Beiträge von Ette

    Stimmt! @ Ayki


    Ach Karl!

    Nun gebe ich dir in großen Teilen recht und trotzdem lese ich zwischen deinen Zeilen eine Art Echauffiertheit. Ich habe nicht geschrieben, dass DU irgend etwas weglassen sollst. Ich habe von MEINER Symbiose geschrieben, die ich gelebt habe. Du wirst aber deine Gründe haben für deine Reaktion.

    Ganz im Gegensatz zu deiner Äußerung bezüglich deiner Birne, empfinde ich diese übrigens alles andere als hohl. Leicht dominant empfinde ich sie, wenn ich mir das betrachte, was zwischen deinen Zeilen schwingt. Und dass du einen weg hast – mein Gott! Haben wir das nicht alle? Du stehst doch drüber, oder etwa nicht?


    Heute morgen, beim Laufen, sind mir wieder so ein paar Gedanken durch den Kopf gegangen, die ich aufschreiben möchte, damit sie mir nicht verloren gehen. Vielleicht kann der eine oder die andere ja auch etwas damit anfangen.

    Der Kaltblütige hat das Beispiel mit den Blumen, die auf dem Tisch stehen, gebracht.

    In meiner Küche steht im Moment auch eine Blume, ganz alleine in einer schmalen, schlanken Vase. In dunklem, intensiv warm-samtigen Rot steht die Blüte in wunderschönem Kontrast zu der weißen Wand dahinter. Auch der kräftige Stiel und die saftig-dunkelgrünen Blätter kommen dadurch richtig zur Geltung. Die Dornen am Stiel sind deutlich zu sehen. Aufrecht steht sie, ganz ohne Beiwerk. Wer sie nicht richtig anfasst, kann Schmerzen erleiden, denn dann kommt er in den „Genuss“ der Dornen. Sie wird diese nicht für jemanden einziehen, so wichtig er auch für sie sein mag. Wer sie jedoch zu nehmen weiß, dort, wo sie ihr Herz hat, im dunklen warmen Rot, vor dem ein Stück Stängel ganz ohne Dornen wächst, kann sich an der Wärme und der Intensität der feurigen Röte freuen. Egal, ob es eine Efeuranke, ein zart gegliedertes Palmblatt, ein paar schlanke Gräser oder einige Dolden Schleierkraut sind. Auch ein knorriger, dunkler Zweig oder eine unnahbare Silberdistel kann eine durchaus passende Ergänzung sein, genauso wie duftender Lavendel oder zart-pelzige Frauenmantelblätter. Und trotzdem – sie steht auch allein aufrecht und zufrieden in ihrer Vase, ohne den Kopf hängen zu lassen.

    Ich habe sie mir ausgesucht, als sie zusammen mit etlichen anderen Blumenstängeln auf einem Tisch lag und jemand sagte, jeder solle sich ganz intuitiv für eine entscheiden.

    So begegnen sie mir manchmal ganz unverhofft, die roten Rosen, die es für mich regnen soll.

    Jetzt muss ich mich aber anhübschen, weil ich mit soner unnahbaren Silberdistel verabredet bin.

    LG
    Ette

    Hallo Ayki,

    solche Frustattacken kenne ich auch! Nach solchen waren dann oftmals die Badezimmerfliesen frisch gewienert oder die Küchenschränke geschrubbt. Von daher hatten sie für mich auch etwas deutlich Positives. Inzwischen habe ich den Frust bezüglich ihm losgelassen. Dadurch fällt es mir jedoch deutlich schwerer, eine Motivation für die o. g. Tätigkeiten zu finden...

    Dir auch einen schönen Feiertag.

    LG
    Ette

    Hallo,

    @ Apfel: Du hast recht, es ist eine harte Betrachtungsweise, allerdings auch eine ehrliche und schonungslose. Wenn wir uns ehrlich und schonungslos betrachten, kann das schon mal hart sein. Deshalb vermeiden wir es ja auch so oft, ehrlich mit uns selber umzugehen. Ich sehe das genau wie du, wenn es um das Helfen geht. Ich lasse jemanden, der mich um Hilfe bittet, nicht im Regen stehen. Allerdings trage ich meine Hilfe nicht mehr immer wieder ungefragt an, übernehme Dinge, um die ich nicht gebeten werde. Es ist eine Frage des Maßes, denke ich. Altruistisch für alle da zu sein, hat für mich viel zu oft als reziproken Hintergrund einen ausgeprägten Egoismus, der durch allzu engagiertes Helfen verschleiert wird. So nach dem Motto – Wenn ich viel helfe, dann bin ich viel.....

    Dass das Selbstbewusstsein wächst, wenn ich es nicht mehr jedem recht machen will, habe ich auch erfahren. Davor muss ich aber einfach das Risiko eingehen, dass der Andere verschnupft ist, wenn ich nicht mehr nur für ihn da bin. Es ist einfach ein ständiger Prozess, der uns zu neuen Erfahrungen verhilft.

