Hallo ihr alle!!!
Loti, wollen wir unsere Mütter nicht mal miteinander bekannt machen? Was du von deiner Mutter erzählst, könnte genau so gut meine sein. Sie ist hilflos, frustriert, mein Vater will ihr immer absichtlich weh tun (manchmal scheint das aber auch zu stimmen), sie ist so was von empfindlich, total schnell beleidigt, UND sie muss immer mit mir reden. Mittlerweile lass ich das einfach nicht mehr mit mir machen. Ich hab ihr oft genug gesagt, sie soll mit uns ausziehen, sie soll ich eine Wohnung suchen, dass die Ehe kaputt ist etc. etc. Wie viele Stunden hab ich ihr schon ins Gewissen geredet, hab ihr alles schlecht geredet, was sie hier hat, ich hab mir ja fast den Mund fusselig geredet. Und was ist? Sie ist immer noch hier, bei meinem Vater, sucht nach Möbeln für ein Esszimmer. Aber nicht etwa für die neue Wohnung, nein, sondern für unser Haus hier. Obwohl sich rein gar nichts geändert hat. Sie sieht auch, wie wir Kinder darunter leiden, sie weiß, wie fertig es sie macht. Aber sie tut gar nichts dagegen. Das einzige, was sie immer gemacht hat, war, sie bei mir auszuhezulen. Ich war immer ihr Ersatzpartner. Ich musste ihr zuhören, ihre Probleme anhören (auch Dinge, die ich als Kind überhaupt nicht hören wollte), ihr helfen, Ratschläge geben, mit ihr etwas unternehmen (z.B. Kino).... Und das alles nur, weil mein Vater das nicht mit ihr machte.
Aber in letzter Zeit mach ich das alles nicht mehr. Sie kommt zwar auch nur noch selten an, aber ich denke, das liegt auch daran, dass ich dann immer aus dem Zimmer gehe, sage, dass mich das nicht interessiert, dass das ihre Probleme sind... Aber das hat sehr lang gedauert, bis sie das verstanden hat, bzw. ich glaube, so ganz hat sie es immer noch nicht. Es kommen immer mal wieder Kommentare oder sie fängt wieder an, irgendetwas zu erzählen. Dabei hat sie ja auch mein Buch gelesen, und dabei ist sie oft wirklich schlecht weggekommen, allein schon, weil sie mich immer als ihren seelischen Mülleimer benutzt hat. Aber da wird dann nicht drüber geredet. Stattdessen fängt sie jetzt auch schon an und gibt mir Geld. Klar, sie macht das, damit ich nicht immer das Mensa-Essen selbst bezahlen muss, aber zack, schon hab ich wieder ein schlechtes Gewissen, obwohl es nicht mehr als richtig ist. Ich hab ihr auch "Familienkrankheit Alkoholismus" zum Lesen gegeben, weil ich dachte, das weckt sie vielleicht mal auf. Nichtsda. Sie hat jetzt seit Woche nicht mehr drin gelesen, ist immer noch auf Seite 21, war noch nicht mal beim Teil mit dem emotionalen Missbrauch (wo ich mir gewünscht hätte, dass sie das mal liest). Stattdessen sagt sie immer nur "aber so schlimm, wie es da manchmal geschildert ist, so war es bei uns ja nie". Nein, natürlich nicht, aber deshalb sind unsere Probleme trotzdem schlimm.
Jetzt hab ich mal wieder einen ganzen Roman nur von mir geschrieben. Dabei wollt ich eigentlich nur klar machen, wie dickfellig auch Cos sein können. Du kannst deiner Mutter wahrscheinlich genauso wenig helfen wie deinem Vater. Im Prinzip muss auch sie erst so weit sein, dass sie ganz unten ist und wirklich einfach nur sich selbst retten will. Deine Mutter fühlt sich ja anscheinend auch noch für alles verantwortlich. Das muss sie erst abstellen. Aber das ist natürlich auch verdammt schwer. Du kannst ihr auf jeden Fall mal ein Buch an die Hand geben und vielleicht erkennt sie dann, dass sie etwas an ihrem Leben ändern kann und muss. Aber du hast keine Garantie dafür. Und irgendwann muss man dann glaub ich auch resignieren. Auch unsere Mütter sind selbst verantwortlich für ihr Leben.
Oh summerdream, da hast dir natürlich auch wieder was eingebrockt ;-). Nee, ist ja kein Spaß. Ich kann verstehen, dass dich das runterzieht, aber auch du kannst im Prinzip nicht helfen. Je stärker du das versuchst, desto eher wird sich deine Freundin noch mehr zurückziehen und es auch vor dir verheimlichen, was sie tut. Sei einfach für sie da. Helfen ist manchmal gar nicht erwünscht. Das ist wirklich eine verdammt schwierige Situation. Aber ich denke, du kannst ihr schon helfen, wenn du ihr einfach nur zuhörst, dich mal nach ihr erkundigst... Ich glaub, das ist das einzige, was du da tun kannst. Meine beste Freundin hatte auch mal Bulimie, aber als wir das bemerkt haben, hat das noch gar nicht so lang angedauert. Da waren wir aber auch erst 13 oder 14 und hatten noch so viel Zeit. Eine andere Freundin ist dann jedes Mal mit ins Bad gekommen, oder hat sich vor die Tür gestellt, damit die andere nicht kotzen konnte. Aber das ist wahrscheinlich auch nicht besonders hilfreich, und wie gesagt, wir hatten damals eben noch alle Zeit der Welt. Du darfst sie einfach nicht drängen. Sie wird niemanden an sich ranlassen und sich von jedem abschotten, wenn sie das Gefühl hat, alle sind gegen sie. Und das hat sie bestimmt dann, wenn jeder versucht ihr zu helfen. Unser Helfersyndrom ist echt ein Fluch.
Loti, du bist auch bei studivz? Die Gruppe muss ich mal suchen... Die hört sich sehr nach mir an ;-).