Beiträge von JoeDoe

    Hallo Lori,

    noch einmal einige Gedanken von mir.

    Zitat

    Ich habe mir noch keine Gedanken gemacht wann ich mich wo outen muss,da ich mich zur Zeit nur zu Hause verstecke.


    Also irgendwann magst Du ja sicher auch aus Deinem ‚Versteck’ heraus kommen wollen. Wenn Du Dich dann wieder mehr unter die Menschen wagst (Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das im Moment bei Dir vielleicht noch wahnsinnig weit weg erscheint), dann ist es vor Allem wichtig, dass DU DICH bei DIR selbst outest. Oder lass es mich anders sagen: Du musst Deine (unsere) Krankheit für Dich ganz selbstverständlich annehmen und das völlig unabhängig davon, ob andere Menschen Dich deshalb jetzt in eine Schublade stecken, oder eben nicht. Aus diesem Gefühl der Selbstverständlichkeit wirst Du dann auch lernen, wann und bei wem Du Dich outen musst, denn dann hast Du auch verstanden, dass es dabei nicht darum geht, bei anderen Leuten in Schubladen zu fallen, sondern um den Erhalt Deiner Gesundheit und Zufriedenheit.

    Vielleicht noch als kleiner Tipp: Sag doch einfach: ‚Ich bin alkoholkrank’. Damit kannst Du Dich genau so gut offenbaren und Du vermeidest das böse A-Wort. Mit der Zeit wirst Du ohnehin einen immer gelasseneren Bezug zum Thema haben, aber anfangen musst Du natürlich irgendwann :wink: .

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Hartmut,

    ich selbst bin ja noch weit vom Status eines 'LZT' entfernt, daher an dieser Stelle auch nur meinen herzlichen Glückwunsch zu Deinem ersten Jahr! Auf das es der Anfang einer langen und schönen Reise durch Dein Leben sein möge!

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Lori,

    Thema Outing beim Zahnarzt, nur mal so zum Nachdenken:

    Ich habe mich ganz am Anfang meiner Abstinenz auch ein wenig davor gewunden, mich als Alkoholiker zu enttarnen, aber mit der Zeit ist mein Verhältnis dazu immer gelassener geworden. Letztendlich war diese ‚Scham’ ein Relikt meiner alten (nassen) Denkmuster:

    Keiner darf etwas mitbekommen!
    Niemand darf meinen wahren Alkoholkonsum kennen!
    Alles schön verstecken!

    Und da schwebte bei aller Einsicht meinerseits natürlich diese trügerische Hoffnung mit, dass es ja vielleicht doch nicht so schlimm war, dass ich ja vielleicht doch wieder mal ‚normal’ trinken könnte (und vielleicht ‚mal’ auch etwas mehr :roll:). Wie peinlich wäre es dann wohl, wenn ich mit einem Glas Bier in der Hand vor all meinen Freunden sitzen würde und vorher so ein Tamtam von wegen Alkoholiker gemacht hätte.

    Am Ende bekommt es sowieso jeder mit, ob Du nun willst, oder nicht. Ich bin mir z.B. sehr sicher, dass viele Kassierer/Innen in den lokalen Supermärkten sehr wohl bemerkt haben, dass ich früher immer mit einem Kasten Bier aus dem Laden gewandert bin, heute aber gar nicht mehr. Und dort habe ich nun wirklich nicht das Gespräch gesucht :wink:.

    Sieh das ‚Outing’ doch als Übung für folgende Gespräche und auch als kleinen Beweis Deiner Ernsthaftigkeit (Dir selbst gegenüber!).

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Plejaden,

    ja, die Situation im Bus ist irgendwie recht ähnlich – wobei ich hier bei mir natürlich nicht die Blicke der Massen auf mich gezogen habe :wink: .

