Beiträge von Brigitte

    Als ich noch gesoffen hatte, hat mir auch der Sinn des Lebens gefehlt. Ich fragte mich oft, wofür Lebe ich noch.

    Aber so mit der Zeit, wenn sich so langsam nach dem Entzug wieder alles normalisiert - körperlich, meine ich, schleicht sich auch so langsam die Freude wieder am Leben ein. Ich genieße es einfach zu Leben, meine Interessen wieder aufnehmen zu können, neue Dinge zu finden, an denen ich Spaß habe und das Leben schlichtweg einfach wieder zu bewältigen. Heute frage ich mich nicht mehr nach dem Sinn des Lebens. Ich lebe einfach und versuche bewusst zu Leben, das Leben und den Moment mitzukriegen und meine viele seelische Arbeit zu erkennen und wahrzunehmen.

    Glaub mir, wenn du nüchtern bist, begegnet dir so viele, an das du während der nassen Zeit im Traum nicht mehr gedacht hast und was vergessen ist.

    Ich glaube nich, dass dich hier jemand an den Pranger stellt, sondern es soll dir nur etwas bewusst gemacht werden.
    Es soll dir Hilfe gegeben werden, in dem man dich auf verqueres Denken hinweist, also auf nasses Denken.
    Niemand macht dir hier Vorwürfe, aber Hilfe kann nur an der Wurzel angesetzt werden, wo wir etwas sehen, wo etwas im Denken schief läuft. Auf diese Hinweise kannst du so oder so , reagieren. Du kannst es annehmen, dass es unangenehm ist, ist verständlich, aber du hast die Chance darüber nachzudenken.
    Du kannst allerdings auch Widerstände aufbauen, indem du sagst, du fühlst dich angegriffen und nicht verstanden. Aber auch verständlich.

    Es ist ja nicht ein leichter Weg, den du jetzt gehst. Du hast jetzt vieles zu sortieren und zu ordnen bei dir. Aber mit dem Entzug in einer Klinik wirst du nicht drumherum kommen. Der geht auch vorbei. Mit den Tieren kann ich es sehr gut verstehen, habe selber welche, Katzen. Mir täte es auch in der Seele weh, nicht zu wissen was mit meinen Tieren ist. Aber was ist, wenn du alk-mäßig immer mehr abrutscht. Leiden dann die Tiere nicht auch darunter und wenn es so schlimme wird, das gar nichts mehr geht, was ist dann mit deinen Hunden?

    Ist es nicht besser, jetzt eine Lösung zu suchen, die Sache in Angriff zu nehmen und nach nichtmals 3 Wochen ist der klinische Entzug rum und du kannst dein Leben neu und trocken weiter führen.

    Wenn du 12 Jahre trocken warst, wirst du wohl wissen, dass man das erste Glas stehen lassen muss.

    Du hast das erste Glas getrunken und bist wieder drin und der Teufelskreis wird sich wieder entwickeln. Aber es ist nie zu spät, doch wieder aufzuhören, aufzustehen und neu anzufangen.

    Wie erlebst du und ordnest du es für dich ein, diesen Rückfall?

    Zitat von Blizzard


    Dieser bekannte "Belohnungseffekt" ist jetzt natürlich weg und ich frage mich, wie ich mir einen neuen Belohnungseffekt ohne Alkohol an-konditionieren kann.

    Du musst gar nichts. Es entwickelt sich einfach mit der Zeit. Anfangs hatte mir der Alkohol auch gefehlt, so in etwa, jetzt habe ich dies oder das erledigt, möchte mich gemütlich hinsetzen und mir einen Wein genehmigen.

    Das verschwindet einfacht mit der Zeit. Du lernst oder dein Bewusstsein oder dein Gehirn, dass es einfach keine Belohnung in Form von Alkohol gibt und mit der Zeit denkst du auch nicht mehr so viel oder gar nicht daran. Ich habe mir immer ein Glas Apfelschorle in solchen Momenten eingeschüttet. Mittlerweile freue ich mich auf dieses Glas und es gehört jetzt dazu wie früher der Wein.

    Also vieles ist einfach eine Sache der Zeit. Du verlernst mit der Zeit die Mechanismen, die mit Alkohol verbunden sind und verbindest sie mit anderem. Ich würde mir da jetzt nicht so viele Gedanken machen. Es ist doch klar, dass Anfangs der Alkohol einem noch sehr viel im Kopf rumgeistert. Es verschwindet mit der Zeit. Einfach Geduld.

    Zitat von frieda90

    Habe mir immer das Ziel gesetzt nie mehr als 3 Gläser, Frieda

    Ein Mensch, der absolut keine Probleme mit Alkohol hat, sagt sich nie, ich trinke nur 2 oder 3 Gläser. Diese Gedanken muss er sich nicht machen. Er trinkt vll. 2 oder 3 Gläser und dann ist gut.

    Allein schon wenn man sich, bevor man trinkt, sagen muss, so und so viel trinke ich nur, ist doch irgendwas nicht in Ordnung.

