Beiträge von JoeDoe

    Hallo zusammen,

    thiemo :
    Der Titel meines Threads stammt aus einem Spiel. Es ist eine Art Begrüßung oder Grußfloskel einer nichtirdischen Rasse, die in den Tiefen des Universums unter dem Namen Protoss bekannt sind 8) ... Mir fiel ganz ehrlich gesagt kein sinniger Titel für meinen Thread ein, daher einfach dieser Gruß :wink:

    Brigitte :
    Ja, ein schlechtes Gewissen gegenüber meiner Partnerin lässt sich nicht leugnen. Und ich denke auch, dass dieses Gefühl durchaus seine Berechtigung hat: Habe ich sie doch über lange Zeit die finanzielle Verantwortung unseres gemeinsamen Lebens tragen lassen. Natürlich könnte ich es mir jetzt einfach machen und meinen Alkoholmißbrauch dafür als alleinverantwortlich brandmarken. Als Konsequenz daraus würde die LZT für mich (und meine Beziehung) natürlich den Status "dringend anzuraten!" erhalten. Leider weiss ich aber auch, dass diese Sicht nicht wirklich dem Erlebten entspricht: Tatsache ist vielmehr, dass ich meinen A**** nicht hochbekommen habe und mir abends dann mithilfe von Alkohol den Tag schöngetrunken und Probleme vernebelt habe.

    Jetzt kann man natürlich gucken, wie das eine mit dem anderen zusammenhängt, wie sich was gegenseitig verstärkt usw. usf. und natürlich reizt mich das Angebot, mich 4 Monate mit mir selbst beschäftigen zu können: Nur dem eigenen Ich zugewandt und bis auf Küchendienst frei von Verpflichtungen! Aber ich glaube eben auch, dass ich damit genau die Baustellen umgehe, die ich eigentlich bearbeiten sollte, nämlich Verantwortungsbewustein für mich und mein Leben zu entwickeln! Und dazu gehört eben auch meine Beziehung.

    In der Gruppe wurde bereits der Einwand hervorgebracht, dass ich vielleicht zu viel wolle, dass ich schon zu weit fortschreiten möchte. Aber dennoch glaube ich fest daran, dass mein Weg gangbar und auch erfolgreich sein wird (<- ich hoffe, das klang jetzt nicht überheblich).

    Hmmm, manchmal habe ich irgendwie das Gefühl, mich verteidigen zu müssen.... schon komisch!

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Brigitte,

    wir haben das Thema natürlich auch durchgesprochen. Grundsätzlich bekomme ich von ihr auch viel Verständnis und Unterstützung, aber ihre Begeisterung angesichts einer vier-monatigen Abwesenheit meiner Person hält sich doch in engen Grenzen. Dennoch würde sie mir einen solchen Aufenthalt nicht ausreden. Der Punkt ist vielmehr, dass ICH mich dabei unwohl fühlen würde.

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo hasenpfoetchen, Hallo Forum,

    es ist schön zu lesen, das Du (Ihr) mich auf dem richtigen Weg wähnt. Und so langsam gewinne ich auch immer mehr an Sicherheit, diesen Weg auch konsequent weiter gehen zu können. Zwar fehlt es mir im Augenblick ein wenig an Selbstvertrauen und -sicherheit, aber das soll mir kein Grund sein, die frisch beschrittenen Pfade wieder zu verlassen.

    Mittlerweile habe ich mich auch wieder daran gewöhnt, einige Stunden allein mit mir zu verbringen. "Rumhängen" im klassischen Sinne versuche ich zunehmend zu vermeiden, auch wenn es manchmal reizvoll erscheint, sich selbst in aller Tiefe zu reflektieren. Letztendlich sind mir ja die Grundlagen und die Mechanismen, die mich zum Alkohol haben greifen lassen, bekannt - wenn auch in ungeordneter Form. Aber das ewige Abspielen solcher Gedankengänge im stillen Kämmerlein erscheint mir zunehmend müßig und wenig voranbringend. Ich freue mich daher immer mehr auf die bald beginnende therapeutische Arbeit. Und der letzte Satz ist schon eine große Veränderung: Hätte ich diesen doch so vor einiger Zeit nie formuliert!