    Aber dazu kommt noch etwas ganz anderes: Ich werde mir meiner Kompetenzen und Fähigkeiten immer sicherer bewusst und lasse mich nicht aus dem Konzept bringen, wenn irgendjemand meint, diese anzweifeln zu müssen/wollen/dürfen. Hier lag (und liegt) wohl auch eine meiner umfangreichsten Baustellen: Das Ablegen von allzu perfektionistischen Zielvorstellungen in meinem Handeln und vor Allem: Die Einsicht, das andere Menschen in ihrem Tun genauso weit von der absoluten Fehlerfreiheit entfernt sind. Alkohol mit der trügerischen Wirkung eines gestärkten Selbstbewusstseins wirkt bei einer solchen Aufgabe natürlich völlig kontraproduktiv!

    Tja, hätte ich mal früher gewusst, dass ich einfach ‚nur’ mit dem Trinken aufhören muss, um einige meiner Knoten zu lösen … nun ja, hab ich aber nicht und auch das ist völlig in Ordnung :wink: .

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Plejaden,

    freu mich, dass Du einen Raum gefunden hast, um an Deinen Defiziten zu arbeiten :D. Nein sagen zu können ist eine positive, weil Dich unter Umständen vor Schaden bewahrende Fähigkeit! Nicht umsonst liest man hier im Forum immer wieder von dieser Problematik.

    Aber nicht vergessen: WoW ist nur ein Übungsplatz, nicht den Transfer Deiner Fähigkeiten in die Wirklichkeit versäumen :wink: .

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo zusammen!

    Plejaden :

    Zitat von Plejaden

    Eine Bekannte wollte einen kleinen Mischlingshund aus dem Tierheim adoptieren, ...


    Genau in diesem Satz spiegelt sich bereits die etwas quere Sicht so manch eines Tierschützers: Kinder kann man adoptieren, aber keine Tiere! Auch wenn man mit einem Tier (in diesem Falle einem Gebraushund aus einer Arbeitslinie) viel Verantwortung übernimmt, so handelt es sich dann doch immer noch um zwei unterschiedliche Paar Schuh, ob ich jetzt einen Menschen oder ein Tier in meine Obhut nehme. Wenn dann auch noch die ‚Liebe des Hundes zu seinem Herrchen/Frauchen’ mit ins Spiel kommt :roll: … Da hilft auch der größte Garten nichts, wenn der Hund vermenschlicht wird.

    Na ja, eigentlich ein völlig anderes Thema, aber in Bezug auf das eigene Selbstbild und die eigene Selbstsicherheit auch wieder ganz interessant: Ich muss mich auf meinem Weg durchs Leben nicht verbiegen und den Wertvorstellungen anderer Menschen gerecht werden. Am obigen Beispiel bedeutet das, dass ich davon überzeugt bin, dass wir diesem Tier ein sehr gutes Leben mit entsprechender Auslastung hätten bieten können. Da gibt es keine Frage und diese Information wurden auch an die gute Dame vom 'Tierschutz' weitergeleitet. Wenn ich dann trotzdem Kindergartenfragen beantworten soll, um meine Tauglichkeit unter Beweis zu stellen, dann wird mir die Sache einfach zu dumm. Vor einem Jahr hätte ich die Schuld/den Fehler bei mir gesucht, weil ich gar kein klares Selbstbild von mir hatte. Das ist jetzt anders und vor Allem: Das ist gut so!

    Whatever! Werde mich jetzt unter die Dusch schwingen und Abendessen vorbereiten. Habe morgen ein Gespräch für ein mögliches Praktikum, mal gucken!

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo susi,

    nein, es heißt: Ein Alkoholiker ist ein Alkoholiker und bleibt ein Alkoholiker – für immer!

    Zum Trockenwerden gehört es eben auch, die eigene Freizeitgestaltung am alkoholfreien Lebensstil auszurichten. Wenn man sich also am späten Samstag Abend auf dem dörflichen Schützenfest befindet, dann ist man sicher am falschen Ort. Genau so sieht das mit der Fußballkneipe am Eck aus.

