Hallo Caro,
danke für deine Worte, ich hab Gänsehaut bekommen und mir sind auch die Tränen in die Augen geschossen. Irgendwie fühl ich mich gerade wie zu Hause angekommen.
Meine Therapeutin war für mich schon mehr Mama als meine eigene. Alkohol ist echt ein böses Zeug. Ich muss oft aufpassen, dass ich nicht alle anderen, die mal ein Bier trinken oder auch mal ein Glas Wein, mit meiner Mama vergleiche und Streit provoziere.
Es ist irgendwie seltsam, dass es überall so gleich ist. Ich kenne kaum jemanden, der keinen Alkoholiker in der Familie hat. Aber ich bin die Einzige, bei der es die Mutter ist. Ansonsten ist es der Vater, der Großvater, der Onkel, aber nie die Mutter.
Meine Therapie hat mich weit gebracht und ich mich selbst auch. Mein Mann steht zu mir und hält zu mir und meine Kinder sind einfach zuckersüss. Ich werde meinen strikten Weg gehen, auch wenn er schwer ist. Am schlimmsten ist es, wenn sie es immer abstreitet. Wenn ich vor ihr stehe, sie eine Fahne hat, mir gar nicht in die Augen sehen kann, weil sie so betrunken ist und dann behauptet, sie hätte nix getrunken, sie hätte eine Schmerztablette genommen. Da könnte ich platzen. Und ich war schon oft so weit, dass ich ihr gerne eine Ohrfeige gegeben hätte. Ich habe den Respekt vor meiner Mutter komplett verloren. Ich habe Seiten an ihr gesehen, die ich nie sehen wollte. Sie hat mich aus ihrer Wohnung geworfen, hat mich übelst beschimpft, nur weil ich ihre Flaschen ausgeleert habe. Es war ganz ganz schlimm und damals eine ganz schlimme Phase für mich. Dorthin will ich niemals mehr zurück.
Ich habe ihr klare Ansage gemacht, bei mir gibts nix zu trinken und sie soll mich a uch nie wieder fragen, ob ich Wein oder sonstwas für sie habe. Sie hatte nämlich die Angewohnheit auf Omas Geburtstag o.ä. heimlich zu trinken (die Flasche war in der Handtasche oder sonstwo versteckt) und mich dann zu beleidigen, vor versammelter Familie. Als ich hochschwanger war plärrte sie laut, dass ich einen fetten A... bekommen hätte und mein Bauch so extrem fett sei. Das hat mir sooo weh getan. Ich konnte drei Wochen lang nicht mit ihr reden. Zumal das nicht das erste mal war. Ansonsten erzählt sie überall, wir hätten nix im Kühlschrank usw. Einfach grausam. Boah, beim schreiben hier kommt grade wieder eine Wut hoch....*koch!
Na ja, jedenfalls komme ich mittlerweile besser damit klar. WEnn wir zu ihr fahren, weil ich es einfach nicht schaffe, den Kontakt ganz zu brechen und sie hat getrunken (was heutzutage ja nimmer täglich vorkommt), dann gehen wir sofort wieder. Wie geschrieben, mein Mann steht da voll und ganz hinter mir. Aber ich sage ihr auch, warum wir gehen. Dann gibts Schreierei, jedenfalls von ihr und wir gehen wortlos. Früher wäre ich dann in Tränen ausgebrochen, heute gehen wir nur. Es frisst schon an mir, aber lange nicht mehr so schlimm. Denn erstens mag ich vor den Kindern nicht wegen Omas Trinkerei weinen und zweitens investiere ich meine Kraft lieber in meine eigene Familie.
Ich bin froh, dass ich mich auch hier geöffnet habe. Ich danke euch schonmal jetzt fürs "zuhören" 
LG Tanja