Hallo all ihr Schreiber und Schreiberinnen hier.
Ich wünsche allen eine frohe und gesegnete Weihnacht. Mit wenig Stress und viel Freude und Zufriedenheit.
Ganz liebe Grüße
Ette
Hallo all ihr Schreiber und Schreiberinnen hier.
Ich wünsche allen eine frohe und gesegnete Weihnacht. Mit wenig Stress und viel Freude und Zufriedenheit.
Ganz liebe Grüße
Ette
Hallo und guten Morgen!
Ups, da ist doch schon wieder ein Woche vorüber. Die Zeit scheint zu rasen. Vor allem, wenn diese Woche eine Urlaubswoche war. Etliches habe ich geschafft und manches ist liegen geblieben. Nachdenklich macht mich dann, wo ich meine Prioritäten setzte.
Am Anfang der Woche ging es mir ziemlich mies. Ich hatte wieder eine Anwandlung von „alle Welt hat mich verlassen“. Ich fühlte mich schrecklich einsam und abgelehnt. Dabei merkte ich, dass doch ein paar Menschen an mich denken. Aber ich halte es für mein persönliches Versagen, dass ich es in meinem biblischen Alter nicht geschafft habe, eine Beziehung halten zu können. Es fehlt mir ein Mensch, der mit mir leben mag. An Tagen, wie am Anfang der Woche, wird mir das ganz besonders bewusst. Ich bin dann so in dieser Trauer gefangen, die mich von einer Minute zur anderen anspringt, dass ich es nicht fertig bekomme, vor die Tür zu gehen. Verkrieche mich und will keinen Kontakt zur Außenwelt, obwohl es genau das ist, was ich mir wünsche. Verrückt.....
Gott sei Dank hatten wir dann zwei, drei sonnige Tage, sodass ich mich doch aufraffen konnte. Und dann ging es los! Der Garten verlangt sein Recht. Abgeblühtes entfernen, Beete umgraben, Büsche beschneiden, Kompost verteilen, Grünzeug häckseln, um neuen Kompost anzusetzen. Letzte Rosen, die noch immer duften wie im Sommer und an denen ich mich freue. Arbeiten, bis der Arzt kommt ;-)! Wieder einmal keine Grenzen gefunden.
Muskelkater im Rücken war die Folge. Wie ein alte Frau stieg ich morgens aus dem Bett und wenn ich in die Hocke ging, um etwas aus dem Küchenschrank zu holen, überlegte ich, was ich sonst noch erledigen könnte, wenn ich schon mal gebückt war.
Aber die Malocherei hat mich aus meinem seelischen Loch gebracht, in das ich immer einmal wieder falle. Es ist nicht jeder Tag toll, denn ich erlebe. Mancher liegt wie ein Berg vor mir und will bewältigt werden. Vor allem wird mir dann immer wieder bewusst, dass ich alleine lebe. An vielen Tage empfinde ich das als angenehm. An manchen einfach nur als Last.
Aber mir ist dabei bewusst geworden, dass ich auch Angst davor habe, vielleicht irgendwann wieder eine Beziehung zu haben. Auf zu viel müsste ich achten, um meine eigenen Grenzen nicht immer wieder aufzugeben. So, wie bei der Gartenarbeit würde es mir bestimmt auch in einer Beziehung gehen. Ich bin wohl noch lange nicht soweit, meine Abhängigkeit im Griff zu haben. Will schaffen, schaffen, schaffen, um Anerkennung zu erhalten. Es ist vertrackt..... Vor allem, wenn ich lese, dass es mir vor einer Woche noch ganz anders ging. Wieder einmal eine Gefühlsachterbahn. Hört das denn nie auf?
LG
Ette
Leider kann ich in dem entsprechenden Thread nicht posten. Allerdings würde ich doch gerne meinen "Senf" dazugeben.
Hallo,
ich habe mir den Artikel durchgelesen. Letztendlich ist das Medikament etwas, wovon jeder Alki träumt. Jedoch bin ich der Meinung, dass Alkoholabhängigkeit eine psychische Ursache hat und deshalb ist es erforderlich, dass der Kranke sich entwickeln muss. Denn irgendwann sind Teile seiner Persönlichkeit nicht „mitgewachsen“ als er erwachsen wurde. Und bei meiner Co-Abhängigkeit sehe ich ähnliche Strukturen.
