Beiträge von kommal

    Hallo Karl,

    ein Rückfall ist kein Beinbruch heißt es.

    Wie bist Du dahin gekommen? Es ist wichtig für dich, das zu erfahren. Der erste Schluck ist das letzte Glied in der Rückfallkette. Die Fehler musst Du vorher gemacht haben.

    Warst D schon bei Arzt? Entgiftung?

    LG kommal

    Hallo Plejaden,

    Zitat

    Die Allerwenigsten bauen bewusst einen Rückfall. Er entsteht vielmehr durch kleine Mikro-Kompromisse und Unachtsamkeit.

    Da fällt mir eine Begebenheit aus der Entgiftung ein:

    Eines morgens saß eine neue Mitpatientin da. Ich schätzte sie so Mitte siebzig. Sie erzählte von ihrem Rückfall:

    "Plötzlich stand ich vor dem Regal!"

    Sie war einkaufen, stand schon an der Kasse, das Geld in der Hand und sagte zu der Kassiererin: "Ich hab was vergessen" - zurück zum Regal (Nichts genommen). Nochmal zur Kasse, das gleiche Spiel.

    Zuhause erwischte ihr Mann sie mit der Schnapsflasche. Er hat sie in die Klinik gebracht und ist gleich wieder gefahren. Am nächsten Tag kam er sie besuchen. Sie war nach eigener Aussage fünfundzwanzig Jahre trocken.

    Fünfundzwanzig Jahre...

    Ich habe viel solcher oder ähnlicher Geschichten gehört, die ich immer als Mahnung für mich genommen habe: Wach bleiben!

    Dabei hilft mir mein HIER sein Tag für Tag.

    Trockene 24 wünscht


    kommal

    MORGEN IST DER 19. MAI

    Ich musste dahin, ich wollte noch mal DA hin.

    Da, wo alles begann und wo ich die Wartezeit auf meine Therapie überbrückt hatte: In die Klinik.

    Vor genau einem Jahr: Entgiftung

    Es war Samstag, vormittags so gegen zehn Uhr, als ich auf dem Gelände ankam. Alles war mir noch so vertraut, als wäre ich erst gestern hier weggefahren. Mich hat´s nicht gewundert, schließlich habe ich hier vier entscheidende Monate meines Lebens zugebracht. Inklusive einer tragischen Liaison, die mich damals zwar ein paar Wochen emotional sehr belastet hatte, letztendlich für meinen weiteren “Werdegang” eine anständige Lehre war.

    Mit etwas mulmigem Gefühl betrat ich die Entgiftungsstation. Würde ich “alte Bekannte” aus meiner Zeit wieder sehen? Kopfkino aus und rein. Nein, es waren zwar keine Bekannten unter den Patienten, die dort saßen, aber den Ausdruck in ihren Gesichter, den kannte ich von früher: Angst, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, ein wenig Neugier (“ein Neuer?“)…

    Die Spuren jahrelangen Alkoholkonsums.

    Das anwesende Pflegepersonal war mir ebenfalls unbekannt, sodass ich nach einem kurzen Gespräch die Station wieder verließ.

    Schließlich musste ich ja doch noch dem Ruf einer hier begonnenen Liebe folgen. Und ich hörte ihn rufen: Den Wald! Wie viele Stunden hatte ich hier verbracht? Immer größere Kreise gezogen, die Nähe zur Natur wiederentdeckt, mit dem Fotografieren begonnen… Mich eingelaufen für die Therapie.

    Auch hier hatte Kyrill seine Spuren hinterlassen. Abgeknickte und umgestürzte Bäume, die Aufräumarbeiten noch lange nicht beendet. Wie anderswo.

    Und während ich so um einen entwurzelten Baum herumkletterte und dabei an meinem Fotoapparat herumnestelte, geschah es: Ich rutschte aus und hatte mit meinem Unterboden einen recht abrupten Bodenkontakt. Und da der Waldboden, insbesondere wenn er nass ist, besonders Oberbekleidung anzieht, sah ich entsprechend aus.

