Beiträge von Ette

    Guten Morgen,

    da habe ich doch ein aufregend-schönes Wochenende erlebt, an dem mir viel Neues begegnet ist und genau dabei habe ich gemerkt, dass mich auch Euphorie dazu bringt, mich selbst zu vergessen. Alte Strukturen und Wünsche wie immer mehr und ganz schnell, alles und zwar sofort, stehen dann schon in den Startlöchern. Verrückt, obwohl ich es mit dem Kopf weiß, dass das gefährlich ist, kommen diese Gefühle hoch. Ein Spiegel tut dann Not und wohl, der mir spiegelt, dass es nicht erwachsen ist, wie ein Kind der Maßlosigkeit zu verfallen. Auch in der Beschränkung das Gefühl der Sicherheit nicht zu verlieren, darüber zu verhandeln, wie etwas sein soll, ohne meinen Kopf durchzusetzen und zu genießen, dass etwas harmoniert, auch wenn es nicht so ist, wie ich es in dem Moment gerne hätte, sondern noch viel bleibt, auf das ich mich freuen kann.

    Gesunde Normalität, was immer jeder für sich als Normalität empfindet, ist nicht überbordend, nicht himmelhochjauchzend. Sie fließt zufrieden und ruhig, ohne behäbig zu sein, denn trotz allem hat sie eine große Kraft in sich, wie ein ruhig dahin fließender, bteiter Strom, der auch die großen, sorgenbeladenen Schiffe sicher tragen kann. Und auf seinem unaufgewühlten Wassern der Sonne, die die Glücksmomente streut, genug Reflektionsfläche bietet, damit sie dem ruhigen Fließen das Funkeln beibringen kann.

    Ich wünsche euch eine ruhig, normale, glückliche Woche.

    Ette

    Elfriede,

    ich musste richtig lachen, als du das mit dem Zeugs schriebst, was die bei deinem Mann in der Klinik wohl in den Kaffee tun. So etwas kenne ich auch. Frag doch mal Kaltblut mit seinem Bauchladen, ob er nicht das richtige Fläschchen dafür hat. Damit dein Mann dann die Belastungsfahrt zur Ehefrau gut überstehen kann ;)

    LG
    Ette

    Hallo und guten Morgen,

    ihr beide macht mich ja ganz verlegen! Ich hab nämlich gar nicht so das Gefühl, dass es etwas Besonderes ist, wie ich manche Dinge sehe. Dazu habe ich zu lange gebraucht, dass ich es verstanden habe. Jetzt kann ich manchmal kaum glauben, dass alles so einfach sein soll.

    Im Moment habe ich aber das Empfinden, dass es Vieles vereinfacht und leicht sein lässt. Immer wieder habe ich gelesen, dass es das Leben vereinfacht, wenn man loslässt. Die Kontrolle, das um Anerkennung von außen kämpfen, das Sagen, wo es langzugehen hat. Über mein Gottvertrauen wurde oft gefrotzelt. „Alles wird gut“ als geradezu kindliche Utopie abgetan. Es wird nicht Alles gut, das stimmt. Aber Vieles wird einfacher, wie gesagt, wenn ich meine Anstrengungen aufgebe und mich selbst so annehme, wie ich bin. Mit meinen Stärken und Schwächen und mich nicht nur gut fühle, wenn ich von außen genug positives Feedback bekomme. Dann muss ich mir auch den Anderen nicht so hinbiegen, wie ich meine, dass er sein sollte. Denn auch wenn er so sein sollte, wie ich denke, dass es mir gut tut, wird ein anderer Mensch mich nicht glücklich machen können. Es wäre immer ein ungenügendes Glück, um das ich ständig kämpfen würde, weil ich die Angst hätte, ohne den Anderen wieder unglücklich zu sein.

    Mit mir zufrieden sein, mich akzeptieren und plötzlich passieren Dinge, die ich nie für möglich gehalten hätte. Völlig ohne mein Zutun. Menschen scheinen mit mir ganz anders umzugehen und Situationen klären sich. Möglichkeiten tauchen auf, die ich mir immer erträumt habe, die ich teilweise selbst für illusorisch hielt. Oft kommt mir in den Sinn, dass ich so lange Zeit dumm und blind gewesen bin, weil ich alles regeln, alles unter Kontrolle haben wollte. Ein halbes Jahrhundert musste ich leben, damit ich das endlich begriffen habe. Und dann denke ich manchmal: Ha! Ich habs immer gewusst! Aber halt nicht gelebt! Jetzt will ich immer ganz aufmerksam und achtsam mit mir sein, damit mir diese Fähigkeit des Loslassens der Anstrengung nicht wieder abhanden kommt.

