Beiträge von Plejaden

    Huhu Angela, mein Beileid für den Verlust eines so guten Freundes :( . 16,5 Jahre sind echt eine lange Zeit, du hast Recht, das kannst du so schnell nicht vergessen.

    Ein Notfallkoffer ist nichts, was du in einer Apotheke bekommen könntest; in der Suchtselbsthilfe bezeichnen wir mit sowas eine Liste von hilfreichen Dingen und Aktivitäten, die uns über eine schwere Zeit helfen. So wie du sie jetzt gerade durch machst. Meine Vorschreiberinnen haben da schon viel genannt, Tee kochen, sich einkuscheln, eine bestimmte Freundin anrufen, alles, was dir gerade gut tut.

    Ich persönlich hätte in deiner Situation die Einstellung: Ich saufe jetzt erst Recht nicht, denn damit würde ich das Andenken an meinen geliebten Hund zerstören. Als mein treuester Begleiter über soviele Jahre hat er es mehr als verdient, dass ich seinen Tod mit klarem Kopf und in aller Intensität betrauere.

    Halt durch und schreib dir hier die Finger wund, wenn es sein muss!

    LG
    Plejaden

    Huhu,

    auch wenn der Thread älter ist und hervor gekramt wurde, er interessiert mich sehr! Ich hab ein ähnliches Problem wie Marion, wenn ich nach dem normalen Essen nicht auch noch ne Schoki reinschiebe habe ich das Gefühl, nicht richtig satt zu sein. Als würde dann noch etwas fehlen.

    Ich hab mal vor einigen Jahren praktisch ohne Süßigkeiten gelebt, es ist also durchaus möglich - zumindest bei mir. Ich komme mit Schwarz-Weiß-Lösungen besser zurecht, als mit "ein bisschen ist erlaubt", da geht es mir bei Süßigkeiten genauso wie mit dem Alkohol.
    Verlassen werde ich mich auf den Grundbaustein "was ich nicht im Haus hab, kann ich auch nicht essen", also gar nicht erst Süßigkeiten einkaufen por favore.

    Das Einzige, was wohl bleiben wird, ist der Teelöffel Zucker im Morgentee. Ich werde mir dafür wohl wieder Vollrohrzucker aus einem bekannten Drogeriemarkt. Brauner Zucker ist sinnfrei, weil der nicht natürlich braun ist, sondern rückgefärbt worden ist. Ich denke mal, wenn ich insgesamt weniger Süßigkeiten esse, wird der Löffel im Tee auch immer kleiner.

    Frischkornbrei klingt interessant, da werde ich mich mal schlau machen, was das ist. Im besagten Drogeriemarkt kann der geneigte Mensch nämlich auch ganze Weizen-, Roggen- und andere Körner kaufen ;)

    LG
    Pleja

    Huhu beagle,

    ich weiß jetzt zwar nicht was ein Gastgarten ist, aber wenn du dich da unwohl und nervös gefühlt hast, war es sicher keine gute Idee dorthin zu gehen. Du hast dich sozusagen vor dir selbst gewarnt.

    So in etwa kannst du nasse Gedanken beschreiben, allerdings können sie auch lange unbemerkt im Unterbewusstsein ablaufen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn du deine Trockenheit als etwas von Außen aufgestülptes wahrnimmst, dich also fremdbestimmt fühlst: "Ich darf keinen Alkohol mehr trinken. Ich muss auf Alkohol verzichten."
    Das gährt dann ein paar Wochen/Monate/Jahre vor sich hin, und dann kommen die von consuela so schön aufgeführten hätte-könnte-wäre-würde-Ausnahmen und selbstbetrügerische, konstruiert-nasse Kausalverkettungen ("weil dies und das passiert ist, darf ich ja mal ein Glas trinken") und schon ist der Rückfall da.

    LG
    Pleja

    Huhu beagle,

    die Ausführungen von Hartmut kann ich völlig unterschreiben. Nasses Denken ist suchtorientiertes Denken, die Gedanken kreisen um den Alkohol: Konsum, Beschaffung, Verheimlichung falls nötig, Entsorgung etc.