    Aber glaube mir: Es gibt genügend Menschen, die auch keinen Alkohol trinken, obwohl sie nie Alkoholiker waren. Und diese Menschen meiden solche Veranstaltungen und Orte auch ganz intuitiv, weil sie nicht von dem besoffenen Gelalle der Trinkgesellschaft belästigt werden wollen. Aber das bedeutet nicht, dass sie sich jetzt alle im stillen Kämmerlein verstecken. Das überall Alkohol getrunken wird, ist am Ende nur eine (der eigenen Sucht Nahrung verschaffende) Illusion.

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo miteinander!

    Wieder ist eine Woche ins Land gegangen und auch wenn sich wenig Berichtenswertes ereignet hat, mag ich doch mal wieder ein paar kleine Zeilen hier liegen lassen :wink:

    Die letzten Tage waren geprägt durch mannigfaltige Renovier- und Umgestaltungsarbeiten in unserer Wohnung. Da sich unsere finanzielle Situation weiter auf einem erbärmlichen Niveau hält, wird sich ein Umzug in eine größere Bleibe wohl noch einige Tage hinziehen und daher gilt es, das Beste aus der aktuellen Situation zu machen. Insgesamt bin ich recht zufrieden mit dem verbrachten Werk: Der Fußboden ist wieder auf Vordermann, die Wände frisch gestrichen, eine Menge alter Sch### hat seinen Weg zu neuen Besitzern oder in die lokalen Entsorgungsbetriebe gefunden und auch das Mobiliar haben wir in eine deutlich vorteilhaftere Anordnung gebracht. So kann man sich (zumindest für die nächste Zeit) wieder etwas wohler fühlen. Ein kleines Goodie verbarg sich dann auch noch in einer Ecke des Dachbodens: 3,10 Euro in Form einer mit 20 braunen Flaschen gefüllten Plastikkiste. Nun ja, ein emotionales Feuerwerk hat dieser Fund jetzt nicht mehr ausgelöst – vor einigen Monaten hätte sich mein Hirn sicher stundenlang mit dem Thema beschäftigt und alle möglichen Gefühlslagen hervorgezaubert, die eine sinnvolle Gestaltung meines Tagwerkes sicher kaum positiv unterstützt hätten. Heuer war ich zwar schon ein wenig überrascht, aber viel mehr als die Freude über das unerwartete Pfandgeld überkam mich nicht. Ich deute dies mal als ein gutes Zeichen auf meinem Weg.

    Ansonsten habe ich mich weiter über die schon im letzten Post kurz erwähnten ‚Tierschützer’ aufregen dürfen. Ohne das jetzt zu tief auszuführen, mal der kurze Hintergrund: Vor einiger Zeit sind wir durch eine Bekannte auf ein Tier (genauer gesagt: einen Hund) aufmerksam gemacht worden, der im südlichen Ausland seinem irdischen Ende entgegen sah (In einigen Ländern ist es leider üblich, Tiere nach einiger Zeit ohne Vermittlungserfolg zu töten). Da es sich um einen Gebrauchshund handelt, ist es durchaus schwierig, kompetente Besitzer für ein solches Tier zu finden. Das weiß ich, das weiß unsere Bekannte und das wissen selbstverständlich auch die Damen ‚Tierschützerinnen’. Wie auch immer: Nachdem sich kein Interessent gemeldet hatte, haben wir beschlossen, das Tier zumindest vorübergehend aufzunehmen und unter Umständen (haben ja noch weitere Hunde) auch dauerhaft zu behalten. Auf unser Angebot kam von Madame Chef nur eine kurz angebundene Absage und der Hinweis, dass man bereits einen Platz gefunden hätte. Kurze Nachforschungen ergaben jedoch, dass das Tier lediglich auf einer Pflegestelle landen wird. Mysteriös. Einige weitere Telefonate später schien sich der Irrtum aufgeklärt, unsere Kompetenz dargelegt und ein neuer Anlauf in Sachen Übernahme kam in Gang. Doch dann wieder Kommando zurück, ein 8-seiter Fragebogen(!) erreichte uns und die Ankündigung einer notwendigen Vorkontrolle – alles zusammen mit dem Hinweis, dass es sich dabei um das ‚übliche Procedere’ handele. Schweres Erstaunen unsererseits und wieder eine Menge Telefonate. Der Stand heute: Das Tier wird in Köln ankommen und dann 2-mal mehr oder weniger an unserer Haustür vorbei insgesamt 300 Kilometer durch die Gegend gekarrt. Selbst ein kurzer Blick auf das Tier ist uns nicht gestattet – es könnte zuviel Unruhe in den Hund bringen. Nach einem Flug und zwei kurz hintereinander stattfindenden Verbringungen in Rudel mit jeweils mehr als 10 fremden Hunden ist das natürlich völlig klar :roll:. ‚Wir könnten uns den Hund dann ja drei oder vier Wochen später angucken’ und wenn wir ganz dolle schleimen, dann dürfen wir ihn vielleicht und eventuell mit ein wenig Glück ‚adoptieren’. Ehrlich gesagt haben wir schon gar keine Lust mehr. Wir haben uns auf einen ‚Notruf’ gemeldet und nicht um einen Hund betteln wollen.

