Beiträge von Ette

    Guten Morgen!

    Dort am Spiegel hängt das Sonnenpolaroid, damit ich es immer sehen kann. Siehst du es, Stoffel? Ich habe noch ein zweites daneben gehängt, von einem Sommerabend unter alten Bäumen, damit mir der Sommer in Erinnerung bleibt.

    Heute morgen bin ich aufgewacht und hatte das Empfinden, heil zu sein. Ohne traurige Gedanken, ohne melancholische Anwandlungen. Einfach zufrieden in mir. Ich denke, irgendwann wird es von hier aus auch weitergehen.

    Ich möchte heute aber nicht so sehr weit gehen. Dazu ist es mir zu warm. Heute ist mein Ette-Tag, den ich nur mit ihr verbringen möchte. Sie soll heute meine ungeteilte Aufmerksamkeit haben und ich werde sie gleich mit einem Buch auf den Liegestuhl betten, damit sie für die neue Woche Kraft sammeln kann.

    LG

    Ette

    Ach Funnie,

    schon so oft hast du das geschrieben. Immer wieder findest du einen Grund, mit ihm in Kontakt zu treten. So wie der Trinker immer wieder einen Grund zum Trinken findet. Noch immer lässt du es zu, dass er deine Gedanken und Gefühle beherrsscht, denn auch dein Zorn und deine Wut sind ein Teil des nicht loslassen wollens. Wenn er trinkt, dann kann er nicht anders. Weder deine Liebe hat es verhindern können, noch kann es deine Wut.

    Achte auf deine eigenen Gedanken, deine eigenen Gefühle und richte sie nicht ständig auf ihn. Mir scheint , sie kreisen um ihn wie die Gedanken des Trinkers um die Flasche.

    Ette

    Guten Morgen!

    Wieder ist eine Woche vorüber. Der Sommer ist endlich zurück und es liegen ein paar schöne Stunden vor mir. Wenn ich zurückschaue auf die vergangenen Tage, stelle ich fest, dass mir wieder Einiges gelungen ist, was ich mir schon sehr lange gewünscht hatte. Dinge, die überhaupt nichts mit „ihm“ zu tun haben und die mir halfen, den Kopf frei von den Gedanken an ihn zu halten.

    Ein paar Mal erwischte ich mich dabei, dass ich ihm gern erzählt hätte, was mir passiert ist und wie ich mich dabei fühle. Noch immer habe ich das Empfinden, dass er der Mensch ist, der mich in manchen Dingen am besten versteht. Dann beschlich mich auch die Trauer wieder, dass er nicht mehr der Erste sein wird, der von dem erfährt, was mich bewegt. So wie ich nicht mehr diejenige bin, die er gleich anruft, wenn es bei ihm Neuigkeiten gibt. Rigoros musste ich diese Gedanken aus meinem Kopf verjagen, denn sie machten, dass die Tränen in den Augenwinkeln startklar auf das Öffnen der Schleusen warteten.

    Startklar möchte ich lieber selber sein. Für neue Erfahrungen, neue Aufgaben, neue Menschen. Meine Verbundenheit zu ihm bekommt kleine Löcher. Wie eine Perforation, eine Sollbruchstelle. Doch noch immer wäre ich bereit, mit ihm zu leben, wenn er klar Stellung beziehen würde für eine Gemeinsamkeit. Ich habe ihm oft genug gesagt, dass er mir wichtig ist und ich denke, dass wir es zusammen schaffen können. Jetzt ist es an ihm. Inzwischen bin ich mir jedoch ziemlich sicher, dass er das nicht tun wird. Ich will aber nicht mehr machtlos zusehen und warten, dass er sich in meine Richtung bewegt. Selber will ich mich bewegen, so wie es mir gut tut.

    Seneca sagt, dass es leichter ist, etwas nicht zu bekommen, als es zu verlieren. Und genauso empfinde ich im Moment. Wobei sich der große Schmerz darüber, dass es vorbei sein soll, in eine Art Melancholie gewandelt hat. Ein Bedauern auf der einen Seite und eine warme Freude darüber, dass er nun schon eine ganze Weile ohne seine gläserne Geliebte lebt. Bittersüße Erkenntnis aber auch, dass ich eine Strecke seines Weges vielleicht nur die Ersatzdroge war, die ihn davon abhielt, sich vollends mit sich auseinander zu setzen. Es hatte aber auch für mich einen Sinn. Denn ich habe im Laufe dieser Zeit erkannt, dass auch in mir eine ganze Menge nicht rund läuft und ich mich ohne ihn damit sicherlich nicht befasst hätte.

