Beiträge von Steffi1301

    Ich noch mal. Ich habe gestern "Familienkrankheit Alkoholismus" fertiggelesen. Tolles Buch. Aber auf den letzten Seiten war so viel... Ich kann es gar nicht sagen. Ich kann so viele Dinge nicht zuordnen, manchmal habe ich das Gefühl, ich weiß gar nicht, wer ich wirklich bin. Was tue ich und was tut das Kind des Alkoholikers? Wer bin ich und wo fängt meine Fassade an? Ich verstehe das alles nicht und ich hasse das, wenn ich irgendwas nicht lösen kann ;-).
    Außerdem ist mir aufgefallen, dass ich ständig verkrampft bin. In der Zeit, wo mein Vater nicht getrunken hat, ging es einigermaßen. Aber sonst habe ich immer so ein Gefühl im Bauch, das ich auch mal wieder nicht zuordnen kann. Einfach verkrampft und ich werde es nicht los.

    Manchmal habe ich das Gefühl, so was wie ein Heinzelmännchen zu sein. Ich bin einfach manchmal die gute Fee. Meine Mutter wollte schon länger den PC unten anders stellen, einen anderen Rechner anschließen etc. Also, hab ich mir gedacht... Ich habe Zeit, also mach ich meinen Leuten mal eine Freude und nehme das in die Hand. Ich mache das gerne. Aber ich weiß nicht, welcher Teil von mir das gerne macht. Argh! :roll: Das ist alles viel zu kompliziert für mich. Mal abgesehen von dem tollen Schalter im Hirn hätte ich auch gerne noch jemanden, der mich psychisch röntgt, mir sagt "das und das ist dein Problem", mir eine Liste mit Problemen und Lösungen in die Hand drückt und ich mich einfach überarbeite. Schön wär's.

    So, ich bin immer noch gespannt auf das tolle Gespräch... Hat nämlich noch nicht stattgefunden. Mein Vater war auch mal wieder 12 Stunden "arbeiten". Aber wenn er getrunken hat, rede ich nicht mit ihm, das kann er vergessen. Naja, werd mal runter gehen und schauen, was Phase ist.

    Hey Caro!

    Puh... Da hast du ja einiges hinterlassen.
    Erst mal zu dem wahrscheinlich weit schwerwiegenderen Problem und dem aktuelleren: Deine Mutter hat Leberzirrhose. Es sollte uns mittlerweile nicht mehr überraschen, unsere Eltern sind schließlich Alkoholiker. Aber wenn wir es dann zu hören bekommen, ist es doch irgendwie schlimm. Aber eine Leberzirrhose ist ja noch kein Todesurteil. Wenn deine Mutter wollte, könnte sie aufhören zu trinken und die Leberzirrhose würde stehen bleiben. Das war bei meinem Vater auch so. Und dem haben sie in der Klinik gesagt, er wäre dem Teufel noch mal von der Schippe gesprungen, ein bisschen länger und er wäre tot gewesen. Aber das war scheinbar noch nicht schlimm genug, denn er hat ja wieder angefangen. Deine Mutter weiß jetzt aber wenigstens, woran sie ist und nur sie allein kann jetzt entscheiden, was sie tut. SIE allein kann etwas tun und sie allein muss die Entscheidung treffen. Du kannst ihr nicht dabei helfen. Wahrscheinlich ruft das in dir jetzt auch wieder Erinnerungen an deinen Vater wach und ich will mir gar nicht vorstellen, wie schlimm das alles für dich gewesen sein muss und wahrscheinlich wieder ist. Ich kann dir nur empfehlen, all das so wenig wie möglich an dich heranzulassen. Kümmere dich um dich selbst, denn die einzige, die etwas gegen ihre Krankheit tun kann, ist deine Mutter.

    Zu deinem Mann. Du hast ja vorher schon mal geschrieben, dass dein Mann für dich zu einer Art Ventil geworden ist. Daran scheitert früher oder später die beste Beziehung. Und auch, wenn ihr euch trennt... irgendwann wirst du doch einen neuen Partner finden und auch der wird sich das nicht ewig geben können. Auch ich habe andauernd mit meinem Freund gestritten, meine Güte, wie oft standen wir schon vor der Trennung? Und warum? Ich wusste es ja selbst nicht mal. Zu Hause war Stress und jede Kleinigkeit von ihm hat dann das Fass zum Überlaufen gebracht. Er konnte gar nichts dafür. Deshalb habe ich Sonntag etwas anderes ausprobiert und es hat geholfen. Ich fing schon wieder an, ihn dumm anzumachen, aber dann habe ich mich einfach mal ein paar Minuten hingelegt, die Augen geschlossen, tief durchgeatmet und mich gefragt, welchen Anteil mein Freund wohl hat. Und dann konnte ich endlich sehen, dass er gar nichts getan hatte. Als ich das erkennen konnte, konnte ich ihm von meinen Problemen daheim erzählen, er verstand mich, nahm mich in den Arm und es wurde noch ein toller Sonntag.

    Etwas anderes wäre es allerdings, wenn dein Mann wirklich alkoholabhängig wäre. Ach herrje, woran erkennt man so was nur? Wie oft habe ich mir diese Frage schon gestellt? Aber rein vom Gefühl her würde ich sagen: Atme ein paar Mal tief durch und mach dir klar, warum du gerade so handelst, warum du mit deinem Mann streitest. Seine schlechte Laune hast du direkt persönlich genommen, dabei war es vielleicht gar nicht so gemeint. Aber solltest du erkennen, dass dein Mann dir wirklich nicht gut tut, ist es etwas anderes. Dann musst du entscheiden, was du tun willst. Allerdings ist bei uns scheinbar doch oft so, dass wir gerade den Menschen, die uns am nahesten sind, die uns verstehen und uns helfen wollen, dass wir diese Menschen verletzen und von uns wegstoßen. Es ist vielleicht schwer, da einen Unterschied zu erkennen, aber wir müssen es versuchen.