    Übrigens: Madame Chef Tierschützerin hat sich nicht ein einziges Mal persönlich bei uns gemeldet (außer per Mail) und war auch für uns telefonisch nie erreichbar. Die gute Frau wohnt keine 30 Minuten entfernt – einem Treffen hätte nichts im Wege gestanden, aber das schien wohl nicht gewünscht zu sein. Ein wenig weitere Recherche hat ergeben, dass diese Dame prinzipiell auf Bestellung arbeitet, also Tiere erst dann hier nach Deutschland bringt, wenn sich bereits ein neuer Besitzer gefunden hat. Von möglichen Gewinnspannen will ich jetzt gar nicht weiter sprechen. Also insgesamt doch eine sehr dubiose Angelegenheit, die den Namen Tierschutz am Ende vielleicht nicht ganz zu Recht trägt. Naja ...

    Ups, nu isses doch ausführlicher geworden :oops: .

    Schade eigentlich, aber bezogen auf meine frühere Entschlusslosigkeit und emotionale Instabilität doch auch wieder eine positive Erfahrung, weil ich mir in meinem (Ver-)Handeln stets sicher wahr und auch mit dem Ergebnis ‚zufrieden’ bin. Ist nicht schön gelaufen, aber ich sehe es nicht als meinen Fehler und kann gut damit leben!

    In diesem Sinne

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo susi,

    ich sehe es ähnlich wie Caruso:

    Ein Alkoholiker ist natürlich ein freier Mensch und darf alles tun, was nicht gegen ein Gesetz verstößt.

    So gesehen: Ein Alkoholiker darf trinken, was immer er will und auch wann immer er es will.

    NUR: Er muss eben auch mit den Konsequenzen rechnen: Wie Plejaden schon schrieb: Ruck Zuck ist er wieder bei den alten Trinkmengen und -gewohnheiten angekommen. Und auch eine 'seelische Aufarbeitung' wird ihm nicht helfen, denn Alkoholismus ist eine sich verselbstständigende Erkrankung, die sich von eventuell vorhandenen Ursachen schnell löst und ganz eigenständig existiert (ich hoffe, das war jetzt nicht zu kompliziert ausgedrückt :wink:).

    Aber mal ganz ohne Theorie: Millionen von Menschen haben es mit dem kontrolliertn Trinken versucht und sind gescheitert. Viele davon sind hier und können Dir ihre Erfahrungen mit auf den Weg geben, aber ‚kontrollierte Trinker’, die darüber sprechen, wie gut sie ihren Konsum jetzt im Griff haben, nachdem sie jahrelang gesoffen haben, die wirst Du weder hier noch sonst wo auf dieser Welt finden.

    Also: Ein trockener Alkoholiker möchte nicht mehr trinken, nicht ein einziges Glas!

