Beiträge von EinzigEine

    Hallo Tanja,

    die Gruppe, bei der sich mein Mann vorgestellt hat, ist eine Selbsthilfegruppe des ASB für Betroffene. Neben der Gruppe gibt es noch ein „Kontaktcafe“, welches täglich geöffnet ist und wo man jederzeit hingehen kann, um sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Ob man als Angehöriger mit zur Gruppe gehen kann, weiß ich nicht.

    Ich habe ja auch den Fehler gemacht, dass ich bis zu meinem Auszug fast nur noch mit den Problemen meines Mannes beschäftigt war und das war sicher mit ein Grund dafür, dass ich kurze Zeit später in dieses Loch gefallen bin.

    Deine Idee mit der Liste finde ich gut … ich denke, ich werde mir auch etwas in der Art machen für die Zeit nach der Therapie, um nicht wieder in den alten Trott zu verfallen. Vielleicht sollte ich dies sowohl für den Fall, dass er es schafft trocken zu bleiben, als auch für einen Rückfall machen … Ich denke, es gibt keine Garantie und ehrlich gesagt, bin ich am Anfang der Therapie davon ausgegangen, dass danach alles wieder so wird wie vorher und wenn nicht, wäre ich wenigstens nicht enttäuscht … (hängt wohl mit meiner eher pessimistischen Grundhaltung zusammen!). Inzwischen bin ich etwas zuversichtlicher und habe wenigstens ein bisschen Hoffnung, dass sich nach der Therapie etwas ändern wird.

    Ich weiß nicht, ob es sich bei der ersten Gruppe um einen MPU-Vorbereitungskurs gehandelt hat … ich hatte eher den Eindruck, dass da überhaupt nichts bewegt wurde, sondern nur die Teilnahme gezählt hat … wahrscheinlich brauchten die Leute da einfach den Nachweis, dass sie so und so oft da waren. Da mein Mann nicht zur MPU musste, ging dort jegliches Gespräch an seinem Problemen vorbei und so wie er mir erzählt hat, hat er dort eigentlich nie etwas gesagt, sondern nur da gesessen, zugehört und gewartet, dass die Zeit vorbei ist … Oftmals waren die Gespräche auch nur Kritik an der zuständigen Sozialarbeiterin. Mein Mann hat mal versucht, einen Termin für ein Einzelgespräch bei der Sozialarbeiterin zu bekommen, was von dieser mit den Hinweis, für so was hätte sie keine Zeit, abgelehnt wurde … Wenn ich daran denke, kriege ich ehrlich gesagt die Krise …

    EinzigEine

    Hallo Tanja,

    erst mal danke für deine Antwort!

    Mir ist klar, dass mir die Entscheidung keiner abnehmen kann, jedoch habe ich gemerkt, dass es mir etwas bringt, mich mit anderen auszutauschen ... vor allem das Gefühl zu haben, dass es mir nicht allen so geht.

    Schön, dass dir die Erfahrung der Co-Abhängigkeit erspart geblieben ist! Wie war es denn bei dir ... hast du vorher von dem Alkohol-Problem deines Mannes gewusst oder ist es erst während der Zeit, in der ihr zusammen wart, „aufgetreten“?. Bei mir war es ein schleichender Prozess und ich denke, die jahrelang „antrainierten“ Verhaltensweisen kann ich nicht von heute ablegen, aber ich versuche es mir immer wieder bewusst zu machen und so richtig bewusst ist mir meine Co-Abhängigkeit auch erst geworden, als wir gemeinsam bei einem Gespräch waren. Mein Mann hatte während der Therapie einen Heimreisetermin, den er u. a. dazu nutzen sollte, um sich mit einer Selbsthilfegruppe in Verbindung zu setzen. Schon vor der Therapie hatte er Kontakt zu einer Gruppe, bei der er sich jedoch nicht wohl gefühlt hat, weil es im Prinzip nur eine „Pflichtgruppe“ für Leute, die zum MPU müssen, war und somit eigentlich gar nicht über die Probleme geredet wurde, sondern nur die Teilnahme zählte. Zudem war die Gruppe mit bis zu 30 Leuten auch zu groß.

    Ich habe ihm gesagt, dass ich zu dem „Vorstellungsgespräch“ bei der anderen Gruppe gern mitkommen würde und ich habe es nicht bereut. Der Mann, mit dem wir gesprochen ist selbst Betroffener (seit 10 Jahren trockener Alkoholiker) und es hat sich schnell ein gutes Gespräch und eine angenehme Atmosphäre entwickelt ... Es wurde offen geredet, ohne jedoch übermäßig zu dramatisieren und das fand ich gut. Nach den Ausführungen war mir klar, dass ich mit in diesen Strudel geraten bin. Vielleicht war das auch mit ein Grund für meinen „Absturz“ nach der Trennung ... Ich hatte einfach meine „Aufgabe“ verloren und ziemliche Probleme, meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu definieren.

    Ich denke, dass ich mit meinem Mann zusammen bleiben werde. Ob dies für immer sein wird, weiß ich nicht, aber ich möchte versuchen, ihn zu unterstützen, weil ich während der Zeit der Trennung gemerkt habe, dass ich noch etwas für ihn empfinde ... Insofern hat die zeitweilige Trennung sicher etwas Ordnung in meine Gefühlswelt gebracht. Für manche ist es ja ein Problem, nicht allein sein zu können/ zu wollen, aber damit hatte ich kein Problem ... eher das Gegenteil war der Fall – manchmal habe ich mir mehr Zeit für mich allein gewünscht.

