Beiträge von JoeDoe

    Hallo Plejaden,

    habe mich mal durch Deinen Thread gelesen und habe irgendwie nichts gefunden, was in mir eine spontane Kritik zum Ausbruch bringen würde ... Hört sich doch alles richtig prima bei Dir an.

    (Irgendwo habe ich hier allerdings etwas von der Tschecheslowakei gelesen. Hmmm ... ich glaub, die gibt's nicht mehr :wink:)

    Ich wünsch Dir einige Ohh's und Ahh's beim Bilder abholen und viel Spaß (und eine wertbringende Zeit) in Deiner SHG.

    Liebe Grüße

    J. (der sich auf die Knie fallend selbst nie an einem Manga versuchen würde)

    Hallo Andreas, Hallo Spedi,

    Zitat von Spedi

    Wenn ich vor dem Alkohol kapituliert habe, dann ist er für mich nicht mehr erstrebenswert. Ich habe verinnerlicht, dass er trügerisch, schlau und verschlagen ist.


    Sag mal Spedi, sprichst Du eigentlich auch mit Autoreifen und Waschmaschinen? (T'schuldigung, aber der musste sein :wink:). Ich reagiere auf alkoholische Reize wie z.B. das oft zur Schau gestellte Wohlgefühl beim Konsum alkoholischer Getränke oder Situationen, in denen ich mich trinkender Gesellschaft exponiert sehe, aber genau darin sehe ich das Wesen meiner Alkoholkrankheit. Alles in meinem Kopf und keine Kommunikationsversuche von Seiten einer primitiven, chemischen Verbindung!

    Ansonsten allerdings meine volle Zustimmung zu dem hier:

    Zitat von Spedi

    Für mich wieder mal ein Beispiel, dass
    1.) Nur ich für meine Gesundheit verantwortlich bin, niemand sonst!
    2.) Ich meine Motivation zur Abstinenz genau hinterfragen muss - (warum) will ich trocken leben?
    3.) Ich nur trocken leben kann, wenn ich ehrlich zu mir selbst bin!

    Gerade Punkt 2 und 3 finde ich für mich persönlich sehr wichtig. Die Eigenverantwortung aus Punkt 1 ergibt sich dann völlig selbstverständlich.

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo zusammen,

    Zitat

    Wenn du es einrichten kannst, lass mal wieder was von dir hören.


    Na klar kann ich :wink: ! Also mal ganz in Kürze:

    Wie ich ja schon früher berichtet habe, pflegten meine Eltern (insbesondere mein Vater) seit Anbeginn meiner Erinnerungsaktivität ein doch sehr enges Verhältnis zum Alkohol, im Speziellen zum Bier. Dabei handelte es sich immer um das ‚klassische’ Feierabendbier, dem dann auch noch gerne 2 oder 3 weitere Flaschen folgten, und diese Ration konnte am Wochenende natürlich auch gern um zwei Flaschen erhöht werden. Abstinente Tage waren äußerst selten, Ausfallerscheinungen wie Lallen oder Schwanken allerdings ebenso. Beeinträchtigungen in Form von Führerscheinentzug, Auffälligkeit beim Arbeitsplatz oder anderen Dingen sind nicht vorgekommen. Eine Art funktionierender Alkoholismus, vielleicht auch nur ein konsequenter Konsum im Übermaß, keine Ahnung und auch nicht meine Baustelle (gilt selbst bei meinen Eltern).

    Nun ja, jetzt sind wir nach über einem Jahr mal wieder zu Besuch gewesen und obwohl meine Abstinenz und auch mein Entgiftungsaufenthalt bekannt waren, habe ich im Vorfeld erst einmal darauf verzichtet, Verhaltensinstruktionen für die Zeit meiner Anwesenheit zu erteilen. Verstöße gegen die Regeln des alkoholfreien Umfeldes hätten ja als Grundlage für eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema dienen können. Allerdings: Es gab keine!