    LG
    Ette

    Hallo Kaltblut,

    vielleicht ist der Groll-Tripp das letzte Aufbäumen der Co-Abhängigkeit. Wenn du das auflöst, was du nach deinen Worten unter der Haut hast, macht dieser Vorgang deine Haut sicher dicker und widerstandsfähiger und hilft somit, deine Wärme und deine Kraft besser in dir zu halten und für dich selbst zu nutzen. Eine zweite Haut, einen zweiten Menschen, brauchst du dann nicht mehr als Schutz deiner Seele vor der Welt, sondern kannst dich an ihr als genussvoller Ergänzung freuen.

    Und was die Holundermarmelade betrifft, ich werde dich bei gegebener Zeit beim Wort nehmen, wie paar der Mädels hier bestimmt auch. Allerdings wird es wohl noch ein wenig dauern, denn draußen scheint die Sonne in Strömen.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    ich bin schon wieder so früh aufgewacht, dass ich zusehen konnte, wie die letzten grauen Nachtschleier langsam vom Balkon gezogen wurden und die Blumen in den Balkonkästen ihre Farbe zurück bekamen, die die Nacht ihnen genommen hatte.

    Ich glaube, genauso können wir auch unsere Farbe und unser Leben wieder zurückbekommen. Die letzten Co-Schleier von unserer Seele ziehen... jedoch ist der Beginn des Tages deutlich einfacher, weil unaufhaltsam. Wir halten uns oft viel zu lange unter dem Schleier auf, obwohl er uns den Blick auf das Helle, Freundliche „vergraut“. Wir übernehmen lieber die Verantwortung dafür, dass es dem Anderen gut geht, als dass wir das Gleiche für uns selber tun.

    Und es wird uns ja auch leicht gemacht, in den Strukturen zu verharren. Alte Verhaltensmuster sind nicht von heute auf morgen weg, nur weil wir es uns vorgenommen haben. Es ist ein tägliches dagegen Angehen. Zudem werden wir ja auch von unseren Angehörigen nicht gleich losgelassen. Wenn sie ihre Felle, sprich den Unterschlupf, das vermeintlich sichere Netz einer Beziehung, davonschwimmen sehen, werden sie beweglich. Immer wieder gibt es dann Gründe, wieder Kontakt aufzunehmen, auch wenn sie uns ansonsten das Gefühl geben, nichts mehr mit uns zu tun haben zu wollen. Und mit den Kontakten beginnen wir wieder zu hoffen. Darauf, dass der oder die Angehörige nun vielleicht wirklich erkannt hat, um was es geht.

    Wir müssen dann für uns selbst entscheiden, wie lange, wie oft und ob überhaupt, wir uns auf diesem schwankenden Hoffnungsboden halten wollen. Zu oft wird uns der Boden dann unter den Füßen weggezogen, wenn wir uns wieder eingelassen haben. Weder der Abhängige noch wir selber sind gesund, sobald der Alkohol weggelassen wird. Für unsere Gesundung sind wir ganz alleine verantwortlich. Und dazu gehört es unter Umständen auch, die Hoffnung loszulassen oder gar nicht erst wieder aufkommen zu lassen. Dem Anderen die Verantwortung für sein Leben selbst zu überlassen. Wir sorgen für uns und er muss für sich selber sorgen. Auch wenn es uns oftmals noch so schwer fällt.

    Für die nächsten 24 Stunden wünsche ich allen ruhige Zufriedenheit.

    LG
    Ette

    P.S. @ Stoffel: Barfuß im Regen, geh´ ich lieber über eine Wiese. Modder und Matsch sind mir ein Greuel und das nicht nur zwischen den Zehen.

    Guten Morgen Kaltblut,

    den grauen Teppich aufzurollen und zu entsorgen, das ist doch schon ein guter Anfang. Und so, wie du die Aufmerksamkeit auf das Bunte um dich herum richtest, ist es auch gut, mit sich selber aufmerksam zu sein. Denn unsere Co-Reaktionen sind nicht damit weg, dass wir uns von unsern abhängigen Angehörigen trennen. Mit Aufmerksamkeit für deine eigenen Gefühle kannst du aber herausbekommen, was DU selbst für dich willst und was DIR gut tut. Es werden dir lange noch jeden Tag Dinge begegnen, die dich erinnern, dich in alte Verhaltensmuster schubsen.

