Hey!
Also, ich will mal ganz ehrlich sein. So ganz verkraftet hab ich den Chat wahrscheinlich noch nicht. Im Prinzip versteh ich alles, nur hab ich jetzt das Gefühl, dass ich hier eh schreiben kann was ich will, ich hab meine Glaubwürdigkeit einfach verloren und die werd ich nicht wieder bekommen, so lang ich noch zu Hause wohne.
Was meine Mutter angeht, kann ich nachvollziehen, warum sie an dem Tag so am Telefon reagiert hat, sie hat's mir erklärt, aber verstehen werd ich sie nicht. Aber ansonsten macht sie halt schon viel für mich, das kann ich nicht anders sagen, manchmal sogar zu viel, was ich dann auch in Zukunft gar net mehr will.
Mit der Uni läuft es im Moment ganz gut. Ich denke, ich finde es auch gar net so schlimm, dass ich dieses Semester weniger Kurse hab. Ich merk einfach, dass der Druck auch weniger geworden ist, ich hab mehr Zeit. Für meinen Angst-Kurs hab ich gestern schon meine Leistung abgeschickt, ich hoffe nur, dass ich das nicht noch mal in einem Referat vortragen muss, aber ich werd mich trotzdem drauf vorbereiten. Und doch, ich muss schon sagen, dass es im Moment hauptsächlich die Uni ist, die mir zu schaffen macht. Weniger, aber immer noch. Am Mittwoch ging's mir beispielsweise gar nicht gut, weil ich eventuell allein in die Mensa hätte gehen müssen (horror...) und danach hatte ich sechs Stunden Kurse mit Menschen, die ich nicht kenne. Und in dem einen muss ich wie gesagt evtl. ein Referat halten, vor lauter fremden Leuten. Als wenn das nich schon in der Schule immer schlimm genug gewesen wäre. Das sind alles Sachen, die mir Angst machen, aber ich krieg das immer besser in den Griff. Am Freitag hab ich in der VT progressive Muskelentspannung gemacht, das war richtig gut. Wär fast eingeschlafen :D.
So, und jetzt zu meinem Vater: Seit letztem Sonntag fühl ich mich so befreit! Ich kann nicht genau sagen, was ich fühle, aber ich fühl mich 1000%ig besser! Ich denke einfach, dass ich die Wut, die sich angestaut hat, seitdem er wieder trinkt, immer nur in mich reingefressen habe, bis die Wut angefangen hat, mich aufzufressen. Natürlich hab ich ein Verhältnis zu meinem Vater aufgebaut, als er trocken war, ich hab ihm vertraut. Und die Welt, die da für mich zusammengebrochen ist, die ist nun mal nicht so leicht zu tragen. Im Endeffekt ist es gerade mal neun Monate her. Und soweit ich mich erinnern kann, hab ich ihm seitdem er wirklich wieder trinkt, nie gesagt, was ich davon halte. Meine Wut musste einfach nur mal raus. Und jetzt gehts mir besser. Bei uns herrscht zwar jetzt Funkstille, aber mal ganz ehrlich... das macht mir nichts aus. Er ignoriert mich und zieht so Kindergartensachen ab, wie für alle den Tisch decken, nur für mich nicht, aber mein Gott, was soll's? Der einzige, den er durch seine Wut verletzt, ist er selbst. Denn ER lässt seine Gefühle ja nie raus. Ich werd jedenfalls nicht angekrochen kommen, mir geht's doch gut so, das Problem scheint er zu haben. Außerdem bereue ich nichts von dem, was ich getan hab, denn mir hat es gut getan und ich hab es in dem Moment so gemeint, wie ich es gesagt habe.
Tja, das Ausziehen geistert mir schon noch im Kopf rum. Ich will auch irgendwann mein eigenes Reich haben, das ist schon klar. Und jetzt überlegen zwei meiner Freundinnen an der Uni, ob sie zusammen ausziehen wollen. Da denk ich auch schon mal "schön wär's...". Aber selbst die eine von beiden weiß noch nicht, ob sie es überhaupt finanziell hinkriegt, ihre Eltern sehen es ähnlich, und die saufen nicht, sondern sind so ne sch...-perfekte Familie. Ich werd sehen, wie sich alles entwickelt, noch werd ich nicht ausziehen. Würd ich wahrscheinlich auch gar nicht hinkriegen. Bisher krieg ich kein Bafög, weil mein Vater zu viel verdient und auch finanziell gut für mich vorgesorgt hat. Also würds später wahrscheinlich auch nicht reichen. Naja, das kann ja jetzt wieder als dumme Ausrede abgetan werden. Aber ich hab auch mit anderen drüber geredet und die sehen es wie ich...