Hallo Plejaden, willkommen zu Hause ![]()
ich bin auch gespannt, wie es Dir ergangen ist und welche effektiven Maßnahmen Du zu deinem Schutz ergriffen hast.
LG kommal
Hallo Plejaden, willkommen zu Hause ![]()
ich bin auch gespannt, wie es Dir ergangen ist und welche effektiven Maßnahmen Du zu deinem Schutz ergriffen hast.
LG kommal
ZitatAlles anzeigenEs war Donnerstag, der 18. Mai 2006
Es war 23 Uhr
DIE LETZTE FLASCHE WAR LEER
Heute ist es soweit. Frühstück, spülen, alles ausgeschaltet? Wasser und Heizung abgesperrt? Gut, dass ich meine Liste habe.
Diese seltsame Mischung aus Nervosität und Ruhe, innere Zerrissenheit…
Also los. HIER gibt´s jetzt nichts mehr zu tun. Ein neuer Abschnitt beginnt.. Auf dem Weg zum Auto begegne ich einem Kollegen, mit dem ich nicht direkt zu tun habe. Seine Frage, wo ich denn mit meiner Reisetasche hin will (die Arbeitszeit beginnt gerade) beantworte ich mit:” Ich fahre ins Krankenhaus. Ich will Schluss machen mit einer Trinkerei!” Ungläubiges Erstaunen als Reaktion. Dann kommt eine Kollegin, die schon “Bescheid weiß” hinzu und wünscht mir alles Gute. Auch das beflügelt.
Ich fahre los mit meinem in letzter Minute trockengelegten Auto und natürlich verfahre ich mich. Weil ich aber für die 30 Minuten Fahrtzeit das Dreifache eingeplant habe ist das kein Problem, zumal ich nur einen kleinen Umweg nehmen muss. Je näher ich meinem Ziel komme, umso ruhiger werde ich, ja, ich verspüre sogar so etwas wie Freude. Weil ich endlich etwas unternehme? Mich nicht mehr verstecke? Weil ich´s satt habe, so nicht weiter machen will, ja kann? Sei´s drum- ICH KOMME!!!
Auf dem Gelände muss ich suchen. Ich habe mir zwar beschreiben lassen, wo ich hin muss und wie das Gebäude aussieht, aber ich war ja lange nicht mehr raus gekommen.
Schließlich suche ich mir einen Parkplatz und gehe zu Fuß auf die Suche. Bald finde ich Gebäude und auch die Station und...
…ich platze mitten in eine Art Besprechung. Eine gutes Dutzend Leute sitzen zusammen - wie Kinder beim Spielen im Kreis- und ich glaube ausmachen zu können, wer das Sagen hat. Sieht nach einem Arzt und zwei Schwestern aus. Zwar ohne Kittel, doch mit Namensschild, aber irgendwie unterscheiden diese drei sich von den anderen.
Alle gucken mich neugierig an (!!!) und eine Schwester kommt zu mir. Ich erkläre, warum ich da bin und werde in´s Aufnahmebüro geschickt. Formalitäten- ich unterschreibe alles.
Mit den Papieren zurück und dann zum Schwesternzimmer auf die Station. Die Runde hat sich aufgelöst, die vermeintlichen Patienten sitzen an Tischen, erzählen, lesen, rauchen, trinken Kaffee (und gucken mich an!!!)
Eine Schwester kümmert sich um mich. Fragen: Wann zum letzten Mal getrunken, wie viel, wie lange, wie hergekommen (“das Auto dürfen sie hier nicht bewegen wg. der Versicherung“), Medikamente (ich nahm eine ganz geringe Dosis Blutdrucksenker), Blutdruck messen (zu Beginn ein wichtiger Wert), sonstige Drogen (Drogen??? Hab doch nur …) und…
“warum sind sie hier?” (die Frage wundert mich) “weil ich mit der Trinkerei aufhören will”
… zum ersten Mal in meinem Leben muss ich Pusten. 0,05 Promille hab ich noch (peinlich, peinlich) “Wenn sie auf Null sind, dürfen sie zu den anderen” sagt sie… “…Gleich wird der Doktor sie untersuchen, …hier dürfen sie rauchen, …wo haben sie denn ihr Gepäck?” - “Im Auto”.