    Mir hast du mal geschrieben, ich sollte nicht so vorsichtig meine Trauer wegschubsen, sondern richtig mit Karacho. Aber bei Anderen wissen wir immer viel besser, was richtig wäre, als bei uns selber. Nimm´ jetzt mal selber Anlauf und schubse mit Karacho. Und verzeih´ dir, wenn du rückfällig wirst. Das gehört zum Gesundwerden dazu.

    Heute ist so wunderschöne Luft vor den Fenstern. Da ist es eine Wonne, ein- und auszuatmen, denn nur das ist es, was zählt. Geh´ vor die Tür, guck dir an, wie es draußen blüht und duftet. Such´ dir ein paar Genussinseln im Arbeitstag und versuche zu spüren, was DIR selber gut tut. Was DU brauchst, damit es DIR gut geht.

    LG
    Ette

    Hallo,

    ich habe den Hersteller auch angeschrieben, jedoch noch keine Antwort erhalten. Mal gucken. Fermentation, ich weiß nicht, ob das Vergärung ist, bin keine Chemikerin. Andererseits werden auch Teeblätter fermentiert, weil es sonst nur Grüntee wäre. Und ich habe mir noch Gedanken darüber gemacht, ob in Schwarztee durch die Herstellung Alkohol ist.

    Ette

    Hallo Kaltblut,

    ich habe mal irgendwo gelesen, dass Abschied die Tür zur Zukunft sei. Das ist für mich ein schönes Bild. Vorwärts denken, Abschied als den Beginn von etwas Neuem zu sehen. Geschehenes ist nicht mehr änderbar, wir haben nur noch die Möglichkeit, es zu akzeptieren.

    Und manchmal ist im Abschied einfach der Zorn darüber, dass wir so lange Zeit blind waren für das, was Außenstehende schon viel früher wahrgenommen als wir selbst. Dann muss der Abschied auch mit einem sich selbst verzeihen einhergehen, denke ich. Dann gilt in Liebe loszulassen für dich selber. So empfinde ich es jedenfalls und übe mich noch darin.

    LG
    Ette

    Hallo ihr Lieben,

    ich freue mich, dass es euch gefällt. Bea, ja, kleine, schöne Momente wahrzunehmen und Freude im Alltäglichen zu finden, ist wichtig. Das ist auch eine Gabe, über die ich froh und stolz bin und die mich in die Lage versetzt, ohne viel Primporium zufrieden zu sein. Keine großen Reisen, keine teueren Klamotten und schon gar nicht irgendwelche „geistreichen“ Substanzen zu benötigen, um mich lebendig zu fühlen.

    Allerdings sind mir in den letzten Tagen und Wochen ein paar Dinge begegnet, die so groß und wunderschön sind, dass es mir schon fast Angst macht. Dann sitze ich manchmal da und überlege mir, was dieses seltsame Gefühl ist, das in mir drin ist und sich anfühlt, als würde ich gleich weinen müssen. Ich habe es für mich als eine Art Angst vor Kontrollverlust definiert. Da passierte plötzlich etwas, das schön ist und ich habe Angst. Angst, weil ich denke, es ist zu schön, um wahr zu sein. Angst, es nicht verdient zu haben. Angst, weil ich meine, es nicht mehr in der Hand zu haben, was passiert. Ich muss mich einlassen, einfach geschehen lassen. Vertrauen haben und annehmen, dass es mir passiert, weil ich ich bin und nicht weil ich mich anstrenge, perfekt zu sein. Dieses Perfektsein, das sowieso nicht zu schaffen ist und mich daran hindert, ich zu sein.

    Als ob ich es nicht glauben könnte, dass mir so etwas Schönes passiert, habe ich das Gefühl, es mit Worten eindämmen zu müssen. Nicht mich begeistern und unbändig darüber freuen, Nein, es etwas weniger schön reden, es in erträglichen Bahnen halten. In Bahnen, die mich davor bewahren, es ganz zuzulassen und dadurch verletzlich zu werden. Dann wird mir auch klar, warum ich immer mit Menschen zusammen war, für die ICH sorgen musste. Weil ich die Herrin des Verfahrens sein wollte. Bleiben, solange es mir gut tat und gehen, wenn ich das Gefühl hatte, es passt nicht mehr. Gehen, bevor der Andere geht und mich verletzt.