    @ Heißkalter: Stimmt, in der Regel sind wir mit jemandem zusammen, weil wir ihn lieben, begehren und einfach gerne mit ihm sind, weil er ist, wie er ist. Gut ist es dann, wenn dabei auch unsere ureigensten Bedürfnisse, unser Plan vom Leben nicht zu kurz kommt. Es wird in Partnerschaften immer Zeiten geben, in denen mal der eine und mal der andere gibt. Stell dir eine Beziehung wie eine große, wunderschöne Schale vor, in die jeder etwas legt und daraus wieder schöpfen kann. Wenn du jedoch das Gefühl hast, dass nur einer in diese Schale etwas hineinlegt und einer immer nur heraus nimmt, dann ist irgend etwas nicht richtig, da es nicht ausgewogen ist. Wie mit dem Helfen, ist es auch hier eine Frage des Maßes.

    Es gibt kein Endprodukt, richtig, denn eine Partnerschaft ist so lebendig und veränderlich wie wir Menschen es einfach sind. Um bei deiner Metapher mit den Blumen zu bleiben – es kommen neue Blättchen nach, wenn alte, welke abgepflückt werden. Blumen und Pflanzen können nicht ungehindert wachsen, wenn sie zu eng gepflanzt sind. Wenn ich in der Co-Abhängigkeit stecke, stehe ich zu eng an meiner „Alki-Pflanze“, kann weder meine Zweige noch meine Blüten richtig entfalten, genauso wenig wie die andere Pflanze. Das Loslassen, das Abrücken, versetzt uns beide in die Lage, uns zu entwickeln. Verwaisen muss ich dabei nicht, ganz im Gegenteil. Erst die Entwicklung meines „Planzendaseins“, mein Wachsen, versetzt mich in die Lage, zu lieben ohne der Symbiose zu bedürfen.

    LG
    Ette

    Guten Morgen allerseits,

    @ Ayki: Da wir die Dinge ziemlich ähnlich angehen, können wir wohl besser verstehen, was in der Anderen vorgeht. Das tut gut, ich danke dir!

    Diandra : Dia, wir beide haben wohl über elementare Dinge einfach unterschiedliche Auffassungen. Was du als traurig und hoffnungslos liest, ist für mich ruhig und zufrieden. Vielleicht kannst du es schlecht nachvollziehen, dass mein Leben in erster Linie nur von meinen eigenen ups and downs bestimmt ist. Ich mache mir keine Gedanken darüber, ob jemand trinkt oder nicht oder wie ich mit dem in meiner Wohnung klarkomme. Ich habe das Türschloss schon vor mehr als zwei Jahren ausgetauscht. Ich sehe „man-Sätze“ auch nicht als allgemeine Redewendung an. Früher habe ich sie auch mehr gebraucht, denn damit habe ich die Verantwortung für meine Meinung an die Allgemeinheit abgegeben. Inzwischen brauche ich sie nicht mehr. Ebenso wenig, wie ich mit meinem „Frau-Sein“ spielen muss, um es für mich zu nutzen. Ich flirte gern, ja. Aber als Spielerei und nicht um mit einer Art „Weibchen-Sein“ manipulierend etwas zu erreichen, vor dem ich mich scheue, es klar zu formulieren.

    Des weiteren habe ich festgestellt, dass wir Co´s einfach darauf ausgelegt sind, hinter allem etwas zu vermuten, bei dem wir helfen, trösten, unterstützen können. Ich habe mich kürzlich mit einem Alki, der einen Hang zum Co hat, unterhalten. Der sagte mir, dass er für sich aufpassen muss, sich abzugrenzen, denn das Helfen, das für einen anderen da sein, mache ihm schließlich ein unheimlich gutes Gefühl, das er natürlich oft empfinden möchte, weil er sich dann toll fühle. Ich denke, dass das der Punkt ist. Mich gut fühlen, weil es einen gibt, der schwächer als ich ist, dem ich helfen kann. Das lässt mich meine subjektiv empfundenen Mängel, meine eigenen Unsicherheiten vergessen. Und – schwupps – muss ich es immer wieder haben, so wie der Alki seine Pulle. Co´s trinken sich ihre schlechten Gefühle für sich selber nicht weg, neee, die helfen sie sich weg. Und das Feststellen dieser Tatsache, das ist etwas, an dem ich recht lange zu kauen hatte.

    Geduldig, hilfsbereit, verständnisvoll – alles Attribute, die als positiv angesehen werden in unserer Gesellschaft. Wenn wir so genannt werden, fühlen wir uns gut, klar. Nur ist es eben eine Gratwanderung, denn allzu oft genießen wir einfach dieses Gefühl, wenn uns unsere Geduld, unsere Hilfsbereitschaft und unser Verständnis von anderen bestätigt wird. Und zwar so sehr, dass wir darüber vergessen, wo wir selber bleiben. Ich habe eine zeitlang auch vergessen, wie ich ohne dieses Gefühl leben kann. Grenzen aufzeigen, auf mich selber zu achten, nein zu sagen, beinhaltet schließlich das Risiko, von anderen abgewiesen, nicht mehr gemocht zu werden. Wenn ich das nicht aushalten kann, komm ich nie aus meiner Co-Abhängigkeit. Das habe ich mir bewusst gemacht und seither kann ich recht zufrieden mit mir leben.

