Beiträge von Ette

    Heinrich, das ist ein wunderschöner Text, der jedoch nicht nur auf Alkis zutrifft. Wir allen tragen unsere Masken, hinter denen wir unser wirkliches Sein aus Angst vor Verletzungen verstecken.

    Tobias Brocher hat in seinem Buch "Von der Schwierigkeit, zu lieben" dieses unser Verstecken mit diesem Text unvergleichlich zum Ausdruck gebracht.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Kaltblütiger,

    ich kann gut nachvollziehen, was so in deinem Kopf passiert. Hab lange genug ähnliche Gedanken gehabt, wollte auch die Flinte nicht zu früh ins Korn werfen und habe dabei übersehen, dass es einen Unterschied gibt.

    Einen Unterschied, ob du in einer "gesunden" Beziehung Auseinandersetzung konstruktiv lösen möchtest oder in einer Beziehung zu einem trockenen Alki. Wenn unsere Angehörigen nicht mehr trinken, vergessen wir allzu leicht, dass die Sucht einen Grund hatte in und auch Veränderungen an der Seele des Abhängigen zu Folge hatte. Ich denke, es ist nicht so einfach eins zu eins umzusetzen, was in den hilfreichen Partnerschaftsbüchern immer zu lesen steht, denn dort wird nicht unbedingt von abhängigen Partnern ausgegangen.

    Aber das ist nur das, was ich erlebt und irgendwann für mich als realistisch akzeptiert habe.

    LG
    Ette

    Guten Morgen!

    Illusionen – ein Thema, was mir die letzten Tage wieder verstärkt durch den Kopf gegangen ist, weil sie mir in meinem Umfeld begegnen. Dabei fiel mir auf, dass sie zur Co-Abhängigkeit gehören wie Gummi zu Bärchen. Ich hatte viele Illusionen als ich noch mit meinem Ex zusammenlebte.

    Ich hatte die Illusion, dass alles gut wird, wenn er nur aufhörte zu trinken. Und nannte sie Hoffnung. Die Illusion, dass wir zusammen gehören und füreinander bestimmt sind, war nur meine Angst, alleine nicht zurecht zu kommen, aber ich für mich hieß sie Liebe. Ich wollte anders als alle anderen vor mir für ihn sein. Unsere Beziehung war etwas ganz besonderes, eine ganz besondere Illusion, wie sich herausstellte. Durch meine Liebe und Zuneigung würde er sicherlich nicht wieder trinken. Eine weitere Illusion, die sich als Kampf gegen Windmühlenflügel herausstellte, denn der Alkohol ist stärker als alle Liebe. Nachdem er nicht mehr trank, eine LZT gemacht hatte und regelmäßig zur Nachsorge ging, hoffte ich, dass wir irgendwann ein ganz „normales“ Miteinander leben können – eine weitere Illusion. Denn als er trocken war, wollte ich nicht sehen, dass wir im Grunde zu verschieden sind, um miteinander zu leben. Nähebedürfnis und das Bedürfnis nach Autonomie gehen nun mal sehr schlecht zusammen, aber ich hatte die Illusion, ihn davon überzeugen zu können, dass meine Art zu leben einfach die bessere sei – wenn ich ihm nur lang genug Zeit lassen würde, es zu erkennen. So, wie ich erst geduldig darauf wartete und hoffte, dass er aufhörte zu trinken, wartete und hoffte ich dann geduldig, dass er mich endlich so lieben und mit mir leben würde, wie ich es mir wünschte. Meine Bedürfnisse erfüllte und so sein würde, wie ich mir meinen Mann, Liebhaber, Gefährten vorstellte. Ich wollte seine reales Sein nicht sehen, sondern sah weiterhin das, was oder wie er sein könnte.

    Ich habe mich, so stelle ich in der Rückschau fest, in meiner Beziehung mit „meinem Alki“ einer Illusion nach der anderen hingegeben und mich lange Zeit beharrlich geweigert, die Realität wahrzunehmen. Jetzt habe ich immer noch Träume und Visionen, wie ich mich und mein Leben verändern kann. Aber ich selbst tue etwas dafür und erwarte nicht mehr, dass von außen kommt, was mich glücklich und zufrieden machen soll.

