Hallo Lotte und herzlich willkommen
Dein Mann hat nicht nur ziemlich sicher sondern ganz sicher ein Alkoholproblem, warum hätte er sonst einen Termin bei der Beratung gehabt. Es ist leider so, dass nicht nur er ein Problem hat, sondern auch du. Du wirst den ganzen Weg eines Co-Alkoholikers gegangen sein. Das fängt unmerklich an, indem du ihn anfangs entschuldigst, wenn er getrunken hat, vertuschst sein trinken vor anderen Leuten. Dann richtest du dein Leben immer mehr nach seinen Trinkgewohnheiten ein, scheust dich, zu bestimmten Gelegenheiten Gäste einzuladen usw. Danach wirst du mit ihm reden, glaubst seinen Versprechungen, nicht mehr soviel zu trinken, wirst enttäuscht, es kommt zum Streit, er schafft es auch ein paar Wochen nichts zu trinken, aber nicht länger. Es ist ein auf und ab der Gefühle bei dir, von Hoffnung bis hin zur Enttäuschung, von Verständnis für sein trinken bis hin zur Wut und Hoffnungslosigkeit. In dieser Phase scheinst du nun zu sein, deshalb auch dein Gefühl vom Chaos.
Du kannst nur mit ihm reden, wenn er nüchtern ist. Da du das aber bereits gemacht hast und er sich nicht an sein Versprechen gehalten hat, wird es diesmal schwieriger. Zuerst muss dir klar sein, dass es kein „weniger trinken“ für ihn gibt, sondern nur absolute Alkoholabstinenz. Ein reduzieren kann er eine zeitlang schaffen, aber dann wird er zwangsläufig wieder seine alten Trinkgewohnheiten annehmen. Lass dich also da auf keinen Handel ein. Weder weniger trinken, noch nur an bestimmten Tagen trinken schafft er, schafft kein Abhängiger, das ist so.
Zuallererst musst du dir darüber klar werden, was du dir gefallen lässt, also Grenzen festlegen. Da er schon einmal zur Suchtberatung gehen wollte, wäre hier ein Ansatzpunkt. Bestehe drauf, dass er hingeht. Am besten gehst du gleich mit und hörst dir alles an, sonst erzählt er dir nachher doch nur das, was ihm gefällt und ihr seid nicht weiter als jetzt. Im Vorfeld musst du dir Konsequenzen überlegen für den Fall, dass er nichts unternimmt. Aber, nicht nur ankündigen, sondern du musst auch bereit sein, deine Ankündigungen umzusetzen.
Dann achte mehr auf dich, für dich bist du die wichtigste Person, nicht er. Vermutlich hast du viel zu viel Rücksicht auf ihn genommen, hast auch Verantwortung von ihm übernommen, hast viele Kleinigkeiten für ihn erledigt. Lass ihn das in Zukunft wieder selbst machen, Er muss lernen selbst die Verantwortung für sich zu übernehmen.
Wünsche dir viel Erfolg
Lieben Gruß
Henri