    Ach so ... weil es ja das erste Thema meines Threads war: Ich habe mich nach reiflicher Überlegung gegen die stationäre LZT entschieden. Ich glaube, dass ich meine Defizite (Verantwortungsbewustsein und Selbstvertrauen) effektiver in realer Umgebung bearbeiten kann, als in dem doch etwas abgeschlossenen Rahmen der LZT. Desweiteren habe ich gerade im Bezug auf Verantwortung ein kleines Problem damit, mich für eine so lange Zeit unter einer "Käseglocke" zu verschanzen und gleichzeitig zu wissen, dass meine Partnerin nur wenige Kilometer entfernt mit Arbeit, Haushalt und den Tieren ganz allein zurecht kommen muss. In den fünf Jahren unserer Beziehung hat sie nicht den Ansatz einer Co-Abhängigkeit entwickelt, auch wenn sie unter meinen apathischen Jobbemühungen und der daraus resultierenden finanziellen Situation oft zu Leiden hatte. Ich hätte in der LZT zwar die Möglichkeit, mich zu 100% auf mich zu konzentrieren, aber das schlechte Gewissen, meine Partnerin dafür im Stich zu lassen, würde diesen Vorteil wieder zunichte machen. Die offene Gruppe der Suchtklinik werde ich zwar weiter besuchen, mich aber mehr auf die Arbeit mit/bei der Caritas konzentrieren (Montag geht's da weiter).

    Soweit erstmal ... ich werde weiter berichten.

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Brigitte,

    Zitat

    Ich bin der absolute Realist. Ich glaube nur an das, was man bewusst wahrnehmen kann und anfassen kann. Als ich noch jung war, habe ich Mathematik studiert.


    da scheinen wir ja fast vom selben Planeten zu stammen :) : Ich habe es damals mit Physik probiert ... naja ...

    Tja, und so wie es Dir offenbar gelungen ist, die Finger vom Alkohol zu lassen, habe ich es leider nicht geschafft. Da war schon die Einweisung zum Entgiften von Nöten. Da war leider keine Kraft in mir. Obwohl: Sich die Problematik einzugestehen und damit zum Arzt zu gehen, das bedurfte auch schon einiger Kraft.

    Suchen tue ich Gott allerdings auch nicht. Ich glaube auch nicht, dass er mir helfen könnte, mein inneres Trümmerfeld wieder in eine blühende Landschaft zu verwandeln. Das ist schon meine eigene Aufgabe. Vielleicht haben gläubige Menschen aber immer noch einen Bezug zu einem übergeordneten Sinn, der ihnen bei einer solchen Aufgabe hilft? Anders kann ich mir den "Zweck" religiöser Lebensausrichtungen kaum erklären .... Aber egal, das sind Randgedanken und die gehören eher in die theologische Abteilung eines Philosophieforums :wink:

    Mehr später.

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Blizzard,

    ja, es ist schon erstaunlich, wie man trotz einer Entfernung von gut 600km doch im selben Boot sitzen kann. Viele Deiner Beiträge hätte ich (fast!) wortwörtlich übernehmen können, um meine Situation zu beschreiben. Schon irgendwie komisch!

    Was die Depressionen angeht, kann ich mich den Ausführungen von sweety15 eigentlich nur anschließen. Allein das Besprechen meiner Gefühle mit einer "neutralen" Person bewirkt bei mir schon das Lösen des ein oder anderen Knoten. Ich denke jedenfalls, dass es durchaus sinnvoll ist, das Thema bei Deinen nächsten Terminen einmal genauer zu beleuchten.

    Und zu Selbstvertrauen und Verantwortung ... ja, da haben wir es dann auch wieder: Da geht es mir genau so wie Dir :roll: !

    Soweit.

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Brigitte,

    das mit dem Blick auf die Vergangenheit ist bei mir so eine dumme Sache: Wirklich peinliche Situationen oder "Bockmist" habe ich mit meiner Trinkerei eigentlich nie produziert. Ich habe aber viel versäumt und mir viel verbaut! Zwei abgebrochene Studiengänge und die Unfähigkeit, ehrliche und offene Freundschaften zu entwickeln, sind so die wesentlichsten Punkte, die ich meiner Trinkerei zusprechen möchte.