    Völlig ohne die Verwendung des ‚bösen A-Wortes’ und nur mit den Informationen ‚Entgiftung’ und ‚dauerhafte Abstinenz’ ausgestattet, haben meine Eltern in meiner Anwesenheit keinen Tropfen Alkohol konsumiert. Ohne das jetzt im Detail zu erläutern kam auf Nachfrage meinerseits dann heraus, dass Alkoholismus grundsätzlich kein unbekanntes Thema für meine Eltern ist und auch der Umgang mit trockenen (oder noch trocken werden wollenden) Menschen kein Geheimwissen darstellt. Ich muss doch sagen, da bin ich doch echt positiv überrascht gewesen. Zumal ich bei meinen Schwiegereltern im Zwei-Wochen-Takt auf die Vokabel ‚Alkoholiker’ zurückgreifen muss, um zu verdeutlichen, dass ich jetzt keine Lust habe, mich an die Bar zu setzen... (aber kannst ja auch nur ein Wasser trinken :roll: ).

    Nun ja, das war so im Wesentlichen die positive Überraschung … Ansonsten eben ein paar schöne, freie Tage mit viel Faulenzen, Hundebeschäftigung, und und und …

    Soweit dazu.

    Ansonsten bin ich gerade wenig von weiteren Erkenntnissen geplagt :wink: . Ich mache mir ab und an einige Gedanken zum Thema der individuellen Ausprägung der Alkoholkrankheit und warum dieses Thema im Rahmen der Selbsthilfe keinen oder nur einen sehr Risiko behafteten Sinn macht. Da kommen dann doch recht komplexe Gedanken zusammen und das ist alles noch ziemlich roh und damit nicht servierfertig. Ich werde mal schauen, ob ich in dieser Richtung etwas intensiver herumgrübel und dann hier darüber berichte. Wie schon erwähnt: Schwieriges Thema!

    Tja …
    und dann wäre da noch etwas …
    aber da mag ich jetzt noch nicht drüber sprechen.
    (no GPL, wieder ein Grund mehr, mal wieder über den geschützten Bereich nachzudenken ... mal gucken).

    Liebe Grüße

    J.

    Hui, ich wurde vermisst *freu* !

    Wir sind doch erst heute wieder zurückgekommen und hatten ein sehr schönes verlängertes (:wink:) Osterwochenende. Einzelheiten verbleiben jetzt erstmal bei mir, aber eines kann ich doch vermelden: Alkoholfrei war die Zeit und auch ohne lästige Diskussionen (Es war ja das erste Wiedersehen mit meinen Eltern seit Beginn meiner Abstinenz!). War (und bin) doch sehr positiv von meinen Eltern überrascht, die ja auch einen durchaus alkoholaffinen Lebensstil führen. Aber dazu vielleicht später mehr.

    Soweit erstmal, ich muss jetzt mein Special-Task-Force-Team instruieren, damit sie mir das von Andy geklaute und schmerzlich vermisste Ei wiederbesorgen :cool: .

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo miteinander, Hallo Spedi,

    mit meinen grünschnäbligen 8 Monaten mag ich vielleicht einige Worte hier loswerden. Dabei mag ich ganz grundsätzlich erst einmal erwähnen, dass ich dieses Forum und auch die so häufig hier thematisierte ‚harte Gangart’ in genau dieser Form sehr gut finde. Es hat mir in den letzten Monaten unglaublich geholfen, mich auf meinem Weg in eine zufriedene Trockenheit nicht zu verirren, und ich bin mir auch sicher, dass ich hier auch in Zukunft viele hilfreiche Erfahrungen finden werde, die mich weiter stabilisieren. Aber ich schreib hier ja nicht zum schleimen … :wink: .