    Ein Mensch kann auch trocken noch nasses Denken an den Tag legen. Das sind die berühmten Hintertürchen, manchmal auch regelrechte Hintertore. Das kann z.B. ein Mann sein, der weiterhin unbedingt in seine Stammkneipe gehen will "weil da doch meine ganzen Freunde sitzen, sonst wäre ich einsam". Das kann auch eine Frau sein, die sich ganz weit hinten im Hinterkopf das Trinken als Möglichkeit der Problembewältigung offen hält: "Mir in letzter Zeit soviel Grauenvolles passiert, da will ich mich einmal abschießen und entspannen dürfen." Obwohl die Menschen trocken sind, kommen sie gedanklich nicht vom Alkohol los und begeben sich auch rein körperlich öfter in seine Nähe.

    Kann man das nasse Denken nicht im Prozess der Alkoholentwöhnung ablegen, wird sehr häufig aus der angestrebten Abstinenz eine mehr oder weniger lange Trinkpause. Deshalb sind viele hier hellhörig und reagieren auf die verschiedenen Arten des nassen Denkens, weil es eben häufig ein erster Schritt in den Rückfall ist.

    LG
    Pleja

    Huhu Gela,

    ich arbeite schon seit 10 Jahren mit diesen "fremden Stimmen" (nannte sich bei mir "innerer Kritiker" nach einem bekannten Psychologen, ist aber dasselbe find ich) und ich kann nur sagen: Es lohnt sich. Ich bin jetzt an einem Punkt angelangt, wo die fremden Stimmen zu einem großen Teil verstummt sind, und mein ganzes Inneres nur noch von mir selber ausgefüllt wird. Das ist ein gutes Gefühl des inneren Gleichgewichts.

    Es wäre sicherlich noch schneller gegangen, wenn ich nicht noch ein paar Extrarunden gedreht hätte. Aber, nobody is perfect :lol: . Am Anfang ist es echt sehr sehr anstrengend, aber mit der Zeit verstummt eine fremde Stimme nach der anderen, und es wird immer leichter.

    LG
    Pleja

    Huhu Gela,

    ich hatte das auch schon öfter. Manchmal löst sich etwas plötzlich auf, Wochen, nachdem ich daran "rumgeknabbert" hab. Warum, wieso, weshalb, keine Ahnung.

    Denke fast, die Sachen arbeiten untendrin still und leise weiter, bis es dann als Ergebnis KLICK macht :) .

    LG
    Pleja

    Mhmh, die Sehnsucht nach dem Rausch... ich würde das bei mir als die "Knopfdruck-Lösung" beschreiben. Ich leide seit meiner Kindheit an Sozialer Phobie (Angst vor anderen Menschen), habe dazu noch immer das Gefühl, mich unter den Menschen fremd zu fühlen - so als sei ich ein unbeteiligter Beobachter, der zusieht, wie sich alle immerzu im Kreise drehen.

    Der Rausch hat für mich auf Knopfdruck all diese Probleme gelöst. Die Angst war weg. Diese Distanz zu anderen Menschen war weg. Ich konnte das Zusammensein mit meinen Eltern genießen, mit Bekannten, ich war kein Beobachter mehr, sondern mittendrin. Und das alles, ohne mich mit langwierigen Therapien, Selbstreflektionen und anderen anstrengenden Dingen auseinander setzen zu müssen - nein, ich musste einfach nur dieses Zeugs trinken. Wirklich wunderbar!

    Wie bei allen Alkoholikern verselbstständigte sich jedoch irgendwann die Sucht. Das hat Sven gut beschrieben. Irgendwann kippte die Chemie im Hirn, und dann war trinken um des Trinken willens angesagt. Und mitsamt der Hirnchemie kippte auch meine Einstellung zum Rausch. Das Gefühl, nicht mehr kontrollieren zu können wieviel ich trank, sondern gleich nach dem ersten Glas nur noch Durst Durst Durst ohne Ausweg, ohne Sättigung zu verspüren, ließ mich verzweifeln.

    Heute bin ich froh, nicht mehr trinken zu müssen. Und weiter gekommen, als ich es mit Alkohol jemals geschafft hätte.

    Huhu Gianna, wie geht es dir inzwischen? Zuck doch mal ;) .