Eine Pille, die den Saufdruck verhindert, würde an den Symptomen „herumdoktoren“ und nicht an den Ursachen. Das ist nicht nur bei der Alkoholabhängigkeit, sondern bei vielen Krankheiten so. Ich sehe die Thematik deshalb so ähnlich wie Karsten. Wer trocken werden oder nicht mehr co-abhängig leben will, kann das. Aber er muss dafür arbeiten. Eine Pille wäre nur wieder ein Weg, diese Arbeit zu umgehen und auf Dauer daher meines Erachtens nur ein andere Krücke, mit dem Leben klar zu kommen.
LG
Ette
Hallo,
mal wieder Zeit für ein kleines up date.
Ich habe viel zu tun zur Zeit. Neuer Arbeitsplatz, der nicht ganz ohne ist, Gruppenarbeit, Haushalt, Garten und Lernen für eine Dozententätigkeit im kommenden Frühjahr. Meine Tage sind ausgefüllt, mit Dingen, die mein Leben betreffen. MEIN Leben.... das wird mir immer wieder aufs neue bewusst. Als ich mit meinem damaligen Partner lebte, waren meine Tage gekennzeichnet und beeinflusst von SEINEM Leben. Ich hatte gar keine Zeit, mich mit mir und meinen eigenen Angelegenheiten auseinander zu setzen.
Allerdings muss ich dazu auch sagen, dass ich gar nicht wirklich gewillt war, dies zu tun. Mein Leben schien nur Sinn zu haben, wenn ich mich um ihn und seine Belange kümmern konnte. Wie eine Glucke flatterte ich ständig um ihn herum und sagte ihm, was für ihn gut und richtig sei. Allerdings übersah ich dabei, dass meine Ansicht über bestimmte Dinge nur für mich richtig sein kann, nicht für einen anderen Menschen. Um dies zu erkennen, war ich jedoch zu sehr verstrickt in meine Co-Abhängigkeit. Das mich um ihn kümmern, bescherte mir jeden Tag den Thrill und die Aufregung, die mir mein Leben lebenswert und ausgefüllt erscheinen ließen. Dies ist auch mit ein Grund dafür, dass ich hier relativ wenig mehr schreibe. Schreiben heißt für mich, mich mit dem Leben der Anderen auseinander zu setzen. Ich habe aber ziemlich viel mit meinem eigenen Leben zu tun. Denn immer wieder entdecke ich an mir Verhaltensweisen, die mich an meine Co-Abhängigkeit erinnern. Kontrolle, machen wollen, Einfluss nehmen – nicht immer tut mir das gut. Deshalb halte ich mich zurück. Ich lese aber viel.
Inzwischen ist mein Leben ziemlich unaufregend. Es fließt kontinuierlich. Nicht jeden Tag gut, aber zufriedenstellend. Mein Lieblingsbild dafür kennen einige von euch ja schon. Ein Fluss, der dahinströmt, manchmal schneller, manchmal gemächlich. Manchmal treiben graue Wolken über ihn und manchmal lassen Sonnenstrahlen Glücksmomente funkeln. Es ist kein reißender Wildbach mehr, der verwirbelt und unruhig für Aufregung sorgt. Mir ist es recht so, ich kann mich damit selber wieder spüren.
Susanne : Danke, Käferschen, für die Nachfrage. Mir geht es gut. Ich hoffe dir, in deiner neuen Situation auch. Ich wünsche euch ganz viel Glück.
LG
Ette
Guten Morgen Ellit,
ich lese nun schon die letzten Tage in deinem Thread und kann gut nachvollziehen, was in dir vorgeht. Schließlich hatte ich ähnliche Gedanken und Verhaltensweisen wie du, als ich noch mit meinem Partner lebte.
Mir fällt auf, dass du etliche Punkte hast, die dir an deinem Mann nicht gefallen und da möchtest DU, dass er sich ändert. Möchte er das denn auch? Liebst du ihn, weil er ER ist, oder erst dann, wenn er so ist, wie DU ihn haben willst? Also – wenn mir dauernd jemand erzählen wollte, wie ich zu leben und was ich zu tun habe, da würde ich auch bockig werden. Das einzige Leben und Verhalten, das du ändern kannst, ist aber dein eigenes. Was hast du dir den darüber schon für Gedanken gemacht?
Wir Co´s bilden uns eben immer ein, wir wüssten, was für unsere Angehörigen gut ist. Das mag bei Kleinkindern angebracht sein. Bei einem erwachsenen Menschen jedoch weniger. Wenn jemand Raubbau mit seinem Körper betreibt, können wir natürlich sagen, dass wir besorgt darüber sind. Aber ihm ständig sagen, was er zu tun und zu lassen hat, nun, das ist einfach ein Verhalten, was Mütter ihren Kindern gegenüber an den Tag legen. Und unsere Partner sind nicht unsere Kinder, sondern eigenständige, selbstverantwortliche Menschen.