“Das ist aber schlecht-
SIE DÜRFEN DIE STATION ZWEI TAGE NICHT VERLASSEN!”
Zwei Jahre später, das Wochenende mit kommaline verbracht...
HEUTE GEHT´S MIR RICHTIG GUT!!!
Hallo Leudi,
das sind gute Startbedingungen. Es ist schön, dass Du ihn auf seinem Weg unterstützen willst. Aber laufen muss ER! Der Weg ist lang- lebenslang.
Ich wünsche euch alles Gute!
LG kommal
Hallo Leudi,
Zitatweil ja eigentlich alles in Ordnung ist
Was heißt das denn? Er hat ein par Tage nicht getrunken.
Sieht er seine Krankheit ein? Will ER ein Leben ohne Alkohol?
ZitatIch bin verwundert, dass er keinerlei Entzugserscheinungen zeigt. Kann das sein?
Weißt Du, dass er keine HAT? In dne ersten beiden Nächten in der Entgiftung habe ich zB mächtig geschwitzt.
Was will dein Mann?
Wenn ich nach der Entgiftung nicht so gut betreut worden wäre bis zur Therapie, ich weiß nicht wo ich heute stände.
Die Entgitung ist zweifelsohne ein wichtiger Schritt, aber ganz am Anfang.
Wie soll´s dann weitergehen? Habt ihr noch Alkohol zu Hause? Wissen eure Freunde und Bekannten von der Krankheit deines Mannes?
Klick doch mal oben rechts auf "Informationen"- da findest Du mehr.
LG kommal
Hallo Lütze,
Zitat@Kommal:Eigentlich liebe ich mich,
...und uneigentlich?
Ich weiß, es nervt, aber seit ich gelernt habe für mich Worte wie "eigentlich" oder "man" zu hinterfragen, kann ich den Dingen (und Gefühlen) eher auf den Grund gehen.
Ansonsten lese ich aus deinen Posts einen Lütze, der sich vermehrt mit sich beschäftigt. Find ich gut! Die nötige Geduld und Ruhe wirst Du dir auch noch erarbeiten, Du bist da auf einem guten Weg- siehe Arbeit!
LG kommal
Hallo Saila,
ZitatDer ganze Abend hat mir gezeigt: Ich will für Mich auch dahin!!!
Ich auch.
Gehen wir einfach weiter!
Schönes Wochenende wünscht
kommal
Hallo Lütze,
Zitat3+3=9 ?
Recht hast Du! ![]()
Im Übrigen stimme ich Gotti zu.
Dass Du dich mal zurückziehst, wenn´s zuviel wird (Arbeit) ist auch eine Art Abgrenzung. Dass Du weiter mit deinem Chef im Gespräch bleibst find ich super- besonders, was Du ihm sagst.
Und deine Frau? Ja, die muss dich ja wirklich erst kennenlernen. So, wie Du jetzt bist! Also bitte Geduld. DIR gefällst DU doch, das kommt deutlich rüber.
So´n Satz aus der Therapie, der bei mir hängen geblieben ist:
"Nur wer sich selbst liebt, kann auch geliebt werden!"
In diesem Sinne: Schönes Wochenende
LG kommal
Hallo Saila,
ZitatMeinen Kollegen habe ich mitgeteilt, das ich in 2 Wochen nicht auf eine Betriebsfeier mitgehen werde. Die Reaktion war beeindruckend. Alle haben mich nur in meinem Beschluss unterstützt.