    Dein Mann bekommt gerade zu spüren, dass es nicht reicht einfach nur "nicht mehr zu trinken". In einer Beziehung sind beide Partner gefordert, wenn sie die Trockenwerdung überleben soll. Wenn sie es nicht überlebt ist das allerdings kein Grund wieder anzufangen zu trinken. Du bist der allerwichtigste Mensch in deinem Leben, du hörst für dich selbst auf zu trinken, um dich selbst zu retten, und für niemand anders. Damit relativieren sich dann auch so Aussagen wie

    Zitat

    Er ist nicht mit zum Termin gekommen. Sie hat auch gesagt, wenn er nicht mitzieht, schaff ich das sowieso nicht.


    die einfach nur der Hammer sind. Ohne ihn hast du also keine Chance? Eher schauts so aus (sorry wenn ich das so hart sage...), wenn er nicht mitzieht, dann hat eure Beziehung keine Chance mehr.

    Du hast alle Chancen der Welt, für dich.

    Hallo Gianna,

    ich kann mich HansHas kurzen, aber sehr prägnanten Worten nur anschließen. Oberstes Ziel ist es für dich, vom Alkohol wegzukommen. Nicht für deine Ehe. Nicht um vor den Freunden nicht noch mal peinlich aufzufallen. Sondern für dich allein . Du musst es dir selbst wert sein, aus diesem Kreislauf rauszukommen.

    Ich finde es sehr gut, dass du zu deinem Arzt gegangen bist und "was angeleihert" hast. Damit bist du einen wichtigen Schritt in eine neue Richtung gegangen, denn du hast gemerkt, so wie du es bisher versucht hast, so klappt es nicht.

    Ich selbst hatte damals eine ähnliche Konsumstruktur wie du - hab ich glaub ich schon im Vorstellungsbereich geschrieben :lol: . In der Woche gings recht manierlich zu, aber am Wochende gabs kein Halten mehr. Das Perfide ist, dieses Konsummuster entspricht dem gesellschaftlich gängigen, und wird als unproblematisch angesehen. Deshalb wohl auch die Reaktion deiner Familie. Du trinkst, wie viele Millionen (!) Deutsche auch Alkohol trinken. Ob das nun richtig oder nicht richtig ist, sei dahin gestellt, ich kann an dieser Stelle nur an den Drogen- und Suchtbericht 2010 verweisen.
    Wichtig ist: Du hast für dich entschieden, dass du das nicht mehr willst. Und das ist alles, was zählt.

    Was deine Ehe angeht... entschuldige die harten Worte, aber was erwartest du von deinem Mann? Wie oft musste er dich im Alkoholsuff erdulden? Wie oft hast du ihm versprochen, dass "es" besser wird? Du hast es ernst gemeint, ohne Frage, und er hat Hoffnung geschöpft. Aber nach ein paar Wochen ist seine Hoffnung wieder zerstört worden. Wieder und wieder und wieder. Und irgendwann hört man auf zu glauben und zu hoffen. Genau in dieser Situation steckt dein Mann jetzt.

    Deshalb nochmal: Es ist extrem wichtig, dass du für dich selbst aufhörst. Nur für dich. Deinem Mann kannst du gerade nicht helfen, genauso wenig wie er dir helfen konnte. Zeig nicht deinem Mann, dass es dir diesmal ernst ist, sondern zeig es dir selber.

    Ich sage immer gerne: Ich beurteile Menschen nicht nach ihren Worten, sondern nach ihren Taten ;)

    LG
    Pleja

    Huhu Antilope,

    das mit den Fotos ist ein schönes Beispiel, ging mir auch so. Ich hab länger gebraucht um alte Erinnerungsstücke entsorgen zu können. Aber dann hab ich sie wirklich sehr radikal weggeworfen, als ich gemerkt hab, dass ich dazu bereit bin, und fülle den leeren Platz nun mit schönen Dingen. Wie du mit dem Bild von deiner Nichte.

    Huhu Antilope,

    was mir am meisten Kraft gegeben hat war tatsächlich ganz simpel der räumliche Abstand zu ihm. Jede Begegnung mit ihm während er noch hier gewohnt hat, der Auszug und das alles, das hat Kraft gekostet. Immer und immer wieder. Es hat ständig Wunden aufgerissen. War auch so wie bei dir, hinterher waren wir kaum noch in der Lage, vernünftig miteinander zu kommunizieren, weil alles emotional viel zu aufgeladen war.