Klar gibt es Menschen, zum Beispiel Ärzte, die sagen, mit der Heirat hat jeder ein Teil Verantwortung für den Anderen übernommen. Das ist auch ansatzweise richtig, allerdings sieht das bei einer Alkoholabhängigkeit etwas anders aus. Viele Ärzte jedoch haben nur ein sehr eingeschränktes Wissen darüber, wie Alkoholabhängigkeit funktioniert. Und viele sind auch selbst betroffen. Da diese Krankheit weder vor Akademikern noch vor örtlichen Promis Halt macht. Fundierte Beratung, da hast du recht, wirst du nur in einer Suchtberatungsstelle finden.
Ach, da fällt mir noch was ein. Wenn du schreibst, dass du zur Beratung weiter weg musst, kann ich das nachvollziehen. Ich hatte auch immer den Ansatz, nur nichts darüber verlauten lassen, dass mein Partner trinkt. Ein typisch co-abhängiges Verhalten meinerseits......
LG
Ette
Guten Morgen butterweich,
bist du Nachtarbeiterin oder konntest du wegen deiner Gedanken nicht schlafen?
Du schreibst, dass du dich von deinem Partner getrennt hast. Warum machst du dann immer noch seine Probleme zu deinen? Ich kann verstehen, dass es dir schwer fällt, zuzusehen, wie er sich kaputt macht. Aber es ist SEIN Leben und für das ist ER verantwortlich.
Ich weiß nicht, ob du hier schon viel gelesen hast. Ich habe den Eindruck, eher nicht. Ansonsten wäre dir sicherlich schon einmal der Satz „helfen durch nicht helfen“ untergekommen. Jemanden, der abhängig trinkt, kannst du weder auf der emotionalen noch auf der Sachebene erreichen. Ja, er ist ein Mensch. Ein abhängiger, süchtiger Mensch und kein kleines Kind, das man bemitleiden und betüddeln muss. Genau das trägt nämlich dazu bei, dass er bestimmt nichts ändert. Warum auch? Er trinkt bis zum Exzess und wenn er dann schlecht drauf ist, hat er ein butterweiches Weibchen, das ihn in seinem „Elend“ betüddelt und tröstet.
Solange du so agierst, hast du weder seine noch deine Abhängigkeit verstanden und akzeptiert. Und du hilfst weder ihm noch dir damit. Ich kann dir auch keine Anerkennung für dein Engagement zollen. Du wirst deine Gründe haben, warum du dich nach wie vor auf ihn und seine Situation einlässt. Und die Tatsache, dass er ein Mensch ist, ist in meinen Augen nur eine vorgeschobene Legitimation. Mitfühlende, fürsorgliche Menschen genießen in unserer Gesellschaft ja in der Regel ein hohes Ansehen. Nur – bei einem Alkoholabhängigen sind Mitgefühl und Fürsorge keine Motivation, etwas zu verändern. Im Gegenteil.
Wahrscheinlich waren das nicht die Worte, die du lesen wolltest. Aber als Co habe ich lange genug Süßholz geraspelt und Wahrheiten verleugnet und schöngeredet. Und bei dir sehe ich die gleiche Tendenz. Alkoholabhängigkeit ist eine Krankheit, aber mit eigenen Regeln. Kein Kranker soll alleine bleiben mit seiner Krankheit, aber hier ist es einfach erforderlich, dass er selbst etwas tut. Und das wird er umso weniger, je mehr du ihn umsorgst und bemitleidest. Das ist meine Erfahrung.
LG
Ette
Hallo Ihrs,
nicht, dass ich so lange nicht mehr genossen hätte, ich hab nur nicht mehr davon erzählt. Aber am Wochenende fand ich es so wunderschön, dass ich es nicht für mich behalten kann.
Altweibersommer – wie passend! Vielleicht das letzte Mal in der Sonne geaalt, immer noch von Schmetterlingen umgaukelt. Rosenduft, intensiver als im Hochsommer. Rosenblüten, wo ich dachte, für dieses Jahr ist das Blühen vorbei. Sonnenblumen, die um etliches höher sind als ich und mir von oben herab zunicken. Dicke Hummeln, die summend in den kleinen Sonnen nach Nektar suchen. Und ein Himmel, der sich wolkenlos gläsern-blau über das ganze spannt. Am Abend ein Tomatensalat aus sonnenwarmen Tomaten und Zwiebelchen, die eine ganz pikante Schärfe im Laufe des Sommers entwickelt haben und deren Wachsen ich begleitete. Basilikum, so duftend, dass es mich einfach an Urlaub erinnert.