    Ich umarme dich, wünsche dir ganz viel Kraft und Mut in allen Bereichen. Ich hoffe, du findest den Weg, der für dich der richtige ist.

    Lieben Gruß,

    Steffi

    Hey Iris!
    Noch mal das mit dem Knall. Menschen, die ein bisschen anders sind, sind doch auch meistens viel interessanter ;-).

    Und es ist völlig in Ordnung, dass du hier nicht so viel Zeit hier im Forum verbringst, wie ich zum Beispiel (meine Güte... ich glaube, ich bin heute schon zum Dritten Mal hier ;) ). Deine Tochter braucht natürlich Zeit mit dir und die solltest du dir auch für sie nehmen. Und natürlich nicht zuletzt die Zeit für dich auch.

    Dass dein Vater jetzt wieder regelmäßiger zum Sozialarbeiter geht und bastelt etc. ist doch schon mal ein gutes Zeichen. Allerdings rate ich ja immer wieder gerne davon ab, sich zu früh wieder Hoffnungen zu machen. Das muss freilich jeder für sich selbst wissen, aber ich kann nur von mir sprechen und ich wurde in der Hinsicht einfach zu oft enttäuscht. Mein Vater hat seinen Suchtberater zum Beispiel in den letzten Wochen einfach nach Strich und Faden belogen. Er hat die Termine zwar immer wahrgenommen, aber nie ein Wort darüber verloren, dass er wieder trinkt. Das mit dem Basteln kenne ich auch. Mein Vater hat in der Klinik auch immer viel gebastelt, ich fand das so toll, die Sachen zu sehen, die mein Vater gemacht hat. Teilweise stehen seine Tonfiguren immer noch auf einem Ehrenplatz im Wohnzimmer. Das sind einfach auch Erinnerungen an eine schöne Zeit. Die wenigen schönen Monate, die wir mit ihm hatten.

    Sich emotional zu entfernen ist doch schon irgendwie das Beste, was man machen kann. Mein Opa kam heute zu mir und meinte "aber er ist doch immer noch dein Vater". Ach, er versteht es leider nicht. Genau genommen ist er zwar mein Vater, aber er ist vielmehr nur Erzeuger und Ernährer als ein richtiger Vater. Ich weiß nicht, wann er mir mal ein richtiger Vater gewesen ist. Und wenn ich mir das alles vor Augen halte und mir sage, dass ich doch eigentlich gar nichts über diesen Mann weiß, dann ist es nicht mehr ganz so schwer, sich von ihm zu distanzieren.

    Ich wünsche dir in jedem Fall viel Erfolg und Glück für alles!

    Ja, das Problem, dass Familienmitglieder, die weiter weg wohnen, das nicht so gut verstehen, kenne ich.
    Meine Tante vertritt manchmal auch Ansichten, die ich nicht verstehen kann. Einfach aus dem Grund, weil sie nicht hier wohnt. Sie ist zwei oder drei Mal im Jahr hier, dann gibt es nie einen richtigen Krach oder irgendetwas Schlimmes, deshalb kann sie sich die Situation auch nicht richtig vorstellen. Aber deshalb sollte deine Schwester da nicht so reagieren und sich über andere Familienmitglieder aufregen. Und wenn sie dann noch nicht mal vernünftig mit sich reden lässt...

    Hey ihr Lieben!

    Danke für eure Antworten. Ja, im Prinzip weiß ich ja auch, dass das ein scheiß Gedanke ist, aber es gibt einfach Tage, da kommt echt alles zusammen. Aber einen kleinen Schritt habe ich schon geschafft. Ich neige dazu, jeden Sonntag Streit mit meinem Freund anzufangen, einfach so. Er kann gar nichts dafür. Auch diesen Sonntag nicht, da war ja ganz offensichtlich mein Vater der Auslöser. Trotzdem hab ich ihn dann wieder dumm angemacht, als ich bei ihm war. Das ist dann allerdings nicht zum Streit eskaliert. Ich hab mir einfach mal ein paar Minuten genommen, mich hingelegt, tief durchgeatmet und mir klar gemacht, dass er nun mal nichts mit meiner Laune zu tun hat. Danach wurde es ein echt schöner Sonntag. Ich mache also Fortschritte ;-).

    Das mit dem allein ausziehen habe ich ja auch schon überlegt. Aber es gibt so viele Dinge, die dann angeschafft werden müssten. Wohngeld würde ich wohl bekommen, mehr Bafög und das Kindergeld. Aber wovon bezahle ich eine Küche, ein Auto (das ich hier definitiv brauche), alles was mit dem Auto zusammenhängt... Auf dem Land wird es einem nicht besonders leicht gemacht. Auf der anderen Seite will ich aber auch nicht hier bleiben...

    Ich warte erst mal das Gespräch heute Abend ab. Mal schauen, wie das funktioniert. Ob es überhaupt etwas wird. Oh, und mein Opa nervt so tierisch. Der kommt dauernd zu mir oder meiner Schwester und stresst rum "Wenn ihr weggeht, dann geh ich hier kaputt!". Schön. Dafür sind wir nur nicht verantwortlich. Mein Opa wohnt halt auch hier im Haus. Aber derjenige, der für ihn verantwortlich ist, ist mein Vater. Aber mein Opa weiß genau, dass er sich überhaupt nicht um ihn kümmert. Aber es war auch die Entscheidung meines Opas, dass ALLEIN mein Vater das Haus bekommt, meine Tante sollte auf ihr Erbe verzichten, und meine Mutter wurde außen vor gelassen, "falls sie sich mal trennt". Also, selbst gewähltes Leid, ich kann mich schließlich nicht auch noch um meinen Opa kümmern. Er tut mir leid, weil er alt ist und das alles nicht mehr verdient hat, aber im Prinzip ist er selbst schuld.