    Erst als er endlich weg war, konnte ich in Ruhe Abschied nehmen. Ich hab mir dann häufig diesen Traum den ich von ihm und unserer Beziehung hatte vorgestellt, mir vorgestellt, wie er früher gewesen ist, als ich ihn kennen gelernt hatte. Hab mir das in allen Farben ausgemalt. Und dann bin ich zu dem Schluss gekommen - das alles ist vorbei. Der Traum war eine Seifenblase. Und der Mann von früher ist unwiederbringlich verloren. Ich selbst habe alles menschenmögliche getan, um diese Dinge wiederzuholen. Aber ich weiß, selbst wenn ich für alles Geld der Welt noch viel toller Dinge in Bewegung gesetzt hätte, der Mann von früher wäre nicht zurück gekommen.
    Diese Gedanken machen natürlich traurig und verzweifelt, und diese Trauer habe ich immer zugelassen. Es hat keinen Sinn hier die "Starke" zu markieren.

    Alles weitere hat Mora schon geschrieben, sehr schöne Beiträge, aus denen ich auch für mich viel mitgenommen habe. Danke dafür :) !

    LG
    Plejaden

    Huhu Antilope,

    ist er denn nun endgültig weg, in seiner Wohnung? Wenn es soweit ist, wirst wohl merken wie erleichtert du bist, das tut echt gut wieder "Herrin in den eigenen Wänden" zu sein.

    Zitat

    Wusste nicht so genau, wovon ich eigentlch Abschied nehmen soll. Eigentlich weiß ich es immer noch nicht, aber ich merke, wie befreit ich mich jetzt fühle.


    Ich hab bei der Trennung von meinem Ex die Erfahrung gemacht, dass man sich von dem gemeinsamen Traum verabschiedet, den man mal gehabt hat. Und wenn man diesen Traum nur für sich selbst geträumt hatte.
    Man hat soviel erlebt, soviel durch, man hat ein Bild von der Beziehung, wie sie ist und wie sie sein sollte. Und wenn man sich trennt, dann zerbricht dieses Bild, und der Traum verblasst.

    Es hat mir sehr geholfen diesen Abschied, diese Trauer zuzulassen. Es ist ok wenn du das fühlst. Ich hatte bei mir zumindest den Eindruck, wenn ich diese Trauer nicht zulasse, dann wird aus diesem Traum und der innewohnenden (Rest)Wärme irgendwann nur Verbitterung. Ich wäre ewig in dieser Beziehung hängen geblieben.

    LG Plejaden

    Huhu Martina,

    ich möchte dir auch mal kurz schreiben. Ich bin zwar "vom anderen Ufer", also trockene Alkoholikerin, aber ich finde mich in vielem was du schreibst trotzdem wieder.

    Ich selbst bin auch 32 und habe vor zwei Jahren eine völlig destruktive Beziehung mit einem psychisch kranken Mann beendet, die 12 Jahre gehalten hat. Davon waren ca. 6-7 Jahre die Hölle.

    Ich empfinde auch so ähnlich wie du - bin nun 32 Jahre und kann was Partnerschaft angeht plötzlich wieder ganz von vorn anfangen. Stelle mir Fragen, wer nimmt mich jetzt überhaupt noch? Andere Leute in meinem Alter spielen längst das "Happy-Family-Programm" und ich sitz hier, dazu noch mit meinen Ansprüchen, die ich aufgrund meiner Alkoholkrankheit an eine Partnerschaft stelle.

    Auch ich hab lang gezögert, bevor ich es beendet habe. Gründe waren so ähnlich wie bei dir - eigentlich ist er ja ein toller Kerl, genau mein Traummann, wäre da nicht "dies und jenes". Aber genau "dies und jenes" sind der springende Punkt!

    Du sagst

    Zitat

    Ausser dem Alkoholproblem haben wir keine!


    Da kann ich Martha nur Recht geben, das Alkoholproblem ist das größte Problem und bitte nicht verharmlosen. Du hast ein massives Problem mit dem Alkoholkonsum deines Mannes, und damit liegst du auch richtig. Es kommt NICHT darauf an was er meint und denkt, sondern allein was DU empfindest!

    Du schreibst auch, dass er dich beleidigt und anschreit wenn er getrunken hat, und es ihm hinterher dann wieder leid tut. Nun pass mal auf: Wenns ihm WIRKLICH leid tun würde, dann würd er gar nicht erst trinken. Weil er weiß, dass er dann hässlich wird und dir das nicht antun möchte. Aber merkste was? Genau.