    Rückfälle passieren mir immer wieder. Immer wieder gerate ich in die Situation, dass die Gedanken an andere Menschen und deren Probleme meinen Kopf okkupieren. Dann muss ich einfach die Bremse treten, stopp sagen und für mich Grenzen ziehen. Das Bewusstsein dafür habe ich mir aber erst erarbeiten müssen und auch die Kraft, meine Grenzen aufzuzeigen.

    So, und jetzt gehe ich duschen.

    LG
    Ette

    Liebe Diandra,

    du hast recht, mit Grübeln verpasse ich mein Leben und mit Co-Abhängigkeit ebenso. Wenn ich mir das, was mich ausmacht, was mir Spaß macht und mir gut tut, bewusst mache, dann verpasse ich jedoch nichts. Ganz im Gegenteil! Hätte ich mich früher mit all dem „Psychokrempel“ auseinandergesetzt, denke ich, dass ich mir die Co-Abhängigkeit erspart hätte bzw. mich nicht so auf einen anderen Menschen eingelassen hätte, dass ich überhaupt keine eigenes Leben mehr hatte.

    Man sollte..... sorry, Diandra, das ist ein Satzanfang, bei dem sich mir die Nackenhaare aufstellen und die Fußnägel hochkrempeln. Was „man“ sollte, ist mir relativ egal. Was ICH will, das ist für mich wichtig. Denn wenn ich das weiß, kann ich dafür sorgen, dass ich es bekomme und zufrieden leben, ohne dass ich immer wieder in alte Verhaltensmuster falle.

    Wenn du aufgrund meiner Posts den Eindruck hast, dass ich an meinen Defiziten arbeite, um anderen zu gefallen, dann habe ich mich womöglich schlecht ausgedrückt. Meine Defizite haben mich in die Co-Abhängigkeit geführt und DESHALB möchte ich daran arbeiten. Und genau das führt dazu, dass ich mein Lebe genieße. Das tausenderlei Grün der Blätter im Sonnenlicht wahrnehme, den Sonnenaufgang, der jeden Tag anders ist, bei meinen Laufrunden erlebe oder die unterschiedlichen Düfte, die mir auf diesen Runden vor die Nase kommen.

    Mein Leben und mich anzunehmen, heißt für mich nicht, dass ich mich nicht damit auseinandersetze. Denn nur die Auseinandersetzung und das Hinterfragen schützen mich davor, die gleichen Fehler, sprich co-abhängiges Verhalten, immer wieder an den Tag zu legen. Verbogen habe ich mich in der Zeit, als ich mit dem Herrn ein Bisschen vielleicht gelebt habe, weil ich mich selbst nicht wichtig genug nahm. Die Zeiten sind vorbei.

    Mir Dinge bewusst zu machen, hat für mich nichts mit Grübelei und Tristesse zu tun. Ganz im Gegenteil! Nur im bewussten Wahrnehmen kann ich feststellen, wo ich mich verbiege und wo ich ganz allein nach meinen Bedürfnissen lebe. Aber das ist eben mein Weg, damit umzugehen. Jeder hat da seine eigene Art und Weise.


    LG
    Ette

    Hallo Ayki,

    also die Bestellung beim Universum, das ist so eine Art Glaubenssatz. Ich bestelle mir etwas, das ich selbst nicht bewegen kann, mir aber sehr wünsche. Wenn ich aufhöre, mich darum zu bemühen, geht manches leichter und passiert von ganz alleine, so als ob das Universum mir das Gewünschte liefert. Ein bisschen esotherisch, ich weiß....

    Ansonsten ist alles wie ein großes Puzzle. Ich sehe immer wieder kleine Teile, die ich anders handhaben muss und dann auch kann. Ein ständiger Prozess des sich mit mir und meiner Geschichte Auseinandersetzens. Für mich ist dabei noch ein wichtiger Punkt, mich nicht als Opfer zu fühlen. Wenn ich mich als Opfer der Umstände betrachte, nehme ich mir die Möglichkeit, eigenverantwortlich mit meinem Leben umzugehen. Sicherlich gibt es Dinge, die ich nicht beeinflussen oder verändern kann. Diese muss ich akzeptieren. Aber dann kann ich meine Sichtweise überprüfen und bestimmte Dinge einfach stehen lassen, wie sie sind. Oder verändern, was ich selbst beeinflussen kann.

    So wie mit dem Gefühl des hängen gelassen seins. Nicht klagen, dass etwas nicht für mich gemacht wird, sondern gucken, warum ich es nicht selber mache. Die Verantwortung dafür, dass es mir gut geht, selbst zu übernehmen. Bisher, d. h. in der Co-Abhängigkeit, hing mein gutes Gefühl davon ab, wie es meinem Ex ging. Danach folgte dieser leere Raum, in dem ich scheinbar nutzlos in der Zeit hing, weil niemand da war, um den ich mich kümmern konnte und musste. Inzwischen nutze ich die Zeit eben dergestalt, dafür zu sorgen, dass die Dinge passieren, erledigt werden oder in Gang kommen, die mir persönlich wichtig sind und mir gut tun.

