Guten Morgen zusammen. Da es mir nun etwas besser geht, hole ich das Wochenende heute nach, damit ich heute abend schreiben kann, wie mein Tag 1 der Arbeit an der Arbeit so gelaufen ist.
Wie geschrieben, der Freitag war noch ok, am Samstag bekam ich allerdings leichte Kopfschmerzen. War noch auszuhalten, bis zum Abend, da wurden sie schlimmer. Und am Sonntag dann ganz schlimm. Mh, naja, bin froh den Freitag frei gemacht zu haben, so hatte ich unterm Strich doch noch ein gutes WoEn gehabt... Habe das gemacht, worauf ich gerade Lust hatte, einzige Bedinung war wie immer, keine destruktive Langeweile aufkommen lassen!
Dann noch das, worüber ich gestern beim Spazierengehen nachgedacht habe: Es knüpfte an meinen Sermon vom Freitag an, damit war ich innerlich noch nicht durch
. Ich hatte da von meiner Vergangenheit geschrieben, wie ich früher gefühlt habe. Inzwischen habe ich einige Beiträge hier im Forum gelesen, in denen eine gewisse Verbitterung über eine verlorene Kindheit aufkam. Wieso hatte ausgerechnet ich so eine fürchterliche Kindheit? Musste so schnell erwachsen werden? Durfte nicht so unbeschwert und sorgenfrei sein, wie meine Mitschülerinnen und Freundinnen? Musste immer aufpassen, Angst haben, mich verstecken, durfte mein Ich nicht frei entwickeln, weil anscheinend alle was dagegen hatten? Doro hatte mal geschrieben "Ich bin nicht auf die Welt gekommen damit ich so bin, wie alle mich haben wollen!" Aber genau das wurde mir jahrelang vorgegaukelt.
Ich finde es unglaublich schwierig, mit dieser Verbitterung, mit diesem Verlust der Kindheit umzugehen, dem, was unwiederbringlich verloren ist. Schlimmer noch: Eine Zeit lang habe ich geglaubt, sobald ich wirklich Frieden mit meiner Vergangenheit schließe, sie ruhen lasse und nicht weiter darum nachgrübele und trauere, dass ich dann Verrat an mir selbst üben würde. Ich wollte das Stigma nicht ablegen, ich wollte meine Sonderstellung als tief verletztes Wesen behalten. Als tragische Figur, die dazu verdammt ist ewig unglücklich zu sein.
Es hat lange gedauert bis ich endlich begriffen hatte, dass ich mich gerade durch diese Einstellung selbst verrate. Ich lebe im Heute, was vergangen ist, kann ich nicht mehr ändern. Natürlich, es hat Spuren hinterlassen. Jemand, der meine Erinnerungen nicht hat, wird anders, unbelastet mit bestimmten Situationen umgehen. Aber damit kann ich leben lernen. Ich darf meiner Vergangenheit ruhig den Rücken zukehren und auf die Gegenwart und die Zukunft schauen, ohne Angst zu haben, dass mich irgendwas von hinten anfällt und umreisst. Klar, das kann passieren. Wenn ich z.B. jemandem aus meiner alten Klasse begegne. Aber ernsthaft: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sowas passiert? Lohnt es sich dafür, ein Leben lang rückwärts gewandt durchs Leben zu gehen? Nein.
Heute bin ich kein Kind mehr. Viele Menschen glauben, dass ihr Leben fremdgesteuert sei, irgendwie. Immer sind die anderen Schuld daran, dass es ihnen schlecht geht. Der Staat, weil sie kein Geld haben, die Nachbarn, weil sie ihnen den letzten Nerv rauben, der Ehemann, weil er nur am Malochen ist und deshalb abends nie zuhört wenn man ihm sagen will, wie schrecklich der Staat und die Nachbarn sind...
Ich habe inzwischen gelernt, dass ich für so viel Gutes in meinem Leben selbst verantwortlich bin. Dass ich viel mehr machen kann, als ich noch vor zwei Jahren gedacht hätte. Klar, alles hab ich nicht in der Hand. Aber vieles. Für sich selbst verantwortlich zu sein, dass ist eine harte Lektion, gerade wenn man wie ich eigentlich autoritätshörig ist. Aber es lohnt sich diese Lektion zu lernen!
So, jetzt muss ich gleich los. Wer sich durch meinen Sermon durchgelesen hat: Respekt
.
LG
Plejaden