    Alkohol ist eine bewusstseins- und schlussendlich persönlichkeitsverändernde Droge. Vergiss das bitte niemals. Der Alkohol verändert bei längerem Missbrauch die komplette Persönlichkeit des Trinkers, bis nichts mehr davon übrig ist.

    Um meine Geschichte zu ende zu führen: Ich bin also wie du 32, hab mich getrennt und hatte damals auch Torschlusspanik. Wer will mich überhaupt noch, nach allem was ich durch hab? Bei dir ist es der Krebs und die Chemo, bei mir 12 Jahre verkorkste Partnerschaft und die Alkoholkrankheit.
    Nun, heute weiß ich: Jede Frau und jeder Mann sollte einen Partner haben, der zu ihnen passt. Wo Liebe kein Kampf und keine Angst ist, sondern ein sicheres Netz, ein Wohlgefühl und Vertrauen.

    Du bist eine tolle Frau, und du hast einen tollen Partner verdient, genau wie ich. Und ein trinkender Mann, der dich beleidigt und dies nicht ändern will, ist das nicht.

    LG Pleja

    Huhu sonne, ich bins nochmal! Ich finde diese Zeilen von janeba wirklich sehr wichtig:

    Zitat

    Der Mensch nach dem Entzug ist nicht mehr, der er mal war.... äußerlich und auch im Bewusst sein, tut sich sehr viel..... ..., denn es ist ein Kampf jeden Tag aufs neue.... du für dich als Co und er als trockener Alkohiliker und jetzt kannst du dir mal überlegen, ob er es wirklich wert ist und ob du dieses Leben führen willst!!!!!!!!!!!!!Wir haben verdammt viel Glück mit der 2. Chance, aber ich weiss auch welchen Preis ich dafür gezahlt habe und ob ich das noch mal machen würde?????

    Das ist des Pudels Kern. Es wird nie mehr so werden wie früher, selbst wenn er einen Entzug macht und es wirklich schafft trocken zu werden. Für einen wirklich trockenen Alkoholiker ist das alte Leben vorbei.

    Du musst für dich selbst wissen, wieviel Kontakt du zulassen möchtest. Wenn er wirklich betrunken anruft und dann Randale macht, wäre mir selbst dieser telefonische Kontakt schon zuviel. Aber das ist mein eigenes Empfinden ;) .
    Ich bin zwar selbst trockene Alkoholikerin, aber ich habe lange Jahre eine destruktive Beziehung geführt und mir geht es so ähnlich wie janeba - ich war froh, von meinem Ex nach der Trennung und nach dem Auszug erstmal nichts mehr zu hören oder zu sehen. Ich habe das gebraucht.

    LG
    Pleja

    Huhu Susi,

    ich möchte mich den Worten von HansHa anschließen. Wenn ein Alkoholiker für andere Menschen aufhört zu trinken, dann ist das keine gute Basis. Da kann dann schon eine dumme Nebensächlichkeit im Verhalten des anderen reichen, um wieder mit dem Trinken anzufangen. Ich sage nicht, dass du jedes Wort und jedes Bisschen seines Verhaltens auf die Goldwaage legen sollst, aber du solltest auf jeden Fall vorsichtig sein. Zumal ihr eine Art Fernbeziehung führt, die ist ideal um Sachen zu verschleiern.

    Was wichtig ist, sei achtsam dir gegenüber. Du hast geschrieben, Rückfäll gehören zum Trockenwerden dazu. Das ist ein bisschen pauschal. Klar, ein Rückfall ist kein Weltuntergang - aber nur wenn der Alkoholkranke danach wieder aufsteht. Und jeder einzelne Rückfall frisst ein Stück Selbstbwertgefühl und Vertrauen in die eigene Trockenheitsfähigkeit. Bis nichts mehr davon übrig ist.
    Du solltest dich in Ruhe hinsetzen und dich fragen: Wieviele Rückfälle, Irrwege, Eiertänze bin ich bereit mitzumachen? Wie gehe ich damit um wenn ich herausfinde, dass er nicht ehrlich ist (was bei nassen Alkoholikern eher die Regel als die Ausnahme ist).

    Du hast gefragt, wie du am besten mit einem Alkoholiker umgehst. Vor allem konsequent. Keine Drohungen machen, wenn du sie nicht wahr machen kannst. Eigene Grenzen setzen und die auch für dich selbst einhalten, auch wenn es weh tut. Verständnis zeigen, aber auf dein Bauchgefühl hören - wird mein Mitgefühl und Verständnis benutzt, um mich zu manipulieren? Dann ist Feierabend mit Verständnis.