    Tagträume sind etwas wunderschön Entspannendes. Kleine Fluchtpunkte aus dem Alltag. Wenn sie sich jedoch zu Illusionen auswachsen, die uns die Realität nicht mehr richtig sehen lassen, dann machen sie uns krank. Und in der Co-Abhängigkeit leben wir eine Menge Illusionen. Wir haben Angst, alleine nicht klar zu kommen und verbleiben lieber in uns ausbeutenden Beziehung anstatt uns ganz real zu informieren, wie wir Unterstützung auf finanzieller oder emotionaler Ebene bekommen. Es ist illusorisch, zu glauben, dass beim nächsten Mann alles anders würde, wenn wir nur genug daran glauben. Wir müssen lernen, ganz real, für uns selber zu sorgen, denn nur dann kann aus der Illusion der großen Liebe auch eine gesunde Liebe entstehen. Das, was wir in der Co-Abhängigkeit leben, ist vielfach nur Illusion. So, wie ein Kind an Märchen glaubt, glauben wir daran und verschließen die Augen vor der Realität.

    Wie gesagt, so sehe ich es für mich in der Nachschau und es begegnet mir nach wie vor in meinem Umfeld. Und – es sind lediglich meine Gedanken zu gelebten Illusionen. Ich würde mich freuen, zu lesen, wie IHR darüber denkt.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    über Rückfälle denke ich im Moment wenig nach. Mir geht es recht gut. Allerdings habe ich ein Problem damit, zur Arbeit zu gehen. So viel Fremdbestimmung! Gerne würde ich meine Zeit einfach so einteilen, wie es mir gut tut. Aber – der Rubel muss nun mal rollen und da ist es erforderlich, sich in bestimmte Strukturen zu begeben. Vielleicht klappt es ja am kommenden Samstag mit dem großen Lottogewinn ;-)!

    In meiner realen SHG ist mir dieser Tage wieder aufgefallen, wie tief die Co-Strukturen sitzen und wie selbst lange nach dem Trockensein Ängste, Misstrauen , Wut und Schuldzuweisungen immer wieder auftauchen. Für mich ein Zeichen, dass die Co-Abhängigkeit nur äußerlich bearbeitet wurde. Über den Verstand bestimmte Verhaltensweisen gesteuert wurden, um dem Abhängigen das Trockenwerden zu ermöglichen. Für sich selbst haben die Frauen oft wenig getan. Ihre selbst nach 9, 10 Jahren präsenten Gefühle aus der nassen Zeit zeigen es mir. Aber das ist etwas, was ich nicht ändern kann. Nur wahrnehmen und vielleicht anmerken, dass es mir auffällt.

    Die Illusion, dass alles gut ist, wenn der Andere nicht mehr trinkt, kann ich ihnen nicht nehmen, wenn sie die Realität selbst nicht wahrnehmen wollen. Illusionen – nicht nur während der nassen Zeit ein Thema.

    Vielen Dank übrigens für die guten Wünsche zum neuen Jahr! Ich wünsche allen ebenso ein zufriedenes 2008!

    kaltblut : Ne, Weihnachtsbaum gabs nicht. Wozu auch? Erst die Schlepperei, dass ich ihn in die Wohnung bekomme und dann das Theater, ihn wieder loszuwerden. Ne! Und Knut hab ich genutzt, um nach einem kostengünstigen Elchfrühstück einige Teile für die Umgestaltung meiner Wohnung zu erwerben. Blickdicht ist schließlich nicht nur bei Strümpfen manchmal ganz angenehm, sondern auch bei Fenstern.

    LG Ette

    Guten Morgen,

    mit dem Genießen ist es mir im Moment recht schwer. Ich arbeite wieder und da bleibt wenig Zeit zum Genießen. Selbst meine Laufrunden krieg ich nicht mehr so richtig in das Programm. Der schneidend kalte Ostwind, der hier um die Häuser fegt, ist auch nicht wirklich ein Genuss oder verführt zum vor die Tür gehen.

