Beiträge von Ette

    Kaltblut,

    Schlangen häuten sich, wenn sie wachsen, weil die alte Haut irgendwann zu klein ist.

    Vielleicht sind unsere Verleugnungen wie so eine zu eng gewordene Haut, weil wir auch gewachsen sind. Unsere Häutungen sind schmerzhaft. Sie schneiden und brennen, hinterlassen ein wundes Gefühl auf der Seele und es dauert, bis diese Schmerzen weniger werden. Ganz langsam wächst sie nach, die neue Haut. Klarer und zarter, wie diese Häutchen, die sich, empfindsam noch, über Narben bilden. Wenn wir sehr achtsam mit dieser neuen Haut umgehen, kann sie vielleicht eine Art Glückshaut werden. So habe ich es jedenfalls empfunden.

    Ette

    Kaltblut,

    ich sehe, du hast dein Motto erweitert. Wir arbeiten, um zu leben. Ja, und im Moment arbeitest du mächtig. Aber es ist eine gute Arbeit, auch wenn sie schwer ist. Weil sie sich lohnt, weil sie die Päckchen kleiner macht, erträglicher, lebbarer. Manches musst du nur anschauen und kannst es wieder einpacken und vergessen, weil du andere, schönere Dinge in dein Päckchen packen kannst und es müssen überhaupt keine Dinge sein...

    Ach, du hast schon lang nix mehr vom Kochen erzählt. Haste etwa keinen Hunger mehr?

    Ette

    Hallo Elfriede,

    es tut mir leid, dass bei deinem Mann wieder gesundheitliche Probleme auftauchen. So wie ich dich aber "erlesen" habe, wirst du schon dafür sorgen, dass er die richtigen Pülverchen bekommt und keine billigen Plagiate.

    Gute Besserung auch an das Hundi... was ist es denn für einer?

    Ich wünsche dir noch einen schönen Abend. Vielleicht hast ja genauso gemütliches Regentropfenklopfen vor deinem Fenster wie ich. Es macht das Lesen im Bett zu einem kuschligen Erlebnis, finde ich.

    LG
    Ette

    Liebes Äpfelchen,

    deine Enttäuschung über die Unzuverlässigkeit deines Ex kann ich gut nachempfinden. Ich habe auch immer noch Dinge, von denen mir hoch und heilig versprochen worden war, dass sie erledigt würden. Allerdings nicht so Gravierendes wie nicht eingehaltene Besuchstermine für ein Kind.

    Ich mag mir gar nicht ausmalen, was in deinem Kind vorgehen muss, wenn es sich auf einen Besuch bei Papa gefreut hat. Kontinuität und Verlässlichkeit sind doch gerade für ein Kind sehr, sehr wichtig. Wie soll denn das Kerlchen Vertrauen entwickeln, wenn es immer wieder enttäuscht wird? Meines Erachtens ist ein kontinuierliches „Ohne-Papa-Leben“ noch gesünder als die immer wieder gebrochenen Versprechen. Hast du dich schon einmal darüber schlau gemacht, welche Möglichkeiten du hast, für das Wohl des Kindes zu sorgen?

    Vielleicht findest du ja, um für dich ein kinderfreies Wochenende zu organisieren, eine verlässlichere Person als den Vater deines Kindes.

    Ich drück dich

    Ette

    Hallo Kletterrose,

    willkommen hier! Ich hoffe, du findest hier die Kraft und Unterstützung, die du brauchst. Wenn du hier liest, wirst du immer und immer wieder ähnliche Schicksale finden wie dein eigenes. Du findest fast alles schon einmal geschrieben und wirst feststellen, dass du nicht alleine bist mit dem, was du erlebt hast. Mit der ein oder anderen Abweichung gleichen sich alle Geschichten.

    Als es bei meinem Ex-Freund und mir damals zur Eskalation kam, rieten mir mehrere Bekannte, die sich bereits vor Jahrzehnten von ihren trinkenden Ehemännern getrennt hatten, ich solle meine Beine in die Hand nehmen und so schnell und weit laufen, wie ich nur könne. Und mich vor allem nicht wieder auf ihn einlassen, denn er würde mich kaputt machen, egal, was er mir erzählen würde. Ich glaubte ihnen keine Wort, denn ich wusste es ja besser. Unsere riesengroße, einmalige Liebe würde uns in die Lage versetzen, das alles in den Griff zu bekommen – dachte ich und war fest davon überzeugt.