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo kommal,

    schön, dass Du Deinen Weg so konsequent gegangen bist und weiter auf der Reise bleibt. Ich glaube, Du bist Vielen ein Vorbild hier (auch mir :wink:)

    Herzlichen Glückwunsch und weiter so!

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo zusammen,

    Blizzard :
    Keine Sorge, ich hege keinen Groll und auch meine Verwunderung hält sich in erträglichen Grenzen. Mit dem 'aus dem Gröbsten heraus sein' bringst Du mich allerdings auf eine gute Idee für ein weiteres, kontrovers diskutierbares Thema :wink:. Aber Du hast natürlich Recht: Die Zeit, in der akute Fragen und Probleme den Alltag unablässig torpedierten, die rücken immer weiter in die Vergangenheit. Von daher.

    @Freund:
    Erstmal vielen Dank für Deine ausführliche Antwort/Sichtweise zur Kapitulation. Du bist auch überhaupt nicht am Thema vorbei - Deine Ausführungen haben sogar wieder einige Lichter in meiner Halle des Verständnis entzündet :wink:.

    Der Hintergrund meiner Frage/Definition war ja der Thread um die Individualität und hier wurde der Kapitulationbegriff auch ganz explizit genannt, sowie seine Wichtigkeit unterstrichen. Nun muß ich allerdings dazu sagen, dass ich nie ernsthafte Versuche unternommen habe, meinen Alkoholkonsum einzuschränken, oder gar zu beenden. Die einzige Trinkpause, die ich je eingelegt habe, hatte einen eher halbherzigen Charakter und nachdem diese beendet war (Besuch einer Grillhüttenparty mit palettenweise Dosenbier) habe ich auch schnell die Erfahrung gemacht, dass eine Trinkbegrenzung nicht funktioniert: Nach zwei Wochen war ich wieder stabil auf meinem alten Level von 6-8 Flaschen pro Tag. Ich glaube, diese eine Erfahrung hat bereits ausgereicht, um mir zu verdeutlichen, dass kontrolliertes Trinken nicht klappt! Also habe ich vor dem Hintergrund, keinen endgültigen Schlussstrich ziehen zu wollen, auch keine weiteren Versuche unternommen, sondern munter meinen Plan getrunken ... bis eben zum Juli letzten Jahres.

    Ich kenne diesen 'Kampf' also nicht, weil ich bis zu dem ernsthaften Wunsch, eine dauerhafte Abstinenz zu leben, einfach so weitergrtrunken habe wie bisher. Und wo nicht gekämpft wird, da kann ja auch nichts kapitulieren :wink:.

    Aber das erscheint mir schon ein sehr komplexes Thema ... rahmensprengend!

    Soweit erstmal, muss mich jetzt ein wenig über Menschen ärgern, die ihre profilneurotischen Züge unter dem Deckmäntelchen des Tierschutzes ausleben. Ebenfalls ein komplexes Thema und vor Allem: Völlig am Alkohol vorbei!

    Daher wüsch ich Euch jetzt allen mal einen guten Start in die Woche :D!

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo, werte Leserschaft (schreiben tut hier ja keiner :wink:),

    habe mich entschlossen, die Themen Differenzierbarkeit der Suchterkrankung und Kapitulation nicht mehr weiter zu behandeln. Weder hier, noch an anderer Stelle scheint sich eine wirklich Sinn bringende Diskussion zum Thema anregen zu lassen. Ich komme mit meinen Definitionen und Ansichten jedenfalls gut zurecht und fühle mich mit meiner Abstinenz sehr wohl. Ich denke, dass ist doch die Hauptsache und am Ende muss ohnehin jeder ganz für sich allein (fast schon individuell :wink:) die Basis seiner eigenen Zufriedenheit ergründen und darauf aufbauen.

    Whatever!