    Ich empfinde daher auch weniger Scham, wenn ich mein bisheriges Leben betrachte, sondern ich entwickel eher ein Gefühl von Selbsthass. Denn ganz offen gesagt habe ich diese Entwicklung in meinem Leben kommen sehen. Aber anstatt mir einzugestehen, dass ich Probleme habe und vielleicht ja auch ein wenig Hilfe brauchen könnte, habe ich mir eine Flasche aufgemacht und mir gesagt: "Morgen! Morgen stehst Du auf und machst es anders, machst es besser!".

    Es ärgert mich manchmal einfach ungemein, dass ich so lange gewartet habe, sind doch bereits 8(!) Jahre vergangen, seitdem ich mir selbst die Diagnose Alkoholismus gestellt habe. Allerdings weiss ich natürlich auch, dass es Menschen gibt, die noch viel länger gewartet habe, und auch, dass manche es nie geschafft haben! Von der Seite aus betrachtet sollte ich eigentlich froh sein, meinen "Absprung" so früh in Angriff genommen zu haben!

    An dieser Stelle erinner ich mich gerne an die drei G's, auf die Du mich aufmerksam gemacht hast! Mit Geduld werde ich hoffentlich lernen, meine Vergangenheit ohne Gram zu akzeptieren und das Beste aus meiner Zukunft zu machen.

    Ja, und zu der Sache mit der Depression und der Seele: Die hast Du sehr schön formuliert, nur leider habe ich seit meiner Geburt keinen Zugang zu dieser spirituellen Seite des Lebens gefunden. Manchmal bewundere ich Menschen, die Trost und Zuspruch im Gebet finden, oder Kraft durch den Glauben an andere höhere Mächte und Zusammenhänge schöpfen. Für mich ist aber Alles, was sich nicht durch mathematische Formeln beschreiben oder wenigstens mit Hilfer einer Statistik belegen lässt, irgendwie nur von geringer Bedeutung ... aber vielleicht lerne ich auch auf dem Gebiet ein wenig dazu ?!? ...

    In diesem Sinne.

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Blizzard,

    auch wenn ich meinen Weg noch längst nicht so weit gegangen bin, wie Du den Deinen, so mag ich dennoch aufgrund der Parallelen unserer Situationen eine kleine Meinung äußern - auch wenn sie nicht auf Erfahrung basiert, sondern nur aus einem Bauchgefühl heraus entsteht.

    Die Idee, den Wiedereinstieg in das Berufsleben erstmal mit einem Neben-/Hilfsjob zu beginnen finde ich grundsätzlich gut. Damit kannst Du Dir und auch Deinem familiären Umfeld zeigen, dass Du langsam wieder aufsteigst und Verantwortung für Dich und Dein Leben übernimmst. Das kann (und wird) Dir neuen Mut und Selbstsicherheit geben, die Du später bei der Suche nach einer qualifizierten Tätigkeit gut gebrauchen kannst.

    Ich habe für mich jedenfalls einen ähnlichen "Schlachtplan" entwickelt: Erst mal Ruhe gewinnen, schauen, ob und an welchen Stellen ich weiter therapeutische Unterstützung benötige, und dann aber auch versuchen, langsam wieder Beschäftigung zu finden. Im Augenblick bekomme ich noch viel Verständnis von Seiten meiner Eltern, Schwiegereltern und vor Allem von meiner Partnerin. Aber ich bin mir auch bewußt, dass gerade meine Schwiegereltern irgendwann beginnen werden, mich nach Erfolgen und meinen Plänen für die Zukunft abzutasten. Und ganz ehrlich: Ein wenig Bammel habe ich bereits heute davor, weil ich einfach noch nicht abschätzen kann, wann ich mich soweit fühle, die ersten Schritte auf dem Weg meiner beruflichen Rehabilitation zu gehen.

    Ich finde Deinen Plan gut!

    Und Sorgen über Lücken und Ungradlinigkeiten in Deinem Lebenslauf solltest Du Dir erst machen, wenn Du auch einmal so einen "Fransenteppich" produziert hast, wie ich das die letzten 10 Jahre gemacht habe.

    Ich wünsch Dir was.

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo zusammen,

    mal der Reihe nach ...