    So haben auch die Trauer und der Schmerz ihren Sinn. Wie sich aber erst im Zurückblicken zeigt. Heute will ich aber nicht trauern, sondern mich freuen, dass die Sonne scheint und mir dieses sonnige Gefühl gut merken, damit ich es mir an den grauen Tagen wieder in Erinnerung rufen kann.

    Ette

    Hallo Partner,

    gut, dass du hierher gefunden hast. Herzlich willkommen!

    Vielleicht erzählst du ein wenig mehr von dir, von deiner Situation. Viele Tipps wirst du schon dadurch bekommen, dass du die Geschichten der anderen Schreibenden hier liest. Ansonsten, wenn du konkrete Fragen hast, wird dir mit Sicherheit jemand antworten. Falls es jedoch deinerseits keine direkten Fragen gibt, schreibe dir einfach alles von der Seele, was dich bedrückt. Das kann manchmal schon ein wenig weiterhelfen.

    Liebe Grüße

    Ette

    Ach Kaltblut, was ist schon „normal“? Keine Sorgen zu haben, sicherlich nicht. Aber sich um die eigenen Dinge zu sorgen und den Anderen für seine Dinge selbst sorgen zu lassen, so sollte die Normalität aussehen. Ich denke, wir haben alle unsere Gründe dafür, dass wir uns mehr um unsere trinkenden Angehörigen gekümmert haben und kümmern, als um uns selbst. Und da finde ich es schon wichtig, zu hinterfragen. Mich selber zu hinterfragen, warum ich bestimmte Dinge getan habe oder teilweise noch tue. Nur so kann ich schließlich verhindern, wieder in gleiche Strukturen zu rutschen und vielleicht nur das Objekt meines „Kümmerns“ auszutauschen.

    Helm? Hoppla, hab ich da jetzt was verwechselt? Ich habe mir extra das nächste Wochenende freigehalten, weil ich dachte am kommenden wärst du „schwarz wäldern“. ;)

    Liebe Grüße

    Ette

    Kaltblut, ich glaube auch, dass das der Grund für das männliche Co-Schweigen ist. Weil sich „Kerls“ schwerer damit tun, sich mit Haut und Haar und Gefühlen in eine Beziehung fallen zu lassen, landen sie nicht hier.

    Wobei ich denke, wenn sich zwei gesunde Menschen in eine Beziehung fallen lassen, werden sie trotzdem in der Lage sein, ihre eigenen Grenzen zu setzen. Das Problem bei Abhängigen und Co-Abhängigen ist, denke ich, dass beide ihre Defizite durch den anderen heilen wollen. Der eine füllt seine innere Leere mit Sprit und der andere mit der Sorge um den, der trinkt.

    Ette

    Hallo Elfriede,

    ich habe auch ein Angehörigen-Seminar mitgemacht als mein Ex in der LZT war. Es ging über eine Woche und wir mussten nicht tanzen. Drei Einheiten Gruppenarbeit am Tag, was ganz schön anstrengend war. Ich hatte das Gefühl, dass wir viele Tipps bekamen, wie wir miteinander umgehen können nach der Therapie. Allerdings ist es dann hinterher am tatsächlichen Tun gescheitert. Feste Gesprächszeiten in der Woche z. B., in denen man sich gegenseitig seine Befindlichkeiten und Gefühle erzählt, blieben einfach auf der Strecke. Ich hatte das Gefühl, dass ich selbst die ganze Geschichte ernster genommen habe als er. Na ja, zu dem Zeitpunkt wusste ich auch noch nicht, dass er lieber ohne mich trocken sein will. Aber wenn beide am gleichen Strang ziehen und den Willen haben, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen und ihrer Beziehung eine neue Basis zu geben, dann halte ich so ein Seminar für sehr hilfreich.

