Beiträge von Ette

    funnie, vielleicht muss dir dein Freund sagen, dass er euch nicht vermisst, um sein Gesicht nicht zu verlieren, vor dir und auch vor sich selbst. Wenn er sich irgendwann ernsthaft mit seinem Problem auseinandersetzt, wird er auch verstehen, dass eine Trennung manchmal wichtig und richtig ist. Für euch beide. Ich musste sehr viel Geduld haben, Gelassenheit und Kraft, nicht hinter dem Mann herzulaufen, den ich gern habe wie keinen. Wir nähern uns einander, aber sehr vorsichtig und keiner weiß, was daraus wird. Hab Geduld, mit ihm, aber vor allem mit dir selbst. Ganz lange stand er im Mittelpunkt deiner Gedanken, deines Lebens. Versuche, die Energie, die du ja augenscheinlich hast, für dich selbst einzusetzen. Ich weiß, dass es schwer ist, ich muss mich immer noch jeden Tag zu bestimmten Dingen zwingen. Die Zeit wird es bringen, denke ich. Bei mir und sicher auch bei dir. Ich wünsche dir Kraft und Geduld.

    @neverfree:
    Wir sehen zu leicht den Splitter im Auge des Anderen und den Balken im eigenen Auge ignorieren wir. Nur zu menschlich, finde ich. Ich bitte dich von ganzem Herzen, von deinem hohen Psychologinnenross herab zu steigen. Ich empfinde deine Postings als überheblich und ignorant der Not der hier Schreibenden gegenüber. Uns verbindet hier alle ein und das selbe Problem. Und du stellst dich mit deiner Art zu posten über uns und doch hast du dich hier angemeldet. Warum eigentlich?

    Ach, ich habe übrigens einmal gelesen, dass Co-Abhängigkeit in bestimmten Berufsgruppen weit verbreitet ist. Krankenschwestern, Altenpfleger und Psychologen wurden da unter anderem genannt.

    Im übrigen empfand ich das Posting von Lavendel nicht als Platidüde. Sie hat über Fakten geschrieben. Fakten, die nicht oft genug benannt werden können, denn dann können die betroffenen Angehörigen vielleicht auch irgendwann fühlen, dass es ihnen besser geht, wenn sie loslassen, etwas anderes verändern zu wollen als sich selbst. Auch Co-Abhängige müssen ihren eigenen Weg finden und gehen, genauso wie Alkoholkranke auch. Ich wünsche dir viel Glück auf diesem Weg.

    Hallo Kaltblut,

    ich kann es gut nachempfinden, dieses Gefühl, alles aufschreiben zu wollen, ein Buch zu schreiben über den Kampf gegen die „gläserne Geliebte“ und die Enttäuschung, über die Hoffnung und die Liebe, über meine Machtlosigkeit und über die daraus resultierende Wut. Ich hatte Alles aufgehoben, was wir uns jemals geschrieben haben. Und wir haben uns Vieles geschrieben. Dinge, die wunderschön waren und andere, die unheimlich verletzend und schmerzhaft waren. Ich wollte nichts vergessen, weil ich im Hinterkopf hatte, irgendwann diese meine Geschichte aufzuschreiben. Es war mir, als ob ich sie erst dann richtig verarbeiten könnte.

    Inzwischen denke ich anders darüber. Jedes Mal, wenn ich in den Unterlagen blätterte, kam ich in schlechte Stimmung und die Wut und Enttäuschung waren wieder sehr gegenwärtig. Sie raubten mir die Energie, die ich brauche, um vorwärts zu gehen, ein anderes, zufriedeneres Leben leben zu können. Irgendwann habe ich sämtliche Daten darüber von meinem PC gelöscht, ausgedruckte Mails und Briefe verbrannt. Es war, als würde ich eine Last abgeben. Groll, Wut und Enttäuschung haben der Akzeptanz Platz gemacht, dass bestimmte Dinge passiert waren, die nicht in mehr rückgängig gemacht werden können. Unbeschwerter, freier und bereit für Neues fühle ich mich seither, denn auch durch das schriftliche Festhalten würde ich die Vergangenheit nicht mehr ändern können.

    Für mich war das Lesen der alten Aufzeichnungen und Briefe nur mehr ein ständiges Bohren in einer Wunde, die sowieso schon sehr schlecht heilte. Nun, da ich die Dinge entsorgt habe, habe ich nicht vergessen, was passiert ist, doch der Abstand wird größer und meine Wunde wird langsam zu einer Narbe, die mich noch vorsichtig sein lässt, aber nicht mehr schmerzt.

