Hi zusammen,
ich denke ein Tiefpunkt ist schon bedeutsam, kann aber sehr unterschiedlich sein. Ich denke ich hatte davon ca. 4 Stufen
... die zusammen einen ganz ordentlichen Tiefpunkt ergeben.
Mein erster persönlicher Tiefpunkt war, als ich immer und immer wieder abends alleine weinend im Bett der Notschlafstelle gelegen habe; Angst die Nacht ohne Drogen und Alkohol nicht zu überleben und die Panik, was passiert wenn ich morgens aufwache und noch weiter im Entzug stecke. Das Übernachten auf öffentlichen Toiletten schiesst die Selbstachtung auch nicht in hohe Sphären. Jeden Tag derselbe Mist, dieselben Leute, dieselben Parks, dieselben Lügen und Linkereien, dieselbe Panik "wo bekomm ich jetzt sofort schnell was her?"/ "wie schaffe ich es, dass die ersten Schlücke des "harten"Alks am Morgen nicht postwendend zurückgeschossen kommen?". Das war so von aussen gesehen wohl der dreckigste Tiefpunkt. Aber hier hat`s für mich noch nicht gereicht. Durch die Geburten meiner Kinder war es ein paar Jahre ruhig. Bis ich wieder mit dem Trinken anfing ... schnell danach kamen auch wieder harte Drogen dazu. Da durfte ich den zweiten Teil meines Tiefpunktes erleben, als ich hackedicht mit ausgeschlagenen Zähnen im Flur lag, weil ich nicht mehr in der Lage war vorwärtszukriechen, ohne umzukippen. Das hat meine Tochter (damals vielleicht 6 ) mitbekommen. Das hätte es doch gereicht, oder?
Ok, mit Drogen war dann ziemlich bald schluss. Aber der Alk, da konnte ich die Finger noch immer nicht von lassen. Dann kam die Hochzeit eines Freundes und somit Kapitel 3 meines Tiefpunktes. Ich oder S. sollten mit den Kindern die Eheringe zum Altar tragen. Ich war aber dermassen entzügig, meine Hände zitterten ohne Ende, mir war schwindlig und die Aufgabe wärend der Predigt aufzustehen, mit den Ringen nach vorne gehen und wieder zurück - es erschien mir unvorstellbar. Ich hätte es nicht gepackt. Ich war aber auch nicht in der Lage zu erklären warum ich das nicht tun kann. Ich nahm das Kissen mit den Ringen, das man mir entgegenhielt, einfach nicht an
. Nach der Kirche war ich wohl die erste an der Apero-Bar und kippte erstmal drei Gläser Weisswein und ein paar Biere ein, dann erst fühlte ich mich wieder als Mensch.
Es folgten Zeiten von Trinkpausen und Rückfällen. Anfangs einer Trinkpause bin ich dann hier im Forum gelandet. Und der vierte Teil meines -nun hoffentlich kompletten- Tiefpunktes durfte ich genau nach 2 abstinenten Jahren durchmachen. Ich hatte einen sich ellenlang anbahnenden Rückfalltag. Erstens fühlte ich mich dadurch natürlich bescheiden, aber das eindrücklichste war, dass dieser Konsum absolut unspektakulär war. Kein Moment des Hochgefühls, nicht meine langersehnte Befreiung beim ersten Schluck, keine Ruhe, Gelassenheit, Sicherheit, Gleichgültigkeit - nichts!! Es war einfach platt, farblos, stumpfsinnig, ich empfand das leicht angetrunkene Gefühl in jedem Moment als lästig und unangenehm. KEIN EINZIGES GUTES GEFÜHL! Und für das habe ich zwei Jahre Abstinenz dahingeschmettert? Das war`s nicht wert.
Jede dieser Erinnerung ist ein wichtiges Puzzlestück meines Tiefpunktes. Ich möchte keines missen. Aber das letzte, dieser Rückfall, von dem ich mir soviel erhoffte, den ich mir wunderschön träumte, war einfach weniger wert als ein Ameisenpups. Für sowas ... neee, das lohnt sich wirklich nicht.
So, jetzt bin ich bestimmt meilenweit abgeschweift ... häxgüsi
liv