Beiträge von Steffi1301

    Hallo Elocin!

    Wow! Super, dass du den Schritt jetzt wagst... Das habe ich mir von meiner Mutter immer gewünscht und das wünsche ich mir auch jetzt noch von ihr. Ich bestärke sie ständig darin, endlich etwas zu ändern, angeblich sucht sie auch immer nach Wohnungen, nur ist das bei drei Kindern und einem Halbtagsjob ja auch nicht so leicht.
    Ich habe schon mal jemanden dazu geraten, sich endlich vom Alkoholiker zu trennen und diese Frau sagte dann zu mir, sie könne ja verstehen, wenn ich meinen Vater, den Alkoholiker hassen würde, aber sie könnte nicht verstehen, wie ich einen solchen Hass auf meine Mutter aufbauen konnte. Da wurde mir bewusst, wen ich wirklich verurteilte: Meine Mutter. Weil sie im Prinzip immer die einzige gewesen war, die uns hätte retten können.
    Du sagst, du glaubst, dass dein Sohn dich hast. So, wie ich aus den Beiträgen entnommen habe, ist er dreizehn. Ja, ein schwieriges Alter. Da das bei mir noch gar nicht so lang her ist, kann ich mir vielleicht denken, was er durchmacht. Dreizehn ist für mich in meiner Erinnerung das schlimmste Alter. Da war ich rebellisch, gemein, ich habe alles und jeden verurteilt. Aber ich denke und hoffe, dass dein Sohn jetzt wieder mehr Respekt vor dir hat, weil du den Schritt wagst und ausziehst, ja, ein Stück weit kannst du vielleicht sogar zu einer Heldin für ihn werden. Zumindest könnte ich mir das vorstellen. Und jetzt, wo du dich von deinem alkoholkranken Partner trennst, wirst du wieder mehr Zeit für deine Kinder haben, allein schon in Gedanken. All das werden sie merken und dir hoch anrechnen, da bin ich mir sicher.

    Hallo erst mal!
    Ich bin ja auch relativ neu hier und gucke mich gerade erst mal so um. Aber ich finde es immer wieder spannend, dass es so vielen Menschen geht wie mir. Das allein hilft schon.

    Zitat

    Ich finde es einfach schrecklich, dass man von außen einfach nur zuschauen kann und ihn nicht zwingen kann, eine Entgiftung zu machen.



    Aus Erfahrung kann ich sagen, dass das leider auch nicht hilft. Mein Vater hat zwar nicht wegen uns, seiner Familie, eine Entziehung gemacht, aber er wurde von seinem Arbeitgeber dazu "gezwungen". Am Anfang hatte es auch den Anschein, als ob er all das wirklich wollte und ich glaube, irgendwo tief in ihm drin weiß er auch, dass es richtig war. Er hätte es wahrscheinlich nur nie von sich aus getan. Mittlerweile trinkt er allerdings wieder und an seinen Aussagen merkt man einfach, dass er rein gar nichts verstanden hat. "Niemand hat mir verboten zu trinken". Natürlich hat ihm das niemand verboten, er sollte es sich ja schließlich auch selbst "verbieten". Wie sollte man einem 54-jährigen Mann denn auch etwas verbieten? "Eine Dose Bier geht schon. Das heißt ja nicht, dass ich wieder anfange" und solche Sprüche kommen dann. Das ist Unsinn und vielleicht weiß er das auch, aber jedenfalls hat die Entziehung bei ihm nichts gebracht. Er weiß, dass es bei ihm fünf vor zwölf war, dass er gestorben wäre, wenn er noch etwas weiter getrunken hätte, aber er macht trotzdem weiter. Vielleicht solang, bis er wirklich stirbt. Alle sagen immer, dass ein Alkoholiker total am Boden sein muss, bevor er einsieht, dass er ein Problem hat und bevor die Therapie wirklich etwas bringen kann, und mittlerweile denke ich, dass das stimmt.
    Ein trockener Alkoholiker hat mir mal eine Geschichte erzählt, ich weiß nicht mehr, ob er von sich selbst gesprochen hat, oder von jemand anderem, das tut auch nichts zur Sache. Aber ich finde diese Geschichte doch irgendwie sehr... wie soll ich sagen?... bezeichnend, irgendwie. Jedenfalls dieser Alkoholiker, von dem er erzählt hat, ist eines morgens aufgewacht und das einzige, was er sah, war die Flasche Schnaps und daneben das Telefon. Intuitiv wusste er, dass es seine letzte Flasche sein könnte und er hatte nun die Wahl zwischen Tod und Hilfe holen. Die Flasche hat er dann unabsichtlich umgestoßen, so dass ihm nur noch das Telefon blieb.