Das Leben kann so schön sein, dass mir das Herz aufgeht und mir manchmal dafür einfach die Worte fehlen. Dabei gab es eine Zeit, in der ich dafür gar kein Auge mehr hatte. Inzwischen kann ich für diese Zeit dankbar sein. Sie hat mich dazu gebracht, bewusster mit mir und meinem Leben umzugehen.
Was oder wie habt ihr eigentlich am Wochenende genossen?
LG
Ette
Zitat von KristaUnd ich habe mittlerweile 3 Selbsthilfegruppen probiert und mir gefällt es dort überhaupt nicht. Ich finde das sich dort viele in Ihrem Co Sein suhlen und dies offensichtlich ganz toll finden.
Hallo Krista,
herzlich willkommen zurück.
Als ich den obigen Absatz las, musste ich schmunzeln. So etwas ähnliches hat ein Freund "meines Alkis", der selbst ganz gern trinkt, gesagt, als dieser zur Therapie ging. Allerdings über Alkoholabhängige. Na ja, so unähnlich sind unsere Abhängigkeiten ja nicht. Nur die Suchtmittel sind halt anders.
LG
Ette
Hallo und guten Tag, Ihr Lieben,
da hab ich doch heute morgen, fast vor dem Aufstehen, einen längeren Text geschrieben und, wie ich meinte, auch hier eingestellt. Hab mich jetzt beim Nachhausekommen auf die ein oder andere Antwort gefreut. Da merk ich jetzt, dass mich die Technik mal wieder überfordert hat. Genau wie heute nacht – aber das ist noch eine ganz andere Geschichte.
Ja, ihr beiden, habt ja recht. Es ist längst mal wieder Zeit, von mir lesen zu lassen. Und ja, es geht mir gut – den Umständen entsprechend, wie es immer so schön heißt. Meine Hand trage ich meist immer noch geschient. An meiner neuen Arbeit habe ich mich gut eingefunden, auch wenn der Weg dahin mal wieder etwas mehr als seltsam war. Meine reale SHG hat sich verändert. Die Leute, die mich loswerden wollten, sind alle gegangen und ich habe mehr Verantwortung für den Ablauf bekommen.
Das Forum ist nach wie vor meine Morgenlektüre. Allerdings fehlt mir oft die Energie, etwas zu schreiben. Es ist eine Art „und täglich grüßt das Murmeltier“-Empfinden geworden. Frauen, die mit einer Trinkpause des Partners ihre Co-Abhängigkeit meinen abgestreift zu haben und nach einiger Zeit wieder auftauchen. Weil die Hoffnung wieder einmal zerschlagen wurde, weil die glückliche Phase mit dem erneuten Trinken des Partners weggespült wurde. (Gotti, du hast mir beim Rückfall deines Mannes gut gefallen.) Tief liebende Frauen, die bei ihrem trinkenden Mann bleiben aus finanziellen Beweggründen und Ratschläge suchen, ein hauseigenes Trockendock einzurichten. Und Frauen, die garantiert nicht co-abhängig sind, aber seitenlang nur von ihrem Mann erzählen. Ich kann das alles nachvollziehen, weil ich lange Zeit genauso agiert habe. Aber genauso wenig, wie ich „meinen Alki“ trockenlieben konnte, kann ich die Co´s hier „trocken“schreiben.
In diesem Forum steht letztendlich alles, was wichtig ist, schon geschrieben. Aber jede/r denkt von sich, dass in seiner/ihrer Beziehung alles ganz anders ist. Dieser Meinung war ich auch immer und irgendwann hab ich gemerkt, dass dem halt nicht so ist. Nun ist das Forum mir zum Spiegel geworden, in dem ich mich in der Vergangenheit sehen kann. Und zur Warnung dafür, dass ich dort nie wieder hinmöchte.
Es hat lange gedauert, bis ich soweit war, meine Co-Abhängigkeit zu akzeptieren und dadurch in die Lage zu kommen, etwas dagegen zu tun. Und genau wie Alkoholabhängigkeit ist die Co-Abhängigkeit etwas, das mich mein Leben lang begleiten wird. Sie wird mich immer wieder einholen, wenn ich nicht achtsam mit mir und meinem Verhalten umgehe. Jedem, der mir früher meine Co-Abhängigkeit anhand von Verhaltensweisen darlegen wollte, konnte ich zig schlüssige Argumente dagegen präsentieren. Ich war einfach noch nicht soweit, MEINE EIGENE Abhängigkeit zu akzeptieren.