Den offenen Umgang mit unserer Krankheit halte ich für sehr wichtig. Gerdade am Anfang hat es mir zusätzliche Sicherheit gegeben, dass auch am Arbeitsplatz jeder Bescheid wusste.
Zitatraus gehen zu können, ohne darauf zu achten wie man angeschaut wird.
Ich fühlte mich in meiner Saufzeit auch immer beobachtet, verfolgt. Damit war dann Schluss. Ein schönes Gefühl.
Ich wünsche dir eine interessante Gruppe heute.
LG kommal
Hallo Saila,
dieser Lebenslauf gehört zum Antrag dazu. Bei mir war es jedenfalls so. Es soll nun kein Lebenslauf wie für eine Bewerbung sein, sondern vielmehr deine Entwicklung und die deiner Krankheit bis heute beinhalten.
Aber das kann Dir dein Suchtberater viiieel besser erklären. Mach einfach nen Termin. Anruf sollte genügen.
LG kommal
Hallo saila,
da Du eine LZT anstrebst, wäre der Gang zur Beratungsstelle wichtig. In der Regel wird der Antrag von da auf den Weg gebracht. Dafür musst Du einige Gespräche dort führen, weil auch ein Sozialbericht erstellt werden muss.
Auch kannst Du dir schon mal Gedanken über dein Leben machen... Du wirst nämlich einen Lebenslauf schreiben.
Mehr dazu erfährst Du in der... Beratungsstelle.
LG kommal
Hallo Andreas,
ZitatIch denk manchmal das ich gar keine Zeit mehr habe was neues zu tun
Das halte ich für gefährlich. Liest sich ein bisschen so nach altem (nassem?) Trott.
Wenn ich mich bei sowas erwische (hier hilft mein Tagebuch) schmiede ich Pläne. Ende letzten Jahres habe ich mir eine Liste gemacht, was ich 2008 erreichen möchte. Betonung auf "möchte", eben nicht muss. Es waren nur vier Punkte, aber die sind nicht ohne. Zwei davon bin ich bis jetzt angegangen und die werden mich die nächsten Jahre sicherlich beschäftigen.
Ich bin zwar niemand, der seine komplette Zeit verplant, aber eine gewisse Struktur für mein (Über-)Leben halte ich für wichtig. Verbunden mit dem Gedanken, Verantwortung zu tragen...
Auf der anderen Seite kann ich ebensogut die schönen Dinge des Lebens genießen- weil ich sie sehe.
LG kommal
“DIE WARTEZEIT BETRÄGT SECHS BIS ACHT WOCHEN”
In dieser Zeit begann eine Entwicklung, von der ich zunächst nichts bemerkte: Ich musste lernen, mit meiner Angst umzugehen. Eine Angst, die ich bis dahin so nicht kannte.
In den nassen Jahren lebte ich ja sehr zurückgezogen. Stetes bedacht, dass von meinem Privatleben nichts nach draußen gelangte. Privat hieß ja quasi saufen. Und das hatte ich ja im stillen Kämmerlein gemacht.
So war es also nicht verwunderlich, dass mein Leben im Großen und Ganzen daraus bestanden hatte, mich und meine Gefühle zu verstellen, ja zu verstecken. Möglichst alle Klippen und Fallstricke des Alltags unbeschadet- nämlich unentdeckt- zu bewältigen. Dass ich dazu gar nicht mehr in der Lage war, hatte ich ja nicht bemerkt, sondern durch ständigen Einsatzwillen kaschiert. Vor allem mir gegenüber.
Die Arbeit als Versteck!
Räumliche Distanz zu meinen Gesprächspartnern (vielleicht riecht “man” ja doch was…), niemandem in die Augen schauen (das habe ich nachher oft gehört) und eben mein ausgedehnter Hang zur Telefonie (die ja beides beinhaltete) und das ständige Erfinden von Ausreden, warum ich wann nicht kommen konnte, wenn ich mal wieder eingeladen wurde. “Meine Freizeit ist mir heilig” - wie oft hatte ich diesen Satz gesagt? (Und gemeint: Lasst mich in Ruhe saufen!)