    Selbst als er mir sagte, dass er mit mir nicht mehr leben könne, weil er nur ohne mich trocken sein kann, sich aber immer wieder mit mir verabredete, hoffte ich und wollte mein eigenes krank sein nicht sehen. Es dauerte insgesamt mehr als zwei Jahre, bis ich es endlich schaffte, den Schnitt zu machen. Und plötzlich scheint alles so einfach und klar in meinem Leben, dass ich es manchmal gar nicht fassen kann. Aber ich musste es selbst erleben, durchstehen. Ratschlägen habe ich nicht geglaubt.

    Wie beim Trinken, musst du selbst den Willen und den Mut haben, dich auf ein Leben ohne den Alkohol deines Partner und vielleicht auch ohne ihn einzulassen. Es ist dein Leben, welches du gestalten kannst, so wie es dir gut tut. Ich musste erst herausfinden, was mir WIRKLICH gut tut und das hat gedauert. Deshalb konnte ich so lange nicht von ihm lassen.

    LG
    Ette

    Kaltblut,

    ich kann nachempfinden, wie es dir geht. Wenn du plötzlich feststellst, dass das Gesunde Angst macht, weil wir es nicht gewohnt sind.

    Das Kranke fühlte sich an wie Wasser, das in Stromschnellen dahin jagte. Nun sind die schlimmsten Wirbel überwunden und es kann es noch nicht glauben, dass es möglich ist, ohne Gischt und wilde Wellen zufrieden dahinzuströmen. Dieser Hexenkessel der Veränderung, in dem du gerade steckst, der gehört meines Erachtens dazu. Erst nicht begreifen, nicht verstehen wollen. Dann verwirrt und ängstlich über das Neue, Unbekannte, bevor sich die Zuversicht und das Vertrauen darauf einstellt, dass diese Veränderung Sinn macht. Alles braucht seine Zeit. Und wenn sie reif ist, trauen wir uns das zu dürfen was wir mögen.

    Ette

    Gestern war einer von den Tagen, an denen es mir wie Schuppen von den Augen fällt. Klarheit über etwas, was ich in all meinen co-abhängigen Bemühungen nie wahrhaben wollte. Und die Last auf den Schultern ist plötzlich um ein Vielfaches kleiner. Die Leichtigkeit des Seins, ich bekomme mehr und mehr eine Ahnung, ein Gefühl davon.

    Ette

    Auf dem richtigen Weg bleiben, manchmal ein, zwei Schritte zurück gehen, einen neuen Anlauf nehmen und geschehen lassen ohne Anstrengung. Dann fängt alles an, wenn die Zeit dafür reif ist.

    Ich wünsche allen einen wunderschönen Wochenanfang.

    Ette

    Hallo Elfriede,

    schön zu lesen, dass es dir gut geht. Deine Freude auf das Treffen, ich erinnere mich gut, wie aufgeregt ich jedes Mal war, wenn ich ihn in der Klinik besuchte. Ich war oft da. Und es war, bis auf einmal, immer himmlisch. So himmlisch, dass ich dachte, alles würde gut. Hattest du denn das Partnerseminar nun schon? Wohl kaum, sonst hättest du sicherlich davon erzählt.

    Leider kann ich dir mit dem Roller so gar keinen Tipp geben. Technische Embryonin, die ich bin. Vielleicht gibt es einen netten Nachbarn oder so?

    Auf jeden Fall wünsche ich dir ein wunder-, wunderschönes Wochenende.

    LG
    Ette

    @ Ayki, stimmt, hineinhorchen, machmal auch ein wenig länger oder tiefer oder weiter zurück. Wir sind wie wir sind, weil mit uns etwas passiert ist, was wir nicht mehr rückgängig machen können. Was uns dazu veranlasst hat, zu sehr zu lieben, zu sehr die Anderen zu lieben und uns zu vergessen. Brav wollten wir sein, perfekt, alles tun, damit die Anderen uns mögen. Rückgängig geht nicht mehr, aber anders geht. Ganz anders sogar, aber Zeit braucht es halt, das lebenslang Gelebte zu verändern. Mühsame Kaffeebohnen-Schritte, wo mir eher nach Siebenmeilen-Stiefeln wäre. Geduld ist genauso mühsam wie die Veränderung.

    @ Kaltblut: Vielleicht wenn wir die Liebe, die wir immer nur für Andere hatten und die Fürsorge auch einmal uns selber angedeihen lassen, ich glaube, dann steigen die Chancen, auf das Hohelied – und nicht nur als eine Art Ideal, sondern ganz real.

    Ette

    Hallo und guten Abend,

    heute sind mir tagsüber immer wieder Gedanken durch den Kopf gegangen, weil ich gemerkt habe, dass sich irgendetwas mit mir und um mich herum verändert.

