Beiträge von JoeDoe

    Hallo roehrchen,

    Ich habe auch trinkende Eltern, wobei sich die Menge durchaus in Grenzen hält (3-4 Flaschen Bier / Tag). Ich bin mir aber jedenfalls ziemlich sicher, dass ich dadurch ein Gefühl bekommen habe, dass mir sagt, dass Alkoholkonsum normal ist. Mit Sicherheit hat mir das den Weg in die Abhängigkeit 'erleichtert'.

    Was die Gene anbetrifft, da ist sich die Wissenschaft wohl immer noch etwas uneinig. Sicher ist, dass niemand alkoholabhängig geboren wird (es sei denn, die Mutter hat auch in der Schwangerschaft gesoffen). Ich kann mir allerdings schon vorstellen, dass die Gene einen Einfluss darauf haben, wie schnell man vom Alkohol oder anderen Dingen abhängig wird.

    Aber das Trockenwerden ist dann jedenfalls wieder eine reine Kopfsache :wink: .

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Plejaden,

    Zitat

    Grundsätzlich möchte ich für mich nicht ausschließen, einmal in dieses Stadium der Krankheit zu kommen.


    Das sehe ich genau so wie Du. Natürlich habe ich keine Ahnung, ob ich nicht auch irgendwann meine '100ste' in Angriff nehme. Ich kann mich eben nur nicht in diese Situation hineinversetzen und bin auch nach Kräften bemüht, diesen Weg zu vermeiden. Eine absolute Sicherheit werde ich aber nie erlangen.

    Zitat

    Einer aus meiner SHG erzählt übrigens, dass er am Rosenmontag "so richtig feiern geht", und heroisch nur keinen Alk trinkt... Ich hab lieber meinen Babbel gehalten Mit den Augen rollen . Er ist zig Jahre trocken und muss wissen, was er tut.


    Ja, diese Aussagen sind mir auch begegnet. Selbst nach fast acht Jahren in dieser Gegend, bleibt mir der Sinn und der Spaß von Karneval verschlossen. Aber ich bin auch in einem Teil Deutschlands aufgewachsen, wo man die 'Jecken' eventuell für einen Eingeborenenstamm aus Afrika und 'Karneval' vielleicht für eine Wurstsorte gehalten hätte :wink: . Ich konnte diesen Frohsinn jedenfalls nur betrunken ertragen. Und ohne Alkohol geht das gar nicht mehr! (Glücklicherweise wohne ich aber nicht im Zentrum, sondern in ruhiger Randlage). Vielleicht ist es für diejenigen, die dieses Spektakel aus Kindertagen kenne, etwas anderes und das Feiern kann auch ohne Alkohol Freude bereiten ... keine Ahnung ... aber wenn jemand nach vielen Jahren Trockenheit meint, so etwas machen zu müssen, dann halte ich als Frischling auch meinen Babbel :wink: .

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Plejaden,

    ja, was kann ich Dir dazu raten?

    Ich würde mir wahrscheinlich schon etwas gönnen. Gar nicht so sehr aus dem Konsum-Bereich, sondern irgendetwas, was ich auch noch die nächsten Jahre nutzen könnte (ganz konkret wäre das bei mir eine 12-24mm-Scherbe *freu*).

    Ich glaube, so ganz ohne Belohnung wird es auf Dauer auch schwierig ... Stell Dir vor, dass Du eines Tages am Ende eines arbeitsreichen Monats vergeblich auf Dein Gehalt wartest und auf Nachfrage sagt Dir Dein Chef: Ach, erfreuen sie sich doch einfach an dem guten Gefühl, etwas geschafft zu haben :roll: .

    Alles eine Frage der Dosis. Aber ich bin mir sicher, Du findest schon etwas für Dich.

    Liebe Grüße

    J. (der Dich um Deine Situation irgendwie beneidet - auch wenn Du das vielleicht im Augenblick überhaupt nicht verstehst)

    Hallo zusammen,

    ich denke auch, dass so eine 'Vereinbarung mit sich selbst' durchaus hilfreich sein kann - so wie von panther und zilli bereits geschrieben wurde.

    Als ich mich im letzten Jahr auf den Weg gemacht habe, da ist mir als 'Hilfe' auch die 24-Stunden-Regel über den Weg gelaufen. Ich empfand diesen Zeitraum allerdings zu klein und habe mir selbst das 'Ziel' gesteckt, bis zum Jahresende nicht mehr zu trinken. Am Sylvesterabend könnte ich mir dann ja überlegen, ob ich wieder zum Alkohol greifen möchte, oder nicht. Und siehe da: Ich bin noch hier und auch noch trocken :D .

    Auch wenn jeder unterschiedlich mit solchen Fristsetzungen umgeht, wenn es einem hilft, dann ist es doch eine gute Sache. Wichtig ist doch nur, dass man das Erreichen dieses Zieles nicht mit einem 'Jetzt darf ich aber wieder!' verbindet. Ich habe meine Vereinbarung mit mir selbst jedenfalls ein weiteres Jahr verlängert und bin schon gespannt, in welchem Maße es mir gelingt, meine Trockenheit zu festigen!

    Liebe Grüße

    J.

    Danke, Andi!

    Ich bin auch seeeeeehr zufrieden :D !

