Ich weiß ich wiederhole mich, aber die Anzahl der Hallo`s , die ich beinahe jeden Tag habe nimmt nicht mehr ab.
Es ist als würde ich in der fremde wandern, jede Minute neue Eindrücke, manchmal will ich mich setzten, die Augen schließen und so tun als wäre alles gut, als währe ich wieder in meinem alten leben.
Doch dann geht es weiter und weiter.
Die Reise zum Zentrum des Alkohols und zu meiner Frau ist längst eine Reise zu mir selber geworden.
Ihr werdet es nicht glauben aber erst jetzt nach dem ich 42 Jahre alt geworden bin, und meine Mutter schon seit 16 Jahren tot ist. Beschäftige ich mich mit ihrer Trunksucht, wie es war wenn sie besoffen unter dem Weihnachtsbaum gelegen hat. Vieles habe ich vergessen, manches kommt erst nach und nach wieder. Unglaubliches hat sich damals abgespielt, schmerzhaftes, traumatisierendes, zu viel für ein Kind bzw. eines heranwachsenden.
Immer und immer wieder habe ich gedacht was für eine arme Frau, sie doch war, so allein mit mir als Kind ohne Vater die ganze Verantwortung für mich. Schuldgefühle, das Gefühl des Komplizen, die Sucht der Mutter verheimlichen zu müssen. Ich kann mich noch genau erinnern, wie sehr ich mich geschämt habe, wenn sie besoffen war. Einmal das sie ein Junge aus der Nachbarschaft nachhause bringen musste, weil sie besoffen auf der Wiese vor unserm Haus lag. Welche Ängste ich hatte wenn sie frei hatte und ich von der Schule kam, wusste nicht wie betrunken, sie heute sein würde. Es fällt mir schwer ihr heute dafür keine Vorwürfe zumachen. Sie ist tot und ich habe sie geliebt. Wie ein Junge seine Mutter liebt. Aber was hat sie mir damals angetan? Herrgott!
Jetzt sehe ich die ganze Scheiße.
In Wahrheit hat sie ihren ganzen Sauffrust bei mir abgeladen, mein Vater war tot, also habe ich mich schon in die Rolle des Co-Alkoholikers reinwachsen lassen. Ein Ersatz Partner zur Systembefriedigung.
Als Kind hat man keine Chance sich der ganzen Scheiße zu entziehen. Es gibt Kindheitserlebnisse, die würde ich heute als emotionale Vergewaltigung bezeichnen. Ein Junge, der mit 10 Jahren versucht hat das sinkende Boot seine Spiegeltrinkenden Mutter zu retten. Es hat etwas süsses und scheinbar lächerliches. Auf jeden Fall etwas auswegloses.
Jetzt, auch wo ich das gerade hier schreibe, wird mir klarer, dass ich zum Co erzogen wurde oder eher vergewaltigt wurde.
Es war für mich lange Zeit eine Ironie des Schicksals, dass meine Frau genauso säuft wie meine Mutter es tat. Das ich die gleichen Emotionalen Verstrickungen erlebe, wie ich es als Kind tat. Ich sah es als Schicksal an, als Lebensaufgabe Alki`s unter die arme zugreifen.
Wie soll man den, als Erwachsener mit so einer Kindheit, sich normal verhalten?
Ich stelle fest, ich erkenne die ersten Ursachen meiner Krankheit, die ich selber erst vor ein paar Wochen kennen gelernt habe.
Freunde ihr im Forum
Ich danke euch für die gegenseitige Therapie, ich weiß ich schreibe manchmal etwas Quer, und oft gehe ich auch wieder Schritte zurück. Aber glaubt mir ich lerne jeden Tag, den Typen mehr kennen, der sich scheinbar zufällig den Namen Innocent (unschuldig, ahnungslos) gab. Jetzt weiß ich es gibt wohl keine Zufälle.
Danke für´s lesen!