    Ich wollte dir nur kurz sagen, dass ich deine Art zu schreiben, genial finde. Gedanken, Gefühle, Fakten in einer Art und Weise formuliert, die anpackt, betroffen macht und mich alles um mich herum vergessen lässt.

    Ich wünsche dir Glück auf deinem Weg.

    Noch etwas ist mir gerade eingefallen. Wenn du in therapeutischer Behandlung bist wegen der Fehlgeburten, stell dir vor, du hättest jetzt noch so ein kleines Würmchen, das all deine Pflege und Aufmerksamkeit braucht! Ich weiß, es ist ein schwacher Trost, aber vielleicht ist es im Moment gar nicht so schlecht, dass du noch kein Baby bekommen hast.

    ette

    Guten Morgen Jessy,

    es wird deinen Mann sicher nicht davon abhalten, in die Kneipe zu gehen, wenn du wütend bist. Und mit deiner Wut nimmst du dir selbst Energie, die du schöner und angenehmer einsetzen kannst. Ich weiß, dass sich das blöd anhört, aber es ist so. Ich habe damals irgendwann beschlossen, dass ich mir die Sachen, die ich machen wollte, nicht mehr von ihm vermiesen lasse. Denn oftmals, wenn wir Pläne für Unternehmungen hatten, hat er einen Streit vom Zaun gebrochen und es war dann schlechte Stimmung. So habe ich einfach Freundinnen gefragt, ob sie mit mir weggehen mögen und hab ihn einfach zu hause grummeln, trinken oder was auch immer machen lassen.

    Aber es hat auch eine ganz Weile gedauert, dass ich akzeptiert habe, dass es nichts nützt, wenn ich mich darüber ärgere und ängstige, dass ER trinkt. Zumal der Kopf immer leichter begreift als die Gefühle.

    Hast du schon einmal über eine Alternative für das kommende Wochenende nachgedacht? Etwas, das für DICH schön ist? Ich glaube, es wäre für ihn schon eine ganz andere Erfahrung, die ihn vielleicht zum Nachdenken bringt, wenn du nicht rumschimpfst, sondern dich einfach zum Weggehen fertigmachst und verschwindest.

    Alles Gute!

    ette

    Hallo Kerstin,

    es ist wirklich schlimm, was du im Moment durchstehen musst. Gut finde ich, dass du dir immer wieder vor Augen hältst, dass es nichts nützen würde, zu trinken, obwohl ich verstehen kann, dass du einfach mal eine „geistige“ Auszeit haben möchtest. Es ist sehr schwer, in dieser Situation tröstliche Worte zu finden. Aber wie dorothea meine ich auch, dass es vielleicht schon hilfreich sein kann, deine Gedanken, Gefühle und Ängste hier zu formulieren. Sicher gehen sie davon nicht weg, aber erleichternd kann es schon sein. Für mich habe ich diese Erfahrung gemacht.

    Hoffentlich hast du auch in der Realität jemanden, mit dem du darüber reden kannst und der dich einfach auch einmal festhalten kann. Ich wünsche es dir. Und Kraft wünsche ich dir, das durchzustehen und vor allem ohne den „Problemlöser“, der dann selber zu einem noch größeren Problem werden würde.

    Wenn ich lese, was du schreibst, dann schäme ich mich, dass ich kürzlich wegen viel weniger schwerwiegenden Problemen fürchterlich am Durchhängen und Rumjammern war.

    Ganz liebe Grüße

    ette

    Ich fand den Spruch mit dem einflügeligen Engel auch immer sehr anrührend..

    Inzwischen glaube ich aber, dass jeder selber das Fliegen lernen muss, denn dann stehen die Chancen am besten, eine mehr oder weniger lange Strecke gemeinsam fliegen zu können. Denn wenn ich nur fliegen kann mit dem Anderen, stürze ich ab, wenn er mich loslässt oder wir behindern uns gegenseitig, wenn wir jeweils eine andere Route oder auf eine andere Art und Weise fliegen wollen. Gemeinsam zu fliegen, ist etwas wunderschönes, alleine fliegen zu können, schafft Selbstbewusstsein und das ist genauso wunderschön und hilft aus Anhängigkeiten.

    Hallo Ivana,

    schön, dass du dich entschlossen hast, hier zu schreiben.