    Ansonsten muss ich wohl endlich mal konsequenter gegenüber meiner Mutter sein. Und das sollte ich auch meiner Schwester sagen, wobei die sich nie traut etwas zu sagen. Das mache ich dann noch eher. Meine Mutter soll einfach aufhören, mit mir ihre Probleme zu besprechen und das wird sie demnächst auch zu hören bekommen. Und wenn sie jetzt wieder genau so inkonsequent handelt wie in den ganzen letzten Jahren, wenn sie meinem Vater doch noch eine Chance gibt (die fünftausend Chancen vorher haben ja nicht gereicht), dann kann sie zusehen, wer sie noch unterstützt. Dann werde ich sie wohl genau so meiden, wie meinen Vater. Dann lebe ich mein eigenes Leben neben ihr, neben meinem Vater. Wenn ich auch nicht ausziehen kann, so hab ich doch zumindest mein Zimmer und es ist meine Entscheidung, wie viel Zeit ich mit meiner Mutter verbringen will.

    Mann, das ist heftig. Und übrigens: Dass deine Mutter immer ein bisschen hinter dir läuft... Macht mein Vater auch immer. Furchtbar. Er ist zwar sowieso etwas langsamer, aber er lässt sich auch irgendwie absichtlich zurückfallen, und es sieht dann so aus, als gehöre er nicht zum Rest der Familie. Komisches Verhalten.
    Na, jedenfalls, zu deinem Vater. Ich kann summerdream da nur zustimmen, der ist jawohl mal eine Nummer zu hart. Warum musst DU immer gleich alles falsch gemacht haben, warum bist DU der Sündenbock? Ich habe mich gerade nur ein bisschen hier durch gelesen, aber ich kann mir trotzdem vorstellen, wie dein Vater hämisch grinsend die E-mail mit der Frage an dich geschickt hat. Irgendwie schon, auch wenn das hart ist.
    Aber im Prinzip ist dein Vater doch ein ganz armes Würstchen (oh je, ich will den echt nicht beleidigen, aber er ist mir irgendwie jetzt schon unsympathisch...). Wenn er nicht damit umgehen kann, dass du einen schönen Tag mit deiner Mutter verbringst (den du dir verdient hast!), dann liegt das Problem bei ihm. Und wenn er dich ständig niedermachen und für alles verantwortlich machen muss, ebenso.
    Wenn dein Vater dich mit so wenig Achtung und Respekt behandelt, sich zwar um dich sorgt, aber dabei immer durchblicken lässt, was für ein kleines Licht du eigentlich bist, dann solltest du echt auf ihn pfeifen! Dann kann ich auch Marina nur zustimmen: Lass deine Gefühle hier raus und zeig ihm die kalte Schulter, stell die Ohren auf Durchzug. JA, du hattest einen schönen Tag mit deiner Mutter, du hast dich gefreut, das hat man doch gemerkt. Bereue es nicht, nur wegen dieser einen Frage oder dem, was dein Vater noch dazu sagen wird. Du musst dich für niemanden deiner Eltern entscheiden.

    Hey!
    Danke für eure lieben Antworten und die Ratschläge.

    Zitat

    Doch wir können nichts anderes tun, als zu versuchen, aus der verzweifelten Hilflosigkeit und Wut das Wort „verzweifelt“ zu streichen und es mit „akzeptiert“ zu ersetzen

    Das hat es schon ziemlich gut getroffen, finde ich. Wenn das nur alles nicht so verdammt schwer wäre. Meine Mutter kommt ja schließlich dauernd an, und will mit mir reden. Ich hab ihr schon ein paar Mal gesagt, dass ich das nicht länger will, aber sie tut es ja trotzdem. Vielleicht muss ich da nur härter gegen angehen. Das Problem ist nur, dass wir ja gewissermaßen immer noch dabei sind, eine Wohnung zu suchen. Dann schauen wir zusammen in die Zeitung, führen Telefonate. Aber findet mal eine vernünftige Mietwohnung fünf Zimmer, Küche, Bad, die dann auch noch für eine alleinerziehende Mutter zu bezahlen ist. Das ist schon heftig. Wir hatten eine top Wohnung in Aussicht, aber das hat sich heute auch zerschlagen. Und solange wir zusammen nach einer Wohnung suchen, muss ich mich ja irgendwie auch weiter mit meiner Mutter auseinandersetzen, die heute hü und morgen hott sagt.
    Gestern hat sie meinen Vater erwischt, wie er an seinem Schreibtisch saß und eine Flasche Wein getrunken hat. Genau wie früher. Jetzt fängt er sogar daheim wieder an. Das ist echt hart. Meine Mutter ist dann wohl voll ausgerastet und hat ihm alles Mögliche an den Kopf geworfen. Aber er will noch eine weitere Chance, er will uns beweisen, dass er es schaffen kann. Aber er schafft es nicht. Das glaube ich nicht mehr. Dazu hat er noch nicht genug gelitten. Wenn wir hier bleiben, wird es einfach nur so weitergehen wie bisher.

    Ich war in der Zeit glücklicherweise bei meinem Freund, ich hatte gestern sowieso mal wieder den absoluten Tiefpunkt. Das habe ich Sonntags sehr oft, warum, weiß ich auch nicht. Aber gestern musste ich dann seit langem wieder mit meinem Vater reden, weil ich sein Auto brauchte. Ich hab genau gemerkt, er hätte alles dafür getan, nur damit ich mit seinem Auto fahren konnte. Und dann tat er mir plötzlich wieder so leid. Solange ich die Fassade aufrecht erhalte und so wenig wie möglich mit ihm zu tun habe, solang kann ich "einfach nur den Säufer" in ihm sehen. Aber dann kommt wieder der Punkt, an dem ich auch meinen Papa sehe. Einen Papa, der früher ein ganz toller Papa war, der ein ganz toller Papa sein könnte. Und das zieht mich einfach wieder voll runter. Er ist dann "noch kurz tanken" gefahren, damit ich das Auto haben konnte, das Tanken dauerte über eine Stunde... Als ich dann im Auto saß, stank es wie in einer Kneipe, mir hat's echt die Luft genommen. Das hat mich noch mehr fertig gemacht und auf dem Heimweg musste ich mich fast zwingen, in den Kurven tatsächlich zu lenken. Manchmal scheint jeder Baum zu sagen "Komm einfach und es ist vorbei".