    Früher war ich eine, die gerne alles alleine wuppte. Alles im Griff heißt auch alles unter Kontrolle zu haben und dabei ist Kontrolle so anstrengend. Überall mitgemischt, immer vorne dran, wenn es darum ging etwas in Gang zu bringen, etwas zu bewegen. Ein von diesen ganz Starken, die auf alles eine Antwort hatte und die gegen Dinge, die ihr nicht gefielen, solange argumentierte, bis der oder die Andere überzeugt war.

    Inzwischen ist es so, dass ich gemerkt habe, dass ich überhaupt nicht alles alleine regeln muss, lediglich das, was mich selber betrifft. Und schon gar nicht muss ich meine Mitmenschen unbedingt von dem überzeugen, von dem ICH meine, dass es richtig sei, denn was für mich richtig ist, muss es für den Anderen noch lange nicht sein. Dabei habe ich festgestellt, dass das absolut energiesparend ist! Natürlich helfe ich meinen Mitmenschen, wenn ich um Hilfe gebeten werde und ich es bewerkstelligen kann. Aber schon lange nicht mehr biete ich ungefragt meine Unterstützung an. Höchstens dergestalt, dass ich sage, der oder die Andere soll mir bescheid sagen, wenn Hilfe nötig und gewünscht ist.

    Ich würde mich sschließlich elbst ganz schön bedanken, wenn mir einer meine Verantwortung für mich aus der Hand nehmen würde. Und dabei machen wir Co´s das doch allzu gerne. Männer, Partner, Freunde – oftmals behandeln wir sie wie kleine Kinder und wundern uns dann, dass sie keine Eigenverantwortung entwickeln mögen. Warum auch? Wenn wir alles wuppen, ist es für unsere Umwelt doch viel bequemer! Ich mache es mir jetzt auch ein wenig bequemer und sorge in erster Linie für mich. Dass es mir gut, dass ich mit dem Leben zurecht komme. Dabei liebe ich meine Nächsten wie mich selbst – nicht mehr und nicht weniger.

    Ette

    Hallo Akire,

    wenn du vorwurfsvoll reklamierst, dass dir niemand antwortet, frag ich einfach mal, ob du hier schon ein wenig gelesen hast. Letztendlich stehen die Antworten auf alle deine Fragen schon irgendwo. Wenn wir akzeptieren, dass unser Problem nicht einmalig ist, haben wir genauso die Möglichkeit, aus den Erfahrungen der Anderen zu lernen. Du möchtest deinem Freund helfen. Wie oft steht hier schon, dass die einzige Hilfe das nicht helfen ist? Erfahrungsberichte von ähnlich gelagerten Fällen ohne Ende. Sie müssen nicht immer wieder unter jeden neuen Thread neu geschrieben werden.

    Deine Statistik über Klicks und User, die dir persönlich antworten, in allen Ehren, aber so richtig weiter hilft die auch nicht, wenn es um das Thema Co-Abhängigkeit geht. Und selbstmitleidiges „mein Thema ist wohl nicht interessant genug“ genauso wenig.

    Ette

    Hallo Kaltblut,

    das Buch, welches du grad liest, habe ich heute aus dem Bett geschmissen. Es war unter ein paar Kissen gerutscht, nachdem ich es, wieder einmal, durch hatte. Als ich es diesmal las, dachte ich, ich hätte die anderen Male immer gepennt. Iiiiiich doch nicht, ich bin doch nicht so bekloppt und blind, wie die Frauen, von denen da geschrieben wurde. Genauso wie Alkoholiker immer wieder sagen, sie wären es nicht. Genauso verleugnend, genauso illusionär hab ich mir meine eigene Welt zurechtgebogen. Bis es mir irgendwann Oberkante Unterlippe stand. Als ich es diesmal las, hab ich mirs einfach eingestanden, vielleicht war die Zeit endlich reif. Alles fängt an, wenn die Zeit reif ist – hängt ein Zettel an meinem Kühlschrank. Im Moment ist die Zeit für Vieles reif, wie mir scheint.

    Und was die Sache mit den Kindern betrifft, wir alle waren mal welche und manchmal stellst du nach einem halben Jahrhundert fest, dass du als Kind schon mit etwas konfrontiert warst, was dir heute begegnet, es aber gar nicht realisiert hast damals. Dann weißt du auf einmal, warum du tickst, wie du tickst und dass du nur etwas wiederholst, was du irgendwann schon einmal erfolglos versucht hast.

