Hallo Spedi,
Zitat von Spedi
siehst du, da haben wir "einen" der Unterschiede in unseren Denkweisen: ich bin hier, weil ich etwas für mich mache.
Ich schreibe zwar an Euch, aber für mich. Ich bin nicht hier, um Anderen zu helfen, sondern um für meine Trockenheit weiter Vorsorge zu betreiben.
Ganz hart gesagt: wenn daraus als "Abfallprodukt" etwas brauchbares für jemand anders "übrig bleibt", dann ist das ein schöner Nebeneffekt - aber nicht mein primäres Ziel.
(M)ein Helfersyndrom oder gar eine Co-Abhängigkeit möchte ich gar nicht erst entstehen lassen, ich sehe ja jeden Tag, wohin das führen kann. Das gilt hier für das Forum genau so wie im r/l in der SHG bzw der Suchthilfe.
Ist das verständlich ausgedrückt?
so ganz unkommentiert mag ich Deinen letzten Beitrag an mich nicht stehen lassen. Ich danke Dir daher zunächst einmal für die Zerstreuung „meiner Sorgen“ ob eines möglichen Helfersyndroms Deinerseits. Wobei ich an dieser Stelle gerne auch erwähnen möchte, dass diese Sorgen sicher eher Deiner Interpretation entsprungen sein müssen, als dass sie einen wahren Hintergrund in meinem Denken finden: So Du denn einmal ein solches Helfersyndrom entwickelt haben solltest, so hast Du dieses offenbar erfolgreich und rückstandsfrei bekämpft. Dies ist zumindest mein Eindruck
. Aber selbst wenn, wäre es mir ziemlich egal, da wir in einem Punkt in völliger Harmonie einer Meinung sind: Ich beschäftige mich im Rahmen der Selbsthilfe mit mir und meiner zufriedenen Trockenheit - für mich - alles andere hat für mich keine Relevanz!
Nun mögen wir unterschiedliche Auffassungen haben, was Selbsthilfe denn eigentlich genau bedeutet. Vielleicht bin ich nur ein dummes Brötchen, dass gar nicht so genau verstanden hat, um was es dabei eigentlich geht? Immerhin beschäftigst Du Dich bereits viel länger mit der Thematik und hast mir damit selbstverständlich einen immensen Erfahrungsschatz voraus. Nun mag ich gerne meine Vorstellung von Selbsthilfe kurz umreißen, vielleicht fällt Dir ja etwas auf, was von prinzipieller Fehlerhaftigkeit zu sein scheint:
Unter Selbsthilfe verstehe ich den gemeinsamen Erfahrungsaustausch zu einem klar definierten Thema (hier Alkoholismus bzw. Co-Abhängigkeit), der in erster Linie dazu dient, dass die an diesem Prozess beteiligten Personen voneinander lernen und sich in ihrem Denken und Handeln überprüfen. Im Gegensatz zu einer klassischen Lernsituation finden wir in der Selbsthilfe also nicht Lehrer und Schüler, sondern vielmehr eine Gemeinschaft von Menschen, die einen gemeinsamen „Informationspool“ bilden, aus dem ein jeder der Beteiligten sich das herausnehmen kann, was er mag, oder eben auch nicht.
Ob man die Weitergabe eigener Erfahrungen als Abfallprodukt bezeichnen sollte, weiß ich dabei nicht. Ich für meinen Teil habe viele wertvolle Anregungen für meine Trockenheit hier und auch in der RL-Selbsthilfe erhalten. Das schließt selbstverständlich auch (und gerade) Beiträge von Dir mit ein. Nicht zuletzt wird ja auch immer wieder der „Tipp“ gegeben, sich als Frischling an die Erfahrungen und Wege der Langzeitrockenen zu halten. Wenn diese hier jedoch nur Abfallprodukte hinterlassen, dann (und da wären wir jetzt wieder an der Ausgangsfrage des Ausdrucks angelangt) könnte man ja auch wie folgt formulieren:
Willst Du trocken leben, dann musst Du an der Sche### der Weisen schnüffeln!
Inhaltlich das Gleiche, einfach ein anderer Ausdruck!
Genau so war mein Kommentar bezüglich Deiner intensiven Selbsthilfeaktivität gemeint, denn mit 5 Jahren etablierter Abstinenz bist Du ganz klar der Weise, wenn Du Dich, Deine Gruppe und die gemeinsame Arbeit auf einer Entgiftungsstation vorstellt und Menschen dazu einlädst, sich der Reise in die zufriedene Trockenheit anzuschließen. Ob, oder in welchem Rahmen Du da „Qualitätsansprüche“ an Dich stellst, bleibt natürlich Dir überlassen. Immerhin bist Du kein Profi, der für seine Tätigkeit bezahlt wird und dementsprechend auch auf Erfolg geprüft wird.
So, ich mag zu einem Ende kommen
:
Ich kritisiere weder Deinen Stil, noch Deinen Ausdruck - Im Gegenteil, viele Deiner Beiträge habe ich sehr Sinn bringend für mich annehmen können. Was ich nur nicht verstehe ist, dass Du Dir Deiner direkten und (wie Du selbst sagst) provokanten Ausdrucksform durchaus bewusst bist, Dich aber dennoch immer wieder darüber beschwerst, wenn andere Menschen einen etwas anderen Kommunikationsstil pflegen und an Deinen Aussagen anecken. Denn nach eigener Aussage ist es Dir doch eigentlich völlig egal, ob andere herumeiern, oder eben nicht. Ich persönlich lerne auch (und gerade wegen meiner eigenen Rückfallfreiheit) aus diesen Fäden, die mir zeigen, wie leichtsinnig mancher seine Trockenheit immer wieder aufs Spiel setzt. Nicht schön für den Betroffenen, aber lehrreich für alle anderen. Gesunder Egoismus!
Soweit mal,
Ich hoffe, Du hast den Sonntag gut überstanden und Fassungslosigkeit bzw. Freudentaumel (je nach dem
) haben Dich am gestrigen Abend in Deiner Trockenheit nicht erschüttert... Na, eigentlich bin ich mir da sicher!
LG
J.