    Die Einstellung deines Vaters gegenüber Psychologen kenne ich nur zu gut von meinem Vater. Psychologen sind doch alles Quacksalber, die haben selber einen an der Waffel. Das ist seine Einstellung. Er konnte nie Vertrauen zu seinen Therapeuten aufbauen, seinen Suchtberater bei der Diakonie belügt er von hinten bis vorne... Irgendwie glaube ich, dass Psychologen für ihn keine richtigen Menschen sind, keine gleichwertigen Gesprächspartner, denen man mit Respekt begegnen sollte. Das sind alles Dummschwätzer und fertig.
    Ich weiß, wie hart es ist, nur zusehen zu können. Ich liebe meine Vater ja auch irgendwo und ich will auch nicht, dass er sich totsäuft. Aber ich kann nichts daran ändern. Ich bin in erster Linie verantwortlich für mich und für meine eigene Gesundheit. Sollte mein Vater irgendwann am Alkohol sterben, dann ist das schlimm, aber es war SEIN Leben, SEINE "Wahl". Daran bin ich nicht schuld, daran kann ich nichts ändern. Das kann doch immer nur er selbst. Also, denke ich für mich, dass es das Beste ist, zumindest emotional Abstand zum Alkoholiker aufzubauen, noch besser ist dabei der räumliche Abstand, weil das wahrscheinlich auch hilft, emotional loszukommen. Da ich momentan für mich keine Möglichkeit sehe, auszuziehen, versuche ich einfach, meinem Vater aus dem Weg zu gehen, ihm so selten wie möglich zu begegnen. Und das ist auch gar nicht so schwer, weil mein Vater eh immer "unterwegs" ist, "länger arbeitet" und so weiter. Ich mache es einfach so, wie die ganzen Jahre vorher auch. Und ich kann nur hoffen, dass ich aufhöre zu hoffen. Denn dann muss ich auch nicht mehr enttäuscht werden.
    Ich habe jetzt ziemlich viel von mir selbst geschrieben, aber ich hoffe, dass es vielleicht trotzdem etwas hilft.

    So, ich hatte heute meine Probetherapiesitzung, war auch eigentlich ganz in Ordnung. Immerhin habe ich erfahren, dass ich unter Depressionen leide und ich werde dann eine sogenannte "kognitive Verhaltenstherapie" machen. Als ich das gerade nachgeschlagen habe, habe ich gemerkt, dass ich das auch schon kenne. Ich habe mich mal intensiv mit einem Buch beschäftigt, das mein Vater aus der Therapie mitgebracht hat. Es heißt "Gefühle erkennen, Probleme bewältigen", und ich denke, es wird jetzt wohl wieder einen Platz auf meinem Nachttisch finden. Mein Vater braucht es ja sowieso nicht, aber ich möchte ja auch neben den Sitzungen an mir arbeiten. Ich hoffe, dass es tatsächlich funktioniert.
    Ich würd auch schon gerne von zu Hause ausziehen, allein deshalb, damit ich erst gar nicht mehr in Versuchung komme, mit meinem Vater zu reden. Aber irgendwie hoffe ich ja auch immer noch darauf, dass meine Mutter sich endlich mal aufrafft und auf der anderen Seite weiß ich gar nicht, wie ich mir das alles finanzieren sollte. Klar würde ich dann mehr BaFöG bekommen, aber prinzipiell wäre mein Vater ja immer noch unterhaltspflichtig, aber der verschuldet sich ja immer nur weiter.
    Und, summerdream, ich finde es gar nicht zu hart ausgedrückt, wenn man sagt, dass man seine Eltern irgendwo hasst. Bei mir war es jedenfalls immer so. Für mich war mein Vater zwei verschiedene Menschen: Mein Papa, den ich ja lieb hatte und der Alkoholiker, den ich gehasst habe.
    Aber es ist so toll, wenn der Trinker auf einmal trocken ist, oder? Ich hatte endlich einen Vater, das war echt klasse. Und wir haben Dinge unternommen, jeden Morgen zusammen gefrühstückt, es war einfach alles toll. Und jetzt ist wieder alles kaputt und das nagende Gefühl im Bauch, die Angst, ist zurück an ihrem gewohnten Platz.
    Aber das Buch wird schon nach Deutschland geliefert und bei der Bestellung kann man auch die Währung aussuchen, also das geht schon alles. Nur das mit der Widmung könnte natürlich ein Problem werden, ich kann ja nicht eben mal zu dir kommen und mein Namen reinfratzeln. Außerdem käme ich mir dabei wahrscheinlich blöd vor. Ach, hast du mal das Buch "Familienkrankheit Alkoholismus" gelesen? Das ist echt empfehlenswert. Das sagt jeder und deshalb habe ich mir das auch eigentlich erst gekauft, aber das ist wirklich richtig gut.
    Und danke, Eva, dass du mich darin bestärkt hast, eine Therapie zu machen. Ich habe gestern in der Praxis angerufen und der Therapeut wollte mich eigentlich erst auf eine Warteliste setzen, aber ich hab ihm gleich gesagt "ich fange im Oktober mein Studium an und ich weiß, dass ich die Therapie dann bestimmt wieder hinten runter fallen lasse". Dann denke ich wieder "ach, das schaffst du schon alleine", aber das stimmt nicht. Das habe ich lang genug gedacht und mich kurze Zeit später trotzdem wieder einsam, klein und hässlich gefühlt. Aber jetzt will ich die Dinge wirklich in Angriff nehmen. Es kann doch nicht sein, dass mein Vater bzw. seine Alkoholabhängigkeit, mich für den Rest meines Lebens "verschissen" haben.