    Aber manchmal kommt der Genuss ganz unverhofft. In Form eines Bratapfels zum Beispiel, der sich dampfend und duftend auf meinem Teller präsentierte. Aromen von Zimt und Vanille, Butter und Apfel – heiß und süß und an Kindheit erinnernd. Puderzucker überstäubt, schneeigweiß-heiß und in der Mitte knackige Nüsse und Rosinen. Da ist der schneidende Wind schnell vergessen und Behaglichkeit macht sich breit.

    Und eh ich mich versah, war der Genuss nun doch noch da.....;-). Na und abends, wenn ich mich lang in meinem Bett ausstrecken kann, die Decke bis an die Nase gezogen, mich warm und behaglich eingekuschelt habe, genieße ich die Ruhe und die Tatsache, dass ich in dieser kalten Jahreszeit ein warmes Bett und ein Dach über den Kopf habe. Wenn ich durch die Stadt gehe, sehe ich , dass dies etwas ist, was nicht alle Menschen haben.

    LG
    Ette

    Sorry, Frank, aber das ist genau die Art und Weise, wie man kleine Co´s heranzieht. Betti, bitte tu deinem Sohn das soooo nicht an. Ihm erklären, dass sein Vater krank ist, ja. Aber keine Geheimnisse und kein Kontrollverhalten anerziehen. Er hat schon genug mitbekommen, denke ich.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    @ Emma. Danke für den Tipp, aber ich habe für mich beschlossen, dass dies halt nicht der richtige Weg ist. Zumal ich im Grunde gar keine Zeit habe, mich in eine neue Partnerschaft zu begeben. Und ansonsten habe ich auch genug Dinge und Menschen, die mich vom Sofa hochziehen, wenn ich es möchte. Jedoch möchte ich für mich lernen, alleine klarzukommen. Das geht meistens recht gut, jedoch kommen manchmal Rückfälle in meine „Alleinseins-Angst“.

    Weihnachten war dann doch gar nicht so schlimm, wie ich es mir vorgestellt hatte. Plötzlich war Besuch da und ich war nachts noch in der Stadt. Eigentlich, wie oft bei unerwarteten Aktionen, war es richtig gut. Also, wieder mal umsonst gebibbert. Kommen lassen – dann wird es schon. Nur leider kommen immer wieder meine Co-Anteile – die „Macher-Mechanismen“ – durch.

    So, und jetzt will ich mich mal anziehen. Schließlich kann ich im Bademantel nicht vor die Tür.

    LG
    Ette

    Hallo Frank,

    ich weiß, dass sich meine Worte hart lesen. So ist das oftmals mit der Wahrheit. Genau wie du, wollte ich lange nicht sehen, wo der Hase im Pfeffer liegt. Auch ich hatte diese scheinbar unvergleichlich große Liebe im Herzen, die mich „ihn“ nicht loslassen ließ. Bis ich dann erkannte, dass diese Liebe letztendlich nur eine riesengroße Verlassensangst war. Als ich die für mich angenommen hatte, konnte ich ihn loslassen und mich mit mir auseinandersetzen. Ich liebe ihn auf eine Art und Weise immer noch, aber ich denke nicht mehr, dass mein Leben keinen Sinn mehr hat, nur weil ich mit ihm nicht zusammen bin. „Er“ hat sein Leben in die Hand genommen und kommt seit einiger Zeit auch ohne Alk ganz gut klar, was mich für ihn freut.

    Und ich hab die Verantwortung für mein Leben, meine Zufriedenheit und auch mein Glück in die eigenen Hände genommen. Es ist nicht immer leicht, aber es macht mich autonom und selbstbewusst. Nur dann kann ich auch irgendwann eine neue Beziehung eingehen, ohne Verlustängste und den Anderen unter den Druck zu setzen, für mein Wohlergehen verantwortlich zu sein.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Frank,

    wenn ich deine Geschichte lese, in der du immer wieder auf das niedergeschmetterte Selbstwertgefühl deiner Frau hinweist, frage ich mich, wie es denn mit deinem eigenen aussieht. Was muss denn noch passieren, damit du dein Leben in den Vordergrund stellst und dir Gedanken darüber machst, wie du zufrieden leben kannst? Und zwar ohne der Retter für deine Frau zu sein. Denn die kann sich nur selber retten, d. h. ihr Leben in die Hand nehmen und aus der Abhängigkeit kommen. Wie soll sie zu einem vernünftigen Selbstwertgefühl kommen, wenn sie nichts alleine regeln muss, weil immer der "Retter" da ist, der immer wieder alles verzeiht und ihr somit keine Konsequenzen aus ihrem Tun und Handeln erwachsen?