    Morgen soll es dann so eine Art Krisensitzung mit der ganzen Familie geben. Ich weiß nicht so recht, ob ich das packe. Papa und Alkoholiker sind einfach nicht vereinbar, ohne dass man daran kaputt geht. Ich hasse das. Wirklich. Naja, aber irgendwie muss es weitergehen und es wird weitergehen. Ich habe noch die Hoffnung, dass es besser wird, wenn ich ab Oktober mit dem Studium anfange. Dann muss ich nicht mehr den ganzen Tag daheim verbringen, und hab etwas, auf das ich mich voll konzentrieren kann.

    ARGH! Mein Vater ist echt ein Arschloch. Kaum lässt man die mal einen Samstagmorgen alleine, geht's schon wieder von vorne los. Ich komme heute Mittag nach Hause, da fängt meine Mutter direkt an: "Ach das ist alles so schwer". Scheinbar hat mein Vater heut Morgen Fleisch für das tolle "Sonntagsessen" geholt, außerdem Frühstücksbrötchen, so wie in den letzten Wochen auch. Das hat sie schon gewundert, weil die letzten Tage ja totale Funktstille war. Dann hat er sie auf einmal "gaaaaanz fest" in den Arm genommen, sie war total verwirrt. Sie hat ihm ja auch gesagt, dass wir uns nach Wohnungen umschauen und alles. Er sagt dann auf der einen Seite ganz bockig "Das hatte ich mir schon gedacht. Wenn man da schon drüber nachdenkt, dann macht man es auch irgendwann", aber auf der anderen Seite redet er wieder ganz anders. Und diese Umarmungs-Sache ist doch wieder nur dazu da, um sie SCHON WIEDER einzuwickeln, genau wie es in den ganzen letzten scheiß Jahren war. Ich krieg hier echt noch zu viel. Ich hab meiner Mutter zwar auch genau gesagt, dass er das doch eh wieder nur tut um sie einzuwickeln, damit wir nicht weggehen und ihn komplett finanziell ruinieren. Aber ich weiß nicht so recht, ob sie es einsieht.
    Das Verhältnis zwischen den beiden ist jetzt wieder deutlich besser, ich bin scheinbar die einzige in der Familie, die nicht mit meinem Vater redet und ihn noch spüren lässt, dass nicht einfach so wieder alles gut ist. Und das wird es auch nie sein. Ach, wie blöd kann eine Frau denn sein? Ich HASSE das! Mein Vater ist ein Arschloch und meine Mutter eine naive Kuh, Ende der Geschichte. Und wahrscheinlich wird das jetzt so lang weitergehen, bis wir uns endgültig in den Ruin getrieben haben oder meine Eltern "friedlich" sterben. Mein Vater früher, wahrscheinlich an Leberzirrhose, meine Mutter später.
    Ich hatte neulich einen Traum, in dem mein Vater auch daheim wieder getrunken hat. In dem Traum hab ich was echt Schlimmes zu ihm gesagt: "Weißt du eigentlich wie das ist, wenn man sich vorstellt, sein eigener Vater wäre tot? Und weißt du, was noch viel schlimmer ist? Nicht zu wissen, ob es tatsächlich so schlimm wäre". Das fand ich hart. Aber leider kommen mir solche Gedanken tatsächlich. Grauenhaft. Ich würde ihm nie etwas antun, aber wenn er sich tatsächlich tottrinken würde, dann wäre einfach alles vorbei. Und dann im nächsten Moment schimpfe ich mich selbst wieder für diese Gedanken, weil "man so was ja nicht denkt". Naja, mal sehen, wie sich das alles jetzt weiterentwickelt.

    Danke euch beiden für eure Antworten!

    Ich habe gestern mal kurz mit meinem Bruder geredet. Er ist eigentlich den ganzen Tag immer draußen und spielt Fußball. Wahrscheinlich will er hier in dem Laden einfach nicht bleiben. Kann ich ja auch verstehen. Jedenfalls habe ich dann auch bloß erwischt, als ich gerade auf dem Sprung war. Ich hab ihn nur gefragt, wie es ihm geht und ob er sauer ist. Und was mich am meisten überrascht hat, war, dass er gesagt hat, er wäre sauer auf meinen Vater. Sauer, weil er wieder trinken würde. Es kam mir immer so vor, als ob er sauer auf uns war. Aber gut, ich denke, ich werde meinem Bruder mal einen Brief schreiben. Ich kenne uns beide gut genug, um zu wissen, dass ich mich dann leichter ausdrücken kann (und mir mein Geheule meine Ansprache nicht kaputt macht...), und wahrscheinlich ist es dann auch für ihn leichter, seine Gefühle zuzulassen und darauf einzugehen. In unserer Familie wird komischerweise oft per Brief kommuniziert. Gerade bei schwierigen Themen.
    Glücklicherweise hilft mein Vater mir dabei, meine Mutter zum Ausziehen zu bewegen. Er verhält sich von Grund auf arrogant, die Sucht hat ihn definitiv wieder, er kommt da gar nicht mehr raus. Er kann, glaube ich, gar keinen klaren Gedanken mehr fassen. Er sagt einen Satz, im nächsten widerspricht er sich. Er macht uns nur Vorwürfe, wir wären an allem Schuld, wir wären hinterhältig etc. etc. Ich weiß auch, dass ich das nicht persönlich nehmen muss und das tue ich auch nicht. Er steckt einfach wieder zu tief drin, und ich bestärke meine Mutter einfach nur immer wieder darin, endlich etwas zu unternehmen.
    Krankengymnastik und Massage bekommt meine Schwester auch schon, aber das bringt auch nichts.
    Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende!