    Hey!
    Danke für die Antwort. Ich finde es wirklich wahnsinnig toll, dass es so viele Menschen gibt, denen es wie mir geht. Das baut einen doch gleich ein wenig auf. Aber was tut ihr gegen all das? Gegen die sinnlosen Streits und die Minderwertigkeitsgefühle? Naja, ich war gestern jedenfalls beim Hausarzt und habe mir eine Überweisung zum Psychotherapeuten geholt. Natürlich hab ich beim Hausarzt fast wieder losgeheult. Schrecklich. Dabei hatte ich mir doch genau zurechtgelegt, was ich sagen wollte... Aber jetzt weiß der wenigstens auch, dass mein Vater eben nicht trocken ist.
    Und heute kommt meine Mutter an und erzählt mir ganz verwundert, dass mein Vater sie in den Arm genommen und ihr nen Kuss gegeben hat. Und natürlich konnte sie nicht verbergen, wie toll sie das fand. Ja, okay, ich verstehe sie ja, aber das ist doch Unsinn! Das macht er einmal in drei Monaten, nur damit wir nicht gehen. Weil er genau weiß, dass er dann finanziell am Ende ist und das Haus sowieso abgeben kann... Mann, mann, mann. Wie kann man nur so blind sein?
    Aber irgendwie ist es halt auch schade. Mein Vater könnt so toll sein, wenn er nicht trinken würde. Die letzten Monate, in denen er wirklich trocken war, waren der Wahnsinn, ich hatte einen Vater!!! Und er weiß, dass ich gerne Kreuzworträtsel löse und dann hat er mir gestern eines gegeben und gesagt, ich solle die Lösung schnell rausbekommen. Also, hab ich ihm nen Zettel geschrieben, wo die Lösung draufstand und heut Morgen liegt ein Zettel auf meinem Frühstücksbrettchen "Schätzchen, das hast du super gemacht!". Und dann denk ich auf der einen Seite "Ich bin nicht dein verdammtes Schätzchen!", und auf der anderen Seite gefällt's mir auch wieder. Ich versuche war, wenig mit ihm zu tun zu haben, aber es fällt auch schwer, vor allem nach der schönen Zeit.
    Naja, also zu meinem Buch. Ich hab mich für keinen Verlag entschieden, sondern für Eigenverlag. Es gab zwar einige interessierte Verlage, aber die wollten alle einen Zuschuss haben, oder sollte eine bestimmte Zahl an Exemplaren abnehmen etc. Und ich bin ja nun mal kein Kind reicher Eltern ;-). Die großen Verlage interessieren sich meist eh erst für ein Buch, wenn es auch wirklich schon als Buch erhältlich ist, da hoff ich jetzt noch ein bisschen drauf. Jedenfalls heißt es "Flaschenkind - Wenn Papi säuft..." und ist bisher nur bei lulu.com erhältlich.