    Zur Identifikation aber vielleicht auch noch Folgendes:

    Ich bemerke bei mir doch eine steigende Tendenz, mich sehr resolut von Trinkenden (ob nun Alkoholiker oder nicht) zu distanzieren. Am Beispiel meiner Kioskhaltestelle wird mir das recht deutlich. (Zur Erläuterung für diejenigen, die diesen Teil nicht gelesen haben: An der Straßenbahnhaltestelle, die ich in der Regel nutze, liegt ein Kiosk, an dem sich auch immer diverse Personen trinkenderweise durch den Tag schlagen). Als Raucher kommt es hier gelegentlich vor, dass man um eine Zigarette angeschnorrt wird. Früher habe ich derartige Bitten mit einem spaßigen Kurzpalaver abgelehnt. Heute mache ich das nicht mehr, ich finde es sogar unangenehm, wenn mich jemand nach dem Genuss von 3, 4, oder 5 Litern Bier anspricht. Kein spaßiges Kurzpalaver mehr, nur noch die konkrete Ansage, dass ich keine Zigarette übrig habe.

    Eine andere Situation ereignete sich neulich beim Einkaufen. Am frühen Nachmittag ging eine Frau mit ihrem Kind durch die Gänge, wobei der Alkoholgeruch auf drei Meter deutlich wahrzunehmen war. Die Tochter (vielleicht elf oder zwölf Jahre alt) befüllte den Einkaufswagen, an dem sich ihre Mutter festhielt, um nicht wankend umherzustolpern, sehr routiniert. Ich denke, dass es sicher nicht normal ist, wenn man um 14:30 Uhr betrunkenerweise durch den Supermarkt zieht und dabei auf die tatkräftige Unterstützung eines Kindes angewiesen ist. Eine Alkoholproblematik ist da wohl mehr als wahrscheinlich. Ich konnte mich an diesem Punkt aber ebenfalls nicht mit dieser Frau und ihrem Verhalten identifizieren. Der Schwerpunkt meiner Gefühlswahrnehmung lag eindeutig bei dem Kind. Es war eine Mischung aus Mitleid und Trauer, aber auch eine Art Wut auf die Mutter des Kindes. Denn zum Erleben einer ‚glücklichen Kindheit’ tragen solche Situationen sicher nicht bei.

    Ich weiß nicht, ob diese Abgrenzungen jetzt wirklich gut für meine junge Trockenheit sind, oder ob ich da mehr Mitgefühl mit den (Mit-)Betroffenen haben sollte – so sind aber zur Zeit meine Empfindungen.

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo miteinander!

    Ich wollte ja auch noch etwas darüber schreiben, warum man sich nicht mit jedem Alkoholiker identifizieren kann oder muss. Nachdem sich mir jetzt aber gezeigt hat, dass dieses Abstrahieren nicht unbedingt von Vorteil ist, mag ich das jetzt auch lieber dabei belassen, dieses Thema aus meiner eigenen Perspektive zu betrachten.

    Ich mag bei meinen Beschreibungen gern bei dem hier im Forum verlinkten Video bleiben: Dazu mag ich direkt vorweg schicken, dass ich den Film für nicht besonders gelungen halte. Der Alkoholismus als Krankheit ist nur sehr unzureichend dargestellt und ein differenziertes Bild sieht sicher anders aus. Aber ich wollte ja auch mehr über meine persönlichen Eindrücke schreiben. Da sehe ich nun einen Menschen, der eine offensichtlich sehr stark ausgeprägte Alkoholproblematik ausgebildet hat. Mal sehe ich ihn nüchtern, mal im Zustand der totalen Trunkenheit. Die Stimme aus dem Off versorgt mich dann mit einigen weiteren Informationen und nun stehe ich also vor der Frage, ob ich mich in dieser Geschichte wieder erkenne. Um es kurz zu machen: In den meisten Punkten kann ich mich nicht wiedererkennen.

    Verhalten, welches ich von mir auch kenne, sehe ich natürlich im Trinken allgemein, auch die melancholischen Elemente des Suffs sind mir wohl bekannt. Bei 100 Entgiftungen wird mein Horizont allerdings gesprengt. Ich habe eine Entgiftung hinter mir und möchte es gerne dabei belassen. Vielleicht erinnern sich einige hier, die auch mehrere Entgiftungen hinter sich gebracht haben, an ihre erste und dabei natürlich auch an die Unsicherheit und auch die Angst, die dabei im Vorfeld entstanden ist (sofern die Entgiftung freiwillig und mit einer kurzen, mentalen Vorbereitungszeit stattgefunden hat). Diese Entgiftungserfahrung ist für mich unglaublich wertvoll, weil ich mich einerseits in einer völlig ungewohnten Situation wiedergefunden habe, andererseits natürlich auch, weil ich einen sehr eindrucksvollen Blick auf meine Zukunftsoptionen habe werfen können. Während dieser Zeit ist mir natürlich aufgefallen, dass so manch einer diesen Aufenthalt mit einer unglaublichen Routine und Erfahrung angegangen ist. Da wird nach dem medizinischen Check erstmal der Kühlschrank inspiziert und anschließend der ‚persönliche Bedarf’ auf die Bestellliste für den nächsten Tag geschrieben. Im Anschluss geht es direkt in das Raucherzimmer, wo man dann fachkundig den einsetzenden Entzugstremor mit dem anderer Patienten vergleicht. Mir ist an dieser Stelle natürlich bewusst, dass ich mit der gleichen Diagnose auf der Station war, wie die anderen Patienten auch, aber diese Routine im Umgang mit der eigenen Krankheit war und ist ein Bild für mich, in dem ich mich nicht wiederfinden möchte. Ich bin mir sehr sicher, dass ich nach zwei, drei, vier oder fünf Entgiftungen die gleiche Routine entwickeln würde, aber im jetzigen Augenblick bin ich nicht an diesem Punkt und ich mag mich damit auch nicht identifizieren, um eben nicht Gefahr zu laufen, diese Erfahrungen für mich selbst machen zu wollen oder zu müssen, um mir des Alkoholismus wirklich bewusst zu werden. Ich glaube, dass mir diese Nichtidentifikation hilft, es auch wirklich bei dieser einen Runde zu belassen.