    Es hört sich vielleicht hart an, aber wenn du hier liest, wirst du sehen, dass Loslassen, die Abstinenz voneinander, ein wichtiger Schritt ist. Es gibt keine Garantie, dass sie dann umdenkt. Aber eine Möglichkeit und diese Möglichkeit wird ihr genommen, wenn immer wieder alles von vorne beginnt. Vielleicht richtest du den Fokus mal auf deine eigene Abhängigkeit - die Abhängigkeit von ihr. Ich denke, du leidest unter Entzug, so wie ein Alki, dem man die Flasche genommen hat.

    LG
    Ette

    Guten Morgen RR,

    ich habe das Gefühl, dass du deine eigene Krankheit noch nicht so richtig für dich angenommen hast und ernst nimmst. Sonst würdest du die elementaren Schritte, die dir hier angeraten werden, nicht so hinterfragen sondern einfach annehmen. Vielleicht hältst du dich auch für den Ausnahme-Alki, der das aus eigenem Willen und ohne professionelle Hilfe schafft. Wenn du Diabetes hättest, würdest du wahrscheinlich auch nur einfach Zucker und Kuchen weglassen und dadurch gesund werden, nicht wahr?

    Alkoholabhängigkeit ist keine Magenverstimmung, die wieder gut wird, wenn man nur vernünftig isst. Sie ist eine tödlich verlaufende Krankheit und wenn du diese Tatsache ernst nimmst, findet sich kein Grund NICHT zu einer Entgiftung in eine Klinik zu gehen.

    LG
    Ette

    Video....

    Ich habe es mir gestern abend auch angesehen, dieses Video. Leider kann ich dort, wo darüber geschrieben wird, nicht schreiben. Aber Gedanken sind mir dazu schon durch den Kopf gegangen.

    Es hat mich erschreckt, wie viel sich ein Mensch antun kann. Der, der trinkt und der bzw. die Person, die mit ihm lebt. Warum sollte dieser Mann denn aufhören zu trinken? Da ist doch schließlich jemand, der es als seine Lebensaufgabe ansieht, die versch...... Matratze zu reinigen, die Kotze aufzuwischen und ihn mitfühlend zu streicheln, wenn er in seinem Alk-Selbstmitleid versinkt. Da wird der Schnaps ans Bett serviert und wenn der gnädige Herr wieder mal zu früh aus der Entgiftung nach hause geht, wird er fürsorglich abgeholt. Sorry, aber da fällt mir nix mehr zu ein. Welche Veranlassung sollte dieser Mensch haben, mit dem Trinken aufzuhören?

    Hier wurde mir einmal mehr wieder UNSERE Rolle bewusst. Ich finde, die Frau in dem Film ist mindestens genauso krank wie ihr Freund. Ich meine nicht, dass man die Alkoholkrankheit zum Stillstand bringt, wenn man den Trinkenden rund um Uhr pflegt, so wie diese Frau das tat. Ihm die Verantwortung selbst dafür abzunehmen, dass er genug zu trinken hat. WARUM SOLLTE ER AUFHÖREN? Es läuft für ihn doch alles prima.

    LG
    Ette

    Ich danke dir, elo. Das ist dann schon der nächste Genuss heute. Einer ist es im Übrigen auch, beim Spaziergang die Gedanken in Satzfragmente packen, aus denen eine Momentaufnahme werden kann.