    Dass du traurig bist und dich fragst, wie lange du noch Kraft hast, kann ich gut verstehen. Aber auch damit wirst du nicht verhindern, dass dein Mann wieder trinkt, wenn er es will. Entgiftung und Caritas können nur ein Teil dessen sein, was sein Leben, und damit zum Teil auch deines, verändern kann. Er muss seinen Betrag selbst leisten, trocken und zufrieden leben zu können. Und dann, da hast du recht, ist es wieder eine neue Herausforderung, miteinander klarzukommen. Die Gefahr des Rückfalls wirst du jedoch auch mit noch so viel Traurigkeit ausschalten können. Um sie zu verringern, muss der Betroffene ganz viel an sich selbst arbeiten, seinen eigenen Weg suchen, finden und gehen.

    Ich glaube auch nicht, dass es für Angehörige ausreicht, dass der Betroffene nicht mehr trinkt, damit das Leben wieder in Ordnung kommt. Jedenfalls habe ich das für mich bemerkt. Ich habe meine eigenen Defizite und Päckchen aus der Vergangenheit, die mit der „Sucht nach dem gebraucht werden“ überdeckt wurden. An die muss ich jetzt dran, sonst bin ich irgendwann wieder in der selben Situation, alles regeln zu wollen. Seitdem ich mich daran gemacht habe, kann ich auch mit der Angst vor einem, vor „seinem“ Rückfall, besser leben. Denn ich weiß, dass ich den, sollte er kommen, sowieso nicht verhindern kann. Wenn ich aber für mich selbst und eigenständig leben kann, für mich sorge und mit dem Alleinsein klarkomme, schreckt mich die Tatsache, dass es wieder passieren könnte, dass „er“ trinkt, nicht mehr so sehr. Was aber nicht heißt, dass ich nicht auch meine eigenen Rückfälle in die Co-Abhängigkeit durchleben muss.

    Ich weiß nicht, inwieweit du dich mit deiner eigenen Abhängigkeit auseinander gesetzt hast. Lies hier ein wenig, horch in dich hineine, versuche vielleicht, dir selbst einen Profi (Therapie?) zu suchen, mit denen du über deine Ängste und Gefühle sprechen kannst. Ich habe irgendwann festgestellt, dass es auch eine Chance war, einen alkoholkranken Mann kennen zu lernen und mit ihm zu leben. Ohne ihn hätte ich mich nie an bestimmte Dinge und Verhaltensweisen, die mich auch im „normalen“ Leben oftmals behindern, gemacht um sie zu verändern.

    Vielleicht richtest du dein Augenmerk einfach mehr auf dich selbst. Dass du dich hier angemeldet hast und schreibst, ist sicher ein vernünftiger Anfang. Versuche herauszufinden, was dir selbst gut tut und wie du zufriedener werden kannst. Versuche, die Energie, die du dafür einsetzt, dass das Leben deines Mannes rund läuft, für dein eigenes Wohlbefinden ein zu setzten. Ich glaube, wir Co-Abhängigen wissen meist gar nicht mehr so recht, was wir selbst wollen und was wichtig für uns ist. Es ist dann einfach ein Lernprozess, der auch seine Zeit dauert. Aber es findet sich dann auch ein Weg aus der Traurigkeit und der Angst, da bin ich sicher.

    Sorry, so lange sollte meine Äußerung gar nicht werden. Aber es hat mich ziemlich angepackt, was du geschrieben hast.

    Hallo Michel,

    auch ich habe mit meinem Partner, als er zur LZT war ein Partnerseminar gemacht. Ich fand es sehr hilfreich, weil es dort auch Tipps gab für den Umgang miteinander, wenn er wieder zu hause wäre. Allerdings habe ich dann wohl den Fehler gemacht, zu doll darauf zu achten, dass wir diese "Werkzeuge" auch nutzen, mit dem Effekt, dass ich wieder diejenige war, die Druck ausgeübt hat und er dann irgendwann gegangen ist.

    Ich weiß nicht, ob er auch ohne die Diskussionen daum gegangen wäre. Ich war wohl selbst noch nicht soweit, dass ich den richtigen Umgang miteinander nach dem Trinken kannte. Vielleicht hätten wir heute, da ich auch dazugelernt habe, mehr Chancen. Aber es ist müßig darüber nachzudenken. Nur soviel als Anregung, dass auch Sachen, die in solch einem Partnerseminar gelernt werden nur dann sinnvoll für die Beziehung eingesetzt werden können, wenn beide vernünftig damit umgehen.

