Hallo kawi,
ich muss gestehen, ich war etwas verwirrt ob Deiner Zeilen:
Zitat
Als ich 1994 meine erste Entgiftung hatte …
Als ich am 11.11.1997 sagte, dass gestern war dein letzter Alkohol …
… ich hatte keinen Rückfall!!!!!!!!
Was will die Gute mir damit sagen? 3 Jahre rückfallfrei weitergesoffen?
OK, die Worte von Spedi und Karsten haben dann doch ein wenig mehr Licht in mein Dunkel gebracht und auf dieser Basis kann ich mich damit auch ein wenig beschäftigen.
Grundsätzlich teile ich die Ansicht, dass jemand, der nach einer Trinkpause wieder zum Alkohol greift, dies aus freien Stücken tut. In meiner von Goblins befreiten Welt gibt es keinen bösen Dämon namens Alkohol, der mich auf hinterhältige Weise zum Trinken animiert, sondern nur mich und meine Entscheidungen. Vor diesem Hintergrund ist ein jeder Rückfall Ausdruck einer eigenen Entscheidung und somit natürlich eine substantielle Negation des Wunsches nach einem alkoholfreien Leben. Anders gesagt: Er oder sie will gar nicht alkoholfrei leben!
So ein wenig problematisch wird diese Sicht für mich deshalb jedoch, weil sie das Wort Rückfall per se ad absurdum führt. Es gibt dann nämlich gar keine Rückfälle, es hat sie noch nie gegeben, und auch in Zukunft werden keine geschehen. Denn jeder Griff zur Flasche ist ja ein Ausdruck mangelnder Trockenheit und kein Rückfall.
Hmmm … jetzt muss ich gestehen, dass ich kein sonderlicher Freund einer speziellen Alkoholiker-Semantik bin, also nicht unbedingt Freude daran habe, Worte oder Begriffe im Inhalt so zu verbiegen, dass ein Nichtbetroffener sie nicht mehr verstehen kann. Für einen Außenstehenden erleidet ein Alkoholiker, der z.B. nach 3 Jahren wieder zur Flasche greift, einen Rückfall. Ganz allgemein gesagt: Jeder, der sich seiner Alkoholproblematik bewusst wird und den Versuch unternimmt, etwas dagegen zu unternehmen, erleidet einen Rückfall, sobald er wieder mit dem Trinken beginnt. Die Gründe spielen dabei keine Rolle!
Aber jetzt mal zu Deiner Anfangsfrage: Der Rückfall gehört zu uns – Ist das nicht ein Alibi?
Ein jeder braucht seine Zeit, um sich für ein Leben ohne Alkohol zu entscheiden. Während dieser Zeit trinkt man, oder man versucht sich zu beweisen und lebt einige Zeit abstinent – bis man wieder trinkt. Mal mehr, mal weniger, hier ein Versuch, da eine Aufgabe, hin und her. Das ist es wohl, was ich darunter verstehe, wenn ich höre ‚Der Rückfall gehört zu uns’. Und irgendetwas Ähnliches hast Du doch auch in der Zeit zwischen 94 und 97 getrieben
.
Wer jedoch trinken will, der findet auch Gründe um sich zu rechtfertigen. Dieser kleine Spruch ist aber sicher nicht schuld.
Just my two cents.
Liebe Grüße
J.