Die Situation hatte sich vollend gewandelt. Ich war zwar krank geschrieben, aber doch fast täglich kurz in der Firma anwesend und privat ja eh auf meiner “ich bin-wieder-da-Tournee”. Und durch den offenen Umgang mit meiner Saufgeschichte gab es keinen Grund mehr, mich zu verstecken. Ich praktizierte ja das Gegenteil.
Ich nahm wieder am Leben teil und das war ein schönes Gefühl. Aber unbekannt. Oft saß ich abends da und spürte eine Unruhe in mir. Wie lange konnte “das” gut gehen? Die Tage in Zufriedenheit und Harmonie mit meiner Umgebung kamen mir so unwirklich vor. Wo waren meine Sorgen (im Prinzip war es ja die Sorge entdeckt zu werden)? Sicher, das Leben machte wieder Spaß, ich hatte Pläne und war guter Dinge. Alles verlief ganz NORMAL. Und genau das war es, was ich nicht gewohnt war. Ein normales Leben, ohne diese Ängste die ich jahrelang unbewusst (unbewusst? Bewusstlos? Ohne Bewusstsein?) mitgeschleppt hatte. Diese Normalität kannte ich eben nicht. Nicht als “normal”. Ein Tag in der Vergangenheit, wo alles geklappt hatte war doch immer ein Grund gewesen, noch einen zu schlucken- zur Belohnung. Und jetzt? Jetzt belohnte mich das Leben- Mit Normalität, die ich als solche erst noch lernen musste. Und mit Perspektiven. Ein Alltag ohne Krise statt Krise als Alltag?
So erinnere ich mich an eine Situation, die wohl in die Rubrik “Suchtgedächtnis” gehört:
Wieder einmal war so ein “Super- Tag” vorbei. Alles hatte wie am Schnürchen geklappt und ich war von einer tiefen Zufriedenheit erfüllt. Ich wollte mir mein Abendbrot herrichten und öffnete den Kühlschrank. Als ich hineinschaute bekam ich einen Riesenschreck!!! Ich wusste zuerst gar nicht, warum. War doch gar nichts Schlimmes drin. Da begriff ich: Genau in dieser Stimmung hätte ich noch vor kurzem hineingegriffen und mir VOR dem Essen eine Flasche Bier aufgemacht! Als mir das klar wurde, begriff ich einmal mehr, wie tief ich im Sumpf gesteckt hatte.
Ich beschloss, ab sofort diese schönen Tage als normal zu akzeptieren und zu genießen. Dass ich mit Ereignissen, die unverhofft eintreten, umzugehen verstand, hatte ich mir schon bewiesen. Also warum angsterfüllt darauf warten, quasi wie das Kaninchen vor der Schlange- ALLES QUATSCH! Ich hatte kein schlechtes Gewissen mehr.
Es sollte noch Monate dauern, bis ich damit umgehen konnte…
Meine alte, positive Grundstimmung gewann die Oberhand und das tat sooo gut. Ich fühlte mich fit und wusste etwas mit meiner Zeit anzufangen.
Ich redete: Mit der Klinikpsychologin, meinem Hausarzt, meinem Arbeitgeber, meinen Freunden und Bekannten, der Gruppe in der Klinik und dem Personal dort und mit meinem Suchtberater. Mein Therapieantrag war unterwegs und ich schaute immer wieder auf die Internet- Seite der Klinik. Daun- schön gelegen in der Vulkaneifel. Vieles über die Klinik hatte ich auch auf der Entgiftungsstation gehört.
Meine erste “große Reise” seit Jahrzehnten. Meine Reise zu mir…
ICH WARTETE
...Ende der Vorstellung.