    Ansonsten wenig Neues aus dem Westen: Ich penetriere die Personalabteilungen und Geschäftsführer der Gegend weiterhin mit dem Angebot meiner Arbeitsleistung und sehe trotz der vielen Absagen optimistisch in die Zukunft. Fröhlich blöde weiter am Werk erscheint mir wesentlich sinnvoller, als in die Weltwirtschaft verachtender Depression zu verfallen. Dabei fällt mir auf, dass ich vor einiger Zeit doch einen kleinen Hänger hatte, was meine Zuversicht anbelangte. Das gute Wetter und auch einige, kleine (aber wesentliche!) Fortschritte bei meinem Hund haben da ihre Dienste wohl getan.

    Nun denn. Werde mich jetzt mal mit unserer Wohnung beschäftigen: Es gäbe da doch die ein oder andere Ecke, die sich nach Umgestaltung sehnt. Also mach ich jetzt ein paar Pläne und dann heisst es: Ran ans Werk und den Tag sinnvoll gestaltet!

    Soweit mal von hier.

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo zusammen,

    hmmm, nun bin ich schon ein wenig verwundert ob der geschlossenen Schweigsamkeit zu meinen Kapitulationsgedanken :?. Immerhin wuselt der Begriff der Kapitulation immer wieder durch das Forum und taucht auch an anderer Stelle auf. Was ich dazu geschrieben habe, entstammt nun meiner ureigensten Sicht der Dinge und ist somit auch ein authentisches Bild meines Verständnisses zu diesem Thema. Es hätte mich wirklich interessiert, was vor allem länger Trockene zu dieser Sicht sagen, aber zwingen kann ich natürlich keinen.

    Trotzdem mache ich mir diesbezüglich einige Sorgen:
    - bin ich der einzige, der sich auch auf diese Art versucht, dem Thema zu nähern?
    - ist diese Art der Auseinandersetzung falsch, oder gar gefährlich? Wenn ja, warum?
    - geht es mir zu gut, dass ich mir solche Gedanken machen kann?
    - oder ist die Kapitulation doch nur Humbug, am Alkoholismus vorbei und völlig irrelevant?

    Ihr seht, Euer Schweigen stürzt mich in Verwirrung und auch nicht zu leugnende Zweifel ob der zielstrebigen Ausrichtung meiner Wege in Richtung zufriedener Trockenheit. Na ja, ich habe jedenfalls keine Lust auf ein Bier, fühle mich frei von Verzicht und bin guter Dinge, dass dem auch so bleibt – ganz unabhängig von der Richtigkeit meines Kapitulationsverständnisses.

    Nun denn!

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Andy,

    messerscharf erkannt :wink:! Die Individualitätsthematik habe ich hier auch nicht weiterführen wollen, sondern vielmehr auf die von Spedi vorgebrachten Eindrücke eingehen, in denen er mich noch sehr nah am Alkohol wähnte und auch Verzichtsgedanken anspach.

    Vor diesem Hintergrund habe ich mein kleines Kapitulationsverständnis hier mal zu Papier gebracht und hegte auch die Hoffnung, dass Spedi dazu vielleicht etwas sagen würde, nun, hat er aber nicht. Er wird wissen, warum.

    Ich wollte dieses Thema durchaus ernsthaft von LZT kritisch beleuchtet haben, da ich mich am Anfang befinde und bisher keine negative Erfahrungen machen musste.

    Aber vielleicht kommt ja noch etwas, mal sehen.

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo zusammen!

    So, die Staubinspektion hat wie erwartet einen ¾ Hund im Inneren meines Rechners zu Tage gebracht, welcher von mir fachmännisch mit Druckluft und Staubsauger daraus entfernt wurde. Man glaubt kaum, was sich da so in ein paar Monaten alles sammelt :roll: !

    Na ja, ich wollte noch mal einige Gedanken zum Thema Kapitulation loswerden und an den Individualitätsthread von Spedi anschliessen. Dabei mag ich von vorn herein noch einmal kurz meinen Eindruck schildern, dass sich der sprachliche Austausch unter trockenen Alkoholikern offenbar nicht immer eines allgemein verständlichen (und somit für den Otto-Normal-Menschen auch nachvollziehbaren) Ausdruckes bedient.