    Zum Thema selbst (aus meiner ganz persönlichen Sicht): Als ich den Entschluss gefasst habe, meiner Trinkerei ein Ende zu setzen, war ich noch kein am Boden zerschmettertes und stets nach Alkohol lechzendes (weil sonst nicht funktionierendes) Wrack einer menschlichen Existenz. Die Summe der Erfahrungen der letzten 32 Jahre meines Lebens hat jedoch nach einer Entscheidung verlangt: Weitermachen wie bisher und dabei das Risiko eingehen, genau so zu enden, wie ich es eben beschrieben habe, oder zu versuchen, eine Wende in meinem Leben zu beschreiten, wobei die Loslösung vom Alkohol eine primäre Grundvoraussetzung war. Das ist mein ganz persönlicher Startpunkt gewesen und davon ausgehend bin ich nach Arztbesuch und Entgiftung hier im Forum gelandet. Ohne mich jetzt in Details zu verlieren muss ich aber schon ganz deutlich zugeben, dass ich in den ersten Wochen gedanklich oft von Abschiedsgedanken (‚nie wieder Alkohol’) und auch Zweifeln (‚Vielleicht ist es ja gar nicht so schlimm’) geplagt wurde. Das können wir jetzt ganz großzügig in die Tonne mit der Aufschrift ‚nasses Denken’ kloppen, aber zu jener Zeit war mir das so nicht bewusst. Hätte man es mir so vorgehalten, dann hätte ich es auch nicht verstanden und nachgefragt: ‚Was ist denn bitteschön nasses Denken?’. Diese Unwissenheit bezüglich der eigenen Denkens- und Verhaltensmuster bedarf natürlich der Aufklärung und an dieser Stelle entstehen dann auch Diskussionen und eben jene so oft zu lesenden Thesen über die eigene Andersartigkeit.

    Aber mal ganz ehrlich: Ist das nicht normal?

    Wenn man als neuer Leser mit einem eben noch nicht so immensen Leidensdruck und der dazugehörigen Unerfahrenheit hier durch die Threads wandert, dann kommen einem viele Aussagen der Langzeittrockenen durchaus ‚seltsam’ vor. Beispiel: Für eine erfolgreiche Trockenheit reicht es nicht, nur nicht zu trinken, das ganze Leben muss neu organisiert und umstrukturiert werden!

    Wow! Für einen Newbie ist das ein Hammer, der vor allem mehr Fragen aufwirft, als beantwortet. Was ist zu tun? Soll ich mir jetzt morgens einen Zeigefinger in den Popo stecken und ihn erst wieder herausholen, wenn die Sonne abends untergegangen ist, damit ich auch wirklich trocken bleibe? Ganz im Ernst: So wahr die Aussage von oben auch ist, so unkonkret ist sie eben auch auf das Individuum bezogen.

    Und an dieser Stelle entwickeln sich eben schnell Thesen und Theorien, die diesen Hohlraum füllen und dabei sicher auch in zum Teil abstrusen Wegen in die (dann auch häufig nicht so erfolgreiche) Trockenheit führen. Wenn sich dann Nutzer dieses Forums nach darauf geäußerter Kritik zurückziehen oder auf die Barrikaden gehen (das berühmte nasse Denken), dann gibt es in meinen Augen dafür nur zwei Schlussfolgerungen:

    1) Die Person hat den Wunsch nach Trockenheit nicht oder nur in unzureichendem Maße
    2) Die didaktischen Fähigkeiten der hier schreibenden Lanzeittrockenen haben versagt

    Mir persönlich ist das eigentlich egal, denn ich gehe in allererster Linie meinen Weg. Anders als in einer stationären LZT bedeutet das Trockenwerden mithilfe eines Forums eine Menge Disziplin und Eigenverantwortung. Auch wenn der Wunsch nach einem alkoholfreien Leben besteht, so können Defizite bei diesen Eigenschaften eben doch ganz schnell zum Rückfall im Denken und Handeln führen und für diesen Personenkreis ist dann eine etwas intensivere Betreuung vielleicht die bessere Alternative.

    Irgendwie ganz unspektakulär und eigentlich kaum diesen Roman wert, den ich hier jetzt verfasst habe, aber in einem kurzen Schlusswort mag ich meine Ausführungen doch gipfeln lassen:

    Ich fände es bedauerlich, wenn durch strengere Moderation und/oder Nutzersperren die ‚Erfolgsquote’ dieses Forums erhöht werden würde. Ich glaube nicht, dass durch eine solche Elitisierung des Forums wirklich etwas gewonnen werden würde und ganz ehrlich: Ich persönlich gewinne auch aus diesem ‚Kaffeekränzchen-Gelaber’ etwas, wenn dieses final zum Rückfall führt. Klingt böse, aber hilft mir, Fehler zu erkennen und bei Gefahr rechtzeitig gegenzusteuern!