    Die Angst vor der Nähe hat mich dazu gebracht, den Anderen in den Mittelpunkt zu stellen, auf ihn mehr zu achten als auf mich. Wollte die perfekte Macherin sein, die aufgrund dieser Eigenschaft unersetzlich ist und deshalb nicht verlassen wird. Wollte mich nicht zeigen, wie ich wirklich bin, weil ich dachte, dass das nicht so Perfekte an mir nicht liebenswert ist. Verrückt, suchte die Nähe bei Menschen, die nicht in der Lage sind, Nähe zuzulassen, weil ich selber Angst vor Nähe habe, weil mir die Nähe die Kontrolle nimmt. Anderseits ist dieses Empfinden so eine Art Aha-Erlebnis, das mich davor bewahrt, mich irgendwann wieder so aufzugeben, wie es getan hatte.

    Sorry, dass es so lange wurde heute. Aber es war mir wichtig, das mal zu formulieren. Danke fürs Lesen.

    Ette

    Kaltblut, ja, Abschiede sind schwer und schmerzhaft, egal, wer sie initiiert. Manchmal sind sie aber eben notwendig, um heil zu werden, haben also somit ihren Sinn. Einen Sinn, den wir vielleicht irgendwann erkennen, wenn wir ein wenig Abstand gewonnen haben.

    Ich wünsche dir, dass es dir bald besser geht.

    Ette

    Stoffelchen, du hast recht, barfuß ists fast noch schöner. Wenn nur nicht immer die nasse Erde wäre, der sich dann so elendig zwischen den Zehen durchquetscht.

    Aber im Ernst, es gibt jeden Tag irgend etwas Schönes. Ich mir habe eine zeitlang jeden Abend die Muse gegönnt, aufzuschreiben, was mir Schönes passiert ist. Kleinigkeiten oftmals nur, Momente, Augen-Blicke oder zwei, drei liebe Worte. Und auch Dinge, die ich selbst gut gemacht habe, die mir gelungen sind. Es hilft, den Blick für das Schöne zu schärfen. Denn all zu oft sehen wir doch nur das Negative, das uns dann bestätigt, dass wir nichts Besseres verdient hätten.

    Wir haben es aber verdient, zufrieden zu sein, mit kleinen Glücksmomenten jeden Tag. Denn das Warten auf DAS große Glück hindert uns nur daran, die wohltuenden kleinen Dinge im Leben wahrzunehmen.

    Ich wünsche euch allen einen zufriedenen Tag.

    Ette

    Ich danke dir Ayki!

    Hier lese ich oft so viel Verzweiflung, Trauer und Schmerz und selbst habe ich mir auch schwere Gedanken und schlechte Stimmungen von der Seele geschrieben. Nun möchte ich auch ein paar Eindrücke von schönen Momenten hierlassen. Nicht dass wir die womöglich vergessen. Die sind nämlich immer da, wir haben nur zeitweise die graue Brille auf und sehen sie nicht.

    Liebe Grüße
    Ette

    Thihaso,

    solche Tage kenne ich auch. Alles grau in grau und dann noch der Regen. Es ist ein Angehen, sich dagegen zu wehren, ich weiß.

    Ganz pragmatisch kann man das auch mit einer Art Plus-Minus-Liste. Schreib mal auf, was gut ist an deinem Alleinsein mit den Kindern und was weniger gut. Und dann mach das Gleiche für das Zusammenleben mit deinem Mann. Du wirst ganz Erstaunliches feststellen. Und so schwarz auf weiß, formuliert, zum immer wieder Ansehen, da wird einem einiges klar.

    Mit Problemen mache ich das ab und an. Allerdings habe ich es nicht für meine Ex-Beziehung gemacht. Hätte ich mal tun sollen, dann wäre ich vielleicht schneller mit durch gewesen.

    Liebe Grüße

    Ette

    Hallo ihr Lieben,

    ich wusste gar nicht, dass Regenwetter so schön sein! Heute morgen beim Aufwachen wäre ich nie auf diese Einsicht gekommen. Ein, zwei Altlasten hatten sich wieder in meinem Kopf breit gemacht, die sich erst davonschlichen, als ich die Gedanken dazu formuliert, das schlechte Gefühl benannt hatte. Dann erst konnte ich sie loslassen. Ganz erleichtert machte ich mich also auf meinen Regenspaziergang, um mir den Kopf vollends durchlüften zu lassen.