    Liebe Grüße

    Ette

    Guten Morgen,

    ich finde es schon seltsam, dass scheinbar keine Männer, außer Stoffel und Kaltblut, von Co-Abhängigkeit betroffen sind bzw. sich dazu äußern. Wo bleiben sie mit ihrer Machtlosigkeit, ihrer Wut, ihrer Trauer? Oder werden diese Gefühle einfach vergraben? Vielleicht gar nicht erst wahrgenommen?

    Ette

    Guten Morgen HellsDoughter,

    es macht mich sprachlos, was dir passiert und was du zulässt, dass es mit dir passiert. Sprachlos macht mich auch, dass du schreibst, dass eine Trennung für dich nicht in Frage kommt. Du bist nicht leer, wenn du alleine lebst, denn du wirst Zeit und Muse habe, schönere Dinge in dein Leben zu lassen, als die, die gerade da sind. Ich weiß, dass Veränderungen Angst machen und ich kenne den Zustand der Unsicherheit vor einer Veränderung. Trotzdem ist sie unumgänglich, wenn du ein menschenwürdiges Leben führen willst. So, wie du schreibst, empfinde ich dein Leben als ein einziges Chaos, eine Quälerei.

    Was sind denn die schönen Momente in deiner Beziehung? Was tut er dir Gutes, dass du ihn nicht sich selbst überlassen kannst? Du hast es bei deiner Mutter gelernt, schlecht behandelt zu werden. Doch bist du jung genug, umzulernen. Das geht jedoch nicht, wenn du bei ihm bleibst. Du wirst ihn nicht davon abhalten können, zu trinken. Genauso wenig, wie du deine Eltern, speziell deine Mutter, davor retten konntest.

    Speedy hat recht. Nimm die Beine in die Hand und laufe. So wie es ist, wirst du nicht zur Ruhe kommen, ganz im Gegenteil.

    Ich wünsche dir Mut und Kraft, etwas zu verändern. Du selbst bist es wert, dass es dir gut geht. Er wird dafür nicht sorgen. Das ist ganz allein deine Aufgabe. Er hat seinen „Versorger“, den Flaschengeist und gegen den kommst du nicht an. Da bist du machtlos.

    Gruß

    Ette

    Hi Tom,

    dann habe ich dein Posting missverstanden, sorry.

    Die Sache mit dem Selbstmitleid kann ich gut nachvollziehen. Für mich habe ich festgestellt, dass es eine Art von mich aus der Verantwortung stehlen ist. Solange ich den Grund für meine schlechten Gefühle außerhalb meiner Person suche, kann ich mich als Opfer sehen, habe Mitleid mit mir armen Hascherl und muss auch nichts tun, denn ich erwarte ja, dass der oder die Andere etwas tut. Sobald ich jedoch meine eigene Verantwortung an dem, was geschieht, wahrnehme, kann und muss ich selbst etwas verändern. Das kann recht unbequem sein, denn schließlich muss ich dann die Verantwortung für meine schlechten Gefühle selber übernehmen. Ich habe es dann aber auch in der Hand, dafür zu sorgen, dass es mir besser geht. Ich denke, da sind die Vorgehensweisen sowohl bei Alkohol- als auch Co-Abhängigen gar nicht so unterschiedlich.

    Ette

    Guten Morgen Tom,

    deine etwas mystische Äußerung, dass dir hier die Augen geöffnet wurden und du dies nicht näher ausführst, finde ich wenig hilfreich. Sie erinnert mich an einen kleinen Jungen, der sagt: Ich weiß was, ich weiß was, aber ich verrats euch nicht!

    So wie ich das beim Lesen deines Threads mitbekommen habe, wusstest du von Anfang an, dass Apfel hier schreibt und liest. Ich sähe in dieser Tatsache die Chance, miteinander ins Gespräch zu kommen, ohne die Nähe eines persönlichen Gespräches, das immer auch die Gefahr einer emotionalen Eskalation birgt.

    Deine Äußerung jedoch lässt jede Menge Raum für Spekulationen, Unterstellungen und Vermutungen. Wie gesagt, ich finde es wenig hilfreich, sich so zu äußern. Klare Worte, die unter Umständen auch schmerzen können, aber dem oder der Anderen deutlich machen, wo man selber steht, sind meiner Meinung nach manchmal unumgänglich. Jedenfalls habe ich es so für mich erfahren.