    Blizzard : Du darfst mich bitte jetzt nicht falsch verstehen, aber es tut gut zu hören, dass ich nicht der einzige bin, der mit Verstimmungen und depressiven Gefühlen zu kämpfen hat. Manchmal glaube ich, dass ich der einzige Mensch auf der Welt bin, der sich mit solchen Problemen konfrontiert sieht :? , aber das ist natürlich Blödsinn!
    Ich denke auch, dass es für mich (und wohl auch für Dich) wichtig ist, den Blick einfach konsequent nach vorne zu richten und sich dabei stets der positiven Veränderungen bewusst zu sein, die man bereits gewonnen hat. Ich erwische mich leider immer noch viel zu häufig dabei, wie ich vergangenen Chancen und Gelegenheiten hinterhertrauere. Und obwohl ich weiss, dass das jetzt nichts mehr bringt, kann mir ein solches Nachdenken schon mal den ganzen Tag versauen und alle noch so guten Pläne über den Haufen werfen.
    Ich hoffe jedenfalls, dass ich meine Fehler aus der Vergangenheit eines Tages einfach akzeptieren kann, für mein Leben und meine Zukunft die entsprechenden Lehren daraus gezogen habe, und diese Wehmut über die Zeit immer kleiner wird.

    Zitat

    Ich weiß auch nicht so recht, wie man uns helfen kann. Ich glaube wir brauchen einfach wieder Arbeit.

    Ja :) , Arbeit würde mir auch wieder gut tun! Aber im Augenblick fühle ich mich noch zu unsicher, mich einer neuen Aufgabe in einer neuen Umgebung zu stellen. Allein der Gedanke an ein Vorstellungsgespräch führt bei mir zur Zeit noch zu fast panikartigen Zuständen :( . Von daher setze ich mir da bewusst kein Ultimatum und lass auch die Stellenanzeigen in der Zeitung unberührt. Auch wenn es finanziell langsam eng wird, ich möchte nichts überstürzen!

    Aber der Tag wird kommen, an dem wir uns wieder neuen Herrausforderungen stellen werden. Ganz sicher!

    @Spedi: Klasse ausgedrückt. Kurz, aber präzise und deckt sich mit meinen Plänen für die Zukunft. Wenn es nicht besser wird, werde ich auch intensiver in diese Richtung forschen (Daher auch der Termin beim Psychologen in drei Wochen).

    lilly : Eines vorweg: Du hast einen schönen, motivierenden Beitrag geschrieben, der wieder ein Stückchen Lebensfreude in mir erweckt hat! Aber eines möchte ich doch bitte klarstellen: Ich bin ein Weichei :D ! Nein, Scherz beiseite, aber ich kenne doch meine Schwächen und habe derer viele. Nur den Mut, diese auch offen zuzugeben und gegebenenfalls nach Hilfe zu suchen, wenn sie anfangen, mich zu belasten, habe ich bisher noch nicht gefunden (was ja seinerseits auch schon wieder eine Schwäche ist). Aber was ich beim Trinken geschafft habe (sich einzugestehen, dass man sich selbst nicht mehr helfen kann), kann ich sicher auch mit meinen psychischen Defiziten schaffen, sofern diese sich hartnäckig und "trocknungsresistent" zeigen. Wird schon!

    Und zum Sport: Eigentlich bin ich da ja schon ein wenig muffelig, aber wir haben Hunde, und die möchten jeden Tag Ihre Runden machen: Ergibt ein tägliches Minimum vom 2x45min bei jedem (!) Wetter. Dazu habe ich mit meiner Partnerin wieder das Schwimmen angefangen: 2x2000Meter pro Woche (mehr geht finanziell grad nicht). Tjo und sonst ... da ist dann wieder der Muffel :wink: ! Aber mal gucken: Den Endorphinspiegel ein wenig zu pushen ist in jedem Falle mal eine gute Idee ... Ich such mal meine Laufschuhe!

    In diesem Sinne, ich wünsch Euch was und werde weiter berichten!

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Brigitte,

    Danke für die ermunternden Worte!

    Ich denke, es ist so ein wenig von beidem: Einerseits eine latente Unzufriedenheit mit mir selbst (Depression?), andererseits aber eben jetzt auch dieses "Loch", welches früher mit Bier gefüllt war ...

    Die drei G's klingen gut! Innere Ruhe suchen und vor Allem sich selbst keinen allzu großen Druck machen (Ich glaube, dazu tendiere ich leider ein wenig).