    Und ich kann meine Ansprüche an mich selbst auf den Prüfstand stellen. Sind es wirklich MEINE Ansprüche an mich oder sind es Ansprüche meiner Eltern oder meines Partners oder meines Umfeldes. Wie bei der Überlegung, wie ich mich als Frau sehe. Zu oft sind es Überzeugungen, die uns in unserer Sozialisation eingeimpft wurden, die unser Frauenbild prägen, dem wir entsprechen möchten.

    Wissen, was ICH will, ist dabei ein wichtiger Schritt. Es dauerte lange, jedenfalls bei mir, bis ich mir all dieser Dinge bewusst wurde. Und es ist nicht immer angenehm, mich damit ehrlich auseinander zu setzen. Denn das heißt auch, Teile von mir zu akzeptieren, die ich gar nicht an mir mag. Wieder ist also Akzeptanz gefragt. Nämlich die meiner Fehler bzw. einengender Überzeugungen. Es ist ein ständiger Weg, der nicht jeden Tag leicht zu gehen ist. Manchmal drehe ich noch eine extra Runde, nehme noch einmal Anlauf. Muss mich über den Kopf auf dem Weg halten, bis ich fühlen kann, dass ich auf ihm richtig bin. Emotionales Lernen.... heißt die Geschichte mit dem Überschreiben alter Erfahrungen und sie dauert ihre Zeit.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    endlich ist er ohne Regen, dieser Morgen. In den letzten Tagen rauschte er unaufhörlich und drückte auf meine Stimmung. Grau und trüb wie der Himmel zeigte sich auch meine Seele. Nachdenklich, als ob sie Atem holen wollte vor den nächsten Schritten. Die Gedanken gehen in alle möglichen Richtungen und haben doch ein paar Fixpunkte, die nicht in Frage gestellt werden. Ein kleines Büchlein ist mir wieder in die Hände gefallen, das ich schon fast vergessen hatte. Bestellungen beim Universum heißt es und ich habe es mir in einer Situation gekauft, als ich mich so stark fühlte, dass alles möglich zu sein schien. Inzwischen haben sich manche Möglichkeiten als zu schwer für mich erwiesen. Trotzdem halte ich an dem Glauben fest, dass das Universum, meine höhere Macht oder wie immer das heißen mag, was unser Leben lenkt, mir die richtigen Impulse zur richtigen Zeit senden wird, damit das wahr wird, was gut für mich ist.

    Die Bestellung, die ich aufgegeben hatte vor einiger Zeit - ich habe sie nicht storniert, meine Entscheidung dafür nicht revidiert. Heute morgen ist mir plötzlich ganz bewusste geworden, dass ich davon ausgehe, dass irgendwann „geliefert“ wird. Und bis zu diesem „Liefertermin“ werde ich all das tun, was erforderlich ist, dass mein Leben rund läuft und es soweit als möglich selbstbestimmt leben.

    Dieser Tage habe ich mich mit meiner Rolle als Frau auseinandergesetzt, Gedanken dazu einfach kommen lassen und schriftlich fixiert. Danach stellte ich fest, dass ein ganzes Teil meiner alten Überzeugungen nicht mehr relevant sind. Dass sich neue Erfahrungen über die alten gelegt haben und wirken. Dass anerzogene Überzeugungen, die mich wie ein dicker grauer Umhang einhüllten und bremsten, abgelegt wurden und ich leichter, unbeschwerter in meinem Leben agieren kann. Allerdings muss ich mir ab und zu die Zeit nehmen, dies bewusst wahrzunehmen, genau hinzugucken und innehalten, Atem holen vor den nächsten Schritten.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Ayki,

    ja, solche Tage kenne ich auch. Zumal in einer Situation, in der du endlich Zeit für dich hättest und die Dinge, die DIR Spaß machen. Vielleicht bist du dies, auch aufgrund der Kinder, gar nicht gewohnt. Jedenfalls kenn ich das von mir so. Plötzlich Zeit, die gefüllt werden will, ohne dass ich für jemanden sorgen, mich um anderer Leute Angelegenheiten kümmern muss. Dann kam es dieses „Alles-Sch....-und-keiner-hat mich-lieb-Gefühl“. Es war dann eine unheimliche Anstrengung, den Fokus explizit auf Positives zu lenken. Oder aber auch dieses ungute Gefühl einfach mal stehen zu lassen, zuzulassen, denn wie du schon richtig schreibst, morgen sieht alles wieder anders aus.

    Stundenlang bin ich durch die Gegend marschiert und habe nachgedacht. Hab das Gefühl bekommen, dass in der Bewegung sich auch die Gedanken anders bewegen als wenn ich mich zu hause hinsetze und mich in dem doofen Gefühl verdrößele. Stell dir vor, was Klein-Ayki möchte und versuche, ihr das zu geben, was ihr fehlt. Unter Umständen muss sie jetzt einfach durch dieses schlechte Gefühl hindurch, damit sie es das nächste Mal kennt und keine Angst mehr vor dem Alleinsein hat. Denn Alleinsein kann auch sehr entspannend und erholsam sein.