    Ette

    Guten Morgen,

    und das ist er, obwohl die Fensterscheiben wie tränenblind sind, weil der Regen gegen sie trommelt. Ausgeschlafen bin ich und der Tag liegt vor mir. Sonnig kann ich meine Stimmung zwar nicht gerade nennen, aber deutlich weniger grau als der Himmel, der schon mit dem nächsten Schauer dräut.

    Jeden Tag ein wenig heller, jeden Tag ein weniger unabhängiger, so fühle ich mich im Moment. Viele Dinge sind mir in der vergangenen Woche gelungen. Ganz neue, ganz aufregende und solche, die einfach Alltäglichkeiten sind, in der letzten Zeit jedoch nur mehr Anstrengungen waren. An den Abenden ist mir aufgefallen, dass ich mit einem Gefühl der Zufriedenheit ins Bett gegangen bin. Zufrieden über die friedliche Stille, die mich dann umgab und zufrieden darüber, wieder einen Tag ohne diese abgrundtiefe Trauer geschafft zu haben.

    Keine Gedanken daran, dass ich ohne ihn auskommen muss, obwohl ich ihn nach wie vor vermisse. Gerne würde ich mit um zusammen wachsen. Vielleicht sind wir jedoch wie zwei Pflanzen, die unten an der Stelle, an der sie aus der Erde treten, entfernt voneinander starke Wurzeln und ein kräftige Basis ausbilden müssen, um im Verlauf ihres Wachstums ihre Blätter auszubreiten und sich irgendwann zu berühren.

    Ette

    Guten Morgen,

    Kaltblut, vielleicht ist es gerade die Uhrzeit, die es mir erlaubt, so zu denken und zu schreiben. Schmerzhafte Klarheit zuzulassen, bevor sich allzu viele Gedanken im Kopf breit gemacht haben und mir etwas vorgaukeln wollen, was einfach nicht da ist und was ich so gern sehen möchte.

    Ette

    Guten Morgen Betty,

    dieses Gefühl, nicht über bestimmte mit meinem Partner reden zu wollen, um nichts kaputt zu machen, kenne ich sehr gut. Ich habe aber auch gemerkt, dass es sehr gefährlich ist, mich so zu verhalten. Die alten Muster abhängig-co-abhängig haben dann überhaupt keine Chance, durchbrochen zu werden. Ich habe mich auch einfach nur an der Tatsache gefreut, dass er nicht mehr trank und gehofft – gehofft, dass wir wieder zueinander finden, so wie ich früher gehofft habe, dass er aufhört zu trinken. Ich habe für mich daraus gelernt, dass wir nur eine Chance gehabt hätten, wenn wir all das, was in unserm Innern ist, benannt und somit offen gemacht hätten.

    Wir haben beide die harmonischen Stunden genossen und jeder hatte seine eigenen Gedanken darüber und hat sie für sich behalten. Er dachte vielleicht, dass ich ihn annehme, auch wenn er mir bestimmte Dinge nicht gibt. Und ich hatte immer die Hoffnung, dass er irgendwann den Dreh bekommt, so zu mir zu sein, wie ich es mir wünsche. Wieder einmal die Hoffnung also, dass er zu dem wird, den ich in seinem Innern vermute. Dass ich glücklich wäre, wenn er sich noch ein klein wenig verändern würde. Es klappt so nicht, stellte ich für mich fest. Wenn ich nicht anspreche, was in mir passiert gedanklich und emotional, laufe ich Gefahr, illusionär zu leben. Und das hindert mich daran, gesund und zufrieden zu sein. Ich weiß nicht, wie es ihm dabei geht. Wie gesagt, wir haben nie darüber gesprochen.

    Inzwischen habe ich das Gefühl, ihn meiden zu müssen, so wie er seinen Stoff meiden muss. Ich will erst einmal mit mir selber klarkommen. Ich vermisse ihn sehr und versuche immer in mich hinein zu spüren, ob dieses Vermissen etwas damit zu tun hat, dass ich ihn einfach gern habe und mit ihm zusammen sein möchte. Oder ob es eher so ein Gefühl ist, dass mein Glück und meine Zufriedenheit davon abhängt, ob er da ist.