So ist es auch hier bei etlichen UserInnen. Was tust du für dich? Auf diese Frage hätte ich früher würgen mögen. Denn ich war der Meinung, der einzig Kranke ist „meine Alki“ und für ihn musste etwas getan werden. Aber letztendlich musste ich mir eingestehen, dass ich gar nicht mehr in der Lage war, zu erkennen, was mir gut tut, was ich möchte und was mein ganz eigenes Leben ist. Denn alles, alles drehte sich um Alkohol und „sein“ Trinken. Ich war noch nicht soweit.... und nichts und niemand hätte mich soweit bringen können, etwas zu tun für mich, außer mir selbst. Und so lese ich und lasse jede/r die Freiheit, so weit zu kommen, von sich selbst zu erzählen und dem, was sie für SICH tut. Das ist für mich energiesparend und die Anderen behalten die Freiheit, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.
Ich bin zufrieden.
LG
Ette
Hallo ihr Lieben,
so, wieder ein paar Tage vergangen. Mit Schönem und weniger Schönem, wies Leben halt so ist.
Karotte : Nein, Verharren in der Vergangenheit ist nicht mein Ding. Das war auch nicht der Ansatz für mein Schlechtfühlen letztens. Es war eher so eine Art Traurigkeit, dass ich mich selbst so lange vernachlässigt habe.
kaltblut : *grinz* Na ja, Hybridantrieb ist es nicht gerade, aber schon ein ganzes Teil Energie, was da so frei wird. Ich hab mal ein Buch über eine Frau in dieser Phase des Lebens gelesen und das hieß „Feuerzeichenfrau“. Das finde ich eigentlich eine gute Beschreibung.
Die letzten Tage habe ich mich ziemlich wohlgefühlt. Auch wenn, wieder mal, nicht alles glatt läuft. Mir wurde wieder einmal bewusst gemacht, dass ich als Mensch im Berufsleben lediglich ein Kostenfaktor bin. Im Grunde wird nicht geguckt, was ich tue oder nicht, sondern nur, welche Kosten ich verursache. Und da ich aufgrund meiner langjährigen Tätigkeit in eine bestimmte Gehaltsklasse gekommen bin, bin ich einfach „teuerer“ als jüngere KollegInnen. Wert und teuer bin ich deshalb noch lange nicht. Der Wert wird gerne übersehen. Das ist für mich immer noch schwer zu akzeptieren. Aber Berufsleben funktioniert wohl so. Führungskräfte halten Workshops ab, in denen vollmundig von Vertrauen und Verständnis pallavert wird, haben nicht so viel Vertrauen und Ar.... in der Hose, mir zu sagen: Frau Ette, sie sind ein zu hoher Kostenfaktor für meinen Geschäftsbereich. Wir müssten eine andere Lösung als die bisherige finden. Nein, die nette Frau vom Personalbüro kommt dann wieder mit einer ganz tollen Alternative (für wie lange?), weil ich meinem bisherigen Vorgesetzen ein zu hoher Kostenfaktor bin. Dass mich die Kunden mögen und ich mit so ziemlich jeder Situation ohne „chef-liche“ Unterstützung klarkomme.... wen interessiert das schon?
Noch dazu bin ich jemand, der auch im Berufsleben gern mal den Finger auf die Wunde legt. Und ich mache mich nicht mehr krumm dafür, irgendwohin zu kommen auf der Karriereleiter. Zumal mir ja nun in jüngster Vergangenheit gezeigt wurde, dass es egal ist, was ich leiste, zu teuer bin ich allemal. Also kann ich genauso gut langsam machen und auf mich achten. Das heißt zwar, dass ich demnächst wieder „weiterziehe“, aber wer weiß, wozu das gut ist.
Jede Firma wünscht sich motivierte Mitarbeiter und es wird versucht, das mit so kleinen „Zuckerchen“ in monetärer Form zu gewährleisten. Leider wird dabei übersehen, dass es genug Mitarbeiter gibt, für die Knete nicht alles ist. Allerdings sind das wohl nicht unbedingt die, die in meinem Alter sind. Deshalb wird eben gern mit „Jungvolk“ gearbeitet. Na ja, auch das wird sich, dank demoskopischer Entwicklung, irgendwann ändern. Ich gehe letztendlich davon aus, dass irgendwann in den nächsten Jahren mein Arbeitgeber mit einem netten Angebot zur Abfindung auf mich zukommt. Für ihn wird es auf Dauer ökonomischer sein und für mich deutlich bequemer. Ob es auch ein Vorteil für die Kunden des Unternehmens sein wird, das stelle ich mal ganz massiv in Frage. Aber das ist dann nicht mein Ding.