    Geradezu gemütlich hörte sich das Trommeln der Regentropfen auf dem Stoff des Schirmes an und genüsslich schmatzte die feuchte Erde unter meinen Schuhen. Der Duft von Heckenrosen und Heu erschien mir viel dichter in der regenfeuchten Luft als an sonnendurchschienen Tagen und hing in dampfenden Schwaden zwischen dem nassen Laub der tropfenden Bäume. Pfützen, in denen die Regentropfen zarte Kreise malten und ein paar Meisen, die schnell wieder unter dichten Blätterdächern verschwanden, kaum Menschen begegneten mir.

    Eins fühlte ich mich mit der üppig grünen, nass glänzenden Natur, den Gräsern, auf denen silberne Tropfperlen schimmerten. War mir meiner Lebendigkeit bewusst, die sich in den Muskeln zeigte, die bei jedem Schritt ohne zu Murren funktionieren. Meine Sinne, die alles um mich herum ganz wach wahrnahmen, auch die Zeit, die friedlich und ohne Turbulenzen dahinfloß. Flow-Gefühl.... irgendwo habe ich diesen Ausdruck einmal gehört und nahm es ganz bewusst wahr, dieses Empfinden, verstanden zu haben.

    Udo Lindenberg fällt mir ein und sein: „...dann kamst du aus dem Regen, so wie ein alter Freund....“, doch hinter der nächsten Wegbiegung blickten mir nur Haselsträucher und riesige Brennnessel-Wedel entgegen. Und ein Schild, das rot-weiß die Durchfahrt verbietet. Das erklärt natürlich einiges. Wie soll mir hier jemand durch den Regen entgegenkommen, wenn man nicht durchfahren darf? Wer geht bei diesem Wetter schon zu Fuß? Eine Irre - vielleicht....

    Aber schön war´s!

    Ette

    Guten Morgen Kletterrose,

    ich sehe das ein wenig anders als du, das mit dem Denken und Fühlen und uns bewusst in schlimme Lagen zu bringen.

    Wer trinkt, denkt anders, denn das Trinken verändert die Psyche. Ich glaube manchmal, ihr eigenes Fühlen schütten sie zu, um nicht damit konfrontiert zu werden. Sie bringen uns auch nicht bewusst in unsere Lage, sondern weil sie nicht anders können. Zudem tragen wir selber einen ganz schön großen Teil dazu bei. Niemand muss sich selber aufgeben, um den Anderen zu retten, aber wir versuchen es immer wieder. Wir wollen die tolle Frau sein, die ihn von der Sauferei losbringt. Wenn dein Mann jetzt eine neue Frau hat, dann meint sie jetzt vielleicht, seine Retterin werden zu können. Sie wird scheitern, wenn er es nicht selber will.

    Du hast recht, wenn du bemängelst, dass es für Co´s keine Klinik- und Therapieplätze gibt. Speziell für Co´s sicher nicht, aber du hast genauso die Möglichkeit, dich in therapeutische Behandlung zu begeben. Es ist nur deutlich anstrengender als dies für den Abhängigen selber ist. So habe ich es jedenfalls empfunden. Ich musste mich kümmern und telefonieren und mich bemühen. Ich konnte nicht einfach zu einer Suchtberatung gehen und sagen, ich kann nicht mehr, helft mir. Ich habe jedoch das Glück, einen sehr verständnisvollen Hausarzt zu haben, der ohne großes Primporium mit mir zusammen einen Reha-Antrag ausfüllte als ich in der gleichen Situation wie du war. Innerhalb von vier Wochen hatte ich die Genehmigung dazu und konnte sechs Wochen lang nur für mich etwas tun. Das hat nicht alles gleich wieder heile gemacht in mir, mir aber sehr geholfen, meinen Weg aus der Abhängigkeit von meinem Ex zu finden. Nicht ohne Rückfälle, aber inzwischen bin ich deutlich autonomer und kann für mich alleine zufrieden leben, ohne ihm hinterher zu jammern. Und es hat mir geholfen, irgendwann eine erwachsene, eine gesunde Liebe mit einem Menschen zu leben.