    Und selbst wenn man den ganzen Tag nichts "Vernünftiges" auf die Reihe gebracht hat: Am Abend müde zu Bett zu gehen, ohne sich vorher die nötige Schwere angetrunken zu haben, sollte ich doch auch als "Erfolg" auf meinem Weg verbuchen! ... Auch das Eichhörnchen ernährt sich schließlich mühsam!

    Ist gar nicht so einfach ...

    ... aber machbar!

    Liebe Grüße

    J. (, der heute schon wieder etwas positiver gelaut ist!)

    Hallo kommal,

    ganz ehrlich gesagt: Nein.
    Nur, dass ich Probleme habe, mich sinnvoll mit mir selbst zu beschäftigen, Angst davor habe, allein zu sein.
    Es gäbe 1000 Dinge, die ich tun könnte, und ebenso viele, die ich tun müsste. Aber irgendwie hänge ich immer wieder

    darin fest, mein Leben (in unnötiger Tiefe) zu reflektieren und mich zu fragen, warum? wieso? weshalb?

    Mit meiner Partnerin habe ich das Thema auch schon oft erörtert, aber sie kann mir ja auch nicht helfen, wenn ich

    allein bin. Einen Termin beim Psychologen habe ich erst in drei Wochen, die nächsten Treffen von Suchtklinik und

    Caritas finden auch erst nächste Woche statt ...

    Dieser innere Stillstand und die damit einhergehende Depression macht mich halt manchmal irre. Und ungefährlich sind

    diese Zustände sicher auch nicht, so nach dem Motto: "Geht's Dir nüchtern dreckig, kannste ja auch wieder trinken".

    Ich möchte nicht, dass es mir schlecht geht, und ich möchte auch nicht wieder trinken, aber aber aber ...

    (Ich glaube, was ich oben beschreibe, nennt Ihr das "Nasse Denken").

    Hmmmmm, glaube aber, trotzdem tapfer bleiben zu können!

    Nein, ich bin überzeugt davon!!!

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo kommal,

    hmmm, nein, eigentlich ist nichts passiert ... nur, dass ich eben wieder einige Zeit für mich allein bin und dann die "große Denkmaschine" anspringt.

    Diesen positiven Entscheidungsprozess habe ich ja bei einer ganz konkreten und nicht alltäglichen Frage erlebt.

    Das, was ich gestern und heute erlebe sind eher Dinge wie:

    "Könnstest ja mal die Küche putzen"
    "Schaff doch mal Ordnung im Büro"
    "Mach doch mal eine GROßE Runde mit dem Hund"
    "Lies doch ein Buch"
    .....

    Ich kann mich irgendwie zu nichts motivieren, und warte darauf, dass meine Partnerin von der Arbeit nach Haus kommt. Denn dann funktioniert das mit der Motivation wieder. Bis dahin sitze ich eigentlich nur herum und denke über mich und mein Leben nach.

    Vielleicht trifft der Titel "Arbeitslosen-Alltags-Depression - JETZT AUCH OHNE ALKOHOL!!!" so ein wenig mein Empfinden.

    hmmmm ...

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo zusammen,

    wir haben beschlossen, nicht in die Wohnung, die im Haus der Eltern meiner Partnerin frei wird, einzuziehen. Die Vorstellungen vom gemeinsamen Zusammenleben und den notwendigen Freiräumen sind doch zu unterschiedlich.

    Von Standpunkt meiner neu gewonnenen Klarheit war die Diskussion aber ein weiteres positives Erlebnis: Ich (bzw. Wir) haben klare Vorstellungen entwickelt, diese offen und ehrlich angesprochen und konnten so auch direkt eine Entscheidung treffen. Zu "Trinkerzeiten" hätte ich zum einen meine Bedürfnisse weder richtig für mich formuliert, noch diese offen diskutiert, zum anderen hätte ich tagelang darüber nachgedacht, ob meine Entscheidung richtig gewesen wäre. Diese "nüchterne" Art, Entscheidungen treffen zu können, erlebe ich als sehr befriedigend.