    Eine andere Sache aus dem Film, die ich nicht am eigenen Leib erfahren habe, ist die des Co-Verhaltens. Da ich bisher nicht in der Situation gewesen bin, dass mich meine Partnerin (weder meine jetzige, noch frühere) in meiner Sucht in einer Form hat ‚unterstützen’ müssen, wie es in dem Film gezeigt wurde, fehlt mir auch hier die Möglichkeit, mich mit dieser speziellen Situation zu identifizieren. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass jemand mich in dieser Art und Weise im eigenen Untergang unterstützt. Weder von meinen Eltern, noch von meiner Partnerin. Ich habe den Film auch ein zweites Mal zusammen mit meiner Partnerin gesehen und im anschließenden Gespräch hat sie auch ganz klar zur Sprache gebracht, dass es bei aller Liebe Grenzen gibt. Einen oder zwei Rückfälle könnte man ja noch verstehen und auch ‚verzeihen’, wenn die daran anschließenden Entwöhnungsbemühungen auch intensiviert werden Eine eigene ‚Trinkerecke’ mit Gummimatratze, die dann täglich von Urin und anderen Körperausscheidungen befreit werden muss, die wird es allerdings bei uns nicht geben. Hier wäre die Leidensfähigkeit meiner Partnerin definitiv überschritten und auch das Gefühl der Liebe könnte mit einem ‚aber ich bin doch krank!’ nicht aufrechterhalten werden.

    Wie gesagt, ich werte den gezeigten Fall nicht und bilde mir auch kein Urteil, dennoch fehlt mir die Möglichkeit, mich damit zu identifizieren.

    So, jetzt bin ich hoffentlich wieder bei mir geblieben und habe nicht unnütz theoretisiert :wink: .

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo zusammen.

    Plejaden :
    Ich habe keine Ahnung, ob sich die Schlange bei meinen Gedanken irgendwann selbst in den Schwanz beisst (Zirkellaufen?), allerdings kann das Theoretisieren natürlich von der eigenen Person ablenken. Für mich speziell ist auch die 'Tiefpunkterfahrung' so eine Sache, die ich auf dieser Ebene nicht zu ausführlich behandeln solte. Denn da mir ein wirklicher Tiefpunkt fehlt, bestände die Gefahr, mich über die theoretische Notwendigkeit eines eben solchen gerade zur Wiederaufnahme des Trinkens zu zwingen. Motto: Fehlt der tiefe Schmerz, scheitert auch die Abstinenz. Von dem Standpunkt aus betrachtet, ist selbst für mich darin ein kritisches Moment zu sehen.

    Zum 'Therapieplan': Also grundsätzlich habe ich in den letzten 6 Monaten schon eine Verbesserung bei meinen Ängsten wahrgenommen. Ich denke, dass Angst und Alkohol sich auch prima gegenseitig verstärken können, und durch den Wegfall des einen, auch das andere immer mehr an Intensität verliert. So konnte ich während des Urlaubs auch (fast) ganz ungehemmt mit anderen Reisenden kommunizieren. Probleme bereiten mir allerdings immer noch 'Bewertungssituationen', da verspüre ich doch immer noch eine Unsicherheit, bei der der ein oder andere professionelle Rat vielleicht gar nicht verkehrt wäre. Aber mal sehen, wie sich das entwickelt ... bin jedenfalls optimistisch eingestellt :D .

    Brigitte :
    Tja, ich denke, da ist schon etwas Wahres dran, an dem, was Du gelesen hast. Negative Erlebnisse etwas schhneller verblassen zu lassen, als die Positiven, ist ja prinzipiell auch eine gute Sache. Zumindest, wenn es nicht um Alkohol geht. Da wird diese Tendenz zum Optimismus doch schnell zur Falle. Hmmm, ganz ehrlich: Da muss ich mir noch ein paar Gedankenbrücken bauen, die mich dann sicher wieder in die Realität holen, wenn ich denn auch mal einen positiven Gedanken an Alkohol habe. Bis jetzt war es glücklicherweise noch nie besonders stark, aber wer weiss ...?

    Ansonsten geht's mir gut. So langsam fährt hier die Karnevalssession ihrem Höhepunkt entgegen, aber da bin ich ja glücklicherweise immun. Ich denke, viele 'Frischlinge' werden in den nächsten Wochen wohl leider Rückfallerfahrungen machen, wenn sie sich unbedacht ins Getümmel schmeissen. Also: Gebt auf Euch acht, geht gar nicht erst hin!

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo M.,

    ui, ein Missverständnis meinerseits *sorry*.

    Da hast Du natürlich völlig recht mit der Dauer (und der Stabilität) der Trockenheit. Wenn ich mir überlege, wie ich vor fünf Monaten auf solche Texte reagiert hätte, oder ob ich sie überhaupt gelesen hätte :roll: ?

    Dennoch sind mir weitere Meinungen natürlich immer herzlich willkommen :wink: !