    Also, ich bin 19 und wohne noch daheim, das wird sich wohl in nächster Zeit auhc nicht ändern.
    Ich habe mich schon länger mit dem Thema beschäftigt, hab in der Schule meine Facharbeit über das Thema geschrieben, eben weil es mich interessiert hat.
    Meine Mutter ist bezüglich meines Vaters einfach viel zu naiv. Sie versucht dauernd auf ihn zuzugehen, mit ihm zu reden, ihn doch noch zu irgendetwas zu bewegen etc. etc. Momentan ist sie allerdings auch ein bisschen auf Distanz gegangen, vielleicht weil ich ihr immer wieder gesagt habe, wie sehr sie selbst sich damit wahrscheinlich verletzt und wie naiv es von ihr ist, zu glauben, er könne sich ändern. Mal sehen, wie lange der Zustand jetzt anhält. Es war in den letzten Jahren ja doch immer das gleiche. Mein Vater trank und trank und trank, irgendwann ist dann irgendetwas "Schlimmeres" passiert (Beschimpfungen, Sparbuch plündern usw.), es gab einen mords Streit, meine Mutter wollte Ausziehen blablabla, und nach zwei oder drei Tagen wurde dann alles wieder unter den Teppich gekehrt, heile Welt mit Eierkuchen.
    Dass ich mich jetzt dazu entschlossen habe, aktiv zu werden, was mich selbst betrifft, liegt schlicht daran, dass ich anhand des Schreibens bemerkt habe, dass ich allein nicht damit fertig werde und dass ich Hilfe brauche. Außerdem lese ich momentan "Familienkrankheit Alkoholabhängigkeit" und das öffnet einem nun mal wirklich die Augen. Ich will es einfach nicht hinnehmen, dass mein Vater und seine Sucht mein Leben so beeinflussen. Ich bin schließlich immer noch ein selbstbestimmter Mensch...

    Hey!
    Nachdem ich mich schon mal im Vorstellungsbereich vorgestellt hab, hier mehr zu mir.
    Mein Vater trinkt. Ich weiß nicht, wie lange schon, wahrscheinlich schon eine halbe Ewigkeit, mit elf oder zwölf habe ich das erst begriffen.
    Er hat auch vier Monate Therapie gemacht, aber hatte mittlerweile zwei "Rückfälle", wobei ich nicht weiß, ob ich es so nennen soll, weil ich eher das Gefühl hatte, er fängt wieder an. Ob er jetzt noch trinkt, weiß ich nicht, weil ich mich von ihm distanziere. Das ist wahrscheinlich auch das Beste, was ich machen kann. Da sich meine Mutter nun mal nicht von ihm trennt, versuche ich mich wenigstens ein bisschen abzugrenzen. Ich rede ihr zwar auch die ganze Zeit ein, dass wir endlich gehen müssen und im Prinzip sieht sie auch ein, dass ich Recht habe, aber irgendwie... man kennt das ja. Sie hofft weiterhin und manchmal raste ich dann auch schon mal aus.
    Vor ein paar Tagen hat sie mal zu mir gesagt "Ja, wenn dem Papa doch was daran liegen würde, dass wir hierblieben, dann könnte er doch mal mit uns reden, oder mich noch mal in den Arm nehmen..." blabla. Da bin ich böse geworden und hab ihr gesagt, dass es Schwachsinn ist, auf so etwas zu hoffen, weil ihre Ehe nun mal kaputt ist und mein Vater ein Säufer. Aber aus irgendeinem Grund hängt sie eben immer noch an ihm.
    Aber ich hab mich jetzt endlich dazu entschieden, einen Therapeuten zu suchen. Ich merke einfach, dass ich insgesamt noch viel zu abhängig von meinem Vater und seiner Abhängigkeit bin und das will ich nicht länger sein.
    Außerdem hab ich wahrscheinlich den ein oder anderen "Knacks" davongetragen, der mich in meinem Leben beeinträchtigt. Ich merke zum Beispiel, dass ich so oft Streit mit meinem Freund habe und nicht mal genau weiß, warum eigentlich. Irgendwann merke ich dann, dass es an mir liegt. Ich bin eifersüchtig, weil ich mich dauernd minderwertig fühle, die anderen Mädchen sind ja doch immer besser als ich , und wenn auch nur, weil sie keinen Alkoholkranken in der Familie haben und nicht so viele Probleme haben wie ich. Ich kann ihm einfach nicht wirklich vertrauen, ich kann ihn nicht trinken sehen und ich fühle mich dauernd einsam, obwohl ich es nicht bin. Also warum sollte ich das weiterhin einfach akzeptieren und mit mir herumtragen, anstatt daran zu arbeiten? Ich hoffe nur, dass es etwas hilft.