    Dieses Gefühl, von meinem Ex hängen gelassen zu werden, kenne ich auch, obwohl wir keine Kinder haben. Andererseits habe ich dann irgendwann festgestellt, dass dieses Gefühl beinhaltet, dass ich ihm Verantwortung auferlege, die MEINE Dinge, MEIN Leben betreffen. Das hat mir geholfen, mit dem „hängen gelassen sein“ besser umzugehen, die Verantwortung für das, was mich betrifft, selbst zu übernehmen und das ist ein sehr befreiendes Gefühl. Auch wenn es erst einmal mit Anstrengung, Entscheidungen und Arbeit verbunden ist.

    Nach meiner Kur im letzten Jahr hatte ich auch das Gefühl, all das, was ich mir vorgenommen habe, müsste sofort und gleich und auf der Stelle umgekrempelt werden. Geht nicht! Definitiv nicht. Es dauert seine Zeit, bist du die Dinge anders sehen, anders angehen kannst, die du in Jahrzehnten erfahren hast. Lass dir die Zeit. Die Kunst der kleinen Schritte, glaub mir, ich weiß, wie schwer sie zu erlernen ist. Geduld ist nicht meine Stärke, aber sie zu erlernen und zu leben, erleichtert Vieles.

    Es ist eine Art Leere, du jetzt sicherlich empfindest, weil du ganz mit dir alleine bist, wenn du ein freies Wochenende hast und denkst, es müsste unheimlich viel passieren, was dir Spaß macht. Dauernde Unternehmungen verhindern aber, zu lernen, mit sich alleine zu sein. Es dauert eine Weile, bis wir damit umgehen können, mit uns alleine zu sein, glaub mir, aber wir können es lernen und dann auch genießen.

    LG
    Ette

    Moin, moin,

    die zwei letzten Tage waren mit solcher Arbeit gefüllt, wie ich sie mir wünsche. Der erste war hart, weil ungewohnt. Der zweite schon deutlich routinierter. Faszinierend, wie unterschiedlich Menschen sind und wie sie ihre Gefühl hinter Arroganz zu verbergen suchen oder, obwohl richtig gut agiert, dann in Tränen ausbrechen. Diese zwei Tage haben mir gezeigt, dass die Arbeit mit Menschen das ist, was ich machen möchte. Nun muss ich nur noch sehen, wie sich doch vielleicht noch ein Weg findet, dies auch zu leben. Dazu muss ich mir noch Zeit lassen, etliches lernen, an mir arbeiten. Und darauf bauen, dass sich eine Möglichkeit finden wird, wenn ich darauf vertraue.

    Nachts das Rauschen des Regens, das immer wieder in meine Träume drang und mir Gedanken ins Bewusstsein rief, die ich nicht mehr denken will. Tagsüber zwischen den Terminen bei Bikerwetter über Bikerstraßen fahren, mich über Landschaft und Sonne freuend, die, ganz unverhofft, auch den zweiten Tag überstrahlte, obwohl die Wetterfrösche anderes vorhergequakt hatten.

    Stolz war ich und müde, als ich wieder zuhause war. An der Stille und am Gewohnten habe ich mich gefreut nach zwei Tage, in denen ich kaum zum Nachdenken kam. Meine Gedanken haben sich jedoch trotzdem ihren Weg gebahnt, indem ich gestern morgen ganz früh wach und ausgeschlafen war und somit Zeit war, die Gedanken wandern zu lassen.

    Auf dem Nachhauseweg war ich noch am Schwanken, ob ich gleich noch einen Termin wahrnehmen wollte, der für Dienstagabend angedacht war. Jedoch habe ich auf mein Gefühl gehört und meinem Ruhebedürfnis nachgegeben, mich in die Stille meiner vier Wände zurückgezogen. Wobei – es war auch ein klein wenig Bedauern dabei, dass niemand mich hier erwartete und ich all meine Eindrücke ganz frisch erzählen konnte. Aber das wird sich heute sicherlich noch ergeben.

    LG
    Ette

    Hallo Innocent,

    ja, dieses Gefühl der „Hallos“ kenne ich gut. Und auch nach etlichen Jahren, in denen ich mich mit dem ganzen Sch.... auseinandersetze, kommen immer noch mal welche hoch. Inzwischen hauen sie mich nicht mehr um, sondern ich gucke sie an und versuche, das was sie mit mir gemacht haben, zu verändern. Und das geht halt nur, wenn sie auftauchen, so schmerzhaft das manchmal auch sein mag.

    Unschuldig bist du auf jeden Fall, denn du konntest es dir schließlich nicht aussuchen, wie du als Kind lebtest. Heute lebst du womöglich das Gleiche noch einmal und versuchst, deine Frau vom Trinken weg zu bekommen. Ein Unterfangen, was dir bei deiner Mutter nicht gelungen ist, weil es einfach unmöglich ist. Aber vielleicht gelingt es ja diesmal – hoffst du. Auf jeden Fall lebst du ähnliche Muster wie als Kind. Etwas, das dir zwar nicht gut tut, aber was du kennst. Kein Wunder also, dass du dir nicht vorstellen kannst, alleine zu leben. Du hättest dann womöglich keine dir bekannte Aufgabe mehr.