    Ja, viel Spaß in Hamburg. Hamburg ist schon eine ganz nette Stadt (und König der Löwen ist toll!!).
    Hm... wenn deine Schwester vier Auto-Stunden von eurem Vater wegwohnt, dann sieht sie ihn wohl wirklich nicht so oft. Bei uns ist das ähnlich. Meine eine Tante wohnt 4-5 Stunden entfernt in Kiel und die andere 4 Stunden weit weg in Ingolstadt. Und ich Depp wohne in der Mitte ;-).
    Deshalb kann ich wohl nachvollziehen, dass deine Schwester dann nicht so oft da ist. Aber trotzdem hat sie kein Recht so daherzureden. Sie kann trotzdem am Wochenende mal kommen, das macht meine Tante ja auch. Warum kommt sie denn nicht mal so ein Wochenende im Monat zu deinem Vater? Warum denn nicht? Wenn sie doch so große Töne spucken kann... Vielleicht kommt sie auch nicht, weil sie genau weiß, was los ist.
    Ich finde, sie macht es sich schon verdammt leicht. Also, ich kann mich summerdream da nur anschließen. Wenn sie das nächste Mal mit so etwas kommt, dann sag ihr klipp und klar, sie solle sich selbst mal mehr kümmern und Punkt!

    Hallo iris!

    Ob man einen Alkoholiker verlassen muss? Ich weiß es nicht und ich denke auch, dass das jeder selbst wissen muss. Eines aber kann ich sagen: Emotional sollte man ihn verlassen. Allein schon deshalb, weil es für einen selbst besser ist, das zu tun. Auf der anderen Seite muss man ihn mit seinem Problem völlig allein lassen, denn damit hilft man ihm am ehesten. Aber natürlich ist es schwer, sich emotional von jemandem zu lösen, so lange man noch verheiratet ist und unter einem Dach wohnt. Also, prinzipiell täte deine Mutter wahrscheinlich schon gut daran, deinen Vater zu verlassen. Sie muss ja auch ihr Leben nicht so "wegwerfen", das sage ich zumindest meiner Mutter immer. Entscheiden kann sie das natürlich nur allein.
    Außerdem wäre es dann auch für dich einfacher. Du könntest deine Mutter besuchen, ohne deinen Vater sehen zu müssen. Ich weiß ja nicht, was du für dich selbst willst, aber es kann nur schaden, wenn man emotional abhängig von einem Alkoholiker ist. Es ist vielleicht hart das einzusehen, aber ein Alkoholiker kann eigentlich niemals ein Vater sein. Ich habe neulich erst in einem Buch gelesen, dass ein Alkoholiker sich eigentlich für nichts anderes interessiert als die nächste Flasche. Und selbst wenn er sich mal um seine Kinder kümmert, dann steht die Flasche doch immer dazwischen. Sein erstrangiges Interesse gilt immer dem Stoff.
    Und du hast definitiv keinen an der Klatsche. Ich habe auch ständig Angst. Ich habe grundsätzlich so ein Angstgefühl im Bauch, das ich selbst nicht näher definieren kann und es ist einfach immer da. Außerdem hab ich die letzten Nächte kaum geschlafen, weil ich totale Dunkelangst habe. Dann hätte wohl doch eher ich einen Knall, oder ;-)?
    Und ebenso wie du bekomme ich auch manchmal Hass auf andere Eltern. Ich verachte glückliche Familien fast schon. Aber ich weiß auch, dass das nur daran liegt, dass ich mich irgendwie ungerecht behandelt fühle. Ich hatte nie die Chance in so einer "perfekten" Familie aufzuwachsen, womit hab ich das verdient? Ich sollte aufhören so zu denken, aber immer wenn ich so eine glückliche Familie sehe, dann denke ich immer nur "Wenn die wüssten...".

    Vielen Dank euch beiden!