    Hi Bernd,

    klar, dass du jetzt den Kopf voll hast. Sind ja 1000 Dinge zu erledigen und Utes Wohnung kommt ja auch noch hinzu.

    Wenn es für mich immer zuviel ist, mache ich mir einen Plan. Schriftlich.

    Setz dich mal in einer stillen Stunde hin und schreib doch erstmal alles auf - wild durcheinander, was dir einfällt. Dann nimmst du einen neuen Zettel und schreibst es sortiert auf und in Reihenfolge, da werden dir mit Sicherheit noch Dinge einfallen, was dann da reinpasst.
    Als nächstes Teile ich mir dann die zu erledigenden Dinge - soweit es geht - nach Tagen oder Datum ein. Der Rest, der noch nicht zeitlich übersichtlich ist, schreibe ich mir dann gesondert auf.

    Wenn ich so einen Plan habe und vor allem dadurch auch Übersicht, belastet es nicht mehr meinen Kopf und ich kann dann täglich gucken, was ich heute erledigen kann. Das hilft mir ungemein, schafft mir Übersicht und macht meinen Kopf frei. Das wäre also meine Vorgehensweise, die mir immens hilft.

    Helfen können wir dir nicht. Was wir können ist, dich begleiten und unterstützen.

    Aber wollen musst du ganz alleine. Du musst dir klar machen was du willst. Weg vom Alkohol? Nicht mehr trinken? Ein gesundes, zufriedenes und nüchternes Leben führen? Und vieles mehr. Dabei ist jeder hier im Forum gerne bereit dich zu begleiten und zu unterstützen.

    Welche Maßnahmen oder was genau hast du dir jetzt vorgenommen. Was sind deine Pläne bezüglich Alkohol. Mache es dir klar und setze dich damit auseinander und schreibe es hier. Du bekommst sicher Antworten.

    Freu mich auch riesig für dich, dass du endlich eine Wohnung hast. Jetzt ist dir erstmal viel Druck genommen und du kannst dich auf einen Neuanfang freuen.
    Mal schauen, was jetzt so alles auf dich zukommt. Ist und war ja viel Bewegung bei dir und jetzt kommt hoffentlich Gutes auf dich zu. Wünsch ich dir.

    Es allen Recht zu machen ist ein Ding der Unmöglichkeit. Der eine will dies, der andere will das Gegenteil. Wie willst du es dann den beiden richtig machen.

    Schaue doch auf dich. Du bist für dich der wichtigste Mensch auf der Erde, drum mache es für dich richtig. Mag dich, ist doch am lohnendsten und wenn du dich magst, mögen dich die anderen automatisch.

    Warum sollen sich die anderen an dich erinnern, verstehe ich nicht so ganz.

    Schaffe dir für dich deine eigenen Werte und versuche ein trockener zufriedener Alkohliker zu werden, dann funzt es.

    Übrigens, ich hatte auch viele Situationen, wo dann die Pulle hermusste, weil es ja momentan Erleichterung und Abschalten gibt. Aber wenn du schon etwas länger nüchtern bist, wirst du auch mit der Zeit lernen, damit anders umzugehen. Ging mir auf jeden Fall so. Ich muss in stressigen Situation nicht nach der Flasche greifen. Es kommt noch nichtmals der Wunsch danach auf. Man lernt einfach mit der Zeit und es ist vll. auch so ein bisschen Gewöhnungseffekt, nein zu sagen. Nüchtern sieht einfach alles anders aus.

    einen Job kannst du nicht erzwingen, Blizzard. Es je nicht leicht, etwas zu bekommen. Lass dich nicht zu sehr von anderen unter Druck setzen. Das einzigste was du tun kannst, ist dich darum zu bemühen.

    Schön das es so gut läuft bei dir.

    Hi Blizzard,

    mach dir keinen Kopf. Bei uns in der SHG wird das als Kopfkino benannt. Du lebst jetzt und nicht in 2 oder 3 Monaten. Das Jetzt zählt. Was morgen ist, damit kannst du dich morgen mit auseinandersetzen.

    Außerdem hast du in einigen Monaten mehr Stabilität als heute und auch mehr Übung im "ich will nicht trinken". Und es ist doch gut, was heute in deinen Möglichkeiten liegst, greifst du ja an. Du tust ja was oder besser, du bewegst dich.

    Mache dir jetzt nicht zuviel Sorgen mit deiner Zukunft (Studium, Beruf...). Wenns geht und machbar ist, konzentriere dich erstmal auf dich, dass du ein bisschen stabiler wirst. In 2 - 3 Monaten wird auch wieder so einiges anders aussehen. Vll. siehst du dann klarer. Zerbreche dir auch darüber nicht den Kopf. Hab ein bisschen Geduld. Es wird klarer werden in deinem Kopf, du musst jetzt erstmal einiges sortieren. Dann werden wieder Wünsche kommen und du wirst besser wissen, was du machen willst. Ich würde jetzt erstmal abwarten, wenns geht.

    Das mit deinen Katzen kann ich gut verstehen. Habe selber 2. Den ihr Wohl liegt mir ganz dolle am Herzen.

