen. Wie Angelina schon ganz am Anfang mit den Werbeslogans darlegte, wird in erster Linie Positives suggeriert, das der Alkohol ins Leben bringen soll. Die Gefahrenhinweise, wie sie auf den Zigarettenschachteln stehen, wären jedoch meiner Meinung nach auch auf Alk-Flaschen angebracht. Ich kann auch nicht nachvollziehen, warum hier Unterschiede gemacht werden.

    Gestern ging mir so durch den Kopf, dass wenn alle Mitglieder sämtlicher Alkohol-Selbsthilfe-Gruppen in unserem Land an die Gesundheitsministerin schreiben würden, sich doch mal etwas bewegen lassen müsste. Hier sind doch User aus verschiedenen Bundesländern. Könnten wir nicht versuchen, Kontakt mit möglichst vielen Selbsthilfegruppen aufzunehmen, um so an die Frau Schmidt heran zu treten?

    LG
    Ette

    Guten Morgen Ettena,

    vielleicht ist ja nicht seine Sucht eine Fiktion, sondern der liebe reife Mann. Wer mir erzählen würde, dass er eben mal ne Flasche Campari oder eine Flasche Wein trinkt, von dem würde ICH Abstand nehmen, denn alleine zu hause derartige Mengen zu trinken, ist für mich nicht mehr "normal". Zumal bei der Vorgeschichte deines Freundes. Ich weiß auch nicht, was dir Beweise nützen würden. DU fühlst dich durch Telefongespräche verletzt, die er mit dir in betrunkenem Zustand führt. Möchtest du diese Verletztungen erst real erfahren, um zu glauben, dass er trinkt? Sorry, das hat für mich etwas von Masochismus.

    Falls du dir wirklich noch mehr Gewissheit verschaffen willst, dann besuch ihn doch mal überraschend. Das soll unter Liebenden schon mal vorkommen. Dann kannst du unter Umständen dein "blaues" Wunder erleben, das dich vielleicht aufweckt.

    Wieviel bist du dir selbst wert, dass du dich scheinbar mit offenen Augen in eine Situation begeben willst, aus der wir alle heraus wollten und wollen?

    LG
    Ette

    Hallo Lenjana,

    ich weiß nicht, ob es dir hilft, was mir gerade eingefallen ist. Mir ging es ähnlich wie dir, ich dachte auch, er hat ja keinen außer mir und wo soll er denn hin und, und, und.....

    Irgendwann hatte ich dann Gedanken wie: Mein Sohn ist erwachsen und braucht keine Kümmerei mehr, nun muss ich mich dauernd um „meinen Alki“ kümmern. So, als hätte ich lebenslang einen Sohn. Das war für mich so ein Schlüsselerlebnis. Danach hab ich angefangen, mich gedanklich auf eine Trennung vorzubereiten. Dann ein Ultimatum gestellt, welches ich leider selbst nicht einhalten konnte, da die Umstände für mich unerträglich wurden und ich ihn schon vorher vor die Tür setzte.

    Ich hatte kein schlechtes Gewissen. Ich wollte einfach nicht mehr dafür verantwortlich sein, dass er einen Unterschlupf hat und ich wollte einfach nur noch meine Ruhe haben. Zumal er keine Beziehung mit mir sondern mit der Flasche leben wollte. Kein Tag, an dem ich nicht mit Bauchgrummeln nach der Arbeit nach Hause ging, weil ich nicht wusste, was mich erwartet.

    Die erste Zeit war hart, weil ich, genau wie du, meine Gedanken nicht von ihm lassen konnte. Inzwischen geht es mir recht gut. Ich hab mein Leben selbst in die Hand genommen. Suche mir Hilfe, wo sie erforderlich ist und ansonsten sehe ich zu, alles alleine auf die Reihe zu bekommen. „Mein Alki“ ging damals dann in eine stationäre LTZ und ist seither trocken. Das ist jetzt über 2 Jahre her. Wir sind kein Paar mehr, aber das waren wir schon nicht mehr, als er trinkend bei mir wohnte.

    Du wirst dich irgendwann entscheiden müssen, ob du den Schritt wagst oder nicht. Ich bin der Meinung, ich konnte nur gewinnen, als ich ihn tat. Es hat lange gedauert und ich hatte dazwischen auch noch einen kurzzeitigen Rückfall, d. h. nach der Therapie zog er erst mal wieder bei mir ein. Wir merkten dann aber, dass es keinen Sinn hat. Wir können nicht miteinander. Jetzt hat jeder seine Wohnung und gut ist.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Angelina,

    mich nervt die Werbung genauso wie dich. Ich denke dabei auch an Jugendliche, denen damit suggeriert wird, DAS Leben ist erst Leben mit Alkohol. Die ersten Ergebnisse sind ja bereits abzulesen, wenn du an Flatrate-Saufen u. ä. denkst.

    Vielleicht sollten wir uns einfach mal überlegen, einen Brief an Ullala Schmidt zu schreiben. Wenn das viele Menschen tun würden, würde sich vielleicht mal etwas bewegen.

