Hallo erst mal!
Ich bin ja auch relativ neu hier und gucke mich gerade erst mal so um. Aber ich finde es immer wieder spannend, dass es so vielen Menschen geht wie mir. Das allein hilft schon.
Zitat
Ich finde es einfach schrecklich, dass man von außen einfach nur zuschauen kann und ihn nicht zwingen kann, eine Entgiftung zu machen.
Aus Erfahrung kann ich sagen, dass das leider auch nicht hilft. Mein Vater hat zwar nicht wegen uns, seiner Familie, eine Entziehung gemacht, aber er wurde von seinem Arbeitgeber dazu "gezwungen". Am Anfang hatte es auch den Anschein, als ob er all das wirklich wollte und ich glaube, irgendwo tief in ihm drin weiß er auch, dass es richtig war. Er hätte es wahrscheinlich nur nie von sich aus getan. Mittlerweile trinkt er allerdings wieder und an seinen Aussagen merkt man einfach, dass er rein gar nichts verstanden hat. "Niemand hat mir verboten zu trinken". Natürlich hat ihm das niemand verboten, er sollte es sich ja schließlich auch selbst "verbieten". Wie sollte man einem 54-jährigen Mann denn auch etwas verbieten? "Eine Dose Bier geht schon. Das heißt ja nicht, dass ich wieder anfange" und solche Sprüche kommen dann. Das ist Unsinn und vielleicht weiß er das auch, aber jedenfalls hat die Entziehung bei ihm nichts gebracht. Er weiß, dass es bei ihm fünf vor zwölf war, dass er gestorben wäre, wenn er noch etwas weiter getrunken hätte, aber er macht trotzdem weiter. Vielleicht solang, bis er wirklich stirbt. Alle sagen immer, dass ein Alkoholiker total am Boden sein muss, bevor er einsieht, dass er ein Problem hat und bevor die Therapie wirklich etwas bringen kann, und mittlerweile denke ich, dass das stimmt.
Ein trockener Alkoholiker hat mir mal eine Geschichte erzählt, ich weiß nicht mehr, ob er von sich selbst gesprochen hat, oder von jemand anderem, das tut auch nichts zur Sache. Aber ich finde diese Geschichte doch irgendwie sehr... wie soll ich sagen?... bezeichnend, irgendwie. Jedenfalls dieser Alkoholiker, von dem er erzählt hat, ist eines morgens aufgewacht und das einzige, was er sah, war die Flasche Schnaps und daneben das Telefon. Intuitiv wusste er, dass es seine letzte Flasche sein könnte und er hatte nun die Wahl zwischen Tod und Hilfe holen. Die Flasche hat er dann unabsichtlich umgestoßen, so dass ihm nur noch das Telefon blieb.
Die Einstellung deines Vaters gegenüber Psychologen kenne ich nur zu gut von meinem Vater. Psychologen sind doch alles Quacksalber, die haben selber einen an der Waffel. Das ist seine Einstellung. Er konnte nie Vertrauen zu seinen Therapeuten aufbauen, seinen Suchtberater bei der Diakonie belügt er von hinten bis vorne... Irgendwie glaube ich, dass Psychologen für ihn keine richtigen Menschen sind, keine gleichwertigen Gesprächspartner, denen man mit Respekt begegnen sollte. Das sind alles Dummschwätzer und fertig.
Ich weiß, wie hart es ist, nur zusehen zu können. Ich liebe meine Vater ja auch irgendwo und ich will auch nicht, dass er sich totsäuft. Aber ich kann nichts daran ändern. Ich bin in erster Linie verantwortlich für mich und für meine eigene Gesundheit. Sollte mein Vater irgendwann am Alkohol sterben, dann ist das schlimm, aber es war SEIN Leben, SEINE "Wahl". Daran bin ich nicht schuld, daran kann ich nichts ändern. Das kann doch immer nur er selbst. Also, denke ich für mich, dass es das Beste ist, zumindest emotional Abstand zum Alkoholiker aufzubauen, noch besser ist dabei der räumliche Abstand, weil das wahrscheinlich auch hilft, emotional loszukommen. Da ich momentan für mich keine Möglichkeit sehe, auszuziehen, versuche ich einfach, meinem Vater aus dem Weg zu gehen, ihm so selten wie möglich zu begegnen. Und das ist auch gar nicht so schwer, weil mein Vater eh immer "unterwegs" ist, "länger arbeitet" und so weiter. Ich mache es einfach so, wie die ganzen Jahre vorher auch. Und ich kann nur hoffen, dass ich aufhöre zu hoffen. Denn dann muss ich auch nicht mehr enttäuscht werden.
Ich habe jetzt ziemlich viel von mir selbst geschrieben, aber ich hoffe, dass es vielleicht trotzdem etwas hilft.