So, gestern sind wir zur Entgiftung gefahren und nach dem 1. Tag dort ist mein Freund schon so mit einem heilsamen Schrecken versehen....die Untersuchung ergab, dass er körperlich vollkommen gesund ist, auch keine Entzugserscheinungen hat, allerdings die "Sucht" im Kopf bereits verankert ist....
Jetzt soll ihm eine Sozialarbeiterin dort helfen, Adressen zu finden, wo er im Anschluss Hilfe bekommt. Er weiß, er könnte sofort da weg, bleibt aber auf jeden Fall solange, bis es hier "weiter" geht!
Jetzt trinkt er viel Wasser, zuviel Kaffee und sagt, er muss sich jetzt überlegen, WAS er demnächst trinkt - Alkohol will er keinen trinken, der Schock zu sehen, wie andere schon viel schlimmer betroffen sind und die Angst auch da reinzukommen, steht ihm im Gesicht geschrieben...
Wir reden über Situationen, vergangene und auch zukünftige, wo Bier meist automatisch IMMER mit dazu gehörte...auch der Bekanntenkreis, der fast IMMER aus Menschen bei ihm bestand, zu denen er sich solange zugehörig fühlte, solang er mittrank.
Alternativen müssen her, ich weiß, dass ich zwar Vorschläge machen kann, doch FINDEN wird er sie selbst müssen, ich lese hier sehr viel, bin auch dankbar und froh, weil ich hier die entscheidenden Informationen gefunden habe, vieles weiß, was ich falsch geholfen habe.
Ich sage ihm meine Hilflosigkeit, dass ich ihn nicht kontrollieren möchte und auch nicht werde, dass ich selber den letzten Alkohol vor über einem Monat getrunken habe und - für mich - entschieden habe, auf unbestimmte Zeit kein Glas Wein mehr zu trinken...ich merke sogar selbst an mir, dass mir das letztlich auch weder gutgetan noch irgendwie geholfen hat und dass Glücklichsein, Lustigsein und Entspannung durch Alkohol viel zu sehr propagiert wird, im Alltag, in der Werbung, leider....jede Bierwerbung stößt mir nun auf, weil ich BEWUSSTER hinsehe.
Und es stimmt - man kann OHNE Alkohol leben..fast jeder kann sich doch an seine Kindheit erinnern, wie glücklich und lebensfroh man war - einfach aus Freude am Leben, an der Natur, Freundschaften, Sport...bis dann irgendwann beim Eintritt ins Erwachsenenwerden die Konfrontation mit dem Alk kommt - jetzt biste 18 - das MUSS gefeiert werden! Hochzeit - okay, da MUSS doch der Korken knallen! Hauseinweihung? Her mit dem Sekt! Auch ein Schiff wird schließlich mit ner Flasche "getauft"...Ein Kind ist geboren -wunderbar, dass MUSS man pinkeln lassen!! *sarkasmus
...ich hoffe so sehr, dass der Anfang gemacht ist für eine glückliche Zukunft ohne künstliche Räusche (ok...der nächste Kampf wäre der gegen den blauen Dunst, aber - eins nach dem anderen)
LG
eine nachdenkliche Leominda, hoffentlich nicht zu euphorisch