Beiträge von Charlotta1

    Hallo,

    mein Mann hat (meines Erachtens) auch ein Alkoholproblem. Ich lese schon seit Wochen hier mit und habe sehr viel gelernt.

    Ich habe mit meinem Mann noch nie über seinen Alkoholkonsum gesprochen. Mir ist es bis vor kurzem selbst kaum aufgefallen. Schon, dass er kontinuierlich Bier trinkt, aber ich habe mir irgendwie nie etwas dabei gedacht, da er nie auch nur angeheitert ist.

    Auf jeden Fall habe ich lange überlegt, wie ich ihm meine Gefühle offenbaren soll und habe mich für einen langen Brief entschieden.

    Da diese Woche bei uns sehr stressig ist und wir auch noch bis vor kurzem Besuch im Haus haben, wollte ich ihm den Brief jetzt am Pfingstwochenende geben. Morgens/Mittags, wenn er noch nichts getrunken hat. (Sein erstes Bier wird er wohl so gegen 13/14:00 Uhr aufmachen).

    Ich benötige bitte euren Ratschlag und eure Gedanken. Wann soll ich ihm den Brief geben?

    Irgendwie bin ich immer von Montag morgen ausgegangen, damit er nicht auf die Idee kommt, plötzlich nichts mehr zu trinken und gleich zum Arzt gehen kann. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto blauäugiger komme ich mir vor. Er wird GARANTIERT nicht direkt am Dienstag zum Arzt gehen. Er muss sich ja auch erst einmal mit dem Gedanken befassen, dass es so easy, wie es bisher verlaufen ist, nicht mehr läuft. Und dass ich jetzt auf die Barrikaden gehe.

    Ich muss gestehen, ich habe tierisch Bammel, ihm diesen Brief zu geben. Es wird vieles zwischen uns verändern. Auch das, was schön ist. Und das ist eine ganze Menge. Wir sind erst sehr kurz verheiratet und sollten eigentlich im siebten Himmel sein. Aber auch wenn unsere Liebe sehr schön ist, kann ich ihn nicht am Alkohol eingehen lassen. Jetzt mische ich mich ein!

    Was meint ihr, was wäre ein guter Zeitpunkt? Und warum?

    Lieben Dank für eure Hilfe
    Charlotta

    Hallo Ketch,

    ich finde das schon einen tollen Erfolg!!!!

    Worum geht es? Dass man den Partner zum Nachdenken bringt. Dass der Partner merkt, dass etwas nicht stimmt. Dass sich beim Partner der Wunsch selbst entwickelt, dass man etwas unternehmen muss.

    Sehe ich das irgendwie falsch? So etwas passiert doch nicht von heute auf morgen. Wenn mein Mann mir an den Kopf knallt, dass ich ein Problem habe, sage ich ja nicht sofort: "Stimmt, du hast recht." Das muss sich doch erst entwickeln.

    Vielleicht lese ich es falsch heraus, aber bei mir kommt es bei vielen Postings so an, dass man irgendwie keine Chance hat, außer zu gehen und dass irgendwie sowieso alles verloren ist.

    Ist es das wirklich? Gibt es keinen Alkoholiker, der noch mit seinem Partner zusammen ist? Kann man das nicht zusammen schaffen?

    Lieben Gruß
    Charlotta

    Hallo Ketch,

    das sehe ich genauso :lol: Unsere Geschichten ähneln sich sehr. Ich habe mich sehr gefreut, als ich deine Postings gefunden habe.

    Ich würde mich sehr freuen, wenn wir in Kontakt bleiben würden!!!

    Ich habe mich jetzt für den Brief entschieden. Ich knobel seit Tagen daran herum. Ich könnte natürlich auch mit ihm sprechen, aber ich heule immer sofort los, wenn es mir zu nahe geht. Und dann fehlen mir die Worte und man versteht nichts mehr. Das ist sehr schwer für mich, da mir dadurch eine Streitkultur völlig fehlt. Heißt aber nicht, dass ich eine schwache Frau bin. Ich würde mich sogar als sehr stark und willensstark bezeichnen. Ich werde also mit dieser Situation fertig werden - egal was passieren wird. Und ich mache, was ich sage - und das weiß auch mein Mann genau. Er sollte mir also glauben, was ich schreibe.