    Ich glaube, das Schmerzhafte ist gar nicht so sehr die Trennung, sondern die Tatsache, dass wir mit der Trennung auf uns selbst zurückgeworfen sind. Somit müssen wir feststellen, dass wir einem Phantom hinterher jagen. Dem Phantom „Glück“, das scheinbar nur da ist, wenn wir mit jemandem zusammen sind. Denn alleine, so haben wir in unserem Innern das Gefühl, sind wir nichts. Und durch unser Sorgen und helfen wollen, unser Jammern und Hoffen vermeiden wir es, dieses Gefühl wahrzunehmen.

    Ich habe für mich festgestellt, dass nicht darüber zu reden, was ich fühle, eine Art Vermeidung ist. Ich wollte mir das schöne Bild erhalten, um nicht sehen zu müssen, wo es krankt.

    Vielleicht solltest du deinen Wunsch, dass du von deinem Sohn geholt werden möchtest, mit deinem Psychologen besprechen. Ich hatte die ähnliche Todesgedanken, als meine Depression am tiefsten war und bin inzwischen sehr froh, sie wieder aus meinem Kopf verbannt zu haben. Ich will leben, auch wenn es manchmal schmerzhaft ist.

    Ette

    Guten Morgen!

    Sommer, obwohl es überhaupt nicht danach aussieht. Grau ist es draußen und die Straßen sind nass. Trotzdem hat mich das Morgengrauen geweckt und, natürlich, das Vogelgezwitscher. Die „gefrorene Wut“, Smilla, ja, das hat was. Wut und Machtlosigkeit gehen oft einher und so ein Gefühl macht wohl, dass ich mich im Sog nach unten fühle. Und ich rudere und paddele, damit es mich nicht vollends wie durch irgendeinen magischen Abfluss wegspült.

    Manchmal habe ich in der Nacht, in einem Gefühl, als wäre das Wachsein nur durch eine hauchdünne Membrane vom Schlafen getrennt, eine Vorstellung davon, wie es sich anfühlen müsste, das Gesundsein. Ohne Anstrengung, ohne das Gefühl immer laufen zu müssen und doch nie anzukommen. Die Tatsache, zu wissen, wie es besser wäre, ist noch nicht gelebt, nur geahnt. Das Unbewusste scheint sie schon zu kennen. Irgendwann wird die Zeit reif sein, dass mir dieses gesunde Fühlen auch mehr ins Bewusstsein kommt und sich nicht mehr nur in dem Schwebezustand zwischen Tag und Traum verbirgt.

    Vielleicht muss ich einfach lernen, dass ich die Geduld und das Verständnis, was ich ziemlich lange für den Menschen in meiner Nähe hatte, auch endlich mit mir selber habe. Genau hinsehen, hinspüren, was es ist, das mir gut tut, was ich brauche. Und mir ab und zu einen neuen Anlauf gestatten. Wahrnehmen nicht nur, was im Außen ist. Sondern auch den Schmerz und die Wut und die Machtlosigkeit im Innen wahr- und annehmen - um sie loslassen zu können. Nicht immer wieder hinter Aktivitäten und noch ein wenig mehr Arbeit oder Mitfühlen mit Anderen verbergen. Das „nicht heil sein“ sehen und akzeptieren, auch wenn es schmerzt. Es ans Licht holen, „durchlüften“ lassen, was unter dem gefühlsdichten Deckel der scheinbaren Lebenstüchtigkeit vor sich hinschimmelt und wie schlechte Gase in mein Denken und Fühlen dringt. Es nicht mehr verstecken, damit es vergehen kann und vielleicht, wie Laub, das zu Humus wird, etwas Fruchtbares daraus wird.

    Ette

    Guten Morgen!

    Schöne Gedanken – ja, die können etwas bewegen. Manchmal brauche ich die Unterstützung von schönen Worten, sprich Gedichten, um wieder auf andere Gedanken zu kommen und manchmal nützt mir die Arbeit dabei. Jedoch kann es auch sein, dass ich so sehr in den dunklen Gedanken verstrickt bin, dass es nicht mehr in meiner Macht liegt, mich daraus alleine zu lösen. So hat es mir ein Arzt erklärt. Er meint, Depression, dunkle Gedanken und Gefühle, funktionieren ähnlich wie Sucht. Und so, wie ein Alkoholabhängiger sich irgendwann eingestehen muss, dass er dem Alkohol gegenüber machtlos ist, müsste auch ich meine Machtlosigkeit den depressiven Stimmungen gegenüber annehmen, wenn sie zu stark geworden sind und mir zugestehen, dass ich es eben nicht mehr nur mit schönen Gedanken in den Griff bekomme. So habe ich mich nun diesbezüglich auf den Weg gemacht.