    Ich habe Probleme. Vll. habe ich es ja nicht richtig verstanden. So ca. fast Ende März hast du geschrieben, dass du zur Entgiftung gehst. Jetzt ist fast 3 Wochen später. Bist du doch nicht gegangen? Verstehe den Zeitablauf nicht so richtig.

    Und wegen der Katzen, würd ich mal im Tierheim fragen, ob die die eine gewisse Zeit nehmen können. Glaube ich zwar nicht, dass das geht. Ich würde meine Tiere in eine Katzenpension bringen, auch wenn ich dafür einen Kredit aufnehmen müsste. Die Entgiftung ist ja schließlich auch nicht ewig.

    Hi Blizzard,

    du hast ja eine Menge Einsicht, find ich gut und denke auch, dass das für dich ein guter Ansatzpunkt ist.

    Ich habe auch viel aus Langeweile getrunken. Zum einen sagt man ja, dass Langeweile ein Gefühl ist, das andere, nicht so schöne Gefühle überdeckt. Also unter der Langeweile liegen noch andere Gefühle. Mit der Langeweile kann man sie verdrängen. Wichtig finde ich - ich schreibe jetzt von mir - auch dieses Gefühl der Langeweile einfach mal wahrzunehmen. Nicht weg zu machen, als erstes, wie wir es ja immer taten, mit Alkohol. Aber auch nicht wegzumachen mit irgendwelchen bewusst angegangenen Aktivitäten.

    Ich stelle mir vor, wenn man diese Gefühle der Langeweile wahrnimmt, dass dann doch die darunter liegenden Gefühle auch mal hochkommen und man sich mit ihnen auseinandersetzen kann.

    Zum anderen habe ich festgestellt, dass ich seitdem ich nicht mehr trinke, wesentlich seltener diese Langeweilegefühle habe. Frage mich, ob die nicht durch den Alkohol mit verursacht werden.

    Drei Wochen ist ja noch eine kurze Zeit. Du wirst feststellen, dass sich im nächsten halben Jahr viel an deinen Gefühlen verändern wird, und zwar zum Guten.

    Geh deinen Weg, ich glaube du hast die Kraft dafür.

    Liebe Ulrike,

    9 Monate ist ja schon mal eine schöne Zeit.

    Ich kenne das auch (bin jetzt 18 Monate trocken), dass doch mal ab und zu der Wunsch aufkommt, doch mal wieder dieses Gefühl von Berauschtheit und Leichtigkeit zu haben. Und ist es nicht so, war doch dann IM MOMENT auch ein schönes Gefühl. Daran erinnern wir uns auch. Das kann man nicht wegleugnen.

    Aber das, was den großen Rahmen ausmacht, wenn man aufeinmal so Schmachtattacken hat, vergisst man in diesem Moment. Die Quälerei mit der Sauferei. Das Elendgefühl, das nichts mehr klappt, halt einfach die ganze Scheiße. Wenn ich dann mal wieder so Wünsche habe, hole ich mir bewusst das ganze negative Drumherum, was ja der Hauptteil unserer Sauferei ausmachte, mir ins Gedächtnis. Ist zwar auch ein Kraftakt und funktioniert nicht immer.

    Aber die Gedanken werden weniger. Es wird mit der Zeit immer blasser und die Gedanken oder Wünsche verlieren auch an Intensität. Immer denken, wenn die Wünsche aufkommen, sie gehen auch wieder. Es geht vorbei.

    Du willst bestimmt auch nicht mehr dahin zurück.

    Übrigens Micha hat mir gefallen, was du geschrieben hast, dass du immer gespürt hast, wenn der Wunsch aufkam, dass da ein Unwohlgefühl war. Werde da auch mal genau bei mir hingucken.

    Hi Bernd,

    habe ich dann wirklich falsch in den Hals gekriegt. Hoffentlich hast du etwas emotionsberuhigt bis jetzt die Tage rumgekriegt. Aber dir wird es ja wohl doch ständig im Kopf rumgehen mit der Wohnung, was ich sehr gut verstehen kann. Ich hätte auch erst Ruhe, wenn alles unter Dach und Fach wäre und nicht die Ungewissheit.

    Trotz allem, mache dich nicht verrückt, du hast wirklich noch Zeit, da kann sich viel ergeben.

    Noch einen schönen Ostermontag.

    LG Brigitte

    Hi Bernd,

    manchmal tut es gut abzuschalten. Schalte jetzt mal über Ostern einfach ab und versuche mal ein bisschen die Feiertage zu genießen. Anschalten kannst du dann wieder am Mittwoch. Ich weiß, ist leichter gesagt als getan.

    Du kannst über die Feiertage nicht viel tun. Evtl. heute noch Zeitung lesen. Manchmal sieht dann die Welt nach so einer Abschaltung wieder anders aus.

    Tut mir leid, wenn ich dir gute Ratschläge erteile. Ist eigentlich nicht so mein Ding, aber ich lebe ein Stück mit dir und wünsche mir selber, dass für dich alles gut wird. Ich habe für dich ein gutes Gefühl.

    LG Brigitte