    In diesem Sinne

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo zusammen,

    mal ein ganz kurzer Gruß an Euch von mir. Die letzten Tage waren stressig (wie erwartet), aber durchaus erfolgreich. Einzelheiten zu meinen Aktivitäten sind zwar eher sekundär, aber nur so als kleine Lehre aus der gemachten Erfahrung: Man sollte sich doch etwas genauer überlegen, ob man Freunden/Bekannten Hilfe anbietet, wenn einem die Dimensionen des Projektes vorher nicht eindeutig bekannt sind :?. Naja ...

    Werde mich jetzt mal auf den Weg machen. Wir fahren über Ostern zu meinen Eltern und da ich dort wohl auch kaum Zeit finden werde, hier ausführlicher zu schreiben, wünsche ich Euch jetzt schon mal allen fröhliche Ostern! Und das keiner auf die Idee kommt, sich zu Ostern einen 'gönnen' zu wollen!

    In dem Sinne

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Blizzard,

    ein wenig mit Verspätung, aber nun auch von mir einen herzlichen Glückwunsch!

    Auch wenn es gegen allen sportlichen Ergeiz verstößt, hoffe ich doch, dass ich die 4 Monate 'Rückstand' zu Dir nie aufholen werde :wink: .

    Alles Gute weiterhin und

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo miteinander,

    wollte mich auf diesem Wege mal für die nächsten Tage 'abmelden'. Irgendwie habe ich grad einfach eine Menge um die Ohren und dabei fast gar keinen Kopf für das Thema Alkohol. Werde mich aber nicht vom rechten Weg abwenden und sollte es wider Erwarten doch kritisch werden, dann weiß ich ja, wo ich Euch finde :wink: ! Ich melde mich dann wieder, wenn es etwas ruhiger geworden ist.

    Liebe Grüße und alle schön trocken bleiben :D !

    J.

    Oh, bevor ich es vergesse:

    Einen ganz besondereren Dank möchte ich an dieser Stelle mal bei Dir, liebe Plejaden, loswerden. Du bist sicher der häufigste Gast in meinem Faden und Deine Beiträge bringen mich auch stets ein kleines Stückchen weiter :D. Dafür also mal ein ganz offizielles und herzliches Dankeschön von mir!

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Hartmut,

    freut mich, dass Du auch etwas aus meinem Thread herausziehen kannst :D. Und das mit dem kostenlos habe ich ja auch vor einigen Monaten dankbar in Anspruch genommen: Ohne dieses Forum und die vielen Sichtweisen und Erfahrungen hätte ich sicher nicht so effektiv Abstand zum Alkohol entwickeln können. Das ist schon richtig klasse hier!

    Also: Lass uns weiter machen!

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo engel,

    ich habe Dir das letzte Mal in Deinem alten Thread geschrieben, aber habe Deinem Weg hier auch immer lesenderweise mitverfolgt.

    Eines verstehe ich nicht:

    Zitat

    Aber schade das ihr in mir die Böse seht und nicht an seinem Verhalten.


    Ich wüsste gerne, wo Dir hier jemand unterstellt hat, die Böse in Deiner Beziehung zu sein? Dir wurde immer nur geraten, Dir Deiner Bedürfnisse bewusst zu werden und diese dann auch gegenüber Deinem Partner deutlich zu machen. Mit Sicherheit gehört zu einer Partnerschaft auch die Fähigkeit zur Kompromissbereitschaft, aber dort, wo die eigene Gesundheit auf dem Spiel steht, sollten auch klare Grenzen erkennbar sein!

    Nun hast Du getrunken. Und Du wolltest es sogar. Dir war es egal und Du hast einfach für ein paar Stunden 'abgeschaltet'. Prima, und jetzt möchte ich gerne wissen, was Dir diese Aktion gebracht hat. Ist Deine Beziehung besser geworden? Sind Deine Probleme entschwunden? Oder hast Du im Rausch die Vision Deines wahren Weges gehabt?

