hallo summerdream,
ein "normaler" ist mir in der tat unbekannt, mit dem ich verdiene nichts besseres, weiß ich nicht, ich denke in der art ein "normaler" würde mich nicht aushalten können, so ungefähr jedenfalls.
meine beziehungen waren auch immer mit distanz verbunden, auch mit räumlicher distanz, an sich habe ich, wenn jemand etwas von mir wollte und sich auch angestrengt hat, immer die flucht ergriffen. ich war kaum solo bisher, komischerweise.
bei meiner noch-beziehung ist es so, wie wenig da auch ist, trotz der immensen distanz, habe ich das gefühl, wenn sie aufhört, dann gerät meine welt, mein rahmen ins wanken. es fühlt sich an, wie wenn jemand stirbt, es ist endgültig.
heute war ich bei einem workshop, da ging es um kommunikation, gespräche führen, im arbeitskontext. die dozentin sagte immer wieder, man müsse gucken, was man selbst für ziele hat. danach würde man dann entscheiden , was man sagt. gut, bei mir ist es so, ich habe keine ziele oder sie sind zu verschwommen.
gestern zum beispiel wusste ich, dass es darum gehen würde, ob ich mich dazu entscheide, dass mein neuer mich besucht oder nicht. ich wusste nicht, ob ich ja oder nein sagen sollte. habe schließlich ja gesagt, nach tausend drehungen und windungen. ich weiß nicht, was das ist. ich bin so unsicher, dass ich gar nicht weiß, was ich will.
es ärgert mich, weil ich dann meine dinge auch nicht klar artikulieren kann.
ich glaube, ich habe angst vor meinen eigenen gefühlen und wünschen oder vor mir selbst, halte ich die anderen auf distanz, bleibe ich mir selbst auch fremd. wenn mich jemand nach mir fragt, muss ich erst einmal lange suchen. was mir auf jeden fall hilft, ist, zu sehen und zu erleben, dass es diese fragen gibt bzw. dass ich gefühle und regungen meinerseits auch ernst nehmen kann oder sogar soll.
in meiner familie habe ich meine gefühle auch abgespalten, das heißt eine überlebenstaktik gefahren, möglichst viel distanz, möglichst nicht so stark herunterziehen lassen, das heißt auch die eigenen gefühle bewusst ausblenden und so durch die tiefsten täler durchmarschieren. so habe ich gedacht, als mein neuer mir mehrmals gesagt hat, dass ich von meiner alten beziehung ja nichts habe, was aus seiner sicht richtig sein mag, ich jedenfalls habe resümiert, doch ich habe etwas, ich habe mein leben weitgehend so eingerichtet, dass ich nicht verletzt werden kann in einem zustand, der nicht fisch und nicht fleisch ist, wo ich mich auf quasi neutralem boden befinde. als kind habe ich die hölle erlebt, in der beziehung meiner eltern ging es um leben und tod, es gab nur entweder oder. ich kenne so gesehen keine anderen beziehungen und schon gar keine normalen, nur von außen.
ich weiß nicht, wie ich das als kind ausgehalten habe, wie das überhaupt gehen konnte. jedenfalls habe ich eine hohe leidensfähigkeit entwickelt bzw. mein jetziges leben ist dagegen ein himmelreich.
grüße simmie