    Sicherlich wird es nicht nur durch „außen“ besser, aber ich darf zulassen, dass ich es nicht alleine schaffen kann und Unterstützung und Hilfe von außen annehmen darf, ohne mich schwach und minderwertig zu fühlen. Ich kann eben nicht alles kontrollieren, was mit mir geschieht. Nach meinem Rückfall in den letzten Tagen und sogar Wochen, fange ich ja nicht von vorne an, vorwärts zu gehen. Ich habe nur ein paar Schritte rückwärts eingelegt. So, als wenn ich einfach noch mal ein wenig weiter Anlauf bräuchte. Dabei habe ich nur wieder einmal gemerkt, dass es nicht mit „ihm“ zu tun, dass es mir schlecht geht, sondern viel, viel mehr mit mir.

    Vielleicht lesen sich das ein paar Frauen durch, denen es schlecht geht, weil ihr Mann immer wieder trinkt und nicht einsieht, dass er damit aufhören muss. Es ist nicht damit getan, wenn die Männer aufhören zu trinken, weil wir Angehörigen dann nicht einfach wieder gesund sind. Es hat ganz, ganz viel mit uns selber tun, warum wir uns schlecht fühlen. Und das ist es, was wir annehmen müssen. Und was mir persönlich sehr schwer fällt.

    kaltblut , warmzittern wird nicht ausreichen! Ich müsste wahrscheinlich sehr schnell zittern, ja geradezu vibrieren, damit die vielen Regentropfen gar keine Möglichkeit haben, sich auf mir niederzulassen. Für die Wärme habe ich mir gestern sogar ein wenig Heizung verordnet, weil ich mir meine Machtlosigkeit gegenüber dem Frösteln eingestanden habe ;)

    Liebe Grüße

    Ette

    Hallo Elfriede,

    es freut mich zu lesen, dass bei euch langsam alles auf den Weg kommt. Du wirst sehen, die 16 Wochen gehen schnell vorbei. Irgendwann wirst du deinen Mann ja besuchen können. Das verkürzt die Wartezeit auch.

    Ich wünsche dir für die "Allein-Zeit" alles, alles Gute, und dass du sie auch ein wenig ganz für dich alleine nutzen kannst. Genug Essensvorräte scheinst du ja zu haben ;-).

    Liebe Grüße

    Ette

    Gut Morgen!

    Wieder hat mich dieses penetrante Vogelgezwitscher lang vor dem Wecker geweckt. Heute Nacht war die erste seit längerer Zeit, in der ich tief und ruhig, ohne Tränen-Träume schlafen konnte. Vielleicht waren einfach keine Tränen mehr da, vielleicht hat es mir aber auch geholfen, dass ich vor dem Einschlafen wieder und wieder Hesses „Stufen“ gelesen hatte. „ Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe bereit zum Abschied sein und Neubeginne....... Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“ Es wird schon irgend wie weitergehen und irgend etwas wird neu anfangen, nun da etwas zu Ende geht. Fröhlich kann ich noch nicht sein, aber das dauert eben auch seine Zeit. Heute morgen beim Aufwachen durch all das Vogelgezwitscher hatte ich trotz allem fast so eine Anwandlung von Glücksgefühl. Frische, kühle Luft und Ton gewordene Lebendigkeit vor dem Fenster, ganz wach und ausgeschlafen wahrnehmen – wer kann da unglücklich sein?

    Dank dir, Kaltblut, du hast mir die letzten Tage geholfen. Wahrscheinlich war ich nicht radikal genug bzw. war es nur im „Außen“. Heute, da die Arbeitswoche wieder beginnt, fällt es mir sicher leichter, radikal zu sein. Zu viel wird meinen Kopf beherrschen und mir keine Zeit lassen, traurig und wehmütig zu sein. Ich lass mich einfach von der Arbeit über die Woche tragen.

    Ich wünsch euch allen einen guten Wochenstart. Ach – Kaltblut, sag nur rechtzeitig bescheid, wenn du dich auf den Weg in den Harz machst. Ich steh dann an der Straße mit dem Daumen im Wind. ;)

    Liebe Grüße
    Ette