Ich wünsche Dir für deine trockene Zukunft die nötige Ausgeglichenheit.
Schöne Pfingsten
kommal
Hallo Andy,
ZitatAuf Feiern in jeglicher Hinsicht ist das Normalität geworden. Entziehst du dich diesem Normalen Leben?
Solcherlei Feiern sind nicht mein Ding, da geh ich nicht hin. Einmal bringt´s mir gefühlsmäßig nichts, zu anderen wär es mir viel zu gefährlich, mal etwas Falsches zu erwischen. Z.B ein Glas "Mischung", dass versehentlich als O- Saft serviert wird. Oder einfach nur ein Wasser aus einem Glas zu trinken, dass wie hunderte leerer Biergläser durch das selbe Spülbecken gewandert ist. Von den anderen Begleiterscheinungen gar nicht zu reden. Die bekommst Du in deiner neuen Tätigkeit ja evtl. auch zu spüren.
Um solchen Anlässen nicht mehr begegnen zu müssen, habe ich schließlich meinen Arbeitsplatz und meine Wohnnung gewechselt.
Da ist mein Suchtgedächtnis zu raffiniert, als das ich dieses Risiko eingehen würde. Was nützen Dir die aktuellen Aufpasser, wenn in einer solchen Situation der gedankliche Rückfall beginnt? Der Schneeball ist am Anfang ganz klein, aber wenn er erst mal rollt...
Da hab ich heute wahrlich bessere Möglichkeiten, meine Freizeit zu gestalten.
LG kommal
Hallo Andy,
ich fand´s halt ziemlich theatralisch geschrieben. Sehr emotional aber dadurch auch unsachlich. Hast Du denn jetzt eine neue Arbeitsstelle?
Dass Alkoholismus etwas "Positives" hat sehe ich nicht.
LG kommal
Hallo Andy,
seit deinem letzten post hat "Vorstellung" eine ganz andere Bedeutung.
LG kommal
KEIN MENSCH IST ES WERT; DASS ICH SEINETWEGEN WIEDER TRINKE!
“Wie ist das denn- Fußball gucken ohne Bier zu trinken?” Mein Suchtberater fragte das in einem der ersten Gespräche. “Ich will Fußball gucken, nicht trinken” war meine spontane Antwort und so war´s auch. Die meiste Zeit war ich sowieso mit dem Fahrrad unterwegs. Fit werden für die Therapie, zumindest körperlich. Denn auf die Frage, was ich mir unter “Therapie” vorstellte, fiel mir nicht viel mehr ein als: “Reden”. Aber das machte ich ja nun auch schon intensiv auf der Beratungsstelle.
Nicht nur da. Ich hatte meinem Arbeitgeber ja zugesagt, ihn über alle Schritte zu informieren und so machte ich´s dann auch. Erstaunlicherweise (heute erstaunt´s mich nicht, es war eine logische Folge) ergab sich in diesen Gesprächen eine ganz neue Perspektive: Warum an meinem alten Arbeitsplatz mit all seinen Stolperfallen festhalten? Wieso nicht neue Perspektiven entwickeln, die zudem das Problemfeld Wohnung entscheidend entschärften?
