Hi Dark,
hui in Deinem Thread brodelts ja richtig. ![]()
Für mich persönlich gibt es schon auch einen Unterschied zwischen "Abstinenz" und "Trockenheit". Aber Du hast mich jetzt mit dem Vergleich zu den Drogen etwas verunsichert, denn auch da mache ich für mich einen kleinen Unterschied. Ich bezeichne mich ungern als clean (konsumierte früher massiv Drogen) ... klingt mir auch zusehr nach "bin über dem Berg und kann mich jetzt ausruhen". Ich reagiere sehr allergisch, wenn jemand zu mir sagt "toll, dass Du es geschafft hast", denn ich bin nach wie vor süchtig ... lebe einfach drogen- und alkoholfrei. Aber das empfinde ich als Haarspaltereien und irgendwie unwichtig.
Ich lebe ein Jahr abstinent, aber wage es noch nicht wirklich, mich als trocken zu bezeichnen, da ich einfach noch zuviele suchtgeprägte Gedanken- und Handlungsmuster aufweise. Vieles, was hier im Forum geschrieben wird, empfand ich anfangs als extrem und zu stur. Heute darf ich erleben, dass eben dieser Weg für mich der richtige war, ist und sein wird.
Ich konnte nicht glauben, dass es eine zufriedene Trockenheit gibt, weil ich mit Trockenheit, lebenslanger Verzicht verband. Unterdessen interessieren mich Feiern, wo viel getrunken wird keinen Deut mehr, weil mich einfach die Themen und Gespräche da mit zunehmendem Alkoholspiegel der Mitfeiernden total anöden. Ich bin dann einfach nicht mehr auf derselben Welle und fühle mich unwohl und gelangweilt. Natürlich gibt es auch Feiern (bei mir vor allem open-airs), die mich schon noch reizen würden. Aber ich durfte schon genug erleben, dass gerade solche Anlässe für mich noch brandgefährlich sind und es wohl auch bleiben. Da bleibe ich lieber fern, weil mir das Risiko, danach wieder einmal mehr das heulende Elend erleben zu dürfen, zu gross ist.
Ich habe vor vielen Jahren, drogenbedingt, eine 10-monatige Langzeittherapie gemacht. Dort wurde so krampfhaft nach den Gründen meiner Sucht gesucht, dass ich mir einreden liess, von meinem Paten missbraucht worden zu sein. Seit ich sicher bin, dass das nie geschehen ist, lasse ich das Thema - aber nicht nur aus dem Grund; sondern auch, weil es für mich nicht mehr relevant ist, was war und hätte sein können, sondern was jetzt ist. Als ich 5 Jahre alt war, starb mein Vater (und kurz darauffolgend noch zwei weitere männliche Bezugspersonen) und das hat mich sicher auch sehr geprägt. Aber das ist nunmal Tatsache und ich muss lernen heute so gut mit den "Folgen" davon zu leben, wie es mir möglich ist. Heute sehe ich es als Stärke und der Richtige Weg für mich (!!), mit dem zu "arbeiten" was ich habe. Und das ist: ich bin süchtig (von Alkohol und Drogen), habe mich deswegen in eine Isolation und eine nicht ganz glückliche Beziehung geflüchtet, mein Selbstwertgefühl war zuunterst und muss erst wieder aufgebaut werden, ich habe zwei Kinder und entdecke gerade wieder Stärken an mir. Meine Trockenheit ist noch sehr zerbrechlich. So das klatsch ich mal vor mir auf den Tisch und guck das an. Was kann ich damit anfangen? Wie kann ich es so sortieren, dass es mich glücklicher macht. Das finde ich wichtig. Aber es muss ja nicht jeder denselben Weg gehen. Nur der Weg, der hier gegangen wird, ist sichtlich oft erfolgreich und auch das reicht mir.
Hach, bin heute wohl etwas wirr im Kopf und bekomm meine Gedanken nicht richtig zu Papier. Ich versuch`s vielleicht später noch einmal
.
Gruss liv