    Über deine eigene Problematik sage ich lieber nichts. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass dies für deine Partnerin, egal ob abhängig oder nicht, alles andere als angenehm ist.

    Dein Wort in Gottes Ohr. Ich kenn so viele Sachen, die zu Zweit einfach mehr Spaß machen. Alleinsein hat ja schon Vorteile, aber es ist auch gut, wenn jemand da ist, so eine Art Sahnehäubchen, denke ich.

    Danke, Apfel, ja, es ist wieder ein Tag vergangen. Und heute gehe ich die nächsten 24 Stunden an. Ich habe noch lange nachgedacht gestern, wie es denn zu meinem Rückfall kam. Ich glaube, Klein-Ettchen wollte mal wieder auf den Arm und umsorgt werden. Gestern bekam ich den Kopf gewaschen von meiner Freundin, die sagte, ich wäre doch kein Klein-Kind, um das sich jeder kümmern würde, weil es hilflos ist. Wenn ich Unterstützung bräuchte, müsste ich schon dafür sorgen, dass ich sie bekomme.

    Außerdem hasse ich mich, wenn ich so jämmerlich unterwegs bin. Ich mag nicht mit Schwäche um Zuwendung und Hilfe bitten, muss es aber glaube ich, um vor mir selber bestehen zu können, weil ich mir Schwäche nur sehr, sehr schlecht gestatte.

    Skye und baggerschen, ihr habt ja recht! Aber ich schrieb ja eingangs, dass ich eine Art Rückfall hatte. Ich habe heute eine ganze Menge geschafft, meine Freundin hat mir geholfen und sie hat mir genau den gleichen Rat mit der Liste gegeben. Aufschreiben, wer was für mich machen kann und dann darum bitten. Das fällt mir immer noch recht schwer, denn ich bin nun mal der Ich-schaff-das-schon-alleine-Typ. Ich schaffe solange alleine, bis es an meine Grenzen geht. Heute morgen hatte ich zwischendurch das Gefühl, dass ich verrückt werde.

    Ich weiß auch, dass ich Kraft habe, denn ich habe schon ein ganzes Teil im Laufe meines Lebens auf die Reihe gekriegt. Das ist aber wohl auch das Karma, das mich in die Co-Abhängigkeit hat gleiten lassen. Alles machen, alles schaffen, ette steht da, die Hände in den Hüften und fragt, wo das Klavier steht. Und dann hab ich heute heulend im Kleiderschrank gestanden, weil die Teile einfach zu schwer waren. ICH kann was nicht schaffen, das kann ich mir schlecht verzeihen.

    Den Frühling hab ich aber doch noch ein wenig wahrgenommen, der sich heute andeutungsweise zeigt. Schneeglöcken als ich aus dem Fenster sah und dicke Knospen an den Zweigen. Trotzdem graut mir davor. Dann sind wieder so viele Liebespaare unterwegs und ich dackele alleine durch die Gegend. Ist mir am Samstag beim Einkaufen auch wieder so aufgefallen und das zusammen mit der Anstrengung der letzten Tage ist mir wohl dann aufs Gemüt geschlagen. Vom Kopf her weiß ich, dass ich alleine klarkomme, wenn’s nicht grad ums handwerken geht. Und meist bin ich abends froh, wenn ich auf niemanden Rücksicht nehmen muss und machen kann, was ich will. Aber zwischendurch hab ich dann wieder schrecklich Sehnsucht. Zumal „ER“ immer noch DER Mann für mich ist. Aber es hat wohl nicht sollen sein, denn anscheinend kann er nur trocken leben, wenn dieses Leben ohne mich ist.

    So und jetzt mach ich meine To-do-Liste, bevor ich mich wieder in der Sehnsucht verdrößel.

    Ach Baggersche, ich weiß ja, dass leben immer auch lernen bedeutet. Ich strenge mich ein halbes Jahrhundert an, lerne, gehe vorwärts, will zuversichtlich sein und versuche immer wieder, alles zu schaffen. Im Moment habe ich das Gefühl, dass ich mit meiner Kraft am Ende bin. Ich wünschte mir halt einfach, dass einer käme, der sagt, hör auf, dich anzustrengen, ich mach das für dich. Es ist ja nicht so, dass mir niemand hilft, aber es ist halt mein Ding und ich muss alles auf die Reihe kriegen und es sind solche Berge! Am liebsten würde ich überhaupt nicht mehr aufstehen morgens.