Ich war also auf mehreren “Spielfeldern” aktiv, nicht zuletzt ja auch zweimal pro Woche auf der Entgiftungsstation. Hier bot sich mir nach wie vor das gesamte Spektrum unserer Krankheit: Der Fußballfan, der trocken werden wollte und im gleichen Atemzug sagte: “Kein Borusse geht nüchtern ins Stadion!” - Ein anderer, der “gar nicht ohne Alkohol leben will” und natürlich alle paar Wochen dort auftauchte. Der Beamte, der in Therapie wollte, um “mal zu gucken, was mit mir nicht stimmt…” oder die Lehrerin, die regelmäßig hier entgiftet und hofft: ”DER Rückfall hat mich richtig viel Geld gekostet- hoffentlich hab´ ich was draus gelernt…” Viele Drehtürpatienten, die sich alle gut kannten, hier zusammen saßen, redeten, stritten, Pläne machten und verwarfen, Hoffnungen und Hoffnungslosigkeit. Und natürlich immer wieder Neuzugänge. Die siebzehnjährige, der ein Mitpatient etwas erklären wollte und die ihn angiftete: “Ich bin nicht zum ersten Mal hier!!!” (doch nicht neu) und meine erste Begegnung mit Korsakow:
Ich nenne ihn hier Karl. Karl verbrauchte beim Frühstück Unmengen Butter. Karl konnte essen, ohne ein Ende zu finden. Fünf Stücke Obsttorte mit Sahne, bis nichts mehr da war. Er wusste nicht, wie viel er aß, er vergaß es sofort. Sättigungsgefühl hatte er offenbar nicht und so mussten wir ihn bremsen. Fragte ich ihn, wie lange er hier war, bekam ich innerhalb kürzester Zeit die verschiedensten Antworten: “Oh, da muß ich mal überlegen… Also, vor zwei Monaten war ich…” - später und ganz spontan: “seit zwei Wochen!” - In Wahrheit war er sechs Wochen da und wartete auf einen Platz im betreuten Wohnen.
Das angebotene Entspannungstraining nahm ich weiterhin wahr: Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen. Je mehr ich übte, umso besser klappte es. Ich gewöhnte mir an, meinen Tag damit zu beschließen. Vor dem Einschlafen eine viertel Stunde lang im Liegen, entsprechende Musik (es geht auch ohne) hatte ich mir besorgt, so mancher trübe Gedanke flog vorbei, kein Grübeln mehr. Ich fühlte, dass ich mich besser im Griff hatte. Ein schönes, ein beruhigendes Gefühl.
Gegen Suchtdruck wurde dann versuchsweise Akupunktur angeboten. Ich hatte zwar keinen Druck, aber das Angebot nahm ich ebenfalls gern an. Fünf Nadeln in´s Ohr, danach eine Viertelstunde (möglichst alleine) liegend ruhen und an “nichts” denken (dabei halfen die Erfahrungen der anderen Entspannungstechnik)- es war jedes Mal eine Wohltat.
Meine ausgiebigen Touren durch den Wald, die meinen Blick und mein Gehör schärften und nicht zuletzt zu einem neuen Hobby führten: Hier begann ich zu fotografieren. Ich hatte mir im Versandhandel (Rückfall) eine preiswerte Digitalkamera zugelegt, mit der ich fortan ständig unterwegs war. Treuer Weggefährte für ein Jahr.
Meine neue Unternehmungslust dokumentierte sich auch in einer anderen, kleinen Begebenheit: Morgens las ich in der Zeitung von einem Blutspendetermin, mittags war ich da. (Ich wollte immer schon Blut spenden, auch um meine Blutgruppe zu wissen, hatte es aber aus “bestimmten” Gründen nie dahin geschafft). Und da saß ich dann mit dem Fragebogen und der Frage nach “Suchtmitteln”. Ich beantwortete alles wahrheitsgemäß und im anschließenden Arztgespräch erklärte ich nicht ohne Stolz, seit sechs Wochen “trocken” zu sein.
Und auch, als das Auto mal nicht wollte fand ich eine akzeptable Lösung (die einzige!) Nachdem ich mir verschiedene “Notlügen” ausgedacht hatte, warum ich nicht kommen konnte, rief ich an, sagte die Wahrheit, versprach aber zu kommen und setzte mich auf´s Rad. Ich brauchte für die 15 km eine viertel Stunde länger als mit dem Wagen, war aber mächtig zufrieden, als ich da war und wurde auch entsprechend empfangen.- Erfolgserlebnis.