    Ein Beispiel:

    Der seit langen Jahren trocken lebende Alkoholiker sagt zum frisch Entgifteten: Du musst vor dem Alkohol kapitulieren, sonst holt er Dich eines Tages wieder ein!

    Prima! Viele Betroffene werden jetzt sagen: Jupp, das is genau so!, aber viele, viele andere Menschen, die nämlich ohne Alkoholabhängigkeit durch ihr Leben wandern, werden sich denken: Watt dat denn für’n Blödsinn!

    So, nun bin ich in der schönen Situation, mich selbst als Alkoholiker zu definieren, aber die spezielle Semantik unserer Gemeinschaft vielleicht noch nicht vollends begriffen zu haben (nennt mich ruhig dumm, ich steh dazu :wink:!).

    Also versuche ich mal mein eigenes Kapitulationsverständnis hier kurz zu umreißen und hoffe, dass sich vielleicht der ein oder andere Gedanke dazu in meinen Thread verirrt.

    Beginnen möchte ich mal mit der klassischen Kapitulation. Diese findet man primär in kriegerischen Auseinandersetzungen, in denen die unterlegene Partei zwecks Verlustminimierung die Kampfhandlungen einstellt und sich dem Diktat des Gegners unterwirft. Diesen Vorgang könnte man jetzt weiter differenzieren, aber im Grunde genommen bleiben wir immer bei einem militärischen Akt und befinden uns nicht in der Kneipe nebenan. Auch meine immer weiter verblassenden Erinnerungen an Bierflaschen und –Kästen beinhalten keine kleine Panzerbrigaden oder Infanterieeinheiten, die mit erbarmungsloser Kampfeslust über mich hergefallen sind! Alkohol ist dumm, war dumm und bleibt dumm. Ein Molekül ist nicht in der Lage, kriegerische Handlungen zu vollführen und wird es auch niemals sein!

    Aber was bedeutet denn Kapitulation dann im Bezug auf Alkohol? Für mich steht in diesem Zusammenhang die Erkenntnis, dass sich mein Trinkverhalten zu einem selbstverstärkenden Prozess entwickelt hat, den ich nicht mehr kontrollieren kann. Ich trinke, weil es mir schlecht geht und mir geht es schlecht, weil ich getrunken habe, na da trinke ich doch lieber noch mal einen …

    Die einfache Lösung: Prozessabbruch durch Trinkstopp. Klingt gut, aber offensichtlich handelt es sich dabei um keine besonders erfolgreiche Strategie, wie ich so oft zu lesen und zu hören bekomme. Warum ist das so? Warum reicht dieses Ich trinke jetzt nicht mehr nicht aus, um erfolgreich und anhaltende Abstinenz zu etablieren? Hier kommt sicher zum Tragen, dass dieser selbstverstärkende Prozess des abhängigen Trinkens nicht schwupp-di-pupp aufgetaucht ist, sondern ein mehr oder weniger langer Weg war, an dessen Anfang die Wirkung des Alkohols noch als positiv empfunden wurde. Ich kann von mir jedenfalls sagen, dass es so war – das Rauscherleben empfand ich positiv, denn sonst hätte ich ja nicht immer wieder zur Flasche gegriffen. Es mag sein, dass ich damit ein wenig weit theoretisiere, aber ich glaube, dieses positive Erleben der ersten Zeit ist das, was die Abhängigkeit und vor allem die Dauerhaftigkeit derselben ausmacht: Tief unten und fest eingebrannt in meinem Hirn sitzt diese Information, die ich weder durch Willen noch durch ein Neuronalradiergummi aus dem Spezialversand wieder löschen kann.