    Ich merke bei mir immer wieder Wiederholungen von gelernt gelebten Mustern, die sich hartnäckig in meinem Hinterkopf eingenistet haben. Manchmal muss ich dann in einer Art Rundumschlag all das wegstoßen, von dem ich denke, es ist wieder aufgetaucht, dieses mich ständig um jemanden bemühen z.B. Es dauert lange, bis wir umlernen. Aber möglich ist es wohl schon. Jedenfalls merke ich das an manchen Dingen, die ich anders mache als früher. Manches gelingt schneller, leichter, anderes dauert und dauert.

    Keine Angst also, wenn du Dinge anguckst, hast du die Möglichkeit, sie zu verändern. Allerdings braucht es Zeit und Geduld mit dir selbst.

    Hallo Lavendel,

    ja, etwas genießen, was einem gut tut und spüren, dass man zufrieden und auf einem guten Weg, ist ein wunderschönes Gefühl. Und noch immer habe ich dann manchmal das Empfinden, gleich, gleich kommt der Hammer, denn es geht mir viel zu gut. Ganz hinten im Kopf sind halt immer noch die Glaubenssätze, nach denen wir zurückstecken müssen, Rücksicht auf Andere nehmen sollen. Egal, was wir selber wollen. Einer der Lieblingssätze meiner Mutter war: Du willst? Dann mach die Augen zu und was du dann siehst, das kannst du wollen.

    Für mich solls aber rote Rosen regnen und mir sollen noch sämtliche Wunder begegnen, so wie Hilde singt. Wenns mir mal nicht so gut geht, dann mache ich die CD an und tanze durchs Wohnzimmer. Dabei komm ich mir dann so albern vor, dass nix mehr ist mit Traurigkeit.

    Genau wie du, sage ich auch, dass Zufriedenheit und mein „ich will alles“ nichts mit Materiellem zu tun hat. Heute morgen, relativ früh für einen Sonntag, zwei Stunden in der Sonne sitzen und frühstücken, das kostet nicht die Welt, ist aber eine Form von Lebensqualität, die ich einfach genieße. Mich genüsslich in der Sonne räkelnd und Milchschaum von den Lippen leckend. Genuss – einfach! Und den will ich, nicht nur Hetzerei und Anstrengung.

    LG
    Ette

    Hallo allerseits,

    draußen dämmert es schon mächtig und doch dringt noch angenehm temperierte Luft durch das Fenster. Es riecht nach Laub und Herbst und dieser Maler, Herr Herbst heißt er wohl, war schon mit dem Farbeimer unterwegs, um hier und da rotgoldene Kleckse ins Laub zu pinseln.

    Heute morgen, für mich schon relativ spät, aber für die meisten Menschen wohl recht früh am Sonntag, hatte ich mich zum Frühstück in einem Straßencafe verabredet. Büffet – essen satt und Sonne ebenfalls. Fast menschenleer war es noch, als wir ankamen und wir konnten uns das sonnigste Plätzchen aussuchen. Nach einem opulenten Frühstück, das sich bestimmt über zwei Stunden hinzog, noch ein kleiner Bummel durch die Stadt und dann wieder gemächlich mit dem Bus nach hause.

    Einige Stunden dem süßen Nichtstun gefrönt, fleißig unliebsame Hausarbeit verrichtet und konsequent den inneren Waldi Gassi geführt, im Laufschritt. Ein ausgefüllter, zufriedener Tag, der mich für die Woche stärkt, die morgen ganz aufregend beginnt.

    Vorhin, beim Laufen, ist mir aufgefallen, dass ich früher selten solche Tage hatte. Und wenn, dann hatten sie immer damit zu tun, dass mein Ex gut drauf war. So ganz normale Tage, ohne große Unternehmungen, die einfach nur schön und angenehm waren, gab es zu der Zeit selten. Aufregungen, therapeutisch angehauchte Gespräche, Berg- und Talfahrten und nur dazwischen ein, zwei Tage Atem holen, wenn er sich zusammennahm. Da geht es mir jetzt richtig gut, finde ich.

    LG
    Ette

    Zitat von Innocent

    Aber nach hause kommen ohne das sie da ist? Will ich das?

    Innocent, kannst du dich nicht leiden, dass du mit dir nicht allein sein willst? Oder hast du Angst davor, nicht zu überleben, wenn du alleine mit dir bist? Wir sind schon groß, wir können für uns selber sorgen, wenn wir uns selbst wieder in den Fokus nehmen und uns nicht mehr nur mit dem zweiten Platz hinter unserem Abhängigen begnügen.

    LG
    Ette

    Guten Morgen allerseits,

    Innocent schreibt an anderer Stelle, dass er im Grunde gar nicht weiß, was er selber will. Ich glaube, dass dies etwas ist, was bezeichnend für uns Co´s ist. Was wir selber wollen wissen wir irgendwann nicht mehr, weil sich unser ganzes Denken, unser Tun und Handeln nur darum dreht, dass es „unserem“ Abhängigen gut geht.