    Dennoch hab ich grad einen etwas flauen Start in die neue Woche: Meine Partnerin muss wieder arbeiten (nach 4 Wochen Urlaub) und so bin ich jetzt jeden Tag wieder für einige Stunden allein. Und ganz ehrlich: Ich weiss grad nicht wirklich etwas mit mir anzufangen. Ich verspüre zwar keinen wirklichen Drang, mir ein paar Flaschen Bier zu besorgen, aber eine echte Idee, wie ich mein Alleinsein sinnvoll überbrücken soll, habe ich auch nicht. Nicht, dass es nichts zu tun gäbe und nicht, dass sich keine Dinge fänden, die mir eigentlich Spaß bereiten ... aber trotzdem: Ein Gefühl von "Pause" und Langeweile macht sich breit!

    Ich hoffe doch sehr, dass ich die Motivation nicht ganz schleichend verliere ... Ein wenig Sorgen mache ich mir da allerdings :( .

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo zusammen,

    schön, dass Ihr mich ermuntert, hier weiter zu schreiben ... mach ich natürlich auch gerne, geht ja auch um mich :wink: !

    Also vielleicht mal so ganz grundsätzlich zum Thema Therapie: Ich habe für mich schon beschlossen, dass ich in irgendeiner Weise therapeutisch an mir arbeiten möchte. Dieser ganze Mißbrauch (auch mit den anderen Drogen) hat ja irgendwo seine Ursachen und ich glaube schon, dass es am Ende wohl doch recht förderlich sein kann, diese Ursachen einmal etwas intensiver zu beleuchten und Strategien zu entwickeln, damit ich in Zukunft drohendes Fehlverhalten rechtzeitig erkennen und gegensteuern kann.

    Ganz konkret meine ich damit z.B., dass ich mir vor Allem meiner Stärken und Fähigkeiten besser bewusst werden sollte und diese auch dann im Hinterkopf behalte, wenn ich einer Kritik ausgesetzt bin (sei sie jetzt gerechtfertigt oder nicht). Auch fehlt mir allzu häufig der Mut, diese Stärken und Fähigkeiten auszuspielen, um mich beruflich oder auch im privaten Umfeld in eine "Wohlfühlposition" zu bewegen. Ich ziehe mich lieber zurück, und lähme mich und mein Unwohlsein, anstatt die Arschbacken zusammenzukneifen und mit stetigem Versuchen meinen Selbstwert und mein -bewustsein zu stärken.

    Da glaube ich, dass eine Therapie auf jeden Fall nicht schaden kann, aber für den Augenblick konzentriere ich mich doch erst einmal auf das "Nicht-Trinken".

    Damit auch direkt zum Thema: Wie fühle ich mich eigentlich, gute fünf Wochen nach der Entgiftung und ganz ohne Alkohol? Ich mag einfach mal berichten:

    Die ersten paar Tage war ich einerseits recht stolz auf mich und die begonnene Abstinenz (Mit erhobenen Haupte und geschwollener Brust an den Bierkästen im Supermarkt vorbei!) aber andereiseits auch immer wieder erstaunt über die vielen Automatismen meiner Trinkerei (Abendessen vorbereiten und kein Bier aufmachen hatte etwas von "In den Urlaub fahren" mit dem Gefühl, die Herdplatten nicht ausgemacht zu haben .... Panik! Ich habe etwas vergessen! Alarm!). Nun ja, mittlerweile haben sich diese beiden Gefühle wieder etwas normalisiert: An den Alkoholika im Supermarkt wandere ich relativ wertneutral vorbei und in den Situationen, an denen ich normalerweise mein Bier geöffnet habe, greife ich zu Wasser, Saft oder Cola, ohne dabei echte Verlustgefühle zu entwickeln. Allerdings muss ich zugeben, dass ich auch ein paar Tage hatte, an denen mir der Blick in die Zukunft sehr düster erschien, weil ich mir einfach völlig ziellos und verängstigt vorgekommen bin. Ich glaube, ohne den Halt meiner Partnerin hätte ich da ernsthafte Rückfalltendenzen entwickelt.

    Mittlerweile fühle ich mich jetzt eigentlich fast so wie früher :roll: , ABER: Ich flüchte nicht vor meinem latenten Unwohlsein, bin zu jeder Tages- und Nachtzeit klar und ansprechbar und lerne langsam, meine Gefühlswelt offen auszusprechen, anstatt mich mit Alkohol in eine Pseudo-Gute-Laune zu katapultieren. Ich glaube, dass das schon mal sehr viel wert ist, und dass ich, wenn ich mit meinen Gefühlen weiter ehrlich und offen umgehe, auch immer besser mit mir umzugehen weiss.