Und nicht zuletzt die Gruppengespräche, die als Vorbereitung auf die Therapie so immens wichtig waren. Nicht mit dem ultimativen Tiefgang, schließlich war ich auf der Entgiftungsstation, wo häufig das IAS- Syndrom die Gedanken bestimmte und die Besetzung der Gruppe ja ständig wechselte- aber ich lernte zuzuhören, zu reden, anzunehmen.
Ich war also ganz gut ausgelastet und hatte keine Langeweile- außerdem war ja noch WM.
“Ich möchte ihren Antrag Richtung Daun schicken” sagte mein Berater in dieser Zeit. Er kenne die Klinik und die sei das Richtige für mich. Also habe ich mich im Internet schlau gemacht, mir die Klinikseite angesehen, die Hausordnung runtergeladen und überlegt, wie ich mein Auto für diese weite Reise fit bekomme. Denn mit dem Auto durfte ich dahin anreisen, das stand in der Beschreibung der Klinik. Sonst wäre es ja nicht gegangen. Meine Phobie, öffentliche Verkehrsmittel betreffend, hatte ich bis dahin gar nicht so recht beachtet. Aber das Problem stellte sich ja nun zum Glück nicht. Was natürlich nicht bedeutete, dass es nicht Thema in den Gesprächen war.
Also in die Eifel, nach Daun. Und als zusätzliche Information:
“DIE WARTEZEIT BETRÄGT SECHS BIS ACHT WOCHEN”
Hallo Lütze,
ZitatIch kann doch mal bestimmte Aspekte meines Lebens als Aussenstehender betrachten,oder noch nüchterner als Geschäftspartner
...Vogelperspektive. erinnerst Du dich? Das kannst Du üben, immer wieder und wenn´s klappt ist es eine große Hilfe. Bei mir wird jedenfalls, im Zusammenhang mit dem Tagebuch, so manche Situation klarer und beim nächsten Mal sicher anders ablaufen.
Arbeitstechnisch scheinst Du ja eine gesunde Einstellung zu entwickeln. Auch das ist ein Lernprozess: Nicht verweigern, sondern abgrenzen.Bei mir klappt das immer öfter und das tut gut.
Hast Du mal dran gedacht, ein paar Tage auszuspannen? Bevor kommaline mich eroberte, hab ich mich nach Busreisen erkundigt. Da bist Du von Anfang an in Gesellschaft. Und wenn der Veranstalter und das Reiseziel stimmen, muss Alkohol kein Reisebegleiter sein! Das Angebot ist riesengroß!
LG kommal
Hallo Plejaden,
ZitatMorgenritual
Als ich erkannte, wie wichtig das für mich ist, hat sich mein Morgen so entwickelt: Die wichtigste "Zutat": Zeit. Ganz viel Zeit, nur für mich. In Ruhe frühstücken, im Hintergrund das Morgenmagazin, im Forum stöbern und die Online- Ausgabe der Tageszeitungen durchforsten.
Die Freude ist momentan etwas getrübt, ich hab mir einen Virus eingefangen, aber das wird schon wieder.
Sonnige 24 wünsch ich Dir
LG kommal
Ich öffnete den Vorratsschrank und bekam einen Riesenschreck:
ZWISCHEN DEN KONSERVENDOSEN LAG EINE FLASCHE ROTWEIN!!!
Ich weiß nicht mehr, welche Gefühle ich hatte, aber ich war total überrascht: Ich hatte doch ALLES entsorgt bevor ich gefahren bin! Wut- über mich. “Wie konnte ich das übersehen, da wollte ich bestimmt mit Kochen, das ist doch jetzt egal…”
Ich handelte jedenfalls wie ferngesteuert. Wasserhahn auf, die Flasche geöffnet, ins Becken gekippt und ausgespült- nur nichts riechen (dabei kam ich ja gerade von dieser Feier!).
Danach war ich zufrieden, sehr zufrieden- mit mir. Irgendwie so, als hätte ich eine wichtige Prüfung bestanden (wahrscheinlich war auch eine Menge Angst dabei).