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo M.,

    Zitat

    1. Alles gut und schön , nur "mir" nutzt es nichts! Siehe mein Posten bevor du sinniert hattest


    So etwas hatte ich mir ja auch schon fast gedacht ... die Sache mit dem konkret und praktisch orientiert :wink:

    Zitat

    2. Nicht jeder ist auf der gleichen Gedanken oder Augenhöhe hier im Forum und will oder kann, dir folgen!


    Das ist doch eigentlich immer so ... mal versteht man sein Gegenüber und mal kann man mit seinem Gesprächspartner überhaupt nichts anfangen. Ob das etwas mit Augenhöhe zu tun hat, weiss ich nicht :roll: . Hätte mich nur interessiert, ob sich jemand anderes auch auf einer ähnlichen Weise mit dem Thema beschäftigt.

    Zitat

    3.Mich erinnern solche gedankliche Ergüsse , zu sehr an die Nasse Zeit !
    Über was ich da philisophiert hatte. und zu keinem Ergebinis kam , ist erschreckend!


    Da haben wir wohl etwas gemeinsam :wink: . Nur kann ich mich heute auch noch am folgenden Tag an meine Gedanken erinnern. Unter dieser Voraussetzung macht es mir wieder 'Spaß', mich diesem und auch anderen Themen auf diese Art zu nähern. Aber das ist natürlich auch 'Geschmackssache'.

    Insgesamt hast Du sicher nicht ganz unrecht mit der Aussage, dass alles, was sich um das Suchtgedächtnis dreht, am Ende auch dazu geeignet ist, sich selbst oder auch anderen 'Hintertürchen' aufzuzeigen. Vor diesem Hintergrund können solche Philosophierereien auch nicht ganz ungefährlich sein. Denn auch, wenn sie mir helfen, die Sucht als Krankheit zu begreifen, sö lädt es auch zu 'fröhlichem' Weitertrinken ein, wenn man es nur halb versteht, oder sogar nur halb verstehen will!

    Ich denke, ich werde diese Gedanken lieber an einem anderen Ort, als dem diesen weiterführen. Stichwort Verantwortung.

    In diesem Sinne trocken bleiben :D !

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Plejaden,

    Zitat von Plejaden

    Seid mir nicht böse, wenn ich heute eine Runde aussetze, aber ich hatte einen 11-Stunden-Tag und kriege Kopfschmerzen wenn ich jetzt über sowas nachdenken muss 8) .


    Kein Problem, bin ganz bestimmt nicht böse :wink: .

    Schade fand ich eigentlich, dass sich nicht noch ein paar weitere Meinungen zu diesen Gedanken hierher verirrt haben. Aber vielleicht ist dieses Theoretisieren auch nicht unbedingt von so großer Bedeutung in einem Selbsthilfeforum :?: . Da hat die konkrete Unterstützung und die praktisch orientierte Hilfe -gerade am Anfang einer Abstinenz- sicher einen weit höheren Stellenwert. Der Versuch, die eigene Erfahrung zu abstrahieren und in ein Modell zu packen, ist dabei natürlich nicht unbedingt hilfreich. Whatever! Ich werde das mal weiter denken (Die nächsten Thesen sind schon in Arbeit :wink: ) und zu einem späteren Zeitpunkt weiterführen.

    Ansonsten hatte ich heute die Entscheidung über meine Teilnahme an der mir angebotenen ambulanten Therapie zu fällen. Nach einem wirklich sehr intensiven Gespräch mit meiner Suchtberaterin habe ich mich dann letztendlich dagegen entschieden. Zur Begründung nur ganz kurz: Der Schwerpunkt dieser Maßnahme liegt auf der Gruppentherapie, die wöchentlich und in Form von 6 Wochenendseminaren stattfinden würde. Der einzeltherapeutische Bereich wäre auf Gespräche im 4-Wochen-Takt beschränkt, wobei dieser Takt im 'Notfall' auch etwas erhöht werden könnte. Was den 'Gruppenteil' anbelangt, so glaube ich, dass ich hier und auch in anderen 'realen' SHGs genau so gut, wenn nicht sogar besser aufgehoben bin. Die Einzeltherapie kommt in meinen Augen zu kurz und in diesem Rahmen würde ich mir die Möglichkeit nehmen, zusätzlich an einer Individualtherapie bei einem freien Therapeuten teilzunehmen. Letzteres verfolge ich ja auch zur Zeit und ist mir bezüglich meiner Angstproblematik/Selbstunsicherheit ein großes Bedürfnis. Durch diese Entscheidung bin ich jetzt natürlich ein wenig mehr darauf angewiesen, mich eigenverantwortlich um die Stabilisierung meiner Trockenheit zu kümmern, aber diese Verantwortung müssen wir ja alle früher oder später übernehmen.

    Nun denn!

    Ich wünsch Euch was!

    Liebe Grüße

    J.

    Ach so, noch vergessen:

    Zitat

    Bis zum persönlichen Tiefpunkt, wo der Schwindel dann ein Ende hat


    Der Erfahrung eines Tiefpunktes landet dann sicher dort, wo die Ängste ihr Zuhause haben.
    Diese neue, negative Assoziation bringt den Körper dann in die von Plejaden beschriebene 'Kampfbereitschaft' und durch genau diese können alle positiven Assoziationen, die im Suchtgedächtnis lagern und zum Trinken animieren, effektiver ignoriert werden. Therapie durch Traumatisierung sozusagen. Schon irgendwie bitter!