    Elle hat recht, es verletzt uns, wenn wir das Gefühl haben, dass wir und unsere Beziehung mit ihm kein Ansporn sind, dass er mit dem Trinken aufhört. Schließlich lassen wir uns auf so viele Dinge ein ihm zuliebe. Dinge, für die wir uns irgendwann hinterher an den Kopf fassen, weil sie uns so krank und dumm erscheinen. Wir lassen uns klein machen, demütigen und verzeihen immer wieder und hoffen, dass alles gut wird.

    Und in dieser Trennungsphase, in der du jetzt steckst, da greifen wir nach jedem Lebenszeichen von ihm wie nach einem rettenden Strohhalm, weil wir denken, jetzt endlich bekommen wir von ihm auch die Liebe, die wir ihm so lange ohne zu hinterfragen gegeben haben. Kletterrose, wir müssen uns selber viel mehr lieben und achten, unsere eigenen Gefühle ernst nehmen und sie zulassen. Die Trauer, die Wut, das Selbstmitleid und die Enttäuschung. Nur uns nicht darin festbeißen, darin verweilen und denken, dass nur er, wenn er nicht mehr trinkt, uns daraus erlösen kann. Wir ganz alleine können uns da rausholen, vielleicht nicht unbedingt ohne Unterstützung. Aber die erhalten wir in Plattformen wie dieser oder in SHG´s, die es in unterschiedlichsten Formen gibt. Oder auch durch ganz professionelle Hilfe, für deren Inanspruchnahme wir uns auch nicht schämen sollten.

    Liebe Grüße

    Ette

    Stoffelchen,

    nicht nur Riechen ist etwas Schönes. Ich glaube, alles was wir bewusst wahrnehmen, bekommt seine ganz eigene Schönheit. Ein Lachen, ein Duft, ein Geräusch, der Regen, ein Blick,..... Ich fühle mich auch in der Lage, Vieles bewusst wahrzunehmen. Auch die alten Strukturen, die immer wieder den Kopf heben und sich in den Vordergrund drängen wollen. Ich kann sie wahrnehmen und ihnen sagen, dass sie ausgewirkt haben. So lange, bis sie es irgendwann aufgeben, mich bestimmen zu wollen. Dann bin ich wieder ein Stück mehr heil geworden.

    Ich wünsche dir und natürlich auch allen Anderen ein schönes Wochenende.

    LG

    Ette

    Elfchen,

    ich kenne es, dieses tief im Loch sitzen und sich vorzukommen, wie das letzte arme Hascherl, das kaum mehr in der Lage ist, sich selber zu versorgen. Ausgesogen vom Sorgen und vom vergeblichen Hoffen. Hab die Zeit hinter mir, in der ich nur mehr dort funktionierte, dort wo es unbedingt sein musste und ansonsten alles liegen ließ, was zu tun war, weil ich einfach keine Kraft mehr hatte.

    Aber für ihn hatte ich immer Kraft. SMS, Mail, ein Anruf, weil unbedingt noch etwas zu klären war oder ich mit einem Problem konfrontiert war, das nur er alleine lösen konnte. Immer wieder fand ich einen Grund, ihm nah zu sein und wir trafen uns hin und wieder und dann wieder öfter. Und in diesem Stunden fühlte ich mich dann ganz und heil. Nur alleine schien ich nicht mehr lebensfähig.

    Irgendwann, als ich mir vor dem Einschlafen immer überlegte, wie schön es wäre, nicht mehr aufzuwachen, wurde mir Angst um mich. Ich wollte mir nicht überlegen, wie ich möglichst schmerzfrei auf die andere Seite kommen könnte, sondern wieder leben und lachen und mich leicht und unbeschwert fühlen. Die da lag und klagte, das war nicht ich. Und doch kam ich aus diesem Loch, das mich in immer engeren Spiralen in sich einzusaugen schien, nicht mehr alleine heraus.

    Also ging ich zum Arzt und bat um Hilfe. Hab mir ganz einfach eingestanden, dass ich alleine demgegenüber machtlos bin, so wie der Abhängige dem Alkohol gegenüber machtlos ist. Und seither geht es kontinuierlich bergauf. Nicht immer und nicht jeden Tag gleich gut, aber es wird besser und leichter und ich bin langsam wieder ich. Ich habe es nicht verdient, dass es mir schlecht geht, sondern habe ein Recht darauf, zufrieden und froh zu leben. Elfe, die Energie, die wir aufbringen können, um uns um unsere trinkenden Angehörigen zu kümmern, die einfach mal für uns einsetzen, denn bei uns selbst haben wir viel bessere Chancen, mit dieser Energie etwas zu bewirken.

