Hallo nicole
Erstmal herzlich willkommen hier im forum!
Puh, mir geht’s net anders wie meinen zwei vorschreiberinnen – ich musste erstmal schlucken.
Davon abgesehen, dass dein vater trinkt, wirst du auch noch herangezogen um dir die ganzen sorgen deiner eltern an zu hören, zu vermitteln, zu reden etc. – du bist das kind! Deine eltern sollen sich um dich kümmern, net du dich um sie! So sollte es eigentlich sein, aber in einem alkoholikerhaushalt is nun mal nix normal. Das schlimme dabei ist in meinen augen noch, dass wir kinder das sogar noch als normal empfinden!
Deine freunde hören sich wirklich klasse an, sie sind für dich da und reden mit dir – deine freundin wusste, dass du auf ihre worte von vorgestern nicht positiv reagieren würdest, du liebst ja deinen vater und das darfst du auch. Dennoch hat sie offen mit dir geredet. Nachdem was du alles geschrieben hast, trifft ihre aussage den kern der sache, auch wenn du das etz gar net so gern hören willst.
Dein vater ist krank, das is dir ja schon bewusst. Im gegensatz zu anderen krankheiten kannst du ihm aber nicht helfen, das ist bei alkoholismus so. helfen kannst du erst, wenn der betroffene hilfe möchte und trocken werden will, vorher ist alles vergebens. Im gegenteil, du verlängerst sogar noch die krankheit, wenn auch nur unbewußt. Du schützt ihn, packst ihn sprichwörtlich in watte, bist immer da wenn er dich braucht – warum sollte er denn aufhören zu trinken? Ihm geht’s doch gut, es wird sich um ihn gekümmert und wehe jemand will aus diesem teufelskreis ausbrechen. Daher auch sein verhalten an seiner hochzeit, er hatte angst, dass du ihn alleine lässt. Er braucht dich um weitertrinken zu können, klar ist das etz schmarrn, aber dadurch das du immer da bist, wird er auch net mit den konsequenzen seiner trinkerei konfrontiert.
Wenn du hier im alkoholikerbereich oder auch woanders liest, wirst du immer wieder etwas über den persönlichen tiefpunkt finden. Es heißt ein alkoholiker muss ganz unten sein, damit er merkt, dass es so nicht mehr weiter geht und er trocken werden möchte – bis zu diesem schritt kann es aber auch noch ne gute weile dauern, monate, jahre…
Es gibt manche die an den tiefpunkt net glauben, ich denk da is verdammt viel dran – der tiefpunkt ist für jeden nur unterschiedlich. Beim einen ist es der führerscheinentzug, der nexte muss erstmal ganz alleine dastehn, familie weg, heim weg etc. und der nexte schafft es nie.
Und solange man den alkoholiker unterstützt, wird er den tiefpunkt auch nie erreichen…
Deine mutter ist ja wirklich der oberhammer, da stehn mir die haare zu berge, wenn ich so was lese. Du bist nicht ihr spielball, sorry aber so hört sich das für mich an! Sie hätte für dich und deine sorgen da sein müssen, dir zuhören und dich mal in arm nehmen sollen, was hat sie getan??? Das gegenteil, sie hat dich noch mehr fertiggemacht und dir aufgaben erteilt, die du gar nicht erfüllen konntest. Ich könnt grad schreien wenn ich nur daran denk und du hast das auch noch alles mitmachen müssen bzw. machst du etz noch.
ich hab hier viel gelesen und geschrieben, irgendwann später hab ich mir dann auch noch bücher besorgt, damit hab ich gelernt einiges zu verstehn, die krankheit an sich (soweit man alkoholsucht als nichtalkoholiker verstehn kann) usw.
es hat mir gezeigt, dass ich nix für meine mutter tun kann, mein leben und glück ist nicht von ihr und ihrer trinkerei abhängig sondern nur von mir! Ich geh ihr so ziemlich aus dem weg (ganz besonders wenn sie betrunken is), war anfangs auch net einfach, aber klappt inzwischen doch ganz gut. Und das schöne ist: mir geht’s gut dabei!
Ich weiß das meine geschwister und ich meiner mutter nicht egal sind, sie hat uns lieb und wir sie genauso, aber die sucht ist stärker und dabei kann ich ihr nicht helfen, nur sie selbst!
Les dich hier durch, dir wird vieles bekannt vorkommen, da bin ich mir sicher. Du darfst hier gerne alles aufschreiben was dich bedrückt, bei mir sind damals die finger über die tasten geflogen (so wie bei dir glaub auch), das ist ok so und tut gut. Wir hören dir auf jeden fall zu!
Sei ganz lieb gegrüßt