    Ette

    Tina, deine Ambivalenz kann ich gut nachvollziehen. Ich habe sie manchmal immer noch. Es dauert lange, bis Liebe und Hoffnung sich dahin zurückziehen, wo sie herkommen. In uns selbst – und da sollten sie dann auch wieder wirken. Nicht dafür, dass der Andere seinen Weg aus der Trinkerei findet, nein, die Liebe muss für uns selber sein und die Hoffnung auch. Wir schaffen so viel, wenn wir uns nur trauen. Wenn du hier liest, stellst du fest, dass Angehörige oft schier Unmögliches, Untragbares auf sich nehmen für ihre trinkenden Partner oder Freunde. Nur für uns selbst zu sorgen und unseren Weg zu gehen, das scheint uns so unvorstellbar schwer. Es wird leichter, wenn du es zulässt, glaub mir. Ich erlebe es zur Zeit und bin dankbar dafür.

    Ette

    Manchmal kommt es mir vor, als ob sich alles potenziert, was ich fühle, wie meine Gedanken sind. An den Tagen, an denen ich mich in einem tiefen Loch befinde, wie unter grauer Asche mühsam atme, an denen läuft alles schief. Die sich selbst erfüllende Prophezeiung schlägt mir Abwehr, Beschwerden und nicht aushaltbaren Stress ins Gesicht und lässt mich immer weiter sinken. Wie in einem Sog immer tiefer und tiefer.

    Die letzten Tage hingegen haben mir gezeigt, dass es anders herum genauso geht! Nur- das fühlt 1000 mal besser an! Wenn ein Ding funktioniert und ich mich freue, dann potenziert sich auch diese Freude bzw. die Menschen um mich herum gehen ganz anders mit mir um. Keiner scheint mehr missmutig oder schlecht gelaunt. Selbst heute, als die Schwüle auf die Gemüter drückte und Gewitterwolken wie eine zähe graue Masse am Himmel drohten, flog mir immer wieder ein Lächeln entgegen.

    Ich glaube, ich muss üben, leichter und froher zu sein, damit man mir leichter und froher entgegenkommt. Müheloser will ich werden, mich nicht mehr anstrengen, geschehen lassen, dann verzieht sich die Mühseligkeit, sagt mir die Zuversicht.

    Ette

    Kaltblut, ich musste mal wieder ziemlich breit schmunzeln, man(n) könnte es fast schon grinsen nennen. Oberknallende Eier-im-Wind-Kühler, deine Wortschöpfungen, ja, die haben was.

    Ich finde es nicht verwunderlich, dass du dich nicht fahren trautest. Ich traute mich auch manche Dinge eine zeitlang nicht mehr. Vielleicht gehört das zum Co-Dilemma.

    Im übrigen hatte ich mich schon gewundert, wo die rote Italienerin geblieben war. Warst du etwa nicht mehr beweglich genug für ihr südliches Temperament?

    Kein Bild, kein Ton? Wenn es dir gut tut, genieß es.

    Ette

    Guten Morgen!

    So ganz gemütlich war es dann gestern doch nicht, denn wie eine viel zu warme Decke lag die Hitze auf der Haut. Wind, der keine Abkühlung brachte, sondern wie der Luftstrom eines Föns alles auszutrocknen schien. Alle Poren atmeten Glut und selbst die Mundhöhle fühlte sich sandig und ausgedörrt an. Wie unter Wasser meine Schritte. Doch war es nicht das kühle Element, dass mich zeitlupenartig bewegen ließ. Dieser Sommertag, der wie aus dem Nichts entstanden war, macht mir das Gehen zur Qual. Als ich am Horizont meinte, den Schatten Saturns zu sehen, ging ich trotzdem vor die Tür, um andere Gedanken in meinen Kopf zu bekommen.

    Vorbei an Häusern und parkenden Autos, an freundlich grüßenden Passanten und stummem Gesträuch, das mir mit staubigen Blättern zuwinkte. Ein Rieseneisbecher brachte nur kurze Abkühlung und, wieder zu hause, flüchtete ich mich ins kühle Schlafzimmer, um in der Horizontalen die schlimmsten Hitzestunden zu überstehen.

    Abends dann Probleme, einzuschlafen, Herzklopfen, das wohl nicht die Hitze als Ursache hatte und Tränen, die aus einem unerklärlichen Nichts kamen. Morpheus, dieser treulose Geselle, hat sich wer weiß wo herumgetrieben, anstatt mich in die Arme zu nehmen. Entsprechen schwer fiel mir heute morgen das Aufstehen. Aber eine kühle Dusche wird mir gleich die nötige Wochenanfangsenergie auf die Haut sprühen – hoffe ich jedenfalls.

    Ette