    Ich habe im Moment alle Zeit der Welt, da wir Besuch im Haus haben und es ein völlig bekloppter Augenblick ist. Das nimmt mir Druck und bringt mir andererseits gewaltig Druck.

    Am liebsten würde ich sofort, auf der Stelle, mit ihm reden! Im Moment könnte ich jeden Abend heulen, wenn ich ihn mit einem Bier sehe - was ja den ganzen Abend der Fall ist.

    Aber was Elle geschrieben hat, hat mich sehr nachdenklich gemacht: Habe ich ihn überhaupt schon einmal nüchtern erlebt?

    Und wenn unsere erste Konfrontation nüchtern vonstatten gehen soll, muss ich auf nächstes Wochenende warten.

    Und auch wenn es hier immer heißt "Nimm die Beine in die Hand, das ist die beste Hilfe für Alkoholiker", meine Hoffnung ist noch lange nicht weg. So leicht gebe ich nicht auf und es geht hier immerhin um mein Leben!

    Viele Grüße
    Charlotta

    Hallo,

    ich bin in genau der gleichen Situation wie Ketch (nur ohne Kinder).

    Und wenn das, was Ketch macht Coabhängigkeit ist, dann finde ich das voll okay. Sich über Alkohol, seine Folgen und seine Behandlungsarten zu informieren, den geliebten Partner anzusprechen, zu drücken, zu drängeln - das ist Coabhängigkeit???? Man muss sich doch erst einmal ein Bild machen, um was es überhaupt geht. Ich habe null Ahnung von Alkoholismus und seine Folgen. Also muss ich erst einmal schauen, wie viel trinkt mein Mann überhaupt. Ich muss schauen, was kann man dagegen machen. Ich muss schauen, dass ich ihm begreiflich mache, dass es so nicht weitergeht.

    Was wäre denn keine Co-Abhängigkeit? Sofort seine Koffer zu packen, wenn man merkt, dass der andere ein Alkoholproblem hat? Sich völlig aus dem Thema Alkohol raushalten?

    Hilft das dem Alkoholiker weiter?

    Ich bin echt erstaunt!

    Viele Grüße
    Charlotta

    Hallo Sweety,

    vielen Dank.

    Wenn ich es richtig verstehe, gibt es keine allgemeingültige Verfahrensweise.

    Was kann ich denn unter "je länger desto besser" verstehen? Sind zB. 6 Wochen eher normal? Kann man danach wieder arbeiten gehen?

    Bitte versteht mich nicht falsch. Ich finde es sehr wichtig, vom Alkohol loszukommen. Aber ich finde es auch sehr wichtig, seine Arbeit zu behalten. Und ich kann auch eigener Erfahrung sprechen, dass Mitarbeiter, die 2 Monate oder länger krankgeschrieben waren, einen sehr schweren Stand in der Firma hatten und jahrelang nur noch Deppenarbeiten machen durften. Ich selbst bin selbstständig. Wenn ich länger als 5 Tage nicht arbeite, ist mein Geschäft und meine finanzielle Existenz kaputt. Ich kenne viele Menschen, die sich kranksein nicht mehr leisten können.

    Und was nutzt es einem, wenn man zwar trocken ist, aber finanziell am Ende?

    Darum würde ich mich einfach gerne schlau machen, mit was man rechnen kann.

    Viele Grüße
    Charlotta

    Noch etwas vergessen:

    Wer zahlt das alles? Die Krankenkasse? Gesetzliche oder Private? Muss man selbst etwas beisteuern? Viele Kassen zahlen zB Therapien nicht (meine Private zum Beispiel, aber mein Mann hat eine andere).

    Wie ging das bei euch?

    Vielen Dank für eure Hilfe
    Charlotta

    Hallo,

    ich habe schon viel gelesen, bin mir aber noch unsicher, wie so eine Entgiftung, also der allererste Schritt, vor sich geht.

    Falls sich mein Mann als Alkoholiker outen würde und Hilfe annehmen würde, wie würde es weitergehen?

    Ich habe hier von Entgiftung in 8 Tagen, in 6 Wochen, zuhause, in der Klinkik ... gelesen.

    Muss man Urlaub nehmen? Wird man krank geschrieben? Kann man es "neben seinem normalen Leben" machen? Muss man seinem Chef sagen, dass man Alkoholiker ist, damit er einem 6 Wochen frei gibt? (Wird man dann nicht bei der nächsten Gelegenheit entlassen?)