    Bei uns gibt es keine SHG für Kinder, selbst die Angehörigengruppe wurde neulich aufgelöst.
    Aber es könnte sein, dass wir uns hier mittlerweile an dem nötigen Tiefpunkt befinden, auch wenn ich mal wieder nicht zu früh anfangen will zu hoffen. Ich habe heute hier ein bisschen aufgeräumt und dabei einige Flaschen Pils gefunden, die niemand von uns getrunken hat. Ich empfinde es schon als eine Beleidiung, dass mein Vater seine leeren Flaschen so auffällig "versteckt". Wir sind ja schließlich nicht blöd. Er merkt auch mittlerweile, dass ich ihn meide, gestern hat er wohl so eine Bemerkung fallen lassen, "gewisse Leute hier würden ihn ignorieren". Wow, na und?!
    Meine Schwester hat mittlerweile seit fast neun Monaten durchgehend Kopfschmerzen, keiner der tausend Ärzte, bei denen wir schon waren, kann ihr helfen, sie muss in der Schule arbeiten schreiben, bekommt das natürlich nicht hin, weil sie nicht lernen kann und sie weint deshalb ständig. Heute Morgen hat sie wohl am Frühstückstisch gesessen und einfach nur geweint. "Ich kann nicht mehr", hat sie gesagt. Ich glaube mittlerweile, dass ihre Kopfschmerzen auch psychisch bedingt sind. Wenn keine Tablette und keine Spritze hilft, dann ist doch irgendwas anderes.
    Hier im Ort gibt es die perfekte Wohnung, die Ende des Monats frei wird. Allerdings ist sie noch ein bisschen teuer. Meine Mutter rechnet aber schon fleißig durch, sie will nächste Woche wahrscheinlich mal zu einem Anwalt, hat außerdem noch einen Termin bei der Eheberatung und informiert sich mittlerweile auch an ihrer Arbeitsstelle über alles. Vorhin hat sie einfach nur im Wohnzimmer gesessen und ganz bitterlich geweint. Ich fand es grausam, sie da so sitzen zu sehen. Und wenn meine Mutter schon für mich nicht ausgezogen ist, dann macht sie es doch zumindest für meine Schwester.
    Nur mein Bruder macht uns allen noch zu schaffen. Er ist gerade erst 14 geworden und scheint noch nicht richtig zu verstehen. Er will nicht ausziehen und er hält eigentlich immer zu meinem Vater. Er redet kaum noch mit uns, ich weiß nicht mal, ob er überhaupt noch viel redet. Irgendwie kümmert sich auch niemand richtig um ihn, weil er noch so an meinem Vater hängt. Aber meinen Vater finde ich in dem Punkt auch richtig widerlich, weil er meinen Bruder da total mit reinzieht. Die beiden machen eben viel zusammen, weil mein Bruder Fußball spielt, und mein Vater trainiert die Jungs mit. Mein Vater erlaubt meinem Bruder mehr (wobei das wahrscheinlich einfach nur mangelndes Interesse ist), er hat jetzt sogar Karten für ein Dortmund-Spiel gekauft. Er kauft meinen Bruder richtiggehend. Und das finde ich widerlich. Deshalb habe ich mir jetzt mal überlegt, mit meinem Bruder zu reden. Wenn er überhaupt noch auf irgendjemanden in der Familie hört, dann wahrscheinlich auf mich. Und selbst wenn ich ihm dann die widerlichsten Wahrheiten überhaupt an den Kopf knallen muss... Ich will hier einfach nur raus. Mittlerweile glaube ich, dass es uns kaum schlechter gehen könnte. Zumindest psychisch.
    Mein Vater unterdessen verschuldet sich immer mehr, er hat schon wieder einen Kreditantrag auf seinem Schreibtisch liegen, obwohl er noch Kredite abbezahlen muss bis er 83 ist. Lustig, so alt wird er nie im Leben. Er hat die Stromrechnug nicht bezahlt und da liegen noch mehr Rechnungen... Egal, ob wir hier bleiben oder gehen, mein Vater wird sowieso vor die Hunde gehen. Aber wenn wir hier bleiben, dann gehen wir mit. Ich kann nur hoffen, dass meine Mutter das auch endlich einsieht.

    Wow, das hilft wirklich, einfach mal alles loszuwerden.

    Hallo iris07!

    Wahrscheinlich ist es sehr hart, deine Tochter von deinem Vater fern zu halten, aber du solltest das auf jeden Fall konsquent durchziehen, finde ich, und dir auch - zumindest fürs Erste - keinen Zeitpunkt vornehmen, an dem du damit aufhören willst.
    Dass dein Vater jetzt zum Sozialarbeiter gehen will, ist vielleicht ein gutes Zeichen, aber aus langjähriger Erfahrung kann ich nur sagen: Fang nicht zu früh an zu hoffen. Ich habe bei meinem Vater die Hoffnung mittlerweile völlig aufgegeben. Er war einfach noch nicht weit genug unten und ich weiß auch nicht, ob er es jemals sein wird. Dich von deinem Vater abzuwenden, ist wahrscheinlich das einzige, was du tun kannst. Wir müssen unsere alkoholkranken Angehörigen allein lassen, um ihnen zu helfen. Das ist sauhart und hört sich komisch an, aber ich denke, so ist es.

    Ach ja, und was wir immer wieder auffällt: Wie viele Leute hier ans Auswandern denken. So nach dem Motto "Möglichst weit weg von Daheim". Ich ebenso.

    Ja, das mit dem Stipendium wäre gar keine schlechte Idee. Dankeschön dafür, das gucke ich mir doch mal an.
    Also, meine Mutter ist absolut co, aber sie versucht auch nicht, etwas daran zu ändern. Sie ist immer noch diejenige, die zu ihm geht, riecht, ob er was getrunken hat, die mit ihm reden will, die irgendwie noch an ein Happy End glaubt, obwohl das so was von unwahrscheinlich ist.
    Gestern Abend war sie schon wieder hier oben bei meiner Schwester und mir und meinte "Aber er riecht nicht nach Bier, wenn, dann hat er Schnaps getrunken" blablabla. Irgendwann habe ich dann mal wieder zu viel gekriegt und ihr gesagt, dass allein die Tatsache, dass wir uns darüber unterhalten, völlig schwachsinnig ist, dass ich davon nichts mehr hören will, und dass wir uns absolut co verhalten.
    Ich hab sie auch schon gefragt, ob sie wüsste, ob es hier irgendwo eine Zweizimmerwohnung oder so was gäb. Aber irgendwie hab ich das Gefühl, sie würd eher mich ausziehen lassen, als selbst zu gehen, so nach dem Motto "Ja, geh du, lebe dein Leben und befreie dich. Ich bleib hier und versumpfe". Ach mann, das ist doch alles so ein Schwachsinn. Aber das versuche ich ihr ja schon seit Jahren klar zu machen.

    Hey Eva!

    Ich denke, was deine Schwester angeht, hast du vollkommen Recht! Vielleicht sollte sie sich einfach mal ein bisschen besser informieren. Ihr könnt nichts daran ändern, dass euer Vater trinkt. Das einzige, was ihr tun könnt, ist euch von ihm zu distanzieren. 1. Damit ihr selbst nicht so fertig seid und 2. damit euer Vater versteht, was er da tut. Falls er es überhaupt versteht. Aber man muss es doch ganz einfach sehen: Er kann eine Familie haben, wenn er nicht trinkt und irgendwo weiß er das wahrscheinlich auch, aber wenn er trinkt, dann entscheidet er sich damit gegen eine Familie. Punkt.
    Wenn deine Schwester seit 3-4 Jahren nicht mehr da war, dann hat sie wahrscheinlich doch eine gewisse Distanz zu deinem Vater und hat leicht reden. Wohnt sie denn weit von ihm weg? Ich habe das noch nicht so ganz verstanden, glaube ich... Jedenfalls sollte man ihr klar machen, dass ihr nicht verantwortlich für euren Vater seid, ihr seid nicht in der Lage, etwas an seiner Situation zu ändern, alles, was ihr tun könnt, ist euch selbst zu schützen. Und wenn er eine Familie, wenn er Töchter haben will, dann muss er sich ändern.