Ich machte mich daran, einen Wochenplan zu erstellen. Was hatte ich? Termine: Bei der Krankenkasse, bei der Beratungsstelle, beim Hausarzt, in der Klinik.
Im Einzelnen sah mein Wochenablauf wie folgt aus:
Montag: Klinik- Entgiftungsstation mit Gruppe
Dienstag: Zweiwöchentlich Beratungsstelle- Antrag Therapie und damit verbunden Sozialbericht.
Freitag: Hausarzt, Klinik
Dazu kamen dreiwöchentlich Gespräche mit dem Klinikpsychologen und regelmäßige Besuche bei meiner Krankenkasse, wenn mal wieder etwas “nicht lief”.
Die “freie” Zeit nutzte ich für Besuche bei allen, die ich nur noch vom Telefon kannte, ausgiebige Fahrradtouren (während der Übertragungen von der WM waren die Straßen ziemlich leer) und nicht zuletzt, um meine Wohnung aufzuräumen und von Grund auf zu reinigen. Ich bin wahrlich kein Putzteufel, aber die dadurch hervorgerufenen Verbesserungen blieben mir nicht verborgen- Erfolgserlebnisse.
Außerdem musste ich ja für den Therapieantrag meinen Lebenslauf schreiben. Es sollte nicht der letzte sein…
Ich war also ganz gut beschäftigt und genoss das Gefühl, wieder am Leben teilzunehmen. Nicht vom Telefon und PC aus, nein, richtig. Ich fühlte mich wieder dazugehörig. Auch die Kontakte zum Arbeitgeber und zu den Kollegen ließ ich nicht abreißen. Die Gespräche über die letzten Jahre, meine Situation, meine Zukunft… Reden tat gut und bestärkte mich in meinen Plänen. Es musste mehr passieren. Ich wollte diese Arbeit nicht mehr machen und mir wurde klar, dass ich auch meine Wohnsituation ändern musste.
Die Frage: “Was trinke ich denn jetzt” hatte ich für mich so gelöst, dass ich mich mit Säften eindeckte. Ich tat jedoch unbewusst das Richtige und war zu meinen Trinkzeiten unterwegs. Weil alle Leute, die ich besuchte “Bescheid” wussten und sich entsprechend verhielten, bewegte ich mich quasi im geschützten Raum.
Ein Ereignis ist mir aus dieser Zeit im Gedächtnis. Ich lud gerade Wasser und Saft in meinen Wagen, als mir auffiel, welche enormen Mengen an alkoholischen Getränken die Leute aus dem Laden schleppten. WM- Zeit. Ich schlug “mit Schmackes” die Kofferraumklappe zu und sagte ziemlich laut: “Das habe ICH nicht mehr nötig”. Die seltsamen Blicke taten richtig gut.
Und dann war ja da noch diese vermeintliche Liebe, an die ich mich klammerte und die mich immer mehr emotional belastete. Zum Glück wusste mein Suchtberater und der Klinikpsychologe (bei dem sie auch in Behandlung war) davon und ich konnte mich dort ausweinen. Nur die Konsequenzen zog ich nicht- gegen deren ausdrücklichen Rat.
Bis ich zum bitteren Ende erkennen musste, dass ich es nicht nur mit einer rückfälligen Alkoholikerin zu tun hatte, sondern mit einer gespaltenen Persönlichkeit. Offenbar hervorgerufen durch ihre Medikamentensucht.
Ich war ziemlich fertig, habe nächtelang geweint und doch: Ein paar Erkenntnis blieben mir aus dieser “Affäre”: Hör auf die, die dir helfen wollen. Nie mehr so eine Geschichte (im Hinblick auf die Therapie) und:
KEIN MENSCH IST ES WERT; DASS ICH SEINETWEGEN WIEDER TRINKE!