    LG
    Ette

    Dick eingepackt und „schnelle“ Schuhe angezogen, denn schließlich lacht draußen die Sonne. Es ist knackig kalt und die Natur zeigt sich grau-braun. Nur vereinzelte Grasbüschel dazwischen, die mit ihrem Grün auf den Frühling hinweisen, der jedoch noch in weiter Ferne ist. Zügig ausschreiten, damit mir warm wird. Nur an den Wangen beißt die kalte Luft. Vorbei an Feldern auf denen die Wintersaat ihre grünen Spitzen zeigt und an nackten schwarzen Bäumen. Ein wenig Vogelgezwitscher, Spatzen sicherlich, dringt aus einer dichten Hecke und eine dicke Amsel hüpft über den Weg. Tief die frische, klare Luft einatmen durch die von der Heizungsluft ausgetrocknete Nase. Die Lunge weitet sich ob all der Frische. Kräftig bewegen sich die Beine und die Hüften schwingen bei jedem Schritt. Hoch den Kopf erhoben und die Schultern ganz entspannt, ist nichts als Freude in mir.

    Eh ich mich versehe, bin ich schon wieder zurück und freue mich auf den heißen Kakao als Abschluss meines Spaziergangs.....

    LG
    Ette

    Guten Morgen Ayki,

    was wir mit dem Kopf wissen, ist das Eine, wie wir es im Leben umsetzen, das Andere. Ich kann dein Befinden im Moment gut nachvollziehen, zumal es mich vor einigen Tagen auch vollkommen kalt erwischt hat. Irgendwelche Schlüsselreize – bei mir war es die Penetration mit weihnachtlichem „mit den Lieben feiern“ – lassen einfach alte Verhaltensweisen und Gefühl wieder auftauchen. Ganz unverhofft. Ich denke, es ist ein Prozess der Veränderung, den wir durchlaufen und Empfindungen, wie du sie im Moment hast, sind eine Art Rückfall.

    Vielleicht magst du dir deine Gefühl mal ganz genau angucken. Sie haben in erster Linie mit dir zu tun und oftmals ist dahinter etwas ganz anderes, als es vordergründig scheint. Frag dich, was hinter deiner Wut über deinen Noch-Mann steckt. Tröste Klein-Ayki, die jammernd wie ein müdes Kleinkind nach Streicheleinheit von Eltern und Ex-Mann sucht. Vielleicht ist es so, vielleicht findest du aber auch etwas ganz anderes. Aber was immer du findest, es wird dich weiterbringen, weil du dich besser verstehen kannst. Die Gefühle, die du jetzt hast, lass sie zu, guck sie an, als wenn du die Gefühle einer anderen Person betrachten würdest. Vielleicht kannst du sie dann besser analysieren. Mir geht es jedenfalls so. Einen Schritt neben mich treten und anschauen, was da mit mir passiert. Es ist anstrengend, mich dazu zu bringen. Aber es hilft.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Katharina,

    es hat geklappt und ich stellte noch ein paar Parallelen fest. Allerdings habe ich mit dem Mann, um den es bei mir geht, einige Zeit zusammen gelebt. Trotzdem – als er ernsthaft trocken werden wollte, meinte er, dass er das nur alleine kann. Für mich brach damals eine Welt zusammen und es dauerte eine ganze Weile, bis akzeptieren konnte, was da passierte.

    Inzwischen haben wir keine Paar-Beziehung mehr, verstehen uns aber sehr gut. Wir helfen einander, wenn es erforderlich ist, lachen über die gleichen Dinge und wissen, wenn der durchhängt oder sich freut. Es war für mich sehr schwer, das alles anzunehmen. Zu akzeptieren, dass es nichts mit mir zu tun, sondern nur mit der Tatsache, dass er dies für seine Trockenheit braucht.