    Und erste "Erfolge" habe ich ja auch schon vorzuweisen: Als ich letzte Woche erstmalig eine Alkohol-Gruppe besucht habe, habe ich vor 15 Leuten ganz ruhig meine Karriere und Probleme schildern können. Ich mag solche "Mittelpunktsituationen" nicht, besonders, wenn es sich dabei thematisch auch noch um meine Person dreht. Aber ich habe mich tapfer geschlagen: Weder Schweißausbrüche, Pulsrasen noch zittrige Stimme haben mich behindert und auch die Kritik, die von einigen Gruppenteilnehmern gekommen ist, habe ich konstruktiv und nicht persönlich empfunden. Ganz ehrlich: An diesem Abend fand ich mich richtig gut und habe das Gefühl gehabt, mich zu mögen! Mehr davon, und es geht weiter aufwärts!

    Tja, soweit erstmal für heute, ich fahre jetzt mit meiner Partnerin zu Ihren Eltern: Es wird eine Wohnung frei und wir überlegen, ob wir dort einziehen sollen ... Aber mit Mitte 30 wieder zurück auf das Grundstück der Eltern, da müssen wir erstmal klären, ob die Rahmenbedingungen auch passen....

    Ich wünsch Euch allen noch einen schönen Sonntag!

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Blizzard,

    dank Dir, für Deine Antwort und Einschätzung.

    Deine Argumente bekräftigen meine Tendenz, mich nicht in eine stationäre Therapie zu begeben. Ähnlich wie Du, habe auch ich das große Glück, mich nicht von meinem Umfeld lösen zu müssen, da Alkohol dort keine wesentliche Rolle spielt. Und für meine Partnerin gilt: Es bedarf schon einer Gruppe von vier Personen, die sie in einem einstündigen Gespräch dazu überreden, am Sylvesterabend mit einem Glas Sekt auf das neue Jahr anzustoßen (was aber nicht bedeutet, dass sie ein 0,1l Glas auch austrinkt :) ).

    Auch meine Eltern / Schwiegereltern begrüßen meinen Schritt und unterstützen mich in meiner Entscheidung. Ich glaube, das ist schon sehr sehr viel wert und gibt auch eine Menge Kraft.

    Im Augenblick versuche ich mich und mein Alkoholproblem irgendwie einzuordnen und vielleicht mache ich bei manch einem den Eindruck, ich würde mein Problem herunterspielen, oder wirke gar überheblich. So habe ich beispielsweise gestern in einer offenen Alkoholgruppe versucht, meine Position und meine Vorstellung für die Zukunft zu bewerben - in der Hoffnung auf Zustimmung von erfahrenen "Trockenen". Leider blieb die Zustimmung aus - vielleicht weil die stationäre Lösung für den ein oder anderen wirklich die bessere Lösung war. Und vielleicht habe ich mich auch etwas ungeschickt ausgedrückt - Ich war schließlich zum ersten Mal da und mich emotional zu öffnen und öffentlich Gefühle zu beschreiben ist grundsätzlich Neuland für mich. Von daher: 2. Versuch in 2 Wochen!

    Soweit.

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo liebes Forum,

    es sind schon wieder einige Tage vergangen, seitdem ich mich vorgestellt habe, nun jedoch mag ich an dieser Stelle auch einen eigenen, kleinen Thread erstellen - In der leisen Hoffnung, den ein oder anderen Rat für meinen weiteren Weg erhalten zu dürfen.

    Um ganz ehrlich zu sein, hätte ich gerne auch schon viel früher damit beginnen wollen, habe mich aber doch zunächst darauf beschränkt, hier zu lesen und weiter in mich zu horchen. In vielen Beiträgen habe ich mich, oder besser gesagt: mein Verhalten!, wiedererkennen können und das allein hat mich bereits weiter bestärkt, den eingeschlagenen Weg weiter zu beschreiten.