    Auf alle Fälle werde ich weiter hier stöbern und sicher auch wieder schreiben.

    EinzigEine

    Ich wollte es nie wahr haben, aber ich denke, dass ich im Laufe der Zeit ziemlich co-abhängig geworden bin. Deswegen möchte ich mich darüber informieren und bin dabei auf diese Seite aufmerksam geworden und versuche mal, meine Geschichte hier aufzuschreiben.

    Ich bin seit 13 Jahren verheiratet und die Probleme mit Alkohol fingen schon vor unserer Ehe an … zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch, dass sich irgendwann etwas ändert und alles besser wird. Dies erwies sich jedoch als großer Irrtum. Ich möchte damit nicht sagen, dass alles, was in diesen Jahren war, schlecht war … nein, so war es auf keinen Fall. Nur gab es immer wieder Diskussionen und Streit, wenn mein Mann zuviel getrunken hatte. Zu dieser Zeit hat er nicht jeden Tag getrunken, aber im Laufe der Jahre hat sich seine „Dosis“ auf bis zu 10 Flaschen Bier am Tag gesteigert. Es gab keinen Tag mehr, an dem er nicht getrunken hat, auch wenn er nicht jeden Tag volltrunken war.

    Es gab immer Phasen, in denen es besser wurde, aber diese Phasen waren nie von langer Dauer … irgendwann war der alte Trott wieder da. Ich habe geredet, geschimpft, gebettelt … aber nichts hat geholfen. Genauso habe ich versucht, dieses Problem vor der „Außenwelt“ zu verbergen und den Schein einer guten Ehe zu wahren.

    Vor ca. 2,5 Jahren standen wir ernsthaft vor dem Thema „Trennung“ … dieses ging von meinem Mann aus und wir wollten es durchziehen … Aber zu diesem Zeitpunkt hatten wir einen Urlaub gebucht und schon bezahlt, den wir noch antreten wollten, aber danach wollten wir uns trennen. Nun, in dem Urlaub haben wir uns wieder zusammen gerauft und wollten es noch mal versuchen. Es dauerte jedoch nicht lange und wir waren wieder im alten Trott. Zu dieser Zeit habe ich ebenfalls versucht, meine Probleme und Sorgen mit Alkohol zu ertränken … das Ergebnis war aber nie von Dauer und ich hatte das Gefühl, selber schon abhängig zu sein.

    Ein weiterer „Meilenstein“ war die Tatsache, dass mich vor ca. 1,5 Jahren meine Ärztin darauf hin angesprochen hat … sie war darüber informiert worden, WIE schlimm es um meinen Mann stand. Nachdem ich mit ihm darüber gesprochen hatte, ging es auch wieder eine Weile gut und diesmal hatte ich wirklich geglaubt, dass er „die Kurve kriegt … Leider dauerte es wieder nicht lange bis der alte Trott wieder da war. Ich hatte inzwischen angefangen, eigenen Interessen nachzugehen und wollte wenigstens etwas Kontakt zu anderen Leuten haben. Das Ergebnis war wohl, dass mein Mann dachte, ich werde mich von ihm trennen … er trank jeden Tag und ich hatte das Gefühl, es wird immer mehr … auch ich habe in dieser Zeit relativ viel getrunken …

    Vor gut einem Jahr war alles so schlimm geworden, dass mein Mann versucht hat, sich das Leben zu nehmen … er ist danach für zwei Wochen in der psychiatrischen Klinik gelandet und ich bin Hals über Kopf ausgezogen, weil ich mich völlig überfordert gefühlt und endlich einen „richtigen“ Grund für eine Trennung gesehen habe.

    In der darauf folgenden Zeit hatten wir weiterhin Kontakt … haben eigentlich besser geredet, als die Jahre zuvor ... trotzdem bin ich in dieser Zeit in ein tiefes Loch gefallen. Nach einem halben Jahr Trennung bin ich wieder zu Hause eingezogen. Diese Zeit war in erster Linie durch die Warterei auf eine medizinische Rehabilitation für meinen Mann geprägt … Ich hatte aber den Eindruck, dass er es diesmal Ernst meint und inzwischen ist er seit 9 Wochen in einer therapeutischen Einrichtung. Diese Therapie geht noch bis Ende November. Im Hinblick auf die Zeit danach schwanken meine Gefühle zwischen Hoffnung und Angst …

    Das ist „meine Geschichte“ in groben Zügen und vielleicht hat hier jemand ähnliche Erfahrungen gemacht … besonders schön wäre, wenn jemand seine Erfahrungen hinsichtlich seiner „Befreiung“ aus einer Co-Abhängigkeit schildern würde, denn ich habe in letzter Zeit das Gefühl, aus diesem Chaos nicht raus zu kommen, obwohl ich seit einem halben Jahr in psychologischer Behandlung bin. Leider gibt es hier keine „Angehörigen-Gruppe“, der ich mich anschließen könnte … deswegen versuche ich es auf diesem Weg.

    Danke fürs Lesen!
    EinzigEine