    Dieser Zustand dauert nun bald zwei Jahre. Zwei Jahre in denen jeder die Möglichkeit hat, sich in seine Wohnung zurück zu ziehen. Zwei Jahre, in denen ich gelernt habe, dass es durchaus schön ist, alleine zu leben. Ohne jemandem Rechenschaft abzulegen und ohne, dass immer, wenn ich durchhänge, jemand da ist. Ich muss dann aktiv werden und mir Gesprächspartner suchen oder aber mit der Situation alleine klarkommen. Und ich lasse ihn, so wie er ist, denn ich mag ihn ja auch so, wie er ist. Nur wollte ich früher immer, dass alles so geht, wie ich mir das vorstelle und habe ihm in bestimmten Bereichen seine Eigenheiten nicht lassen wollen. Wollte ihn davon überzeugen, dass meine Art, die Dinge zu handhaben, die bessere ist. Voll Co eben. Und nachdem ich das langsam aber sicher immer mehr ablege, kommen wir gut zurecht. Allerdings – auf die Art und Weise, die er mir geben kann. Und die muss ich einfach akzeptieren und entscheiden, ob ich das, was er gibt, annehme und mich damit bescheide. Wobei bescheiden vielleicht nicht ganz das richtige Wort dafür ist. Ich muss einfach akzeptieren, was ich nicht ändern kann. Ändern kann ich nur meine eigene Einstellung zu den Dingen. Und das ist es, was ich jeden Tag aufs Neue mir bewusst machen muss.

    Wenn „deiner“ gar keinen Kontakt haben möchte, wird dir auch nichts anderes übrig bleiben, als das zu akzeptieren. Vielleicht wächst dieses Besondere, was euch beide getroffen hat, ganz langsam. Ich glaube jedoch nicht, dass es wächst, wenn du drängelst. Ich hab früher immer gedrängelt. Nichts ging mir schnell genug und nichts was ich bekam, freiwillig bekam, hat mir gereicht. Suchtstrukturen – meinerseits. Aber das musste ich erst einsehen und nicht alle Schuld bei ihm suchen und ihm vorhalten. Für mich ist der Vorteil dabei, dass ich, wie gesagt, mich viel mehr mit meinen eigenen Eigenheiten auseinandersetzen muss.

    LG
    Ette

    Hallo Zukunft,

    leider konnte ich deine ersten Beiträge nicht finden. Magst du noch mal den Link einstellen?

    Mir geht es ganz ähnlich wie dir. Nur würde ich gern ein wenig mehr von dir lesen, bevor ich mehr dazu schreibe.

    LG
    Ette

    Liebe Ayki,

    schon vor Tagen hatte ich das Gefühl, dass du auf dem Weg zu mehr Nähe mit deinem Noch- oder Ex-Mann bist. Sie kennen genau den Knopf, den sie drücken müssen, damit wir wieder auf sie anspringen, ich weiß. Du hast es natürlich besonders schwer, weil du wegen der Kinder Kontakt mit ihm halten musst.

    Ich hab mir früher immer wieder gesagt, egal, was "mein Alki" aufgezogen hat - ein Kranker kränkt mich nicht. Es hat mir immer wieder geholfen.

    Die Partnerbörsengeschichte - ich hab sie auch versucht. Mit dem Ergebnis, der erste "ernsthafte" Kandidat hat bei unserem ersten Telefonat ständig mit irgendwelchen Flaschen geklappert und mir nachts um zwei Uhr dann sehnsüchtige Mails geschickt. Da war für mich die Sache klar. Bei einem Treffen mit einem anderen Interessenten wurden dauern Wick blau gelutscht. Abzug in der B-Note. Und dann hab ichs einfach sein gelassen. Ich such nicht mehr, sondern versuche eben, mich mit dem zu bescheiden und es zu genießen, was im Moment ist. Wie du lesen kannst, ist es nicht immer einfach. Aber ein neuer Mann wäre für mich im Moment noch eine Art, den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben. Also -Abstinenz und ein eigenverantwortliches Leben. Auch wenn es manchmal schmerzhaft ist.

    Liebe Grüße und viel Kraft

    Ette

    Guten Morgen an alle,

    und heute habe ich nach bestimmt einer Woche mal endlich wieder das Gefühl, dass er gut ist. Es ging mir überhaupt nicht gut in der letzten Zeit. Im Fernsehen, aus dem Radio, in jedem Presseerzeugnis ständig und penetrant der Hinweis auf das Fest der Liebe, das mit all den Lieben zu feiern sei, die man so hat. Nur leider – hab ich diese Lieben nicht. Doch natürlich - mein Sohn wird mir morgen besuchen. Aber andere Verwandte habe ich nicht, mit denen ich Weihnachten feiern könnte.