    Ich hoffe ich konnte dir ein bisschen weiterhelfen, auch wenn ich keine Angehörige sondern selbst trockene Alkoholikerin bin :?

    Hallo sonne,

    Alkohol ist eine bewusstseins- bei längerem Missbrauch auch persönlichkeitsverändernde Droge. Viele Alkoholiker begreifen schon viel früher als sie zugeben, dass sie abhängig sind. Nur wollen sie diese Abhängigkeit nicht eingestehen, denn dann gäbe es nur einen Weg - trocken werden, ergo nie wieder Alkohol trinken. Jedoch ist der Gedanke, nie wieder Alkohol zu trinken, für einen nassen Alkoholiker völlig unvorstellbar, geradezu der nackte Terror.
    Also belügt er sich selbst und andere über seine Sucht. Der bewusstsverändernde Alkohol "hilft" ihm dabei.

    Die Frage ist - was bringt dieses Wissen DIR selbst? Was bringt es dir, ihn zu verstehen? Wenn du ehrlich zu dir bist - nichts.

    Genau wie es für den Alki wichtig ist, sich von seinem Suchtmittel zu distanzieren, ist es für dich als Co wichtig, dich von deinem Suchtmittel "Lebenspartner" zu distanzieren. Das heißt nicht, dass du ihn gleich sofort verlassen und in die Wüste jagen sollst. Aber eins musst du verstehen - mit Threads wie diesem hier beschäftigst du dich schon wieder mit ihm. Aber eigentlich solltest DU die wichtigste Person in deinem Leben sein. Du solltest lernen dich mit DIR zu beschäftigen.

    Denn ihm kannst du nich helfen. Dir selbst schon.

    Huhu zusammen,

    heute sind meine Bücher von Amazon angekommen, das Trennungsbuch was mir Linde empfohlen hat, sowie noch ein anderes. Wenn das so weiter geht habe ich bald die komplette Wolf- und Merkele-Bibliothek daheim :lol: Das Buch habe ich erstmal komplett durchgelesen und werde dann morgen anfangen es in Ruhe durchzuarbeiten.

    Eins ist mir aber gleich aufgefallen. Als ich im hinteren Teil des Buches ankam, wo es darum ging eine gleichberechtigte und erfüllte Partnerschaft zu führen, standen mir die Haare zu berge. Und zwar nicht, weil ich bislang eine völlig falsche Vorstellung hatte (das weiß ich ja sowieso), sondern weil ich gemerkt hab, dass ich im Moment gar keine LUST auf dieses ganze Theater hätte.

    Ich möchte mich grad selbst kennen lernen. Und danach, wenn ich damit zu meiner eigenen Zufriedenheit durch bin, eventuell mal jemand anders ;) .

    Auch hab ich übrigens einen interessanten Thread gefunden, bezüglich Schwarz-Weiß-Denken. Der Threadersteller ist zwar lange nicht mehr im Forum, und der Thread ist auch ziemlich alt, aber die Gedankengänge sind gut. Ich hatte mir dazu noch etwas überlegt. Auch bezüglich eines Rückfalls kann man Schwarz/Weiß denken. Indem ich einen Entzug gemacht habe, habe ich eine Chance ergriffen, die ich persönlich als einmalig ansehe. Als ein Geschenk, dass ich mir selbst gemacht habe. Denn, ich darf nie vergessen: Jeder Rückfall kann mein Letzter, der endgültig tödliche sein. Ich habe es geschafft dem Alkohol von der Schüppe zu springen und trocken zu werden, und auch zu bleiben. Aber niemand sagt mir, dass mir das noch einmal gelingen wird.

    Noch ein Grund mehr, meinen trockenen Weg weiter zu gehen.

    Huhu dirk,

    ich kann Melinak nur zustimmen. Überspitzt formuliert kann man auch die Frage stellen: Was war diesen Menschen wichtiger? Der Alkohol oder du? Es gibt sogar viele hier im Forum, die ihren Mitmenschen diese Frage direkt gestellt haben.
    In vielen Fällen kommt dann die enttäuschende Erkenntnis, es war der Alkohol.

    Natürlich schmerzt es zunächst, und die Enttäuschung ist riesengroß, aber wie du richtig beschreibst - auf solche Freunde kann jeder verzichten.