Hm... hab das Buch jetzt meiner Mutter zum Lesen gegeben, weil ich hoffe, dass es sie vielleicht doch noch mal umstimmen könnte. DENN:
Das Familiengespräch war ziemlich schwachsinnig. Es gab schon einige vernünftige Ansätze und es wurden auch Dinge besprochen, die sicherlich wichtig sind, aber die Voraussetzung war völlig falsch. Ich habe einfach gemerkt, dass mein Vater es noch nicht richtig verstanden hat. Ich bin mittlerweile der Meinung, dass die Therapie für ihn zu früh kam. Er war noch nicht weit genug unten, er hat noch nicht genug Einsicht. Er hat halt verschiedene Persönlichkeitsstörungen. Deshalb kann er keine Probleme zugeben, Geschweige denn darüber reden, er ist perfektionistisch, zeigt keine Gefühle, wirkt oft total kalt. Mit all dem kann kein normaler Mensch durchs Leben gehen, da würde ich wahrscheinlich auch anfangen zu trinken, vor allem wenn ich dann noch solche Schulden im Nacken hätte, aber mit niemandem darüber reden könnte. Das hab ich ihm auch alles gesagt und ihm gesagt, dass ich nicht glaube, dass er trocken bleiben kann, solange er diese Störungen hat.
Da fing er auf einmal an zu lachen und ich wurde schon fast wieder wütend. Aber er lachte nicht über mich sondern deshalb, weil ihm das in der Klinik auch immer gesagt wurde und er fragte sich, wo ich das auf einmal her hätte. Na, toll. Er hat jedenfalls gar nicht wirklich darauf reagiert, nicht gesagt, dass er etwas daran ändern will, er begreift einfach den Ernst der Lage nicht. Er befindet sich da auch in einem Teufelskreis mit diesen scheiß Persönlichkeitsstörungen.
Jedenfalls ging das Gespräch dann wieder mal in die Richtung, dass wir Schuld sind, dass er trinkt, wir würden ihn erpressen und kontrollieren und und und. Und dann hab ich zu viel bekommen. Ich hab lange versucht, vernünftig mit ihm zu reden, aber er hat es einfach nicht verstanden. Dann bin ich wütend geworden, hab mit der Hand auf den Tisch geschlagen (nicht bildlich gemeint... hab ich ernsthaft gemacht!) und ihm alles noch mal gesagt. Er verstand immer noch nicht. Dann hab ich ihm gesagt, er könne mich mal und habe die Familiensitzung verlassen. Als ich dann in meinem Zimmer war, wurde ich auf einmal wieder ganz ruhig. Ich konnte den Fernseher einschalten, die RAF-Doku gucken und ein paar Chips dabei knabbern. So als wäre nichts gewesen. Das verbuche ich jetzt einfach mal als Fortschritt.
Später war ich dann kurz bei meiner Mutter (ich musste durchs Wohnzimmer, um auf dem Balkon eine zu rauchen...) und natürlich sagte sie mir, sie hätte ihm noch eine Chance gegeben. Ach je, ich will mich gar nicht darüber aufregen, wie blöd sie ist, das bringt ja eh nichts. Sie meinte, dass das Gespräch nachdem ich weggewesen wäre, wieder ganz gut gelaufen wäre (war ja auch klar, es hat ihm dann wahrscheinlich niemand mehr widersprochen). Sie hat einfach nicht gesehen, dass mein Vater noch keine richtige Einsicht hat. Er hat sie schlicht und ergreifend nicht und ich bin sicher, dass aus seinen guten Vorsätzen jetzt auch wieder nichts wird, er wird wieder trinken.
Das Mieseste daran ist eigentlich, das plötzlich alles vergessen zu sein scheint. Die Kopfschmerzen meiner Schwester, die Tatsache, dass mein Bruder nicht redet (gestern Abend hat er auch nichts gesagt, obwohl ich ihn extra dazu aufgefordert habe), ist ja alles egal, solange wir wieder happy family spielen können. Aber ich nicht mehr. Ich werde weiterhin so wenig wie möglich mit meinem Vater zu tun haben, meine Mutter hat kein Recht mehr, sich bei mir auszuheulen, das kann sie vergessen.
Ich habe mal wieder darüber nachgedacht, allein auszuziehen. ABER ABER ABER. 1. immer noch kein Auto, 2. kein Geld für Möbel, Küchenutensilien, vielleicht brauche ich sogar noch eine Küche UND UND UND. Das bisschen Geld, das ich habe brauche ich doch für mein Studium. Scheiß Studiengebühren. Aber naja, solang ich hier bleibe werde ich einfach das beste draus machen.
Ehrlich gesagt, geht's mir sogar ziemlich gut. Das komische Gefühl im Bauch lässt deutlich nach, ich denke so wenig wie möglich über die Situation hier nach... Mal sehen, wie sich das weiterentwickelt. Ich denke, das Forum hier hilft mir sehr. Würd am liebsten mit euch allen in eine WG ziehen ;-). Ja, irgendwie hab ich hier schon alle Menschen lieb gewonnen, obwohl ich niemanden wirklich kenne.