    Im letzten Jahr war ich geflüchtet und hatte mich von einer Bekannten mit zu einer Feier nehmen lassen, die lange und feucht-fröhlich war. Für dies Jahr hatte ich beschlossen, dass ich auch lernen muss, mit solchen Feiertagen alleine klarzukommen. Schwer, stelle ich fest. Wie ein Alki unter absolutem Saufdruck fühle ich mich mit der Tatsache, dass es keinen Mann oder eine Familie gibt, mit denen ich Weihnachten feiern kann. Ein Gefühl, etwas ganz Elementares im Leben nicht geschafft zu haben, nämlich eine beständige Beziehung zu erarbeiten. Manchen Abend machte sich Klein-Ette tränenreich bemerkbar.

    Selbst gestern, als sich die Welt strahlend und Puderzucker überstäubt zeigte, konnte ich nicht so recht froh werden. Weder ein Frisörbesuch noch neue Schuhe hatten mich die letzten Tage aus meinem Loch holen können und auch die Schönheit des strahlenden Tages prallte an mir ab. Ich fühlte mich erstarrt wie der Teich, der unter einer Eisschicht bewegungslos und fahl schimmernd vor meinem Fenster liegt. Ich hatte das Gefühl, dass mich nur ein anderer Mensch aus meiner Erstarrung und meiner Trauer lösen kann.

    Gestern morgen dann, brachte der Briefträger ein Päckchen, dessen Inhalt mich zu einem lauthalsen Lachen verführte. Und gegen Abend hab ich mich dann in den Hintern getreten, dass es so ja wohl nicht ginge. Hab mir aufgeschrieben, was ich alles für Vorteile eines ruhigen Weihnachtsfestes ohne den Druck, es für Andere zu einem schönen Fest werden lassen, habe. Denn mehr ist es ja im Grunde nicht. Wir machen ein schönes Fest, versammeln unsere Lieben um uns, damit sie uns sagen, wie toll wir wieder alles gemacht haben, währenddessen wir gestresst und ermattet im Sessel hängen und in der Küche der Abwasch wartet.

    Noch ist das Zuversichtseis dünn, auf dem ich mich bewege. Aber ich muss nicht auf dem Eis bleiben. Ich kann mir Wege suchen, die festen Untergrund bieten. Aber das ist ganz allein meine Entscheidung. Ich kann mich in meinem „Jammertal“ festdenken und nur das sehen, was ich nicht habe, was mir fehlt. Oder aber ich kann meine Aufmerksamkeit dahin lenken, wo es für mich gut ist. Es ist ganz allein meine Entscheidung, ob ich in dem „Loch“ bleiben möchte oder ob ich mich daraus befreien will. Heraus krabbeln, vielleicht mit zerschrammten Händen, aber stolz, dass ich es geschafft habe, meiner Art „Saufdruck“ standgehalten zu haben.

    Gesund werden, heil werden, ist immer wieder mit Rückfällen verbunden. Die letzten Tage hatte ich einen ziemlich heftigen. Nun hoffe ich, dass ich mit neuer Kraft vorwärts gehen kann. Na ja, Silvester steht noch vor der Tür. Die Fortsetzung des Experimentes „Wie ertrage ich Feiertage alleine“. Ich werde es feststellen.

    LG
    Ette

    Bärbel,

    du bist erwachsen. Wenn du Informationen über deine Co-Abhängigkeit möchtest, dann mach dir bitte die Mühe, zu recherieren, zu lesen und - zu lernen. Ich kann dir meine Erfahrungen nicht beibringen. Du musst deine eigenen machen.

    Da du nichts, was dir hier jemand schreibt, einfach annehmen kannst ohne drum herum zu diskutieren, denke ich, dass ich meine Zeit besser verwenden kann. Glaub einfach, dass dir hier die Menschen aus ihren Erfahrungen schreiben. Und die sind, wie sie sind.

    Ich wünsche dir alles Gute.

    LG
    Ette