Hallo miteinander, Hallo Spedi,
mit meinen grünschnäbligen 8 Monaten mag ich vielleicht einige Worte hier loswerden. Dabei mag ich ganz grundsätzlich erst einmal erwähnen, dass ich dieses Forum und auch die so häufig hier thematisierte ‚harte Gangart’ in genau dieser Form sehr gut finde. Es hat mir in den letzten Monaten unglaublich geholfen, mich auf meinem Weg in eine zufriedene Trockenheit nicht zu verirren, und ich bin mir auch sicher, dass ich hier auch in Zukunft viele hilfreiche Erfahrungen finden werde, die mich weiter stabilisieren. Aber ich schreib hier ja nicht zum schleimen …
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Zum Thema selbst (aus meiner ganz persönlichen Sicht): Als ich den Entschluss gefasst habe, meiner Trinkerei ein Ende zu setzen, war ich noch kein am Boden zerschmettertes und stets nach Alkohol lechzendes (weil sonst nicht funktionierendes) Wrack einer menschlichen Existenz. Die Summe der Erfahrungen der letzten 32 Jahre meines Lebens hat jedoch nach einer Entscheidung verlangt: Weitermachen wie bisher und dabei das Risiko eingehen, genau so zu enden, wie ich es eben beschrieben habe, oder zu versuchen, eine Wende in meinem Leben zu beschreiten, wobei die Loslösung vom Alkohol eine primäre Grundvoraussetzung war. Das ist mein ganz persönlicher Startpunkt gewesen und davon ausgehend bin ich nach Arztbesuch und Entgiftung hier im Forum gelandet. Ohne mich jetzt in Details zu verlieren muss ich aber schon ganz deutlich zugeben, dass ich in den ersten Wochen gedanklich oft von Abschiedsgedanken (‚nie wieder Alkohol’) und auch Zweifeln (‚Vielleicht ist es ja gar nicht so schlimm’) geplagt wurde. Das können wir jetzt ganz großzügig in die Tonne mit der Aufschrift ‚nasses Denken’ kloppen, aber zu jener Zeit war mir das so nicht bewusst. Hätte man es mir so vorgehalten, dann hätte ich es auch nicht verstanden und nachgefragt: ‚Was ist denn bitteschön nasses Denken?’. Diese Unwissenheit bezüglich der eigenen Denkens- und Verhaltensmuster bedarf natürlich der Aufklärung und an dieser Stelle entstehen dann auch Diskussionen und eben jene so oft zu lesenden Thesen über die eigene Andersartigkeit.
Aber mal ganz ehrlich: Ist das nicht normal?
Wenn man als neuer Leser mit einem eben noch nicht so immensen Leidensdruck und der dazugehörigen Unerfahrenheit hier durch die Threads wandert, dann kommen einem viele Aussagen der Langzeittrockenen durchaus ‚seltsam’ vor. Beispiel: Für eine erfolgreiche Trockenheit reicht es nicht, nur nicht zu trinken, das ganze Leben muss neu organisiert und umstrukturiert werden!
Wow! Für einen Newbie ist das ein Hammer, der vor allem mehr Fragen aufwirft, als beantwortet. Was ist zu tun? Soll ich mir jetzt morgens einen Zeigefinger in den Popo stecken und ihn erst wieder herausholen, wenn die Sonne abends untergegangen ist, damit ich auch wirklich trocken bleibe? Ganz im Ernst: So wahr die Aussage von oben auch ist, so unkonkret ist sie eben auch auf das Individuum bezogen.
Und an dieser Stelle entwickeln sich eben schnell Thesen und Theorien, die diesen Hohlraum füllen und dabei sicher auch in zum Teil abstrusen Wegen in die (dann auch häufig nicht so erfolgreiche) Trockenheit führen. Wenn sich dann Nutzer dieses Forums nach darauf geäußerter Kritik zurückziehen oder auf die Barrikaden gehen (das berühmte nasse Denken), dann gibt es in meinen Augen dafür nur zwei Schlussfolgerungen:
1) Die Person hat den Wunsch nach Trockenheit nicht oder nur in unzureichendem Maße
2) Die didaktischen Fähigkeiten der hier schreibenden Lanzeittrockenen haben versagt
Mir persönlich ist das eigentlich egal, denn ich gehe in allererster Linie meinen Weg. Anders als in einer stationären LZT bedeutet das Trockenwerden mithilfe eines Forums eine Menge Disziplin und Eigenverantwortung. Auch wenn der Wunsch nach einem alkoholfreien Leben besteht, so können Defizite bei diesen Eigenschaften eben doch ganz schnell zum Rückfall im Denken und Handeln führen und für diesen Personenkreis ist dann eine etwas intensivere Betreuung vielleicht die bessere Alternative.
Irgendwie ganz unspektakulär und eigentlich kaum diesen Roman wert, den ich hier jetzt verfasst habe, aber in einem kurzen Schlusswort mag ich meine Ausführungen doch gipfeln lassen:
Ich fände es bedauerlich, wenn durch strengere Moderation und/oder Nutzersperren die ‚Erfolgsquote’ dieses Forums erhöht werden würde. Ich glaube nicht, dass durch eine solche Elitisierung des Forums wirklich etwas gewonnen werden würde und ganz ehrlich: Ich persönlich gewinne auch aus diesem ‚Kaffeekränzchen-Gelaber’ etwas, wenn dieses final zum Rückfall führt. Klingt böse, aber hilft mir, Fehler zu erkennen und bei Gefahr rechtzeitig gegenzusteuern!
In diesem Sinne
Liebe Grüße
J.