Mir fällt nur immer wieder auf, dass genau die Dinge, die ein Teil meiner co-abhängigen Strukturen sind, auch die Dinge sind, die unsere Gesellschaft funktionieren lassen. Ich bin eine gute Arbeitnehmerin, wenn ich mich um alles und jedes kümmere. Das erspart meinem Vorgesetzten Arbeit, Verantwortung und Auseinandersetzungen. Ich glaube, wenn jeder Mensch sich mit sich und seiner Persönlichkeitsstruktur auseinandersetzen und sich weiterentwickeln würde, hätten die eingefahrenen Strukturen, die in unserer Gesellschaft Gang und Gäbe sind, keine Zukunft mehr. Ein spannender Gedanke.....
..findet
Ette
Hallo und guten Morgen,
die letzten Tage habe ich sehr viel gelesen. Über Frauen, ihre Ressourcen, ihre Schwächen und ihre Kraft, um immer weiter zu gehen. Na ja, schließlich musste ich sehen, dass ich wieder aus meinem Loch komme und dabei war es mir hilfreich, zu lesen, dass ich nicht alleine mit meinen Problemen dastehe. Und es HAT geholfen.
In der realen SHG kehrt nun auch Ruhe ein. Deutlich geschrumpft, haben wir nun die Möglichkeit, neu anzufangen. Gestern beim Nachhausekommen dachte ich mir, dass nicht die schlechtesten geblieben sind. Ich freue mich nun wieder auf Gruppenabende, in denen konstruktiv geredet wird und nicht nur abwertend und destruktiv.
So, und nun mache ich mich an den Endspurt der Woche. Ein halber Tag – den sitz ich doch auf der linken Po-Backe ab und für das Wochenende habe ich noch jede Menge Zeit ohne Termine. Schön!
LG
Ette
Hallo ihr beiden,
dank euch fürs Mutmachen. Inzwischen bin ich auch wieder aus meinem Selbstzweifel-Loch gekrabbelt. Ich weiß ja, dass ich eine ganze Menge auf die Reihe bekommen habe. Aber dann hat mich wieder ein ganz altes Muster erwischt: Leistung, Perfektionismus, ein hohes Anspruchsdenken an mich selbst..... Ich will eine gute Genesende sein und da passts halt nicht, dass ich so lange dazu gebraucht habe, das zu erkennen. Und ja, Ayki, es kann nicht jeder Tag gut sein. Das ist mir vom Kopf her klar und doch erwischst mich manchmal hinterrücks. Gut, dass dann hier jemand ist, der mir den Kopf wieder zurecht rückt.
@ Gotti, na, als Leiden sehe ich meine „Spät-Pubertät“ nicht wirklich. Eher positiv. Zum Beispiel musste ich letzten Winter nur 10 Euro Nebenkosten nachzahlen, denn ich brauche durch meinen „ganz persönlichen Sommer“ deutlich weniger zu heizen. Ein Riesenvorteil, wie ich finde. Nur das Auf und Ab ist manchmal ein wenig nervig. Allerdings hat auch das den Vorteil, mal wieder inne zu halten und zu überdenken, was passiert. Im Grunde hast du schon recht. Ich habe jeden Grund, zufrieden mit mir selbst zu leben.
So, und jetzt verschwinde ich im Regenzimmer.
LG
Ette
Hallo nescimus (was bedeutet das überhaupt?),
dass du nicht für dich sondern für deine Kinder gegangen bist, schoss mir auch als erstes durch Kopf, als ich dich las.
Dass du nicht in deinem Tagebuch lesen willst, kann ich nachvollziehen. Ich habe nach meiner Trennung gelesen - und festgestellt, dass ich mich über Monate immer wieder habe belatschern lassen, obwohl ich recht genau gesehen hatte, was läuft, es aber nicht wahrhaben wollte. Es war kein schönes Gefühl, das festzustellen. Da hast du recht.
Nun bist du aber getrennt und es ist gut, dass du hier schreibst. Vielleicht findest du irgendwann den Weg, für DICH selbst etwas zu verändern. Und ich meine damit nicht nur die Situation "raus aus der Beziehung". Denn egal, wie es nun dazu kam, ist es doch erst der erste Schritt. Die Veränderung muss in uns selbst passieren.