    Liebe Grüße

    J

    Hallo Plejaden, Hallo Micha, liebe Zuhörer :wink:,

    Plejaden :
    Also zunächst mal wollte ich Dich natürlich nicht ‚erwischen’ oder Dich auffordern, Deinem Suchtmonster die Existenz abzuerkennen. Solange Dir diese gedankliche Brücke hilft, ist sie ja auch völlig in Ordnung.

    Deine kurzen Ausführungen zum Thema Angst finde ich sehr spannend. Ich denke, sie lassen sich in leicht abgewandelter Form auch auf den Alkohol und das Suchtgedächtnis transferieren. Denn in beiden Fällen wird ein Reiz von einem Teil des Gehirns interpretiert, der die Steuerung des eigenen Verhaltens aus einer kognitiven Ebene heraus erschwert oder gar unmöglich macht. Dabei gilt, dass diese Reaktion aus der subjektiven Perspektive immer richtig ist. Im Fall von einer Angststörung ist es dann der ‚Kampfmodus’ (Ich kenne von mir eher den Fluchtmodus), im Fall Suchterkrankung dann das starke Bedürfnis, das entsprechende Suchtmittel zu konsumieren. Die Richtigkeit dieser Reaktion wird erst dann in Frage gestellt, wenn man die eigenen Verhaltensmuster mit den Verhaltensmustern anderer Menschen vergleicht und dabei auf signifikante Abweichungen stößt. Die Feststellung ‚Ich habe ein Problem’ ist also immer das Resultat eines Reflexionsprozesses. Das gilt für Angst, genauso wie für Alkohol. Im Grunde genommen ist es dabei sogar egal, auf welcher ‚Ebene’ sich diese Abweichungen befinden, je tiefer sie liegen, desto schwieriger ist es natürlich, sie mit dem Verstand zu bekämpfen.

    Micha :
    Na, über das Hirn Nachdenken wird ja noch funktionieren, das Verstehen ist dann allerdings etwas anderes :wink: .

    Ich finde den Vergleich mit dem Hund gar nicht schlecht. Der Hund ist sich seiner selbst nicht bewusst und auch sein Reflexionsvermögen ist arg eingegrenzt. Dadurch kommt er nicht in eine Situation, in der er sich und sein Leben als wertlos erachtet und sich in der Disziplin der Selbstaufgabe übt.

    Ich glaube, dass auch die wenigsten Alkoholiker am Anfang ihrer Karriere mit dem Vorsatz getrunken haben, sich selbst zerstören zu wollen. Am Beginn standen die als positiv wahrgenommenen Effekte des Alkoholkonsums im Vordergrund. Und nach meiner These, sind es auch genau diese Wahrnehmungen, die wir im Suchtgedächtnis hinterlegt finden. Und da das Suchtgedächtnis einen wesentlich rudimentäreren (und damit leider auch deutlich stärker ausgeprägten) Einfluss aus unser Verhalten hat, ist es eben mit dem Verstand allein auch so schwer zu bekämpfen.

    Aber um zurück auf das ‚Lügen’ zu kommen: Es ist völlig egal, in welcher Situation man den Alkohol als Lösungsstrategie verwendet hat. Ebenso egal, ob man sich des Fehlverhaltens auf kognitiver Ebene bewusst war, oder nicht. Der Alkoholkonsum wird in dieser Situation vom Suchtgedächtnis als ‚erfolgreiche Strategie’ wahrgenommen. Probleme verwaschen im Rausch, die Hirnchemie meldet ‚Belohnung!’… in diesem Moment ist doch subjektiv alles positiv (Selbst wenn ich im Rausch im triefenden Selbstmitleid versinke: Das erscheit positiver, als sich um das eigentliche Problem zu kümmern)! Erst wenn der Rausch wieder abklingt und man sich bewusst wird, dass man nicht einen einzigen Millimeter weiter gekommen ist, wird man sich des Irrsinns Alkohol bewusst. Aber hey: Das Suchtgedächtnis hat da ja einen Lösungsansatz …

    Irgendwie ist es doch ganz schön kompliziert.

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Plejaden,

    im Grunde genommen sprechen wir natürlich von der gleichen Sache … Ich habe ja auch schon mal meinen Hirnkobold erwähnt, der Deinem Suchtmonster sicher nicht ganz unähnlich ist :wink: . Nur irgendwann stelle ich mir natürlich auch die Frage, was denn hinter diesen beiden Gesellen steckt. Die Vorstellung von kleinen, sprechenden Wesen, die sich in tiefer Boshaftigkeit über mein Denken hermachen und versuchen, mein Handeln zu beeinflussen, diese Vorstellung verliert dann doch irgendwann ihren Reiz. Für mich ist dieses Präzisieren der Suchtabläufe auch wichtig für mein Krankheitsverständnis. Mit der Aussage: ‚Herr Doktor, ich bin an einem Kobold erkrankt, der mich ständig zum Trinken animieren will!’ komme ich zwar gut in ein Gespräch, aber ein realistisches Bild von meiner Trinkmotivation sieht sicher anders aus. Hier fehlen mir noch einige Grundlagen, die mich das Wort Krankheit auch wirklich annehmen lassen. Letzteres ist wichtig, funktioniert bei mir aber nicht mit Theorien über Kobolde oder Monster :wink: .

    Aber das nur zur Motivation, diesen Text zu schreiben.