    So frisch ist die Trennung gar nicht mehr. Allerdings kamen dieser Tage beim Um- und Einpacken noch so manche Dinge wieder zum Vorschein, die mich erinnern ließen. Auf jeden Fall habe ich heute eine ganze Menge geschafft, wenn ich auch an der ein oder anderen Schrauberei wieder gescheitert bin. Es ist zum Mäuse melken, dass ich handwerklich nicht so richtig geschickt bin. Aber vielleicht kommt das davon, dass ich mich da immer auf "den Mann im Haus" verlassen habe. Und den gibts ja nu nicht mehr.... Also muss frau lernen, mit Werkzeug besser umgehen zu können, wenn ich nicht wegen jedem Bisschen Schrauberei um Hilfe bitten will. Wenn das Lernen nur nicht so Zeit raubend wäre!

    Der Kopf hat dann am Nachmittag auch irgendwann wieder die Gefühle in den Griff bekommen und das kleine Mädchen getröstet. Mal sehen, wie es mir morgen geht. Für heute mache ich erst einmal Schluss mit der Malocherei.

    Nicht das Sorgen für den Anderen überkommt mich, sondern eine Art Anklagelitanei geht mir nicht aus dem Sinn. So wie ich "Ihm" eine ganze Zeit lang die Schuld gegeben habe, dass es mir schlecht geht, dreht sich mir heut der Verstand, dass ich das alles nicht machen müsste, wenn "ES", das Trinken damals nicht wieder dagewesen wäre.

    Heute habe ich einen Tag, den ich am liebsten vergessen möchte. Alle und Alles scheint sich gegen mich zu stellen und ich habe das Gefühl, alles hat Schuld, dass es mir schlecht geht, bloß ich alleine nicht. Knüppeldick steht die Arbeit wie ein Riesenberg vor mir und ich zürne mit Gott und der Welt, weil ich mit zwei Händen zu wenig schaffen kann. Zieh mich zurück nach dem Motto, ihr werdet schon sehen, wenn ich nicht mehr kann. Und dabei ist es mein ganz alleiniger Kram, der geregelt werden muss. Wenn "ER" damals nicht getrunken hätte, hätte ich den Stress nun nicht am Hals, so rädert es dauernd in meinem Kopf. Dabei dachte ich, über die Phase wäre ich längst raus. Das macht mich zusätzlich frustig.

    Das depressive Loch tut sich mächtig auf und der Kopf tut sich sehr schwer, die Gefühle in den Griff zu bekommen. Ich werde mich aber jetzt erst einmal aufraffen und Sachen schleppen, wenn ich wütend und frustriert bin, geht das am einfachsten. Außerdem macht es mich müde, damit ich heute abend endlich mal wieder vernünftig schlafen kann.

    ts4you, na, das liest sich für mich wie eine prima Argument, weiterhin zu trinken. Wenn alle es sagen, dass du nicht soweit bist, na, warum solltest du dann aufhören, nicht wahr? Aber du kannst nur selbst für dich entscheiden, wie weit du bist. Willst du oder willst du nicht aufhören, ist die Frage, denke ich und nicht unbedingt, wo du die Therapie machst. Regeln, Strukturen, aber auch Unterstützung und die Möglichkeit, Werkzeuge für ein trockenes Leben zu erlenen, wirst du in jeder dieser Kliniken bekommen, denke ich.

    Ich habe oft genug gehört, dass mein Partner eben nicht so weit wäre, mit der Sauferei aufzuhören, von Bekannten, die sich mit der Materie auskennen. Denn er hatte auch immer Gründe, die im "Außen" lagen, die ihn wieder trinken ließen. Die Welt war schlecht, die Zukunft machte Angst und ich Vorwürfe, so stellte sich seine Welt dar.

    Wenn du wirklich aufhören willst mit dem Trinken, wird es dir egal sein, wo du Hilfe bekommst, Hauptsache, du bekommst sie.