    Ja, gegen solche Leute kann man einfach nichts machen. Ich hab auch oft genug daneben gesessen und betreten zu Boden gestarrt, wenn irgendwelche Leute aus meiner Jahrgangsstufe Witze über Alkoholiker gemacht haben. Aber mittlerweile habe ich einfach gelernt, dass es nicht persönlich ist. Ich wollte ja auch nicht, dass alle betreten zu Boden starren, wenn irgendjemand nur das Wort "Alkoholiker" erwähnt. Es gibt so viele Menschen, die diese Erfahrungen nicht gemacht haben, und sie können froh darüber sein. Allerdings gibt es auch viel zu viele Menschen, die das Gleiche durchgemacht haben wie wir und immer noch durchmachen. Aber leider wird da viel zu wenig für getan, das regt mich einfach immer noch auf. Kein Mensch weiß eigentlich wirklich über Alkoholabhängigkeit etc. Bescheid. Da müsste es viel mehr Aufklärung geben. Alkoholiker sind schließlich eben nicht nur die Penner auf der Straße, sondern vielleicht der Hausarzt, der Professor, der Polizist, der Lehrer, der nette Mann von nebenan oder vielleicht auch man selbst. Aber darüber machen sich die Menschen keine Gedanken, Alkoholiker sind nun mal pfui! Ach je, mit dem Thema hör ich lieber auf, da werde ich viel zu leidenschaftlich und kritisch. Allerdings, wenn man sich dagegen mal die USA anschaut... Da ist es angeblich schon viel weiter, mit dem Erkennen, wie schwer diese Krankheit überhaupt wiegt, nicht nur bei dem Betroffenen, sondern auch bei den Angehörigen. Ich habe mal in der Schule eine Facharbeit über Alkoholabhängigkeit geschrieben und in einem Text wurde gesagt: "Die Co-Abhängigkeit ist im Verein mit der Sucht das größte sozialmedizinische Problem unserer Gesellschaft. Warum kommt das etwa in politischen Programmen oder Wahlkämpfen nicht vor? Leider tun unsere Institutionen fast nichts für die, die oft lange Zeit mehr und schlimmer leiden, als die Suchtkranken selbst, aber aus Scham und Verzweiflung im Dunkeln bleiben, wo man sie nicht sieht".
    Tja, so ist das wohl.

    Ach, meine Mutter... bei der hab ich die Hoffnung ehrlich gesagt schon fast aufgegeben. Seitdem ich zwölf bin und weiß, dass mein Vater Alkoholiker ist, gibt es alle paar Wochen Zoff und sie will ausziehen, macht es dann aber doch nicht. In letzter Zeit hatte es den Anschein, als ob sie es wirklich wollte, guckt in der Zeitung nach Wohnungen und so weiter. Aber jetzt hat sie auf einmal bei Bekannten gefragt, ob wir denn die Essecke bekommen könnten. Allerdings nicht für die neue Wohnung, sondern für das Haus, in dem wir wohnen. Das ist so ein Scheiß, sie sollte sich mal selbst reden hören! Argh... Wie kann man nur so blöd sein? Wie kann man nur sein eigenes Leben so wegschmeißen?
    Der Wiedererkennungswert ist in einem Buch schon mal auf jeden Fall gut, allerdings war das für mich am Anfang schon sehr schwer. Als ich angefangen habe, im Internet ein bisschen zu recherchieren und mich so oft wiedererkannt hab, da hab ich schon oft geheult.
    Naja, eine eigene Wohnung werd ich mir schon mal überlegen, solang ich im Ort bleibe, könnte ich ja immer mal nach Haus kommen und ein Auto benutzen. Aber genau das wollte ich ja eigentlich nicht: nach Hause kommen. Irgendwie fühle ich mich auch gar nicht zu Hause, ich fühle mich hier nicht wohl, ich kann das Haus nicht mal leiden. Ich will ein eigenes zu Hause, einen Schutzraum, nur für mich, in den mein Vater nicht reinkann. Vielleicht sollte ich Lotto spielen und ein Traumhaus gewinnen ;-). Dann will meine Mutter bestimmt mitkommen - aber das kann sie dann vergessen!

    Hey!
    Das ist dann auch immer noch die Höhe, wenn die betrunkenen Väter etwas für einen "regeln" wollen... Es geht einfach zu oft schief. Wenn mein Vater trinkt, vergisst er eh alles. Dann kann ich ihm alles fünf Mal sagen und er vergisst es trotzdem wieder. Deshalb mach ich mir meinen Kram mittlerweile alleine. Als er trocken war, hab ich mir mal ein paar Ratschläge geholt und das war auch alles in Ordnung, aber im Prinzip kann ich mir selbst eher vertrauen. Und da bin ich auch froh drüber, denn seit mein Vater wieder trinkt, hat er scheinbar die beiden Sparbücher meiner Geschwister geplündert. Gut, dass ich meines versteckt habe und er nie alleine an meine Anlagen kommen würde.
    Es ist auch gar nicht so schwer, sich von seinem Vater abzugrenzen, wirklich nicht. Ich meine, mein Vater und ich wohnen im selben Haus und ich hab schon seit letzter Woche nicht mehr wirklich mit ihm geredet. Am Wochenende war er mit meinem Bruder "unterwegs", wir haben uns nicht verabschiedet und als er am Sonntag wiederkam, hab ich ihm nicht "Hallo" gesagt. Ich habe einfach nichts mehr mit ihm zu tun. Bei mir ist es allerdings auch einfach, weil er auch keinen Wert auf Kontakt legt. Er sitzt in seinem "Arbeitszimmer" oder fährt mit dem Auto durch die Gegend.
    Es ist zwar hart, so hart zu sein, aber es tut auch gut. Meine Mutter und meine Schwester kommen immer noch jeden Tag an "Ich glaube, er hat wieder getrunken, du auch?" und ich kann einfach nur sagen "Ich weiß es nicht, ist mir auch egal". Ihr ganzes Denken und Handeln dreht sich noch um ihn. Ich kümmere mich einfach um mein eigenes Leben, damit habe ich genug zu tun. Ich versuche jetzt ernsthaft an meinen Minderwertigkeitsgefühlen und dem ganzen Mist zu arbeiten. Also, wer das auch machen will, dem kann ich das Buch "Gefühle verstehen, Probleme bewältigen" nur empfehlen.
    Und Eva, du kannst dich ärgern wie du willst, darüber, dass dein Vater getrunken hat, sich nicht mal ein bisschen zurückgenommen hat, aber darunter leidest im Endeffekt doch nur du. Vielleicht hat dein Vater ein schlechtes Gewissen deshalb, ich weiß, dass meiner immer eins hatte. Aber wenn er sich zurückhalten würde, dann wäre er in Gedanken trotzdem nicht bei dir. Ein Alkoholiker kann sich schlicht nicht um andere Menschen sorgen oder kümmern, nicht mal um seine Kinder. Die Flasche steht immer dazwischen. Egal, ob er trinkt oder nicht.