    Ich denke nicht, ich denke, Du hast einfach einige Stunden Deiner Lebenszeit verschwendet. Vielleicht solltest Du im Hinterkopf behalten, dass die Trinkerei noch einige bittere Erfahrungen für Dich bereithalten könnte und Du gerade in Deiner momentanen Situation die Fähigkeit entwickeln kannst, diese Erfahrungen auch ganz schnell zu sammeln. Ich wünsche das weder Dir, noch Deinen Kindern, also denk mal ein wenig nach und mach Dir bewusst, was Du eigentlich für Dich, Dein Leben und eben auch für Deine Kinder in Zukunft möchtest!

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Plejaden,

    genau das meine ich: Ich muss mich nicht bei mir selbst für meine Entscheidungen und die daraus resultierenden Handlungen entschuldigen. Dort, wo sich diese negativ auf meine Ziele und Wünsche ausgewirkt haben, kann ich lediglich akzeptieren, dass ich zu diesem Zeitpunkt keine Möglichkeit gehabt habe, einen anderen, einen besseren Weg zu beschreiten. Versöhnung in Form einer Entschuldigung ist nur dort angebracht, wo ich durch mein Verhalten andere Menschen negativ tangiert habe. Aber grundsätzlich strebe ich (und sicher auch viele andere) nach Selbstzufriedenheit und auf diesem Weg gibt es für mich selbst keine Fehler, nur negative Reaktionen durch meine Umwelt, die mein Handeln als falsch bewerten und mir dadurch das Erreichen der Selbstzufriedenheit verwehren. Denn ich bin ja Mensch und damit ein soziales Wesen, das sich eben auch durch erfolgreiche soziale Interaktion definiert (oder definieren möchte!). Bleibt letzteres aus, so muss ich überprüfen, ob meine 'Strategie' zur Selbstzufriedenheit so wirklich funktioniert.

    Puuh, wieder wilde Gedanken zur Nacht, ich geh mal lieber ins Bett :wink: .

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo zusammen,

    Andy :
    Na, das ist doch prima mit (oder besser gesagt OHNE) die Viehcher. Bleib mal schön auf der Hut :wink:.

    Plejaden :

    Zitat

    Ich habe oft gemerkt, dass die Entscheidung, die ich gleich treffen werde, falsch sein wird. Jedoch sah ich aufgrund des Käfigs aus Phobien und - später - Alkoholismus keine alternativen Handlungsoptionen


    Und trotzdem behaupte ich, dass Du in jedem Moment die richtige Entscheidung getroffen hast. Auch wenn sich vielleicht sofort negative Folgen durch Dein Handeln abgezeichnet haben: Bei mangelnden Handlungsoptionen nimmt man eben den Weg, der einem am gangbarsten erscheint und somit den größtmöglichen Vorteil für einen selbst bietet. Dabei schränken Krankheiten wie Phobien (kenne ich ja auch) oder Alkoholismus natürlich zusätzlich ein und verändern auch das Bewertungssystem. Ein Blinder kann eben nicht sehen und macht das Beste aus seiner Situation. Selbst wenn man sich der Tatsache bewusst wird, dass man -eben anders als der Blinde- an behandelbaren Einschränkungen leidet, so bedarf es dann ja noch der aktiven Handlung, diese Einschränkungen anzugehen (wobei auch das Herumgeeier -in meinem Fall acht Jahre beim Thema Alkohol- manchmal der gangbarste und damit subjektiv der richtige Weg ist). Retrospektiv kann man natürlich immer die Entscheidungen neu bewerten, im eigentlichen Moment sind sie jedoch immer richtig. Das hört sich jetzt vielleicht etwas seltsam an, aber jede Flasche Bier, die ich getrunken habe, habe ich zu Recht getrunken! Hätte ich mich anders in meinem Leben verhalten, dann wäre ich jetzt vielleicht gar nicht hier und würde noch immer trinken, oder hätte vielleicht nie angefangen, oder was weiss ich?

    In der Singularität der Selbstwahrnehmung bin ich bei der Entscheidungsfindung immer fehlerfrei!