Ich wünsch dir Mut und Kraft für DEINEN Weg.
LG
Ette
Hallo seinweib,
Rückfälle gehören zu dieser Krankheit. Und es ist sein Ding, mit einem Rückfall entsprechend umzugehen. Dass er über sich selbst enttäuscht ist, will ich gerne glauben.
Du schreibst, dass du dich nicht trennen willst. Das ist dein gutes Recht und nachvollziehbar. Dann ist es aber auch an dir, zu akzeptieren, dass du auf seine Genesung keinen Einfluss nehmen kannst. Und du, egal, was passiert, immer damit wieder in eine Situation wie die jetzige kommen kannst. Wie gesagt, das gehört zu dieser Krankheit dazu.
Mit ist ein Mensch begegnet, der 10 Jahre trocken war, engagiert in unserer Selbsthilfeorganisation gearbeitet hat und der es doch nicht geschafft hat, trocken zu bleiben. Wenn ein Herpes immer mal wieder ausbricht, können wir das akzeptieren. Wenn ein Alkoholiker rückfällig wird, müssen wir das genauso.
LG
Ette
Guten Morgen Trauerkloß,
danke für deine Ehrlichkeit. Deine Beweggründe, in der Beziehung zu bleiben, sind sicher nicht einmalig. Auch in meiner realen SHG habe ich ähnliche Aussagen erlebt. Das Haus, die Kinder, die Tatsache, dass ohne den trinkenden Ehemann Hartz IV angesagt wäre, all das bekam ich zu hören, als ich einmal hinterfragte, warum die Frauen das so lange aushielten. Und für ein RICHTIG gutes Leben musste nur noch der Mann aufhören, zu trinken.
Ich hatte selbst auch die Meinung, dass alles gut wäre, wenn „ER“ nur nicht mehr trinken würde. Inzwischen weiß ich, dass dann eben nicht alles gut gewesen wäre, denn ich hätte ja an meinen eigenen Verhaltensweisen nichts verändert. Dass ich durch die damalige Trennung dann auf mich selbst zurückgeworfen war, war erst sehr schwer und wurde im Laufe der Zeit leichter. Inzwischen bin ich froh, dass alles so gekommen ist. Ich konnte für mich vieles verändern – zum Besseren.
Es ist dein Leben und wenn du damit soweit zufrieden bist, gibt es natürlich keinen Grund etwas zu verändern. Allerdings musst du dann halt auch akzeptieren, dass dein Mann, ist, wie er ist und für dich nicht aufhören wird, zu trinken. Verändern kannst du nur etwas für dich selbst – und sei es, zu akzeptieren, dass für dein angenehmes Leben dazu gehört, dass er trinkt. Wenn ich bei dir lese, habe ich oftmals das Gefühl, dass es dir gar nicht darum geht, dass er aufhört zu trinken, um zu gesund zu werden. Viel mehr kommt es mir vor, dass du Angst davor hast, dass sein Trinken soweit geht, dass er irgendwann nicht mehr arbeiten kann und somit die wirtschaftliche Grundlage deines Lebens in Frage gestellt wird. Das ist in meinen Augen nachvollziehbar, erwachsen empfinde ich es nicht.
Gruß
Ette
Hallo,
lange habe ich hier nichts mehr geschrieben, denn die Realität hatte mich ziemlich im Griff. Konflikte in der realen SHG, ein herrlicher Sommer mit viel Zeit im Garten und anderen „Out-door“-Aktivitäten. Dazu Reha-Nachsorge, Arbeit, Haushalt und was halt sonst noch zu einem „normalen“ Alltag gehört. Wenig Muse, mich mit meinen Gedanken und deren Formulierung zu befassen. Dann, gestern, ein ziemlicher Gefühls-Absturz.
Der Auslöser? Eine junge Frau (27 J.), die mir sagte, sie sei stolz darauf, bereits so jung festzustellen, dass mit ihr etwas nicht stimmt und sie für sich etwas verändern muss, um nicht ständig in der Überlastung zu bleiben. Erst konnte ich mich noch mit ihr freuen. Aber zu hause dann, alleine, nahm ich es mir selbst so etwas von übel, dass ich so viele Jahre verschenkt habe mit dem ewigen Bemühen, alles, jedes und jeden im Griff und unter Kontrolle zu halten, dass ich mich selbst gar nicht richtig wahrgenommen habe. Mein Kopf sagt mir zwar, dass ich einfach noch nicht so weit gewesen bin, aber mein Gefühl ist einfach stinksauer auf meine Langsamkeit.