    Danke für den Link, die Seite werde ich mir mal genauer anschauen. Ich hatte mal mit einer Freundin, deren Eltern auch trinken, rumgesponnen, wie es wäre, wenn wir zusammen ausziehen würden und daraus ist dann ein recht ernsthafter Plan geworden. Allerdings hat sie gerade erst ihr Zimmer renoviert, und ich denke kaum, dass sie dann ausziehen will. Ich weiß nicht, wie es wäre, allein zu wohnen. Manchmal würde ich schon gern auf eigenen Beinen stehen, eine eigene Wohnung haben, wo mich niemand stört. Daheim zieh ich mich ja doch immer nur in mein Zimmer zurück, halte mich kaum in "Gemeinschaftszimmern" wie Wohnzimmer oder Küche auf, vor allem seitdem mein Vater wieder trinkt. Wenn da nicht die ganzen ABERS wären... Die Wohnung will ja auch erst mal eingerichtet werden, nur von welchem Geld? Außerdem hab ich kein eigenes Auto und das ist hier auf dem Land leider wirklich nötig... Es gibt so viel, das finanziert und überlegt werden müsste. Und da ich nun mal ein Mensch bin, der alles gerne von vornherein überdacht und durchgeplant hat, lass ich das mit der eigenen Wohnung wahrscheinlich eher sein... Außerdem habe ich Angst allein im Dunkeln. Das ist total lächerlich und peinlich, aber es ist so. Neunzehn Jahre alt und Schiss vor der Nacht. Würde mich mal interessieren, woran so was liegt. Vielleicht findet mein Therapeut es ja raus ;-).
    @ summerdream: Die Bücher, von denen du geschrieben hast, kenne ich nicht. Ich hab bisher auch nur sehr wenige Bücher über Alkoholismus gelesen. Aber sag Bescheid, wie du die Bücher fandest, das würde mich mal interessieren. Man sollte sich vielleicht doch mal so eine kleine Bibliothek zu dem Thema zulegen...
    "Seelischen Müll bitte bei mir abladen". Den Zettel kenne ich nur zu gut. Aber ich finde es auch nicht immer schlimm. Für meine beste Freundin bin ich eh immer da, aber das beruht auch auf Gegenseitigkeit. Dann gab es da mal noch eine ehemalige Freundin, mit der ich nie über irgendetwas reden konnte, aber sie hat sich mal einen ganzen Abend lang bei mir ausgeheult. Und mein Freund kann eigentlich auch immer zu mir kommen, wenn er etwas hat, und ich auch zu ihm. Das stört mich eigentlich alles nicht, wobei im Hintergrund auch immer der Gedanke steht "ich muss ihr/ihm helfen. wenn ich ihr/ihm helfen kann, dann mag sie/er mich mehr". schon komisch. die einzige, bei der ich es überhaupt nicht mag, wenn sie mit mir spricht, ist meine mutter. aber das ist ja oft so, dass der nichttrinkende elternteil dann das älteste kind als ersatzpartner benutzt. tja, so war es wohl auch bei mir. irgendwann hab ich nicht mehr zugehört oder bin einfach aus dem zimmer gegangen. ich hab ihr auch mal gesagt, dass sie mich nicht immer zumüllen soll, aber dann ist sie erst mal beleidigt und fängt hinterher doch wieder an sich auszuheulen, mittlerweile auch bei meiner schwester.
    ja, NEIN sagen fällt schon schwer. man muss schließlich alles für die anderen tun, immer da sein, damit sie einen mögen, nicht wahr? so ein unsinn... ich finde es immer wieder grauenhaft, zu merken, was in einem selbst indirekt alles falsch läuft. total bescheuert.

    Hallo erst mal!

    Also, aus Erfahrung kann ich sagen, dass Abgrenzen wirklich gut ist. Es schafft einfach ein bisschen Distanz. Irgendwie ist sie zwar immer noch deine Mutter, aber du bist nicht für sie verantwortlich. Sie ganz allein ist das. Du kannst sie begleiten, falls sie eine Therapie macht, aber du kannst ihr im Prinzip nicht wirklich helfen oder ihr irgendetwas abnehmen. Und das solltest du auch nicht versuchen. Das muss sie ganz allein schaffen. Teilweise hat es den Anschein, als würde deine Mutter dir ein schlechtes Gewissen machen. Da musst du wohl auf stur schalten, denn wie gesagt: Es ist ihr Leben. Das hört sich jetzt vielleicht alles hart an, aber wenigstens ein Weg, um nicht ständig mitzuleiden, du hast schließlich auch ein eigenes Leben.