    Ich erreichte unbemerkt mein Auto und setzte mich hinein. Aber irgendwie hatte die Schwerkraft bei meiner plötzlichen Richtungsänderung ein paar Rädchen in meinem Kopf animiert, sich wieder zu drehen.

    Ich fuhr nach Hause, zog mich um und wollte mir einen ruhigen Nachmittag machen. Vielleicht ein bisschen mit dem Fahrrad fahren, Besuche, fernsehen, lesen…
    :?:
    Aber mein Abflug im Wald ging mir nicht aus dem Kopf. IRGENDWAS hatte das zu bedeuten. Meine Gedanken rotierten. Bis ich auf die Lösung kam. Ich war jetzt gut ein Vierteljahr aus der Therapie zurück. Was hatte ich in dieser Zeit verändert? Was hatte ich unternommen, außer nicht getrunken zu haben?
    :?:
    Gut, die Arbeitszeiten hatten sich zum Positiven geändert, das war aber eher eine Folge des Vertretungsplanes, weniger mein Verdienst. Ich war zweimal in “meinem” Wald gewesen. Einmal, um mir die Folgen von “Kyrill” anzusehen und zum Zweiten, um mich von den letzten drei Mitgliedern “meiner Gruppe” zu verabschieden. Die Nachsorge besuchte ich regelmäßig und gerne, ich war wieder mehr unterwegs, auch regelmäßig in meinem Park. Ich hatte Kurse belegt und manchmal auch besucht, aber im Grunde genommen bin ich nüchtern in meiner Vergangenheit rumgerannt und keinen entscheidenden Schritt weitergekommen.
    :!:
    ICH WAR IMMER NOCH ALLEIN.
    :!:
    Und in meinem Hinterkopf hörte ich die Stimme meines Therapeuten: “Warum denn nicht?!”

    Ich ging ins Internet, suchte mir in einem Vergleich den vermeintlich seriösesten Anbieter heraus und meldete mich bei einer freundlichen “Kontaktbörse” an.

    Und ich glaube, da ging es mir wie so manchem und mancher hier im Vorstellungsbereich (bitte entschuldigt den Vergleich): Was schreib ich dahin???

    Ich habe es oft geändert.


    Heute war ich übrigens wieder DA. Ich musste wieder mal dahin. Ich war noch nicht ganz auf dem Parkplatz, da wusste ich, warum. Es war Sommerfest- und ich war alleine da. Ich habe nur eine kurze Runde gedreht und bin wieder gefahren.
    :idea:
    Kommaline habe ich schmerzhaft vermisst. Mir wurde bewusst, was ich an ihr habe. Aber spätestens Montag haben wir uns wieder und sind weiter gemeinsam

    :arrow: unterwegs…

    Hallo Roberto,

    deine posts und Antworten gefallen mir immer besser. Die Veränderungen, die Du in den letzten Wochen vorgenommen hast, auch in deiner Sicht der Dinge, tun Dir offenbar gut. Und sie strahlen nach außen und das halte ich für das beste Zeichen.

    LG kommal

    Hallo Günter,

    Zitat

    hast sie gern gegessen ohne dass Du gewußt hast , dass Wein drin ist

    Dieses Wissen verschaffe ich mir, indem ich bei Einkauf lese. Ansonsten fängt hier der Rückfall an: ICH bin für mich verantwortlich.

    LG kommal

    Hallo Lütze und willkommen zurück :wink:

    Zitat

    Stimmts Vati,jetzt biste glücklich!

    Wenn deine Befindlichkeit nach außen strahlt, bist Du genau richtig. Deine Zeilen verstrahlen eine bis dahin unbekannte Entspanntheit bei Dir.

    LG kommal

    Hallo Mario,

    das sind gute Nachrichten. Du bleibst am Ball...

    Zitat

    Früher hätte ich denn Kopf in den Sand gesteckt und fertig. Ich rief sofort meine Suchtberaterin an und entschuldigte mich.


    ...und gehst geradeaus. Ich habe gemerkt, wenn ich zu meinen Fehlern stehe, ist der Druck raus. Die ganze Versteckerei von früher erscheint in diesem Licht so sinnlos und kräftezehrend wie die Sauferei.

