Guten Morgen,
heute ist also wieder Montag. Wie einen Berg empfinde ich die Woche, die vor mir liegt, weil ich weiß, dass sie hart wird. Aber Tag für Tag werde ich sie schon auf die Reihe bekommen.
Gestern beim Laufen war ich so in Gedanken versunken, dass ich glatt eine Abzweigung übersehen habe und wieder ein Stück zurück musste. Zulassen, loslassen, sein lassen ging mir durch den Kopf, weil ich das Gefühl habe, dass ich etwas sehe, was der Mensch, den es betrifft, nicht sehen will oder kann. Vorsicht, Ette, Rückfall – schoss es mir ein paar Mal durch den Kopf. Stimmt, Rückfall! Jeder muss für sich selber sehen, was ihm gut tut oder nicht. Und wenn ich sehe, dass etwas nicht gut tut, weil es der Andere so zeigt, kann ich nur zusehen – solange, bis der Andere die Kraft hat, es für sich selber zu sehen und anzunehmen. Es ist nicht meine Aufgabe, ihn darauf zu stoßen. Und doch juckt es, es zu tun und ich kann mich nicht immer bremsen, dann zu sagen, was ich denke.
Wenn ich meinen „Ex“ treffe, funktioniert das recht gut. Ich habe akzeptiert, dass wir nicht zusammen leben können, weil unsere Bedürfnisse zu unterschiedlich sind. Es gibt ein paar Dinge, die funktionieren gut, wenn wir sie zusammen tun, aber sie wären nicht ausreichend, eine Beziehung zu führen. Es sei denn, ich würde all das wegpacken, was ich mir in einer Beziehung wünsche. Es wäre eine Art Wohngemeinschaft, wenn wir zusammen wären. Jeder wüsste, was der Andere mag oder nicht, schließlich kennen wir uns nun schon etliche Jahre. Wir haben Sympathien füreinander und Zuneigung, aber zu unterschiedliche Vorstellungen vom Zusammenleben.
Es hat lange gedauert, bis ich mir das ehrlich eingestanden habe. Immer und immer wieder habe ich versucht, ihn davon zu überzeugen, dass es die richtige Art ist, Beziehung zu leben, wie ich es mir wünsche. Aber es ist eben nur für mich die richtige Art. Ich kann ihm sein Anderssein noch so lassen, mir wird immer etwas fehlen. Wenn ich ihn sein lassen will, muss ich meinen Glauben an eine Beziehung mit ihm loslassen. Es ist kein Versagen, wenn ich das einsehe. Im Gegenteil, ich habe das Gefühl, seit ich akzeptiert habe, dass wir unterschiedliche Wünsche und Vorstellungen haben und dazu gestanden habe, bin ich ruhiger und „unangestrengter“ geworden. Aber davor war noch die Anstrengung der Veränderung, das Lernen, alleine klarzukommen und ich glaube, die Angst davor war der Grund, warum ich solange festgehalten habe.
Puuhhh.... immer und immer wieder geht mir das Thema durch den Kopf. Immer und immer wieder muss ich wachsam sein, weil sich die Helfer-Ette in den Vordergrund drängelt. Co ist nun mal nicht weg, wenn der Alki nicht mehr trinkt.
LG
Ette