    Wir müssen es mühsam wieder lernen, darauf zu achten, was wir selber wollen und brauchen. Zu gucken, ob unsere eigenen Bedürfnisse in einer Partnerschaft ebenso berücksichtig werden wie die des Partners. Wir haben ein Recht darauf, dass unsere Bedürfnisse genau den gleichen Stellenwert haben wie die des Menschen, mit dem wir leben. Es ist uns nicht verboten, Ansprüche und Wünsche zu haben, sondern gesund. Wir müssen nicht nur dafür leben, dass es dem Anderen gut geht. Das haben wir aber in aller Regel das Spüren unserer eigenen Bedürfnisse verlernt in unserem Bemühen, es dem Anderen schön zu machen, damit er uns ja nicht verlässt.

    Die Angst davor, womöglich eine Weile alleine zu sein, hat all unsere Wünsche und Bedürfnisse überdeckt. Wir wissen nicht mehr, was wir wollen, weil wir Angst haben, wenn wir eigene Wünsche haben, werden wir nicht geliebt. Dabei habe ich gerade in der Beziehung zu einem alkoholkranken Mann festgestellt, dass ich geben und geben und geben konnte, geliebt wurde ich trotzdem nicht, aber gebraucht. Es wurde genommen. Wohnung, Zuwendung, Aufmerksamkeit, Sicherheit und die Kontrolle, die er selber nicht aufbrachte, um nicht mehr zu trinken. Ich wusste nicht mehr, was ich selber wollte. Jetzt habe ich es wieder gelernt. Dazu musste ich aber durch die Angst vor dem Alleinsein gehen.

    Genau wie Apfel finde ich meine jetzige Lebenssituation besser als damals. Es ist, so wie Apfel schreibt, nicht alles ausgereift. Aber es ist MEIN Leben, das ich lebe. Und zwar zufrieden lebe und entspannt. Kein seichtes Dahinplätschern, es ist ein Murmeln, wie ein Bach über moosbedeckte Steine, ein rauschendes Strömen wie ein Wildbach in einer Schlucht und es ist das kraftvolle Dahinströmen eines großen Flusses, der Schiffe auf seinem Rücken trägt. Und dieses vielfältige friedvolle Fließen liefert genügend Reflexionsfläche, um aus kleinen Momenten funkelnde Glücksmomente zu machen. Weil ich weiß, was ich will.

    LG
    Ette

    Zitat von kaltblut

    Wenn ich aufhöre zu glauben, wird vieles zur Vergangenheit, die Zukunft verschwindet, aber wir leben jetzt, hier, für Morgen und die Vergangenheit, die ist überhaupt nicht mehr schlimm.

    Lieber Karl Kaltblut,

    dieser Satz von dir erstaunt mich. Ich hatte immer das Gefühl, dass du sehr viel gläubiger bist als ich und nun so etwas! Ich denke nämlich, dass wir erst DANN ein zufriedenes Jetzt und eine Perspektive für die Zukunft haben, wenn wir anfangen zu glauben. Glauben daran, dass wir nicht alles drehen und tun können, dass wir durchaus Glück leben dürfen, ohne schlechtes Gewissen, und dass wir nicht daran zugrunde gehen, wenn wir uns unsere Fehler eingestehen.

    Wenn du schreibst, dass die Vergangenheit nicht mehr schlimm ist, dann ist das ein Empfinden um das ich dich beneide, weil du es so schnell erreicht hast. Meine Vergangenheit habe ich sehr lange als schlimm empfunden und tue es immer noch. Obwohl ich akzeptiert habe, dass niemand, noch nicht einmal Gott, sie wieder rückgängig machen kann. Wie gesagt, als schlimm sehe ich sie immer noch an, jedoch hat sie bei weitem nicht mehr die Relevanz, die sie früher für mich hatte. Vorwärts blicken aus dem Jetzt mit dem Glauben, dass es durchaus eine höhere Macht gibt, die mir hilft, wenn ich mir selber helfe, für mich selber gut sorge.

    Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott, hat vor Urzeiten jemand in mein Poesiealbum geschrieben, in dem ich immer noch ab und zu blättere. Jetzt erst, nach Jahrzehnten, bin ich bereit, diesen Spruch für mich anzunehmen.

    Ansonsten wünsche ich dir alles Glück der Erde, dass du all das in dir findest, was du brauchst und dass deine Reise durch die Wüste beendet sein möge.

    LG
    Ette

    Guten Morgen ilicicaso,

    würdest du dich auch schämen, wenn du dir Informationen zum Umgang mit einer Diabetes deines Mannes holen würdest? Wofür schämst du dich? Dass dein Mann krank ist? Mir kommt es vor, als würdest du dich schämen, weil du denkst, versagt zu haben. Du hast keine Schuld und keinen Grund, dich zu schämen.