    Mit einer Verknüpfung meinte ich übrigens nicht den aus einer Reflexion entstehenden Ausblick auf die Zukunft, wie Du ihn geschildert hast:

    Zitat

    "Heute trinken - morgen leiden - übermorgen krepieren"


    Ich denke da eher an sehr rudimentäre Verknüpfungen wie z.B. ‚heisse Herdplatte=Aua’. Diese Verknüpfung haben sicher 85% aller Kinder erstellt, nachdem sie über Wochen, Monate oder gar Jahre hinweg auf den rechten Augenblick warteten, um die Aussagen der eigenen Eltern auf Richtigkeit zu überprüfen (Ja, auch ich habe meinen Eltern misstraut :wink: ). Aus dieser Erfahrung heraus bedarf es keiner weiteren Reflexion, um die Finger von einer eingeschalteten Herdplatte zu lassen. Und eine solche Verknüpfung findet sich eben auch im Suchtgedächtnis zum Alkohol … leider ist sie aber positiv.

    In jedem Falle lässt sich durch das Anspringen des Suchtgedächtnisses erkennen, das sich in irgendeiner Form eine Reizlage entwickelt hat, die zu früheren Zeiten automatisch und ohne weiteres Nachdenken zum Alkoholkonsum geführt hätte. Und das ist ja prinzipiell eine gute Sache, weil es mir ein Hilfsmittel ist, um zu erkennen, wo sich Gefahrenmomente befinden.

    Hmmm, aber sind ja wie gesagt auch nur so meine Gedanken …

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo zusammen,

    jetzt mag ich mal meine Gedanken zum Thema Suchtgedächtnis in den Raum werfen und wäre natürlich dankbar zu erfahren, ob sich die mit Euren Meinungen decken, oder ob ich mich da eher auf einem Holzweg befinde.

    Grundsätzlich finde ich es zunächst wichtig, zwischen Suchtgedächtnis und Suchtdruck zu unterscheiden. Unter dem Suchtgedächtnis verstehe ich -jetzt mal ganz grob gesagt- die gesammelten Erinnerungen an mein Trinkverhalten, unter Suchtdruck hingegen das aus diesen Erinnerungen resultierende Verlangen, mir wieder etwas ‚gönnen’ zu wollen. Ich habe jetzt mal ganz bewusst das Wort ‚gönnen’ verwendet, weil die Erinnerungen an den Alkohol im Suchtgedächtnis, die dieses Verlangen wecken, grundsätzlich von positiver Natur sind.

    Das wäre dann auch schon meine erste These zum Thema: Der Alkohol und seine Wirkung sind im Suchtgedächtnis prinzipiell positiv assoziiert! Kein ‚Kater’, keine kaputte Beziehung und auch kein Krampfanfall haben je den Weg in das Suchtgedächtnis hinein geschafft, um diesen speziellen Erinnerungen ihren Glanz zu nehmen.

    Aber warum ist das so?

    Am Anfang einer Trinkerkarriere ist das wohl noch ganz einleuchtend: Ich denke wohl, dass so gut wie jeder erwachsene Mensch hierzulande bereits Alkohol konsumiert hat. Für die meisten ist der Schwipps oder auch der Rausch in irgendeiner Form ein positives Erleben und dieses ‚Positive’ wird dann auch schnell als Erinnerung gespeichert. Aus dieser Erinnerung resultiert die Bereitschaft, bei ähnlichen Anlässen erneut zum Glas zu greifen. Wir sind hier noch ganz am Anfang und weit entfernt von der Sucht, aber die ersten Einträge im Suchtgedächtnis werden bereits hier gemacht.

    Nun kann es aber auch passieren, dass man sich ein Glas zuviel gegönnt hat und am Ende mit einem Kater zusammen leidvoll den nächsten Morgen verleben muss.

    Kommen solche Erlebnisse denn auch in das Suchtgedächtnis?

    Ich denke nicht und bringt mich auch zu meiner zweiten These zum Thema: Unser Hirn ist dümmer als der Intellekt, den es selbst produziert! Wir mögen mit unserem Verstand zwar erfassen, dass Schmerz und Übel eines Katers die Folge eines übermäßigen Alkoholkonsums sind, eine direkte Verknüpfung mit dem am Vortag entstandenen Trinkverhalten gelingt jedoch nicht mehr. Zu der Zeit, als man sich die Basis für den Kater geschaffen hat, hat man getrunken und dadurch ein Wohlgefühl erlangt. Dieses Wohlgefühl war dann offensichtlich so groß, dass es zu weiterer Alkoholaufnahme animiert hat. Genau dieser Prozess wird im Suchtgedächtnis gespeichert, jedoch nicht das Leiden am folgenden Tag. Wie oft habe ich im Alter von 16 oder 17 Jahren an einem ‚dunklen’ Sonntagmittag die Worte ‚Nie wieder!’ gedacht und selbige bereits am nächsten Wochenende wieder vergessen.