    Nun, wie komme ich da wieder heraus? Die Zeiten, in denen ich mich ganz entspannt und voller Freude auf meinen kleinen Rausch am Wochenende noch gefreut habe, die sind doch längst vergangen! Die Realität zeigt mir doch schon seit Jahren, dass mir mein Trinken um ein vielfaches mehr schadet, als dass es mir Spaß bereitet. Warum will ich als Abhängiger so lange Zeit nicht wahrhaben, dass ich mir mit meinem Verhalten der treueste Totengräber bin?

    Mein Stichwort an dieser Stelle ist: Reizüberflutung! Ob in der Werbung, im Biergarten, der Kneipe an der Ecke, im Zappelschuppen (für die jüngeren von uns), oder bei Tante Kunigundes Geburtstag: Überall können wir Menschen sehen, die auf uns den Eindruck machen, als hätten sie Spaß am Konsum alkoholischer Getränke. Und sicher haben manche sogar ihr ganzes Freizeitverhalten so ausgerichtet, dass sie andere Aktivitäten überhaupt nicht mehr gesehen haben, sondern nur noch trinkende Menschen.

    Ich glaube also, dass aus dieser nicht mehr zu löschenden und tief im Unterbewussten positiv bewerteten Rauscherfahrung der ersten Jahre (wir können es auch Suchtgedächtnis nennen :wink:) und der Wirkung von gut gelaunten Menschen, die Alkohol trinken, die größte Gefahr besteht, sich gedanklich wieder in die Nähe des Alkohol zu bewegen und irgendwann wieder mit einem Trinkwunsch da zu sitzen :?.

    Was bedeutet die Kapitulation jetzt für mich?

    Für mich bedeutet das, dass ich zunächst einmal anerkenne, dass ich diese Prägung meines Gehirns nie wieder löschen kann, und dass sich dieser Teil in meinem Hirn IMMER wieder melden wird, wenn ich mich in trinkende Gesellschaft begebe. So gesehen bedeutet Kapitulation für mich, dass ich mich Reizsituationen, die für andere Menschen unbedenklich erscheinen, zu meiner eigenen Sicherheit nicht mehr aussetzen werde, weil ich ein alkoholfreies Leben leben möchte, und das auch ganz gerne ohne die störende Intervention meines Suchtgedächtnisses. (Die Fragestellung, ob das Suchtgedächtnis eines jeden einzelnen jetzt exakt immer auf die gleichen Reize in der gleichen Weise reagiert, also schon wie ein Computerprogramm algorithmische Züge trägt, ist dann wieder eine ganz andere ...)

    Hmmm, das ist meine von Dämonen und Goblins befreite Sicht auf meine Abhängigkeit und den Grundlagen, damit alkoholfrei in Frieden leben zu können. Keine Ahnung, ob das passt, oder totaler Unfug ist?

    Liebe Grüße

    J.

    Hi Lilly, (sorry Andy!)

    ich hab das früher genau anders herum erlebt: Die 'Harten' haben auf die Alkies heruntergeschaut. Kommt wohl immer darauf an, was man selbst für einer ist ... Menschen sind wir trotzem alle :wink:.

    So, aber jetzt bist Du wieder dran, Andy!

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Plejaden,

    Na, da haste Dir ja einen angelacht: Teuer Geld für’s Zocken haben, aber der armen Freundin nicht mal eine Zeitung spendieren wollen. Soll sich was in die Ecke stellen und ordentlich schämen :wink: .

    Aber wenn Deine Eltern auch über den begehrten Lesestoff verfügen und Eure Aufstehzeiten auch entsprechend divergieren, dann sollte einer gemeinsamen Nutzung doch eigentlich nichts im Wege stehen, oder?

    Liebe Grüße

    J. (der mal gegooglet hat und bei ansteckender Bindehautentzündung gelesen hat, dass diese primär durch Schmier- und Tröpfcheninfektion übertragen wird. Da das Auge in der Regel kaum zum Niesen neigt und man sich zur Begrüßung nicht gegenseitig die Augen ausleckt, ist die Gefahr einer Ansteckung vielleicht nicht ganz so hoch :wink:)