    Ich drück Dir die Daumen, dass bald Das Surfen Läuft!

    LG und trockene 24 vom

    kommal

    Hallo Lori,

    Zitat

    zu bestimmten Momenten/Zeiten oder zu bestimmten Situationen.

    DA solltest Du ansetzen. Bei mir waren es die Abende, die ich dann halt anders gestaltet habe: Besuche, Sport, Kurse.

    Frag dich doch mal, wie Du in bestimmte Situationen kommst. Schließlich hast Du insofern Einfluss, dass Du ja daran beteiligt bist.

    LG kommal

    Hallo Lori,

    da hst Du dir aber ein schönes Paket geschnürt. Deine Angst spricht aus deinen Zeilen.

    Warum packst Du nicht nochmal aus und sortierst den Inhalt nach Priorität?

    Was hast Du und was brauchst Du JETZT und für die allernächste Zeit?
    Was kann warten?

    Mach ein Päckchen draus, das sollte erstmal reichen. Und als Wichtigstes und zuallererst packst Du DICH hinein.

    Zum Kaffee: Das ist mir auch passiert: Gleiche Zeit gleicher Ort und gleiche Situation wie beim Saufen. Achte drauf und schaff Dir Alternativen


    Alles Gute und 24 trockene Stunden. Auch bei der neuen Arbeit.

    LG kommal

    Hallo Thomas,

    Zitat

    Mit der Kontaktsperre wurde von Therapieerfarenden Menschen berichtet

    Ich habe vor zwei Jahren schnell gelernt, solchen Berichten nicht allzuviel Bedeutung zuzumessen. Während der Aufnahmezeit meiner Therapie habe ich gar nicht mehr hingehört, soviel Unsinn wurde von "erfahrenen" Mitpatienten erzählt. Ich habe lieber meine Erfahrungen und meine Therapie gemacht und bin damit prima gefahren.

    LG kommal

    Hallo Roberto,

    ich kenne ja deine Interessen nicht...

    ...an dein offenes Ohr:

    Vereine, VHS (gibt Ermäßigung) und es gibt Vermittlungsstellen für Freiwillige. Da kannst Du dir aussuchen, wann Du was machen möchtest. Das ist oft eine regelmäßige Tätigkeit in den unterschiedlichsten Bereichen. Von Hausaufgabenbetreuung über technische Bereiche bis Naturschutz. Du wärst "unter Leuten" und tätest noch ein gutes Werk. Frag doch mal bei der Stadtverwaltung.

    LG kommal

    Hallo Sina,

    Zitat

    ich habe keine lust mich irgendjemanden gegenüber rechtfertigen zu müssen, warum ich nicht mehr trinken werde.

    Weder müssen, noch rechtfertigen. Wer nicht akzeptiert, dass ich keinen Alkohol trinke, ist kein "Umgang" für mich. Der offene Umgang mit der Krankheit ist wichtig für MICH.

    LG kommal

    Hallo Karsten,

    ich finde die Formulierung leichtsinnig. Ich habe Alkohol auch mal "nur" missbraucht und sehe es heute als eine Phase des Alkoholismus. (Jellinek lässt grüßen von des Kaiser´s Bart).

    LG kommal

    Hallo Sina.

    Zitat

    naja ich war auf jeden fall stolz wie oscar so standhaft zu sein.

    STANDHAFT???

    Du hast deiner Freundin nicht die Wahrheit gesagt, hast sie mit Alkohol versorgt, den Du auch noch selbst gekauft hast und zudem noch Vorräte zu Hause.

    Das ist nicht standhaft- das ist nasses Verhalten!

    Zitat

    aber wird das so bleiben? mir erscheint diese (meine) zeit ohne alkohol zu einfach.

    Das ist auch einfach. Die Euphorie, ein paar Wochen nichts getrunken zu haben kenne ich aus eigenen Versuchen. Aber dann geht´s munter weiter. Schritt für Schritt, Schluck für Schluck, Monat für Monat...

    Was gedenkst Du in deinem Leben, an deinem Verhalten zu verändern um den Weg in die Trockenheit zu beschreiten?

    LG kommal