    Wir sind hier aber immer noch weit vom süchtigen Trinken entfernt. Wie sich das jetzt genau entwickelt, ist sicher sehr individuell – zumindest vom Standpunkt der eigenen Wahrnehmung aus betrachtet. Ich glaube jedoch, dass sich das Ego irgendwann einmal über die Informationen im Suchtgedächtnis hermacht und analysiert, ob der ein oder andere ‚Effekt’ nicht vielleicht im Alltag ganz gut zu gebrauchen sein könnte. Dabei spielt es auch gar keine Rolle, an welchem Punkt man den Alkohol als ‚gewinnbringende Medikation’ einsetzen möchte: Einsamkeit, Ängste, Kummer … egal! Wenn die positive Wahrnehmung alkoholischer Wirkung hilfreich erscheint, dann beginnt man damit, die eigenen Trinkregeln immer weiter zu unterwandern und so landet man dann letztlich in der Sucht. Aber auch hier gilt, dass man im Trinken immer einen positiven Gewinn sieht, den man auch im Suchtgedächtnis ordentlich hinterlegt. Hier fehlt mir dann zwar die eigene Erfahrung, aber ich spekuliere jetzt einfach einmal, dass selbst im fortgeschrittenen Stadium mit zwanghaftem Konsum immer noch positive Elemente im Rausch vorhanden sind. Wenn es nur der Verhinderung eines Krampfanfalles dient, dann ist es doch schon etwas Gutes.

    Und das bringt mich jetzt auf meine finale These zum Thema: Das Suchtgedächtnis lügt nicht! Wenn sich ein Alkoholiker über Jahre oder gar Jahrzehnte hinweg der positiven Assoziationen des Suchtgedächtnisses bedient hat, dann erscheint es doch auch völlig logisch, dass bei bestimmten Reizlagen die Erinnerung an die lang gehegten Kompensationsstrategien immer wieder auf ein Neues aktiviert werden.

    Das hat jetzt allerdings noch nichts mit Suchtdruck zu tun! Der entsteht erst eine hunderttausendstel Sekunde später, wenn die Erinnerung im Bewusstsein wach wird und wir nun die Wahl treffen müssen, ob wir auf neuen Pfaden wandern, oder doch wieder in die altbekannten Gewohnheiten zurückfallen wollen. Neue Pfade zu entdecken, ihren Liebreiz zu erkennen und die immer wieder aufkommende Wahl immer selbstverständlicher zu gestalten, das nennt man dann wohl Trockenheitsarbeit :wink: .

    OK, das war jetzt lang und sicher auch noch etwas wirr, aber ich hoffe trotzdem, dass Ihr damit etwas anfangen könnt.

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo M.,

    wie bereits erwähnt: Da müssen meine Gedanken noch einige Runden durch mein Hirn jagen, bevor ich meine Thesen zum Suchtgedächtnis niederschreiben kann (und man beim Lesen nicht sofort auf die Idee kommt: ’Jetzt isser völlig weg!’ :wink:).

    Aber das mit dem ‚Warnsystem’ hat schon etwas. Man kann es sicher als ein solches nutzen (Sollte man wohl auch!).

    Werde aber noch eine Nacht darüber sinnieren …

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo zusammen,

    @Plejaden&Zeppeline:

    Dank Euch für die Besserungswünsche! Ein paar wenige, aber umso widerstandsfähigere Zellen des toten Frosches haben doch noch einen Funken Leben in ihren Kernen bewahrt und begannen auch bald damit, die über den siechenden Körper hergefallenen Madenhorden in die Flucht zu schlagen. Eine infernalische Schlacht um das eigene Leben bzw. die willkommene Mahlzeit entbrannte, an deren Ende das quakende Amphibium triumphierend obsiegte und eine ganze Generation junger Stubenfliegen darbend ihrem frühen Ende entgegen sahen! :wink:

    Man könnte auch sagen, dass ich zusehends gesunde, aber ich wollte dem diseased mind gerne noch Rechnung tragen :wink:

    Ansonsten habe ich hier mal wieder ein wenig Zeit verbracht und gelesen. Dabei fällt mir immer mehr auf, dass dem trockenen Alkoholiker offenbar das ein oder andere Wort der deutschen Sprache zusehends missfällt, bzw. bei Verwendung eines solchen Wortes oft Bedeutungen impliziert werden, die im allgemeinen Gebrauch so gar nicht vorgesehen sind.

    Da wäre z.B. das Wort ‚Wille’, über welches ich mir ja schon einige Gedanken in meinem Thread gemacht habe. Ohne diese Gedanken an dieser Stelle noch einmal zu wiederholen, mag ich dennoch kurz meine positive Beziehung zu diesem Wort ein weiteres Mal betonen: Ohne einen Willen wäre ich doch nichts weiter als ein gedankenloser Zellklumpen, der frei von Motivation und Zielen vor sich dahin vegetiert. Der Wille ist somit zentraler Teil meiner menschlichen Entwicklungsfähigkeit.

    Nun bemerke ich jedoch, dass das Wort Wille im Zusammenhang mit Abstinenz häufig einen fast kriegerischen Charakter erhält. Da wird mit eisernem Willen gegen den Alkohol gekämpft. Oder man ringt mit einem erbarmungslosen Willen gegen den Druck zu Trinken. Aus vielen Erfahrungen, die das ‚Kämpfen’ gegen die Sucht als erfolglos erkennen lassen, leidet nun natürlich auch die Semantik des Wortes ‚Wille’. Aus einem ‚Ich will nicht mehr trinken’ wird ein ‚Ich kämpfe gegen den Alkohol’. So wird der Wille ein Synonym für Kampfbereitschaft. Ist doch eigentlich schade, oder?

    Whatever!

    Dann waren da auch noch Themen wie ‚Suchtgedächtnis’ oder ‚Identifikation mit dem Alkoholismus’ (Das Video, welches hier verlinkt wird). Zu beiden habe ich mir schon einige Gedanken gemacht, aber das muss alles noch ein oder zwei Runden durch mein Hirn wandern, bevor ich das ausformuliere. Nur soviel erstmal:

    1. Das Suchgedächtnis lügt nicht.
    2. Ich muss und kann mich nicht in jedem Schicksal wiedererkennen, um meinen Alkoholismus zu akzeptieren.