    Mir ist noch nicht ganz klar, wie das alles von statten geht.

    Kann mir jemand helfen?

    Vielen Dank
    Charlotta

    Hallo,

    ich bin im Moment dabei, mich über Alkoholismus so gut es geht zu informieren, da mein Mann auch ein Problem hat.

    Ich habe hier schon viel gelesen, dass eigener Entzug ohne Hilfe gefährlich sei. Gibt es hierzu etwas nachzulesen? Ich habe alles druchgesucht, aber leider nichts gefunden?

    Ich würde gerne so schlau wie möglich sein, wenn ich meinen Mann das erste Mal mit seiner Alkoholsucht konfrontriere. Ich fühle mich informiert einfach nicht mehr so ohnmächtig.

    Viele Grüße
    Charlotta

    Noch etwas:

    Ich habe andererseits total Angst, dass mein Mann nach so einem Gespräch total dicht macht und nur noch heimlich trinkt. Und dann vielleicht sogar eher zu härteren Sachen greift, wenn es wirklich nur um die Alkoholzufuhr geht.

    Kennt das jemand hier?

    Gruß
    Charlotta

    Hallo ihr Lieben,

    vielen Dank für eure Antworten.

    An sich habe ich mir bis vor kurzem noch gar keine Sorgen gemacht. Ich kenne ihn ja jetzt schon 3 1/2 Jahre und lebe 2 1/2 mit ihm zusammen. Ich sehe also schon länger, dass er sich abends immer sofort ein (bis unendlich) Bier aufmacht, wenn er heimkommt.

    Ich denke, so eine Regelmäßigkeit muss einem erst einmal auffallen. Und wenn man einmal ein Blick dafür hat, fällt einem natürlich auf, dass es einfach unheimlich viel Bier sind und dass er sonst überhaupt nichts anderes trinkt.

    Ich frage mich auch einfach, woher er seine Flüssigkeitszufuhr nimmt. Alkohol darf man doch dazu gar nicht zählen, oder?

    So richtig aufgefallen ist es mir aber er in der letzten Zeit, weil er nachts angefangen hat zu müffeln. Und zwar sehr!

    Eure vielen verschiedenen Meinungen sind sehr interessant, verwirren mich aber noch mehr. Brief ja, Brief nein. Drängen ja und nein. Fordern ja nein...

    Was ich für mich persönlich rausgelesen habe ist, dass er selbst den Wunsch entwickeln muss, den Alkohol zu lassen. Ich denke, je mehr ich drängel, desto weniger wird er da so einen Wunsch entwickeln. Mir würde es jedenfalls so gehen.

    Dass ich ihn anspreche, wenn er nüchtern ist, ist kein Problem. Er ist immer nüchtern. Ich habe ihn noch nie mit Schwips oder so erlebt.

    Und was mache ich, wenn er nichts machen will? Ehrlich gesagt, davon gehe ich sogar aus! Welche Veranlassung hätte er, sofort zu rufen: "Ja, ich bin Alkoholiker und ich gehe morgen zum Arzt" nur weil ich es ihm sage? Meine Intention ist, ihn überhaupt drauf aufmerksam zu machen, dass er weiß, dass ich weiß. Und dass er weiß, dass ich mir Sorgen mache und nur er etwas daran ändern kann. Und dass es immer mehr bei ihm werden wird.

    Mit besserer Lebensqualität kann man ja leider nicht kommen. Wenn man mit Alkohol nett und entspannt leben kann und keine negativen Auswirkungen hat, ist es schon hart, jetzt komplett damit aufzuhören. Kein Sekt mehr auf Geburtstagen, kein Wein mehr zum Essen, Wasser in der Kneipe, nicht mal mehr mit Wein kochen, backen etc. Ich muss gestehen, dass ich selbst schon geschluckt habe, als ich mir bewusst wurde, dass ich dann ja auch mitmachen sollte, um ihn zu unterstützen. Also auch kein Alkohol mehr für mich!

    Ich vergleiche es im Kopf ein bissl mit, wenn mein Mann mich jetzt drängen würde, nie wieder irgendwas mit Zucker zu essen, weil ich in 15 Jahren eventuell Diabetes davon bekomme.

    Ich erwarte von so einem Gespräch also nicht viel. Aber ich hoffe, dass ich ihn zum Nachdenken bringen kann.