    Nach fast 6-wöchigem Nicht-Trinken, merke ich langsam, wie ich ein wenig Ordnung in meine Gefühlswelt bekomme, und mir wird ferner auch bewusst, dass ich Vieles aufzuarbeiten habe und vor Allem, dass ich mir die Zeit dafür nehmen muss: Eigentlich wollte ich hier auch meine kleine Suchtgeschichte niederschreiben, aber nach drei Stunden und nichtendenwollenden Zeilen muss ich erkennen, dass dieses Unterfangen den Rahmen eines Forums einfach sprengt!

    Nur so viel sei als "technische" Info dazu gesagt:
    Seit 16 Jahren Alkohol,
    seit 12 Jahren täglich.
    Im wesentlichen nur Bier, Menge 6-8 Flaschen a 0,5l.
    Ausbrüche: 1 Trinkpause von ca. 6 Wochen im Jahr 2000 und in den Jahren 01/02 eine Phase mit bis zu 3 Flaschen Wein pro Tag.
    Additionals: Bis vor 8 Jahren auch viel Cannabis und 95/96 Amphetamine (bis hin zu psychotischen Zuständen, nicht lustig!).

    Das nur so zu den Eckdaten, genauer kann ich das jetzt textlich nicht beschreiben, da auf einen Satz zwei weitere, erläuternde Sätze folgen, die ihrerseits wieder einer Erklärung bedürfen. Ich beantworte aber gerne jede aufkommende Frage!

    Nun ja ...

    Ich habe mich in dieser Woche endlich aufgerafft, und mich auf die Suche nach weiterführender Hilfe begeben. Suchtklinik, Caritas, Hausarzt ... überall bekomme ich zwar Rat und auch Angebote, aber überall werde ich auch anders eingeschätzt und bekomme entsprechend andere Empfehlungen. Im Einzelen: Die Suchtklinik bietet mir die Möglichkeit, ein 16-wöchiges, stationäres Therapieprogramm zu durchlaufen. Wartezeit dafür beträgt etwa 3 Monate und in der Zwischenzeit gibt es Gruppen- und Einzelgespräche im wöchentlichem Wechsel. Die Caritas bietet ein ähnliches Angebot, allerdings mit einem ambulanten Rehabilitationsprogramm (ca. 1 Jahr). Mein Hausarzt, der mich vielleicht am besten einschätzen kann, rät mir von der stationären Lösung eher ab und empfiehlt auch eine allgemeine psychotherapeutische Behandlung.

    Ganz konkret stelle ich mir also nun grad die Frage, ob ich das stationäre Angebot wahrnehmen soll, oder ob ich es eher auf dem ambulanten Weg versuchen soll! viele Argumente sprechen dafür: Sich einfach mal allen Belastungen entziehen und den Fokus ganz konzentriert auf sich richten zu können, sind schon verlockende Aussichten. Andererseits bedeutet diese "Flucht" aber auch, dass ich viele Verpflichtungen des täglichen Lebens meiner Partnerin auf's Auge drücken würde und zudem ein erhebliches finanzielles Problem entstehen würde: Die Suche nach einem qualifizierten Job habe ich zwar bis auf Weiteres hinten angestellt, eine einfache Helfertätigkeit scheint mir aber doch möglich zu sein. Nicht nur der finanzielle Aspekt spielt hier eine Rolle, sondern auch das Gefühl, etwas für den eigenen Lebensunterhalt leisten und wieder Energie aus getaner Arbeit schöpfen zu können.

    Ich bin einfach total unsicher, wie ich da jetzt weiter vorgehen soll. Wirkliche "Tiefpunkterfahrungen" in Form von ernsthafter existenzieller Bedrohung habe ich mit meinem Alkoholkonsum nicht erlebt, auch wenn ich häufig psychisch schwer "am Ende" war. Brauche ich vielleicht diesen klinischen Rahmen, um das Gefühl des Scheiterns zu manifestieren oder habe ich die Kraft, aus der rationalen Überlegung heraus diesen doch aufkommenden, manchmal wehmütigen Abschied vom Alkohol zu überwinden?

    Ich weiss, am Ende muss ich diese Entscheidung ganz allein für mich treffen, aber vielleicht hat der ein oder andere von Euch einen kleinen Rat oder Denkanstoß für mich.

    OK, soweit, ich danke jedenfalls fürs Lesen und freu mich über jede Antwort!

    Liebe Grüße

    J.