Unterwegs…
Die letzten drei Wochen vergingen schnell. Wenngleich ich sie nicht auf die leichte Schulter nahm. Bei vielen Mitpatienten hatte ich erlebt, dass sie hier noch einmal tief eintauchten.
Zwei Dinge sind mir noch gegenwärtig:
Das Abschlussgespräch mit unserem Teamleiter: “Sie sind ein Patient im Endstadium”…”haben alles auf dem Monitor, was sie brauchen”… und die üblichen Wünsche. Meinen Suchtbericht sprach er nur am Rande an.
Und das Gespräch mit meinem Bezugstherapeuten. Es war klar, dass mir die Zeit in der Gruppe gut getan hatte. Ich deutete an, evtl. auch das Internet zu nutzen, um neue Bekanntschaften zu machen. Und da kam als Antwort: “WARUM DENN NICHT!?”
Schließlich hatte mir das Net ja vor ungefähr acht Monaten geholfen, eine ziemlich schnelle Einsicht in meine Krankheit zu bekommen.
Abschied. Von de ERGO, der Schwimmhalle, dm Speisesaal, den Therapeuten, den Mitpatienten, dem Ort und nicht zuletzt von “meinem” Wald. Ich wusste damals schon, dass ich wiederkommen würde, zu sehr hatte es mir die Landschaft angetan.
Ich habe niemandem etwas versprochen. Kontakte habe ich heute noch zu meinem Zimmerkumpan und vier weiteren Weggefährten und Gefährtinnen.
Die Rückfahrt (ich wurde abgeholt) gestaltete sich recht aufregend. War doch am Vorabend “Kyrill” über das Land gefegt. Aufräumarbeiten allenthalben. Die Vielfalt der Eindrücke kannte ich ja noch aus meinen externen Tagen, trotzdem wirkten sie intensiv. Aber ich war neugierig auf das, was kommt.
Die nächsten zwei Wochen hatte ich ja Urlaub genommen und ich nutzte die Zeit um meine Wohnung weiter umzuräumen. Genauer gesagt begann ich auszumisten. Denn hier wollte ich ja nicht bleiben. Ballast abwerfen sozusagen. Abschied vorbereiten.
Wiedersehensfreude allenthalben. Kurzbesuche in der Firma, bei den Nachbarn. Kein Getuschel, keine Häme. Alle wussten ja, wo ich gewesen bin. Ich wurde herzlich begrüßt.
Bei meinem Hausarzt. Bei Freunden: “Jetzt guckst Du mir wieder in die Augen, wenn wir reden!” Rückmeldungen, die die Seele streichelten. Verpflichtung? Ja. Für mich. Nur für mich!
Und Erstgespräch für die Nachsorge, die in Kürze beginnen sollte. Ebenfalls über die Beratungsstelle, aber mit anderer Leitung. Eine neue Gruppe sollte sich finden. Teils aus älteren Mitgliedern, teils aus “Frischlingen” wie mir, die gerade erst aus der Therapie kamen. Es hörte sich spannend und interessant an, was unser Gruppenleiter mir erzählte. In drei Wochen sollte es losgehen.
Der Alltag. Alltag? Wie soll es weitergehen? Kontakte knüpfen? Wohnungsmäßig? Auf der Arbeit? Hier sollten noch etliche Gespräche folgen.
Schon in der Therapie hatte ich mich für ein paar Kurse bei der Volkshochschule angemeldet. Einer kollidierte terminmäßig mit meiner Nachsorge. Ein weiterer hätte mich fünf Stunden Fahrt gekostet (ÖPNV) und fiel damit auch raus. Zu einem bin ich tatsächlich gegangen.
Ein Mitbringsel aus der Therapie war ein neues Hobby: Das Fotografieren. Hatte ich doch etwa 800 Fotos mitgebracht. Große Bilder auf kleiner Karte- digital eben. Der Vorteil dieser Technik war für mich, dass ich Material “schießen” und zuhause speichern konnte und bei schlechtem Wetter daheim nachbearbeitete. Das nötige Werkzeug lieferte mir wiederum das weltumspannende Netz.
Für die Wochenenden hatte ich eine Idee, die ich auch umsetzte. Jeden Samstag und Sonntag, morgens zu einer bestimmten Zeit, fuhr ich zu einem bestimmten Park. Ich hoffte auf diese Weise Bekanntschaften zu machen, aus regelmäßigem sehen und gesehen werden, über einen kurzen Gruß, mit der Zeit mit “jemand” in´s Gespräch zu kommen. Ein Langzeitversuch sozusagen, der mir aber Spaß machte, da ich mich auch für die Sache selber, den Park nämlich, interessierte (auch digital).
Mich hatte ich ja mittlerweile gefunden, jetzt aber suchte ich kommaline. Ich wusste nicht ihren Namen, nicht wie sie aussah und auch nicht ihre Adresse.
Ich war auf der Suche…
…unterwegs…