    Diese Denkweise wird natürlich schwierig, wenn man im Rahmen von Interaktion anderen Individuen Schaden zufügt, oder zugefügt hat. Da spielen dann z.B. allgemeingültige Wertvorstellungen, Gesetze oder einfach die Gefühle meines Gegenübers eine Rolle und eben auch die Tatsache, dass ich mein Handeln so ausrichten sollte, dass ich die Ebengenannten dadurch nicht verletze. Allerdings kommt man dann auch auf eine intersubjektive Ebene, und über die wollte ich ja auch gar nicht sprechen :wink:

    Ich hab jetzt auch gar keine Ahnung, ob das, was ich zum Ausdruck bringen mag, auch wirklich von allen Lesern verstanden wird, aber ich mag grundsätzlich diesen positivistischen Ansatz. Zum einen befreit es mich von Jammereien über die verpassten Chancen und Möglichkeiten auf meinem Lebensweg, zum anderen lenkt es die Verantwortung auf mich, wenn ich merke, dass in meinem Leben zunehmend Probleme entstehen.

    Soweit mal von mir.

    Liebe Grüße

    J.

    Oh, da hatte ich die gute Gotti doch glatt überlesen :oops:

    Hab bei Dir natürlich auch schon ein wenig gelesen und wünsch Dir und Deinem Mann natürlich alles Gute. Die neu gewonne Trockenheit Deines Mannes bringt ja sicher noch den ein oder anderen Wirbel in Eure Ehe. Ich wünsche Dir (Euch) jedenfalls, dass Ihr das alles wieder in dauerhaft harmonische Bahnen bringt!

    btw: Nüchtern machen auch die Hunde wieder viel mehr Spaß! Ich muss zugeben, dass ich unsere Tiere dann und wann sicher etwas vernachlässigt habe als ich noch trank! Wieder ein Grund mehr ... :wink:!

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Plejaden,

    ein schöner Spruch (der mit den zwei Kamelen) :D - Woher stammt dieses lust'ge Zitat? (auch wenn ich mir mit dieser Frage bewusst bin, eine signifikante Kulturlücke zu offenbaren :wink:)

    Zu der Aufarbeitung der Vergangenheit noch mal: Ich bin tatsächlich nicht einmal besonders daran interessiert, für meine vergangenen Entscheidungen jetzt exemplarische Schlüsselerlebnisse zu suchen, oder bestimmte Umgebungsvariablen zu finden, die meine Entwicklung beeinflusst haben. Dabei stehe ich prinzipiell auf dem Standpunkt, dass jede Entscheidung, die ich in meinem Leben je getroffen habe, zu dem Zeitpunkt, als ich sie getroffen habe, aus meiner eigenen Perspektive gesehen immer richtig war! Das gilt natürlich auch für das Trinken. In der Retrospektive, also nach dem Wirken meiner Entscheidungen, kann ich meinen Weg natürlich bewerten und auch zu dem Schluss kommen, dass ich einen Fehler begangen habe. Das ändert aber immer noch nichts daran, dass ich zum Entscheidungszeitpunkt das für mich subjektiv richtige getan habe. Aus den gewonnenen negativen Erfahrungen heraus habe ich heute aber die Möglichkeit, meine Entscheidungen anders zu gestalten. Das liegt ganz bei mir -> Stichwort Eigenverantwortung. Und dort, wo mir das Wissen fehlt, neue Wege auch dauerhaft zu beschreiten, da muss ich mir Hilfe holen, oder eben in alten Verhaltensweisen verharren (was beides subjektiv richtig wäre). (Das Forum hat mir diesbezüglich übrigens auch sehr geholfen!)

    So, bevor es zu wild wird, stoppe ich da mal meine Gedanken, nur ganz kurz die kurzgefasste These, die wieder viel Raum zum philosophieren lässt:

    Ich mache keine Fehler. Niemals. (das gilt übrigens für jeden!)

    (Jetzt juckt’s mich doch, auf meine Urheberrechte aufmerksam zu machen :wink: - was bin ich fies heut!).

    Wie auch immer ...