    LG
    Ette

    Guten Morgen allerseits,

    gestern habe ich einen „Co-Notfall“ in der Realität erlebt. Völlig aufgelöst, ständig wiederholend, dass sie ihn liebt, dass sie sich von ihm menschenunwürdig und ungerecht behandelt fühlt. Letztendlich stellte sich heraus, dass sie nur einen Weg suchte, ihm zu helfen, ihn zu halten. Eine Stunde lang war „er“ Gesprächsthema. Kein Gedanke daran, was sie für sich tun wollte, damit es ihr wieder besser ging. Ihre Gedanken schienen nur um ihn zu kreisen, so wie die Gedanken eines Alkis auf Entzug um die Flasche kreisen.

    Er solle ausziehen, ungerecht wäre es, wenn sie dies tun müsse. Er sollte tun, damit es ihr wieder besser ginge. Ich konnte ihre Gefühl sehr gut nachvollziehen. All meine damalige Verzweiflung, mein Empfinden des Betrogen seins, meine Machtlosigkeit, all das war wieder da. Ich sah mich in all meiner Abhängigkeit, meines nicht mehr vorhanden Selbsterhaltungstriebes vor mir sitzen.

    Im Laufe dieser Stunde wurde ich innerlich immer wütender. Und danach stellte ich fest, dass ich gar nicht auf sie wütend war. Ich merkte, dass mir da ein Spiegel vorgehalten wurde. Genauso aufgelöst und mit dem Ansatz, ich muss doch irgendwie helfen können, er muss es doch irgendwie einsehen, dass es mit uns nur klappt, wenn er seine Abhängigkeit an die Seite stellt. Mich selbst und die Tatsache der Machtlosigkeit ignorierend.

    Und es hat mich im Nachhinein auf mich selbst wütend gemacht, dass ich mich zu der Zeit so wenig geachtet, für mich gesorgt habe, mich schlicht und ergreifend vernachlässigt hatte. In all meiner Verzweiflung damals mich immer noch an die zweite Stelle gesetzt hatte und nur ihn in den Fokus nahm. Letztendlich jedoch auch ein Beispiel dafür, wie ich nie wieder mit mir umgehen möchte.

    LG
    Ette

    Guten Morgen allerseits,

    in meinem Kopf rädert es nach diesem Gespräch am Dienstag. Ist das, was ich bekommen kann, das was ich möchte? Möchte ich mit einem Kompromiss leben? Gebe ich mich mit etwas zufrieden, was zwar mehr ist als ich bisher hatte, aber nicht das, was ich möchte? Oder sage ich, lieber warte ich noch und irgendwann wird der Zeitpunkt da sein, dass ich das bekomme, was ich will?

    Ich habe klar formuliert, was ich möchte, mir vorstelle und mein Gegenüber hat mir gesagt, was er bereit ist, zu geben. Ich habe sehr positive Rückmeldung bekommen, aber ich kann nicht das bekommen, was ich mir vorstelle. Dafür hätte mein Gegenüber bestimmte Vorteile aus meinem Engagement, aus meinem „Sein“. Also ist es nun meine Entscheidung, ob ich das Angebot annehme, den Kompromiss eingehe oder nicht. Ich denke, meine Entscheidung steht so gut wie fest. Aber ich werde noch einmal „drüber laufen“. Denn beim Laufen bewegt sich nicht nur mein Körper, sondern auch meine Gedanken und Gefühle.

    LG
    Ette

    Zitat von Innocent


    Es klingt vielleicht Schizophren, aber ein total Absturz würde mir irgend wie gut in den Kram passen, dann hätte ich Gewissheit, und wüste so geht es nicht weiter.

    Innocent,

    das kann ich gut nachvollziehen. Ich hab manchmal gedacht, wenn er seine Suizidandrohung doch endlich wahrmachen würde, weil dann endgültig Ruhe einkehren würde. Und – weil ich dann hätte keine Entscheidung treffen müssen. Ich habe und habe es lange nicht hinbekommen, mich von ihm zu lösen, auch wenn er mir nicht gut tat, meine Bedürfnisse in einem Leben mit ihm immer und immer wieder auf der Strecke blieben. Aber noch sehr lange habe ich in der Hoffnung gelebt. In der Hoffnung, dass alles gut wird, dass er es diesmal schafft. Dass er dann so mit mir lebt, wie ich es mir vorstelle mit ihm. Es war einfach meine Co-Abhängikeit, die mich immer wieder hoffen und mich wieder und wieder meine eigenen Bedürfnisse an die zweite Stelle setzen ließ. Die Angst davor, alleine zu sein, nicht „ganz“ zu sein ohne Mann an meiner Seite, ließ mich noch lange Zeit in einer Art Kompromiss leben. Ich musste mir erst klar darüber werden, was ICH selber will. Da hat der Kaltblütige recht, schreib auf, was du willst und zwar so, dass es nur DICH betrifft.

    Es ist nicht leicht, da möchte ich dir nichts vormachen, denn die Liebe, die wir zu spüren meinen, die Gewohnheit, das Bekannte loszulassen und sich dafür in unbekanntes Terrain zu begeben, ist nie leicht. Vor allem, weil es uns abverlangt, uns mit unseren Beweggründen für die Co-Abhängigkeit nicht nur zu erkennen, sondern auch die Konsequenzen daraus zu ziehen.

    Ich wünsche dir den Mut dazu, dann kommt die Kraft dafür von ganz alleine.

    LG
    Ette