    Wenn zu diesen Thesen spontaner Widerstand entsteht, dann immer her damit :wink: . Kleine Schläge auf den Hinterkopf und so ...

    Soweit ...

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Plejaden,

    Zitat von Plejaden

    ... verkorksten Mentalcoach im Frühstücksfernsehen ...


    Na, was Du denn im Frühstücksfernsehen erwartet? Fundierte und fachlich durchdachte Problemanalysen, die in einer wissenschaftlich anerkannten Bewältigungsstrategie münden? Nach einer telefonischen Fragestellung?? In 45 Sekunden???

    Ich sag's ja immer wieder gerne: Fernsehen macht dumm :twisted: .

    Zu was Fernsehkonsum auch führen kann, mag ich hier mal kurz am Rande erwähnen:
    Meine Partnerin hat jetzt durch eine Sendung im TV einen Hinweis erhalten, wie man aus einer Ananas wieder eine lebendige Pflanze erwecken kann. In Erinnerung an den kürzlich vergangenen Urlaub im Süden wurde mir auch unverzüglich der Auftrag erteilt, die Früchte zu besorgen. Schmecken gut und die kann man ja mit dem neu gewonnenen Wissen jetzt auch selbst züchten :!: . Nu stehen hier zwei Ananasstrünke in Töpfen, von denen wird jetzt erwartet wird, dass sie alsbald auch Wurzeln schlagen. Ich sehe mich schon in zwei Jahren die botanischen Gärten der Gegend abfahren, um den unserer Wohnumgebung entwachsenen Pflanzen eine neue Heimat zu suchen :roll: :wink: !

    Wir lernen daraus: Fernsehen gefährdet den Alltag!

    Kleiner Tipp noch: Wenn Du das nächste mal im 'Frühstücksfernsehen' einen 'Mentalcoach' erblickst, dann schalt einfach um. Testbild ist da gut! Kann man wenigstens das Bild kalibrieren :wink:

    Liebe Grüße und ein ehrlich gemeintes 'Du schaffst das schon!'

    J.

    Hallo Plejaden,

    hab mich noch gar nicht vollständig durch Deinen Thread gelesen, aber da ich selbst von einer Vireninfektion schwer gebeutelt darniederliege (letzte Messung ergab einen Fieberwert von 38,34) mag ich Dir als Leidensgenosse ganz kurz eine
    gute Besserung!!! wünschen!

    mit lieben Grüßen

    J.

    Hallo engel, Hallo Robert (ist doch eigentlich DEIN Thread hier ;)),

    also grundsätzlich muss jeder natürlich seinen eigenen Weg gehen. Genau so, wie jeder von uns sich auch ganz allein für sich selbst die Zähne putzen muss!

    Trotzdem sollte man vielleicht beachten, dass wir uns hier thematisch mit einer Krankheit auseinandersetzen, die eben auch genau solche Formen bekommen KANN, wie es in dem Video zu sehen ist. Vor diesem Hintergrund finde ich, das allzu beschwichtigende Aussagen vielleicht nicht unbedingt einen förderlichen Charakter für die weitere Abstinenz haben könnten! Nur so am Rande: Über 95% aller abstinenzbemühten Alkoholiker erleiden im Laufe ihres Lebens einen Rückfall. Vielleicht eine Runde Dart zur falschen Zeit am falschen Ort???

    Aber mal zu Dir, Robert:

    Ich bin ja auch erst seit 5 Monaten trocken, also gib meinem Rat nicht allzu viel Gewicht. Ich mache es jedenfalls so, dass ich bei allen Aktivitäten und auch Orten immer ein feines Ohr auf meine innere Stimme ansetze. Wenn ich dann irgendwo aus den Tiefen meines Seins eine Stimme bemerke, die einen Satz spricht wie: "Och, so ein Bier wäre jetzt aber auch nicht zu verachten...", dann mache ich etwas falsch! Ort, Zeit, Aktivität, Laune ... kann alles mögliche sein, aber irgendetwas stimmt dann eben nicht! Wenn Du also Dart spielst, und Dir kommt auch nur der Hauch eines Gedankens an einen alkoholischen Drink, dann solltest Du es zu Deinem eigenen Schutz in Zukunft lieber lassen!

    Zum Sekt: Keine Frage, nicht wiederholen!!! Auch wenn es von Deiner Mutter lieb gemeint war, das ist kein guter Weg. Ich würde (falls Du es nicht bereits getan hast) dieses Thema ruhig noch einmal mit ihr besprechen. Erkläre ihr die Situation (keine Vorwürfe), mach ihr verständlich, dass alkoholfreie Variationen von Getränken, die man (oder besser gesagt wir Alkoholiker) nur dazu verwenden, um uns den gewünschten Rausch anzutronken, für Dich keine Alternative mehr darstellen können. Du kannst doch auch prima mit Sprudelwasser oder Saft anstoßen. Und wenn Du erklärst, warum Du das tust, dann wird dem feierlichen Anlass auch nicht der Spaß genommen.

    Also, das Kind hat schon tief in den Brunnen geschaut, aber gefallen ist es noch nicht. Gib nur ein wenig mehr acht auf Dich!

    In dem Sinne

    Liebe Grüße

    J.