    Hallo Hobbit,

    das Pokerface kenne ich auch. Keiner würde doch denken, dass ich mich manchmal so verlassen und einsam fühle wie ein kleines Kind. Hilflos ausgeliefert, dem, was um mich herum passiert. Inzwischen zeige ich schon immer wieder auf, wenn ich nicht mehr weiterkann und bitte um Hilfe, bestimmte Dinge geregelt zu bekommen. Ich habe für mich selbst aber noch nicht vollkommen akzeptiert, dass ich nicht NUR stark sein muss. Immer wieder holt mich da die Vergangenheit ein, in der ich nur angenommen war, wenn ich etwas geschafft habe, brav war, funktioniert habe.

    Ich empfand es nicht als demütigend, mit einem fremden Menschen meine geheimsten Ängste und Gefühle zu besprechen. Eher erleichternd, mal alles aus dem Kopf und von der Seele reden zu können. Natürlich waren diese Gespräche auch mit Schmerzen verbunden. Mancher Tag ging vorbei, an dem ich nur geweint habe, mich in meinem Bett verkrochen oder auch wütend durch den Wald gestapft bin, um akzeptieren zu können, dass ich Dinge, die mir irgendwann angetan wurden, nicht mehr ändern kann. Rückgängig lässt sich das Leben eben nicht machen. Nur zukünftig kann ich anders handeln und mit mir selber umgehen.

    Und genau wie jemand, der trinkt, habe ich auch noch immer meine Rückfälle. Meine noch immer, dass wenn jemand sich mir gegenüber abgrenzt, er mich nicht gern hat. Kann sehr schlecht loslassen, wenn mir etwas nicht gelingt, weil ich immer meine, wenn ich mich nur genug anstrenge, dann funktioniert es schon. Aufgeben von aussichtslosen Unternehmen fällt mir ganz schwer. Auch das Bemühen, das meiste selber auf die Reihe zu bringen, ohne Hilfe, muss ich für mich immer wieder entdecken und in Frage stellen. Denn meist ist es nur so eine Art Kontrollzwang, alles alleine zu machen, weil ich dann weiß, dass es so ist, wie ich es will. Oft überfordere ich mich dabei und merke es erst, wenn ich wieder Gleichgewichtsstörungen habe, dass alles zu viel war. Denn mein Körper, der ist scheinbar schlauer als meine Psyche und tritt dann schon mal auf die Bremse.

    Ich habe die Therapeutengespräche immer als hilfreich empfunden. Allerdings gingen sie zu früh zu ende. Deshalb bin ich dabei, mir jemand neuen zu suchen, damit ich auf längere Sicht Unterstützung bei meinem Veränderungsprozess habe. Alleine falle ich zu schnell wieder in alte Verhaltensmuster, die mir nicht gut tun.

    Eine schönes Wochenende wünsche ich Euch allen, die ihr hier lest und schreibt.

    Ette

    Hallo Hobbit, nein, dass du zu viel Angst hast, habe ich nicht geschrieben. Ich hatte den Eindruck, dass dich deine Gefühle überschwemmen und dann ein Nachempfinden, weil ich Ähnliches von mir selber kenne. Als ich mich mit meinem Problem ganz alleine beschäftigt habe, viel las und wenig mit Anderen darüber redete, hatte ich eine ähnliche Panik wie du. Überall sah ich Parallelen und hatte schon Angst, vollkommen neben der Spur zu sein. Ruhiger wurde ich erst, als ich mit "Profis", sprich Therapeuten über all das, was mich bewegte, gesprochen habe. Dass du hier schreibst, den Austausch suchst, ist, glaub ich, ein guter Weg, ein Anfang. Ich weiß nicht, ob wir dir hier genügend helfen können, ob unsere Erfahrungen ausreichen. Aber sicher ist es erleichternd, sich mit Menschen, die Ähnliches erlebt haben, auszutauschen.

    Hobbit, ich denke, dass dir viel durch den Kopf geht und deine Gefühle durcheinander sind. Keiner kann dir helfen, wenn du beides nicht ein wenig sortierst. Ich glaube, das Tempolimit muss du dir selbst erst einmal geben. Dabei fällt mir noch eine Frage ein: Wie gehst du selbst mit Suchtmitteln um? Gespenster haben nach meiner Erfahrung auch oft die Eigenschaft, kleine "Mitbringsel" zu haben.

    Elfriede, deine Postings seit dem 11.1. haben mich immer wieder tief berührt. All deine Bemühungen, deine Angst, deine Sorgen.... Sprachlos macht mich das eben Gelesene. Ich nehme dich in Gedanken in die Arme und wünsche dir Kraft. Worte können, meine ich, im Moment sehr wenig ausrichten.