    Aber ich kann doch nicht einfach die Augen zumachen und meinen Mann zum harten Alki werden lassen????

    Viele Grüße
    Charlotta

    Hallo,

    nachdem ich meinen Mann und sein Trinkverhalten jetzt einige Zeit beobachtet habe, möchte ich gerne ein Gespräch mit ihm führen. Das erste!!!!

    Ich habe bereits die Erfahrung gemacht, dass er (wie viele andere hier auch) sofort dicht macht und gereizt reagiert, wenn man auch nur im entferntesten davon spricht, dass er zuviel trinken könnte.

    Ich bin wirklich hin und her gerissen, wie ich so ein Gespräch beginnen sollte. Wie das Gespräch führen?

    Ich will ihm eigentlich einfach nur sagen, dass ich weiß, dass er süchtig ist. Und dass er deshalb jetzt nicht heimlich trinken soll. (Davor habe ich echt Angst). Dass ich immer für ihn da sein werde. Aber dass der Entschluss, nicht zu mehr zu trinken einzig und alleine von ihm aus kommen muss. Aber dann bin ich da und helfe ihm. Ich bin auch absolut bereit, selbst komplett auf Alkohol zu verzichten, obwohl wir immer viel Alkohol im Haus haben (Wein und Sekt) und ich auch sehr gerne mit Alkohol koche.

    Aber wie geht man sowas an? Will er das überhaupt hören? Wird er mir überhaupt zuhören? Oder zieht sich ein "ertappter" Alkoholiker eher komplett zurück?

    Ich denke nicht, dass er findet, dass er ein Alkoholproblem hat. Er trinkt sehr viel Bier. Regelmäßig und jeden Tag. Aber er trinkt das wie Limo. Ich habe ihn in 3 Jahren noch nie angetüttelt gesehen. Welchen Grund hätte er, sich als Alkoholiker zu sehen. Er hat null Nachteile von seinem Bierkonsum.

    Ich ja eigentlich auch nicht, außer dass mein gesunder Menschenverstand merkt, dass sein Trinkverhalten einfach nur noch Sucht ist.

    Habt ihr Tipps für mich?

    Ist es eine gute Idee, es ihm als Brief zu schreiben? Ich kann besser schreiben als reden. Wenn ich jemandem gegenüber sitzte, habe ich oft eine Blokade und kann das, was ich sagen will, kaum ausdrücken.

    Viele Grüße
    Charlotta

    Hallo ihr Lieben,

    vielen Dank für eure netten Antworten. Ich habe viel zum Nachdenken gehabt.

    Irgendwie höre ich aber immer nur heraus: Verlass ihn so schnell wie möglich.

    Kann das die einzige Lösung sein? Wirklich?

    Wir leben schon länger zusammen. Wir lieben uns über alles. Vor kurzem haben wir geheiratet und zusammen ein Haus gekauft. Das Leben mit ihm ist wunderschön und außer, dass er viel - nein sagen wir eher - zwangsweise Bier trinkt, ist dies der einzige Schatten, den ich eigentlich sehe. Ein Schatten, der für ihn nicht da ist und für mich erst bewusst wurde, als er anfing, vor sich hin zu müffeln.

    Wir haben viele Pläne für die Zukunft. Wir wollen weiter kommen, unser Haus renovieren, Tiere und Kinder haben.

    Ich absolut nicht bereit, ihn zu verlassen, weil er abends mehrere Bier trinkt. Natürlich kann sich das ändern, wenn er wirklich irgendwann ausfallend wird und nur noch betrunken rumtorkelt, aber davon ist er noch wirklich weit entfernt - nicht mal in der Nähe.

    Im Moment bin ich etwas ratlos, wie ich mich aber weiter verhalten soll? Ich bin mir schon im klaren, dass es kein Allgemeinrezept gibt. Aber was kann ich überhaupt tun? Ich habe Angst, dass er anfängt, heimlich zu trinken, wenn ich ihn darauf anspreche. Oder ist es besonders schlimm, ihn nie darauf anzusprechen?

    Wir sind übrigens beide 40 Jahre alt, falls es euch interessiert.

    Vielen Dank auch für den Link mit dem Bierkonsum. So hart hätte ich es auch nicht gedacht. Bei Wein schon eher (den ich gerne trinke), aber Bier wirkt immer so seicht.

    Habt ganz herzlichen Dank für eure Hilfe
    Charlotta