    LG
    Ette

    Zitat von Sternderl


    Nur weiß ich auch, das er vollkommen abstürzt wenn ich gehe.

    Das ist genau die Situation, wo du als Co-Abhängige suchtbegünstigend tätig wirst. Indem du nämlich das System aufrecht erhältst. Wenn es heißt, dass jeder Abhängige seinen persönlichen Tiefpunkt erreichen muss, um eventuell etwas gegen seine Sucht zu tun, dann unterstützt du hiermit sein Verharren in der Sucht. Du übernimmst die Verantwortung dafür, dass er nicht vollends unter die Räder kommt. Verständlich - jedoch im Hinblick auf Sucht genau das Gegenteil von dem, was hilfreich ist. Hilfe durch Nichthilfe ist der Satz, den ich lernen musste, damit ich loslassen und meine Machtlosigkeit der Sucht gegenüber akzeptieren konnte.

    Inzwischen trinkt "mein Alki" seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Nachdem ich ihm in einem Kraftakt all seine Sachen vor die Tür gestellt habe.

    LG
    Ette

    @ currlinger:

    Unsere Gefühle sind keine Illusionen. Aber erst, wenn wir in der Lage sind, unsere Gefühle realistisch zu betrachten, kommen wir in die Lage, zu sehen, was ist. Viel zu oft basieren unsere Gefühle auf einem "was sein könnte". Dann sind sie Illusion. Hab ich für mich festgestellt.

    kaltblut :

    Klar mach ich weiter! Nicht jeden Tag gleich schnell oder gleich tief, aber kontinuierlich. Das weißt du. So, wie du auch weiter machst. Jeden Tag ein paar Meter durch die Wüste - bis wir ihn gefunden haben.

    LG
    Ette

    Hallo Sternderl,

    willkommen hier im Forum, denn das ist oft schon der erste Schritte, etwas zu verändern. Du fragst nach Ratschlägen. Als erstes der Ratschlag, bitte in einem Thread zu bleiben, da es für uns dann deutlich einfacher ist, dir zu antworten. Zwischen verschiedenen Threads hin und her zu klicken, ist zeitaufwändig. Auch das gleiche Thema unter verschiedenen Überschriften zu posten, bringt nicht wirklich neue Ergebnisse.

    Zu raten, wie du mit deinem Mann bzw. deiner Situation umgehen sollst, nun, für mich war es in sehr wichtig, zu gucken, was ich selbst will und wie ich mein Leben für MICH so gestalten kann, dass meine Glückseligkeit nicht mehr von „seinem“ Verhalten abhängt.

    Wenn du denkst, du kannst dich aus wirtschaftlichen Gründen von deinem Mann nicht trennen, ist dies deine Entscheidung. Wobei ich zu bedenken gebe, dass auch diese wirtschaftliche Sicherheit nur eine Frage der Zeit sein kann. Ihr wärt nicht das erste Paar, bei dem sich die wirtschaftlichen Verhältnisse bei einem Vorschreiten der Krankheit deines Mannes drastisch verschlechtern könnten. Zudem nimmst du die wirtschaftliche Sicherheit als Argument dafür, dass du nicht wirklich etwas verändern musst, so empfinde ich es jedenfalls.

    Trotzdem kannst du natürlich auch versuchen, dich insoweit in deiner Situation einzurichten, dass du dein Leben im Familienverbund soweit als möglich autonom gestaltest, d. h. dich nicht mehr vom Verhalten deines Partners abhängig machst. Dazu gehört natürlich auch, sich nicht auf Diskussion bezüglich der Trinkerei einzulassen. Hast du denn deinem Mann schon einmal ein Ultimatum gesetzt, das ihn vor die Alternative stellt, Alk oder Menschen? Natürlich würde dies von dir eine große Konsequenz erfordern, die für die Umsetzung dieses Ultimatums notwendig ist. Und es gäbe auch keine Garantie, dass dein Partner sich dann zu deinen Gunsten und gegen den Alk entscheidet.

    Du schreibst, du bist 51 Jahre alt und weißt nicht, ob du noch Arbeit bekommst. Ich habe vor einiger Zeit eine Frau kennengelernt, die sich mit Eintritt ins Rentenalter von ihrem Ehemann getrennt hat, weil sie seine Trinkerei einfach nicht mehr ertragen wollte. Er hat trotzdem nicht aufgehört zu trinken. Sie hielt sich mit ziemlich wenig Geld über Wasser, sagte mir jedoch, dass sie so zufrieden sei wie noch nie in ihrem Leben. Das hat mich sehr angerührt, denn sie hat Haus und Hof und gesicherte wirtschaftliche Verhältnisse aufgegeben um ihre Zufriedenheit und Ruhe zu finden.

    Du siehst, dass Ratschläge schlecht zu geben sind, da die Entscheidung, wie du die Situation verändern kannst, ganz alleine von dir zu treffen ist. Du musst entscheiden, ob du deine Zufriedenheit verkaufst gegen eine finanzielle Sicherheit, die sich auch jederzeit verändern kann.

    Ich wünsche dir die Kraft und den Mut, eine für dich akzeptablen Weg zu finden.

    LG
    Ette