    Liebe Grüße
    Ette

    Hallo Cyberrat,

    Weicheier mit einem Hang zum Masochismus – ach weißt du, das sind wir alle, wenn wir immer und immer wieder hoffen, dass unsere Angehörigen aufhören mit dem Trinken. Wir helfen ihnen aus der Patsche, weil wir sie so grenzenlos lieben, dass wir unsere eigenen Grenzen vergessen. Wir lassen uns einlullen, womöglich noch beschuldigen, dass sie wegen uns trinken müssen und trauen uns oft nicht, Dinge beim Namen zu nennen, weil sie dann zornig und laut werden oder davonlaufen, oder, oder, oder. In der Regel sind die Gründe für das Trinken immer im Außen in der schlechten Welt, von der wir ein Teil sind.

    So lassen wir uns vom hohen Ross herunter mit einer Arroganz klein machen, dass wir unter der Grasnarbe gehen könnten, weil wir uns selber aufgegeben haben, um den oder die Trinkende zu retten. Dabei ist das Einzige, was wir retten können, unsere eigene Haut. Aber daran machen wir uns erst, wenn der Leidensdruck kaum mehr zu ertragen ist, wir vielleicht schon körperliche Beschwerden davon getragen haben oder denken, wir seien geisteskrank, weil wir Anderes spüren als der Abhängige in seiner nach seinen Vorstellungen modifizierten Wahrheit erzählt.

    Bei mir hat es sehr lange gedauert, bis ich mich selber auf meinen eigenen Weg gemacht habe, nicht mehr gehofft, nicht mehr Teil des Systems sein wollte. Dieses System, von dem ich das Gefühl hatte, es dient nur noch dazu, ein Bild von Normalität nach außen zu zeigen.

    Für dich solltest du sorgen und für deine Kinder, denn sie können sich am wenigsten selber helfen und nehmen viel Unbewusstes mit. Vielleicht, wenn deine Frau begreift, dass sie selber etwas ändern muss und dadurch irgendwann in der Lage ist, auch in euere Beziehung etwas einzubringen, kann es wieder gut werden. Ich habe nur festgestellt, wenn der Angehörige nicht mehr trinkt, ist er noch lange nicht gesund. Genauso wenig wie wir, die wir nur immer darauf hoffen, dass alles gut wird, sobald er oder sie nur nicht mehr trinkt.

    Ich wünsche dir Mut und Kraft, zu schauen, warum du dir das alles aufgeladen hast und deinen gesunden Weg zu finden. Frag einfach, wenn du Fragen hast. Und lies hier, dann wirst du viele Ähnlichkeiten feststellen. Von all uns Weicheiern, den liebevollen.

    Liebe Grüße
    Ette

    Hallo ihr Lieben,

    trotz aller Erkenntnisse gibt es immer wieder Tage, über denen eine Art Grauschleier liegt. Gestern war ein solcher. Schon morgens mit Tränen in den Augen aufgewacht, nur leider waren alle Erinnerungen an den Tränen-Traum weg. Noch nicht einmal die Sonne, die vor den Fenstern leuchtete, konnte mich aufheitern.

    Also los ins Büro. Unterwegs, ein Gärtner war schon fleißig, der Duft von frisch gemähtem Gras, den ich liebe. An einem Blumenstand, an dem ich vorbei komme, kaufe ich mir ein dickes Bund Rosen, das ich zu hause genau dahin stelle, wo ich es als erstes sehe, wenn ich abends meine Wohnung betrete oder morgens aufstehe, in die Küche.

    Als ich abends nach hause gehe, duftet es nach Heu und dabei fällt mir ein, dass Verändertes einfach nur schön sein kann. Dabei hatte ich, bevor sich etwas veränderte, so oft das Gefühl, danach kein ganzer Mensch mehr zu sein.

    Der ganze Tag zog sich irgendwie wie Kaugummi und ich musste viele Pausen einlegen, um die Gedanken kommen und vor allem wieder gehen zu lassen. Gegen Abend dann, als ich mit ein paar Menschen sprach, lachte und herumfrotzeln konnte, stellte ich irgendwann fest, dass er weg war, dieser blöde Schleier. Einfach so – vielleicht weil ich meine Aufmerksamkeit auf schönere Ding lenken kann. Auf Düfte und Blumen und Lachen und Gras....

    Ich wünsche euch einen zufriedenen, friedlichen Tag.

    Ette