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo zusammen,

    Expositionstraining in vivo habe ich gerade hier im Forum gelesen. Und ja, es ging wohl auch um Alkoholismus.

    Hmmm, mal kurz nachdenken .... IDEE :!::!::!:

    Vielleicht sollten wir ja thereapeutisch wertvolle Besichtigungsfahrten zu Brauereien und Schnapsbrennereien organisieren. Und der Busfahrer darf auch ordentlich kosten! Na, wär das nix? :roll:

    Mit leicht verwunderten Grüßen

    J.

    Hallo Kelli,

    vorneweg: Schön, dass Du hiergeblieben bist, nachdem Du vor einigen Tagen ja etwas Kritik einstecken musstest (von mir kam ja auch ein klein wenig :wink:). Ich finde, dass Du Deinem Problem damit auch die notwendige Ernsthaftigkeit zugestehst.

    Zum Lernprozess: Ich kann die Aussage von Hartmut nur unterstreichen. So wie Du, habe auch ich keinen wirklich krassen Tiefpunkt erlebt, der mir eine Spontaneingebung bescherte. Viele Meinungen von Langzeittrockenen, die ich dann gerade in der Anfangszeit hier lesen konnte, habe ich auch nicht verstanden, oder fand sie doch arg überzogen. Heute, nach über einem halben Jahr ohne Alkohol, verstehe ich immer mehr die Hintergründe solcher Aussagen.

    Also als kleiner Tipp von mir: Auch wenn Du die ein andere Meinung heute so noch gar nicht verstehst, behalte sie dennoch im Hinterkopf. Mit der Zeit wirst Du diese immer besser verstehen, und auch wenn Du Deinen ganz persönlichen Umgang mit dem Thema Alkohol finden wirst, wirst Du merken, dass Du anderen Menschen, die noch am Anfang ihrer Trockenheit stehen, zu einer weit größeren Vorsicht raten wirst.

    In diesem Sinne.

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo joya

    Du bist natürlich (wie auch alle anderen) immer herzlich eingeladen, hier bei mir vorbeizuschauen. Ich freu mich immer über Besuch :D!

    Zu der Schüchternheit bzw. der Angst vor Ablehnung: Ist das nicht irgendwie das gleiche, oder zumindest eine artverwandte Eigenschaft? Wenn ich mich (so wie Du es ja auch geschrieben hast) schwer damit tue, offen nach aussen zu treten, dann ist ja doch der Effekt, oder besser gesagt mein Problem, das gleiche: Die Unfähigkeit, frei und unbefangen zu kommunizieren. Dabei gibt es natürlich Situationen, die aufgrund ihrer Wichtigkeit per se eine gewisse Spannung mitbringen (Vorstellungsgespräche beispielsweise) und da gestehe ich mir diese Aufregung/Angst auch zu. Aber es gab (und gibt auch heute noch) auch Situationen, die eigentlich völlig unverfänglich waren (und sind), in denen ich ähnliche Empfindungen verspüre, und genau dort sitzen irgendwo die Wurzeln meiner ‚addictive personality’. Das Kompensieren/Überspielen dieser Unsicherheit funktioniert eben z.T. mit Alkohol, noch besser natürlich mit dem ganzen Amphetamin-gedöns. Wo das allerdings endet bzw. zu welchem Preis das geschieht, das haben wir ja nun gesehen. Hmmm …

    Bei der Aufarbeitung meiner Entwicklung bin ich irgendwie an einem Punkt angekommen, an dem ich keine neuen, wirklich bemerkenswerten Erkenntnisse gewinnen kann. Kindheit und Jugend verliefen bei mir irgendwie gar nicht so spektakulär und daher versuche ich mich jetzt auch primär auf die Zukunft zu konzentrieren. Aber das ist ja auch so ein Punkt, an dem jeder so seine ganz individuelle Geschichte mit sich trägt und die Notwendigkeit, das eigene Ich über das Vergangene zu verstehen, ist bei jedem sicher ganz unterschiedlich ausgeprägt.

    Nun denn, die Hunde wollen in den Wald!

    Ich wünsch Dir was (den anderen natürlich auch) :wink:.

    Liebe Grüße

    J.