Komisch, bei anderen kann ich es entschuldigen, dass sie es nicht besser wussten und ihren Möglichkeiten entsprechend agiert haben. Mir selbst aber nehme ich es ziemlich krumm, mich derart vernachlässigt zu haben. Vielleicht, weil ich mich derzeit besser annehmen kann, als mein ganzes bisheriges Leben (bis auf meine Versäumnisse in der Vergangenheit). Vertane Zeit, verschenkte Möglichkeiten, nicht gelebtes Leben.... schwer zu akzeptieren für mich. Zudem wurden mir all die Dinge bewusst, die ich nicht geschafft habe und die mir im Grunde doch fehlen, auch wenn ich meine derzeitige Situation durchaus lebenswert finde.
Ich fühle mich ziemlich widersprüchlich zur Zeit. Ob ich pubertiere? Das Gefühl ist ganz ähnlich....
LG
Ette
Guten Morgen!
Wo bin ich? Hmmm, Nicole, das weiß ich im Moment selbst nicht so genau. Ich habe eine Menge geschafft in den letzten Tagen, fühl mich aber auch geschafft. Deshalb schlafe ich auch relativ viel und habe wenig Antrieb, zu schreiben.
Ich weiß auch grad nicht so wirklich, ob ich zufrieden bin. Im Moment fehlt mir die Leichtigkeit des Seins und ich muss mich sehr an die Kandare nehmen, um nicht traurig zu werden. Denn letztendlich sehe ich nicht wirklich einen Grund für Traurigkeit, fühl mich aber immer wieder so. Hab zu wenig Energie, um Kontakte zu pflegen und meine Alltagsgeschäfte scheinen mich vollkommen zu erschöpfen. Mal sehen, wie es weitergeht.
LG
Ette
Hallo,
irgendwie ist heute ein seltsamer Tag. Eigentlich hat die ganze Woche festgestanden, dass ich heute verabredet war. Und doch wachte ich heute morgen auf mit dem Empfinden, einfach nur mit mir allein sein zu wollen. Nach einigem Hin- und Herüberlegen habe ich abgesagt. Allerdings mit einem recht unguten Gefühl.
Immer wieder komme ich in solche Situationen, in denen es gilt, abzuwägen zwischen meinem eigenen Bedürfnis nach „Einsiedelei“ und dem Bewusstsein, vielleicht einem anderen Menschen weh zu tun oder ihn zu verärgern. Es fällt mir immer noch nicht leicht, mich selbst wichtiger zu nehmen als mein Umfeld. Und wenn ich mir den Tag nun gegönnt habe, macht sich doch eine Art Unbehagen in mir breit. Wie früher das schlechte Gewissen, wenn ich etwas angestellt hatte, von dem ich wusste, dass es verboten ist.
Es erstaunt mich immer wieder, durch welche Hintertür alte Strukturen und Empfindungen versuchen, wieder Fuß zu fassen.
LG
Ette
Hallo Oiseau,
es ist schön, dass du einen Mut-mach-Thread eröffnet hast. Ich halte es für wichtig, dass wir Co´s den Mut für ein eigenes, unabhängiges Leben entwickeln.
Du schreibst, dass du wieder glücklich bist, weil dein Mann nicht mehr trinkt. Er hat gehandelt, nachdem du ihm ein Ultimatum gestellt hast. In meinen Augen hat dein Glück also einzig mit der Tatsache zu tun, dass dein Mann nicht mehr trinkt. Ich halte es aber für unabdingbar, auch dann ein glückliches, zufriedenes Leben zu erlernen, wenn der Partner sich nicht entschließt, mit dem Trinken aufzuhören.
Du machst in meinen Augen Mut, weiter auszuhalten und darauf zu vertrauen, dass mit dem richtigen „Hebel“ der Partner das Trinken sein lässt. Ich denke nicht, dass das die richtige Art von Mut ist, die uns aus der Co-Abhängigkeit hilft.
LG
Ette
Zitat von TrauerklossHallo Ette, ich las grad in deinem Thread irgendwo, dass du auch über 20 J. Ehe hinter dir hast, ich bin 20 J. verheiratet,
auch du bist älter, ich bin 50 Jahre,
Hallo Trauerkloß,
da hast du dich sicher verlesen. Ich war nie 20 Jahre verheiratet.
Gruß
Ette